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16. Dezember 2019

God’s Spirit and Art / Gottes Geist und Kunst

By | Tune In | No Comments

ENGLISH
   
As a continuation of the observations made in TUNE IN 312, let us listen once again to the theologian Rudolf Bohren, who speaks in his book «Dass Gott schön werde» [= «So that God may become beautiful»] of how churches become boring without aesthetics.
 
God’s Spirit and Art
The fact is that God’s Spirit wishes to reveal himself in art and to work through art. But how? After all, art is always created by man – and in many cases by persons who do not believe in God in any way! And art is never «pure» and is always human. And sometimes, it appears, it is even permeated by other spirits. How, then, can God’s Spirit work through art, if it is never entirely «pure»?
Here Bohren speaks of how we must find a new understanding of the working of the Holy Spirit.
 
The diminished form of God
At Christmas we celebrate the fact that God became man. The Word became flesh. At Pentecost, however, the Spirit was poured out on all flesh. «He did not become human, as God became man, but He came into man.» One can therefore say that God diminished himself: «In the Spirit, God is present to man in a modality* different to the one in which he was present in Christ. The Spirit becomes anonymous, can hardly be identified anymore, He becomes mixed in with the human. He can hide himself, He can become lost in man; for now He does not merely unite with the sinless Man from Nazareth, but with the sinner, wherever he is, and this uniting and mixing takes many forms. As an impulse and as a gift to do the good and the beautiful in all places…»
 
The Spirit gets involved
«I almost wanted to say that the Holy Spirit appears in manifold tasks. In church and in the world, in nature and culture. By becoming mixed with the human, the Spirit transcends the limits of the human, penetrates into the material. He works by getting involved; the dimension of the creature and of creativity becomes His vehicle.» Here Rudolf Bohren quotes the surprising description in Acts 19,11-12:  «  God did extraordinary miracles through Paul, so that even handkerchiefs and aprons that had touched him were taken to the sick, and their illnesses were cured and the evil spirits left them.» This means (according to Bohren): «God becomes practical all the way through into matter; but neither the material nor the practical become God…»
 
Dangers
The last sentence speaks of the danger that may arise when we see a work of art as being «divine». Often, an artist with Spirit-given gifts (just as other people have other gifts given by the Spirit) may tend to raise himself above others. This, however, saddens God’s Spirit, who is at work in other people.
But, because the Spirit now mixes himself with the human (in art, for example), a discerning of the spirits is necessary: «The mixing of the Spirit with human calls for ‘de-mixing’: the Spirit should be recognised and named.»
 
Conclusion
These theological observations by Rudolf Bohren can help us in practice.

1.
If we understand that God’s Spirit becomes involved and mixes Himself with our spirit, we do not need to make frantic efforts to become “holier” and more Spirit-filled in order to be able to count on His working. We are free to trust that He is happy to work through our imperfection – even in imperfect works of art, created by sinners – but by sinners, who strive for holiness and for being filled with the Holy Spirit.

2.    
If God’s Spirit also wishes to work in the art created by non-Christians, new ways open up for speaking to our colleagues about faith. In this sense, for example, we might ask, «Somehow I detect that God works through your art. How do you see that…?»

3.    
We should never cease to test, intellectually and with the gift of spiritual discernment, whether some art gives space for God’s Spirit and is even permeated by Him, or whether it is in the grip of other spirits who perhaps wish to entice us under their power or to burden us. Then we do well if we regard such art from the right inner distance or if we cease to concern ourselves with it any further.
 
 * Modality = manner, form.  
 
Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH


Als Fortsetzung der Ausführungen im TUNE IN 312 hören wir nochmals auf den Theologen Rudolf Bohren, der in seinem Buch «Dass Gott schön werde» davon spricht, dass die Kirchen ohne Ästhetik langweilig werden.

Gottes Geist und Kunst
Gottes Geist will sich nämlich auch in der Kunst zeigen und durch Kunst hindurch wirken. Wie das? Kunst ist doch immer von Menschen geschaffen – womöglich von Menschen, die gar nicht an Gott glauben! Und Kunst ist nie «rein» und frei von Menschlichem. Und sie ist manchmal sogar, so scheint es, von anderen Geistern durchdrungen. Wie kann dann Gottes Geist durch Kunst hindurch wirken, wenn diese nie ganz «rein» ist?
Bohren spricht nun davon, dass wir das Wirken des Heiligen Geistes neu verstehen müssen.

