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21. Dezember 2016

Eine wundervolle Weihnachtskantate von 1953

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Arthur Honeggers (1892-1955) Weihnachtskantate gehört zu den wundervollsten Vertonungen des Weihnachtsgeschehens aus neuerer Zeit. Es ist ein Werk aus der Mitte des 20.Jahrhunderts. Dies ist nicht nur an seiner musikalischen Sprache ablesbar, sondern auch am Weg, auf den der Komponist uns Zuhörer mitnimmt. Die Kantate beginnt mit düsteren Klängen zu den Worten „De profundis clamavi ad te, Domine“ – „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“. Dieser Klageruf aus Psalm 129 (bzw.130) liegt übrigens auch dem 2.Satz der 3. Symphonie („Liturgique“) zugrunde, die Honegger in den Kriegswirren von 1945 geschrieben hat. Die 2.Symphonie, geschrieben 1941 im besetzten Paris, beginnt ebenso düster.

Aber wie sich Honeggers Musik in diesen beiden Symphonien nicht der Verzweiflung überlässt (die 2.Symphonie endet mit einem Trompetenchoral, die 3.Symphonie mit der musikalischen Umsetzung des Gebets „Dona nobis pacem“), so bricht in der Weihnachtskantate bald die Botschaft herein, „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch grosse Freude…“, überbracht vom Bariton-Solo. Und nun öffnet sich allmählich der Himmel. Die Engel stimmen verschiedene Weihnachtslieder an, die sich zu einem gewaltigen Klangteppich verweben. Die 1940 begonnene und 1953 vom todkranken Komponisten vollendete Weihnachtskantate mündet in ein fast explosionsartig hervorbrechendes „Laudate omnes gentes“ und schliesst mit einem breit gemalten Amen, nach dem noch einmal Weihnachtsmelodien anklingen.
Es lohnt sich, das ganze Werk in einer ruhigen Stunde zu geniessen.

Wir wünschen unseren TUNE IN-Leserinnen und Lesern (es sind mittlerweile weltweit gegen 3000 Künstler aus verschiedenen Sparten und vielen Ländern) von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Text: Beat Rink

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