ENGLISH

Thesis 7 on «Art and Church»: 
«Churches (and Christian organisations) are open for artists who bring with them independent, original and creative ideas. At the same time, artists should not celebrate their originality, and churches should not celebrate any kind of uniform culture.»

In the blog by the woman pastor Ulrike Bittner I read an entry she wrote after the death of a colleague who had worked modestly and unnoticed and who, despite his great personal charisma, despite the spiritual fruits of his work and despite his individual approach, received little attention from those in higher positions on the church.
In her blog, she regrets that church bodies often choose «their own kind»: «I sometimes have an uneasy feeling when I see how people of average gifts receive a lot of attention in the protestant churches and are raised to high positions. These are the people who «are just like oneself». In my eyes, the churches just reproduce themselves, even in our days. There is a fear of true lowliness and a fear of true greatness. But one must be able to recognise and honour both.»

Is this why there are so few original minds in the churches? The same could no doubt be said of other institutions, for example the state, business, perhaps even cultural institutions (?!): one takes notice of and primarily chooses those who are «their own kind».

Getting back to the church: In my discussions with artists, I often hear statements like this: «Our church is afraid of new ideas. It prefers to stick to the old traditions. That is why it is so boring. I can no longer find a place for myself there.» It is dramatic when artists can no longer find a place in the churches. Here it is not even a question of whether their art finds a place, but whether their innovative spirit is welcome. This is dramatic not only for artists, for they have the option of joining Christian artists’ movements in order to survive spiritually and to remain in «discipleship». It is above all dramatic for the churches! This situation means that the churches lose original minds. Of course, such minds are not found only in artists. But it seems that artists more readily dare to voice their opinions than other people do. Many of them, if their attempts bring no fruit, go into external or perhaps even internal exile.

This is not the place to reproach churches, for our TUNE INs are addressed to artists. We therefore offer some suggestions to artist colleagues:

1.     Remain in a church and take part in the work!
2.     Artists are often idealists. In art, an idea can be realised much more quickly than in (church) reality. So stay close to reality!
3.     For Christians, close to reality means being full of both hope and vision. Prayer is therefore important: pray with others interested in renewal in your church.
4.    Do not adopt the stance of a «revolutionary» and do not celebrate your own originality!
5.     Perhaps you should work in a limited field of ministry and implement one or other of your innovative ideas there. This can then be a signal to others that something is moving in the church – and that they too can help to shape things.
6.     Where a church celebrates its own tradition, does not wish to change anything and remains trapped in mediocrity, this becomes difficult. One consequence might be to look for another church.
7.     Be part of a non-denominational artists’ network. Many of those who get involved in movements of this kind receive support there for their ministry in the church.

Text: Beat Rink – brink@crescendo.org / translation: Bill Buchanan
Photo: Esther Niyifasha, A musician from Rwanda playing in a church service the indigenous  instrument Inanga

DEUTSCH

These 7 zu «Kunst und Kirche»:
«Kirchen (und christliche Organisationen) sind offen für Künstler, die eigenständige, originelle und kreative Ideen einbringen. Künstler sollten dabei nicht ihre Originalität und Kirchen sollten keine einförmige Kultur zelebrieren.»

Ich lese im Blog der Pfarrerin Ulrike Bittner einen Eintrag, den sie  nach dem Tod eines Kollegen schreibt, der bescheiden im Verborgenen gewirkt hat und trotz seiner grossen Ausstrahlung, trotz seiner geistlich fruchtbaren Arbeit und wohl gerade wegen seiner Eigenständigkeit nie gross von den Kirchenoberen beachtet wurde.
Die Blogschreiberin bedauert, dass kirchliche Gremien oft «Ihresgleichen» wählen: «Ich bin manchmal merkwürdig berührt davon, wie in den evangelischen Kirchen die mittelmässig begabten Menschen umworben und in Ämter gehoben werden. Es sind diejenigen, die «so sind, wie man selbst ist». In meinen Augen reproduzieren die Kirchen sich damit selbst, auch in unserer Zeit. Es gibt eine Angst vor wirklicher Niedrigkeit und es gibt eine Angst vor wirklicher Grösse. Beides aber muss man erkennen und ehren können.»

Gibt es deshalb so wenig originelle Köpfe in den Kirchen? Das gleiche liesse sich wohl auch von anderen Institutionen, zum Beispiel vom Staat, von der Wirtschaft, vielleicht sogar von kulturellen Institutionen (?!) sagen: Man beachtet und wählt vor allem jene, die «so sind, wie man selbst ist».

Zurück zur Kirche: In meinen Gesprächen mit Künstlern höre ich immer wieder Sätze wie: «Unsere Kirche hat Angst vor neuen Ideen. Lieber verharrt sie in alten Traditionen. Deshalb ist sie so langweilig. Ich finde keinen Platz mehr in ihr.» Es ist dramatisch, wenn Künstler keinen Platz mehr in den Kirchen finden. Es geht dabei für einmal nicht um die Frage, ob ihre Kunst Platz hat, sondern ob innovativer Geist willkommen ist. Es ist  dramatisch nicht nur für Künstler, denn diese können, um geistlich zu überleben und in der «Nachfolge» zu bleiben, sich christlichen Künstlerbewegungen anschliessen. Es ist vor allem dramatisch für die Kirchen! Dadurch verlieren die Gemeinden ihre originellen Köpfe. Natürlich gibt es nicht nur unter Künstlern solche Köpfe. Aber Künstler wagen es wohl eher als andere, ihre Meinung kundzutun. Viele gehen, wenn die Versuche nichts fruchten, ins äussere oder dann in ein inneres Exil.

Hier ist nicht der Ort, Kirchen zu beraten, denn die TUNE INs richten sich an Künstler. Deshalb einige Ratschläge an Künstler-Kolleg*innen:

1.     Bleibt in einer Kirche und wirkt mit!
2.     Künstler sind oft Idealisten. In der Kunst lässt sich schneller eine Idee verwirklichen als in der (kirchlichen) Wirklichkeit. Bleibt deshalb realitäts-nah!
3.     Realitäts-nah heisst für Christen zugleich hoffnungsvoll und visionär. Deshalb ist Gebet wichtig: Betet mit anderen Erneuerungs-Willigen für eure Kirche.
4.     Tretet nicht als «Revolutionäre» auf und zelebriert nicht eure eigene Originalität!
5.     Wirkt vielleicht in einem abgegrenzten Dienstbereich mit und setzt dort die eine innovative Idee um. Dies kann für Andere ein Signal dafür sein, dass sich in der Kirche etwas bewegt – und dass sie selber mit-gestalten können.
6.     Wo eine Kirche ihre eigene Tradition zelebriert, nichts verändern will und in Mittelmässigkeit gefangen bleibt, wird es schwierig. Eine Konsequenz könnte sein, eine andere Kirche zu suchen.
7.     Seid Teil eines überkirchlichen Künstler-Netzwerks. Viele, die sich in einer solchen Bewegung einsetzen, erhalten von dort Unterstützung für ihren Dienst in der Kirche.

Text: Beat Rink (brink@crescendo.org)
Foto: Die ruandische Musikerin Esther Niyifasha spielt in einem Gottesdienst das Volksinstrument Inanga

HERZLICHE EINLADUNG AN MITGLIEDER

& INTERESSIERTE!

Freitag, 6. November 2020

im Studio 21 am Zentweg 21 in Ostermundigen.

Anfahrtsplan:

www.facebook.com/studio21.bern/

PROGRAMM

17.00 Uhr

GV der Mitglieder

ab 18.00 Uhr
Eintreffen weiterer Gäste

(mehr …)

Wer gerne beim «Project-Dating» mitmachen möchte, melde sich bis zum 26. Oktober 2020
bei Astrid Künzler project@artsplus.ch.

Das Präsentationsfenster besteht aus 3 x 12 Minuten persönlicher Kontaktaufnahme. Auf ca. 30 x 30 cm kann die eigene künstlerische Arbeit präsentiert werden (Dokumentationen,Flyer, Foto o.ä.).

(mehr …)

Die Kindheit ist die Oase, die wir verloren haben. Die Kindheit ist die Oase, die wir su­­chen. In einem Auge, das keine Kindheit zeigt, ist nichts Gutes. Vertraue nie einem Geschöpf, in dessen Auge du nicht eine Kindheit findest!

Ibrahim al-Koni, Die verheissene Stadt, arabisch 1997.

Wenn er von Oasen schreibt, weiss er, was er tut. Ibrahim al-Koni ist ein Targi, gehört also zum Volk der Tuareg, hat seine Heimat in der libyschen Wüste und spricht als Mut­tersprache Tamahaq, eine Sprache der Berber. Im riesigen Raum der Sahara, heute ge­teilt von den Ländern Al­gerien, Libyen, Niger, Burkina Faso und Mali, sind die Tua­reg als No­ma­­den unterwegs. Der Name Targa bezeichnet ursprünglich das wasser­rei­che und fruchtbare Wādī al-Ḥayā im Südwesten Libyens und kann deshalb in der Berberspra­che auch den idealen Garten be­zeichnen.

Die Oase, von der Ibrahim al-Koni hier träumt, der Targi von der Targa, ist also nicht ir­gendeine, sondern das Paradies der Kindheit, aus dem das Leben, zumal das no­ma­­dische, einen für immer vertreibt und das einem gerade deshalb nie aus dem Sinn geht. In den Worten Ernst Blochs, des Philosophen der Hoffnung, ist es die Heimat als ein utopisches etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war. Beiden, dem Berber im schweizerischen Exil und dem Deutschen im amerikani­schen, geht es dabei weniger ums Finden eines realen Gartens, einer realen Oase, einer realen Heimat, die das verlorene und gesuchte Ideal erfüllt, als vielmehr um die Hal­tung des Suchens. Bloch nennt sie in seinem Hauptwerk Hoffnung (1938-47), al-Koni in diesem Roman Sehnsucht. Beiden eignet eine religiöse Energie, deren Aus­rich­tung bildlich auch verheissene Stadt heissen kann oder Utopie des Rei­ches Got­tes. Biblisch ist sie das himmlische Jerusalem (Offb 21,1-2).

Im dritten seiner drei thetischen Sätze verortet al-Koni die Haltung des Hoffens und Sehnens: Das Auge eines Menschen zeigt, ob er diese Haltung hat oder nicht. Hat er sie, so kann man ihm vertrauen. Hat er sie nicht, so ist nichts Gutes zu erwarten. Die­se weisheitlich anmutende Mahnung ist es denn auch, die der Berber im Exil litera­risch vermittelt: Vertraue nie einem Geschöpf, in dessen Auge du nicht eine Kindheit fin­dest! Was für ein Rat!

Im Auge eines Menschen eine Kindheit zu finden, wann ist das der Fall? Wenn es träu­mend in die Ferne schweift? Wenn es einen Schalk vorüberhuschen lässt? Wenn es sich hinter einem Schleier aus Tränen verzieht? Ein Auge, das Gefühle verrät, oh­ne sich blosszustellen, das mich beteiligt, ohne mich zu benutzen, das Wärme und Schwäche ausdrückt, ohne zu betteln: Ist es das? – Im Auge eines Menschen keine Kindheit zu finden, wann ist das der Fall? Wenn es einen anstarrt, fixiert und lähmt? Wenn es von oben herab und mit gehobener Braue gebietet? Wenn es scheel Dinge unterstellt, die weder zu bestreiten noch zu beweisen sind? Ein Auge, das fordert, oh­ne irgendetwas zu schenken, das leer ist und stiert, ohne etwas zu erwarten, das Kälte und Unerbittlichkeit ausstrahlt, ohne einen Kompromiss zu signalisieren: Ist es das?Klar ist, dass nicht suchen kann, wer nicht verlieren konnte, und nichts fin­den wird, wer nicht unterwegs ist. Wer nichts erhofft und nichts ersehnt, ist schon tot. Tote Augen zeigen keine Kindheit. Vertraue nie einem Geschöpf, in dessen Auge du nicht eine Kindheit fin­dest! Was für ein Rat!

Die Haltung des Suchens, die ein Hoffen und Sehnen bedeutet, erkennt, ob ein Auge tot ist oder lebt. Es ist die Oase, die sich spiegelt in der Iris, die Kindheit, die flackert im Blick, die Oase der verlorenen und verheissenen Kindheit, die Vertrauen schafft in der Fremde und unter Fremden, die Befremdliches überwindet. Deine Augen sind Tau­ben hinter deinem Schleier, sagt der Liebende zur Geliebten (Hld 4,1).

ENGLISH

The 6th thesis in our series on «art and church»:
«Churches which nurture the various gifts of the believers should also create room for art.»

Where are the gifts in the church?
In the New Testament we read a great deal about the various gifts and offices of the first Christians (e.g. in Rom. 12, 6-8 / 1 Cor.11, 8-10).  As church history shows, however, these gifts were often neglected, forgotten or cut back in the next centuries. The practice of the church went in this direction: the priests, the pastors are the main bearers of the charisms. They are to keep a check on the charisms of the believers by exercising their gift of discernment. There were, nevertheless, charismatic outbreaks that brought blessing. Yet from the earliest times (more precisely, from the second century onwards, when so-called Montanism arose, with its unhealthy fixation on supernatural wonders and on the workers of wonders), such outbreaks were typically regarded with scepticism and were generally curbed.

The general priesthood of all believers
The Reformation appealed (contrary to the existing hierarchy of the church) to 1 Peter 2,9. This passage speaks of a «general [royal] priesthood». That could be understood this way: all Christians have a «priestly» task. They should all be able to use their gifts in the congregation – which does not mean that there should be no ordained priests and pastors. But the latter are servants of the congregation and have the task, above all, of creating space for the spiritual gifts in the churches.
In the Catholic Church, too, the gifts of believers (not only of the priests!) are receiving more emphasis, as the following passages show: “The Holy Spirit sanctifies and leads the people of God and enriches it with virtues, but, ‘allotting His gifts to everyone according as He wills’ (1 Cor. 12:11), He distributes special graces among the faithful of every rank.” (lumen gentium, 12 / Pope Paul VI / 1964) or:  «The Holy Spirit also enriches the entire evangelizing Church with different charisms. These gifts are meant to renew and build up the Church.» (evangelii gaudium 130 / Pope Francis, 2013)

Are artists priests?
Artists therefore automatically belong to the «priesthood» if they belong the church as Christians. What, then, is their contribution? This must not necessarily be in the artistic field. But artists could hear this from the churches: «We would like you to be able to get involved in our church as an artist if you wish to. Your art can be a blessing for us. Let’s think together about what this could mean in concrete terms.»

Is art a gift of the Spirit?
The fact is, however, that the church needs art: worshipping God, in interpreting and transmitting the biblical message, in creating and furnishing rooms for church services and for meeting one another, in ministry to people outside the church etc., etc.
Is art therefore also a «charism» in the biblical sense? In my view, no! But it can work together with charisms.
When Bezalel, who built the tabernacle of meeting, was filled with God’s spirit (Exodus 35, 30), when David played for Saul and drove away the evil spirit (1 Samuel 16), we can already see examples of art working together with the Holy Spirit in Old Testament times. Similarly, art can in principle work together with prophecy, wisdom, speaking in tongues, discernment of spirits, healing and other gifts. It would be interesting to collect examples of this…
One point should be noted in this context, however: the charismatic effect of a work of art is not automatically a guarantee of its artistic quality! That is, an artist cannot use the spiritual effect of a work as an excuse for bad art.

Questions

  • Where have you had the experience that art (yours or someone else’s) has had a tangible spiritual effect in the church (or in another setting)?
  • Where have you discovered that God’s spirit helps you in your art? Are you continuing to reckon with this dimension?
  • Where have you discovered that art (yours or someone else’s) can work together with charisms?

Text: Beat Rink brink@crescendo.org/ translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Die 6. These in unserer Reihe zu «Kunst und Kirche» lautet:
«Kirchen, die die verschiedenen Gaben der Gläubigen fördern, sollten auch Raum schaffen für Kunst»

Wo sind die Charismen in der Kirche?
Im Neuen Testament lesen wir viel von den verschiedenen Gaben und Ämtern der ersten Christen (z.B. in Rö 12, 6-8 / 1.Kor.11, 8-10).  Wie die Kirchengeschichte allerdings zeigt, wurden diese Gaben in den nachfolgenden Jahrhunderten  oft vernachlässigt, vergessen oder beschnitten. Die Kirchenordnung gab etwa vor: Die Priester, die Pfarrer sind die hauptsächlichen Träger der Charismen. Sie müssen die Charismen der Gläubigen durch ihre Gabe der Geistesunterscheidung kontrollieren. Es gab allerdings auch segensreiche charismatische Aufbrüche. Doch seit frühester Zeit (genauer: seit dem 2. Jahrhundert, als im sog. Montanismus eine ungesunde  Fixierung auf übernatürliche  Wundertaten und Wundertäter aufkam), wurden solche Aufbrüche auch skeptisch betrachtet und eher gedämpft.

Das “allgemeine Priestertum aller Gläubigen”
Die Reformation berief sich (gegen die bestehende Hierarchie der Kirche) auf 1.Petrus 2,9. Dort ist vom «allgemeinen Priestertum» die Rede. Das konnte so verstanden werden: Alle Christen haben einen «priesterlichen» Auftrag. Alle sollten ihre Gaben in die Gemeinschaft einbringen können. – Dies heisst nun nicht, dass es keine ordinierten Pfarrer und Pastoren mehr geben soll. Aber diese sind Diener der Gemeinde und haben vor allem den Auftrag, für die geistlichen Gaben in den Kirchen Raum zu schaffen.
Auch in der katholischen Kirche werden immer mehr die Gaben der Gläubigen (nicht nur der Priester!) betont, wie folgende Stellen zeigen: “Derselbe Heilige Geist heiligt außerdem nicht nur das Gottesvolk durch die Sakramente und die Dienstleistungen, er führt es nicht nur und bereichert es mit Tugenden, sondern “teilt den Einzelnen, wie er will” (1 Kor 12,11), seine Gaben aus und verteilt unter den Gläubigen jeglichen Standes auch besondere Gnaden.»
(lumen gentium, 12 Papst Paul VI / 1964) oder: «Der Heilige Geist bereichert die ganze evangelisierende Kirche auch mit verschiedenen Charismen. Diese Gaben erneuern die Kirche und bauen sie auf.» (evangelii gaudium 130 /Papst Franziskus, 2013)

Sind Künstler Priester?
Künstler gehören somit automatisch zur «Priesterschaft», wenn sie als Christen einer Kirche angehören. Was ist nun ihr Beitrag? Dieser muss nicht unbedingt künstlerischer Art sein. Aber Künstler könnten von den Kirchen hören: «Wir möchten, dass du dich als Künstler in unserer Kirche einsetzen kannst, wenn du dies willst. Deine  Kunst kann für uns ein Segen sein. Lass uns zusammen darüber nachdenken, was das konkret heisst.»

Ist Kunst ein Charisma?
Tatsache ist doch, dass Kirche die Kunst braucht: in der Anbetung Gottes, in der Auslegung und Vermittlung der biblischen Botschaft,  im Schaffen und Einrichten von Räumen für den Gottesdienst und für die Begegnung untereinander,  im Dienst für die  Menschen ausserhalb der Kirche usw. usw.
Ist Kunst deswegen auch ein «Charisma» im biblischen Sinn? Ich meine: nein! Aber sie kann sich mit Charismen verbinden.
Wenn Bezalel, der Erbauer der Stiftshütte, von Gottes Geist erfüllt wird (2.Mose 35, 30), wenn David vor Saul spielt und der böse Geist flieht (1.Samuel 16), so verbinden sich bereits zu alttestamentlichen Zeiten Kunst und das Wirken des Heiligen Geistes. So kann sich Kunst grundsätzlich auch mit Prophetie, Weisheit, Zungenrede, Geistesunterscheidung, Heilung und anderen Gaben verbinden. Es wäre interessant, Beispiele dafür zu sammeln…
Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings: Die charismatische Wirkung eines Kunstwerks sagt noch nichts über die künstlerische  Qualität aus! Das heisst: Ein Künstler kann die geistliche Wirkung eines Werks nicht als Alibi für schlechte Kunst brauchen.

Ein paar Fragen

  • Wo hast du erlebt, dass (deine oder andere) Kunst in der Kirche (oder in einem anderen Kontext) eine erfahrbare geistliche Wirkung entfaltet?
  • Wo hast du entdeckt, dass Gottes Geist dir in deiner Kunst hilft? Rechnest du noch mit dieser Dimension?
  • Wo hast du entdeckt, dass (deine oder andere) Kunst sich mit Charismen verbinden kann?

Text: Beat Rink (brink@crescendo.org)

ENGLISH

A year ago, the Swiss branch of ARTS+ invited artists and theologians to a symposium. One of the topics was the relationship linking art, artists and church. They also discussed 20 theses on the subject of “art, artists and church”.
For this and the next editions of our TUNE INs we have reformulated these theses and added questions. They are therefore an invitation to join in the discussion. On Facebook (LINK) you can write your comments and talk to other contributors.

1. It is good for the church to develop an interest in art and aesthetics. Every church should promote the awareness that the miracles of creation, God’s saving acts, the church and God’s kingdom are “beautiful”. Theologians also rightly speak of ‘the beauty of God’.

2. The church should therefore create a “beautiful living space”. Not only by including good art, but also by encouraging loving relationships among members. The church invites people into this space. Expressions of “beauty” can be, for example, friendliness, joyfulness and hospitality.

3. The church looks after its own art-historical heritage. For a start, this includes the Bible – and then also its own art history with the testimony embedded in it.

Questions:

  • Do we in our churches still have an awareness of the profound value of “beauty”?
  • And of the fact that beauty ultimately speaks about God’s love?
  • Where do we pay attention to aesthetics in our churches and create “beautiful living spaces”?
  • What aesthetics (and what kind of relationships with each other) characterise the church that we attend?
  • Could it be that churches often cultivate very particular aesthetics and have their own “aesthetic house smell” – perhaps in order to avoid any similarities to other churches or to “the world”?
  • Could it be that churches are content with second-class aestheticsbecause they have no sense of the deep meaning of “beauty”?
  • How can we artists contribute to making our churches “more beautiful”?

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
Picture from Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – performance of Ike Sturm’s Jazz Mass. Photo: Crescendo

 

DEUTSCH

Vor einem Jahr lud der Schweizer Zweig von ARTS+ Künstler und Theologen zu einem Symposium ein. Es ging dabei auch um das Verhältnis von Kunst, Künstlern und Kirche. Unter anderem wurden 20 Thesen zum Thema „Kunst, Künstler und Kirche“ diskutiert.
Für diese und die nächsten Ausgaben der TUNE INs haben wir diese Thesen neu formuliert und um Fragen erweitert. Wir laden damit zur Diskussion ein. Auf Facebook (LINK) kann man seine Kommentare schreiben und miteinander ins Gespräch kommen.

1. Es ist gut für die Kirche, wenn sie ein Interesse für Kunst und Ästhetik entwickelt. In jeder Kirche sollte das Bewusstsein gefördert werden, dass die Wunder der Schöpfung, Gottes Heilshandeln, die Gemeinde und das Reich Gottes „schön“ sind. Theologen sprechen richtigerweise auch von der ‘Schönheit Gottes’.

2. Kirche sollte deshalb einen „schönen Lebensraum“ schaffen. Dies nicht nur, indem sie gute Kunst einbezieht, sondern auch, indem sie den liebevollen Umgang miteinander fördert. Sie lädt Menschen in diesen Raum ein. Ein Ausdruck von „Schönheit“ sind etwa Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft.

3. Die Kirche trägt Sorge zu ihrem eigenen kunstgeschichtlichen Erbe. Dazu gehört bereits die Bibel – und dann die eigene Kunstgeschichte mit dem in ihr eingelassenen Zeugnis.

Fragen:

  • Wissen wir in unseren Kirchen noch um den tiefen Wert von „Schönheit“?
  • Und davon, dass Schönheit letztlich von Gottes Liebe spricht?
  • Wo pflegen wir in unseren Kirchen Ästhetik und schaffen „schöne Lebensräume“?
  • Von welcher Ästhetik (und von welchem Umgang miteinander) ist die Kirche geprägt, in die wir gehen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen oft eine ganz spezielle Ästhetik pflegen und einen eigenen „ästhetischen Stallgeruch“ haben – vielleicht, um sich von anderen Kirchen oder von der „Welt“ abzugrenzen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen sich mit zweitklassiger Ästhetik zufrieden geben, weil die tiefe Bedeutung von „Schönheit“ nicht erkannt wird?
  • Wie können wir Künstler daran mitwirken, dass unsere Kirchen „schöner“ werden?

Text: Beat Rink
Bild:  Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – Aufführung von Ike Sturm Jazz Mass. Foto: Crescendo

ENGLISH

A year ago, the Swiss branch of ARTS+ invited artists and theologians to a symposium. One of the topics was the relationship linking art, artists and church. They also discussed 20 theses on the subject of “art, artists and church”.
For this and the next editions of our TUNE INs we have reformulated these theses and added questions. They are therefore an invitation to join in the discussion. On Facebook (LINK) you can write your comments and talk to other contributors.

1. It is good for the church to develop an interest in art and aesthetics. Every church should promote the awareness that the miracles of creation, God’s saving acts, the church and God’s kingdom are “beautiful”. Theologians also rightly speak of ‘the beauty of God’.

2. The church should therefore create a “beautiful living space”. Not only by including good art, but also by encouraging loving relationships among members. The church invites people into this space. Expressions of “beauty” can be, for example, friendliness, joyfulness and hospitality.

3. The church looks after its own art-historical heritage. For a start, this includes the Bible – and then also its own art history with the testimony embedded in it.

Questions:

  • Do we in our churches still have an awareness of the profound value of “beauty”?
  • And of the fact that beauty ultimately speaks about God’s love?
  • Where do we pay attention to aesthetics in our churches and create “beautiful living spaces”?
  • What aesthetics (and what kind of relationships with each other) characterise the church that we attend?
  • Could it be that churches often cultivate very particular aesthetics and have their own “aesthetic house smell” – perhaps in order to avoid any similarities to other churches or to “the world”?
  • Could it be that churches are content with second-class aestheticsbecause they have no sense of the deep meaning of “beauty”?
  • How can we artists contribute to making our churches “more beautiful”?

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
Picture from Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – performance of Ike Sturm’s Jazz Mass. Photo: Crescendo

 

DEUTSCH

Vor einem Jahr lud der Schweizer Zweig von ARTS+ Künstler und Theologen zu einem Symposium ein. Es ging dabei auch um das Verhältnis von Kunst, Künstlern und Kirche. Unter anderem wurden 20 Thesen zum Thema „Kunst, Künstler und Kirche“ diskutiert.
Für diese und die nächsten Ausgaben der TUNE INs haben wir diese Thesen neu formuliert und um Fragen erweitert. Wir laden damit zur Diskussion ein. Auf Facebook (LINK) kann man seine Kommentare schreiben und miteinander ins Gespräch kommen.

1. Es ist gut für die Kirche, wenn sie ein Interesse für Kunst und Ästhetik entwickelt. In jeder Kirche sollte das Bewusstsein gefördert werden, dass die Wunder der Schöpfung, Gottes Heilshandeln, die Gemeinde und das Reich Gottes „schön“ sind. Theologen sprechen richtigerweise auch von der ‘Schönheit Gottes’.

2. Kirche sollte deshalb einen „schönen Lebensraum“ schaffen. Dies nicht nur, indem sie gute Kunst einbezieht, sondern auch, indem sie den liebevollen Umgang miteinander fördert. Sie lädt Menschen in diesen Raum ein. Ein Ausdruck von „Schönheit“ sind etwa Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft.

3. Die Kirche trägt Sorge zu ihrem eigenen kunstgeschichtlichen Erbe. Dazu gehört bereits die Bibel – und dann die eigene Kunstgeschichte mit dem in ihr eingelassenen Zeugnis.

Fragen:

  • Wissen wir in unseren Kirchen noch um den tiefen Wert von „Schönheit“?
  • Und davon, dass Schönheit letztlich von Gottes Liebe spricht?
  • Wo pflegen wir in unseren Kirchen Ästhetik und schaffen „schöne Lebensräume“?
  • Von welcher Ästhetik (und von welchem Umgang miteinander) ist die Kirche geprägt, in die wir gehen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen oft eine ganz spezielle Ästhetik pflegen und einen eigenen „ästhetischen Stallgeruch“ haben – vielleicht, um sich von anderen Kirchen oder von der „Welt“ abzugrenzen?
  • Könnte es sein, dass Kirchen sich mit zweitklassiger Ästhetik zufrieden geben, weil die tiefe Bedeutung von „Schönheit“ nicht erkannt wird?
  • Wie können wir Künstler daran mitwirken, dass unsere Kirchen „schöner“ werden?

Text: Beat Rink
Bild:  Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche Berlin – Aufführung von Ike Sturm Jazz Mass. Foto: Crescendo

ENGLISH

A musician was describing his feelings: «At this time, when I cannot perform in public, I feel like a blank piece of music paper.» A colleague responded at once: she has similar feelings, she said, yet it is also good to get rid of ballast.
Now, concerts are not necessarily ballast. And cancelling concerts, as we know, produces financial losses. Nevertheless, there was something in what his colleague said. Sometimes it is good (but certainly unpleasant) to feel like a «blank sheet of music paper» and to ask oneself: «What must I let go of in order to become free and, as a result, receptive for new things?»

Since the outpouring of the Holy Spirit at Pentecost, Christians have experienced the truth of 2 Cor. 3,17: «Where the Spirit of the Lord is, there is freedom». Jesus makes use of the double meaning of the Hebrew word «ruach» (wind/spirit) when he says: «The wind blows wherever it pleases. You hear its sound, but you cannot tell where it comes from or where it is going. So it is with everyone born of the Spirit.» (Jn. 3,8). How, then, can this happen, that we become as weightless, as flexible and as available as the «ruach» or, in Greek, the «pneuma»?
There are mystical traditions in all religions giving guidance on emptying the mind. This does in fact work to a certain degree, but does not achieve the depth of existence and relationship with God that Jesus means.
How do we become truly free? «It is for freedom that Christ has set us free!», Paul writes (Galatians 5,1), meaning that it is only through God’s Spirit that we ultimately become free ourselves.

Certainly, we do not wish to be purely passive in this regard. The many individuals who have gone down to the cellar in recent weeks of the Covid 19 crisis or climbed up to the attic in order to bring unusable things out into the light also became active. In prayer, in talking to other people, in counselling, we can be liberated from burdens. The energy for this however – and most definitely the liberation itself – come from God.

In the last TUNE IN we took a look at a mosaic in St Paul’s Church in Basel. There the naked young man is striking. In this I see a symbol for a person caught up in the Spirit of Pentecost. He is travelling without ballast. He treads lightly and is moreover faster than the others. Perhaps he is as a result also receptive for new (artistic?) inspiration through God’s Spirit. In other words, he is like a «blank sheet of music paper». This may be an unpleasant feeling. But God’s Spirit can write new music on it.

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

Prayer:


Lord,
come with your Spirit and set me free.
If necessary, go down to the cellar with me
or up to the attic of my life and help me to clear out.
Even if I feel like a blank sheet of music paper
when important things are cancelled,
do not let this crisis pass me by fruitlessly,
but may it lead me into the freedom which your Spirit gives.
Blow into my life with your Spirit.
I will let myself be moved by you.
And blow into my art and use it how and where you wish
to your glory.
Amen


DEUTSCH

Ein Musiker meinte: «Ich fühle mich jetzt, wo ich nicht auftreten kann, wie ein unbeschriebenes Notenblatt.» Eine Kollegin sagte daraufhin, sie empfinde dies ähnlich. Doch sei es auch gut, Ballast loszuwerden.
Nun sind Konzerte nicht unbedingt Ballast. Und Konzertabsagen bedeuten bekanntlich  finanzielle Einbussen. Trotzdem hat die Musikerin nicht unrecht. Manchmal ist es gut (obwohl nicht unbedingt angenehm), sich wie ein «unbeschriebenes Notenblatt» zu fühlen und sich zu fragen: «Was muss ich loslassen, um frei zu werden und dadurch empfänglich für Neues?»

Seit der Ausgiessung des Heiligen Geistes an Pfingsten erfahren Christen, was es heisst: «Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit» (2.Kor. 3:17) Jesus nimmt die Doppelbedeutung des hebräischen Wortes «Ruach» (Wind / Geist) auf, wenn er sagt: «Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.» (Joh. 3:8).
Wie kann es nun geschehen, dass wir so schwerelos, so flexibel und verfügbar werden wie die «Ruach» bzw. das griechische «Pneuma»?
Es gibt mystische Traditionen in allen Religionen, die zur mentalen Entleerung anleiten. Tatsächlich funktioniert dies bis zu einem gewissen Grad, erreicht aber nicht die Tiefe der Existenz und der Gottesbeziehung, die Jesus meint.
Wie werden wir dann wirklich frei? «Zur Freiheit hat uns Christus befreit!»,schreibt Paulus  (Galater 5:1). Das heisst: Wir können letztlich nur durch Gottes Geist selber frei werden.

Sicher sollten wir selber dabei nicht ganz passiv bleiben. Die vielen Menschen, die in den letzten Wochen während der Covid 19-Krise in die Keller hinabgestiegen oder auf den Dachboden geklettert sind, um unbrauchbare Dinge ans Licht zu holen, sind auch aktiv geworden.
Im Gebet, im Gespräch mit anderen Menschen, in der Seelsorge können wir Lasten loswerden. Aber die Energie dazu – und dann erst recht die Befreiung – kommen aus Gott.

Im letzten TUNE IN haben wir einen Blick auf ein Mosaik in der Basler Pauluskirche geworfen. Der nackte Jüngling fällt da auf. Ich sehe darin eine Symbolgestalt für einen, der vom Pfingstgeist erfasst worden ist. Er ist ohne Ballast unterwegs. Er geht leichtfüssig voran und ist zudem schneller als die Anderen. Vielleicht ist er dadurch auch empfänglich für eine neue (künstlerische?) Inspiration durch Gottes Geist. Mit anderen Worten: Er ist wie ein «unbeschriebenes Notenblatt». Das fühlt sich vielleicht zunächst unangenehm an. Aber Gottes Geist kann darauf eine neue Musik schreiben.

Text: Beat Rink

Gebet:


Herr,
komm mit Deinem Geist und setz mich frei.
Steig, wenn es nötig ist, mit mir in den Keller
und auf den Dachboden meines Lebens
und hilf mir, aufzuräumen.
Auch wenn ich mich wie ein leeres Notenblatt fühle,
wenn wichtige Dinge wegfallen:
Hilf, dass diese Krise nicht ungenutzt an mir vorbei geht,
sondern in die Freiheit hineinführt, die Dein Geist schenken will.
Wehe mit Deinem Geist in mein Leben hinein.
Ich will mich von Dir bewegen lassen.
Wehe auch in meine Kunst hinein und brauche sie,
wie und wo Du willst zu Deiner Ehre.
Amen 


 

Das Bewerbungsfenster für die Stipendien in den Bereichen Bildende Kunst, Tanz/Performing Arts, Mode/Textil und Literatur für 2021 ist geschlossen.

Video

Hinweis: Die Auswahl der Stipendien wird Ende August / Anfang September kommuniziert.

Ganze Ausschreibung

Kirche und Kunst, die beiden Begriffe gehörten jahrhundertelang zusammen wie das Amen zum Vaterunser. Doch wie ist das heute, in einer zunehmend säkularen Welt? Die ursprünglich für Juli in der Schweizer Bodenseeregion geplante Tagung „Kunst & Kirche heute“ befasst sich nun am 16. und 17. Oktober 2020 mit den vielfältigen Aspekten dieser Frage. Prominent besetzte Vorträge, kreative Workshops und Wanderungen zu den Kunstwerken des Projekts „Göttliche Landschaften“ beleuchten, wie der Dialog von Spiritualität und Kunst lebendig bleiben kann. Die Tagung findet in großzügigen Räumen des modernen Tagungshotels der Kartause Ittingen statt. Die Teilnehmerzahl wird so begrenzt, dass alle die Möglichkeit haben, ausreichend Abstand zu halten. www.bodensee-kloester.eu

Innovative Impulse für den sakralen Raum
Seit dem frühen Mittelalter war die Kirche zentrale Auftraggeberin für Kunst. In welcher Beziehung stehen Spiritualität und Kunst heute? Fragen wie dieser gehen namhafte Referenten auf den Grund oder laden in Workshops dazu ein, gemeinsam nach Antworten zu suchen. Etwa bei einer Leseübung in der „Verstummten Bibliothek“ von Joseph Kosuth. Oder beim Kreativ-Workshop zu einem Kirchen-Kunstprojekt mit der Künstlerin Judith Albert. Vielversprechend ist auch der öffentliche Vortrag von Dr. Marc Steinmann, stellvertretender Leiter der Kölner „Kolumba“: Er beleuchtet die Kontroverse um das Richter-Fenster im Kölner Dom.

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Ilyas zieht den Handkarren weiter. Mirza und Azad stützen den Fernseher rechts und links. Sie kommen in die Nähe der Höhle, die auf dem Weg runter zum Bach liegt. Die Kinder tragen den ins Bettlaken eingeschlagenen Fernseher zur Höhle am Bach. Sie sprechen nicht. Sie verständigen sich mit Handbewegungen. Vier Kinder, in sich versunken, die schweigen. Als ob jemand aus der Ferne sie hören oder sehen könn­te. Sie tragen den Fernseher bis zum Höhleneingang. Sie schleppen den Fernseher bis zur hinteren Ecke der Höhle. Dort legen sie einen Stein darauf und bedecken ihn dann mit trockenem Gestrüpp.

Yavuz Ekinci, Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam, türkisch 2016.

Der Diktator nutzt jede Gelegenheit, sie als Terroristen zu brandmarken. Sein Aus­sen­minister stellt Kollegen, die sich für sie einsetzen, als Kollaborateure von Terrori­sten dar. Dreissig Millionen sind sie, aber ohne Selbstbestimmung und auf vier Län­der ver­teilt. Wo sie dank der Schwäche des jeweiligen Regimes Struk­­tu­­ren aufbauen können, werden diese bei nächster Gelegenheit wieder zerstört. Gross­mächte nutzen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, um sie nach geleisteter Arbeit über Nacht fallen zu lassen. Gerade sind wieder Zehntausende von ihnen auf der Flucht.

