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03. Mai 2017

„Gott hat hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben“

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Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) als Gefangener – Statue von Fritz Fleer (1921-1997) bei der St.Petri-Kirche in Hamburg

“Nun aber spiegelt sich in uns allen des HERRN Klarheit mit aufgedecktem Angesichte; und wir werden verkläret in dasselbige Bild von einer Klarheit zu der andern als vom Geist des HERRN.” (2.Korinther 3,18)

“Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi.”
(2.Korinther 4,6)

Vor einigen Tagen kam meiner Frau Airi auf der Strasse ein Hindu entgegen, sofort erkennbar an seinem grossen Turban. Sie sah ihn von weitem kommen. Einige Meter vor ihr blieb er stehen und sagte laut: „Sie haben eine helle Aura! Da, über ihrem Kopf. Sie müssen eine glückliche Person sein!“
Verwundert blieb auch meine Frau stehen und fragte: „Warum sagen Sie das?“ – „Einfach so“, entgegnete der Mann, „weil dies besonders ist“.
Woher sie diese Aura wohl habe, wollte sie wissen.
„Oh, vielleicht von ihrem Grossvater. Der war sicher ein besonderer Mensch! Oder sie sind ein heiliger Mensch“.
Meine Frau lächelte und sagte: „Nein, das hat nicht mit meinem Grossvater zu tun. Und auch nichts mit mir selber. Ich bin Christin. Es kommt von Jesus Christus.“ – Da wurde der Hindu ernst.
Meine Frau fügte noch hinzu: „Und ich wünsche auch Ihnen viel Segen von Gott.“ Der Mann ging nachdenklich weiter.

Das Interessante an diesem Erlebnis war, dass sich meine Frau beim Gang durch die Strasse, gerade vom Einkauf kommend, überhaupt nicht „besonders“ fühlte. Was dieser Mann sah, hatte allein mit Jesus Christus zu tun! Dass dieser Mann überhaupt ihre „Aura“ sehen konnte, ist ebenfalls seltsam. „Aura“ ist kein Wort, das im christlichen Sprachschatz vorkommt, und wir sollten uns auch nicht mit solchen Dingen beschäftigen. Sie lenken nur vom Wesentlichen ab.
Das Wichtige ist: Christus lebt in allen, die ihm dies erlauben!

Menschen erfahren bei uns Christen immer wieder etwas „Besonderes“, selbst dann, wenn wir uns gar nicht besonders „heilig“ fühlen. Das berühmte Gebet von Dietrich Bonhoeffer „Wer bin ich? spricht in sehr eindrücklicher Weise davon. LINK

Auch in einem Bild, in einem literarischen Text, in einer Choreografie, in einem Theaterstück oder in einem Konzert kann etwas von Christus erfahrbar werden kann. Dies selbst dann, wenn Christus gar nicht explizit vorkommt.
Es überhaupt nicht falsch, den Glauben in einem Kunstwerk zu thematisieren, wenn dies künstlerisch überzeugend geschieht.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber „Authentizität“, um dieses Modewort zu gebrauchen. Man kann nämlich ein Kunstwerk auch „christlich aufpeppen“, ihm einen „christlichen Touch“, einen fromm-emotionalen Anstrich geben. Aber ist es dann wirklich Christus, der „sichtbar“ wird – oder eher unser eigenes Tun? (Sicher: Gott in seiner Gnade kann selbst durch unser „frommes Spiel“ hindurch wirken. Aber er möchte uns zugleich von allem unechten „Schein“ befreien!)
Dasselbe gilt für unser Leben: Auch das Christ-Sein können wir recht gut „spielen“. Wir wissen zum Beispiel, wie wir uns am Sonntagmorgen zu benehmen haben. Oder wir orientieren uns an Frömmigkeitsformen anderer Kulturen und ahmen sie fleissig und manchmal auch angestrengt nach.

Fazit:

1.Authentizität, Echtheit gewinnen wir dann, wenn wir uns immer wieder in Erinnerung rufen: Christus lebt in uns.

2. Wir müssen dann das Christ-Sein nicht „spielen“. Umso natürlicher dürfen wir dann die Gemeinschaft mit unserem Herrn pflegen und ihm erlauben, uns „in sein Bild“ zu verwandeln.

3. Dies gilt auch für unsere Kunst.

Text: Beat Rink

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