Die Verkleinerung Gottes
An Weihnachten feiern wir, dass Gott Mensch wurde. Das Wort wurde Fleisch. An Pfingsten aber wurde der Geist über das Fleisch ausgegossen. «Er wurde nicht Mensch, wie Gott Mensch wurde, er kam in die Menschen.» Man kann also sagen, dass sich Gott verkleinert: «Gott ist im Geist in einer anderen Modalität* dem Menschen gegenwärtig als er in Christus war. Der Geist wird anonym, ist kaum mehr zu identifizieren, er mischt sich mit dem Menschlichen. Er kann sich im Menschen verstecken, er kann sich verlieren; denn nun vereinigt er sich nicht bloss mit dem Sündlosen aus Nazareth, sondern mit dem Sünder von überall und anderswo, und dieses Vereinigen und Vermischen hat vielerlei Gestalt. Als Impuls und als Gabe, das Gute und Schöne zu tun in aller Welt…»

Der Geist mischt sich ein
«Fast möchte ich sagen: Der Heilige Geist erscheint in mannigfacher Ausgabe. Kirchlich und weltlich, in Natur und Kultur. Indem sich der Geist ins Menschliche mischt, geht er über das Menschliche hinaus, geht er hinein ins Materielle. Er wirkt, indem er sich einmischt; das Geschöpfliche, das Gemachte wird sein Vehikel.» Rudolf Bohren führt hier die seltsame Stelle aus Apostelgeschichte 19,11-12 an:  «Auch ungewöhnliche Machttaten tat Gott durch die Hand des Paulus. Sogar seine Schweißbinden und Tücher, die er auf der Haut getragen hatte, nahm man weg und legte sie den Kranken auf; da wichen die Krankheiten und die bösen Geister fuhren aus.» Das heisst (nach Bohren): «Gott wird in die Materie hinein praktisch; aber weder die Materie noch die Praxis werden Gott…»

Gefahren
Der letzte Satz spricht von den Gefahren, die etwa dort auftreten, wo wir ein Kunstwerk als «göttlich» betrachten. Oft neigt auch ein geistbegabter Künstler (so wie ein auf andere Weise geistbegabter Mensch) dazu, sich über andere zu erheben. Damit wird Gottes Geist jedoch betrübt, der auch in anderen Menschen wirkt.
Weil sich der Geist nun aber vermischt (zum Beispiel in der Kunst), braucht es die Prüfung der Geister: «Die Vermischung des Geistes mit dem Menschlichen ruft nach ‘Entmischung’. Der Geist soll erkannt und benannt werden.»

Schlussfolgerung
Diese theologischen Ausführungen von Rudolf Bohren können uns in der Praxis helfen.

1.
Wenn wir verstehen, dass Gottes Geist sich einmischt und vermischt mit unserem Geist, müssen wir nicht krampfhaft versuchen, «heiliger und geisterfüllter» zu werden, um mit seinem Wirken zu rechnen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er gerne durch unsere Unvollkommenheit hindurch wirkt – auch in unvollkommenen Kunstwerken, geschaffen von Sündern. – Aber sicher von Sündern, die nach Heiligung und Geisterfüllung streben.

2.    
Wenn Gottes Geist auch in der Kunst wirken will, die von Nicht-Christen geschaffen werden, öffnen sich neue Wege, um mit unseren Kollegen über den Glauben zu sprechen. So könnten wir dann etwa fragen: «Irgendwie erfahre ich, dass Gott durch deine Kunst wirkt. Wie denkst du darüber…?»

3.    
Wir sollten nicht aufgeben, intellektuell und mit der Gabe der Geistesunterscheidung zu prüfen, ob Kunst Gottes Geist Raum gibt und sogar von ihm durchdrungen ist, oder ob sie stark von anderen Geistern besetzt ist, die uns möglicherweise in ihren Bann ziehen oder belasten. Dann tun wir gut daran, solcher Kunst mit der richtigen inneren Distanz zu begegnen oder sich nicht weiter mit ihr zu beschäftigen.

Text: Beat Rink

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