Der hier über sie schreibt, Yavuz Ekinci, hat zwar eine Mutter­sprache, kann sie aber nicht benutzen. Er ist Kurde und schreibt über Kurden einen kurdischen Roman. Das geht nur auf Um­we­gen. In dem Dorf, in dem meine Eltern leben, liegen auf dem Fried­hof vierzehn Generatio­nen meiner Vorväter, erzählt er im April 2017 in einem Interview der FAZ: Als es das erste Mal hiess, es werde vom türkischen Militär eva­kuiert, sagte mein Vater: Wir können ja vielleicht weg, aber was ist mit unseren To­­­ten? Kurden lieben ihr Kurdistan so selbstverständlich wie Schweizer ihre Schweiz: Die Men­schen in dieser Re­gion sind sehr verwur­zelt, sagt Ekinci, ih­re Welt besteht aus dem Ort, an dem sie sind und schon immer waren. Sie kön­nen sich nicht vorstel­len, dass es einen anderen für sie gibt.

In seinem Roman beschreibt er kurdisches Leben mit einer Mix­tur aus Mär­chen, My­then und Mi­lieu­bildern. Auf literarischen Um­wegen. Hier erzählt er aus der Perspek­tive Halbwüchsiger, wie vom Berg Amar herab plötz­lich, einer my­thi­schen Hor­de gleich, Leute auftauchten, die alles niederbrannten und zer­störten, was ihnen in den Weg kam. Im Fernglas sieht man sie und ruft in heller Auf­regung immerfort: Sie kom­men. Die Jungs haben Sorge, dass auch ihr Ball und ihr Fernseher, die bescheide­nen Symbole klei­nen Glücks, ver­bren­nen und verkohlen würden. Wer sie sind, die da kommen, bleibt ungesagt, eben­so, ob sie tatsächlich gekom­men sind.

Nur die Angst ist hier real. Aus Angst schaufelt einer neben dem Grab seiner verstor­be­nen Frau sein eigenes und legt sich hinein, um zu warten. Aus Angst hängt ein an­de­rer seine ganze Habe in den Wipfel eines Baums und verbirgt sich in der Nä­he, um zu überleben. Aus Angst verstecken die Jungs ihren Fernseher in einer Höh­le, einge­wickelt und ge­tarnt wie ein Schatz, um ihn nach der Katastrophe wieder her­vor­holen zu können. Er steht für alles Ersehnte und Gefährdete. Die Moderne repräsentiert er, ist Ver­bin­dung zur Welt und zur Zeit, Quelle von Bildung, Informa­tion und Unterhal­tung, Ga­ran­tie, zur Gemeinschaft der Völker zu gehören und nicht von ihr ausge­schlos­sen zu sein. Der Fernseher ist ein Versprechen. Doch nun herrscht nackte Angst. So mythisch, wie er begonnen hat, schliesst der Roman in der Welt der Tiere: Eine Feu­er­wal­ze hat sie überrollt. Alles ist ver­brannt und verkohlt. Ein Eichhörn­chen hüpft mit versengtem Schwanz durch versengte Bäume …

Wie real die Angst der Kurden ist, von der Ekincis Roman erzählt, sagen gerade eben die Nach­richten vom Diktator und seinem Aussenminister. Ohne Umwege.

Das Corona Virus, bzw. die gegen dessen Bedrohung eingeleiteten Mass­nahmen, stellen unser Leben in einer zuvor unvorstellbaren Weise auf den Kopf. Ein Ende ist nicht absehbar, und selbst wenn, wird die Welt danach nicht mehr dieselbe sein.

Und was macht die Kunst?

Das möchten wir von Euch Künstler*innen, möchten wir von Dir wissen. Wir fragen nach Deinem Werk in Reaktion auf die Corona-Krise. 

Corona Call

Veranstalterin:
Visarte, der Berufsverband visuelle Kunst Schweiz, in Zusammenarbeit mit «die zukunft kuratieren», mit Unterstützung durch die Stiftung Kulturfonds von ProLitteris

Adressat*innen:
Professionell arbeitende bildende Künstler*innen Schweizer Nationalität oder mit festem aktuellen Wohn­sitz in der Schweiz. Eine Visarte-Mitgliedschaft ist nicht Bedingung.

Ziel und Gegenstand der Ausschreibung:
Der Corona Call bezweckt, die Kunstproduktion in der Akutzeit der Pandemie anzuregen sowie authentische künstlerische «Dokumente» der Corona-Krise zusammenzutragen.

Gefragt sind Werke der Disziplin Bildende Kunst (Bilder, Objekte, Installationen, Performance, elektronische Kunst wie Video, etc.). Im Falle von komplexeren, noch nicht realisierten orts- und/oder zeitgebundenen Vorhaben kann ein detailliertes Konzept eingegeben werden.

Thematischer Fokus:
Das Werk nimmt Bezug auf die aktuelle Corona-Krisensituation im Frühjahr/Sommer 2020. Es leistet einen Beitrag zur Reflexion über Bedingungen und Befindlichkeiten einer bislang nicht erlebten Ausnahmezeit.

Eingabe, Jurierung, Preise:
Die Eingaben erfolgen ab sofort und bis spätestens am 1. Juli 24:00 Uhr direkt durch die Künstler*innen in die Eingabemaske auf der Corona-Call-Webseite.
Nach einer formalen Vorprüfung werden sie auf der Webseite laufend publiziert. 

Eine Fachjury begutachtet und bewertet die Eingaben. Der Jury steht ein Preisgeld von max. CHF 24’000 zur freien Vergabe zur Verfügung. Die Möglichkeit weiterer Vermittlung der Resultate des Calls, z.B. in Ausstellungen, ist angedacht und wird im Zuge des Jurierungsprozesses erörtert werden.

Es ist vorgesehen, die Resultate mit einer öffentlichen Feier zu würdigen. Der Zeitpunkt wird der aktuellen Lage angepasst. 

Auskunft:
corona-call@visarte.ch, T 076 588 05 56

Vollständige Wettbewerbsbedingungen:
https://corona-call.visarte.ch/p/6/agb

Webseite

Die “Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche.Artheon” lobt im Jahr 2020 einen Kunstpreis für beispielhafte und innovative Kunstprojekte im Raum der Kirche aus. Der Preisträger wird im Rahmen eines offenen, nicht anonymen Wettbewerbs ermittelt. Der Hauptpreis ist mit 3.000 € dotiert, zusätzlich werden Anerkennungen vergeben.

Webseite

Aktuelle Bewerbungsunterlagen für den Artheon.Kunstpreis:

Die Covid-19-Pandemie hat die Mobilität in kürzester Zeit einschneidend eingeschränkt und mancherorts ganz verunmöglicht. Das öffentliche Kunst- und Kulturleben ist zum Erliegen gekommen. Diese aussergewöhnliche und für die Kunst- und Kulturszene problematische Situation verlangt nach neuen Lösungen.

Welche kreativen Strategien und alternativen Formate bieten sich an, wenn die Mobilität eingeschränkt ist? Was für eine Rolle kann Technologie dabei spielen und welche kulturellen und gesellschaftlichen Netzwerke sind von Relevanz? Um diesen und ähnlichen Fragen nachzugehen, lanciert die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia die Ausschreibung «Close Distance». Pro Helvetia unterstützt damit gezielt Vorhaben von Schweizer Kulturinstitutionen und -organisationen sowie Kulturschaffenden, die neue kreative Wege suchen, um mit Distanz innovativ umzugehen.

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Festival für Kunst und Kirche in Basel

Liebe Künstlerinnen und Künstler, SchauspielerInnen, TänzerInnen, MusikerInnen, SängerInnen, Literaten, …

Voll Dankbarkeit erinnern wir uns an die wunderbaren Ausgaben der ersten beiden Nacht des Glaubens und sind voller Erwartung auf die neue Ausgabe.

Die Nacht des Glaubens wird somit als das konfessionsübergreifende Schweizer Festival für Kunst und Kirche am Sa., 12. Juni 2021 in der Innenstadt von Basel zum 3. Mal stattfinden.

Wir möchten dabei wieder ein hochstehendes, spartenübergreifendes Programm von Künstlern aus dem In- und Ausland in der ganzen Stadt anbieten. Zeitgenössische Kunst, die sich mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt, tritt so in den öffentlichen Raum. Kirchen werden ihrerseits in Kunsträume verwandelt oder zeigen ihre eigenen Kunstschätze einer breiten Öffentlichkeit. Die Besucher kommen somit kostenlos in den Genuss vielfältiger und qualitativ hochstehender Kunstproduktionen.

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ENGLISH

In the church of St. Paul in Basel, where (in normal times) CREATIVE CHURCH takes place on a monthly base, there is a wall mosaic with two biblical scenes, created by Heinrich Altherr (1874-1951). When the church was built in 1901, Altherr was still a young artist, yet his work is astonishingly mature.

Two mosaic pictures
The wall mosaic still owes much to the  «art nouveau» style of the turn of the century. In the first picture, Jesus is carrying the cross, surrounded by his disciples, who show their pain with emotional gestures, while the soldiers perform their duty impassively. A man charges Joseph of Arimathea with the task of helping Jesus. A Jewish scriptural scholar observes the scene. Jesus, accepting what is ordained for him, walks the path to Golgatha.
In the second mosaic, too, Jesus is in the centre, again surrounded by various persons. Their gestures, typical for the turn of the century, are likewise strongly expressive and, from today’s point of view, all too heavily indebted to Mannerism. Nevertheless, it worth taking a closer look. And perhaps the mosaic will even communicate a spiritual message to us.

«The whole world is running after him»
Here Jesus is still undergoing his sufferings. The picture is visible on the left side of the altar. If one reads the images from left to right, certain things are clear: the scene takes place before the crucifixion, so we cannot be looking at the resurrected Jesus. The mosaic then refers explicitly to the passage in John 12,19, where we read the following in the context of Palm Sunday: «The Pharisees then said to one another, ‘You see that you can do nothing; look, the whole world is running after him.’»

Encounters with Jesus
This picture, too, can be read from left to right. Let us «listen» to find out if the figures have something to tell us…

The injured:
The man on the far left is injured. But he looks at Jesus expectantly. In this man you can sense hope!
This figure asks us: Do we really go to Jesus with our wounds and hurts? Do we take him seriously when he says: «Come to me, all you who labour and are heavy laden?»

The enthusiastic:
The second is perhaps a Zealot who has put his political hopes in Jesus. He has cast off his outer garment, as the people did on Palm Sunday.
This figure «asks» us: Are we mainly interested in Jesus because he is «useful» to us?

The thinker:
Next to him we have a completely different type: a thinker, who admires the wisdom of the man from Nazareth. He is the only one in this picture not showing any forward movement. He therefore remains at a polite distance.
This figure «asks» us: Do we, too, remain admirers of Jesus, but at an elegant and intellectual distance?

The surprised:
Beside him we see a friend of the Zealot. At least he is grasping his hand. In contrast, however, he is not saying enthusiastically into space, but seems to have discovered something unexpected in Jesus. He expects from Jesus something that he does not yet know.
This figure «asks» us: Do we let Jesus surprise us? Do we still expect something from him that goes beyond our own ideas?

The worshipper:
The man behind Jesus is kneeling. He has recognised who he has before him.
This figure «asks» us: Is Jesus for us the Lord of heaven and earth and our personal Lord, whom we follow and worship? What form does the worship of the Lord take in our lives?

The brothers:
In the second group on Jesus’ right we see four persons. A fifth and perhaps even a sixth are hinted at. They are going ahead of him. Nevertheless, they are «followers». It seems as if they have gone past Jesus. Is this why they are moving with a completely different attitude and at a different speed? We see two friends embracing each other. One can discern in them «brothers» in the fellowship of Christians. (There are no women in this mosaic.) They are striding ahead purposefully, ready to carry the gospel out into the world. On the right edge of the picture, one sees a further group from this first church fellowship.
These figures «ask» us: Do we as Christians continue to be committed to the fellowship of Christians and thus also to mission? Are we still, despite this time of Corona, mindful of the «beauty» of the fellowships of Christians? What attention do we pay to this fellowship? How do we carry the Good News out into the world?

The liberated:
Finally, a naked youth performs a little dance in the picture – and somehow reminds us of the expressive dance of the early 20th century. In the best sense, he is liberated. Perhaps he has heard the words of Matthew 10,10, telling the disciples to travel light and without additional encumbrances.
This figure «asks» us: How do we experience our liberation by Christ? This can mean the liberation from illness, from sadness, from fear. Or perhaps the liberation from material goods, from a compulsive pressure and ambition to succeed artistically, from the experience of success and the opinion of others…

Where do we recognise ourselves in this mosaic?
What attitudes do we want to lay aside?
Which of these figures would we like to take as a role model? 

A PS on the artist:
Heinrich Altherr was the son of a pastor. He studied in Munich and became a teacher at the Academy in Karlsruhe, later in Stuttgart. A few years later, he became director there (1919–1921). In 1923, he was among the founders of the Stuttgart Secession. His Expressionist style and his commitment to avantgarde art made him a target for the National Socialists, from whom he fled to Switzerland. Despite that, he still managed to create the work «Das Jüngste Gericht» («The Last Judgement») in 1939 for the Friedenskirche in Heilbronn. This shows Christ, in the middle between believers and unbelievers, raising his hand in a greeting of peace while turning his face towards the unbelievers. The picture was destroyed by bombing during the war. The pictures by Altherr that have come down to us document his turning towards Expressionism. In particular, he distinguished himself as a portrait painter (see his portrait of the writer Albert Geiger).

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

In der Basler Pauluskirche, wo (zu normalen Zeiten) monatlich die KIRCHE KREATIV  stattfindet, ist eine Mosaikwand mit zwei Szenen aus der Bibel zu sehen, gestaltet von Heinrich Altherr (1874-1951). Zur Zeit des Kirchenbaus 1901 war Altherr noch ein junger Künstler, doch sein Werk ist erstaunlich reif.

Zwei Mosaikbilder
Die Mosaikwand ist noch dem «Art nouveau»-Stil der Jahrhundertwende verpflichtet. Auf dem einen Bild trägt Jesus das Kreuz, umgeben von seinen Jüngern, die mit emotionaler Gestik ihren Schmerz zeigen, während die Soldaten ohne Rührung ihre Pflicht tun. Ein Mann weist Josef von Arimathäa die Aufgabe zu, Jesus zu helfen. Ein Schriftgelehrter beobachtet die Szene. Jesus selbst geht, seine Bestimmung duldend, den Weg nach Golgatha.
Auch im zweiten Mosaik steht Jesus im Zentrum, auch hier umgeben von verschiedenen Menschen. Deren Gestik, typisch für die Jahrhundertwende, ist ebenfalls ausdrucksstark und aus heutiger Perspektive wohl etwas allzu sehr dem Manierismus verpflichtet. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick. Und vielleicht vermittelt uns das Mosaik sogar eine geistliche Botschaft.

«Alle Welt läuft ihm nach»
Jesus ist hier noch nicht der Leidende. Das Bild ist auf der linken Seite des Altars zu sehen. Liest man die Szenen von links nach rechts, so kommt man zum Schluss: Die Szene ist zeitlich der Kreuzigung vorgeordnet, weshalb es sich nicht um den Auferstandenen handeln kann. Das Mosaik bezieht sich denn auch explizit auf das Wort in Johannes 12,19, wo es im Zusammenhang mit dem Psalmsonntag heisst: «Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.»

Begegnungen mit Jesus
Auch dieses Bild kann man von links nach rechts lesen.
«Hören» wir hin, ob uns die  Figuren etwas zu sagen haben…

Der Verwundete:
Der Mann ganz links ist verwundet. Er blickt aber erwartungsvoll zu Jesus. Bei diesem Menschen spürt man Hoffnung.
Diese Figur «fragt» uns: gehen wir mit unseren Verwundungen und Schmerzen wirklich zu Jesus? Nehmen wir ernst, wenn er sagt: «Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid?»

Der Enthusiastische:
Der Zweite ist vielleicht ein Zelot, der seine politische Hoffnung auf Jesus setzt. Er hat sein Oberkleid ausgezogen, wie es die Menschen am Palmsonntag getan haben.
Diese Figur «fragt» uns: Ist Jesus vor allem deshalb interessant für uns, weil er uns «nützt»?

Der Denker:
Neben ihm steht ein ganz anderer Typ: Ein Denker, der die Weisheit des Mannes aus Nazareth bewundert. Er ist auf diesem Bild der Einzige, der keine Vorwärtsbewegung zeigt. So bleibt er in vornehmer Distanz.
Diese Figur «fragt» uns: Bleiben auch wir zu Jesus in zwar bewundernder, aber vornehm-intellektueller Distanz?

Der Überraschte:
Neben ihm sehen wir den Freund des Zeloten. Jedenfalls gibt er ihm die Hand. Aber er blickt nicht wie jener enthusiastisch in die Luft, sondern scheint an Jesus etwas Unerwartetes zu entdecken. Er erwartet etwas von ihm, was er noch nicht kennt.
Diese Figur «fragt» uns: Lassen wir uns von Jesus überraschen? Erwarten wir noch etwas von ihm, was unsere eigenen Ideen übersteigt?

Der Anbetende:
Der Mann hinter Jesus kniet nieder. Er hat erkannt, wer vor ihm geht.
Diese Figur «fragt» uns: Ist Jesus für uns der Herr des Himmels und der Erde und unser persönlicher Herr, dem wir anbetend nachfolgen? Wie gestaltet sich in unserem Leben die Anbetung des Herrn?
 
Die Brüder:
Wir sehen in der zweiten Gruppe rechts von Jesus vier Menschen. Ein fünfter und vielleicht sogar ein sechster sind angedeutet. Sie gehen vor ihm her. Trotzdem sind es «Nachfolger». Es scheint, als seien sie an Jesus vorbeigegangen. Sind sie deshalb in einer ganz anderen Haltung und mit einem anderen Tempo unterwegs? Wir sehen zwei sich umarmende Freunde. Man kann in ihnen «Brüder» der christlichen Gemeinde sehen. (Frauen fehlen auf diesem Mosaik.) Sie schreiten entschlossen voran, bereit, das Evangelium in die Welt zu tragen. Am rechten Bildrand sieht man eine weitere Gruppe aus dieser ersten Gemeinde.
Diese Figuren «fragen» uns: Bleiben wir als Christen der Gemeinde und damit auch der Mission verpflichtet? Haben wir trotz der Corona-Zeit die «Schönheit» der christlichen Gemeinschaft nicht vergessen? Wie pflegen wir diese Gemeinschaft? Und: Wie tragen wir die Frohe Botschaft in die Welt hinaus?

Der Befreite:
Schliesslich tänzelt ein nackter Jüngling durch das Bild – und erinnert fast etwas an den Ausdruckstanz des frühen 20. Jahrhunderts. Er ist im besten Sinn ein Befreiter. Vielleicht hat er das bei Matthäus 10,10 überlieferte Wort gehört, dass die Jünger leicht und ohne zusätzliche Lasten unterwegs sein sollen.
Diese Figur «fragt» uns: Wie erleben wir die Befreiung durch Christus? Damit kann die Befreiung von Krankheit, von Trauer, von Angst gemeint sein. Oder  auch die innere Freiheit von materiellen Gütern, von zwanghaftem künstlerischem Erfolgsdruck und Ehrgeiz, von Erfolgserlebnissen und von der Meinung anderer…

Wo entdecken wir auf diesem Mosaik uns selber ?
Welche dieser Haltungen wollen wir ablegen?
Welche dieser Figuren wollen wir zum Vorbild nehmen? 

PS zum Künstler:
Heinrich Altherr war der Sohn eines Pfarrers. Er studierte in München und wurde Dozent an der Akademie in Karlsruhe, später in Stuttgart. Wenige Jahre später übernahm er dort die Leitung (1919–1921). 1923 gehörte er mit zu den Gründungsmitgliedern der Stuttgarter Sezession.  Sein expressionistischer Stil und sein Einsatz für die avantgardistische Kunst geriet ins Fadenkreuz der Nationalsozialisten, vor denen er zurück in die Schweiz floh. 1939 schuf er für die Friedenskirche in Heilbronn allerdings noch das Werk «Das Jüngste Gericht». Darauf ist Christus zu sehen, wie er in der Mitte zwischen Gläubigen und Ungläubigen seine Hand zum Friedensgruss hebt, wobei er sein Gesicht den Ungläubigen zuwendet. Das Bild wurde 1944 im Bombenkrieg zerstört. Die von Altherr erhaltenen Bilder zeugen von seiner Zuwendung zum Expressionismus. Besonders tat er sich auch als Porträtist hervor (s. das Porträt des Schriftstellers Albert Geiger).

Text: Beat Rink

 

ENGLISH

In the church of St. Paul in Basel, where (in normal times) CREATIVE CHURCH takes place on a monthly base, there is a wall mosaic with two biblical scenes, created by Heinrich Altherr (1874-1951). When the church was built in 1901, Altherr was still a young artist, yet his work is astonishingly mature.

Two mosaic pictures
The wall mosaic still owes much to the  «art nouveau» style of the turn of the century. In the first picture, Jesus is carrying the cross, surrounded by his disciples, who show their pain with emotional gestures, while the soldiers perform their duty impassively. A man charges Joseph of Arimathea with the task of helping Jesus. A Jewish scriptural scholar observes the scene. Jesus, accepting what is ordained for him, walks the path to Golgatha.
In the second mosaic, too, Jesus is in the centre, again surrounded by various persons. Their gestures, typical for the turn of the century, are likewise strongly expressive and, from today’s point of view, all too heavily indebted to Mannerism. Nevertheless, it worth taking a closer look. And perhaps the mosaic will even communicate a spiritual message to us.

«The whole world is running after him»
Here Jesus is still undergoing his sufferings. The picture is visible on the left side of the altar. If one reads the images from left to right, certain things are clear: the scene takes place before the crucifixion, so we cannot be looking at the resurrected Jesus. The mosaic then refers explicitly to the passage in John 12,19, where we read the following in the context of Palm Sunday: «The Pharisees then said to one another, ‘You see that you can do nothing; look, the whole world is running after him.’»

Encounters with Jesus
This picture, too, can be read from left to right. Let us «listen» to find out if the figures have something to tell us…

The injured:
The man on the far left is injured. But he looks at Jesus expectantly. In this man you can sense hope!
This figure asks us: Do we really go to Jesus with our wounds and hurts? Do we take him seriously when he says: «Come to me, all you who labour and are heavy laden?»

The enthusiastic:
The second is perhaps a Zealot who has put his political hopes in Jesus. He has cast off his outer garment, as the people did on Palm Sunday.
This figure «asks» us: Are we mainly interested in Jesus because he is «useful» to us?

The thinker:
Next to him we have a completely different type: a thinker, who admires the wisdom of the man from Nazareth. He is the only one in this picture not showing any forward movement. He therefore remains at a polite distance.
This figure «asks» us: Do we, too, remain admirers of Jesus, but at an elegant and intellectual distance?

The surprised:
Beside him we see a friend of the Zealot. At least he is grasping his hand. In contrast, however, he is not saying enthusiastically into space, but seems to have discovered something unexpected in Jesus. He expects from Jesus something that he does not yet know.
This figure «asks» us: Do we let Jesus surprise us? Do we still expect something from him that goes beyond our own ideas?

The worshipper:
The man behind Jesus is kneeling. He has recognised who he has before him.
This figure «asks» us: Is Jesus for us the Lord of heaven and earth and our personal Lord, whom we follow and worship? What form does the worship of the Lord take in our lives?

The brothers:
In the second group on Jesus’ right we see four persons. A fifth and perhaps even a sixth are hinted at. They are going ahead of him. Nevertheless, they are «followers». It seems as if they have gone past Jesus. Is this why they are moving with a completely different attitude and at a different speed? We see two friends embracing each other. One can discern in them «brothers» in the fellowship of Christians. (There are no women in this mosaic.) They are striding ahead purposefully, ready to carry the gospel out into the world. On the right edge of the picture, one sees a further group from this first church fellowship.
These figures «ask» us: Do we as Christians continue to be committed to the fellowship of Christians and thus also to mission? Are we still, despite this time of Corona, mindful of the «beauty» of the fellowships of Christians? What attention do we pay to this fellowship? How do we carry the Good News out into the world?

The liberated:
Finally, a naked youth performs a little dance in the picture – and somehow reminds us of the expressive dance of the early 20th century. In the best sense, he is liberated. Perhaps he has heard the words of Matthew 10,10, telling the disciples to travel light and without additional encumbrances.
This figure «asks» us: How do we experience our liberation by Christ? This can mean the liberation from illness, from sadness, from fear. Or perhaps the liberation from material goods, from a compulsive pressure and ambition to succeed artistically, from the experience of success and the opinion of others…

Where do we recognise ourselves in this mosaic?
What attitudes do we want to lay aside?
Which of these figures would we like to take as a role model? 

A PS on the artist:
Heinrich Altherr was the son of a pastor. He studied in Munich and became a teacher at the Academy in Karlsruhe, later in Stuttgart. A few years later, he became director there (1919–1921). In 1923, he was among the founders of the Stuttgart Secession. His Expressionist style and his commitment to avantgarde art made him a target for the National Socialists, from whom he fled to Switzerland. Despite that, he still managed to create the work «Das Jüngste Gericht» («The Last Judgement») in 1939 for the Friedenskirche in Heilbronn. This shows Christ, in the middle between believers and unbelievers, raising his hand in a greeting of peace while turning his face towards the unbelievers. The picture was destroyed by bombing during the war. The pictures by Altherr that have come down to us document his turning towards Expressionism. In particular, he distinguished himself as a portrait painter (see his portrait of the writer Albert Geiger).

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

In der Basler Pauluskirche, wo (zu normalen Zeiten) monatlich die KIRCHE KREATIV  stattfindet, ist eine Mosaikwand mit zwei Szenen aus der Bibel zu sehen, gestaltet von Heinrich Altherr (1874-1951). Zur Zeit des Kirchenbaus 1901 war Altherr noch ein junger Künstler, doch sein Werk ist erstaunlich reif.

Zwei Mosaikbilder
Die Mosaikwand ist noch dem «Art nouveau»-Stil der Jahrhundertwende verpflichtet. Auf dem einen Bild trägt Jesus das Kreuz, umgeben von seinen Jüngern, die mit emotionaler Gestik ihren Schmerz zeigen, während die Soldaten ohne Rührung ihre Pflicht tun. Ein Mann weist Josef von Arimathäa die Aufgabe zu, Jesus zu helfen. Ein Schriftgelehrter beobachtet die Szene. Jesus selbst geht, seine Bestimmung duldend, den Weg nach Golgatha.
Auch im zweiten Mosaik steht Jesus im Zentrum, auch hier umgeben von verschiedenen Menschen. Deren Gestik, typisch für die Jahrhundertwende, ist ebenfalls ausdrucksstark und aus heutiger Perspektive wohl etwas allzu sehr dem Manierismus verpflichtet. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick. Und vielleicht vermittelt uns das Mosaik sogar eine geistliche Botschaft.

«Alle Welt läuft ihm nach»
Jesus ist hier noch nicht der Leidende. Das Bild ist auf der linken Seite des Altars zu sehen. Liest man die Szenen von links nach rechts, so kommt man zum Schluss: Die Szene ist zeitlich der Kreuzigung vorgeordnet, weshalb es sich nicht um den Auferstandenen handeln kann. Das Mosaik bezieht sich denn auch explizit auf das Wort in Johannes 12,19, wo es im Zusammenhang mit dem Psalmsonntag heisst: «Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.»

Begegnungen mit Jesus
Auch dieses Bild kann man von links nach rechts lesen.
«Hören» wir hin, ob uns die  Figuren etwas zu sagen haben…

Der Verwundete:
Der Mann ganz links ist verwundet. Er blickt aber erwartungsvoll zu Jesus. Bei diesem Menschen spürt man Hoffnung.
Diese Figur «fragt» uns: gehen wir mit unseren Verwundungen und Schmerzen wirklich zu Jesus? Nehmen wir ernst, wenn er sagt: «Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid?»

Der Enthusiastische:
Der Zweite ist vielleicht ein Zelot, der seine politische Hoffnung auf Jesus setzt. Er hat sein Oberkleid ausgezogen, wie es die Menschen am Palmsonntag getan haben.
Diese Figur «fragt» uns: Ist Jesus vor allem deshalb interessant für uns, weil er uns «nützt»?

Der Denker:
Neben ihm steht ein ganz anderer Typ: Ein Denker, der die Weisheit des Mannes aus Nazareth bewundert. Er ist auf diesem Bild der Einzige, der keine Vorwärtsbewegung zeigt. So bleibt er in vornehmer Distanz.
Diese Figur «fragt» uns: Bleiben auch wir zu Jesus in zwar bewundernder, aber vornehm-intellektueller Distanz?

Der Überraschte:
Neben ihm sehen wir den Freund des Zeloten. Jedenfalls gibt er ihm die Hand. Aber er blickt nicht wie jener enthusiastisch in die Luft, sondern scheint an Jesus etwas Unerwartetes zu entdecken. Er erwartet etwas von ihm, was er noch nicht kennt.
Diese Figur «fragt» uns: Lassen wir uns von Jesus überraschen? Erwarten wir noch etwas von ihm, was unsere eigenen Ideen übersteigt?

Der Anbetende:
Der Mann hinter Jesus kniet nieder. Er hat erkannt, wer vor ihm geht.
Diese Figur «fragt» uns: Ist Jesus für uns der Herr des Himmels und der Erde und unser persönlicher Herr, dem wir anbetend nachfolgen? Wie gestaltet sich in unserem Leben die Anbetung des Herrn?
 
Die Brüder:
Wir sehen in der zweiten Gruppe rechts von Jesus vier Menschen. Ein fünfter und vielleicht sogar ein sechster sind angedeutet. Sie gehen vor ihm her. Trotzdem sind es «Nachfolger». Es scheint, als seien sie an Jesus vorbeigegangen. Sind sie deshalb in einer ganz anderen Haltung und mit einem anderen Tempo unterwegs? Wir sehen zwei sich umarmende Freunde. Man kann in ihnen «Brüder» der christlichen Gemeinde sehen. (Frauen fehlen auf diesem Mosaik.) Sie schreiten entschlossen voran, bereit, das Evangelium in die Welt zu tragen. Am rechten Bildrand sieht man eine weitere Gruppe aus dieser ersten Gemeinde.
Diese Figuren «fragen» uns: Bleiben wir als Christen der Gemeinde und damit auch der Mission verpflichtet? Haben wir trotz der Corona-Zeit die «Schönheit» der christlichen Gemeinschaft nicht vergessen? Wie pflegen wir diese Gemeinschaft? Und: Wie tragen wir die Frohe Botschaft in die Welt hinaus?

Der Befreite:
Schliesslich tänzelt ein nackter Jüngling durch das Bild – und erinnert fast etwas an den Ausdruckstanz des frühen 20. Jahrhunderts. Er ist im besten Sinn ein Befreiter. Vielleicht hat er das bei Matthäus 10,10 überlieferte Wort gehört, dass die Jünger leicht und ohne zusätzliche Lasten unterwegs sein sollen.
Diese Figur «fragt» uns: Wie erleben wir die Befreiung durch Christus? Damit kann die Befreiung von Krankheit, von Trauer, von Angst gemeint sein. Oder  auch die innere Freiheit von materiellen Gütern, von zwanghaftem künstlerischem Erfolgsdruck und Ehrgeiz, von Erfolgserlebnissen und von der Meinung anderer…

Wo entdecken wir auf diesem Mosaik uns selber ?
Welche dieser Haltungen wollen wir ablegen?
Welche dieser Figuren wollen wir zum Vorbild nehmen? 

PS zum Künstler:
Heinrich Altherr war der Sohn eines Pfarrers. Er studierte in München und wurde Dozent an der Akademie in Karlsruhe, später in Stuttgart. Wenige Jahre später übernahm er dort die Leitung (1919–1921). 1923 gehörte er mit zu den Gründungsmitgliedern der Stuttgarter Sezession.  Sein expressionistischer Stil und sein Einsatz für die avantgardistische Kunst geriet ins Fadenkreuz der Nationalsozialisten, vor denen er zurück in die Schweiz floh. 1939 schuf er für die Friedenskirche in Heilbronn allerdings noch das Werk «Das Jüngste Gericht». Darauf ist Christus zu sehen, wie er in der Mitte zwischen Gläubigen und Ungläubigen seine Hand zum Friedensgruss hebt, wobei er sein Gesicht den Ungläubigen zuwendet. Das Bild wurde 1944 im Bombenkrieg zerstört. Die von Altherr erhaltenen Bilder zeugen von seiner Zuwendung zum Expressionismus. Besonders tat er sich auch als Porträtist hervor (s. das Porträt des Schriftstellers Albert Geiger).

Text: Beat Rink

ENGLISH

In the church year, the time between Easter and Ascension Day is known as «the time of Easter joy». We are therefore bringing you a short Easter song for children. It comes from Switzerland and was written in 1972.

The composer
Paul Burkhard (1911-1977) was conductor of the Swiss Radio Orchestra and for a long time the resident composer at the “Schauspielhaus” theatre in Zürich. In those days, they still had musical intermezzos between the individual acts of theatre performances. During the war, Berthold Brecht ended up in Zurich. He had brought his play «Mutter Courage» with him, but the song settings for it by the composer Paul Dessau were still underway. It looked as if the world premiere might have to be cancelled. At this point, Paul Burkhard came up with an ideal solution. – He was an absolutely incomparable song composer. He said that as soon as he saw a text, a melody for it came into his mind. I personally had the privilege of getting to know him and experiencing the wonderful world that opened up when he went to the piano and sang his songs, which were never banal or kitschy and always perfectly reflected the texts.

O mein Papa [“Oh my Papa”]
One of the songs made him world-famous: «O mein Papa» from the charming ‘singspiel’ «Der Schwarze Hecht» [«The Black Pike»]. The ‘singspiel’ is a Swiss variant of the operetta, sung by actors and accompanied by two pianos instead of an orchestra. To everyone’s surprise, «O mein Papa» went round the world and enabled Paul Burkhard to build a big house for himself in the Swiss village Zell.

A request from the church
It was not long until the pastor of the reformed church in the village approached the famous composer and asked him to write a Christmas play for the young people in Zell. Paul Burkhard produced a work which was celebrated among the knowledgeable. The children appeared in the street clothing and acted out the biblical account in Swiss dialect – very close to daily life and with simple but deeply touching songs. Further plays with biblical material followed (Joseph, parables, Easter, Noah, Jonah), then two Masses for children, a Mass for young people (with rock instruments), and a Christmas opera commissioned by the State Opera in Hamburg. Soon it became clear that the work with the Bible had led Paul Burkhard to a personal faith. But at the same time he always remained faithful to the theatre.

Zeller Ostern [“Easter in Zell”]
In his Easter play, Burkhard resorted to an original dramaturgical device: Jesus himself never appears, but only the disciples, who tell about the crucifixion, resurrection and ascension. The piece opens with a deeply felt song, presently only available in Swiss dialect. The translation is as follows:

“From the beginning till the end
I am in Your hand. 
I will never let go of You,
Stay with me forever!
Whoever once meets You
Is and remains blessed by you,
The worst can no longer happen to him
I am not afraid any more,
For I have You:
Jesus Christ, Lord!”


There is not much that needs to be said about this song, except that, like many good children’s songs (and also children’s books), it speaks to the child in us. And it leads us back onto the path of childlike trust in God. As is generally acknowledged, this is no easy thing for us adults, but small spiritual works of art, created for children, can help us here.
In the opening song of «Easter in Zell», at any rate, the most important thing is said with childlike simplicity but, once again, without any banality, all of which carries us through difficult times such as these.

Links to various songs from “Easter in Zell” and other pieces by Paul Burkhard:

Dropbox-Access to the song “From the beginning”: LINK

Spotify Open source to pieces by Paul Burkhard: LINK (no.26: “From the beginning…”)

Dropbox Link to some music of Paul Burkhard: LINK

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH
 
Die Zeit zwischen Ostern und der Himmelfahrt Christi ist nach dem Kirchenjahr die «österliche Freudenzeit». Deshalb stellen wir ein kleines Osterlied für Kinder vor. Es kommt aus der Schweiz und wurde1972 geschrieben.
 
Der Komponist
Paul Burkhard (1911-1977) war Dirigent des Schweizer Rundfunkorchesters und lange Zeit Hauskomponist am Zürcher Schauspielhaus. Damals erklangen in Theateraufführungen zwischen den einzelnen Akten noch musikalische Intermezzi. Im Krieg verschlug es Berthold Brecht nach Zürich. Er hatte sein Stück «Mutter Courage» in der Tasche, aber die Liedvertonungen des  Komponisten Paul Dessau waren noch unterwegs. Die Uraufführung drohte deswegen ins Wasser zu fallen. Da sprang Paul Burkhard sprang in kongenialer Weise ein. – Er war überhaupt ein unvergleichlicher Liederkomponist. Er sagte, wenn er einen Text sehe, falle ihm sogleich eine Melodie dazu ein. Ich persönlich hatte das Vorrecht, ihn kennenzulernen und mitzuerleben, wie eine wunderbare Welt aufging, wenn er sich an den Flügel setzte und seine Lieder sang, die nie banal oder kitschig waren und den Text immer auf einfühlsamste Weise aufnahmen.
 
«O mein Papa»
Eines der Lieder machte ihn weltberühmt: «O mein Papa» aus dem charmanten Singspiel «Der Schwarze Hecht». Das «Singspiel», war eine Schweizer Variante der Operette, gesungen von Schauspielern und begleitet von zwei Klavieren statt von einem Orchester. «O mein Papa» ging völlig überraschend um die Welt und ermöglichte es Paul Burkhard, sich ein grosses Haus im Schweizer Dorf Zell zu bauen.
 
Anfrage der Kirche
Es ging nicht lange, so bat der reformierte Dorfpfarrer von Zell den berühmten Komponisten, für die Dorfjugend ein Weihnachtsspiel zu schreiben. Paul Burkhard gelang ein Werk, das von der Fachwelt gefeiert wurde. Die Kinder traten in Strassenkleidung auf und spielten die biblische Geschichte in Schweizer Dialekt nach – sehr alltagsnah und mit schlichten, aber ergreifenden Liedern. Es folgten weitere Spiele mit biblischen Stoffen (Josef, Gleichnisse, Ostern, Noah, Jona), dann zwei Kindermessen, eine Jugendmesse (mit Rock-Instrumenten) und eine von der Hamburger Staatsoper in Auftrag gegebene Weihnachtsoper. Bald wurde klar, dass Paul Burkhard über der Beschäftigung mit der Bibel zu einem persönlichen Glauben gefunden hatte. Aber immer blieb er auch der Bühne treu.
 
