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13. Juli 2016

Hatte Paulus ein psychisches Problem?

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1. Korinther 9, 16-23„Den Juden bin ich ein Jude geworden… den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden…“

Warum konnte Paulus solche Sätze sagen, die jeden Psychiater auf den Plan rufen müssten? Litt dieser Mann nicht einem massiven Persönlichkeitsverlust oder zumindest an einer Identitätskrise? Oder tauchte bei ihm vielleicht ganz massiv der sogenannte Chamäleon-Effekt auf, der viele dazu bringt, Gesten und Redeweisen anderer nachzuahmen? Sonst würde er doch nicht sagen: „Ich bin allen alles geworden…“!  

In 1.Korinther 9 macht der Apostel deutlich, dass er dem Evangelium möglichst freie Bahn verschaffen will, indem er auf die Ehe und auf einen Missionarslohn verzichtet. Und drittens – neben Sex und Geld – gibt er eben sogar die Pflege seines eigenen „Images“ auf, um lieber in die „Haut seines Gegenübers“ zu schlüpfen und in wichtigen Punkten dessen „Kultur anzunehmen“.

Darin folgt Paulus seinem Vorbild Jesus, der Menschengestalt und unsere Kultur angenommen hat – und dem man oft vorwarf, er lasse sich auf „Zöllner und Sünder“ ein. Und zudem weiss Paulus, dass der Heilsplan Gottes nicht nur den Juden, sondern aller Welt gilt.

Wie sollen wir nun Jesus und Paulus nachfolgen? Sollen wir etwa unsere Kultur aufgeben und unsere Persönlichkeit chamäleonhaft anpassen? Nein! Aber wir könnten uns auf der gleichen Linie bewegen wie Paulus und nicht um die „drei wichtigsten Dinge“ kreisen, zu denen eben auch unser „Image“ gehört. Wir könnten zum Beispiel die Worte beherzigen, die kürzlich eine Musikstudentin sagte: Mich stört, dass viele meiner Kollegen keine Zeit mehr haben für  Beziehungen.. Viele denken, sie verlören dadurch wertvolle Zeit zum Üben. Ich erlebe aber das Gegenteil: Ich werde keineswegs schlechter, wenn ich meine Zeit neben dem Studium in Beziehungen und zum Beispiel in christliche Aktivitäten unter Künstlern investiere. Ganz im Gegenteil…“  

Könnte man Paulus also so verstehen: Dass wir ruhig  etwas weniger um unser „Image“ bemüht sein sollten – und dafür versuchen könnten, andere zu verstehen  und ihre Sprache zu sprechen (s.auch TUNE IN 170)? Dass wir ruhig etwas weniger um  dieselben „Image“-Fragen kreisen sollten: „Wie wirke ich? Wie gut finden mich andere – als Mensch, als Künstler…? Wie kann ich meine Karriere fördern?“ Dann entstehen in uns und auch auf unserer Terminagenda Freiräume, die uns befähigen, uns auf andere einzulassen. Dies mit dem Ziel, dass wir Paulus nachsprechen können: „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen.“  

Text: Beat Rink

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