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26. Oktober 2016

Wo früher das Kreuz hing, hängt heute das Rauchverbot.

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Wir haben bewegte Wochen hinter uns im Leitungsteam der “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche”. Nach zweieinhalb Jahren intensiver Vorbereitung für unser nächstes Festival am 2.Juni 2017 haben wir erfahren, dass wir einem grossen Sportevent weichen müssen. Niemand hatte uns darauf aufmerksam gemacht oder versucht, den Sportanlass zu verschieben. Unser Team hat darauf aber mit Reife reagiert. Wir haben beschlossen, trotz unzähliger vergeblicher Arbeitsstunden und verlorenem Geld nicht polemisch zu werden, sondern das sachliche Gespräch mit den „Schuldigen“ zu suchen.
Überraschenderweise hat nun aber die lokale und bald auch die nationale Presse das Thema aufgenommen und sich zusammen mit Kirchen und Politikern hinter uns gestellt. In einem Kommentar schreib ein bekannter sozialdemokratischer Politiker: Es scheint, dass wir unsere christliche Kultur von innen her aushöhlen. Wir werden nun von Menschen aus dem ganzen Land angesprochen – und ermutigt, weiterzumachen. Tatsächlich werden wir nun trotzdem einen “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche SPOT durchführen. Und wir erwarten am 2. Juni 2017 viele Menschen, die nun durch die Medien auf uns aufmerksam wurden.

Dass in den Medien auf einmal geklagt wird, dass das Christentum in unserer Gesellschaft verschwindet, ist interessant. Vor einigen Tagen hat auch ein renommierter Schweizer Schriftsteller in einer grossen Schweizer Zeitung geklagt. Thomas Hürlimann (*1950), Roman- und Theaterautor und Träger zahlreicher Preise (u.a. des Thomas Mann-Preises) kennt man nicht als einen Christen. Aber er schreibt unter anderem:

„Wir selber holen die Kreuze herunter. Aber wir werden uns noch wundern: Zuerst sterben die Zeichen, dann sterben wir ihnen hinterher. Wenn das Kreuz fällt, fallen auch wir.“

„Ich möchte nicht … in einer Gesellschaft leben, die sich restlos entsakralisiert und ihre Gläubigkeit auf Moralismus gründet.“

„ Wo früher das Kreuz hing, hängt heute das Rauchverbot.“

„ Ist man krank und verzweifelt, fühlt man sich von einem Hiob oder einem Jesus am Kreuz verstanden. Die Kreuzverächter meinen, das Kreuz mit seinem blutigen Geschehen mache uns Angst. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Der Gott am Kreuz versteht meine Ängste, begleitet mich, teilt mein Leid.“

„Jesus hat nie darüber gesprochen, was er in den drei Tagen zwischen Tod und Auferstehung erlebt hat. Auch Lazarus hat nach seiner Wiedererweckung geschwiegen. Dieses Schweigen könnte ein grosses Geheimnis bergen, aber leider sind die Kirchen nicht mehr in der Lage, solche Themen zu berühren. Deshalb tut es die Literatur …“

Das sind bemerkenswerte Aussagen. Sie können uns helfen, ebenfalls die Dinge beim Namen zu nennen. Wenn die Kirchen es nicht mehr sagen (oder wenn sie es sagen könnten und wollten, aber keine Stimme mehr in der Gesellschaft haben): Warum dann nicht die Künstler? Vielleicht gerade in Aktionen wie die “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” am 2.Juni 2017.

Text: Beat Rink

Nacht des Glaubens
Artikel Tagesanzeiger

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