«Zeller Ostern»
Im Osterspiel bediente sich Burkhard eines dramaturgischen Kunstgriffs: Jesus selber tritt nie auf, sondern immer nur die Jünger, die von Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt berichten. Das Stück wird mit einem innigen Lied eröffnet, das nur auf Schweizerdeutsch greifbar war. Sein Text lautet übersetzt:
 
„Vom Anfang bis zum Ende
bin ich in Deinen Händen
Ich lass nicht los von Dir,
Sei ewig Du bei mir!
Wem einmal Du begegnet,
der ist und bleibt gesegnet,
dem kann nie mehr
das Schlimmste geschehn.
Nie mehr fürcht ich mich,
denn ich habe Dich:
Jesus Christus, Herr!“

 
Es gibt zu diesem Lied nicht viel zu sagen, ausser dass es wie viele gute  Kinderlieder (und auch Kinderbücher) das Kind in uns anspricht. Und es führt uns auf die Spur des kindlichen Gottvertrauens zurück. Dieses zu gewinnen ist für uns Erwachsene bekanntlich nicht einfach, weshalb uns kleine geistliche Kunstwerke, die für Kinder geschaffen wurden, dabei helfen.
Im Anfangslied zur «Zeller Ostern» wird jedenfalls auf kindlich schlichte, aber eben nicht banale Weise das Wichtigste genannt, was uns durch schwierige Zeiten wie diese hindurch trägt.
 
Links zu verschiedenen Liedern aus der Zeller Ostern und anderen Stücken von Paul Burkhard:

Dropbox-Zugang zu “Vom Anfang bis zum Ende”: LINK

Spotify Open source zu Stücken von Paul Burkhard: LINK (Nr.26: “Vom Anfang…”)

Dropbox-Zugang zu einigen Stücken von Paul Burkhard: LINK
 
Text: Beat Rink

ENGLISH

In the church year, the time between Easter and Ascension Day is known as «the time of Easter joy». We are therefore bringing you a short Easter song for children. It comes from Switzerland and was written in 1972.

The composer
Paul Burkhard (1911-1977) was conductor of the Swiss Radio Orchestra and for a long time the resident composer at the “Schauspielhaus” theatre in Zürich. In those days, they still had musical intermezzos between the individual acts of theatre performances. During the war, Berthold Brecht ended up in Zurich. He had brought his play «Mutter Courage» with him, but the song settings for it by the composer Paul Dessau were still underway. It looked as if the world premiere might have to be cancelled. At this point, Paul Burkhard came up with an ideal solution. – He was an absolutely incomparable song composer. He said that as soon as he saw a text, a melody for it came into his mind. I personally had the privilege of getting to know him and experiencing the wonderful world that opened up when he went to the piano and sang his songs, which were never banal or kitschy and always perfectly reflected the texts.

O mein Papa [“Oh my Papa”]
One of the songs made him world-famous: «O mein Papa» from the charming ‘singspiel’ «Der Schwarze Hecht» [«The Black Pike»]. The ‘singspiel’ is a Swiss variant of the operetta, sung by actors and accompanied by two pianos instead of an orchestra. To everyone’s surprise, «O mein Papa» went round the world and enabled Paul Burkhard to build a big house for himself in the Swiss village Zell.

A request from the church
It was not long until the pastor of the reformed church in the village approached the famous composer and asked him to write a Christmas play for the young people in Zell. Paul Burkhard produced a work which was celebrated among the knowledgeable. The children appeared in the street clothing and acted out the biblical account in Swiss dialect – very close to daily life and with simple but deeply touching songs. Further plays with biblical material followed (Joseph, parables, Easter, Noah, Jonah), then two Masses for children, a Mass for young people (with rock instruments), and a Christmas opera commissioned by the State Opera in Hamburg. Soon it became clear that the work with the Bible had led Paul Burkhard to a personal faith. But at the same time he always remained faithful to the theatre.

Zeller Ostern [“Easter in Zell”]
In his Easter play, Burkhard resorted to an original dramaturgical device: Jesus himself never appears, but only the disciples, who tell about the crucifixion, resurrection and ascension. The piece opens with a deeply felt song, presently only available in Swiss dialect. The translation is as follows:

“From the beginning till the end
I am in Your hand. 
I will never let go of You,
Stay with me forever!
Whoever once meets You
Is and remains blessed by you,
The worst can no longer happen to him
I am not afraid any more,
For I have You:
Jesus Christ, Lord!”


There is not much that needs to be said about this song, except that, like many good children’s songs (and also children’s books), it speaks to the child in us. And it leads us back onto the path of childlike trust in God. As is generally acknowledged, this is no easy thing for us adults, but small spiritual works of art, created for children, can help us here.
In the opening song of «Easter in Zell», at any rate, the most important thing is said with childlike simplicity but, once again, without any banality, all of which carries us through difficult times such as these.

Links to various songs from “Easter in Zell” and other pieces by Paul Burkhard:

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Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH
 
Die Zeit zwischen Ostern und der Himmelfahrt Christi ist nach dem Kirchenjahr die «österliche Freudenzeit». Deshalb stellen wir ein kleines Osterlied für Kinder vor. Es kommt aus der Schweiz und wurde1972 geschrieben.
 
Der Komponist
Paul Burkhard (1911-1977) war Dirigent des Schweizer Rundfunkorchesters und lange Zeit Hauskomponist am Zürcher Schauspielhaus. Damals erklangen in Theateraufführungen zwischen den einzelnen Akten noch musikalische Intermezzi. Im Krieg verschlug es Berthold Brecht nach Zürich. Er hatte sein Stück «Mutter Courage» in der Tasche, aber die Liedvertonungen des  Komponisten Paul Dessau waren noch unterwegs. Die Uraufführung drohte deswegen ins Wasser zu fallen. Da sprang Paul Burkhard sprang in kongenialer Weise ein. – Er war überhaupt ein unvergleichlicher Liederkomponist. Er sagte, wenn er einen Text sehe, falle ihm sogleich eine Melodie dazu ein. Ich persönlich hatte das Vorrecht, ihn kennenzulernen und mitzuerleben, wie eine wunderbare Welt aufging, wenn er sich an den Flügel setzte und seine Lieder sang, die nie banal oder kitschig waren und den Text immer auf einfühlsamste Weise aufnahmen.
 
«O mein Papa»
Eines der Lieder machte ihn weltberühmt: «O mein Papa» aus dem charmanten Singspiel «Der Schwarze Hecht». Das «Singspiel», war eine Schweizer Variante der Operette, gesungen von Schauspielern und begleitet von zwei Klavieren statt von einem Orchester. «O mein Papa» ging völlig überraschend um die Welt und ermöglichte es Paul Burkhard, sich ein grosses Haus im Schweizer Dorf Zell zu bauen.
 
Anfrage der Kirche
Es ging nicht lange, so bat der reformierte Dorfpfarrer von Zell den berühmten Komponisten, für die Dorfjugend ein Weihnachtsspiel zu schreiben. Paul Burkhard gelang ein Werk, das von der Fachwelt gefeiert wurde. Die Kinder traten in Strassenkleidung auf und spielten die biblische Geschichte in Schweizer Dialekt nach – sehr alltagsnah und mit schlichten, aber ergreifenden Liedern. Es folgten weitere Spiele mit biblischen Stoffen (Josef, Gleichnisse, Ostern, Noah, Jona), dann zwei Kindermessen, eine Jugendmesse (mit Rock-Instrumenten) und eine von der Hamburger Staatsoper in Auftrag gegebene Weihnachtsoper. Bald wurde klar, dass Paul Burkhard über der Beschäftigung mit der Bibel zu einem persönlichen Glauben gefunden hatte. Aber immer blieb er auch der Bühne treu.
 
«Zeller Ostern»
Im Osterspiel bediente sich Burkhard eines dramaturgischen Kunstgriffs: Jesus selber tritt nie auf, sondern immer nur die Jünger, die von Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt berichten. Das Stück wird mit einem innigen Lied eröffnet, das nur auf Schweizerdeutsch greifbar war. Sein Text lautet übersetzt:
 
„Vom Anfang bis zum Ende
bin ich in Deinen Händen
Ich lass nicht los von Dir,
Sei ewig Du bei mir!
Wem einmal Du begegnet,
der ist und bleibt gesegnet,
dem kann nie mehr
das Schlimmste geschehn.
Nie mehr fürcht ich mich,
denn ich habe Dich:
Jesus Christus, Herr!“

 
Es gibt zu diesem Lied nicht viel zu sagen, ausser dass es wie viele gute  Kinderlieder (und auch Kinderbücher) das Kind in uns anspricht. Und es führt uns auf die Spur des kindlichen Gottvertrauens zurück. Dieses zu gewinnen ist für uns Erwachsene bekanntlich nicht einfach, weshalb uns kleine geistliche Kunstwerke, die für Kinder geschaffen wurden, dabei helfen.
Im Anfangslied zur «Zeller Ostern» wird jedenfalls auf kindlich schlichte, aber eben nicht banale Weise das Wichtigste genannt, was uns durch schwierige Zeiten wie diese hindurch trägt.
 
Links zu verschiedenen Liedern aus der Zeller Ostern und anderen Stücken von Paul Burkhard:

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Text: Beat Rink

Neu findet es vom 12. bis 15. August 2021 statt.

Die Formen christlicher Ästhetik

Einmal mehr wird Rasa, das malerisches Dörfchen im Centovalli, zum Schauplatz der Künste.  Termin reservieren und gleich anmelden! Bist du als WorkshopleiterIn interessiert, dann meldet dich bei sischerr@gmail.com.

Anmeldung

Video 2015

Macht eure Wohnzimmer Konzert-Streams bei uns bekannt:

(Wichtig: Unter Kategorie «Live-Streams» anwählen)

für die Zeit nach Corona:

Zwei Pfarrer reisen mit einer mobilen Bar (auf einem Velo) durch die Lande und schenken an Festen und Treffen Bier aus. Sie wollen nicht predigen, sondern ein offenes Ohr für die Menschen haben.

Ihr Projekt heisst „unfassbar“.

Hier der Link mit Videos:

www.unfassbar.ch

Liebe Mitglieder*innen und Nichtmitglieder*innen,
Kunstschaffende und Kunstinteressierte und Freund*innen des  ARTS+ Roundtable


LIEBE HELD*INNEN DES ALLTAGS – ZU DENEN AUCH IHR GEHÖRT!

Wir grössen euch mit der heutigen Tageslosung:
Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.  Psalm 27,5
Angesichts der Lage und der News-Flut möchten wir euch unterstützen, wo es geht und hier mal ein paar Adressen weiter geben, die euch – falls ihr sie nicht schon auf anderem Weg erhalten habt – hoffentlich helfen mögen bei finanziellen und anderen Fragen.
Wir haben versucht, zusammen zu tragen was sich zusammen tragen lässt.


L I N K S   &   W I S S E N S W E R T E S


Infos zu Gagenausfällen, Arbeitsreduktionen, Kurzarbeit etc. und wo ihr euch melden könnt. Wir haben bewusst ganz un-ästhetisch die Links einkopiert, falls etwas mit einer Verlinkung schief gegangen sein sollte.. So seht ihr dennoch den Pfad.

  • Zum Erhalt der Kulturlandschaft von Suisse Culture:
    Link

     
  • Nothilfe für Kulturschaffende:
    Link

     
  • Die Webseite des Bundesamts für Kultur informiert laufend über die Massnahmen des Bundes in Zusammenhang mit den Auswirkungen des Coronavirus auf den Kulturbereich in der Schweiz:
    Link

     
  • Gagenausfälle Corona – SONART
    Erfasst unbedingt eure Daten! 

    Link
     
  • Gagenausfälle Corona – Gewerkschaft für Freischaffende SYNDICOM
    Erfasst unbedingt eure Daten?

    Link

     
  • Infos für alle Tanzschaffenden und Tanzschulen – Verband der Tanzschaffenden DanseSuisse:
    Link

     
  • Der Verband für Theaterschaffende hat ein Merkblatt heraus gegeben:
    Link
    und informiert über die Absage-Modalitäten der Schweizer Künstlerbörse:
    Link

     
  • Der Verband aller Performance-Künstler*innen – PANCH – empfiehlt unbedingt bei der Erfassung von SONART mitzuwirken:
    Link
     
  • Informationen der Zürchen Hochschule der Künste für Kulturschaffende:
    Link
     
  • Fragen zur arbeitsrechtlichen Situation:
    Link

     
  • Infos über ihren Umgang mit Förder- und Betriebsbeiträgen der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich hier kommuniziert:
    Link

     
  • Infos zum Thema Betriebssicherung (z.B. Liquidität,  Kredite, Versicherung) gibt es in einem FAQ des BCK. Meldet euch bei Bedarf unter info@ap.weiter.ch

Und gerade erreicht uns die Mitteilung, dass:
“Selbständig Erwerbende werden im Fall einer Schulschliessung, ärztlich verordneter Quarantäne oder der Schliessung eines selbständig geführten öffentlich zugänglichen Betriebes in Form von Taggeld entschädigt. Diese neue Regelung gilt auch für Künstler.” (aus der Medienkonferenz des Bundesrates von heute Abend).

Mietverträge bleiben trotz Corona Virus verbindlich.
Je nach Situation kann eine Kulanzanfrage an euren Vermieter gestellt werden. Hier die Infos dazu: www.mieterverband.ch
Wer dazu gerne einen Muster-Brief (Brief-Vorlage) hätte, kann sich bei uns melden: info@ap.weiter.ch 

Dazu haben wir ein paar Initiativen gebündelt, die eure Unterstützung brauchen bzw. von denen ihr allenfalls auch selbst betroffen seid.

  • hilf-jetzt.ch: Einkaufen für ältere Leute, Kinderbetreuung, Tipps zur Selbsthilfe
     
  • Unterschreibt Dr. Guy Cools internationale Petition «Faire Behandlung von freischaffenden Künstler*innen in der Corona-Krise».
     
  • Kulturinstitutionen: Kaufpreis von Tickets für Veranstaltungen nicht zurückfordern sondern der Veranstalterin spenden. Wir sind alle sehr dankbar!
    Link

WIR ARBEITEN AUSSERDEM AN KÜNSTLER*INNEN-GEBETS-MEETINGS.
Seid ihr interessiert, euch mit anderen Kunstschaffenden ca. 1x pro Woche per ZOOM oder Skype zum Gebet zu treffen und so mit anderen Kunstschaffenden zu auszutauschen?
Meldet euch bei info@ap.weiter.ch

Dazu bereits ein konkreter Vorschlag: Dieter Falk plant am kommenden Dienstag um 19:30 ein “Singen zu Hause” über Internet. www.singenzuhause.de Er wird morgen in der TV Sendung “Volle Kanne” darüber berichten. Wer möchte, kann dann einstimmen…

Die Crescendo-Community (Crescendo ist eines der Netzwerke am ARTS+ Roundtable) grüsst EUCH alle sehr herzlich mit einem wunderbar-berührenden Video – schaut rein: mir kamen die Tränen

BACH IN DEN NATIONEN


D I E   Z E I T   D A N A C H 


Weil es auch eine Zeit NACH CORONA gibt hier noch in aller Kürze aus der ARTS+ Stube:

Der PRIX PLUS wird auch 2020 vergeben!

Eingaben nur per Mail (PDF’s, Links, keine Papierausdrucke oder 3D-Objekte) an: Beat Rink, Präsident ARTS+ Schweiz, brink@crescendo.org

SAVE THE DATE: 
Die Verleihung des PrixPlus findet am 6. November 2020, voraussichtlich in Bern statt.


Wettbewerb für innovative Musikprojekte im Kanton Thurgau

Der Wettbewerb KosmosMusikThurgau richtet sich an Musikschaffende (Musikerinnen und Musiker, Dirigentinnen und Dirigenten, Komponistinnen und Komponisten) aller Musikgenres. Diese sollen in Zusammenarbeit mit thurgauischen Gruppierungen aller Musikrichtungen Musikprojekte umsetzen, die einen innovativen, eigenständigen Ansatz verfolgen und die Vernetzung und Kooperation fördern. 

Für den Wettbewerb stehen Mittel in der Höhe von Fr. 180’000.– zur Verfügung. Es werden maximal sechs Projekte gefördert.
Zur Ausschreibung


Wir hoffen, ihr bleibt gesund und zu Hause!
Der nächste Newsletter kommt dann wieder in schön gestalteter Form von Regula zu euch.

Gott ist mit uns!
Herzliche Grüsse,
Euer ARTS+ Team

Regula Lustenberger, Astrid Künzler, Adrian Furrer, Beat Rink, Jean-Daniel von Lerber, Martin Jufer, Matthias Spiess, Samuel Scherrer, Timo Schuster

Wo: Stiftung Binz39, Binzstrasse 39, 8045 Zürich
Grösse: 58 m2
Raumhöhe: 3,5 m
Preis pro Monat inkl: 1030 CHF

Internet/wlan/Wasser/Strom inklusive
Der abschliessbare Atelierraum befindet sich in einer Etagen-Ateliergemeinschaft mit insgesamt 11 Ateliers. Interessante, nette Ateliernachbar*innen (Künstler*innen, Fotograf*innen). (mehr …)

Empfindet ihr nicht eine tiefe Liebe zu den Bahnhöfen? Die Bahnhöfe, in den grossen Städten, sind es, die jeden Morgen zuerst das unerbittliche Leben des Alltags wec­ken. Und zuallererst sind es die Laternen der Bahnarbeiter, die vorbei gehen, sich kreuzen, kreisen, zurückkommen, sich von einer Seite zur andern wenden, hart am Boden, geheimnisvoll, geschäftig, verschwiegen. Und dann sind es die Handkarren, die mit Knarren und Kreischen einsetzen. Später der dumpfe, ferne Lärm der Wagen, die einfahren. Und noch später die Menschenflut, welche durch die weiten Portale dringt und sich verstreut hierhin, dorthin, in der mächtigen Halle.

Azorín, Auf den Spuren Don Quijotes, spanisch 1905.

Doch, ich liebe sie auch, die Bahnhöfe in grossen Städten! José Augusto Trinidad Mar­­tínez Ruiz, der sich nach dem Helden eines eigenen Romans von 1903 bald ein­mal Azorín nennt, beschreibt hier einen Bahnhof von Madrid, vermutlich den bei der Puerta de Atocha, denn der Ich-Erzähler bricht nach Süden auf, um in der Man­cha den Spuren Don Quijotes nachzugehen. Doch, ich kenne die mächtige Halle mit ih­rem weitgespannten Dach aus Gusseisen und Glas! 1905, als La ruta de Don Qui­jote gedruckt wurde, war sie, 1888-92 im Jugendstil errichtet, eine ak­tuelle architekto­ni­sche Sensation. Doch, mich faszinieren die Bahnhöfe des Fin de Siècle ebenso wie Azorín! Seine Reise beginnt zwar in der Moderne, aber Atocha liegt gleich neben der Plaza Emperador Carlos V (1516-56 auf dem Thron), mit dem das Siglo de Oro, Spa­ni­ens goldenes Jahrhun­dert von 1550-1660, begonnen hat, während es mit Felipe IV (1621-65 auf dem Thron), der den fertigen Don Quijote von Cervantes (1605-15 im Druck) gerade in Händen hält, zuendegegangen ist.

Was Carlos V, der Habsburger, einst mit dem Gold Lateinamerikas errichtet hat, aber während der Dekadenz des Ritterstands, die Cervantes so süffisant und amü­­sant per­sifliert, das will Alfonso XIII, der Bourbone (1886-1931 auf dem Thron), mit Ato­cha, dem repräsentativen Bahn­hof im Stil der Décadence, wiederholen: die Selbst­dar­stellung spani­scher cornucopia, der Prosperität aus dem Füllhorn, des Wohl­stands und der Weltläufigkeit, nun dank der Industrialisierung. Von ihr zeugt die Eisen­­­bahn, in Spanien seit 1848. Azorín reist aus der pulsierenden Moderne in die apathische Vergangenheit, von Atocha aus in die Mancha, aus der neuen Décadence der Industrialisierung in die alte des Siglo de Oro.

Seine tiefe Liebe zu den Bahnhöfen findet Ausdruck in einem impressionistischen po­ème en prose, einer wunderbaren lyrischen Miniatur, einer poetischen Momentauf­nah­me. Arthur Honeggers Kom­po­sition Pacific 231, jener mouvement symphonique von 1923, der einer Dampflok und ihrer Bewegung gewidmet ist, passt zu ihr, noch zu se­hen auf der gerade verschwinden­den Zwanzigfrankennote. Azorín beschreibt indirekt einen Kontrast: Nicht mehr Kirchtürme wecken das unerbittliche Leben des Alltags, sondern Bahnhöfe. Nicht mehr die Laterne des Nachtwächters, der nach Hause geht, ist zu sehen, sondern die Laternen der Bahnarbeiter, die ihr Tagwerk beginnen. Nicht das Geschepper des Milchgeschirrs, mit dem der Bauer vom frühen Melken kommt, ist zu hören, sondern das Knarren und Kreischen der Handkarren. Nicht in die Kirche und zur Frühmesse strömt die Menschenflut, sondern durch die weiten Portale des Bahnhofs.

Azorín beschreibt 1905, was auch 2019 zu sehen ist: Die grossen Bahnhöfe des Fin de Siècle sind die Kathedralen des neuen Jahrhunderts. Mammon ist ihr Gott, Mobili­tät ihre Pilgerfahrt, Konsumismus ihre Frömmigkeit, Ausbeutung ihre Hörigkeit. Arbeit ist unerbittlich, hart und dumpf. Cornucopia geniessen vor allem die Mächtigen. De­ren Selbst­dar­stellung freilich ist so dekadent wie herrlich. Wer liebt sie nicht, diese Bahnhöfe!

ENGLISH

In the tunnel
A short story written in 1952 by Friedrich  Dürrenmatt (1921-1990; the author of the worldwide success «The visit of the old lady») has a prophetic feel to it: On a short rail journey, the passengers notice that the tunnel is becoming ever longer and steeper – and, correspondingly, the train is accelerating. At the end of the story come these words: «What should we do?… Nothing…God has let us fall and so we are plunging towards him.» A sombre end, but it does nevertheless contain a spark of Christian hope, as do many early texts by Dürrenmatt, a pastor’s son. Can anything better happen to us than to plunge towards God, if indeed a plunge is inevitable? Since the appearance of the revised edition of the «Tunnel» in 1980, however, only this much remains as an ending: «What should we do… Nothing». Full stop. The final sentence mentioning God, like all the other biblical references in the «Tunnel», has been cut. Symptomatic, somehow. Not only Dürrenmatt, but broad sectors of our society have cut God out of their vocabulary, or at least out of their active vocabulary. So now we are plunging into nothing. At this, of all times, this time of the Corona virus.

In the artist’s changing room
Or perhaps we can find another picture for the present situation?
A few hours ago, I spoke on the phone with the mime artist Carlos Martinez. At this moment, he is confined to his apartment in Barcelona. «In Spain, life takes place outdoors. It is therefore completely unnatural to be locked in», he stated. Then he added a further remark, which I found particularly beautiful: for him, it was like the feeling of being in the artist’s changing room before a performance. He has done the preparation and his make-up and is now running through the programme once again before the door opens for him to take the stage. «One knows that the performance is coming! But at the moment the only thing to do is wait.» This picture give us a completely different hope from the one in the «Tunnel».

A justified hope?
Is this a justified hope? Paul writes: «We also exult in our tribulations, knowing that tribulation brings perseverance, and perseverance proven character, and proven character hope, and hope does not fail us.» (Romans 5,3-5). Here we are talking about a rule of spiritual life: the more pressure we experience, the more we develop resilience and determination enabling us to «shoulder» our difficulties. All of us are familiar with this. Especially when an artist faces a big task. But Paul is not simply speaking about mental strength, and also about the hope which comes from experiencing God’s love: «But hope does not fail us; for the love of God is poured out in our hearts by the Holy Spirit, who has been given to us.» (v.5).
In the words of the theologian Adolf Schlatter (1852-1938)«Paul therefore comes to this conclusion: the greater the suffering, the greater the hope and the greater the fulfilment of the hope. But the affliction can also, however, have the opposite effect, that it brings impatience, and the impatience does not lead to proven character, but to a fall, and the fall not to hope, but to fear.» According to Schlatter, the decisive point is now which chain we take hold of – the chain of hope or the chain of fear. One could also put it this way: Which place do we choose – the tunnel or the artist’s changing room?

A prophetic word of hope
Sometimes, prophetic words help us to turn our eyes towards the door of the changing room. Hanspeter Nüesch, for many years leader of Campus for Christ in Switzerland, received a phone call from New Zealand last autumn (!) – from a couple now over 90 years old and with many years experience in prayer ministry. This was the message: “Get ready for astonishing things that God is going to do soon, things which will surprise us all. The nations will tremble before his presence. A fire will burn away the dross and bring everything impure out into the light. The fire will purify the children of God so that the true gold and silver will show through. This will please God, and God will turn to his children in a new way. At the same time, God will pronounce judgement on all kinds of idolatry and social injustice. In this time, God will equip his children for service in a new way.»
The couple also «saw» a time of harvest coming.

Once again: what do we choose?
Our current situation has its dynamics.
What dynamics are we experiencing personally at the moment?
Are these the dynamics of the Tunnel of 1952? We are plunging dramatically downwards – but nevertheless towards God, because we believe in him.
Or are they the dynamics of the Tunnel of 1980? – We are falling into nothing.
Or are they the dynamics of waiting in the changing room?
Or are we familiar with all three?
In our society, at any rate, all three are found. We can pray that we (and others) can step out of the tunnel into the waiting room, where we receive the gifts of patience, strength and hope. And perhaps a touch of anticipatory joy about what God is about to do.

Text: Beat Rink / translation into English: Bill Buchanan
Picture of Carlos Martinez from Crescendo Magazine no. 85: LINK

DEUTSCH
 
Im Tunnel
Eine 1952 geschriebene kurze Erzählung von Friedrich  Dürrenmatt(1921-1990; Autor des Welterfolgs «Der Besuch der alten Dame») mutet irgendwie prophetisch an: Auf einer kurzen Zugfahrt merken die Passagiere, dass ein Tunnel immer länger und steiler wird – und der Zug entsprechend schneller. Am Ende der Erzählung heisst es: «Was sollen wir tun?… Nichts…Gott liess uns fallen und so stürzen wir denn auf ihn zu.» Ein düsterer Schluss, der aber immerhin einen Funken christlicher Hoffnung enthält wie viele frühe Texte des Pfarrersohns Dürrenmatt. Was kann uns Besseres geschehen als auf Gott zuzustürzen, wenn es denn ein Sturz sein muss?  Seit der 1980 revidierten Ausgabe des «Tunnels» lautet der Schluss allerdings nur noch: «Was sollen wir tun…Nichts». Punkt. Der letzte Satz mit Gott wie auch alle anderen biblischen Bezüge im «Tunnel» sind gestrichen. Irgendwie symptomatisch. Nicht nur Dürrenmatt, sondern weite Teile unserer Gesellschaft hat Gott aus dem Vokabular oder zumindest aus dem aktiven Wortschatz gestrichen. So stürzen wir denn ins Nichts. Gerade jetzt, in diesen unheimlichen Corona-Zeiten.
 
Im Künstlerzimmer
Oder lässt sich vielleicht ein anderes Bild für die jetzige Situation finden? Vor ein paar Stunden habe ich mit dem Mimen Carlos Martinez telefoniert. Er ist gerade in seiner Wohnung in Barcelona eingeschlossen. «In Spanien spielt sich das Leben draussen ab. Deshalb ist es hier völlig unnatürlich, eingeschlossen zu sein», meinte er. Dann fügte er noch eine Bemerkung an, die ich besonders schön fand: Es komme ihm vor, als befände er  sich in einem Künstler-zimmer vor der Aufführung. Er habe sich vorbereitet und geschminkt und gehe nun nochmals das Programm durch, bevor sich die Tür zum Auftritt öffne. «Man weiss: Der Auftritt kommt! Aber jetzt muss man eben noch warten.» Dieses Bild vermittelt eine ganz andere Hoffnung als der «Tunnel».
 
Begründete Hoffnung?
Ist dies eine begründete Hoffnung? Paulus schreibt  «Wir rühmen uns der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.» (Römer 5,3-5) Hier ist von einer Gesetzmässigkeit die Rede: Je mehr Druck wir erfahren, desto mehr Tragkraft und Entschlossenheit entwickeln wir, dass wir die Schwierigkeiten «stemmen» können. Wir alle kennen das. Gerade auch als Künstler vor einer grossen Aufgabe. Paulus spricht aber nicht einfach von psychischen Kräften, sondern von der Hoffnung, die aus der Erfahrung von Gottes Liebe kommt: «Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.» (V.5)
Der Theologe Adolf Schlatter (1852-1938) schreibt: «So kommt Paulus zu dem Resultat: je mehr Leiden, desto mehr Hoffnung und desto mehr Erfüllung der Hoffnung. Die Trübsal kann allerdings auch die entgegengesetzte Wirkung haben, dass sie Ungeduld wirkt, und die Ungeduld führt nicht zur Bewährung, sondern zum Fall und der Fall nicht zur Hoffnung, sondern zur Furcht.»
Nach Schlatter kommt es nun darauf an, welche Kette wir ergreifen -die Kette der Hoffnung oder die der Furcht. Man könnte auch fragen: Welchen Ort wählen wir –  den Tunnel oder das Künstlerzimmer?
 
Ein prophetisches Wort der Hoffnung
Manchmal helfen prophetische Worte, im Künstlerzimmer den Blick auf die Tür zu richten. Hanspeter Nüesch, langjähriger Leiter von Campus für Christus Schweiz, bekam im letzten Herbst (!) einen Anruf aus Neuseeland – von einem über 90-jährigen Ehepaar, das seit vielen Jahren in einem Gebetsdienst steht. Die Botschaft lautete: „Bereite dich auf erstaunliche Dinge vor, die Gott bald tun wird, die uns alle überraschen werden. Die Nationen werden vor seiner Gegenwart erzittern. Es wird wie ein Feuer die Schlacken verbrennen und alles Unreine ans Licht bringen. Es wird die Kinder Gottes reinigen, damit das wahre Gold und Silber hervorkommt. Das wird Gott gefallen, und Gott wird sich seinen Kindern neu zuwenden. Gleichzeitig wird Gott Gericht sprechen über alle Art von Götzen und sozialer Ungerechtigkeit. In dieser Zeit wird Gott seine Kinder für den Dienst neu zurüsten.» Das Ehepaar «sah» auch eine Zeit der Ernte kommen.
 
Nochmals: was wählen wir?
Unsere jetzige Situation hat eine Dynamik.
Welche Dynamik erfahren wir persönlich gerade?
Ist es die Dynamik des Tunnels von 1952? Wir stürzen dramatisch ab – aber immerhin auf Gott zu, weil wir an ihn glauben.
Oder ist es die Dynamik des Tunnels von 1980? Wir fallen ins Leere.
Oder ist es die Dynamik des Wartens im Künstlerzimmer?
Oder kennen wir alle drei Dynamiken? In unserer Gesellschaft sind jedenfalls alle drei vorhanden.
Wir können beten, dass wir (und andere) aus dem Tunnel ins Künstlerzimmer treten können, wo wir Geduld, Kraft und Hoffnung geschenkt bekommen. Und vielleicht eine Prise Vorfreude auf das, was Gott noch vorhat.
 
Text: Beat Rink
Photo Carlos Martinez: aus der Zeitschrift Crescendo Nr.85: LINK

ENGLISH

In the tunnel
A short story written in 1952 by Friedrich  Dürrenmatt (1921-1990; the author of the worldwide success «The visit of the old lady») has a prophetic feel to it: On a short rail journey, the passengers notice that the tunnel is becoming ever longer and steeper – and, correspondingly, the train is accelerating. At the end of the story come these words: «What should we do?… Nothing…God has let us fall and so we are plunging towards him.» A sombre end, but it does nevertheless contain a spark of Christian hope, as do many early texts by Dürrenmatt, a pastor’s son. Can anything better happen to us than to plunge towards God, if indeed a plunge is inevitable? Since the appearance of the revised edition of the «Tunnel» in 1980, however, only this much remains as an ending: «What should we do… Nothing». Full stop. The final sentence mentioning God, like all the other biblical references in the «Tunnel», has been cut. Symptomatic, somehow. Not only Dürrenmatt, but broad sectors of our society have cut God out of their vocabulary, or at least out of their active vocabulary. So now we are plunging into nothing. At this, of all times, this time of the Corona virus.

In the artist’s changing room
Or perhaps we can find another picture for the present situation?
A few hours ago, I spoke on the phone with the mime artist Carlos Martinez. At this moment, he is confined to his apartment in Barcelona. «In Spain, life takes place outdoors. It is therefore completely unnatural to be locked in», he stated. Then he added a further remark, which I found particularly beautiful: for him, it was like the feeling of being in the artist’s changing room before a performance. He has done the preparation and his make-up and is now running through the programme once again before the door opens for him to take the stage. «One knows that the performance is coming! But at the moment the only thing to do is wait.» This picture give us a completely different hope from the one in the «Tunnel».

A justified hope?
Is this a justified hope? Paul writes: «We also exult in our tribulations, knowing that tribulation brings perseverance, and perseverance proven character, and proven character hope, and hope does not fail us.» (Romans 5,3-5). Here we are talking about a rule of spiritual life: the more pressure we experience, the more we develop resilience and determination enabling us to «shoulder» our difficulties. All of us are familiar with this. Especially when an artist faces a big task. But Paul is not simply speaking about mental strength, and also about the hope which comes from experiencing God’s love: «But hope does not fail us; for the love of God is poured out in our hearts by the Holy Spirit, who has been given to us.» (v.5).
In the words of the theologian Adolf Schlatter (1852-1938)«Paul therefore comes to this conclusion: the greater the suffering, the greater the hope and the greater the fulfilment of the hope. But the affliction can also, however, have the opposite effect, that it brings impatience, and the impatience does not lead to proven character, but to a fall, and the fall not to hope, but to fear.» According to Schlatter, the decisive point is now which chain we take hold of – the chain of hope or the chain of fear. One could also put it this way: Which place do we choose – the tunnel or the artist’s changing room?

A prophetic word of hope
Sometimes, prophetic words help us to turn our eyes towards the door of the changing room. Hanspeter Nüesch, for many years leader of Campus for Christ in Switzerland, received a phone call from New Zealand last autumn (!) – from a couple now over 90 years old and with many years experience in prayer ministry. This was the message: “Get ready for astonishing things that God is going to do soon, things which will surprise us all. The nations will tremble before his presence. A fire will burn away the dross and bring everything impure out into the light. The fire will purify the children of God so that the true gold and silver will show through. This will please God, and God will turn to his children in a new way. At the same time, God will pronounce judgement on all kinds of idolatry and social injustice. In this time, God will equip his children for service in a new way.»
The couple also «saw» a time of harvest coming.

Once again: what do we choose?
Our current situation has its dynamics.
What dynamics are we experiencing personally at the moment?
Are these the dynamics of the Tunnel of 1952? We are plunging dramatically downwards – but nevertheless towards God, because we believe in him.
Or are they the dynamics of the Tunnel of 1980? – We are falling into nothing.
Or are they the dynamics of waiting in the changing room?
Or are we familiar with all three?
In our society, at any rate, all three are found. We can pray that we (and others) can step out of the tunnel into the waiting room, where we receive the gifts of patience, strength and hope. And perhaps a touch of anticipatory joy about what God is about to do.

Text: Beat Rink / translation into English: Bill Buchanan
Picture of Carlos Martinez from Crescendo Magazine no. 85: LINK

DEUTSCH
 
Im Tunnel
Eine 1952 geschriebene kurze Erzählung von Friedrich  Dürrenmatt(1921-1990; Autor des Welterfolgs «Der Besuch der alten Dame») mutet irgendwie prophetisch an: Auf einer kurzen Zugfahrt merken die Passagiere, dass ein Tunnel immer länger und steiler wird – und der Zug entsprechend schneller. Am Ende der Erzählung heisst es: «Was sollen wir tun?… Nichts…Gott liess uns fallen und so stürzen wir denn auf ihn zu.» Ein düsterer Schluss, der aber immerhin einen Funken christlicher Hoffnung enthält wie viele frühe Texte des Pfarrersohns Dürrenmatt. Was kann uns Besseres geschehen als auf Gott zuzustürzen, wenn es denn ein Sturz sein muss?  Seit der 1980 revidierten Ausgabe des «Tunnels» lautet der Schluss allerdings nur noch: «Was sollen wir tun…Nichts». Punkt. Der letzte Satz mit Gott wie auch alle anderen biblischen Bezüge im «Tunnel» sind gestrichen. Irgendwie symptomatisch. Nicht nur Dürrenmatt, sondern weite Teile unserer Gesellschaft hat Gott aus dem Vokabular oder zumindest aus dem aktiven Wortschatz gestrichen. So stürzen wir denn ins Nichts. Gerade jetzt, in diesen unheimlichen Corona-Zeiten.
 
Im Künstlerzimmer
Oder lässt sich vielleicht ein anderes Bild für die jetzige Situation finden? Vor ein paar Stunden habe ich mit dem Mimen Carlos Martinez telefoniert. Er ist gerade in seiner Wohnung in Barcelona eingeschlossen. «In Spanien spielt sich das Leben draussen ab. Deshalb ist es hier völlig unnatürlich, eingeschlossen zu sein», meinte er. Dann fügte er noch eine Bemerkung an, die ich besonders schön fand: Es komme ihm vor, als befände er  sich in einem Künstler-zimmer vor der Aufführung. Er habe sich vorbereitet und geschminkt und gehe nun nochmals das Programm durch, bevor sich die Tür zum Auftritt öffne. «Man weiss: Der Auftritt kommt! Aber jetzt muss man eben noch warten.» Dieses Bild vermittelt eine ganz andere Hoffnung als der «Tunnel».
 
Begründete Hoffnung?
Ist dies eine begründete Hoffnung? Paulus schreibt  «Wir rühmen uns der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.» (Römer 5,3-5) Hier ist von einer Gesetzmässigkeit die Rede: Je mehr Druck wir erfahren, desto mehr Tragkraft und Entschlossenheit entwickeln wir, dass wir die Schwierigkeiten «stemmen» können. Wir alle kennen das. Gerade auch als Künstler vor einer grossen Aufgabe. Paulus spricht aber nicht einfach von psychischen Kräften, sondern von der Hoffnung, die aus der Erfahrung von Gottes Liebe kommt: «Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.» (V.5)
Der Theologe Adolf Schlatter (1852-1938) schreibt: «So kommt Paulus zu dem Resultat: je mehr Leiden, desto mehr Hoffnung und desto mehr Erfüllung der Hoffnung. Die Trübsal kann allerdings auch die entgegengesetzte Wirkung haben, dass sie Ungeduld wirkt, und die Ungeduld führt nicht zur Bewährung, sondern zum Fall und der Fall nicht zur Hoffnung, sondern zur Furcht.»
Nach Schlatter kommt es nun darauf an, welche Kette wir ergreifen -die Kette der Hoffnung oder die der Furcht. Man könnte auch fragen: Welchen Ort wählen wir –  den Tunnel oder das Künstlerzimmer?
 
