Zurück zur Übersicht

28. April 2016

Grüne Tafeln

By | Tune In | No Comments

Michel Quoist war ein französischer Priester, Autor und Wissenschafter. Er doktorierte über die soziologischen Strukturen der Altstadt von Rouen. 1954 veröffentlichte er das Gebetsbuch “Prières” (auf deutsch erschienen unter dem Titel “Herr, da bin ich”, englisch „Prayers of Life“), das seither in 27 Sprachen übersetzt und zu 2.5 Mio Exemplaren verkauft wurde, gefolgt von weiteren Büchern.
Quoists Gebetstexte stellen immer den Bezug zu erlebter Wirklichkeit her. Sie nehmen ihren Ausgangspunkt in alltäglichen Beobachtungen und Erlebnissen. Quoist will kein Lyriker sein, und doch sind seine Texte poetisch. Das nachfolgende Gebet hat eine feine Prise Humor – auch dies ist typisch für den Autor. Es spricht von einer grünen Tafel und ihren Erfindern. Ebenso könnte es von Kunstwerken und Künstlern sprechen. Jedenfalls können wir es sehr gut zu unserem eigenen (Künstler-)Gebet machen…

Grüne Tafeln

Die Schule ist modern.
Der Direktor beschreibt mir voll Stolz alle Annehmlichkeiten.
Der schönste Fund, Herr, ist wohl die grüne Tafel.
Die Gelehrten haben lange studiert, sie haben viele Erfahrungen gesammelt.
Jetzt wissen wir, dass grün die ideale Farbe ist, dass es die Augen nicht ermüdet, dass es beruhigt und entspannt.

Herr, ich habe daran gedacht, dass Du nicht so lange Zeit gewartet hast, um die Wiesen und Bäume grün zu malen.
Deine Forschungsinstitute haben gut gearbeitet, und um uns nicht zu ermüden, hast Du eine Menge Nuancen herausgeholt für deine modernen Wiesen. So bestehen die „glücklichen Funde“ der Menschen im Entdecken dessen, was Du vor aller Ewigkeit angedacht hast.

Danke, Herr! Du bist der gute Familienvater, der seinen Kindern die Freude lässt, selber die Schätze seines Verstandes und seiner Liebe zu entdecken.
Aber bewahre uns davor, zu glauben, dass wir etwas ohne eine Vorlage erfunden haben.

Zurück zur Übersicht