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21. September 2016

Kunst und Geduld

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Als ich Opernfach zu studieren begann, hoffte und träumte ich davon, Gott würde eines Tages mein Singen so brauchen, dass andere von Jesus erfahren könnten. Ich sah mich vor meinen inneren Augen im Konzertsaal und auf der Opernbühne stehen, von Gott singen und die gute Nachricht singend weitertragen. Ich hoffte, einmal ein „singender Evangelist“ zu sein.
Allerdings: Je mehr ich meine Berufung lebte und auslotete, änderten und entwickelten sich die Dinge in eine andere Richtung als ursprünglich gedacht. Obwohl es mir gelang, meinem Publikum wunderschöne geistliche Musik zu bieten – in der Hoffnung, dass dabei viele durch die Gegenwart Gottes berührt würden, entdeckte ich, dass mein hauptsächlicher Dienst den Kollegen und Mitmusikern galt, und dies eher hinter als auf der Bühne.

Denn als christliche Musiker folgen wir ja keinem anderen Ruf als dem, der allen Christen gilt: wir sollen die Liebe Christi zunächst denen weitergeben, die mit uns den Arbeitsplatz teilen. So ist unser Arbeitsplatz ein Missionsfeld. Kürzlich hörte ich eine Lehre über das dritte Gebot: „Du sollst den Namen deines Herrn nicht missbrauchen“. Der Redner empfahl die Lesart: “Trage den Namen deines Gottes nicht missbräuchlich herum.

Da stellen sich Fragen wie: Sind wir bei unseren Kollegen würdige oder unwürdige Botschafter Gottes? Welches Gottesbild vermitteln wir durch unser Handeln und mit unserer Haltung? Zeigen wir Anderen etwas von Jesus Christus – und zwar so, dass es ihn ehrt? Sind wir uns dessen bewusst, dass wir die einzigen Botschafter von Jesus sein könnten, denen der Andere je begegnet?

Lasst uns solche Fragen eben im Blick auf unser Verhalten am Arbeitsplatz stellen: Bin ich in den Proben freundlich zu meinen Kollegen? Begegne ich ihnen mit Liebe? Verhalte ich mich gegenüber dem Dirigenten oder dem Regisseur freundlich? Für mich ist zum Beispiel wichtig, wie ich mich gegenüber andern Tenören in meinem Fach benehme: Ermutige ich sie? Übe ich ihnen gegenüber Liebe? Oder wie behandle ich die „Make up-Künstler“ und die Kostümbildner, die so hart daran arbeiten, dass ich auf der Bühne gut aussehe? Nehme ich mir zwischendurch Zeit für ein Gespräch mit dem Hausmeister, der die Böden reinigt? Bete ich mit Fleiss für jeden meiner Kollegen? Arbeite ich daran, mit meinen Kollegen ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen? Verpasse ich dies, verwirke ich auch das mir das Recht, ihnen von Jesus zu erzählen.

Ich muss jedenfalls sehr dafür beten, dass ich kein schlechter Zeuge werde, weil ich „Divo“-Allüren habe oder weil ich mich zu sehr auf meine eigene Kunst fokussiere und dabei andere überrenne. In unserer Berufung als Musiker (und als Künstler überhaupt) wollen wir doch möglichst gute Botschafter Christi sein!
Dazu gehört aber auch, dass wir unsere Fehler eingestehen und Gott darum bitten, unseren Charakter zu schleifen. Vielleicht müssen wir Bitterkeit und Wut überwinden und Heiligen Geist bitten, heilend einzugreifen. Lass uns nie vergessen, dass Gott unvergleichlich stärker daran interessiert ist, in uns zu wirken als durch uns. Wenn wir uns ihm anvertrauen und mit ihm glaubensvoll vorangehen, wird er uns sowohl mit unserer Musik auf der Bühne als auch hinter der Bühne gebrauchen – für seine Ziele und zu seiner Ehre.

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