Ein prophetisches Wort der Hoffnung
Manchmal helfen prophetische Worte, im Künstlerzimmer den Blick auf die Tür zu richten. Hanspeter Nüesch, langjähriger Leiter von Campus für Christus Schweiz, bekam im letzten Herbst (!) einen Anruf aus Neuseeland – von einem über 90-jährigen Ehepaar, das seit vielen Jahren in einem Gebetsdienst steht. Die Botschaft lautete: „Bereite dich auf erstaunliche Dinge vor, die Gott bald tun wird, die uns alle überraschen werden. Die Nationen werden vor seiner Gegenwart erzittern. Es wird wie ein Feuer die Schlacken verbrennen und alles Unreine ans Licht bringen. Es wird die Kinder Gottes reinigen, damit das wahre Gold und Silber hervorkommt. Das wird Gott gefallen, und Gott wird sich seinen Kindern neu zuwenden. Gleichzeitig wird Gott Gericht sprechen über alle Art von Götzen und sozialer Ungerechtigkeit. In dieser Zeit wird Gott seine Kinder für den Dienst neu zurüsten.» Das Ehepaar «sah» auch eine Zeit der Ernte kommen.
 
Nochmals: was wählen wir?
Unsere jetzige Situation hat eine Dynamik.
Welche Dynamik erfahren wir persönlich gerade?
Ist es die Dynamik des Tunnels von 1952? Wir stürzen dramatisch ab – aber immerhin auf Gott zu, weil wir an ihn glauben.
Oder ist es die Dynamik des Tunnels von 1980? Wir fallen ins Leere.
Oder ist es die Dynamik des Wartens im Künstlerzimmer?
Oder kennen wir alle drei Dynamiken? In unserer Gesellschaft sind jedenfalls alle drei vorhanden.
Wir können beten, dass wir (und andere) aus dem Tunnel ins Künstlerzimmer treten können, wo wir Geduld, Kraft und Hoffnung geschenkt bekommen. Und vielleicht eine Prise Vorfreude auf das, was Gott noch vorhat.
 
Text: Beat Rink
Photo Carlos Martinez: aus der Zeitschrift Crescendo Nr.85: LINK

ENGLISH
 
In the long hours of this lockdown, many people have time to reflect on the Passion and Easter at home. Art and music can help us to meditate on the salvific events surrounding the Cross and the Resurrection and to forge a new inner connection with them.
In an earlier TUNE IN, we presented the wonderful Easter Suite by Oscar Peterson: LINK 
 
This year, we invite you to listen to some particularly fine contributions on the subject of the St. John’s Passion: LINK

Friends of Crescendo will be especially glad to encounter here David Delta Gier (director of the South Dakota Symphony), Dr. Marcel Zwitser (musicologist, the Netherlands), Steven Condy (baritone, USA) and Timothy Bentch (tenor, USA). David and Marcel have been active in our movement for many years: in the USA, in the Netherlands and at the “Crescendo Summer Institute”, where also Steven was part of the faculty. Timothy is a pastor and singer. He worked in Hungary for many years as a singer and leader of Song of the Nations and Crescendo and was a co-founder and long-time leader of the Summer Institute.
 
We most heartily wish you a joyful and reflective Easter celebration! 

Your TUNE IN editorial team

DEUTSCH

In den Stunden des Lockdowns haben viele Menschen Zeit, zuhause über Passion und Ostern nachzudenken.  Kunst und Musik können uns helfen, das heilsgeschichtliche Geschehen rund um Kreuz und Auferstehung zu meditieren und uns innerlich neu damit zu verbinden. 
In einem früheren TUNE IN haben wir die wunderbare Easter Suite von Oscar Peterson vorgestellt : LINK

In diesem Jahr laden wir ein, sehr intressante  Beiträge zur Johannes-Passion anzuhören: LINK
Besonders schön ist für Freunde von Crescendo die Begegnung mit David Delta Gier (Leiter der South Dakota Symphony), Dr. Marcel Zwitser (Musikwissenschafter, Niederlande), Steven Condy (Bariton, USA) und Timothy Bentch (USA). David und Marcel setzen sich seit Jahren in unserer Bewegung ein: in den USA, in den Niederlanden und im “Crescendo Sommerinstitut“, wo auch Steven Dozent war. Timothy ist Pastor und Sänger. Er war über viele Jahre in Ungarn tätig; er leitete Song for the Nations / Crescendo und war Mitbegründer und langjähriger Leiter des Sommerinstituts. 

Wir wünschen euch von Herzen frohe und besinnliche Ostertage!

Euer TUNE IN Redaktionsteam 

ENGLISH

An “edifying” performance
During these recent weeks of lockdown, countless creative posts have appeared on the Internet and continue to reach us almost hourly. Some of these are extremely humorous and help us, as a kind of therapeutic psycho-hygiene, while we work through the shock we are currently experiencing. And some of them are also reflective and, in the best sense, «edifying», as is the case with the online performance of the hymn verse «Befiehl du deine Wege»/ «Entrust thy way unto him» from Malaysia.

” Bachfest Malaysia”
In 2015, Malaysian musicians joined forces to put on a «Bachfest», since which time concerts have been taking place regularly. This short video went round the world within a couple of days. It communicates a sense of closeness and unity around the globe amidst our «social – or rather – physical distancing». Music connects, as becomes especially clear in times of crisis. And music comforts. Especially this music and this text, performed by Bachfest members.

Verses from the 17th century
The verses were written immediately after the 30 Years War, in which devastation, famine and pestilence plunged Europe into one of the deepest crises of recent times, decimating the population of Berlin, for example, from 13,000 to 5,000. It was also in Berlin that the theologian and hymn-writer Paul Gerhardt (1607-1676) was active. Even today, his texts are still amongst the greatest treasures of our church hymn books.
The first verse of the hymn, the one heard in the video, helps us to trust the One who has all the forces of nature under His control.

“Befiehl du deine Wege (=  Entrust your paths)
und was dein Herze kränkt (=  and all that weighs on your heart)
der allertreusten Pflege (= to the most faithful care)
des, der den Himmel lenkt. (= of the One who guides the heavens.)
Der Wolken, Luft und Winden (= The One who gives air and wind)
gibt Wege, Lauf und Bahn, (= their paths, their movements, their courses,)
der wird auch Wege finden,  (=  will also find paths)
da dein Fuss gehen kann. (= on which your foot can go.) 

Entrust thy way unto Him
and all thy spirit craves
the ever faithful guardian
who guides the wind and waves,
who rules the clouds of heaven
and bids the breezes blow;
He will choose the pathway
On which our steps should go.

Command or commend…?
«Befiehl» – the first word does not come from the German verb for «command», as a confirmation candidate once thought. We are not meant to command God regarding what He should do, but we should «commend, entrust» to Him everything that causes us worry and makes us uncertain about our path. 

“My heart is bewildered”
We also know the deeply touching melody from the St. Matthew Passion («O Haupt voll Blut und Wunden» / «O sacred head, sore wounded») and from the Christmas Oratorio («Wie soll ich dich empfangen» / «How shall I meet thee»). The original form was written in 1601 by Leo Hassler (1564-1612) as a love-song setting («Mein G’müt ist mir verwirret» / «My heart is bewildered within me»), a complaint about unrequited love felt for a young lady. The lamenting tone and also the old text fit very well with the content of the new spiritual text, but in the latter we simultaneously find great comfort: let us take that with us into the coming weeks.

Interview with David Chin

We put a few questions to our friend David Chin, the originator of the video. Dr. Chin is the director of the Bach-Fest Malaysia as well as of the Bach Festival Hong Kong and associate Professor of «Choral Music» at the University of Minnesota, Duluth.

www.bachfestmalaysia.com

www.davidchinmusic.com 

David, how did you come up with this idea? 
The Prime Minister of Malaysia announced a two-week “movement order control” on March 17, where people are to stay home and not travel anywhere unless it is absolutely necessary. At the time, we all could see from Facebook that there were many concerns throughout the entire world, and among musicians too, as many gigs were cancelled. Bachfest Malaysia is no exception, as we had many plans lined up, but due to the epidemic, we had to start cancelling several events.
I was sitting at my desk, thinking what we (Bachfest Malaysia) could do during this time as a community, something to encourage one another as well as our friends throughout Malaysia and around the world. Then, this idea came to my mind. 

Then it seems everything went very quickly?
The response from our musicians and friends was very positive. I requested their videos on March 17, and by noon time on March 18, we had received about over 30 videos. And we ended up having over 40 people performing in the video, with 19 instrumentalists and 25 singers. 
 
Any reactions?

The reactions on the web frankly were quite overwhelming! Today, we have about 67k views on Facebook and more than 150,000k views on YouTube. The response is not something I would have imagined. Because of the video, we have been in several newspapers, both in Europe and Malaysia, and we have just been contacted by a film-making company in Berlin to be featured on their program. 

Why these strong reactions?
I think the reasons why this video got so much attention are because the entire world is now facing the same problem, and we all share the same feelings. The text was written by Paul Gerhardt, a theologian and hymnodist who had experienced the Thirty Years War as well as the plagues himself. The epidemic which we are all facing now perhaps reminds us of a few things – 1) We human beings are so small and insignificant; 2) Just when we think that we have everything under control in an advanced world, we are actually quite powerless, and have very little to no control over anything; 3) At the end of the day, all we can do is look up to God in heaven and ask for help and mercy. All these sentiments are clearly reflected in the chorale – written in the 17th century, which speaks to us just as vividly in 2020. 

How did you do this technically? 
Many people have been sending us emails and messages to ask if we had used any special software to create this video. Basically I just filmed a video of me conducting, and then sent the video out along with the sheet music, and asked our members and friends to make a video with their cell phone singing or playing according to my conducting video. After that, they uploaded the videos to Google Drive. An intern and I then organized and compiled the files, and then lined them up in a regular movie-editing software. 

One more word, a message from Malaysia in conclusion?
The epidemic has brought many negative effects to our economy, just like the rest of the world, which eventually will affect the livelihoods of many. At the same time, I think it is also a time for us to reflect on what the things are that really matter in life, and if we have placed our hopes in the wrong place all along. On the one hand, it could be nerve-racking as we can observe that the situation around the world is worsening each day; but at the same time, this is the moment when our faith is tested. Ultimately, we just have to continue to do our best in all the areas we can, including our professions, be creative, do not give up, and at the same time, trusting God is in charge of everything.  

Text & interview: Beat Rink / translation of the text: Bill Buchanan

DEUTSCH

Ein erbauliches Online-Konzert 
Es gibt unzählige kreative Posts, die in den letzten Wochen des Lockdowns entstanden sind und uns fast stündlich erreichen. Darunter gibt es äusserst humorvolle, die uns im Sinn einer wohltuenden Psychohygiene bei der Verarbeitung des gegenwärtigen Schocks helfen. Und darunter gibt es auch besinnliche und im besten Sinn «erbauliche» wie jene Online-Aufführung der Liedstrophe «Befiehl du deine Wege» aus Malaysia. 

“Bachfest Malaysia”
2015 haben sich malaysische Musiker zu einem «Bachfest» zusammengefunden und seither eine rege Konzerttätigkeit entfaltet.
Das  kurze Video geht seit ein paar Tagen um die Welt. Es kommuniziert Nähe und globale Verbundenheit inmitten des «social – oder besser: des physical distancing». Musik verbindet, wie sich besonders in Krisenzeiten zeigt. Und Musik tröstet. Besonders diese Musik und dieser Text, von Bachfest-Mitgliedern aufgeführt.

Verse aus dem 17.Jahrhundert 
Die Zeilen sind unmittelbar nach dem Dreissigjährigen Krieg entstanden, nachdem Verwüstungen, Hungersnöte und Seuchen Europa in eine der tiefsten Krisen der Neuzeit gestürzt und beispielsweise die Bevölkerung von Berlin von 13’000 auf 5000 dezimiert hatte. In Berlin war auch der Theologe und Liederdichter Paul Gerhardt (1607-1676) tätig. Seine Texte gehören bis heute zu den grössten Schätzen unserer Kirchengesangbücher. Die erste Liedstrophe, die im Video erklingt, hilft uns, dem zu vertrauen, der die Naturgewalten im Griff hat:

“Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuss gehen kann.”

Befehlen oder an-befehlen?
«Befiehl» – dieses deutsche Wort kommt nicht von «befehlen», wie einmal ein Konfirmand gemeint hat. Wir sollen Gott nicht befehlen, was er tun soll, sondern wir sollen ihm an-befehlen, was uns Sorge macht und im Blick auf unsere Wege verunsichert. 

«Mein G’müt ist mir verwirret»
Die innige Melodie kennen wir auch aus der Matthäuspassion («O Haupt voll Blut und Wunden») und aus dem Weihnachtsoratorium («Wie soll ich dich empfangen»). Sie wurde 1601 von Leo Hassler (1564-1612) auf den Text eines Liebeslieds («Mein G’müt ist mir verwirret») komponiert, in dem die unerwiderte Liebe einer jungen Dame beklagt wird. Der klagende Ton und der ursprüngliche Text gehen eigentlich recht  gut mit dem neuen geistlichen Inhalt zusammen, in dem aber eben auch so viel Tröstliches liegt und der uns in den nächsten Wochen begleiten soll.

Interview mit David Chin
Wir haben unserem Freund David Chin, dem Initianten des Videos, ein paar Fragen gestellt. Dr. Chin ist  Leiter des Bach-Fests Malaysia sowie des Bach-Festivals Hong Kong und assoziierter Professor für «Choral Music» an der University of Minnesota, Duluth. 

www.bachfestmalaysia.com

www.davidchinmusic.com 

David, wie ist es zu diesem Video gekommen?
Am 17. März hielt der Premierminister von Malaysia eine Ansprache, in der er das „Movement Order Control“ ansagte. Das heisst, dass jeder möglichst zu Hause bleiben und nur im äußersten Notfall reisen sollte. Wir konnten in Facebook-Einträgen lesen, dass viele Menschen in der ganzen Welt tief besorgt waren – darunter auch Musiker, deren Konzerte abgesagt wurden. Unser Bachfest ist hier leider keine Ausnahme. Viele Projekte waren bereits eingefädelt, als uns die Epidemie zwang, eine ganze Reihe von Veranstaltungen abzusagen. Ich sass an meinem Schreibtisch und fragte mich, was wir als Bachfest-Gemeinschaft tun könnten, um uns gegenseitig aber auch unsere Freunde in Malaysien und weltweit zu ermutigen. Dann kam mir diese Idee.
 
Dann ging wohl alles ganz schnell?
Die Musiker und unsere Freunde haben sehr positiv reagiert. Am 17.  März hatte ich um Videos gebeten, und um die Mittagszeit des 18. März waren bereits ca. 30 Einspielungen da. Schlussendlich beteiligten sich  über 40 Musiker am Projekt: 19 Instrumentalisten und 25 Sänger.

Wie waren die Reaktionen?
Ehrlich gesagt waren die Reaktionen aus dem Internet einfach überwältigend. Bisher haben wir auf Facebook ca. 67 000 und auf Youtube über 150 000 Views. Das übertraf unsere Erwartungen. Aufgrund des Videos wurde schon in europäischen und malaysischen Zeitungen über uns berichtet, und soeben kontaktierte uns ein Filmproduzent in Berlin, der uns in seinem Programm zeigen will.

Warum gab es so starke Reaktionen?
Der Grund dafür ist sicher, dass wir weltweit das gleiche Problem und die gleiche Gefühlslage haben. Der Text stammt vom Theologen und Liederdichter Paul Gerhard, der im Dreissigjährigen Krieg ähnliche Seuchen erlebt hatte. Vielleicht erinnert uns die gegenwärtige Pandemie an Folgendes: 1. Wir Menschen sind eigentlich so klein und unbedeutend.  2. Gerade dann, wenn wir meinen alles unter Kontrolle zu haben, vor allem in einer so fortgeschrittenen und entwickelten Welt, bemerken wir, dass wir doch eigentlich ohnmächtig sind. Wir haben ganz wenig bis zu gar nichts unter Kontrolle. 3. Schlussendlich können wir nichts anderes tun als auf Gott zu schauen und ihn um Hilfe und Gnade zu bitten. – Diese Gefühle und Einsichten gehen alle in diesen Choral ein. Das heisst: Ein Stück, das im 17. Jahrhundert geschrieben wurde, spricht so deutlich in unsere heutige Zeit.

Wie habt ihr das technisch gemacht?
Wir wurden viel gefragt, ob wir für dieses Projekt eine bestimmte Software benutzt haben. Ich habe mich einfach beim Dirigieren selbst gefilmt, das Video mit den passenden Noten an die Musiker verschickt und sie gebeten, sich beim Mitspielen oder Mitsingen mit dem Handy aufzunehmen. Diese Videos wurden dann auf Google Drive hochgeladen. Eine Praktikantin und ich haben die Filmchen dann mit einer schlichten Software zusammengeschnitten.

Noch ein Schlusswort, eine Botschaft aus Malaysia?
Unsere Wirtschaft leidet sehr unter den Folgen der Pandemie. Dies wird viele treffen.  Zugleich ist es jetzt wohl an der Zeit, über jene Dinge nachzudenken, die wirklich wichtig sind. Vielleicht merken wir,  dass wir die Hoffnung auf die falschen Dinge gesetzt haben. Einerseits ist es sehr ernüchternd, mitansehen zu müssen, wie sich die Weltlage von Tag zu Tag verschlimmert. Doch andererseits wird jetzt unser Glaube geprüft. Schlussendlich kommt es darauf an, dass wir weiterhin unser Bestes geben, auch in unserem Beruf. Hört nicht auf, kreativ zu sein! Lasst den Mut nicht sinken! Vertraut gleichzeitig darauf, dass Gott alle Dinge in seinen Händen hält.
 
Text & Interview: Beat Rink 

Noch vor dem Frühling: / Jetzt will ich reisen / die Träume / Vogel / Sonnenwind und Meer / und ich lese / schwirr wirr / Namen / Ione, Atthis / das Licht / In Gedichten, / ich lade mich den Worten auf / ‘… und Jupiter in seiner Gänse Obhut …’

Elisabeth Plessen, Sehnsucht, 2008.

Will ich auch. Am liebsten jetzt. Morgen. Draussen stürmt es, Unwetter sind ange­sagt, die Sturmwarnung am See hört nicht auf, rot zu blinken. Wechselndes Wetter zwi­schen Minus und Plus. Wolkenverhangen, nasskalt und eklig. Nichts wie weg.

Auch ich will jetzt schon reisen. Nicht warten auf Geburtstag und Pensionie­rung. Auf den Beginn des Frühlings und das freche Gelb der Narzissen. Noch vor dem Frühling will ich weg.

In meinen Träumen bin ich bereits woanders. Ein Vogel, der schon im Herbst unbe­merkt davongeflogen ist. Dortin, wo Sonnenwind und Meer heiter machen und aufat­men lassen. An mei­nem Schreib­­tisch im Zürcher Büro steht nur noch mein Gespenst. Mein alter ego ist bereits davongeschwirrt. Indem ich lese, entferne ich mich nicht nur räumlich vom grauen See im Norden und schwirre zum blauen Meer des Südens, zwei Stunden Flug zu den Küsten des Lichts. Nein, es bleibt nicht bei der Raumreise mit irgendei­ner Airline, sondern kommt auch zur Zeitreise auf den Flügeln des Ge­san­ges: Was dort östlich der Ägäis im Licht liegt, ist nicht die neue Türkei, sondern das alte Ionien. Als es blühte, lebten die Türken noch bei Uiguren und Mongolen. Und was dort west­­lich der Ägäis im Licht liegt, ist kein sich erholendes EU-Land mit Regierung in Athen, sondern das al­te Attika. Als Athen noch keinen Namen hatte, aber Einwohnerinnen und Einwohner, warben Poseidon und Athene mit Gaben um de­ren Gunst: Der Meeresgott stiftete einen Brunnen, aber dessen Wasser war salzig. Die Göttin der Weisheit und Kunst schenkte einen Olivenbaum. Ihn nahmen die Men­schen gern und waren hinfort Leute aus Athen.

In Gedichten konnte ich immer schon abtauchen, räumlich und zeitlich zu Küsten des Lichts entschwinden, im Gehäuse der Sprache ionisch und attisch werden, ein Ande­rer als ich. Wie Elisabeth Plessen kann ich mich Worten aufladen, als wären sie flie­gen­de Teppiche und ich Prinz Ahmed, als wären sie Wildgänse und ich Nils Holgers­son. Poetische Worte können mich entführen, davontragen, über Berge versetzen. Sie können mich aber auch schützen, biblische Poesie zumal, wie die Gänse der Ju­no in Rom ihren guten alten Jupiter: Bei ihrem Tempel auf dem römischen Kapi­tol wa­­ren Gänse zu Hause, die heiligen Tiere der Göttin. Wann immer ungebetene Gä­­ste sich näherten, Räuber oder Feinde, schnatterten sie eindringlich und unüberhör­bar. Ihre hei­li­gen Vögel gaben der Göttin den Beinamen Moneta, die Warnerin, und seit­her ist die Moneta, die Münze, aller Welt Money, weiblich und selbst der grosse Göt­terkönig in seiner Gänse Ob­­hut. Worte wie Münzen, die ihren Wert erweisen, wenn ich in Not bin und es mir die Sprache verschlägt. Worte als wahre Währung. Als göttliche Sicherheit.

Wenn predigen bedeutet, das Wort gegenüber dem Leben zu interpretieren und das Leben gegenüber dem Wort, ob Wort von Gott oder Wort von Menschen, stets hin und her, dann braucht es Träume und Gedich­te, alte und neue, Worte, denen man sich aufladen kann, weil sie einen fliegen lassen, und Worte, in deren Obhut man Si­cherheit findet, wenn Feinde der Wahrheit lauthals tönen und Räu­­ber der Tradition alte Wortschätze verscherbeln. Predigt braucht Poesie, um Wort und Leben zur Spra­che zu bringen, zur Welt, zum Leben.

Jetzt will ich reisen. Am liebsten schon morgen. Jedenfalls bald. Adieu Welt. Mag sein, dass ich dir dabei abhanden komme …

ENGLISH

Empty seats
At the moment, in many countries which are affected by the corona virus, cultural and sporting events are taking place in front of reduced crowds or even before rows of empty seats. In the latter case, instead of spectators or listeners, there are only a few cameras to be seen. Nothing is more depressing, for example, than satire without a single person laughing, as we recently saw in a television programme. In the worst case, events are cancelled entirely. This does of course have far-reaching economic effects – particularly for artists who are dependent on the fees. This is a situation where politicians have to help! (And perhaps the churches too?).
Certainly, there are many lessons for us to learn in the present world situation. For example, that health and a “normal life” are not simply a matter of course in the way we have always thought. Or perhaps we find that we have been forgetting to pray…

The cloud of witnesses
In view of the huge challenges surrounding COVID-19, the missing applause is a relatively secondary issue. Nevertheless, it becomes clear that we human beings need encouragement. Whenever I read about the “cloud of witnesses” in the letter to the Hebrews 12, 1+2, I think of full sports stadiums shouting encouragement to the runners: “Therefore, since we have so great a cloud of witnesses surrounding us, let us also lay aside every encumbrance and the sin which so easily entangles us, and let us run with endurance the race that is set before us, fixing our eyes on Jesus, the author and perfecter of faith.” 
With these witnesses, the letter to the Hebrews means the heroes of faith in the past mentioned in chapter 11, who should be present in our thoughts and faith. Their example encourages us. And somehow we detect this message: the stadium is not empty. We are receiving encouragement from the invisible world as well.

Booed off the field or encouraged?
This leads us to this question: How can we provide more encouragement for each other in the visible world – especially in such difficult times as these? The fact is that we are faster to criticise than to praise each other.
Douglas Yeo is a fervent supporter of “American football”. For many years (1985-2012) bass trombonist in the Boston Symphony Orchestra, he regularly posts interesting items in his blog, “The Last Trombone” https://thelasttrombone.com, with spiritual truths shining out time and again. In December, 2019, his post had the title “Don’t boo your team”.*

Doug Yeo: “Don’t boo your team!”
“Recently, the subject of booing at sporting events — National Football League games in particular — has been in the news. The headline in the New York Post read: “Tom Brady, New England Patriots, booed off field by their own fans.” My wife and I have season tickets to Chicago Bears football. We don’t boo our team if it isn’t playing well. Here’s why. Sports fans are passionate. It’s easy to cheer when the team wins. When the team wins, we stand around the water cooler at work and talk about the game, saying, “We won!” But when the team loses? It’s always, “They lost.” Winning feels good. Losing doesn’t feel good. But when your team is having a rough time I don’t think booing is the right response.
Think about it: When you’re having a rough patch, when things aren’t going well for you, what kind of response do you like to get from your boss, your family, your friends? You’d appreciate some encouragement. You’d appreciate people coming alongside you and letting you know that they are still with you. That they’ll keep supporting you. That they’ll pray for you. Proverbs 17:17 says: “A friend loves at all times, and a brother is born for a time of adversity”. You’ve probably heard the Golden Rule (Matthew 7:12): Do to others as you want them to do to you. So, I don’t boo my team. I may throw up my hands in frustration, put my head in my hands and shake it back and forth. But instead of booing, I’ll shout words of encouragement. Exhort the players to make a play, to make a stand, to do better. Pray for them. I never leave the stadium before the last play, win or lose. I want the team to know I’m a fan, a friend, a brother. Don’t boo your team. Unless you love to be booed when you’re not doing well. Live the Golden Rule.”

What about us?
These weeks in the shadow of the corona virus have brought many disappointments. – We at Crescendo have just had to cancel our annual international leadership conference, a very difficult decision. – And certainly each one of us will be affected in one way or another. This brings with it the temptation to feel frustrated or even to criticise each other. 

Let us encourage each other! Where are there people we can praise, comfort (particularly if they have suffered failure) and help back on their feet in the coming days? Nor do we need to be hesitant in any way in approaching (or calling or writing to) someone else and making a request: “I need encouragement from you right now! Pray for me, pass on a Bible passage, proclaim God’s promise to me, help me to see once again not the empty stadium, but the “cloud of witnesses and to join with you in ‘fixing our eyes on Jesus, the author and perfecter of faith’!”

*Shortened with the author’s permission.

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

Last photo above: Doug Yeo’s final bow at Symphony Hall as a member of the Boston Symphony Orchestra, May 2012. Behind him, standing, are concertmaster Malcolm Lowe and conductor Bernard Haitink following a performance of Beethoven Symphony No. 9

Letztes Bild oben: Doug Yeos letzte Verbeugung als Mitglied des “Boston Symphony” Orchesters im Mai 2012. Hinter ihm der Konzertmeister  Malcolm Lowe und der Dirigent  Bernard Haitink nach einer Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie.

DEUTSCH

Leere Ränge
Momentan finden in vielen Ländern, die vom Coronavirus betroffen sind, kulturelle Veranstaltungen und Sportveranstaltungen vor kleinerem Publikum oder sogar vor leeren Rängen statt. Im letzteren Fall gibt es statt Zuschauern und Zuhörern nur ein paar Kameras. Nichts ist deprimierender als zum Beispiel Satire ohne einen einzigen Lacher, wie wir es kürzlich in einer TV-Sendung gesehen haben. Im schlimmsten Fall werden Anlässe ganz fallengelassen. Das hat natürlich grosse ökonomische Auswirkungen – gerade für Künstler, die auf die Gagen angewiesen wären. Hier müsste die Politik helfen! (Oder vielleicht auch die Kirchen?)
Es gibt zweifellos viele Lektionen, die uns die heutige Weltlage lehrt. Zum Beispiel, dass Gesundheit und das „normale Leben“ nicht so selbstverständlich sind wie wir immer gemeint haben. Oder dass wir vergessen haben, zu beten…

Die Wolke der Zeugen
Dass Applaus ausbleibt, ist angesichts der grossen Herausforderungen rund um COVID-19 relativ nebensächlich. Trotzdem merken wir: Wir Menschen brauchen Ermutigung. Immer, wenn ich im Hebräerbrief 12, 1+2 von der „Wolke der Zeugen“ lese, denke ich an volle Sporttribünen, die die Sprinter anfeuern: „Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.“ Der Hebräerbrief meint mit diesen Zeugen die in Kapitel 11 genannten Glaubenshelden der Vergangenheit, die in unserem Denken und Glauben gegenwärtig sein sollen. Ihr Vorbild ermutigt uns. Und irgendwie lassen sie uns ahnen: Die Ränge sind nicht leer. Wir werden auch aus der unsichtbaren Welt ermutigt.

Ausbuhen oder ermutigen?
Dies führt uns zur Frage: Wie können wir einander in der sichtbaren Welt mehr ermutigen – gerade in so schweren Zeiten wie diesen? Tatsache ist, dass wir einander schneller kritisieren als loben…
Douglas Yeo ist ein feuriger Anhänger des „American Football“. Der langjährige Bassposaunist (1985-2012) beim Boston Symphony Orchestra postet regelmässig interessante Beiträge in seinem Blog „The Last Trombone“ („Die letzte Posaune“ https://thelasttrombone.com), in dem auch immer wieder geistliche Wahrheiten aufblitzen. Im Dezember 2019 lautete sein Eintrag: „Buhe dein Team nicht aus“.*

Doug Yeo: „Buhe dein Team nicht aus!“
„Kürzlich hat die Presse über das Thema “Ausbuhen im Sport” – besonders in der National Football League – geschrieben. Eine Schlagzeile der New York Post lautete: “Tom Brady von den New England Patriots durch eigene Fans  ausgebuht.” Meine Frau und ich besitzen Saisonkarten für die “Chicago Bears”. Wir buhen unser Team nicht aus, wenn es schlecht spielt. Es ist einfach, das Team zu bejubeln, wenn es gewinnt. Dann steht man am Montag im Büro zusammen am Wasserspender und sagt: “Wir haben gewonnen!” Aber wenn das Team verliert? Dann heißt es immer: “Sie haben verloren”.Gewinnen fühlt sich gut an, verlieren nicht. Doch wenn dein Team durch schwere Zeiten geht, ist Ausbuhen nicht die richtige Reaktion.
Wie ist es denn bei dir selber? Wenn du raue Zeiten erlebst, wenn die Dinge nicht rund laufen: Was möchtest du dann von deinem Chef, von deiner Familie und von deinen Freunden hören? Dann ist es doch gut, ermutigt zu werden. Du bist froh, wenn andere zu dir kommen und dir zeigen, dass sie zu dir halten, dass sie dich immer noch unterstützen und für dich beten.
In Sprüche 17, 17 steht: “Ein Freund liebt zu jeder Zeit, und ein Bruder wird für die Not geboren.” Wir kennen bestimmt die Goldene Regel (Matthäus 7,12): “Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch.”
Deshalb buhe ich mein Team nicht aus. Vielleicht verwerfe ich mal die Hände oder nehme meinen Kopf zwischen die Hände und schüttle ihn. Aber ich rufe meinem Team Worte der Ermutigung zu und feuere die Spieler an, es besser zu machen und zu zeigen, was sie können. Und ich bete für sie. Auch bleibe ich im Stadium  bis zuletzt. Ich möchte ihnen zeigen, dass ich ein Fan bin, ein Freund und ein Bruder. Buhe dein Team nicht aus. Ausser du wirst selber gern ausgebuht, wenn du versagst. Folge der Goldenen Regel!»

Und wir?
In diesen Wochen des Coronavirus gibt es viel Enttäuschung. (Wir bei Crescendo mussten soeben unsere jährliche internationale Leiterkonferenz absagen, was sehr schwierig war.) Alle von uns sind in irgend einer Weise betroffen. Da liegt die Versuchung nahe, frustriert zu sein oder einander gar zu kritisieren. – Aber lasst uns einander ermutigen!

Wen können wir in den nächsten Tagen loben, trösten (gerade auch wenn er /sie versagt hat) und aufrichten?
Wir dürfen auch ohne Weiteres zu einem anderen Menschen gehen (oder sie/ihn anrufen oder ihr/ihm schreiben) und bitten: „Ich brauche jetzt eine Ermutigung von dir! Bete für mich, gib mir ein Bibelwort weiter, sprich mir Gottes Verheissung zu, hilf mir, statt die leeren Ränge die „Wolke der Zeugen“ wieder zu sehen und mit dir zusammen „aufzusehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens“.

* Kürzungen mit Erlaubnis des Autors

Text: Beat Rink 

Dear Crescendo Friends,

We are glad to invite you to the  Crescendo Mountain Experience.

From time to time we need to go up the mountaintop, to get out of our daily routine and be impressed by the beauty, presence and wisdom of God.  (mehr …)

Dear Crescendo Friends,

We are glad to invite you to the  Crescendo Mountain Experience.

From time to time we need to go up the mountaintop, to get out of our daily routine and be impressed by the beauty, presence and wisdom of God. 

This is an opportunity to be refreshed and revived
for everything we face in ministry and in our lives.
For this reason Crescendo International has created the Mountain Experience for musicians, and artists, and anyone who lives, works or serves among artists. This week-ling retreat is an opportunity to learn about God and catch a vision for how He uses art and artists to change the world according to His purposes.

Please,
save the date and register.

Meran and Surrounding

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Wir sind auch auf Instagram – und zwar als artsplus.ch. Installiere die App, um uns zu folgen: https://www.instagram.com/artsplus.ch/

Der von ARTS+ vergebene Kunst- und Kulturpreis wird auch 2020 verliehen. Prämiert werden künstlerische Werke (oder Institutionen/Projekte), die im Jahr 2019 den christlichen Glauben in der Öffentlichkeit thematisiert haben.

(mehr …)

Das Kulturamt Thurgau schreibt den Wettbewerb KosmosMusikThurgau zur Entwicklung und Umsetzung von genreübergreifenden Musikprojekten im Kanton Thurgau aus. Die Ausschreibung hat zum Ziel, die Vernetzung, die gemeinschaftsbildende Wirkung und die gegenseitige Inspiration in der Musik zu fördern. Der Wettbewerb wird im Rahmen des Förderschwerpunkts “Impulse für die Thurgauer Musikszene” des Kulturkonzepts 2019-2022 ausgeschrieben.
Der Wettbewerb KosmosMusikThurgau richtet sich an Musikschaffende (Musikerinnen und Musiker, Dirigentinnen und Dirigenten, Komponistinnen und Komponisten) aller Musikgenres. Diese sollen in Zusammenarbeit mit thurgauischen Gruppierungen aller Musikrichtungen Musikprojekte umsetzen, die einen innovativen, eigenständigen Ansatz verfolgen und die Vernetzung und Kooperation fördern. 

Für den Wettbewerb stehen Mittel in der Höhe von Fr. 180’000.– zur Verfügung. Es werden maximal sechs Projekte gefördert. Es handelt sich dabei um eine einmalige Anschubfinanzierung. Für die Umsetzung des Projekts sind Drittmittel erforderlich, die Basisfinanzierung kann über den Beitrag des Wettbewerbs erfolgen. (mehr …)

Isaiah by Michelangelo

ENGLISH

In Isaiah 5 we find a song which speaks of God’s love for his people Israel. It is set in the context of the prophet’s speech about judgement, which the author Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) described as probably the most powerful speech in the history of the world. But in fact this song is also a work of art in its own right. It is in the form of a love song, for in the poetry of the ancient orient the beloved was often described as a vineyard which the lover tended carefully. So the prophet Isaiah stands before the people and starts to sing a love song. More precisely, he tells us, in the form of a love song, about his friend, who had a vineyard (his beloved) and cared for her. Let us start, then, by reading this so-called Song of the Vineyard.

Isaiah 5, 1-7
I will sing for the one I love / a song about his vineyard:
My loved one had a vineyard / on a fertile hillside.
He dug it up and cleared it of stones / and planted it with the choicest vines.
He built a watchtower in it / and cut out a winepress as well.
Then he looked for a crop of good grapes, / but it yielded only bad fruit.
“Now you dwellers in Jerusalem and people of Judah, / judge between me and my vineyard.
What more could have been done for my vineyard / than I have done for it?
When I looked for good grapes, / why did it yield only bad?
Now I will tell you / what I am going to do to my vineyard:
I will take away its hedge, / and it will be destroyed;
I will break down its wall, / and it will be trampled.
I will make it a wasteland, / neither pruned nor cultivated, / and briers and thorns will grow there.
I will command the clouds / not to rain on it.”
The vineyard of the Lord Almighty / is the nation of Israel,
and the people of Judah / are the vines he delighted in.
And he looked for justice, but saw bloodshed; / for righteousness, but heard cries of distress.


What do we gather here?

First of all, we note that the lover has been bitterly disappointed. Isaiah then presents the people with a parable, very similar to the one given to the adulterous David (2 Samuel 12) by the prophet Nathan. The people are thus confronted with a monstrous injustice and, after hearing the song, could have felt outrage just as David did, recognise themselves in the mirror and repent. This obviously does not happen, otherwise Isaiah would not have followed this song with a six-fold proclamation of “woes” in which the profound unrighteousness of the people is brought out into the light. (Isaiah 8ff. “Woe to those who add house to house and join field to field till no space is left and you live alone in the land!… Woe to those who rise early in the morning to run after their drinks, whose stay up late at night till they are inflamed with wine. And they have harps and lyres at their banquets, tambourines and flutes and wine but they have no regard for the deeds of the Lord, no respect for the work of his hands!… Woe to those who call evil good and good evil… etc.)

What, now, are we to do with a text like this?

1. The fact that the prophet takes the trouble of presenting to the people an artistically formed parable, which also contains an implied declaration of love, shows how keenly God battles to win the love of his people, covertly hoping that his love will be returned.

2. We can also remind ourselves that art can and must have a prophetic dimension. This means that it has the task of calling out injustice by name and pointing out unsparingly the terrible consequences of lovelessness and egotism. In the name of love, however, it does this in such a way that the uncovering of the truth, although painful, is not destructive – and certainly without paying tribute to destructive aesthetics. As with Isaiah, it can put criticism, complaints and accusations into a good aesthetic form which permits love to shine out. This also involves pedagogical skills. To package a painful truth, baroque poetry invented the image of the bitter pill coated with sugar so that it can be swallowed more easily.

3. Despite all the criticisms expressed in this text, the image of the vineyard can speak to us, too. For it represents a timeless relationship between God and us. We can ask ourselves this question, for example: “Do I, too, see myself and my life as God’s vineyard, looked after by a loving hand?” If we follow the precise wording, we discover these statements: the vineyard is cleared of stones, a protective wall is built around it, a watchtower is erected to warn of wild animals, and good vines are planted.
What do these pictures mean for us?
How do we allow God to work in our lives, and how do we respond to this? 

