Zurück zur Übersicht

24. August 2015

Jesus, ein Lehrer? Gedanken zum Unterrichts-Beginn

By | Tune In | No Comments
TUNE IN 138: Jesus, ein Lehrer? Gedanken zum Unterrichts-Beginn

In vielen Ländern beginnt in diesen Tagen ein neues Schul- und Studien-Semester. Das Thema “Pädagogik” ist natürlich auch für den Kunstbereich sehr wichtig. Und da viele TUNE IN-Leser entweder Studenten oder Dozenten an Musik-, Theater- oder Kunsthochschulen sind, hier einige Gedanken zum Thema.*  

 

1. Zunächst ist offensichtlich, dass sich der heutige Kulturbetrieb, nicht zuletzt geprägt von den Gesetzen von Markt und Werbung, stark auf die “Performance” ausrichtet. Auf der Bühne werden Stars geboren! Ja, Stars vielleicht! Aber gute Künstler werden in den Schulen geboren. Wer bejubelt dann konsequenterweise all jene Lehrer, die mit viel Können, Geduld und selbstlosem Einsatz die Begabungen ihrer Schüler fördern?

2. Lehrer müssten übrigens auch dort bejubelt werden, wo keine grossen Künstler geboren werden! Denn es kann niemals das ausschliessliche Ziel der Pädagogik sein, eine Elite heranzubilden. Der Flötist Christian Studler, Professor an der Musikhochschule Bern und seit Jahren Dozent im “Crescendo Sommerinstitut”, wirft immer wieder die Frage auf: “Was ist ‘jesus-mässige’ Pädagogik?” Und er betont: “Es ist jene Pädadgogik, die auf die Einzigartigkeit des Schülers eingeht und die jeden in seinen Stärken fördert.”

Christian Studlers pädagogisches Arbeiten, das diesen Grundsatz sehr konsequent durchsetzt, stösst übrigens gerade in solchen Ausbildungsstätten auf reges Interesse, wo ein ausgeprägtes Elitedenken herrscht oft im Widerspruch zur Staatsmaxime.

Obwohl Studlers un-elitärer Ansatz zu jeder guten Pädagogik gehört und obwohl viele Lehrer ebenso arbeiten, muss man fragen: Wie konsequent wird dieser Grundsatz befolgt? Wie können die Lehrer immer wieder die innere Kraft aufbringen und gegen den Strom des Elite-Denkens schwimmen, das ihnen von der Schulleitung und von den Eltern entgegenkommt? Wie gelingt es ihnen, die (vermeintlich) schwächer Begabten vor Überforderung und Entmutigung zu schützen? Und wie gelingt es ihnen, die (vermeintlich) höher Begabten vor dem Gift des Hochmuts zu bewahren, das früher oder später nicht nur ihrem Charakter, sondern auch ihrer Kunst zusetzen wird?

Christen wissen: Die innere Kraft für eine “jesus-mässige” Pädagogik lässt sich nur durch den grossen Lehrmeister selber gewinnen. Dieser stellt alles hochmütige Denken auf den Kopf, wenn er etwa sagt: “Lasst die Kinder zu mir kommen.” (Matthäus 19,14) Oder: “Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.” (Matthäus 18,3)

Ausgerechnet wie Kinder, die in der damaligen Zeit als notendiges Übel galten! Jesus wendet sich auch scharf gegen das Elite-Denken, das unter den religiösen Führern und sogar unter seinen Jüngern herrscht. Und vor allem: Er sucht nicht danach, selber bejubelt zu werden. “Jesus, der Lehrer” lautet der Titel eines bedeutsamen neutestamentlichen Buches von Rainer Riesner.

Ja, Jesus war ein grosser Rabbi und die Jünger sozusagen seine Schüler. Er förderte diese “Schüler” kosequent in ihren Stärken. So machte er zum Beispiel den Fischer Petrus, der mit einem starken Willen und Eifer (wenn nicht gar Über-Eifer) ausgestattet war, zum eifrigen Menschenfischer. Oder er berief den einfühlsamen Johannes zum Ersatz-Sohn seiner Mutter.

3. Warum verhiess Jesus aber demselben Petrus, der ihn so schmählich verleugnete: Du bist der “Fels, auf dem meine Kirche bauen will” (Matthäus 16,18)? Konnte das sein Ernst sein oder war es bloss ein Wortspiel (Petrus=Fels)? Felsenfeste Treue war gerade nicht die Stärke des Petrus! Was Jesus hier einsetzte, war wohl das pädagogische Prinzip “Hoffnung”.

Jede gute Pädagogik sieht im Schüler ein verborgenes, unentdecktes Potential. Oder war es bei Jesus doch noch mehr? Sicher: Jesus hoffte nicht einfach “aus Prinzip”, sondern er vertraute auf das Wirken des Heiligen Geistes, der in Menschen Gaben erwecken kann – und der seinen “Schülern” sogar Gaben schenkt, die vorher nicht da waren. Was hat dies nun aber noch mit menschlicher Pädagogik zu tun? Für den Lehrer, der seinen Unterricht immer wieder betend gestaltet und auch für den Studenten, der nicht nur vom Lehrer, sondern letztlich von Gott Hilfe erwartet, sehr viel !

Fragen:

  • Welche der genannten Aspekte sprechen dich besonders an?
  • Was willst du davon im Blick auf das kommende Semester umsetzen?

Kleide, was dir in den Sinn kommt, in ein Gebet.    


* Zu diesem Thema gibt es vom 18. – 21.Februar eine internationale “Crescendo Music Teachers Conference” – für Musiklehrer und auch für Studenten, die sich musikpädagogisch ausrichten. Die Konferenz wird auf Englisch gehalten. Topics include:  Music teaching that makes a difference to the community. Teachers from different countries share about their teaching / What’s different in our teaching? Taking God with you to the lesson, teaching as a form of worship / Learn from Jesus- the greatest teacher / The pupil- wonderfully made by God, helping young musicians discover their talent and worship God / How do we deal with criticism and challenges? Für weitere Informationen schreibe eine Mail an Uta Mulenga, Crescendo UK.

TUNE IN 138 vom 24. August 2015 | Das Gespräch mit Rosemary Hardy führte Beat Rink,  Präsident von ARTS+ © Crescendo 2007/2015 | Weitere TUNE INs findest Du hier |

 

Zurück zur Übersicht