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13. Juli 2016

Lieben bis es schmerzt

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„Und wenn dich jemand nötigt eine Meile zu gehen, so gehe mit ihm zwei…“
(Matthäus 5, 41)

Zur Zeit von Jesus konnten die Römer einen Nichtrömer zwingen, eine Meile weit zu gehen, um den Weg zu zeigen. Oder um Gerätschaften zu tragen – wie Simon von Kyrene, der das Kreuz von Jesus schleppen musste (Matthäus 27,32). Und da sagt Jesus: Geh zwei Meilen! Was meinte er damit?

Jesus appelliert an eine „innere Motivation“. An welche? Er verkündet bekanntlich das Reich Gottes. Darin gibt es keine äusseren Zwänge, sondern nur eine grosse innere Notwendigkeit: Liebe! “Du sollst Gott, deinen HERRN, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten als dich selbst.” (Lukas 10.27f.) So beantwortet Jesus die Frage nach den Geboten. Liebe kann man aber bekanntlich nicht befehlen, man kann sie nur wecken – und man kann an den Willen appellieren, zu lieben. Das tut Jesus. Und auch Paulus: „Denn alle Gesetze werden in einem Wort erfüllt, in dem: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.” (Galater 5, 14).

Das heisst: Die Liebe wird uns dazu bringen, eine weitere Meile zu gehen. Dass wir fähig sind zu vielen Extra-Meilen, beweisen wir übrigens oft genug. Wir haben Hobbies, für die wir viel Zeit und Geld aufwenden – und für die wir keine Reise scheuen. Oder wir sind als Touristen gern zu fernen Zielen unterwegs.
Auch als Künstler verbringen wir problemlos unzählige Extra-Stunden im Atelier, im Proberaum, auf der Probebühne oder am Schreibtisch, wenn das unfertige Werk uns dazu motiviert oder gar „nötigt“. Das ist alles gut. Aber lassen wir uns auch von der Liebe zu Gott und dem Nächsten motivieren, Extra-Meilen zu gehen?

In der christlichen Künstlerarbeit erfahren wir immer wieder, dass auf solchen Extra-Meilen ein spezieller Segen liegen kann: Da hängt eine Musikerin zum dritten Mal in der Hochschule ein A4-Blatt mit Informationen zum Gebetskreis hin, nachdem es zweimal heruntergerissen wurde. Und siehe da: Eine Studentin kommt, die Monate später aktiv mitwirkt. Oder da ruft man nochmals ein paar Musiker an, schreibt dazu eine Facebook-Nachricht und doppelt mit einer SMS nach, um sie zu einer Grillparty einzuladen. Aber sie erscheinen nicht. Dafür kommt Aline mit einigen Freundinnen – und auf einmal ergibt sich ein wertvoller Kontakt. Manchmal kommt auch gar niemand… Gerade Gebetstreffen sind selten gut besucht. Aber dann gibt man erst recht nicht auf, sondern geht eine nächste Meile. Es wird Früchte tragen!

Sie wolle „lieben, bis es schmerzt“, sagte Mutter Theresa.
Wenn wir dies einüben, folgen wir dem „Gesetz“ des Reiches Gottes.
Und wir lassen auch zu, dass damit unser eigener Charakter geformt und zudem unser Glaube gestärkt wird. Wo können wir in nächster Zeit mit „heiliger Hartnäckigkeit“ und freudiger Erwartung eine zweite Meile gehen?

Text: Beat Rink

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