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

In Jesaja 5 steht ein Lied, das von Gottes Liebe zum Volk Israel spricht. Der Kontext ist die Gerichtsrede des Propheten, der wohl gewaltigsten Rede der Weltgeschichte, wie der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt (1921-1990)meinte. Tatsächlich ist auch dieser Abschnitt ein Kunstwerk für sich. Die Form ist ein Liebeslied, denn in der altorientalischen Poesie wird die Geliebte oft als Weinberg angesprochen, der vom Liebhaber sorgfältig gepflegt wird. Der Prophet Jesaja tritt also vor das Volk und stimmt ein Liebeslied an. Genauer: Er berichtet in der Form eines Liebesliedes von seinem Freund, der einen Weinberg (eine Geliebte) hatte und sie pflegte. Lesen wir zunächst einmal dieses sogenannte Weinberglied.

Jesaja 5, 1-7
Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe.
Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.
Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg!
Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, dass ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?
Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahlgefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.
Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.
Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Was kommt uns da entgegen?

Zunächst halten wir fest, dass der Liebhaber bitter enttäuscht wird. Jesaja legt damit dem Volk ein Gleichnis vor, ganz ähnlich wie der Prophet Nathan dem ehebrüchigen David (2. Samuel 12). Das Volk wird somit mit einer ungeheuren Ungerechtigkeit konfrontiert und könnte, nachdem es dieses Lied gehört hat, wie David sich darüber empören, sich im Spiegel erkennen und Buße tun. Dies geschieht offenbar nicht. Sonst würde Jesaja nach dem Lied nicht mit einem sechsfachen Weheruf weiterfahren, um die abgrundtiefe Ungerechtigkeit des Volkes ans Tageslicht zu bringen. (Jesaja 5, 8ff.: „Weh denen, die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und ihr allein das Land besitzt!… Weh denen, die des Morgens früh auf sind, dem Saufen nachzugehen, und sitzen bis in die Nacht, dass sie der Wein erhitzt. Und sie haben Harfen, Zithern, Pauken, Pfeifen und Wein bei ihren Gelagen, aber sehen nicht auf das Werk des HERRN und schauen nicht auf das Tun seiner Hände!… Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen… usw.)

Was machen wir nun mit einem solchen Text?

1. Die Tatsache, dass der Prophet sich die Mühe macht, dem Volk ein kunstvoll gefertigtes Gleichnis vorzulegen, in dem eine Liebeserklärung steckt, zeigt wie sehr Gott um die Liebe dieses Volkes ringt und insgeheim auf eine Erwiderung der Liebe hofft.

2. Wir dürfen uns daran erinnern, dass Kunst eine prophetische Dimensionhaben kann und haben muss. Das heißt: sie hat die Aufgabe, Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen und die schlimmen Konsequenzen der Lieblosigkeit und des Egoismus schonungslos aufzuzeigen. Im Zeichen der Liebe tut sie dies aber so, dass die Aufdeckung der Wahrheit zwar schmerzt, aber nicht zerstörerisch wirkt oder gar einer zerstörerischen Ästhetik huldigt. Wie bei Jesaja kann sie die Kritik, Klage  Anklage in eine ästhetisch gute Form bringen und darin Liebe aufscheinen lassen. Darin steckt auch pädagogisches Geschick. Die Barockpoetik hat für das Verpacken einer schmerzhaften Wahrheit  das Bild der bitteren Pille gefunden, die von einem Zuckermantel umgeben ist und darum besser geschluckt werden kann.

3. Das Bild des Weinbergs kann durch alle Kritik hindurch, die in diesem Text laut wird, auch zu uns sprechen. Denn es stellt ein zeitloses Verhältnis zwischen Gott und uns dar. So können wir uns fragen: Sehe ich mich mit meinem Leben auch als Weinberg Gottes, der von einer liebenden Hand gepflegt wird?
Gehen wir dem Wortlaut nach, so finden wir folgende Aussagen: Der Weinberg wird befreit von Steinen, es wird eine Schutzmauer darum herum gebaut, ein Wachtturm gegen wilde Tiere hochgezogen und gute Reben gepflanzt.
Was heißen diese Bilder für uns?
Wie lassen wir Gott in unserem Leben wirken und wie antworten wir darauf?

Text: Beat Rink (PS für Freunde des Schweizerdeutschen: Wer das Weinberglied in Versform auf Baseldeutsch haben möchte, kann es vom Verfasser brink@crescendo.orgbestellen)

Artists who are Christians understand their talents as God-given. Therefore, they are ready to use them for the Glory of God and to be fully included in a church. Yet, many of them express that they don’t feel really understood by other Christians. On the other hand, they neither feel that they are full members of the “marketplace.” What role could the church, which needs artists and the arts, play?

When art is reduced to self-expression, it risks losing its ultimate purpose. But prior to the Greek philosophers are the first recorded words of our Creative God: “It is good.” Why did He say this? Why did He repeat it so many times? What did He mean? How does this narrative inform not only our understanding of God and His redemptive plan, but also the way we understand our callings as artists?

2021 findet die dritte Auflage der «Nacht des Glaubens» statt. Auf allen grossen Plätzen von Basel, in Theatern, Eventhäusern und Kirchen gibt‘s Livemusik und viele andere künstlerische Auftritte zu sehen.

1. KIRCHENKULTUR-WEG durch Kirchen der Region
ZEITFENSTER: vom 30. Mai- 27.Juni 2021. 

KONZEPT: In den Kirchen der Region finden vor und nach der “Nacht des Glaubens” sporadische (!) kulturelle Events statt (Ausstellungen, Erklärung von Glasmalereien, Orgelkonzert, Schauspieler lesen die Bibel, Gottesdienste mit Künstlern usw. usw.). Diese werden von den Kirchen in Eigenregie durchgeführt. Wir können gerne bei der Suche nach Künstlern helfen. Die Aktivitäten erscheinen auf der Homepage www.nachtdesglaubens.ch und in gedruckter Form auf einer Landkarte (Auflage 20’000). Die Landkarten liegen in der “Nacht des Glaubens” auf. Dadurch machen Kirchen auf sich aufmerksam. Ihre eigenen Webseiten werden ebenfalls veröffentlicht. 

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2. “NACHT DES GLAUBENS. FESTIVAL FÜR KUNST UND KIRCHEN
ZEIT: 12.Juni 2021, 18.00-02.00 Uhr

KONZEPT: Die Bevölkerung ist (gratis) eingeladen, Kunst aus Kirchen resp. Kunst in Kirchen kennen zu lernen und ein fröhliches, künstlerisch hochstehendes Festival mitzufeiern.
PROGRAMM: Aufführungen zu je 40 Minuten (Konzerte / Jazz. Musik, Pop, Theater, Tanz, Lesungen usw.) und Ausstellungen von und mit professionellen Künstlern.

ORTE: Barfüsserplatz, Marktplatz, öffentliche Kulturräume (Literaturhaus, Stadtcasino, Scala, Unternehmen Mitte, Fauteuil usw.) und Kirchen der Innenstadt.

BETEILIGUNG DER KIRCHEN / GEMEINDEN: 
A. Kirchen und christliche Organisationen können einen Event und/oder Künstler sponsern
B. Kirchen können in ihren Räumen (in der Innenstadt) einen Anlass durchführen
C. Kirchen sind gebeten, je nach Grösse und Möglichkeiten ihrer Gemeinde das Festival finanziell mitzutragen – z.B. durch Kollekten im 2020 und 2021, wenn sie sich nicht sonst finanziell engagieren
D. Kirchen beteiligen sich mit Helfern und Unterkünften

Die unterstützenden Kirchen werden im Programmheft und auf der Homepage (mit Link zur Kirchen-Homepage) speziell aufgeführt. Kirchen, die einen Event in der Innenstadt mittragen, können auf dem Veranstaltungs-Rollup ihr Logo platzieren.
Geplant ist an einem zentralen Ort ein Tisch für Flyer mit kirchlichen Veranstaltungen

Bist du am Kickoff-Event am 10.Juni 2020 (Abend) dabei?

  • Musik: Orgelkonzert
  •  Musik: Pop/ Worshipkonzert
  •  Musik: Jazz
  •  Führung durch Kirche
  •  Ausstellung
  •  Theater
  •  Literatur / Poetry Slam
  •  Schauspieler lesen die Bibel
  •  Gottesdienst mit Künstlern

Anmeldung und mehr Infos bei: Beat Rink, Pfr. / info@nachtdesglaubens.ch / Tel: 061-923 06 84

Am 15., 16. und 17. Mai findet zum 28. Mal die internationale Kunstmesse Huntenkunst im niederländischen Ulft statt. 

Ort: SSP-Halle / DRU Industriepark, DRU-Laan 2, 7071 MC Ulft

Zeit:   Freitag,   15. Mai 17 – 21 Uhr
Samstag, 16. Mai 10 – 20 Uhr
Sonntag, 17. Mai 10 – 18 Uhr

Parken: Kostenlose Parkmöglichkeit neben der Ausstellungshalle. Bushaltestelle: DRU Industriepark Ulft

Information: Dierenriem 11, 7071 TJ Ulft, Niederlande
Tel: +31 (315) 681961 (Festnetz)
 +31 (6) 23456 476 (Mobiltelefon, auch während der Messe)

www.huntenkunst.org
info@huntenkunst.org , harrieschenning@hetnet.nl

Die Manifestation

Huntenkunst ist eine Kunstmesse, vorgesehen für professionelle Künstler und Galeristen. Die Konzentration liegt daher auf den Künstlern und ihrer Arbeit. Während dem Mai-Wochenende präsentieren 240 Künstler aus dem In- und Ausland ihre Arbeiten.

Die Ursprünge

In 1993 fand Huntenkunst erstmals in der Ortschaft Veldhunten statt. Dankbar wurde die Ulftse ‘Galerie bij de Boeken‘ benutzt. Daher gibt es immer noch eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen. Die Messe hatte Pioniercharakter im kulturellen Sektor, denn damals fand sie in einem großen Zelt statt, in dem mehr als 80 Künstler aus verschiedenen Ländern ihre Arbeit ausstellen konnten. 

Messekonzept 

Huntenkunst will eine Plattform an Künstlern aus der ganzen Welt bieten. Die Veranstaltung bietet somit reichlich Gelegenheit Kontakte zu knüpfen. Daneben will die Organisation auch das Interesse des Publikums für zeitgenössische Kunst wecken. Ziel ist es, eine große Vielfalt an Stilen und Techniken abzubilden. Die Anwesenheit der Künstler gibt den Besuchern Gelegenheit sich mit dem Kunstschöpfenden gedanklich austauschen zu können. Der internationale Charakter der Messe wird durch die Anwesenheit von Künstlern aus 30 Ländern deutlich. Neben den Niederlanden gibt es u.a. Künstler aus Deutschland, Österreich, Belgien und Frankreich, sowie Griechenland, Schweden, Südkorea, Brazil, und Argentinien. So kann der Besucher auch die verschiedenen Einflüsse entdecken, die durch die Herkunft der Künstler in deren Werken zu finden sind. Dieses Jahr sind von den Teilnehmer/ innen mehr als 60% neu, dadurch bleibt Huntenkunst interessant und überraschend. Jedes Jahr steht ein Land im Rampenlicht. 

Themenland Estland

In diesem Jahr ist Estland das Themenland. Auf Huntenkunst 2020 stellen acht estnische Künstler aus. Zeitgleich findet eine Ausstellung ihrer Arbeiten in der ‘Galerie bij de Boeken‘ im ‘DRU Industriepark‘ statt. Die Ausstellung ‘Die Esten kommen!‘ dauert von 4. Mai bis 14. Juni 2020. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen Huntenkunst und der ‘Galerie bij de Boeken‘.

Neues Projekt

Das Projekt mit graduierten Studenten von Artez Arnheim war im vergangenen Jahr sehr erfolgreich.  Auch auf der kommenden Manifestation wird wieder jungen Künstlern/innen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es gibt einen speziellen, neu entworfenen Pavillon, worin acht frisch graduierte Künstler/innen aus Artez ihre Arbeiten ausstellen können. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr von der Provinz Gelderland unterstützt. 

Huntenkunst 2020 auf CD 

Im Jahr 1999 begann Huntenkunst jährlich eine CD zu veröffentlichen, worauf außer einer Biografie auch die Arbeiten der teilnehmenden Künstler zu finden sind. Es ist mit einem Katalog vergleichbar. Darüber hinaus ist eine kurze Geschichte der Messe Huntenkunst und das Konzept in Wort und Bild ausgeleuchtet. 

Wo Huntenkunst lebendig wird

Die SSP-Halle ist eine ehemalige Produktionshalle (5.500m²), worin einst die berühmte DRU- Kochtöpfe hergestellt wurden. Im Mai wird hier ein „Künstlerdorf“ gebaut. Die Einrichtung und Optik der Halle sorgt dafür, dass der Betrachter immer wieder einen neuen Ausstellungsraum betritt. Die „Kunststraßen” bieten jeweils eine andere Welt, eine die Farbe und Form favorisiert. Der Betrachter gelangt buchstäblich in einer anderen Welt, wo Begeisterung und Schönheit herrschen und wo man automatisch an der inneren Welt seiner Mitmenschen teilhaftig wird.

Am 25.Oktober wird der bildende Künstler Micha Aregger für seine Installation „Atemwolke“ ausgezeichnet.

In this short talk from the 2019 European Leadership Forum, Conductor Delta David Gier explains how the church could be enriched by embracing all kinds of artists who are Christians. In many cases, the church does not recognize what artists contribute and misses an opportunity to experience their faith in creative and wonderful ways.

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

ENGLISH

In a discussion group with artists, one musician recently said: «It is bad that the only thing that many of us are still interested in is personal success. This also applies to Christian artists. Only a few are prepared to commit themselves for God.» He did not define precisely what he meant by «commit themselves for God».

Taking up the cross
Yet this statement kept recurring to me. In the last few days, I have been once again been reading Dietrich Bonhoeffer’s «The Cost of Discipleship» and the chapter on the topic of «Taking up the cross» (see Mark 8, 31-38). I have to answer this question for myself: Am I personally prepared unreservedly to become part of «God’s upside-down world» (see recent TUNE INs) and, if necessary, to suffer for God? This does not necessarily (and in fact preferably not!) mean physical persecution, as suffered by Bonhoeffer himself and by millions of Christians today.
It can also mean becoming less egocentric in future as I go along my path through this world. Or that I dedicate my strength and time, which I could of course make such good use of for my own goals, to a task given to me by God; that I stand up courageously for the faith and meet with mocking smiles; that I take up the cause of a vulnerable person; that I praise my artist colleagues and encourage them – and in doing so go without encouragement myself; that I struggle for my art to be «authentic» and consequently for it to allow something of the light of God «to shine through it»; that my plans for the week include not only my art, but also people; that I cultivate fellowship with other Christians – not only with the aim of receiving, but also in order to give; that I bear an illness in the knowledge that this is my cross, the cross that God challenges me to carry, even if I do not clearly know for what reason and to what purpose; that I do not become bitter if my artistic career meets with no great success…

Dietrich Bonhoeffer: “Taking up the cross”
Let us listen to Dietrich Bonhoeffer, and then exchange our thoughts about it with others, perhaps in precisely such a group of artists. And about what it means when Jesus says: «And he that does not take his cross and follow after me, is not worthy of me. He that finds his life shall lose it; and he that loses his life for my sake shall find it.» (Matthew 10:38,39) And what does it mean to “find” and then enjoy life?

“To endure the cross is not a tragedy; it is the suffering which is the fruit of an exclusive allegiance to Jesus Christ. When it comes, it is not an accident, but a necessity. It is not the sort of suffering which is inseparable from this mortal life, but the suffering which is an essential part of the specifically Christian life. It is not suffering per se but suffering-and-rejection, and not rejection for any cause or conviction of our own, but rejection for the sake of Christ.

If our Christianity has ceased to be serious about discipleship, if we have watered down the gospel into emotional uplift which makes no costly demands and which fails to distinguish between natural and Christian existence, then we cannot help regarding the cross as an ordinary everyday calamity, as one of the trials and tribulations of life. We have then forgotten that the cross means rejection and shame as well as suffering. The Psalmist was lamenting that he was despised and rejected of men, and that is an essential quality of the suffering of the cross. But this notion has ceased to be intelligible to a Christianity which can no longer see any difference between an ordinary human life and a life committed to Christ. The cross means sharing the suffering of Christ to the last and to the fullest. Only a man thus totally committed in discipleship can experience the meaning of the cross.

The cross is there, right from the beginning, he has only got to pick it up: there is no need for him to go out and look for a cross for himself, no need for him deliberately to run after suffering. Jesus says that every Christian has his own cross waiting for him, a cross destined and appointed by God. Each must endure his allotted share of suffering and rejection. But each has a different share: some God deems worthy of the highest form of suffering, and gives them the grace of martyrdom, while others he does not allow to be tempted above that which they are able to bear. But it is the one and the same cross in every case.

The cross is laid on every Christian. The first Christ-suffering which every man must experience is the call to abandon the attachments of this world. It is that dying of the old man which is the result of his encounter with Christ. As we embark upon discipleship we surrender ourselves to Christ in union with his death—we give over our lives to death. Thus it begins; the cross is not the terrible end to an otherwise godfearing and happy life, but it meets us at the beginning of our communion with Christ. When Christ calls a man, he bids him come and die. It may be a death like that of the first disciples who had to leave home and work to follow him, or it may be a death like Luther’s, who had to leave the monastery and go out into the world. But it is the same death every time—death in Jesus Christ, the death of the old man at his call.”

Editor: Beat Rink / translation: Bill Buchanan / Bonhoeffer quotes: translation by R.H. Fuller

DEUTSCH

In einem Diskussionskreis mit Künstlern sagte kürzlich ein Musiker: «Es ist schlimm, dass Viele von uns nur noch den eigenen Erfolg suchen. Dies gilt auch für christliche Künstler. Nur noch wenige sind bereit, sich für Gott einzusetzen.» Was er mit «sich für Gott einsetzen» meinte, liess er offen.

Das Kreuz tragen
Doch mich liess diese Aussage nicht los. Ich las in diesen Tagen gerade wieder einmal Dietrich Bonhoeffers «Nachfolge» und die Kapitel zum Thema «Das Kreuz tragen» (s. Markus 8, 31-38). Ich musste mich fragen: Bin ich selber völlig bereit, mich der «verkehrten Welt Gottes» (siehe letzte TUNE INs) anzuschliessen und, wenn es sein muss, für Gott zu leiden?
Das muss nicht unbedingt (und eigentlich lieber nicht!) physische Verfolgung bedeuten, wie es Bonhoeffer selber erlitt und wie es Millionen von Christen heute erleben. Er kann auch bedeuten, dass ich nicht mehr so egozentrisch unterwegs bin wie bisher. Oder dass ich meine Kraft und Zeit, die ich doch so gut für meine eigenen Ziele einsetzen könnte,  einem von Gott gegebenen Auftrag widme. Dass ich mutig für den Glauben eintrete und dabei etwas belächelt werde. Dass ich mich für einen schwachen Menschen einsetze. Dass ich meine Künstlerkollegen lobe und ermutige – und dabei selbst auf eine Ermutigung verzichte. Dass ich in meiner Kunst darum ringe, dass sie «authentisch» ist und dabei auch etwas vom Licht Gottes «hindurchscheinen lässt». Dass in meiner Wochenagenda nicht nur meine Kunst, sondern auch Menschen vorkommen. Dass ich mit anderen Christen Gemeinschaft pflege – nicht nur mit dem Ziel, zu bekommen, sondern auch, um zu geben. Dass ich eine Krankheit ertrage und weiss: Dies ist mein Kreuz, das Gott mir zumutet, selbst wenn ich nicht genau weiss, weshalb und wozu. Dass ich als Künstler ohne grossen Erfolg bleibe und nicht bitter werde…

Dietrich Bonhoeffer: Das Kreuz tragen”
Hören wir auf Dietrich Bonhoeffer und tauschen dann vielleicht gerade in einem Künstlerkreis darüber aus. Auch was es heisst, wenn Jesus sagt:
«Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert.  Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.» (Matthäus 10,38) Und was heisst «das Leben finden» und sich daran freuen? 

«Kreuz ist nicht Ungemach und schweres Schicksal, sondern es ist das Leiden, das uns aus der Bindung an Jesus Christus allein erwächst. Kreuz ist nicht zufälliges, sondern notwendiges Leiden. Kreuz ist nicht an die natürliche Existenz gebundenes Leiden, sondern an das Christsein gebundenes Leiden. Kreuz ist überhaupt nicht nur wesentlich Leiden, sondern Leiden und Verworfenwerden, und auch hier streng genommen, um Jesu Christi willen verworfen werden, nicht um irgendeines anderen Verhaltens oder Bekenntnisses willen.

Eine Christlichkeit, die die Nachfolge nicht mehr ernst nahm, die aus dem Evangelium allein den billigen Glaubenstrost gemacht hatte und für die im übrigen natürliche und christliche Existenz ungeschieden ineinander lag, mußte das Kreuz als das tägliche Ungemach, als die Not und Angst unseres natürlichen Lebens verstehen. Hier war vergessen, daß Kreuz immer zugleich Verworfensein bedeutet, daß die Schmach des Leidens zum Kreuz gehört. Im Leiden ausgestoßen, verachtet und verlassen zu sein von den Menschen, wie es die nicht enden-wollende Klage des Psalmisten ist, dieses wesentliche Merkmal des Kreuzesleidens kann eine Christlichkeit nicht mehr begreifen, die bürgerliche und christliche Existenz nicht zu unterscheiden weiß. Kreuz ist Mitleiden mit Christus, Christusleiden. Allein die Bindung an Christus, wie sie in der Nachfolge geschieht, steht ernstlich unter dem Kreuz.

„– der hebe sein Kreuz auf“ – es liegt schon bereit, von Anfang an, er braucht es nur aufzuheben. Damit aber keiner meine, er müsse sich selbst irgendein Kreuz suchen, er müsse willkürlich ein Leiden aufsuchen, sagt Jesus, es sei einem jeden sein Kreuz schon bereit, ihm von Gott bestimmt und zugemessen. Er soll das ihm verordnete Maß von Leiden und Verworfensein tragen. Es ist für jeden ein anderes Maß. Den einen würdigt Gott großer Leiden, er schenkt ihm die Gnade des Martyriums, den anderen läßt er nicht über seine Kraft versucht werden. Doch ist es das Eine Kreuz.

Jedem Christen wird es auferlegt. Das erste Christusleiden, das jeder erfahren muß, ist der Ruf, der uns aus den Bindungen dieser Welt herausruft. Es ist das Sterben des alten Menschen in der Begegnung mit Jesus Christus. Wer in die Nachfolge eintritt, gibt sich in den Tod Jesu, er setzt sein Leben ins Sterben, das ist von Anfang an so; das Kreuz ist nicht das schreckliche Ende eines frommen glücklichen Lebens, sondern es steht am Anfang der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Jeder Ruf Christi führt in den Tod. Ob wir mit den ersten Jüngern Haus und Beruf verlassen müssen, um ihm zu folgen, oder ob wir mit Luther aus dem Kloster in den weltlichen Beruf hineingehen, es wartet in beidem der eine Tod auf uns, der Tod an Jesus Christus, das Absterben unseres alten Menschen an dem Rufe Jesu.» 

Einleitender Text: Beat Rink
 

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

ENGLISH

In a discussion group with artists, one musician recently said: «It is bad that the only thing that many of us are still interested in is personal success. This also applies to Christian artists. Only a few are prepared to commit themselves for God.» He did not define precisely what he meant by «commit themselves for God».

Taking up the cross
Yet this statement kept recurring to me. In the last few days, I have been once again been reading Dietrich Bonhoeffer’s «The Cost of Discipleship» and the chapter on the topic of «Taking up the cross» (see Mark 8, 31-38). I have to answer this question for myself: Am I personally prepared unreservedly to become part of «God’s upside-down world» (see recent TUNE INs) and, if necessary, to suffer for God? This does not necessarily (and in fact preferably not!) mean physical persecution, as suffered by Bonhoeffer himself and by millions of Christians today.
It can also mean becoming less egocentric in future as I go along my path through this world. Or that I dedicate my strength and time, which I could of course make such good use of for my own goals, to a task given to me by God; that I stand up courageously for the faith and meet with mocking smiles; that I take up the cause of a vulnerable person; that I praise my artist colleagues and encourage them – and in doing so go without encouragement myself; that I struggle for my art to be «authentic» and consequently for it to allow something of the light of God «to shine through it»; that my plans for the week include not only my art, but also people; that I cultivate fellowship with other Christians – not only with the aim of receiving, but also in order to give; that I bear an illness in the knowledge that this is my cross, the cross that God challenges me to carry, even if I do not clearly know for what reason and to what purpose; that I do not become bitter if my artistic career meets with no great success…

Dietrich Bonhoeffer: “Taking up the cross”
Let us listen to Dietrich Bonhoeffer, and then exchange our thoughts about it with others, perhaps in precisely such a group of artists. And about what it means when Jesus says: «And he that does not take his cross and follow after me, is not worthy of me. He that finds his life shall lose it; and he that loses his life for my sake shall find it.» (Matthew 10:38,39) And what does it mean to “find” and then enjoy life?

“To endure the cross is not a tragedy; it is the suffering which is the fruit of an exclusive allegiance to Jesus Christ. When it comes, it is not an accident, but a necessity. It is not the sort of suffering which is inseparable from this mortal life, but the suffering which is an essential part of the specifically Christian life. It is not suffering per se but suffering-and-rejection, and not rejection for any cause or conviction of our own, but rejection for the sake of Christ.

If our Christianity has ceased to be serious about discipleship, if we have watered down the gospel into emotional uplift which makes no costly demands and which fails to distinguish between natural and Christian existence, then we cannot help regarding the cross as an ordinary everyday calamity, as one of the trials and tribulations of life. We have then forgotten that the cross means rejection and shame as well as suffering. The Psalmist was lamenting that he was despised and rejected of men, and that is an essential quality of the suffering of the cross. But this notion has ceased to be intelligible to a Christianity which can no longer see any difference between an ordinary human life and a life committed to Christ. The cross means sharing the suffering of Christ to the last and to the fullest. Only a man thus totally committed in discipleship can experience the meaning of the cross.

The cross is there, right from the beginning, he has only got to pick it up: there is no need for him to go out and look for a cross for himself, no need for him deliberately to run after suffering. Jesus says that every Christian has his own cross waiting for him, a cross destined and appointed by God. Each must endure his allotted share of suffering and rejection. But each has a different share: some God deems worthy of the highest form of suffering, and gives them the grace of martyrdom, while others he does not allow to be tempted above that which they are able to bear. But it is the one and the same cross in every case.

The cross is laid on every Christian. The first Christ-suffering which every man must experience is the call to abandon the attachments of this world. It is that dying of the old man which is the result of his encounter with Christ. As we embark upon discipleship we surrender ourselves to Christ in union with his death—we give over our lives to death. Thus it begins; the cross is not the terrible end to an otherwise godfearing and happy life, but it meets us at the beginning of our communion with Christ. When Christ calls a man, he bids him come and die. It may be a death like that of the first disciples who had to leave home and work to follow him, or it may be a death like Luther’s, who had to leave the monastery and go out into the world. But it is the same death every time—death in Jesus Christ, the death of the old man at his call.”

Editor: Beat Rink / translation: Bill Buchanan / Bonhoeffer quotes: translation by R.H. Fuller

DEUTSCH

In einem Diskussionskreis mit Künstlern sagte kürzlich ein Musiker: «Es ist schlimm, dass Viele von uns nur noch den eigenen Erfolg suchen. Dies gilt auch für christliche Künstler. Nur noch wenige sind bereit, sich für Gott einzusetzen.» Was er mit «sich für Gott einsetzen» meinte, liess er offen.

Das Kreuz tragen
Doch mich liess diese Aussage nicht los. Ich las in diesen Tagen gerade wieder einmal Dietrich Bonhoeffers «Nachfolge» und die Kapitel zum Thema «Das Kreuz tragen» (s. Markus 8, 31-38). Ich musste mich fragen: Bin ich selber völlig bereit, mich der «verkehrten Welt Gottes» (siehe letzte TUNE INs) anzuschliessen und, wenn es sein muss, für Gott zu leiden?
Das muss nicht unbedingt (und eigentlich lieber nicht!) physische Verfolgung bedeuten, wie es Bonhoeffer selber erlitt und wie es Millionen von Christen heute erleben. Er kann auch bedeuten, dass ich nicht mehr so egozentrisch unterwegs bin wie bisher. Oder dass ich meine Kraft und Zeit, die ich doch so gut für meine eigenen Ziele einsetzen könnte,  einem von Gott gegebenen Auftrag widme. Dass ich mutig für den Glauben eintrete und dabei etwas belächelt werde. Dass ich mich für einen schwachen Menschen einsetze. Dass ich meine Künstlerkollegen lobe und ermutige – und dabei selbst auf eine Ermutigung verzichte. Dass ich in meiner Kunst darum ringe, dass sie «authentisch» ist und dabei auch etwas vom Licht Gottes «hindurchscheinen lässt». Dass in meiner Wochenagenda nicht nur meine Kunst, sondern auch Menschen vorkommen. Dass ich mit anderen Christen Gemeinschaft pflege – nicht nur mit dem Ziel, zu bekommen, sondern auch, um zu geben. Dass ich eine Krankheit ertrage und weiss: Dies ist mein Kreuz, das Gott mir zumutet, selbst wenn ich nicht genau weiss, weshalb und wozu. Dass ich als Künstler ohne grossen Erfolg bleibe und nicht bitter werde…

Dietrich Bonhoeffer: Das Kreuz tragen”
Hören wir auf Dietrich Bonhoeffer und tauschen dann vielleicht gerade in einem Künstlerkreis darüber aus. Auch was es heisst, wenn Jesus sagt:
«Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert.  Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.» (Matthäus 10,38) Und was heisst «das Leben finden» und sich daran freuen? 

«Kreuz ist nicht Ungemach und schweres Schicksal, sondern es ist das Leiden, das uns aus der Bindung an Jesus Christus allein erwächst. Kreuz ist nicht zufälliges, sondern notwendiges Leiden. Kreuz ist nicht an die natürliche Existenz gebundenes Leiden, sondern an das Christsein gebundenes Leiden. Kreuz ist überhaupt nicht nur wesentlich Leiden, sondern Leiden und Verworfenwerden, und auch hier streng genommen, um Jesu Christi willen verworfen werden, nicht um irgendeines anderen Verhaltens oder Bekenntnisses willen.

Eine Christlichkeit, die die Nachfolge nicht mehr ernst nahm, die aus dem Evangelium allein den billigen Glaubenstrost gemacht hatte und für die im übrigen natürliche und christliche Existenz ungeschieden ineinander lag, mußte das Kreuz als das tägliche Ungemach, als die Not und Angst unseres natürlichen Lebens verstehen. Hier war vergessen, daß Kreuz immer zugleich Verworfensein bedeutet, daß die Schmach des Leidens zum Kreuz gehört. Im Leiden ausgestoßen, verachtet und verlassen zu sein von den Menschen, wie es die nicht enden-wollende Klage des Psalmisten ist, dieses wesentliche Merkmal des Kreuzesleidens kann eine Christlichkeit nicht mehr begreifen, die bürgerliche und christliche Existenz nicht zu unterscheiden weiß. Kreuz ist Mitleiden mit Christus, Christusleiden. Allein die Bindung an Christus, wie sie in der Nachfolge geschieht, steht ernstlich unter dem Kreuz.

„– der hebe sein Kreuz auf“ – es liegt schon bereit, von Anfang an, er braucht es nur aufzuheben. Damit aber keiner meine, er müsse sich selbst irgendein Kreuz suchen, er müsse willkürlich ein Leiden aufsuchen, sagt Jesus, es sei einem jeden sein Kreuz schon bereit, ihm von Gott bestimmt und zugemessen. Er soll das ihm verordnete Maß von Leiden und Verworfensein tragen. Es ist für jeden ein anderes Maß. Den einen würdigt Gott großer Leiden, er schenkt ihm die Gnade des Martyriums, den anderen läßt er nicht über seine Kraft versucht werden. Doch ist es das Eine Kreuz.

Jedem Christen wird es auferlegt. Das erste Christusleiden, das jeder erfahren muß, ist der Ruf, der uns aus den Bindungen dieser Welt herausruft. Es ist das Sterben des alten Menschen in der Begegnung mit Jesus Christus. Wer in die Nachfolge eintritt, gibt sich in den Tod Jesu, er setzt sein Leben ins Sterben, das ist von Anfang an so; das Kreuz ist nicht das schreckliche Ende eines frommen glücklichen Lebens, sondern es steht am Anfang der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Jeder Ruf Christi führt in den Tod. Ob wir mit den ersten Jüngern Haus und Beruf verlassen müssen, um ihm zu folgen, oder ob wir mit Luther aus dem Kloster in den weltlichen Beruf hineingehen, es wartet in beidem der eine Tod auf uns, der Tod an Jesus Christus, das Absterben unseres alten Menschen an dem Rufe Jesu.» 

Einleitender Text: Beat Rink
 

DER KUNSTORT IM ALTEN BUSDEPOT

Das Depot wird jeden Monat von einem/einer anderen Kunstschaffenden genutzt, um zu arbeiten, zu entwickeln etc.

Am Ende jeden Monats, jeweils am 29igsten, gibt es ein kleines Opening, einen «Salon», (z.B. als Showing, Performance, Open Doors, Apéro, Künstlergespr.ch, meet the artist o.ä.). Dieser «Salon» wird den Bedürfnissen, der Arbeitsweise und den Möglichkeiten der Kunstschaffenden angepasst.

Das Depot (ca. 300m2) kostet CHF 500.– für den ganzen Monat, inkl. Nebenkosten und Versicherung.

Die Kunstschaffenden sind frei, andere Kunstschaffende einzuladen, bzw. auch als Künstlergruppe im Depot zu arbeiten.

Folgende Monate sind noch frei:

– Juni (3 Wochen)
– Juli (2 Wochen zweite Hälfte)
– August
– Oktober

Anmelden bei:
Astrid Künzler | astrid@kuenzler.ch | 076 319 32 22

Eingabe bis spätestens Freitag, 21. März 2020. Die Entscheidung wird bis zum 31. März 2020 gefällt.

mehr Infos

Webseite

Möchten Sie Ihrer Firma, Ihrem Verein oder Freundeskreis ein unvergessliches und fachlich inspirierendes Reiseerlebnis ermöglichen? Für Gruppen von 10 bis 30 Personen bieten wir in Zusammenarbeit mit unseren lokalen Fachleuten an verschiedenen Destinationen massgeschneiderte Programme zu attraktiven Konditionen an. Einen ersten Eindruck über die Möglichkeiten vermittelt Ihnen unser neuer Gruppenflyer. Kontaktieren Sie uns für einen unverbindlichen Besprechungstermin!

Wen haben Sie verloren? Gott. Keinen Menschen? Er verstand nicht. Aber sie konnte ver­­suchen, sich ihm verständlich zu machen. Mehr als einen Menschen. Jemand, der Al­les war, in allem. Es gab nichts auf der Welt, worin ich Ihn nicht finden und berüh­ren konnte. Alles Erschaffene – ich konnte sehen und riechen, dass es tatsächlich er­schaffen worden war. Ich konnte schmecken, was Er berührt hatte. So gross war Sei­ne Liebe. Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn eine so grosse Liebe einen oh­ne vorstellbaren Grund verlässt?

A.L. Kennedy, Gleissendes Glück, englisch 1997.

Menschen verliert man, aber Gott? Nachbarskinder, als es noch keine Schule gab, Schulkameraden, als es noch keine Universität gab, Kommilitonen, als es noch kein Berufsleben gab, Berufskollegen, als es noch keine Rente gab, fast alle sind verlo­ren, aber Gott? Mitreisende, die einem auf einer erlebnisreichen Reise zwei Wochen lang sehr nahe waren, Bettnachbarn, mit denen man nach der Operation stunden­lang über Leben und Tod gesprochen hatte, Hausbewohner, die immer wieder mal mit einem Ei oder einem Liter Milch ausgeholfen hatte, fast immer verliert man sie, aber Gott? Selbst die Ehefrau, mit der man zwanzig Jahre das Leben geteilt hatte, selbst das Kind, für das man schlaflose Nächte überstand, selbst die Eltern, die einst alles für einen taten, selbst die kann man verlieren, aber Gott?

Einen, der Alles in allem ist, den man mit allen Sinnen überall wahrnehmen kann, der mit seinen schöpferischen Händen alles erschaffen und auf allem Erschaffenen sei­nen Fingerabdruck hinterlassen hat, kann man den verlieren? Einen, dessen Liebe alles durchdrungen, der mit ihr den guten Grund von allem Guten gelegt hat, der so sehr liebt, dass er die Liebe selbst ist, kann man den verlieren?

Doch, das kann ich mir vorstellen. Menschen kann ich verlieren. Wie viele habe ich schon ver­lo­ren! Es fällt mir immer dann auf, wenn ich zu einem runden Lebensmo­ment einla­de. Jedes Mal ist die Liste eine andere. Aber es ergibt sich doch jedes Mal wieder eine Li­­ste. Ich habe Menschen nicht nur verloren, sondern auch gewonnen. Andere. Gott kann ich auch verlieren. Es fällt mir immer dann auf, wenn ich beten will und nicht be­ten kann, wenn nur Geprägtes oder Gestammeltes bleibt. Aber ich bete trotzdem, und plötzlich ist er beim Beten wieder da. Derselbe.

Doch, ich kann mir die Lücke vorstellen, die Gott hinterlässt, die Leerstellen, wo er nicht mehr wahrzunehmen ist, das Schweigen, wo er einst zu mir sprach und mir et­was sagte. In den Bra­chen, die dann gottlos auf andere Nutzung warten, in den Lö­chern, die dann gottentleert für anderen Sinn klaf­fen, in den Maschen, die dann gott­befreit anderen Zusammenhalt versprechen, gähnt ein Abgrund, wenn er mich ohne vorstellbaren Grund verlässt. Der verlorene Gott ist mein Abgrund.

Ist aber ein Grund, nur weil er mir nicht vorstellbar ist, auch nicht gegeben? Gibt es nicht, was ich mir nicht vorstellen kann? Ist Sein nur vorstellbares Sein? Macht gar die Vor­stellung solches Sein? Oder um­fasst Gott ganz ohne mich Grund und Ab­grund, Fülle und Lücke, Wahr­nehmbares und Leerstelle, Re­den und Schweigen? Ist er gar als der Unvorstellbare vorstellbar? So dass hinter jedem vorstellbaren Gott, der ver­blasst und verdunstet, ein un­vorstellbarer Kontur gewinnt, die sich irgendwann ausprägt zum Bild, sinnlich wieder zu sehen, riechen, schmecken und all­mählich Al­les in allem wird, allumfassende Liebe gar, bis er sich verliert und meine Vorstellung wieder verlässt wie ein Film das Kino? Das nicht schon deshalb kein Kino mehr ist, nur weil gerade kein Film verfügbar ist und kei­ne Vorstellung läuft?

Mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Ps 22,2; Mk 15,34). Der Verschwundene bleibt mein Gott, und meine Vorstellung des Unvorstellbaren bleibt mein Bild von ihm.

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ArtNight Städte: Baden, Basel, Bern, Chur, Fribourg, Luzern, St. Gallen, Winterthur, Zug, Zürich

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  • Fan-Community: Durch Deine durchgeführten ArtNights werden Gäste auf Dich und Deine eigene Kunst aufmerksam. Lade sie ein, Dir auf Instagram & Facebook zu folgen.
  • Motiv-Wettbewerbe: Reiche Deine Entwürfe für neue Motive bei Motivwettbewerben ein und mit etwas Glück wird Dein Motiv bald europaweit gemalt.

WAS ERWARTET DICH ALS ARTNIGHT-KÜNSTLER?

  • Du veranstaltest selbständig ArtNight Events mit 10 bis 25 Teilnehmern (wir unterstützen Dich dabei)
  • Du bist für den reibungslosen Ablauf (inkl. Auf-und Abbau) verantwortlich
  • Du entscheidest wann und in welcher Location (Bar/Cafè/Restaurant) Deine öffentlichen ArtNights stattfinden
  • ArtNights dauern inkl. Vor- und Nachbereitung ca. 4 Stunden und finden unter der Woche abends und am Wochenende i.d.R. nachmittags/abends statt
  • Du leitest den Malprozess an, damit Deine Teilnehmer ihr persönliches Kunstwerk kreieren können
  • Du wählst Motive aus dem ArtNight Katalog mit über 200 Sujets aus
  • Du sorgst dafür, dass die Gäste einen unterhaltsamen Abend in einer tollen Atmosphäre erleben
  • Darüber hinaus besteht die Möglichkeit private ArtNights (Firmenfeiern, Polterabende, Teamevents usw.) durchzuführen, die bei ArtNight direkt angefragt werden

WAS SUCHEN / WÜNSCHEN WIR UNS VON DIR?

  • Du hast Erfahrung im Durchführen und anleiten von Workshops
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WAS IST ARTNIGHT?

Wir sind ArtNight, eine Plattform für kreative Erlebnisse. Als Jungunternehmen haben wir uns zur Aufgabe gemacht, Künstler und Kunstinteressierte offline zusammenzubringen.

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Art der Stelle: Teilzeit, Freie Mitarbeit

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ENGLISH
   
The aim of the last TUNE IN was to encourage us to do «crazy things» this year as followers of Christ. This is usually the opposite of what other people do and of what is generally expected.
In Matthew 5, 47, Jesus asks: «And if you are friendly only to your brothers, what is extraordinary (Greek «to perisson / περισσóv») in that? Do not the heathen do the same?» And his answer: «Love your enemies!» In his book «The cost of discipleship» (1937) , Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) dedicates a moving chapter to loving one’s enemies. Here are some quotations:
 
“The Extraordinary”
“How then do the disciples differ from the heathen? What does it really mean to be a Christian? … What make the Christian different from other men is the “peculiar,” the περισσóv, the “extraordinary,” the “unusual,” that which is not “a matter of course.” (…) What is the precise nature of the περισσóv? It is the life described in the beatitudes, the life of the followers of Jesus, the light which lights the world, the city set on the hill, the way of self-renunciation, of utter love, of absolute purity, truthfulness and meekness. It is unreserved love for our enemies, for the unloving and the unloved, love for our religious, political and personal adversaries. In every case it is the love which was fulfilled in the cross of Christ. What is the περισσóv? It is the love of Jesus Christ himself, who went patiently and obediently to the cross – it is in fact the cross itself. The cross is the differential of the Christian religion, the power which enables the Christian to transcend the world and to win the victory. The passio in the love of the Crucified is the supreme expression of the “extraordinary” quality of the Christian life.”
 
“Bless them that persecute you”
“If our enemy cannot put up with us any longer and takes to cursing us, our immediate reaction must be to lift up our hands and bless him. Our enemies are the blessed of the Lord. Their curse can do us no harm. May their poverty be enriched with all the riches of God, with the blessing of him whom they seek to oppose in vain. We are ready to endure their curses so long as they redound to their blessing.”
  
“Pray for them which despitefully use you and persecute you”
“This is the supreme demand. Through the medium of prayer we go to our enemy, stand by his side, and plead for him to God. Jesus does not promise that when we bless our enemies and do good to them they will not despitefully use and persecute us. They certainly will. But not even that can hurt or overcome us, so long as we pray for them. For if we pray for them, we are taking their distress and poverty, their guilt and perdition upon ourselves, and pleading to God for them. We are doing vicariously for them what they cannot do for themselves. Every insult they utter only serves to bind us more closely to God and them. Their persecution of us only serves to bring them nearer to reconciliation with God and to further the triumphs of love.
How then does love conquer? By asking not how the enemy treats her but only how Jesus treated her. The love for our enemies takes us along the way of the cross and into fellowship with the Crucified. The more we are driven along this road, the more certain is the victory of love over the enemy’s hatred. For then it is not the disciple’s own love, but the love of Jesus Christ alone, who for the sake of his enemies went to the cross and prayed for them as he hung there. In the face of the cross the disciples realized that they too were his enemies, and that he had overcome them by his love. It is this that opens the disciple’s eyes, and enables him to see his enemy as a brother.”
 
Enemies – even in the art?
Do we have «enemies»? Last week, I had the privilege in Russia of meeting persons who had to endure much in the time of the Soviet Union. But they never ceased to love their enemies! There are also enemies in art. A picture by Alexander Deineka (1899-1969) («The cross country race of Red Army soldiers”) is an expression of such enmity as it manifests itself artistically. I discovered it in an interesting exhibition of «socialist realist» paintings (including some really good pictures!). It was a preparatory picture for a ceiling painting in a theatre. At the first glance it is simply heroic kitsch. Looking at it again, it is pure provocation against Christianity. Perhaps it does not even reflect the views of the painter, but was done on the orders of the authorities. It copies and replaces the pictorial tradition of Christian churches. Praise is directed not to the triune God, but to the victory of the sportsman – and to state power, which manifests itself in three (!) aircraft.

How do we react?
Where do we today likewise encounter art which is expressly hostile to God and to the order of his good creation? How do we react to this? With hate, or with engaged love which is also prepared to contradict?
And where, too, do we have enemies in our lives as artists? Where does this hostility threaten to harm us personally (and our art)? Or perhaps we do not have real enemies around us, but simply people with whom we would prefer to have nothing to do. But to them, too, we should offer our love!
What form does this love take?
Certainly that we pray for them (in an artists’ prayer group, for example), that we bless them in prayer, and that we do good to them, for example by thanking them for something, praising them, helping them. Love of this kind will change us, our relationships and our faith. God sends «enemies» to each one of us. Let search for God’s help that we can do the “extraordinary” and love them!

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan 

DEUTSCH

Der letzte TUNE IN-Text sollte uns dazu ermutigen, in diesem Jahr als Nachfolger von Christus «Verrücktes» zu tun. Das ist meist Gegenteil von dem, was Andere tun und was allgemein erwartet wird.
In Matthäus 5, 47 fragt Jesus: «Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Ausserordentliches (griechisch «to perisson / περισσóv»)? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?» Und seine Antwort lautet: «Liebt eure Feinde!»Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) widmet in seinem Buch «Nachfolge» (1937) ein bewegendes Kapitel der Feindesliebe. Hier einige Zitate:

Das “Aussergewöhnliche” 
Worin unterscheidet sich der Jünger vom Heiden? Worin besteht „das Christ-liche“? …Das Christliche ist das „Sonderliche“, das περισσóv, das Außerordentliche, das Nichtreguläre, Nichtselbstverständliche. Es ist das, was an „besserer Gerechtigkeit“ die Pharisäer „übertrifft“, über sie hinausragt, das Mehr, das Darüberhinaus. (…) Worin besteht das περισσóv, das Außerordentliche? Es ist die Existenz der Seliggepriesenen, der Nachfolgenden, es ist das leuchtende Licht, die Stadt auf dem Berge, es ist der Weg der Selbstverleugnung, völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit; es ist hier die ungeteilte Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt; die Liebe zum religiösen, zum politischen, zum persönlichen Feind. Es ist in all dem der Weg, der seine Erfüllung fand am Kreuze Jesu Christi. Was ist das περισσóv? Es ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht, es ist das Kreuz. Das Sonderliche des Christlichen ist das Kreuz, das den Christen über-die-Welt-hinaussein läßt und ihm darin den Sieg über die Welt gibt. Die passio in der Liebe des Gekreuzigten – das ist das „Außerordentliche“ an der christlichen Existenz.”

„Segnet, die euch fluchen“ 
Trifft uns die Verfluchung des Feindes, weil er unsere Gegenwart nicht ertragen kann, so sollen wir die Hände zum Segen erheben: Ihr, unsere Feinde, ihr Gesegneten Gottes, euer Fluch kann uns nicht verletzen, aber eure Armut möge erfüllt werden von dem Reichtum Gottes, von dem Segen dessen, gegen den ihr vergeblich anlauft. Auch wollen wir euren Fluch wohl tragen, wenn ihr nur den Segen davontragt.

„Bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen“
“Das ist das Äußerste. Im Gebet treten wir zum Feind, an seine Seite, wir sind mit ihm, bei ihm, für ihn vor Gott. Jesus verheißt uns nicht, daß uns der Feind, den wir lieben, den wir segnen, dem wir wohltun, nicht beleidigen und verfolgen werde. Er wird es tun. Aber auch hierin kann er uns nicht schaden und überwinden, wenn wir den letzten Schritt zu ihm tun in fürbittendem Gebet. Nun nehmen wir seine Not und Armut, seine Schuld und Verlorenheit mit auf uns, treten vor Gott für ihn ein. Wir tun stellvertretend für ihn, was er nicht tun kann. Jede Beleidigung des Feindes wird uns nur näher mit Gott und mit unserm Feind verbinden. Jede Verfolgung kann nur dazu dienen, daß der Feind der Versöhnung mit Gott näher gebracht wird, daß die Liebe unüberwindlicher wird.
Wie wird die Liebe unüberwindlich? Darin, daß sie niemals danach fragt, was der Feind ihr antut, sondern allein danach, was Jesus getan hat. Die Feindesliebe führt den Jünger auf den Weg des Kreuzes und in die Gemeinschaft des Ge-kreuzigten. Aber je gewisser der Jünger auf diesen Weg gedrängt wird, desto gewisser bleibt seine Liebe unüberwunden, desto gewisser überwindet sie den Haß des Feindes; denn sie ist ja nicht seine eigene Liebe. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für seine Feinde zum Kreuz ging und am Kreuz für sie betete. Vor dem Kreuzesweg Jesu Christi aber erkennen auch die Jünger, daß sie selbst unter den Feinden Jesu waren, die von seiner Liebe überwunden wurden. Diese Liebe macht den Jünger sehend, daß er im Feind den Bruder erkennt, daß er an ihm handelt wie an seinem Bruder.” 

Reale Feinde – auch in der Kunstwelt?
Haben wir «Feinde»? Letzte Woche hatte ich das Privileg, in Russland Menschen (darunter Künstler) zu begegnen, die zur Zeit der Sowjetunion viel erdulden mussten. Aber sie hörten nicht auf, ihre Feinde zu lieben! Feinde gibt es auch in der Kunst. Das Bild von Alexander Deineka (1899-1969) («The cross country race of red army soldiers”) ist Ausdruck einer solchen Feindschaft, wie sie sich künstlerisch manifestiert. Ich entdeckte es in einer interessanten Ausstellung über die Malerei des «sozialistischen Realismus» (darunter waren auch wirklich gute Bilder!). Es ist der Entwurf zu einem Deckengemälde eines Theaters. Es ist auf den ersten Blick einfach heroischer Kitsch. Auf den zweiten Blick ist es eine pure Provokation gegen das Christentum. Vielleicht spiegelt es nicht einmal die Meinung des Malers, sondern war einfach von oben verordnet. Es kopiert und ersetzt die Bildtradition der christlichen Kirchen. Gepriesen wird nicht der dreieinige Gott, sondern der Sieg der Sportler – und der Staatsmacht, die sich in drei (!) Flugzeugen manifestiert.

Wie reagieren wir?
Wo gibt es auch heute Kunst, die ausgesprochen feindlich ist gegen Gott und seine guten Ordnungen? Wie reagieren wir darauf? Mit Hass oder mit engagierter, auch zum Widerspruch bereiter Liebe?
Und wo gibt es auch in unserem Leben als Künstler Feinde?
Wo droht diese Feindschaft, uns persönlich (und unserer Kunst) zu schaden? Vielleicht gibt es um uns herum auch nicht wirkliche Feinde, sondern einfach Menschen, mit denen wir am liebsten nichts zu tun hätten. Auch die sollen wir lieben!
Wie sieht diese Liebe aus?
Sicher, indem wir für sie beten (zum Beispiel in einem Künstler-Gebetskreis), indem wir sie in unserem Gebet segnen und indem wir ihnen Gutes tun. Solche Liebe wird uns, unsere Beziehungen und unseren Glauben verändern. Gott schickt jedem von uns «Feinde». Lasst uns nach Gottes Hilfe suchen, damit wir das “Aussergewöhnliche” tun und sie lieben können!

Text: Beat Rink

ENGLISH
   
The aim of the last TUNE IN was to encourage us to do «crazy things» this year as followers of Christ. This is usually the opposite of what other people do and of what is generally expected.
In Matthew 5, 47, Jesus asks: «And if you are friendly only to your brothers, what is extraordinary (Greek «to perisson / περισσóv») in that? Do not the heathen do the same?» And his answer: «Love your enemies!» In his book «The cost of discipleship» (1937) , Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) dedicates a moving chapter to loving one’s enemies. Here are some quotations:
 
“The Extraordinary”
“How then do the disciples differ from the heathen? What does it really mean to be a Christian? … What make the Christian different from other men is the “peculiar,” the περισσóv, the “extraordinary,” the “unusual,” that which is not “a matter of course.” (…) What is the precise nature of the περισσóv? It is the life described in the beatitudes, the life of the followers of Jesus, the light which lights the world, the city set on the hill, the way of self-renunciation, of utter love, of absolute purity, truthfulness and meekness. It is unreserved love for our enemies, for the unloving and the unloved, love for our religious, political and personal adversaries. In every case it is the love which was fulfilled in the cross of Christ. What is the περισσóv? It is the love of Jesus Christ himself, who went patiently and obediently to the cross – it is in fact the cross itself. The cross is the differential of the Christian religion, the power which enables the Christian to transcend the world and to win the victory. The passio in the love of the Crucified is the supreme expression of the “extraordinary” quality of the Christian life.”
 
“Bless them that persecute you”
“If our enemy cannot put up with us any longer and takes to cursing us, our immediate reaction must be to lift up our hands and bless him. Our enemies are the blessed of the Lord. Their curse can do us no harm. May their poverty be enriched with all the riches of God, with the blessing of him whom they seek to oppose in vain. We are ready to endure their curses so long as they redound to their blessing.”
  
“Pray for them which despitefully use you and persecute you”
“This is the supreme demand. Through the medium of prayer we go to our enemy, stand by his side, and plead for him to God. Jesus does not promise that when we bless our enemies and do good to them they will not despitefully use and persecute us. They certainly will. But not even that can hurt or overcome us, so long as we pray for them. For if we pray for them, we are taking their distress and poverty, their guilt and perdition upon ourselves, and pleading to God for them. We are doing vicariously for them what they cannot do for themselves. Every insult they utter only serves to bind us more closely to God and them. Their persecution of us only serves to bring them nearer to reconciliation with God and to further the triumphs of love.
How then does love conquer? By asking not how the enemy treats her but only how Jesus treated her. The love for our enemies takes us along the way of the cross and into fellowship with the Crucified. The more we are driven along this road, the more certain is the victory of love over the enemy’s hatred. For then it is not the disciple’s own love, but the love of Jesus Christ alone, who for the sake of his enemies went to the cross and prayed for them as he hung there. In the face of the cross the disciples realized that they too were his enemies, and that he had overcome them by his love. It is this that opens the disciple’s eyes, and enables him to see his enemy as a brother.”
 
Enemies – even in the art?
Do we have «enemies»? Last week, I had the privilege in Russia of meeting persons who had to endure much in the time of the Soviet Union. But they never ceased to love their enemies! There are also enemies in art. A picture by Alexander Deineka (1899-1969) («The cross country race of Red Army soldiers”) is an expression of such enmity as it manifests itself artistically. I discovered it in an interesting exhibition of «socialist realist» paintings (including some really good pictures!). It was a preparatory picture for a ceiling painting in a theatre. At the first glance it is simply heroic kitsch. Looking at it again, it is pure provocation against Christianity. Perhaps it does not even reflect the views of the painter, but was done on the orders of the authorities. It copies and replaces the pictorial tradition of Christian churches. Praise is directed not to the triune God, but to the victory of the sportsman – and to state power, which manifests itself in three (!) aircraft.

How do we react?
Where do we today likewise encounter art which is expressly hostile to God and to the order of his good creation? How do we react to this? With hate, or with engaged love which is also prepared to contradict?
And where, too, do we have enemies in our lives as artists? Where does this hostility threaten to harm us personally (and our art)? Or perhaps we do not have real enemies around us, but simply people with whom we would prefer to have nothing to do. But to them, too, we should offer our love!
What form does this love take?
Certainly that we pray for them (in an artists’ prayer group, for example), that we bless them in prayer, and that we do good to them, for example by thanking them for something, praising them, helping them. Love of this kind will change us, our relationships and our faith. God sends «enemies» to each one of us. Let search for God’s help that we can do the “extraordinary” and love them!

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan 

DEUTSCH

Der letzte TUNE IN-Text sollte uns dazu ermutigen, in diesem Jahr als Nachfolger von Christus «Verrücktes» zu tun. Das ist meist Gegenteil von dem, was Andere tun und was allgemein erwartet wird.
In Matthäus 5, 47 fragt Jesus: «Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Ausserordentliches (griechisch «to perisson / περισσóv»)? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?» Und seine Antwort lautet: «Liebt eure Feinde!»Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) widmet in seinem Buch «Nachfolge» (1937) ein bewegendes Kapitel der Feindesliebe. Hier einige Zitate:

Das “Aussergewöhnliche” 
Worin unterscheidet sich der Jünger vom Heiden? Worin besteht „das Christ-liche“? …Das Christliche ist das „Sonderliche“, das περισσóv, das Außerordentliche, das Nichtreguläre, Nichtselbstverständliche. Es ist das, was an „besserer Gerechtigkeit“ die Pharisäer „übertrifft“, über sie hinausragt, das Mehr, das Darüberhinaus. (…) Worin besteht das περισσóv, das Außerordentliche? Es ist die Existenz der Seliggepriesenen, der Nachfolgenden, es ist das leuchtende Licht, die Stadt auf dem Berge, es ist der Weg der Selbstverleugnung, völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit; es ist hier die ungeteilte Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt; die Liebe zum religiösen, zum politischen, zum persönlichen Feind. Es ist in all dem der Weg, der seine Erfüllung fand am Kreuze Jesu Christi. Was ist das περισσóv? Es ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht, es ist das Kreuz. Das Sonderliche des Christlichen ist das Kreuz, das den Christen über-die-Welt-hinaussein läßt und ihm darin den Sieg über die Welt gibt. Die passio in der Liebe des Gekreuzigten – das ist das „Außerordentliche“ an der christlichen Existenz.”

„Segnet, die euch fluchen“ 
Trifft uns die Verfluchung des Feindes, weil er unsere Gegenwart nicht ertragen kann, so sollen wir die Hände zum Segen erheben: Ihr, unsere Feinde, ihr Gesegneten Gottes, euer Fluch kann uns nicht verletzen, aber eure Armut möge erfüllt werden von dem Reichtum Gottes, von dem Segen dessen, gegen den ihr vergeblich anlauft. Auch wollen wir euren Fluch wohl tragen, wenn ihr nur den Segen davontragt.

„Bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen“
“Das ist das Äußerste. Im Gebet treten wir zum Feind, an seine Seite, wir sind mit ihm, bei ihm, für ihn vor Gott. Jesus verheißt uns nicht, daß uns der Feind, den wir lieben, den wir segnen, dem wir wohltun, nicht beleidigen und verfolgen werde. Er wird es tun. Aber auch hierin kann er uns nicht schaden und überwinden, wenn wir den letzten Schritt zu ihm tun in fürbittendem Gebet. Nun nehmen wir seine Not und Armut, seine Schuld und Verlorenheit mit auf uns, treten vor Gott für ihn ein. Wir tun stellvertretend für ihn, was er nicht tun kann. Jede Beleidigung des Feindes wird uns nur näher mit Gott und mit unserm Feind verbinden. Jede Verfolgung kann nur dazu dienen, daß der Feind der Versöhnung mit Gott näher gebracht wird, daß die Liebe unüberwindlicher wird.
Wie wird die Liebe unüberwindlich? Darin, daß sie niemals danach fragt, was der Feind ihr antut, sondern allein danach, was Jesus getan hat. Die Feindesliebe führt den Jünger auf den Weg des Kreuzes und in die Gemeinschaft des Ge-kreuzigten. Aber je gewisser der Jünger auf diesen Weg gedrängt wird, desto gewisser bleibt seine Liebe unüberwunden, desto gewisser überwindet sie den Haß des Feindes; denn sie ist ja nicht seine eigene Liebe. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für seine Feinde zum Kreuz ging und am Kreuz für sie betete. Vor dem Kreuzesweg Jesu Christi aber erkennen auch die Jünger, daß sie selbst unter den Feinden Jesu waren, die von seiner Liebe überwunden wurden. Diese Liebe macht den Jünger sehend, daß er im Feind den Bruder erkennt, daß er an ihm handelt wie an seinem Bruder.” 

Reale Feinde – auch in der Kunstwelt?
Haben wir «Feinde»? Letzte Woche hatte ich das Privileg, in Russland Menschen (darunter Künstler) zu begegnen, die zur Zeit der Sowjetunion viel erdulden mussten. Aber sie hörten nicht auf, ihre Feinde zu lieben! Feinde gibt es auch in der Kunst. Das Bild von Alexander Deineka (1899-1969) («The cross country race of red army soldiers”) ist Ausdruck einer solchen Feindschaft, wie sie sich künstlerisch manifestiert. Ich entdeckte es in einer interessanten Ausstellung über die Malerei des «sozialistischen Realismus» (darunter waren auch wirklich gute Bilder!). Es ist der Entwurf zu einem Deckengemälde eines Theaters. Es ist auf den ersten Blick einfach heroischer Kitsch. Auf den zweiten Blick ist es eine pure Provokation gegen das Christentum. Vielleicht spiegelt es nicht einmal die Meinung des Malers, sondern war einfach von oben verordnet. Es kopiert und ersetzt die Bildtradition der christlichen Kirchen. Gepriesen wird nicht der dreieinige Gott, sondern der Sieg der Sportler – und der Staatsmacht, die sich in drei (!) Flugzeugen manifestiert.

Wie reagieren wir?
Wo gibt es auch heute Kunst, die ausgesprochen feindlich ist gegen Gott und seine guten Ordnungen? Wie reagieren wir darauf? Mit Hass oder mit engagierter, auch zum Widerspruch bereiter Liebe?
Und wo gibt es auch in unserem Leben als Künstler Feinde?
Wo droht diese Feindschaft, uns persönlich (und unserer Kunst) zu schaden? Vielleicht gibt es um uns herum auch nicht wirkliche Feinde, sondern einfach Menschen, mit denen wir am liebsten nichts zu tun hätten. Auch die sollen wir lieben!
Wie sieht diese Liebe aus?
Sicher, indem wir für sie beten (zum Beispiel in einem Künstler-Gebetskreis), indem wir sie in unserem Gebet segnen und indem wir ihnen Gutes tun. Solche Liebe wird uns, unsere Beziehungen und unseren Glauben verändern. Gott schickt jedem von uns «Feinde». Lasst uns nach Gottes Hilfe suchen, damit wir das “Aussergewöhnliche” tun und sie lieben können!

Text: Beat Rink

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ENGLISH

At the beginning of a new year, we ask ourselves: “What will this year bring? Will everything be in its right order, in its right place – in our private life, in our profession (as an artist), in our families?” It is a sad fact, however, that the world is in disorder. The world often seems to be in an inverted order.

The rabbit shoots the hunter
In cultural history, the motif of the «upside-down world» recurs time and again. One places in books for children and young people. It was funny to see rabbits shooting at the hunter. But why does the same motif turn up on the Town Hall in Basel, for example? Probably as a warning against «inverting relationships». These also include terrifying visions such as Women as Soldiers and Men as cooks (!)  or, at the time of the Reformation, Priests in the Fields and Peasants as Priests at the Altar. It was also as a warning that the motif was disseminated in literature. In German novels of the Baroque period, for example, it marks a departure from God’s order of creation, as became reality in the most horrifying way during the 30 Years’ War. 

God’s Judgement
In the Bible, too, we read of how the order of creation becomes inverted. This takes place where God passes judgement: « See, the LORD is going to lay waste the earth and devastate it; he will ruin its face and scatter its inhabitants – it will be the same for priest as for people, for master as for servant, for mistress as for maid, for seller as for buyer, for borrower as for lender, for debtor as for creditor.» [Isaiah 24, 1+2]. How we should we understand this? This «upside-down world» is not what God wanted, but what man wanted! Because man has rejected him, God takes away his protecting hand from over us – and chaos breaks loose.

God’s «upside-down world»
But God certainly does not wish the world to sink into chaos and to become even more inverted than it already is. He calls us back to the order of creation. But what does «the order of creation» mean for God? It does not mean chaos but, in a special way, a completely «upside-down world ». Some examples:

The lion eats straw
Isaiah 65, 25: «The wolf and the lamb will feed together, and the lion will eat straw like the ox, but dust shall be the serpent’s food.» Here Isaiah gives us a glimpse of God’s future world.

Buying without money
Isaiah 55, 1-3: «Come, all you who are thirsty, come to the waters; and you who have no money, come, buy and eat! Come, buy wine and milk without money and without cost!» God’s grace is not logical. But God’s logic exposes the fact that we are actually illogical: «Why spend money on what is not bread, and your labour on what does not satisfy? Listen, listen to me, and eat what is good, and your soul will delight in the richest of fare. Give ear and come to me; hear me, that your soul may live!»

The last will be the first, the first will be last
Matthew 19, 30 and 20, 16 tell of how many who are the first will be the last. Between these two passages we read a perfect example of God’s «upside-down world»: the parable of the men hired to work in the vineyard, with all of them receiving the same payment despite doing different amounts of work.

God’s foolishness is wiser than man’s wisdom
1 Corinthians 1, 25+27: «For the foolishness of God is wiser than man’s wisdom, and the weakness of God is stronger than man’s strength. (…) But God chose the foolish things of the world to shame the wise; God chose the weak things of the world to shame the strong.» 20 + 21: «Has not God made foolish the wisdom of the world? For since in the wisdom of God the world through its wisdom did not know him, God was pleased through the foolishness of what was preached to save those who believe.»

Throughout the whole length of the Bible, we find the message that where God intervenes, things get turned upside down – or, more accurately, get put back on their feet again. One day, we shall experience «God’s upside-down world» in all its dimensions! 
In this New Year, where do we expect, and where can we be involved in bringing about, that things will not simply take their «usual» course, but instead become part of God’s «illogical, crazy order»? Where does our art perhaps also speak of this?

The TUNE IN editorial team joins other members of the Crescendo staff in wishing you most sincerely a «crazy» year!

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan 

DEUTSCH
 
Am Anfang eines neuen Jahres fragen wir uns: Was wird es bringen? Wird Alles seine Ordnung haben: in unserem Privat-Leben, in unserem Beruf (als Künstler), in unseren Familien? Dass die Welt in Unordnung ist, ist allerdings eine traurige Tatsache. Die Welt erscheint oft wie eine umgekehrte Ordnung.
 
Der Hase erschiesst den Jäger
I
n der Kulturgeschichte taucht immer wieder das Motiv der «verkehrten Welt» auf. Einmal in Kinder- und Jugendbüchern. Es war lustig, Hasen zu sehen, die auf den Jäger schiessen. Aber warum taucht das gleiche Motiv zum Beispiel am Basler Rathaus auf? Wohl um vor der «Umkehrung der Verhältnisse» zu warnen. Dazu gehörten auch Schreckensvisionen wie Frauen als Soldaten und Männer am Herd (!) oder in der Reformationszeit Priester auf den Feldern und Bauern als Priester am Altar.
Als Warnung fand das Motiv auch in der Literatur Verbreitung. Im deutschen Barockroman diente es etwa dazu, den Abfall von der göttlichen Ordnung zu brandmarken, wie sie im Dreissigjährigen Krieg auf schrecklichste Weise Realität wurde.  
 
Gottes Gericht
Auch in der Bibel lesen wir davon, wie sich die Ordnung umkehrt. Dies geschieht dort, wo Gott Gericht hält: «Siehe, der HERR macht das Land leer und wüst und wirft um, was darin ist, und zerstreut seine Einwohner. Und es geht dem Priester wie dem Volk, dem Herrn wie dem Knecht, der Frau wie der Magd, dem Verkäufer wie dem Käufer, dem Leiher wie dem Borger, dem Mahnenden wie dem Schuldner.» Wie ist das zu verstehen? Diese «verkehrte Welt» ist nicht, was Gott, sondern was der Mensch wollte! Gott nimmt, weil man ihn ablehnt, seine schützende Hand über uns weg – und das Chaos bricht los.
 
Gottes «verkehrte Welt»
Aber Gott will gar nicht, dass die Welt im Chaos versinkt und noch verkehrter wird als sie schon jetzt ist. Er ruft uns zurück zur Ordnung. Aber was heisst «Ordnung» bei Gott? Sie heisst nicht Chaos, ist aber auf besondere Weise eine völlig «verkehrte Welt». Hier einige Beispiele:
 
Der Löwe frisst Stroh
Jesaja 65,25: «Wolf und Lamm sollen weiden zugleich, der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind, und die Schlange soll Erde essen.» Hier wirft Jesaja einen Blick in die zukünftige Welt Gottes.
 
Kaufen ohne Geld
Jesaja 55, 1-2: «Die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!» Gottes Gnade ist unlogisch. Aber Gottes Logik deckt auf, dass wir eigentlich unlogisch sind: «Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!»
 
Letzte werden Erste, Erste werden Letzte
Matthäus 19,30 und 20,16 spricht davon, dass viele, die Erste sind, die Letzten sein werden und Letzte die Ersten. Dazwischen steht ein Paradebeispiel für Gottes «verkehrte Welt»: Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, die trotz unterschiedlichem Arbeitsaufwand alle gleich viel Lohn erhalten.
 
Gottes Torheit ist weiser als menschliche Weisheit
1.Korinther 1, 25: «Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind; und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.(…) Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist» 20f.: «Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben.»
 
Quer durch die Bibel zieht sich die Botschaft, dass dort, wo Gott eingreift, die Dinge auf den Kopf– oder besser gesagt: wieder auf die Füsse gestellt werden. Eines Tages wird die «verkehrte Welt Gottes» vollumfänglich erfahrbar!
Wo erwarten wir im neuen Jahr und wie können wir selber daran beteiligt sein, dass die Dinge nicht ihren «gewöhnlichen» Lauf nehmen, sondern in Gottes «unlogische, verrückte Ordnung» hineinkommen? Wo spricht vielleicht auch unsere Kunst davon?
 
Das TUNE IN Redaktionsteam wünschen euch mit den anderen Mitarbeitern von Crescendo von Herzen ein «verrücktes» Jahr!
 

ENGLISH

At the beginning of a new year, we ask ourselves: “What will this year bring? Will everything be in its right order, in its right place – in our private life, in our profession (as an artist), in our families?” It is a sad fact, however, that the world is in disorder. The world often seems to be in an inverted order.

The rabbit shoots the hunter
In cultural history, the motif of the «upside-down world» recurs time and again. One places in books for children and young people. It was funny to see rabbits shooting at the hunter. But why does the same motif turn up on the Town Hall in Basel, for example? Probably as a warning against «inverting relationships». These also include terrifying visions such as Women as Soldiers and Men as cooks (!)  or, at the time of the Reformation, Priests in the Fields and Peasants as Priests at the Altar. It was also as a warning that the motif was disseminated in literature. In German novels of the Baroque period, for example, it marks a departure from God’s order of creation, as became reality in the most horrifying way during the 30 Years’ War. 

God’s Judgement
In the Bible, too, we read of how the order of creation becomes inverted. This takes place where God passes judgement: « See, the LORD is going to lay waste the earth and devastate it; he will ruin its face and scatter its inhabitants – it will be the same for priest as for people, for master as for servant, for mistress as for maid, for seller as for buyer, for borrower as for lender, for debtor as for creditor.» [Isaiah 24, 1+2]. How we should we understand this? This «upside-down world» is not what God wanted, but what man wanted! Because man has rejected him, God takes away his protecting hand from over us – and chaos breaks loose.

God’s «upside-down world»
But God certainly does not wish the world to sink into chaos and to become even more inverted than it already is. He calls us back to the order of creation. But what does «the order of creation» mean for God? It does not mean chaos but, in a special way, a completely «upside-down world ». Some examples:

The lion eats straw
Isaiah 65, 25: «The wolf and the lamb will feed together, and the lion will eat straw like the ox, but dust shall be the serpent’s food.» Here Isaiah gives us a glimpse of God’s future world.

Buying without money
Isaiah 55, 1-3: «Come, all you who are thirsty, come to the waters; and you who have no money, come, buy and eat! Come, buy wine and milk without money and without cost!» God’s grace is not logical. But God’s logic exposes the fact that we are actually illogical: «Why spend money on what is not bread, and your labour on what does not satisfy? Listen, listen to me, and eat what is good, and your soul will delight in the richest of fare. Give ear and come to me; hear me, that your soul may live!»

The last will be the first, the first will be last
Matthew 19, 30 and 20, 16 tell of how many who are the first will be the last. Between these two passages we read a perfect example of God’s «upside-down world»: the parable of the men hired to work in the vineyard, with all of them receiving the same payment despite doing different amounts of work.

God’s foolishness is wiser than man’s wisdom
1 Corinthians 1, 25+27: «For the foolishness of God is wiser than man’s wisdom, and the weakness of God is stronger than man’s strength. (…) But God chose the foolish things of the world to shame the wise; God chose the weak things of the world to shame the strong.» 20 + 21: «Has not God made foolish the wisdom of the world? For since in the wisdom of God the world through its wisdom did not know him, God was pleased through the foolishness of what was preached to save those who believe.»

Throughout the whole length of the Bible, we find the message that where God intervenes, things get turned upside down – or, more accurately, get put back on their feet again. One day, we shall experience «God’s upside-down world» in all its dimensions! 
In this New Year, where do we expect, and where can we be involved in bringing about, that things will not simply take their «usual» course, but instead become part of God’s «illogical, crazy order»? Where does our art perhaps also speak of this?

The TUNE IN editorial team joins other members of the Crescendo staff in wishing you most sincerely a «crazy» year!

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan 

DEUTSCH
 
Am Anfang eines neuen Jahres fragen wir uns: Was wird es bringen? Wird Alles seine Ordnung haben: in unserem Privat-Leben, in unserem Beruf (als Künstler), in unseren Familien? Dass die Welt in Unordnung ist, ist allerdings eine traurige Tatsache. Die Welt erscheint oft wie eine umgekehrte Ordnung.
 
Der Hase erschiesst den Jäger
I
n der Kulturgeschichte taucht immer wieder das Motiv der «verkehrten Welt» auf. Einmal in Kinder- und Jugendbüchern. Es war lustig, Hasen zu sehen, die auf den Jäger schiessen. Aber warum taucht das gleiche Motiv zum Beispiel am Basler Rathaus auf? Wohl um vor der «Umkehrung der Verhältnisse» zu warnen. Dazu gehörten auch Schreckensvisionen wie Frauen als Soldaten und Männer am Herd (!) oder in der Reformationszeit Priester auf den Feldern und Bauern als Priester am Altar.
Als Warnung fand das Motiv auch in der Literatur Verbreitung. Im deutschen Barockroman diente es etwa dazu, den Abfall von der göttlichen Ordnung zu brandmarken, wie sie im Dreissigjährigen Krieg auf schrecklichste Weise Realität wurde.  
 
Gottes Gericht
Auch in der Bibel lesen wir davon, wie sich die Ordnung umkehrt. Dies geschieht dort, wo Gott Gericht hält: «Siehe, der HERR macht das Land leer und wüst und wirft um, was darin ist, und zerstreut seine Einwohner. Und es geht dem Priester wie dem Volk, dem Herrn wie dem Knecht, der Frau wie der Magd, dem Verkäufer wie dem Käufer, dem Leiher wie dem Borger, dem Mahnenden wie dem Schuldner.» Wie ist das zu verstehen? Diese «verkehrte Welt» ist nicht, was Gott, sondern was der Mensch wollte! Gott nimmt, weil man ihn ablehnt, seine schützende Hand über uns weg – und das Chaos bricht los.
 
Gottes «verkehrte Welt»
Aber Gott will gar nicht, dass die Welt im Chaos versinkt und noch verkehrter wird als sie schon jetzt ist. Er ruft uns zurück zur Ordnung. Aber was heisst «Ordnung» bei Gott? Sie heisst nicht Chaos, ist aber auf besondere Weise eine völlig «verkehrte Welt». Hier einige Beispiele:
 
Der Löwe frisst Stroh
Jesaja 65,25: «Wolf und Lamm sollen weiden zugleich, der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind, und die Schlange soll Erde essen.» Hier wirft Jesaja einen Blick in die zukünftige Welt Gottes.
 
Kaufen ohne Geld
Jesaja 55, 1-2: «Die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!» Gottes Gnade ist unlogisch. Aber Gottes Logik deckt auf, dass wir eigentlich unlogisch sind: «Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!»
 
Letzte werden Erste, Erste werden Letzte
Matthäus 19,30 und 20,16 spricht davon, dass viele, die Erste sind, die Letzten sein werden und Letzte die Ersten. Dazwischen steht ein Paradebeispiel für Gottes «verkehrte Welt»: Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, die trotz unterschiedlichem Arbeitsaufwand alle gleich viel Lohn erhalten.
 
Gottes Torheit ist weiser als menschliche Weisheit
1.Korinther 1, 25: «Denn die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind; und die göttliche Schwachheit ist stärker, als die Menschen sind.(…) Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist» 20f.: «Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben.»
 
Quer durch die Bibel zieht sich die Botschaft, dass dort, wo Gott eingreift, die Dinge auf den Kopf– oder besser gesagt: wieder auf die Füsse gestellt werden. Eines Tages wird die «verkehrte Welt Gottes» vollumfänglich erfahrbar!
Wo erwarten wir im neuen Jahr und wie können wir selber daran beteiligt sein, dass die Dinge nicht ihren «gewöhnlichen» Lauf nehmen, sondern in Gottes «unlogische, verrückte Ordnung» hineinkommen? Wo spricht vielleicht auch unsere Kunst davon?
 
Das TUNE IN Redaktionsteam wünschen euch mit den anderen Mitarbeitern von Crescendo von Herzen ein «verrücktes» Jahr!
 

Ich habe neulich im Buch eines Modeautors gelesen, die Gespenster seien ver­schwun­­den, weil das elektrische Licht aufkam. Welch ein Unsinn! Der Autor, der auf dem Gebiet des Übernatürlichen gerne dilettiert, hat sein Thema nicht einmal ge­streift. Wenn es um turmbewehrte, von geköpften Opfern mit klirrenden Ketten be­wach­te Schlösser und komfortable Vorstadthäuser mit Kühlschrank und Zentralhei­zung geht, wo man, sobald man sie betritt, spürt: irgendwas stimmt hier nicht – ziehe ich für den Schauer, der einem über den Rücken läuft, letztere vor. Und ist es nicht auf­­fällig, dass es im allgemeinen nicht die Überempfindlichen und Phantasiebegab­ten sind, die Gespenster sehen, sondern die ruhigen, nüchternen Leute, die nicht an sie glauben und sicher sind, es würde ihnen nichts ausmachen, wenn sie eines sä­hen?

Edith Wharton, Allerseelen, englisch 1937.

Ja, es ist so. Der Intellektuelle, der sich für gebildet und aufgeklärt hält und sich da­her agnostisch oder atheistisch nennt, beschäftigt sich mehr mit Gott als der normale Fromme. Die Epoche, die sich für weitgereist und welt­­er­fahren hält und sich daher sä­­kular und areligiös nennt, pflegt an Halloween kelti­sche Geister und am Dia de los Muertos aztekische Götter. Die Po­pularkul­tur, die sich für befreit und ermächtigt hält und sich daher emanzipiert und autonom nennt, fällt bei Popkonzerten in Ekstase und singt Hymnen in Fankur­ven.

Ja, es ist so, achtzig Jahre nach Ghosts noch intensiver so: Das in­tel­lektuell, post­mo­­dern und nachchristlich unaufhörlich behauptete Verschwundensein von Religi­on för­dert die Rück­kehr der Geister durch je­de nur denkbare Hintertür. Die emanzi­pier­te Ame­rikanerin bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: Ein Modeautor verbrei­tet in einem Bestsel­ler diesen Unsinn, weil er Mode ist und sich gut verkauft. Er dilet­tiert ger­ne, weil sich das rechnet. Man will es so haben. Man bekommt es.

Ja, es ist so. Der blutrünstige Film, der einen Horror aus ferner Vergangenheit oder fer­ner Zukunft aufdringlich beschwört, so steretyp und redundant, dass das Blut von der Kinoleinwand tropft, lässt mich kalt und langweilt, während der lang­sa­me Film, der eine Banalität des Alltags erzählt, in die jäh zwei Blutstropfen fallen, dem Schüler, der gerade hineinbeissen will, von oben aufs Pausenbrot, mir einen Schauer über den Rücken jagt und meine Vorstellungskraft erhitzt.

Reduktion statt Redundanz, Differenz statt Stereotypie: Das alte Rezept für Kultur, die nicht dilettiert, statt neuer Zivilisation, die gebildet tut, ist das eine. Das andere sind Erklärungen, die als passe-par-touts weitergereichert und nie hinterfragt wer­den, weil sie so unmittelbar einzuleuchten scheinen: Gespenster seien ver­schwun­­­den, weil das elektrische Licht aufkam. In technologischer Attitüde ist dies derselbe Un­sinn, den es auch in philosophischer Attitüde gibt: Die Epoche der Auf­klärung, the Age of Enlightenment, le Siècle des Lumières habe allen, die denken, das Licht der Erkenntnis gebracht und das Mittelalter als finster entlarvt.

Die Stärke des Unsinns ist seine Beliebtheit. Sie nährt ihn von Generation zu Gene­ration. So wird er zum Instrument geistiger Gängelung, das jeder gerne benutzt, der sich gerne herrschen sieht. Beispiele von 2020 ähneln denen von 1937.

Dabei wäre aus der finsteren Welt der Alten mancherlei Auf­­klärung zu holen. Prome­theus etwa, der vorausdenkt statt hinterher, bringt den Menschen das Feuer gegen den Willen der Götter. Zur Strafe wird er an eine Steilwand des Kaukasus gefesselt, wo ihm regelmässig ein Adler die nachwachsende Leber wegfrisst. Erleuchtung und Erkenntnis sind das Geschenk eines leidenden Gottes! Es zu leugnen, auch den, der sagt, er sei das Licht der Welt (Joh 8,12), ist und bleibt dilettierender Unsinn.

Zusammen mit der Choreografin Mirjam Gurtner, professionellen Tänzer*innen und Amateurtänzer*innen erforschen wir in der Gruppe die Bedeutung von «Zuhause» im Körper. Wie betrachten sich Menschen zwischen Distanz und Nähe? Wie wird «Zuhause» im Körper sichtbar?ALMOST HOME wird als eine Performance-Installation in einem Hotel in Zürich während dem ZÜRICH TANZT FESTIVAL 2020 aufgeführt.

Die Ausschreibung richtet sich an tanzbegeisterte Menschen mit und ohne Behinderungen. Wer hat Lust und Zeit mitzutanzen? Infos gibt es HIER.

ENGLISH

When the Swiss church was looking for new stained-glass windows for the Minster in Basel in the 1980s, the Basel artist Samuel Buri (*1935) was among those who submitted designs. These did indeed make it onto the shortlist, along with non-figurative ideas by Brice Marden, but got no further when the decision went in favour of the old windows which originated in the 19th century.

Word, pictures and music in the Swiss Reformation
Now, however, some windows by Samuel Buri can be seen in a small chapel next to the Minster. Their concept corresponds to the focus on the Word as implemented very consistently (often all too consistently) in the tradition of the Swiss Reformation. One need think only of the forbidding of pictures and the banishing of music instruments from divine service in the reformed Church. And yet the reformer Zwingli (1484-1531) was himself a gifted musician. And in contact with everyday life. That is why there were no wafers on the communion table, but the same bread as people ate at home. 

The ideal of «simplicity»
Behind the typical reformed aesthetics, with their ideal of «simplicity», was the concern to direct the congregation towards the essential and to enable believers to «participate inwardly» without distraction. This inward participation could only be created with a simplified liturgy: «Bright and clear is how the service should be: the walls of the church interior are empty and white, the celebration is without singing and music, the prayers are no long litanies and are centred on God, the sermon no longer follows an order set by the lectionary, whose significance is known only to the minister, but rather a lectio continua.» [1] Congregational singing was only important as a response from the congregation, that is, a profession what they had heard. This profession by the congregation could not be omitted, however. «Where this is no longer permitted, the sermon is in danger of becoming a lecture on worldviews, and with the church as a lecture theatre.” [2] But, on the other hand, the songs should on no account be «pious emotion set to music». Music, like figurative pictures, was suspect. 

Buri’s «word-windows» 
Nevertheless, the 19th-century glass in Basel Minster contains representations of figures from the Bible, central among them the Evangelists, who are shown (what else could one expect?) in their intensive intellectual and scribal work in the service of the «Word». What course, then, does Samuel Buri take? He creates «word-windows» and thus responds to the culture of the Swiss church. At the same time, the words form an abstract pattern and can be recognised only when examined carefully: «WUNDERBAR RAT, KRAFT, HELD, EWIGER VATER, FRIEDEFÜRST» [«Wonderful, Counsellor, Mighty, Hero, Eternal Father, Prince of Peace»]. These are the prophetic words from Isaiah 9,6 which help to prepare our hearts for the Christmas season. The colours are restrained. The script is white and contrasts only weakly with the mosaic-like background in soft blue. It fits in with the surrounding structure of the window frame, but continues behind the pillars. The stone structure is similarly respected in the upper part of the window, but at the same time it is cut across by three single-colour surfaces. One could see in this symbol for the Trinity, free to cross all boundaries, and revealing itself further below in the «child» of Isaiah 9.

Conformation and reformation of the reformed tradition
With these windows, Samuel Buri has conformed to the reformed tradition in creating word-images which, with modern stylistic means, subtly lead the church towards art once again. This is good and astute. Buri has illustrated the Zürich Bible in the same way. There, he allows himself greater freedom in expressing his penchant for stronger colouring.

Theological meaning
If one looks into this artist’s works, one repeatedly encounters the motif of a window into which colours penetrate with astonishing intensity. Or putting it the other way round: Buri’s windows open onto an intensive fullness of life. When the artistic avant-garde of Basel put on an experimental exhibition in the “Kunsthalle Basel” in 1969, Samuel Buri had the visitors climb through a window to enter the galleries. I visited the exhibition with my parents and can remember this action, which caused great amusement among all those attending. But perhaps there was in fact a deeper meaning behind it: For Buri, a window leads to fullness of life. If one looks closely at the stained-glass windows in Basel Minster, one may discern what seems to be a landscape in the background behind the letters. The letters open up for us a clear view of the life which is promised by these wonderful words in Isaiah. 
And life comes from the «Wonderful, Counsellor, Mighty, Hero, Eternal Father, Prince of Peace»! May we experience this in the upcoming days and in the new year! 

Question:
Perhaps we could take a few moments to ask ourselves this (or speak with other people about it): Where do we experience that God’s Son is everything that Isaiah promises? And where do we wish to experience this  in the new year?

[1] Ralf Kunz. Gottesdienst evangelisch-reformiert. Liturgik und Liturgie in der Kirche Zwinglis. Zürich, 2006.
[2] Schweizer, J. Zur Ordnung des Gottesdienstes in den nach Gottes Wort reformierten Gemeinden der deutsch-sprachigen Schweiz. Basel 1944

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan – a shortened version of this text was first published by www.artway.eu / ArtWay Visual Meditation 8 December 2019

DEUTSCH

Als in den 1980-er Jahren für das Basler Münster neue Glasfenster gesucht wurden, reichte auch der Basler Künstler Samuel Buri (*1935) Entwürfe ein. Sie kamen zwar zusammen mit nicht-figurativen Eingaben von Brice Mardenin die engere Auswahl, blieben dann aber zugunsten der Entscheidung für die alten, aus dem 19.Jahrhundert stammenden Fenster unberücksichtigt.

Wort, Bilder und Musik in der Schweizer Reformation
Nun sind doch einige Fenster von Samuel Buri in einer kleinen Kapelle neben dem Münster zu sehen. Ihre Gestaltung entspricht der Fokussierung auf das Wort, wie sie in der Tradition der schweizerischen Reformation sehr konsequent (oft allzu konsequent) durchgesetzt wurde. Man denke an das Bilderverbot und an die Verbannung der Musikinstrumente aus dem Gottesdienst der reformierten Kirche. Dabei war der Reformator Zwingli (1484-1531) selber ein begabter Musiker. Aber sein Gottesdienst sollte schlicht sein. Und alltagsnah. Deshalb lagen auf dem Abendmahlstisch keine Oblaten, sondern dasselbe Brot, das man jeden Tag zuhause ass.

Das Ideal der «Einfachheit»
Hinter der typisch reformierten Ästhetik mit ihrem Ideal der «Einfachheit» stand das Anliegen, die Gemeinde auf das Wesentliche auszurichten und ihr eine «innere Beteiligung» ohne Ablenkung zu ermöglichen. Diese innere Beteiligung konnte nur durch eine vereinfachte Liturgie hergestellt werden: «Klar und hell soll der Gottesdienst sein: die Wände des Kirchenraums sind leer und weiss, die Feier ist ohne Gesang und Musik, die Gebete sind keine langen Litaneien und auf Gott zentriert, die Predigt folgt keiner Perikopenordnung mehr, deren Sinn nur dem Liturgen bekannt ist, sondern einer lectio continua.» [1] Kirchenlieder waren nur wichtig als Antwort der Gemeinde, das heisst als Bekenntnis zum Gehörten. Dieses Bekenntnis der Gemeinde durfte allerdfings nicht wegfallen. «Wo dies nicht mehr sein darf, läuft die Predigt Gefahr, zu einem weltanschaulichen Vortrag zu werden, die Kirche aber zum Hörsaal.» [2] Aber andererseits durften die Lieder eben keine «vertonten frommen Erregungen» sein. Musik war suspekt wie auch figurative Bilder. Die Basler Münsterscheiben aus dem 19.Jahrhundert stellen allerdings Gestalten aus der Bibel dar, darunter zentral die Evangelisten, die (wen wundert es?) in ihrer intensiven Denk- und Schreibarbeit im Dienst des «Wortes» gezeigt werden.

Buris «Wort-Fenster» 
Wie verfährt nun Samuel Buri? Er schafft «Wort-Fenster» und kommt so der Kultur der Schweizer Kirche entgegen. Zugleich bilden die Worte ein abstraktes Gebilde und sind nur bei genauem Hinsehen zu entziffern: «WUNDERBAR, RAT, KRAFT, HELD, EWIGER VATER, , FRIEDEFÜRST». Es sind die prophetischen Worte aus Jesaja 9,6, die uns in die Weihnachtszeit einstimmen. Die Farbgebung ist verhalten. Die Schrift ist weiss und hebt sich nur schwach von einem dezent blauen, mosaikartigen Hintergund ab. Sie fügt sich in die Struktur des Fensterrahmens ein, läuft aber hinter den Pfeilern durch. Auch im oberen Teil des Fensters wird die Struktur berücksichtigt und gleichzeitig von drei einfarbigen Flächen durchbrochen. Man könnte darin das Symbol der alle Strukturen transgredierenden Dreieinigkeit sehen, die sich nach unten hin im «Kind» aus Jesaja 9 offenbart.

Bestätigung und Reformierung der reformierten Tradition
Samuel Buri gelingen mit diesen Fenstern reformatorische Wort-Bilder, die die Kirche mit modernen Stilmitteln wieder subtil an die Kunst heranführen. Das ist gut und schlau. Buri hat auf dieselbe Weise die Zürcher Bibel illustriert. Dort lässt er seinem Hang zu starker Farbgebung freien Lauf.

Theologische Bedeutung
Sichtet man das Werk des Künstlers, so begegnet immer wieder das Motiv des Fensters, in das Farben mit ungeheurer Intensität eindringen. Oder umgekehrt gesagt: Buris Fenster öffnen sich zu einer intensiven Lebensfülle hin. Als 1969 in der Basler Kunsthalle die künstlerische Avantgarde der Stadt eine experimentelle Ausstellung gestaltete, liess Samuel Buri die Besucher durch ein Fenster in die Hallen steigen. Ich kann mich an diese Aktion erinnern, die ich als Kind miterlebt habe. Sie wurde von den Besuchern belustigt zu Kenntnis genommen wurde. Aber vielleicht steckte ja ein tieferer Sinn dahinter: Das Fenster führt bei Buri zur Lebensfülle. Betrachtet man das Glasfenster im Basler Münster genau, so kann man im Hintergrund der Schrift eine Landschaft vermuten. Die Schrift gibt den Blick frei auf das Leben, das diese wunderbaren Worte von Jesaja verheissen.
Und das Leben kommt von dem, der «WUNDERBAR, RAT, KRAFT, HELD, EWIGER VATER, FRIEDEFÜRST» ist! Mögen wir dies in den kommenden Tagen und im Neuen Jahr erfahren!

Frage:
Vielleicht nehmen wir uns einige Augenblicke Zeit und fragen uns (oder sprechen mit anderen darüber): Wo erfahren wir, dass Gottes Sohn all das ist, was Jesaja verheisst? Und wo möchten wir es im nächsten Jahr erfahren?

[1] Ralf Kunz. Gottesdienst evangelisch-reformiert. Liturgik  und Liturgie in der Kirche Zwinglis. Zürich 2006.
[2] Schweizer, J. Zur Ordnung des Gottesdienstes in den nach Gottes Wort reformierten Gemeinden der deutsch-sprachigen Schweiz. Basel 1944

Text: Beat Rink / Eine gekürzte englische Fassung wurde zuerst von www.artway.eu / in der ArtWay Visual Meditation 8 December 2019 veröffentlicht. 


 

ENGLISH

When the Swiss church was looking for new stained-glass windows for the Minster in Basel in the 1980s, the Basel artist Samuel Buri (*1935) was among those who submitted designs. These did indeed make it onto the shortlist, along with non-figurative ideas by Brice Marden, but got no further when the decision went in favour of the old windows which originated in the 19th century.

Word, pictures and music in the Swiss Reformation
Now, however, some windows by Samuel Buri can be seen in a small chapel next to the Minster. Their concept corresponds to the focus on the Word as implemented very consistently (often all too consistently) in the tradition of the Swiss Reformation. One need think only of the forbidding of pictures and the banishing of music instruments from divine service in the reformed Church. And yet the reformer Zwingli (1484-1531) was himself a gifted musician. And in contact with everyday life. That is why there were no wafers on the communion table, but the same bread as people ate at home. 

The ideal of «simplicity»
Behind the typical reformed aesthetics, with their ideal of «simplicity», was the concern to direct the congregation towards the essential and to enable believers to «participate inwardly» without distraction. This inward participation could only be created with a simplified liturgy: «Bright and clear is how the service should be: the walls of the church interior are empty and white, the celebration is without singing and music, the prayers are no long litanies and are centred on God, the sermon no longer follows an order set by the lectionary, whose significance is known only to the minister, but rather a lectio continua.» [1] Congregational singing was only important as a response from the congregation, that is, a profession what they had heard. This profession by the congregation could not be omitted, however. «Where this is no longer permitted, the sermon is in danger of becoming a lecture on worldviews, and with the church as a lecture theatre.” [2] But, on the other hand, the songs should on no account be «pious emotion set to music». Music, like figurative pictures, was suspect. 

Buri’s «word-windows» 
Nevertheless, the 19th-century glass in Basel Minster contains representations of figures from the Bible, central among them the Evangelists, who are shown (what else could one expect?) in their intensive intellectual and scribal work in the service of the «Word». What course, then, does Samuel Buri take? He creates «word-windows» and thus responds to the culture of the Swiss church. At the same time, the words form an abstract pattern and can be recognised only when examined carefully: «WUNDERBAR RAT, KRAFT, HELD, EWIGER VATER, FRIEDEFÜRST» [«Wonderful, Counsellor, Mighty, Hero, Eternal Father, Prince of Peace»]. These are the prophetic words from Isaiah 9,6 which help to prepare our hearts for the Christmas season. The colours are restrained. The script is white and contrasts only weakly with the mosaic-like background in soft blue. It fits in with the surrounding structure of the window frame, but continues behind the pillars. The stone structure is similarly respected in the upper part of the window, but at the same time it is cut across by three single-colour surfaces. One could see in this symbol for the Trinity, free to cross all boundaries, and revealing itself further below in the «child» of Isaiah 9.

Conformation and reformation of the reformed tradition
With these windows, Samuel Buri has conformed to the reformed tradition in creating word-images which, with modern stylistic means, subtly lead the church towards art once again. This is good and astute. Buri has illustrated the Zürich Bible in the same way. There, he allows himself greater freedom in expressing his penchant for stronger colouring.

Theological meaning
If one looks into this artist’s works, one repeatedly encounters the motif of a window into which colours penetrate with astonishing intensity. Or putting it the other way round: Buri’s windows open onto an intensive fullness of life. When the artistic avant-garde of Basel put on an experimental exhibition in the “Kunsthalle Basel” in 1969, Samuel Buri had the visitors climb through a window to enter the galleries. I visited the exhibition with my parents and can remember this action, which caused great amusement among all those attending. But perhaps there was in fact a deeper meaning behind it: For Buri, a window leads to fullness of life. If one looks closely at the stained-glass windows in Basel Minster, one may discern what seems to be a landscape in the background behind the letters. The letters open up for us a clear view of the life which is promised by these wonderful words in Isaiah. 
And life comes from the «Wonderful, Counsellor, Mighty, Hero, Eternal Father, Prince of Peace»! May we experience this in the upcoming days and in the new year! 

Question:
Perhaps we could take a few moments to ask ourselves this (or speak with other people about it): Where do we experience that God’s Son is everything that Isaiah promises? And where do we wish to experience this  in the new year?

[1] Ralf Kunz. Gottesdienst evangelisch-reformiert. Liturgik und Liturgie in der Kirche Zwinglis. Zürich, 2006.
[2] Schweizer, J. Zur Ordnung des Gottesdienstes in den nach Gottes Wort reformierten Gemeinden der deutsch-sprachigen Schweiz. Basel 1944

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan – a shortened version of this text was first published by www.artway.eu / ArtWay Visual Meditation 8 December 2019

DEUTSCH

Als in den 1980-er Jahren für das Basler Münster neue Glasfenster gesucht wurden, reichte auch der Basler Künstler Samuel Buri (*1935) Entwürfe ein. Sie kamen zwar zusammen mit nicht-figurativen Eingaben von Brice Mardenin die engere Auswahl, blieben dann aber zugunsten der Entscheidung für die alten, aus dem 19.Jahrhundert stammenden Fenster unberücksichtigt.

Wort, Bilder und Musik in der Schweizer Reformation
Nun sind doch einige Fenster von Samuel Buri in einer kleinen Kapelle neben dem Münster zu sehen. Ihre Gestaltung entspricht der Fokussierung auf das Wort, wie sie in der Tradition der schweizerischen Reformation sehr konsequent (oft allzu konsequent) durchgesetzt wurde. Man denke an das Bilderverbot und an die Verbannung der Musikinstrumente aus dem Gottesdienst der reformierten Kirche. Dabei war der Reformator Zwingli (1484-1531) selber ein begabter Musiker. Aber sein Gottesdienst sollte schlicht sein. Und alltagsnah. Deshalb lagen auf dem Abendmahlstisch keine Oblaten, sondern dasselbe Brot, das man jeden Tag zuhause ass.

Das Ideal der «Einfachheit»
Hinter der typisch reformierten Ästhetik mit ihrem Ideal der «Einfachheit» stand das Anliegen, die Gemeinde auf das Wesentliche auszurichten und ihr eine «innere Beteiligung» ohne Ablenkung zu ermöglichen. Diese innere Beteiligung konnte nur durch eine vereinfachte Liturgie hergestellt werden: «Klar und hell soll der Gottesdienst sein: die Wände des Kirchenraums sind leer und weiss, die Feier ist ohne Gesang und Musik, die Gebete sind keine langen Litaneien und auf Gott zentriert, die Predigt folgt keiner Perikopenordnung mehr, deren Sinn nur dem Liturgen bekannt ist, sondern einer lectio continua.» [1] Kirchenlieder waren nur wichtig als Antwort der Gemeinde, das heisst als Bekenntnis zum Gehörten. Dieses Bekenntnis der Gemeinde durfte allerdfings nicht wegfallen. «Wo dies nicht mehr sein darf, läuft die Predigt Gefahr, zu einem weltanschaulichen Vortrag zu werden, die Kirche aber zum Hörsaal.» [2] Aber andererseits durften die Lieder eben keine «vertonten frommen Erregungen» sein. Musik war suspekt wie auch figurative Bilder. Die Basler Münsterscheiben aus dem 19.Jahrhundert stellen allerdings Gestalten aus der Bibel dar, darunter zentral die Evangelisten, die (wen wundert es?) in ihrer intensiven Denk- und Schreibarbeit im Dienst des «Wortes» gezeigt werden.

Buris «Wort-Fenster» 
Wie verfährt nun Samuel Buri? Er schafft «Wort-Fenster» und kommt so der Kultur der Schweizer Kirche entgegen. Zugleich bilden die Worte ein abstraktes Gebilde und sind nur bei genauem Hinsehen zu entziffern: «WUNDERBAR, RAT, KRAFT, HELD, EWIGER VATER, , FRIEDEFÜRST». Es sind die prophetischen Worte aus Jesaja 9,6, die uns in die Weihnachtszeit einstimmen. Die Farbgebung ist verhalten. Die Schrift ist weiss und hebt sich nur schwach von einem dezent blauen, mosaikartigen Hintergund ab. Sie fügt sich in die Struktur des Fensterrahmens ein, läuft aber hinter den Pfeilern durch. Auch im oberen Teil des Fensters wird die Struktur berücksichtigt und gleichzeitig von drei einfarbigen Flächen durchbrochen. Man könnte darin das Symbol der alle Strukturen transgredierenden Dreieinigkeit sehen, die sich nach unten hin im «Kind» aus Jesaja 9 offenbart.

Bestätigung und Reformierung der reformierten Tradition
Samuel Buri gelingen mit diesen Fenstern reformatorische Wort-Bilder, die die Kirche mit modernen Stilmitteln wieder subtil an die Kunst heranführen. Das ist gut und schlau. Buri hat auf dieselbe Weise die Zürcher Bibel illustriert. Dort lässt er seinem Hang zu starker Farbgebung freien Lauf.

Theologische Bedeutung
Sichtet man das Werk des Künstlers, so begegnet immer wieder das Motiv des Fensters, in das Farben mit ungeheurer Intensität eindringen. Oder umgekehrt gesagt: Buris Fenster öffnen sich zu einer intensiven Lebensfülle hin. Als 1969 in der Basler Kunsthalle die künstlerische Avantgarde der Stadt eine experimentelle Ausstellung gestaltete, liess Samuel Buri die Besucher durch ein Fenster in die Hallen steigen. Ich kann mich an diese Aktion erinnern, die ich als Kind miterlebt habe. Sie wurde von den Besuchern belustigt zu Kenntnis genommen wurde. Aber vielleicht steckte ja ein tieferer Sinn dahinter: Das Fenster führt bei Buri zur Lebensfülle. Betrachtet man das Glasfenster im Basler Münster genau, so kann man im Hintergrund der Schrift eine Landschaft vermuten. Die Schrift gibt den Blick frei auf das Leben, das diese wunderbaren Worte von Jesaja verheissen.
Und das Leben kommt von dem, der «WUNDERBAR, RAT, KRAFT, HELD, EWIGER VATER, FRIEDEFÜRST» ist! Mögen wir dies in den kommenden Tagen und im Neuen Jahr erfahren!

Frage:
Vielleicht nehmen wir uns einige Augenblicke Zeit und fragen uns (oder sprechen mit anderen darüber): Wo erfahren wir, dass Gottes Sohn all das ist, was Jesaja verheisst? Und wo möchten wir es im nächsten Jahr erfahren?

[1] Ralf Kunz. Gottesdienst evangelisch-reformiert. Liturgik  und Liturgie in der Kirche Zwinglis. Zürich 2006.
[2] Schweizer, J. Zur Ordnung des Gottesdienstes in den nach Gottes Wort reformierten Gemeinden der deutsch-sprachigen Schweiz. Basel 1944

Text: Beat Rink / Eine gekürzte englische Fassung wurde zuerst von www.artway.eu / in der ArtWay Visual Meditation 8 December 2019 veröffentlicht. 


 

Nach drei Minuten hörten wir den nächsten Abschuss. Der Einschlag lag diesmal et­was näher. Wieder sahen wir einander an. Alle drei waren wir alte Soldaten. Das Merk­mal des alten Soldaten ist, dass er vermeidbare Risiken vermeidet. Es war Zeit, in den Keller zu gehen. Der zweite Satz ging zu Ende. Sollen wir, oder sollen wir nicht? Mitten im dritten Satz hörten wir den dritten Abschuss. Ich fragte Mokassin: Willst du nicht lieber in den Keller gehen? Mokassin sah mich böse an: Meen’ Se, ick wär nich’ musikalisch? Na, mein Tapferer, nicht gleich einschnappen! Prost! Wir tran­ken. Mokassin schenkte wieder ein. Das Scherzo war zu Ende. Regau sagte: Jetzt kommt das schönste Stück Musik, das es auf der Welt gibt. Die Posaunenchöre im vierten Satz! Das ist wie von Engeln gespielt.

Peter Bamm, Die unsichtbare Flagge, 1952.

Die Szenerie ist grotesk und skurril. Peter Bamm, Schriftsteller und Chirurg, befindet sich in Heiligenbeil am Frischen Haff, südwestlich von Königsberg. Es ist sein letztes Laza­rett. Die Kesselschlacht von Heiligenbeil währt vom 26. Januar bis zum 29. März 1945. Nun nähert sie sich ihrer entscheidenden Phase. Sech­zehn Divisionen sind aus­sichtslos eingekesselt von sechs Armeen, die un­auf­­halt­sam vorrücken. Im Febru­ar hatte Bamm noch grauenhaft viel Arbeit. Täglich wurden bis vierhundert Verwun­de­te ein­geliefert, dreizehntausend in einem Mo­nat. Nun gibt fast nichts mehr zu tun. Der Krieg fällt in Agonie.

Bamm sitzt mit zwei Mitarbeitern in der Villa eines Fabrikanten. In der Hal­le des Flug­zeugbauers befindet sich das Lazarett. Ihr Besitzer ist längst im si­che­ren Westen. Im Salon hängen Ölgemälde. Die drei finden eine Kaffeemaschi­ne und ein riesiges Gram­­mophon. Auch Cognacgläser sind zur Hand. Die letzte Fla­sche macht die Run­de. Während sie in Clubsesseln andächtig der Musik lauschen, pfeifen grosskalibrige Geschosse über die Villa hinweg. Immer nä­her kommen die Russen. Nach sechs Jah­ren Russlandfeldzug erkennen die Män­ner jede Gefahr am Ton. Bruckners dritte Symponie in d-moll liegt auf. Sie hat vier Sätze und dauert sechzig Mi­nuten. Draus­sen wird es brenzlig, doch drin­nen nähert sich die Apotheose im letzten Satz. Der eng­ste Mitarbeiter findet ihn das schönste Stück Musik, das es auf der Welt gibt. Er hört Engel die monumentalen Po­saunen­chöre spielen. Bamms Faktotum, hörbar eine Berliner Schnauze, will nicht in den Keller. Sie hören alles zu Ende.

Typisch für Bruckner, überlagern sich im vierten Satz gegensätzliche Mo­­ti­ve: Wäh­rend Bläser ernste Choralthemen vortragen, tänzeln Streicher in einer Polka daher. Bamms Kollege empfindet dies als eine sinnvolle Gestaltung des Satzes ‘Mitten wir im Leben sind vom Tod umfangen’. So entsteht ein grosser Bogen von der klösterli­chen Antiphon Media vita in morte sumus aus dem elften Jahrhundert über Luthers Verdeutschung im Gemeindelied Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen, das zu seiner Zeit den Schwarzen Tod um sich wusste, bis zur Gegenwart im Kriegs­kessel am Haff, wo im Zusammenspiel von Bruck­ner­musik und Stalinorgel ein neuer Totentanz entsteht, grotesk und skurril.

Antiphon, Lutherlied, Brucknersymphonie: Bildung und Erinnerung schenken dem tod­geweihten Trio ein terminales Erlebnis. Der Krieg ist in Agonie. Die Welt geht un­ter. Das Inferno steht vor der Tür. Bamm und seine Mitarbeiter verbringen ihre letzte Stunde. Ein letztes Stück Kosmos blitzt auf im Angesicht des Chaos.

Übrigens: Achtzigtausend deutsche Soldaten sind in diesen zwei Monaten gefallen oder schwer verwundet worden. Fünfzigtausend gingen in Gefangenschaft. Bamm ent­kam in letzter Sekunde mit einem Sprung aufs abfahrende letzte Boot nach Pillau und von dort mit einem der letzten Schiffe nach Kopenhagen. Dem Tod entwischt.

ENGLISH
   
As a continuation of the observations made in TUNE IN 312, let us listen once again to the theologian Rudolf Bohren, who speaks in his book «Dass Gott schön werde» [= «So that God may become beautiful»] of how churches become boring without aesthetics.
 
God’s Spirit and Art
The fact is that God’s Spirit wishes to reveal himself in art and to work through art. But how? After all, art is always created by man – and in many cases by persons who do not believe in God in any way! And art is never «pure» and is always human. And sometimes, it appears, it is even permeated by other spirits. How, then, can God’s Spirit work through art, if it is never entirely «pure»?
Here Bohren speaks of how we must find a new understanding of the working of the Holy Spirit.
 
The diminished form of God
At Christmas we celebrate the fact that God became man. The Word became flesh. At Pentecost, however, the Spirit was poured out on all flesh. «He did not become human, as God became man, but He came into man.» One can therefore say that God diminished himself: «In the Spirit, God is present to man in a modality* different to the one in which he was present in Christ. The Spirit becomes anonymous, can hardly be identified anymore, He becomes mixed in with the human. He can hide himself, He can become lost in man; for now He does not merely unite with the sinless Man from Nazareth, but with the sinner, wherever he is, and this uniting and mixing takes many forms. As an impulse and as a gift to do the good and the beautiful in all places…»
 
The Spirit gets involved
«I almost wanted to say that the Holy Spirit appears in manifold tasks. In church and in the world, in nature and culture. By becoming mixed with the human, the Spirit transcends the limits of the human, penetrates into the material. He works by getting involved; the dimension of the creature and of creativity becomes His vehicle.» Here Rudolf Bohren quotes the surprising description in Acts 19,11-12:  «  God did extraordinary miracles through Paul, so that even handkerchiefs and aprons that had touched him were taken to the sick, and their illnesses were cured and the evil spirits left them.» This means (according to Bohren): «God becomes practical all the way through into matter; but neither the material nor the practical become God…»
 
Dangers
The last sentence speaks of the danger that may arise when we see a work of art as being «divine». Often, an artist with Spirit-given gifts (just as other people have other gifts given by the Spirit) may tend to raise himself above others. This, however, saddens God’s Spirit, who is at work in other people.
But, because the Spirit now mixes himself with the human (in art, for example), a discerning of the spirits is necessary: «The mixing of the Spirit with human calls for ‘de-mixing’: the Spirit should be recognised and named.»
 
Conclusion
These theological observations by Rudolf Bohren can help us in practice.

1.
If we understand that God’s Spirit becomes involved and mixes Himself with our spirit, we do not need to make frantic efforts to become “holier” and more Spirit-filled in order to be able to count on His working. We are free to trust that He is happy to work through our imperfection – even in imperfect works of art, created by sinners – but by sinners, who strive for holiness and for being filled with the Holy Spirit.

2.    
If God’s Spirit also wishes to work in the art created by non-Christians, new ways open up for speaking to our colleagues about faith. In this sense, for example, we might ask, «Somehow I detect that God works through your art. How do you see that…?»

3.    
We should never cease to test, intellectually and with the gift of spiritual discernment, whether some art gives space for God’s Spirit and is even permeated by Him, or whether it is in the grip of other spirits who perhaps wish to entice us under their power or to burden us. Then we do well if we regard such art from the right inner distance or if we cease to concern ourselves with it any further.
 
 * Modality = manner, form.  
 
Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH


Als Fortsetzung der Ausführungen im TUNE IN 312 hören wir nochmals auf den Theologen Rudolf Bohren, der in seinem Buch «Dass Gott schön werde» davon spricht, dass die Kirchen ohne Ästhetik langweilig werden.

Gottes Geist und Kunst
Gottes Geist will sich nämlich auch in der Kunst zeigen und durch Kunst hindurch wirken. Wie das? Kunst ist doch immer von Menschen geschaffen – womöglich von Menschen, die gar nicht an Gott glauben! Und Kunst ist nie «rein» und frei von Menschlichem. Und sie ist manchmal sogar, so scheint es, von anderen Geistern durchdrungen. Wie kann dann Gottes Geist durch Kunst hindurch wirken, wenn diese nie ganz «rein» ist?
Bohren spricht nun davon, dass wir das Wirken des Heiligen Geistes neu verstehen müssen.

Die Verkleinerung Gottes
An Weihnachten feiern wir, dass Gott Mensch wurde. Das Wort wurde Fleisch. An Pfingsten aber wurde der Geist über das Fleisch ausgegossen. «Er wurde nicht Mensch, wie Gott Mensch wurde, er kam in die Menschen.» Man kann also sagen, dass sich Gott verkleinert: «Gott ist im Geist in einer anderen Modalität* dem Menschen gegenwärtig als er in Christus war. Der Geist wird anonym, ist kaum mehr zu identifizieren, er mischt sich mit dem Menschlichen. Er kann sich im Menschen verstecken, er kann sich verlieren; denn nun vereinigt er sich nicht bloss mit dem Sündlosen aus Nazareth, sondern mit dem Sünder von überall und anderswo, und dieses Vereinigen und Vermischen hat vielerlei Gestalt. Als Impuls und als Gabe, das Gute und Schöne zu tun in aller Welt…»

Der Geist mischt sich ein
«Fast möchte ich sagen: Der Heilige Geist erscheint in mannigfacher Ausgabe. Kirchlich und weltlich, in Natur und Kultur. Indem sich der Geist ins Menschliche mischt, geht er über das Menschliche hinaus, geht er hinein ins Materielle. Er wirkt, indem er sich einmischt; das Geschöpfliche, das Gemachte wird sein Vehikel.» Rudolf Bohren führt hier die seltsame Stelle aus Apostelgeschichte 19,11-12 an:  «Auch ungewöhnliche Machttaten tat Gott durch die Hand des Paulus. Sogar seine Schweißbinden und Tücher, die er auf der Haut getragen hatte, nahm man weg und legte sie den Kranken auf; da wichen die Krankheiten und die bösen Geister fuhren aus.» Das heisst (nach Bohren): «Gott wird in die Materie hinein praktisch; aber weder die Materie noch die Praxis werden Gott…»

Gefahren
Der letzte Satz spricht von den Gefahren, die etwa dort auftreten, wo wir ein Kunstwerk als «göttlich» betrachten. Oft neigt auch ein geistbegabter Künstler (so wie ein auf andere Weise geistbegabter Mensch) dazu, sich über andere zu erheben. Damit wird Gottes Geist jedoch betrübt, der auch in anderen Menschen wirkt.
Weil sich der Geist nun aber vermischt (zum Beispiel in der Kunst), braucht es die Prüfung der Geister: «Die Vermischung des Geistes mit dem Menschlichen ruft nach ‘Entmischung’. Der Geist soll erkannt und benannt werden.»

Schlussfolgerung
Diese theologischen Ausführungen von Rudolf Bohren können uns in der Praxis helfen.

1.
Wenn wir verstehen, dass Gottes Geist sich einmischt und vermischt mit unserem Geist, müssen wir nicht krampfhaft versuchen, «heiliger und geisterfüllter» zu werden, um mit seinem Wirken zu rechnen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er gerne durch unsere Unvollkommenheit hindurch wirkt – auch in unvollkommenen Kunstwerken, geschaffen von Sündern. – Aber sicher von Sündern, die nach Heiligung und Geisterfüllung streben.

2.    
Wenn Gottes Geist auch in der Kunst wirken will, die von Nicht-Christen geschaffen werden, öffnen sich neue Wege, um mit unseren Kollegen über den Glauben zu sprechen. So könnten wir dann etwa fragen: «Irgendwie erfahre ich, dass Gott durch deine Kunst wirkt. Wie denkst du darüber…?»

3.    
Wir sollten nicht aufgeben, intellektuell und mit der Gabe der Geistesunterscheidung zu prüfen, ob Kunst Gottes Geist Raum gibt und sogar von ihm durchdrungen ist, oder ob sie stark von anderen Geistern besetzt ist, die uns möglicherweise in ihren Bann ziehen oder belasten. Dann tun wir gut daran, solcher Kunst mit der richtigen inneren Distanz zu begegnen oder sich nicht weiter mit ihr zu beschäftigen.

Text: Beat Rink

ENGLISH
   
As a continuation of the observations made in TUNE IN 312, let us listen once again to the theologian Rudolf Bohren, who speaks in his book «Dass Gott schön werde» [= «So that God may become beautiful»] of how churches become boring without aesthetics.
 
God’s Spirit and Art
The fact is that God’s Spirit wishes to reveal himself in art and to work through art. But how? After all, art is always created by man – and in many cases by persons who do not believe in God in any way! And art is never «pure» and is always human. And sometimes, it appears, it is even permeated by other spirits. How, then, can God’s Spirit work through art, if it is never entirely «pure»?
Here Bohren speaks of how we must find a new understanding of the working of the Holy Spirit.
 
The diminished form of God
At Christmas we celebrate the fact that God became man. The Word became flesh. At Pentecost, however, the Spirit was poured out on all flesh. «He did not become human, as God became man, but He came into man.» One can therefore say that God diminished himself: «In the Spirit, God is present to man in a modality* different to the one in which he was present in Christ. The Spirit becomes anonymous, can hardly be identified anymore, He becomes mixed in with the human. He can hide himself, He can become lost in man; for now He does not merely unite with the sinless Man from Nazareth, but with the sinner, wherever he is, and this uniting and mixing takes many forms. As an impulse and as a gift to do the good and the beautiful in all places…»
 
The Spirit gets involved
«I almost wanted to say that the Holy Spirit appears in manifold tasks. In church and in the world, in nature and culture. By becoming mixed with the human, the Spirit transcends the limits of the human, penetrates into the material. He works by getting involved; the dimension of the creature and of creativity becomes His vehicle.» Here Rudolf Bohren quotes the surprising description in Acts 19,11-12:  «  God did extraordinary miracles through Paul, so that even handkerchiefs and aprons that had touched him were taken to the sick, and their illnesses were cured and the evil spirits left them.» This means (according to Bohren): «God becomes practical all the way through into matter; but neither the material nor the practical become God…»
 
Dangers
The last sentence speaks of the danger that may arise when we see a work of art as being «divine». Often, an artist with Spirit-given gifts (just as other people have other gifts given by the Spirit) may tend to raise himself above others. This, however, saddens God’s Spirit, who is at work in other people.
But, because the Spirit now mixes himself with the human (in art, for example), a discerning of the spirits is necessary: «The mixing of the Spirit with human calls for ‘de-mixing’: the Spirit should be recognised and named.»
 
Conclusion
These theological observations by Rudolf Bohren can help us in practice.

1.
If we understand that God’s Spirit becomes involved and mixes Himself with our spirit, we do not need to make frantic efforts to become “holier” and more Spirit-filled in order to be able to count on His working. We are free to trust that He is happy to work through our imperfection – even in imperfect works of art, created by sinners – but by sinners, who strive for holiness and for being filled with the Holy Spirit.

2.    
If God’s Spirit also wishes to work in the art created by non-Christians, new ways open up for speaking to our colleagues about faith. In this sense, for example, we might ask, «Somehow I detect that God works through your art. How do you see that…?»

3.    
We should never cease to test, intellectually and with the gift of spiritual discernment, whether some art gives space for God’s Spirit and is even permeated by Him, or whether it is in the grip of other spirits who perhaps wish to entice us under their power or to burden us. Then we do well if we regard such art from the right inner distance or if we cease to concern ourselves with it any further.
 
 * Modality = manner, form.  
 
Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH


Als Fortsetzung der Ausführungen im TUNE IN 312 hören wir nochmals auf den Theologen Rudolf Bohren, der in seinem Buch «Dass Gott schön werde» davon spricht, dass die Kirchen ohne Ästhetik langweilig werden.

Gottes Geist und Kunst
Gottes Geist will sich nämlich auch in der Kunst zeigen und durch Kunst hindurch wirken. Wie das? Kunst ist doch immer von Menschen geschaffen – womöglich von Menschen, die gar nicht an Gott glauben! Und Kunst ist nie «rein» und frei von Menschlichem. Und sie ist manchmal sogar, so scheint es, von anderen Geistern durchdrungen. Wie kann dann Gottes Geist durch Kunst hindurch wirken, wenn diese nie ganz «rein» ist?
Bohren spricht nun davon, dass wir das Wirken des Heiligen Geistes neu verstehen müssen.

Die Verkleinerung Gottes
An Weihnachten feiern wir, dass Gott Mensch wurde. Das Wort wurde Fleisch. An Pfingsten aber wurde der Geist über das Fleisch ausgegossen. «Er wurde nicht Mensch, wie Gott Mensch wurde, er kam in die Menschen.» Man kann also sagen, dass sich Gott verkleinert: «Gott ist im Geist in einer anderen Modalität* dem Menschen gegenwärtig als er in Christus war. Der Geist wird anonym, ist kaum mehr zu identifizieren, er mischt sich mit dem Menschlichen. Er kann sich im Menschen verstecken, er kann sich verlieren; denn nun vereinigt er sich nicht bloss mit dem Sündlosen aus Nazareth, sondern mit dem Sünder von überall und anderswo, und dieses Vereinigen und Vermischen hat vielerlei Gestalt. Als Impuls und als Gabe, das Gute und Schöne zu tun in aller Welt…»

Der Geist mischt sich ein
«Fast möchte ich sagen: Der Heilige Geist erscheint in mannigfacher Ausgabe. Kirchlich und weltlich, in Natur und Kultur. Indem sich der Geist ins Menschliche mischt, geht er über das Menschliche hinaus, geht er hinein ins Materielle. Er wirkt, indem er sich einmischt; das Geschöpfliche, das Gemachte wird sein Vehikel.» Rudolf Bohren führt hier die seltsame Stelle aus Apostelgeschichte 19,11-12 an:  «Auch ungewöhnliche Machttaten tat Gott durch die Hand des Paulus. Sogar seine Schweißbinden und Tücher, die er auf der Haut getragen hatte, nahm man weg und legte sie den Kranken auf; da wichen die Krankheiten und die bösen Geister fuhren aus.» Das heisst (nach Bohren): «Gott wird in die Materie hinein praktisch; aber weder die Materie noch die Praxis werden Gott…»

Gefahren
Der letzte Satz spricht von den Gefahren, die etwa dort auftreten, wo wir ein Kunstwerk als «göttlich» betrachten. Oft neigt auch ein geistbegabter Künstler (so wie ein auf andere Weise geistbegabter Mensch) dazu, sich über andere zu erheben. Damit wird Gottes Geist jedoch betrübt, der auch in anderen Menschen wirkt.
Weil sich der Geist nun aber vermischt (zum Beispiel in der Kunst), braucht es die Prüfung der Geister: «Die Vermischung des Geistes mit dem Menschlichen ruft nach ‘Entmischung’. Der Geist soll erkannt und benannt werden.»

Schlussfolgerung
Diese theologischen Ausführungen von Rudolf Bohren können uns in der Praxis helfen.

1.
Wenn wir verstehen, dass Gottes Geist sich einmischt und vermischt mit unserem Geist, müssen wir nicht krampfhaft versuchen, «heiliger und geisterfüllter» zu werden, um mit seinem Wirken zu rechnen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er gerne durch unsere Unvollkommenheit hindurch wirkt – auch in unvollkommenen Kunstwerken, geschaffen von Sündern. – Aber sicher von Sündern, die nach Heiligung und Geisterfüllung streben.

2.    
Wenn Gottes Geist auch in der Kunst wirken will, die von Nicht-Christen geschaffen werden, öffnen sich neue Wege, um mit unseren Kollegen über den Glauben zu sprechen. So könnten wir dann etwa fragen: «Irgendwie erfahre ich, dass Gott durch deine Kunst wirkt. Wie denkst du darüber…?»

3.    
Wir sollten nicht aufgeben, intellektuell und mit der Gabe der Geistesunterscheidung zu prüfen, ob Kunst Gottes Geist Raum gibt und sogar von ihm durchdrungen ist, oder ob sie stark von anderen Geistern besetzt ist, die uns möglicherweise in ihren Bann ziehen oder belasten. Dann tun wir gut daran, solcher Kunst mit der richtigen inneren Distanz zu begegnen oder sich nicht weiter mit ihr zu beschäftigen.

Text: Beat Rink


Liebe Mitglieder*innen

Das Jahrestreffen war ein schöner Erfolg und wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen im 2020.
Zum letzten Mal in diesem Jahr servieren wir in diesem Newsletter, der nur für ARTS+ Mitglieder ist, noch einmal Exquisites und Aktuelles aus dem ARTS+ Netzwerk – mit spannenden Ausschreibungen und Vorab-Informationen.

Gott mit euch! Die nächste Mail liest du im neuen Jahr.
Dein ARTS+ Team


S A V E  T H E  D A T E



Freitag, 6. November 2020 
“meet artists – meet ARTS+”
Das nationale, Kunstsparten übergreifende Künstlertreffen fördert Austausch, Kennen-lernen und Vernetzung. Projekte können vorgestellt und Leidenschaft geteilt werden. In welcher Stadt wir diesmal zusammen kommen und wo und wann genau es los geht, lassen wir euch noch wissen. Klar ist, dass wir wieder mit einem künstlerischen Beitrag das Netzwerk feiern. Auch Interessierte und Gwundrige sind dazu willkommen.



11 & 12. September 2020  
Central Arts Conference
Wo genau wird noch mitgeteilt. Auf jeden Fall eine Konferenz zum Hingehen.


O P E N  C A L L S



Das Tanzfest Winterthur 2020 
Projekteingabe für Tanzschaffende
In bald 15 Jahren hat das Tanzfest sich nicht nur als populäre und richtungsweisende Veranstaltung vielerorts in der Schweiz etabliert, sondern wurde auch zu einer einzigartigen Plattform für künstlerische Erkundungen. Im kommenden Jahr findet das Tanzfest vom 14. – 17. Mai 2020 statt. Für das Tanzfest 2020 in Winterthur werden Tanzprojekte mit Bezug zu Winterthur gesucht.Von Freitag bis Sonntag werden Kurzstücke in der ganzen Stadt Winterthur indoor an verschiedenen Austragungsorten und outdoor auf verschiedenen Plätzen zu sehen sein.hier geht es zur Ausschreibung und dem Bewerbungsformular
 Die Bewerbung wird vollständig bis zum 20. Dezember 2019 an winterthur@dastanzfest.ch gesendet.



Koproduktionsbeitrag
Die Stadt Winterthur schreibt gemeinsam mit dem Theater am Gleis Koproduktionsbeiträge für Produktionen im Theater am Gleis aus. Die Ausschreibung richtet sich an Produzenten in den Sparten Theater, Tanz und Musik sowie an spartenübergreifende Produktionen.
Eingabefrist ist der 6. Januar 2020.
Alle Informationen zur Ausschreibung findet ihr hier


N E U  &  A K T U E L L



Central Music wird zu Central Arts
Das Netzwerk für Populärmusik “Central Music”, das mit Jonathan Schmidt am Runden Tisch von ARTS+ vertreten ist, heisst seit wenigen Monaten neu “Central Arts”. Grund: In den vergangenen drei Jahren hat sich diese Bewegung von Kreativen auf die populäre Kunst ganz allgemein ausgeweitet.
Webseite



Schprit
In Ergänzung zu den TUNE INs von Pfr. Beat Rink, internationaler Leiter von Crescendo, schalten wir ab sofort GEDANKENSTRICHE von Dr. theol. Dr. phil. Matthias Krieg auf der ARTS+ Website auf. Der Referent, der uns sowohl am ARTS+ Symposium 1.0, an der Central Conference wie auch am “meet artists – meet ARTS+” einheizte, präsentiert seine Lieblingssätze und Inspirationen, gelesen in Klassikern der Weltliteratur, Bahnhofshallen, der Bibel und an Hauswänden und legt deren Kern frei. Matthias Krieg denkt die Zitate weiter und neu. Seine Texte sind überlegt, leichtfüssig und überraschend. Sie bringen das Literarische der biblischen Texte und das Religiöse der belletristischen Texte zum Klingen. Alle Texte sind auf Schprit.ch – Treibstoff für die Seele. Aktueller Wochentext auf ARTS+



20% Vergünstigung für ARTS+ Mitglieder
Marc Chagall Führungen mit Markus Neurohr. Der jüdische Künstler weist in vielen seiner Werke auf den gekreuzigten Juden Jesus von Nazareth. So auch in den fünf Glasfenstern im Zürcher Fraumünster. Anmeldung


Beratungen für Kunstschaffende

Endlich ist es soweit! Wir können euch und euren Freunden die Möglichkeit für Beratungen anbieten. Als ARTS+ können wir uns auf ein breites Netzwerk von erfahrenen Künstlerinnen und Künstlern aus allen Sparten abstützen, die die besonderen Herausforderungen der künstlerischen Berufe kennen.
Neu bietet ARTS+ deshalb Beratungen an für:
– Menschen, die in Betracht ziehen einen künstlerischen Beruf zu ergreifen
– Kunstschaffende in der Ausbildung
– Kunstschaffende im Übergang von der Ausbildung zum Beruf
– Kunstschaffende im Beruf
– Kunstschaffende in der Spannung von Kunst, Leben und Glauben
Weitere Informationen zum Angebot gibt’s hier: https://ap.weiter.ch/netzwerk/beratungen/


P R I X   P L U S



Der PrixPlus 2019 geht an den Bildenden Künstler Micha Aregger, u.a. für sein Werk “Atemwolke”. Der PrixPlus Förderpreis geht an Julia Medugno, Gründerin, Leiterin und Intendantin des
Ensemble ultraschall.


V O R G E S T E L L T



«Vorgestellt» ist eine neue Rubrik in unserem Newsletter, in der wir jeweils ein Projekt, eine*n Künstler*in aus dem ARTS+ Netzwerk vorstellen. Wir hoffen, das Miteinander weiter zu stärken in dem wir mehr von einander erfahren.

Ensemble u l t r a S c h a l l
ist ein Ensemble von Künstlern, die in ihrer Konzerttätigkeit über den Schall hinaus gehen und damit ein vielschichtiges Musiktheater und eine ganzheitliche Performance schaffen. Unter der Leitung der Zürcher Sängerin und Choreographin Julia Medugno und des Winterthurer Violinisten Alexej Wirth entstehen in verschiedenen Formationen szenische Konzerte.Webseite


A R T S +    E U R O P A



ARTS+ Europa wächst kontinuierlich
Viele von euch wissen vermutlich gar nicht, dass es bereits in verschiedenen Ländern ARTS+ Roundtables gibt. Diese wurden nach dem Schweizer Vorbild gegründet und insbesondere von Beat Rink gefördert. Ein europäisches Leiter-Treffen in Wien war sehr fruchtbar. In Österreich gibt es recht viele dynamische christliche Kulturinitiativen und ARTS+ kann hier Energien bündeln und Synergien freisetzen. Bereits jetzt steht fest: Im Oktober 2020 wird ein nächstes europäisches Treffen in Bulgarien stattfinden.


R Ü C K B L I C K



meet artists – meet ARTS+
In entspannter Atmosphäre trafen sich am 25. Oktober 2019 insgesamt rund 70 Kunstschaffende aus allen Sparten im Jenseits IM BOGEN, Zürich, zu GV, Apéro, Präsentations-Talks, Keynote von Matthias Krieg, PRIX Plus-Verleihung und Konzert von FRED mit Céline Hales im Vorgrogramm. Ein Abend, den man gerne wiederholt: bereichernd, interessant, inspirierend, lustig, ermutigend, herausfordernd und mit guter Musik. A bientôt!

Neue Mitglieder 
Ab August heissen wir herzlich willkommen:
Marina Mayr (Malerei, Photographie und 3-Dimensionales)
Ernst Beeler (Skulpturen in Marmor, Bronze und Metall)
Fred Grob (Zeichnen, Comics)
Markus Neurohr (Songwriter, Worship-Performance)
Angela Melody Kummer (Zeichnung, Illustration, Malerei)



Schreibe uns!
Dein ARTS+ Team: Regula Lustenberger, Astrid Künzler, Adrian Furrer, Beat Rink, Jean-Daniel von Lerber, Martin Jufer, Matthias Spiess, Samuel Scherrer, Timo Schuster, Jonathan Schmidt.

Mama, sagte er schluchzend, ich konnte keine Rute finden, aber hier hast du einen Stein, den du auf mich werfen kannst! Er reichte mir einen Stein, den grössten, der in sei­ner kleinen Hand Platz fand. Da begann auch ich zu weinen, denn ich verstand auf einmal, was er sich gedacht hatte: Meine Mama will mir also weh tun, und das kann sie noch besser mit einem Stein. Ich schämte mich. Und ich nahm ihn in die Ar­me, wir weinten beide, soviel wir konnten, und ich dachte bei mir, dass ich niemals, nie­mals mein Kind schlagen würde. Und damit ich es ja nicht vergessen würde, nahm ich den Stein und legte ihn in ein Küchenregal, wo ich ihn jeden Tag sehen konn­te, und da lag er so lange, bis Johan gross war.

Astrid Lindgren, Über Frieden, schwedisch 1983.

Alle kennen Pippi Langstrumpf und Kalle Blomquist. Viele lieben den Witz und das Können dieser Figuren. Manche erkennen die Freiheit und Selbständigkeit dieser Kinder. Dass beide nicht selbstverständlich sind und auch für Astrid Lindgren nicht einfach gegeben waren, überliefert sie mit dieser kleinen Geschichte, die ihr einst eine an­dere Frau erzählt hatte. Der Plot ist so einfach wie vertraut: Der fünfjährige Jo­han hat sich im Garten der Nachbarin an deren Erdbeeren gütlich getan, und nun gerät seine Mutter unter den Druck von Verwandten und Freunden, ihren Sohn zu züch­tigen, damit aus ihm kein diebischer Geselle werde, sondern ein nützliches Glied der Gesellschaft. Kinder brauchen die Rute, sonst wird nichts aus ihnen! So war auch die Welt der Astrid Lindgren. Alle kennen sie so. Viele teilen ihre Ansichten. Manche halten es aber mit der Erfinderin von Pippi und Kalle.

Wie es in ihr zur Wende kam, erzählt dieser Ausschnitt: Johan wird von sei­ner Mutter, die nicht ihrem Herzen folgt, sondern ihrer Mitwelt, geschickt, selbst eine Rute zu schneiden. Er ahnt, wofür. Da er keine findet, bringt er einen Stein. Dann fällt dieser unglaubliche Satz aus dem Mund eines Fünfjährigen: Hier hast du einen Stein, den du auf mich werfen kannst. Mit ihm beschämt er seine Mut­ter, die sich von ihrer Mit­welt abwendet, um ihrem Her­zen zu folgen. Der Junge bleibt ihr sogar dann noch na­he, als er erkennt, dass er gezüch­tigt werden soll, weil man das so tut mit bösen Jungs, und darauf verzichtet, aus der vergeblichen Suche einen Vorteil zu ziehen. So be­schämt er die Schamlose. So erweicht er die Hartherzige. Sie ist zwar nicht wie die Schamlosen und Hartherzigen, macht sich ihnen aber für einen Moment lang gleich, indem sie dem Druck ih­rer Mit­welt nachgibt. Die­ser Moment wird buchstäblich ge­löscht, indem beide weinen, soviel sie können.

Für Astrid Lindgren endete jede schwarze Pädagogik mit diesem Moment und seiner Lö­schung. Niemals würde sie einen noch so bösen Jungen schlagen. Dies zieht sich durch ihr ganzes Erzählwerk. Pippi Langstrumpf und Kalle Blomquist sind keine En­gel. Weil sie aber in Freiheit und Selbständigkeit leben, kön­nen sie, was der fünf­jäh­ri­ge Johan konnte. Astrid Lindgren zeichnete alle Kinderfigu­ren, während sie hinter sich den Stein im Küchenregal wusste. Dort sah sie ihn jeden Tag, bis ihr Johan gross war. Das allerdings dauerte viele schöne Kinderbücher lang.

Der Satz des Fünfjährigen klingt wie der unglaubliche Satz von Jesus, als man ihm eine Ehebrecherin brachte, die von Gesetzes wegen zu steinigen wäre (Dtn 22,23-24): Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie! (Joh 8,7). Die Mitwelt verlangte nützliche Glieder der Gesellschaft, und so setzte sie Jesus un­ter Druck. Doch er folgte nicht ihr, sondern seinem Herzen. Wis­send, dass keiner ein Engel ist und jeder auch ein böser Junge, beschämte er sie. Sie aber nahmen ihn nicht in den Arm, um zu weinen, soviel sie konnten. Sie blieben bei ihrer schwarzen Pädagogik und kreuzigten ihn wegen seiner Freiheit und Selbständigkeit.

ENGLISH
   
In his book «Dass Gott schön werde» [«That God may become beautiful»], published in 1975, the Reformed theologian Rudolf Bohren (1920-2010)enters the battle for an aesthetic awareness among Christians and in the church. If this is to come about, we have to develop a better understanding of the Creation and the working of the Holy Spirit. Here (and in TUNE IN 313) follows a short outline in quotations from what is still a topical and also provocative book.
 
Scharp words from the son of a pastor
The German writer «Gottfried Benn [1886-1956], an aesthetic mind par excellence, jotted down this line regarding the pastor’s house he grew up in: ‘Thought-world entirely without the Muses’, and this line characterises not only a provincial minister’s dwelling, but is also largely true of the house built by our theology. Even ‘thought-world’ already carries a negative connotation and suggests an existence without Gainsboroughs, without Chopin… If I speak Benn’s line as my own, ‘thought-world entirely without the Muses’ means a life in which the world of the Muses is not perceived as a sign of grace, a life which has lost the aesthetic dimension. It can hardly be imagined what power the church and theology have lost because the ‘thought-world without the Muses’ has become predominant. Here I am only generally indicating that, with this contempt for aesthetics, faith has lost its strength to create a style which could be representative of the gospel heard and lived in this time.»
 
The praise of God in the Creation – and in art
Not only is the Creation «good», it is also «beautiful». It praises the Creator.
«By praising his work himself, the Creator anticipates the purpose of his Creation, namely to be praise. The Creator intones what is to be echoed in every creature. (…) Art follows the lead of the Creator and praises, even when it … complains and accuses. Art also follows the lead of the Creator in singing psalms when it does not know him or rejects him. Art justifies existence, even when it curses him – for, in the artistic use of its materials, of language, of colours and sounds, it concedes that the Creator is right, even when it denies or blasphemes him. The justification of art is that it justifies the Creation.»
In other words: Bohren says that in all cases good art points back to the Creation and to the Creator (God).
 
Without lilies and butterflies…
«Discipleship which no longer knows anything of blossom and butterfly loses the weightless quality of light. It can no longer shine as light. Without the lilies and butterflies, the disciples of Jesus all too easily become figures who certainly cast shadows, but from whom no light shines forth: they are zealots who confuse their earnestness with the Holy Spirit… He who no longer sees the flowers can dedicate himself to a ‘thought-world without the Muses’. (…) With this, I have already begun to suggest that Christianity loses its missionary power when it fails to take note of the Creation.»
«The church can no more exist in a world beyond culture and art than it can live in a world beyond nature.» «This is why we must lament the lack of theological aesthetics as the reason for the Christian boredom throughout the land…»
 
God’s beauty among the heathen
«God becomes practical and beautiful not only in those who know him, but also in those who do not know him… But his becoming beautiful among the heathen angers many Christians, especially those who have quite a conceit of themselves as knowing their God. Anger of this kind could be a sign that they are mistaken in their knowledge, that they do not yet know God in his goodness and greatness and therefore do not understand that God’s Spirit is a wind which blows where he wishes.»
 
The task of faith
«God’s becoming beautiful in culture and art remains hidden if it is not named; it does not remain hidden as beauty, but it does remain hidden as God’s becoming beautiful if it is not made known as God’s beauty. Such naming and making known is certainly always the task of faith…».
According to Bohren, then, faith has the task of interpreting beauty of every kind with reference to God. This also applies to works by non-Christians. In view of the fact that there is a «thought-world entirely without the Muses» in many Christians, such works may unfortunately be in the majority.
 
(To be continued.)
 
Editor: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

In seinem 1975 erschienenen Buch «Dass Gott schön werde» bricht der reformierte Theologe Rudolf Bohren (1920-2010) eine Lanze für ein ästhetisches Bewusstsein unter Christen und in der Kirche. Wenn dieses kommen soll, müssen wir die Schöpfung und das Wirken des Heiligen Geistes besser verstehen. Hier (und im TUNE IN 313) ein kurzer Abriss in Zitaten aus diesem nach wie vor aktuellen und auch provozierenden Buch.

Scharfe Worte eines Pfarrersohns
Der deutsche Schriftsteller «Gottfried Benn [1886-1956], ein Ästhetiker par excellence, hat im Blick auf sein elterliches Pfarrhaus die Zeile gesetzt: «Ganz amusisches Gedankenleben», und diese Zeile charakterisiert nicht nur ein märkisches Pfarrhaus, sondern im grossen und ganzen auch unser Haus der Theologie. «Gedankenleben» ist schon eine negative Bestimmung, signalisiert ein Dasein ohne Gainsboroughs, ohne Chopin… Wenn ich die Zeile Benns als meine Zeile nachspreche, meint «ganz amusisches Gedankenleben» ein Leben, in dem das Musische als Zeichen der Gnade nicht wahrgenommen wird, ein Leben, das die Ästhetik verloren hat. Es ist nicht auszumachen, welche Auspowerung in Kirche und Theologie dadurch stattgefunden hat, dass das «amusische Gedankenleben» zur Herrschaft kam. Ich deute hier nur an, dass mit der Verachtung der Ästhetik der Glaube die Kraft verlor, einen Stil zu bilden, der für das in dieser Zeit gehörte und gelebte Evangelium repräsentativ werden könnte.»

Gottes Lob in der Schöpfung – und in der Kunst
Die Schöpfung ist nicht nur «gut», sondern auch «schön». Sie lobt den Schöpfer.
«Indem der Schöpfer sein Werk selbst lobt, nimmt er den Zweck seiner Schöpfung voraus, Lob zu sein. Der Schöpfer intoniert, was in aller Kreatur ein Echo finden soll. (…) Kunst psalmodiert hinter dem Schöpfer her und lobt, auch wo sie …klagt und anklagt. Kunst psalmodiert hinter dem Schöpfer her auch da, wo sie diesen nicht kennt oder leugnet. Kunst rechtfertigt das Dasein auch da, wo sie ihm flucht; denn sie gibt im kunstvollen Gebrauch ihres Materials, der Sprache, der Farbe und Klänge dem Schöpfer auch da recht, wo sie ihn negiert oder lästert. Kunst hat ihr Recht darin, dass sie die Schöpfung rechtfertigt.»
Mit anderen Worten: Bohren sagt, dass gute Kunst in jedem Fall auf die Schöpfung und den Schöpfer (Gott) zurückverweist.

Ohne Lilien und Schmetterlinge…
«Eine Jüngerschaft, die von Blüte und Schmetterling nichts mehr weiss, verliert das Leichte des Lichts. Sie kann nicht mehr als Licht scheinen. Ohne die Lilien und die Schmetterlinge werden Jesu Jünger allzu leicht zu Gestalten, die wohl Schatten werfen, aber kein Licht ausstrahlen: Zeloten, die ihr Engagement mit dem Heiligen Geist verwechseln… Wer die Blumen nicht mehr sieht, kann «ganz amusisches Gedankenleben» pflegen. (…) Damit habe ich schon angedeutet, dass die Christenheit ihre missionarische Kraft verliert, wenn sie die Schöpfung übersieht.»
«Die Kirche kann nicht jenseits von Kultur und Kunst existieren, so wenig sie jenseits von Natur existieren kann.» «Darum ist der Mangel an theologischer Ästhetik zu beklagen als Grund unserer landläufigen christlichen Langeweile…»

Gottes Schönheit bei den Heiden
«Gott wird praktisch und schön nicht nur in denen, die ihn kennen, sondern auch in denen, die ihn nicht kennen…Aber dieses Schön-Werden bei den Heiden ärgert etliche Christen, die vor allem, die sich einiges darauf einbilden, ihren Gott zu kennen. Solcher Ärger könnte Zeichen sein dafür, dass sie sich in ihrer Kenntnis täuschen, dass sie Gott in seiner Güte und Grösse noch nicht kennen und darum nicht verstehen, dass Gottes Geist ein Wind ist, der weht, wo er will.»

Die Aufgabe des Glaubens
«Gottes Schön-Werden in Kultur und Kunst bleibt verborgen, wenn es nicht benannt wird; es bleibt nicht verborgen als Schönheit, es bleibt aber verborgen als Gottes Schön-Werden, wenn es nicht als Gottes Schönheit bekannt gemacht wird. Solches Benennen und Bekanntmachen ist allemal Sache des Glaubens…».
Nach Bohren hat also der Glaube hat die Aufgabe, jede Schönheit von Gott her zu interpretieren. Dies gilt auch für Werke, die nicht von Christen geschaffen wurden. Angesichts der Tatsache, dass es unter vielen Christen ein «ganz amusisches Gedankenleben» gibt, dürfte das leider eine grosse Mehrheit sein.

(Fortsetzung folgt)

Textzusammenstellung: Beat Rink

ENGLISH
   
In his book «Dass Gott schön werde» [«That God may become beautiful»], published in 1975, the Reformed theologian Rudolf Bohren (1920-2010)enters the battle for an aesthetic awareness among Christians and in the church. If this is to come about, we have to develop a better understanding of the Creation and the working of the Holy Spirit. Here (and in TUNE IN 313) follows a short outline in quotations from what is still a topical and also provocative book.
 
Scharp words from the son of a pastor
The German writer «Gottfried Benn [1886-1956], an aesthetic mind par excellence, jotted down this line regarding the pastor’s house he grew up in: ‘Thought-world entirely without the Muses’, and this line characterises not only a provincial minister’s dwelling, but is also largely true of the house built by our theology. Even ‘thought-world’ already carries a negative connotation and suggests an existence without Gainsboroughs, without Chopin… If I speak Benn’s line as my own, ‘thought-world entirely without the Muses’ means a life in which the world of the Muses is not perceived as a sign of grace, a life which has lost the aesthetic dimension. It can hardly be imagined what power the church and theology have lost because the ‘thought-world without the Muses’ has become predominant. Here I am only generally indicating that, with this contempt for aesthetics, faith has lost its strength to create a style which could be representative of the gospel heard and lived in this time.»
 
The praise of God in the Creation – and in art
Not only is the Creation «good», it is also «beautiful». It praises the Creator.
«By praising his work himself, the Creator anticipates the purpose of his Creation, namely to be praise. The Creator intones what is to be echoed in every creature. (…) Art follows the lead of the Creator and praises, even when it … complains and accuses. Art also follows the lead of the Creator in singing psalms when it does not know him or rejects him. Art justifies existence, even when it curses him – for, in the artistic use of its materials, of language, of colours and sounds, it concedes that the Creator is right, even when it denies or blasphemes him. The justification of art is that it justifies the Creation.»
In other words: Bohren says that in all cases good art points back to the Creation and to the Creator (God).
 
Without lilies and butterflies…
«Discipleship which no longer knows anything of blossom and butterfly loses the weightless quality of light. It can no longer shine as light. Without the lilies and butterflies, the disciples of Jesus all too easily become figures who certainly cast shadows, but from whom no light shines forth: they are zealots who confuse their earnestness with the Holy Spirit… He who no longer sees the flowers can dedicate himself to a ‘thought-world without the Muses’. (…) With this, I have already begun to suggest that Christianity loses its missionary power when it fails to take note of the Creation.»
«The church can no more exist in a world beyond culture and art than it can live in a world beyond nature.» «This is why we must lament the lack of theological aesthetics as the reason for the Christian boredom throughout the land…»
 
God’s beauty among the heathen
«God becomes practical and beautiful not only in those who know him, but also in those who do not know him… But his becoming beautiful among the heathen angers many Christians, especially those who have quite a conceit of themselves as knowing their God. Anger of this kind could be a sign that they are mistaken in their knowledge, that they do not yet know God in his goodness and greatness and therefore do not understand that God’s Spirit is a wind which blows where he wishes.»
 
The task of faith
«God’s becoming beautiful in culture and art remains hidden if it is not named; it does not remain hidden as beauty, but it does remain hidden as God’s becoming beautiful if it is not made known as God’s beauty. Such naming and making known is certainly always the task of faith…».
According to Bohren, then, faith has the task of interpreting beauty of every kind with reference to God. This also applies to works by non-Christians. In view of the fact that there is a «thought-world entirely without the Muses» in many Christians, such works may unfortunately be in the majority.
 
(To be continued.)
 
Editor: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

In seinem 1975 erschienenen Buch «Dass Gott schön werde» bricht der reformierte Theologe Rudolf Bohren (1920-2010) eine Lanze für ein ästhetisches Bewusstsein unter Christen und in der Kirche. Wenn dieses kommen soll, müssen wir die Schöpfung und das Wirken des Heiligen Geistes besser verstehen. Hier (und im TUNE IN 313) ein kurzer Abriss in Zitaten aus diesem nach wie vor aktuellen und auch provozierenden Buch.

Scharfe Worte eines Pfarrersohns
Der deutsche Schriftsteller «Gottfried Benn [1886-1956], ein Ästhetiker par excellence, hat im Blick auf sein elterliches Pfarrhaus die Zeile gesetzt: «Ganz amusisches Gedankenleben», und diese Zeile charakterisiert nicht nur ein märkisches Pfarrhaus, sondern im grossen und ganzen auch unser Haus der Theologie. «Gedankenleben» ist schon eine negative Bestimmung, signalisiert ein Dasein ohne Gainsboroughs, ohne Chopin… Wenn ich die Zeile Benns als meine Zeile nachspreche, meint «ganz amusisches Gedankenleben» ein Leben, in dem das Musische als Zeichen der Gnade nicht wahrgenommen wird, ein Leben, das die Ästhetik verloren hat. Es ist nicht auszumachen, welche Auspowerung in Kirche und Theologie dadurch stattgefunden hat, dass das «amusische Gedankenleben» zur Herrschaft kam. Ich deute hier nur an, dass mit der Verachtung der Ästhetik der Glaube die Kraft verlor, einen Stil zu bilden, der für das in dieser Zeit gehörte und gelebte Evangelium repräsentativ werden könnte.»

Gottes Lob in der Schöpfung – und in der Kunst
Die Schöpfung ist nicht nur «gut», sondern auch «schön». Sie lobt den Schöpfer.
«Indem der Schöpfer sein Werk selbst lobt, nimmt er den Zweck seiner Schöpfung voraus, Lob zu sein. Der Schöpfer intoniert, was in aller Kreatur ein Echo finden soll. (…) Kunst psalmodiert hinter dem Schöpfer her und lobt, auch wo sie …klagt und anklagt. Kunst psalmodiert hinter dem Schöpfer her auch da, wo sie diesen nicht kennt oder leugnet. Kunst rechtfertigt das Dasein auch da, wo sie ihm flucht; denn sie gibt im kunstvollen Gebrauch ihres Materials, der Sprache, der Farbe und Klänge dem Schöpfer auch da recht, wo sie ihn negiert oder lästert. Kunst hat ihr Recht darin, dass sie die Schöpfung rechtfertigt.»
Mit anderen Worten: Bohren sagt, dass gute Kunst in jedem Fall auf die Schöpfung und den Schöpfer (Gott) zurückverweist.

Ohne Lilien und Schmetterlinge…
«Eine Jüngerschaft, die von Blüte und Schmetterling nichts mehr weiss, verliert das Leichte des Lichts. Sie kann nicht mehr als Licht scheinen. Ohne die Lilien und die Schmetterlinge werden Jesu Jünger allzu leicht zu Gestalten, die wohl Schatten werfen, aber kein Licht ausstrahlen: Zeloten, die ihr Engagement mit dem Heiligen Geist verwechseln… Wer die Blumen nicht mehr sieht, kann «ganz amusisches Gedankenleben» pflegen. (…) Damit habe ich schon angedeutet, dass die Christenheit ihre missionarische Kraft verliert, wenn sie die Schöpfung übersieht.»
«Die Kirche kann nicht jenseits von Kultur und Kunst existieren, so wenig sie jenseits von Natur existieren kann.» «Darum ist der Mangel an theologischer Ästhetik zu beklagen als Grund unserer landläufigen christlichen Langeweile…»

Gottes Schönheit bei den Heiden
«Gott wird praktisch und schön nicht nur in denen, die ihn kennen, sondern auch in denen, die ihn nicht kennen…Aber dieses Schön-Werden bei den Heiden ärgert etliche Christen, die vor allem, die sich einiges darauf einbilden, ihren Gott zu kennen. Solcher Ärger könnte Zeichen sein dafür, dass sie sich in ihrer Kenntnis täuschen, dass sie Gott in seiner Güte und Grösse noch nicht kennen und darum nicht verstehen, dass Gottes Geist ein Wind ist, der weht, wo er will.»

Die Aufgabe des Glaubens
«Gottes Schön-Werden in Kultur und Kunst bleibt verborgen, wenn es nicht benannt wird; es bleibt nicht verborgen als Schönheit, es bleibt aber verborgen als Gottes Schön-Werden, wenn es nicht als Gottes Schönheit bekannt gemacht wird. Solches Benennen und Bekanntmachen ist allemal Sache des Glaubens…».
Nach Bohren hat also der Glaube hat die Aufgabe, jede Schönheit von Gott her zu interpretieren. Dies gilt auch für Werke, die nicht von Christen geschaffen wurden. Angesichts der Tatsache, dass es unter vielen Christen ein «ganz amusisches Gedankenleben» gibt, dürfte das leider eine grosse Mehrheit sein.

(Fortsetzung folgt)

Textzusammenstellung: Beat Rink

JUNGSEGLER ist ein Nachwuchspreis für Kleinkunst, der im Rahmen des nordArt-Theaterfestivals vergeben wird. 

Der Wettbewerb bietet jungen, professionell arbeitenden, noch nicht etablierten Theaterschaffenden aus der Schweiz eine Präsentationsplattform. KünstlerInnen oder Künstlerkollektive, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, können im Rahmen einer Ausschreibung ihre Produktion ab sofort auf http://festival.nordart.ch/jungsegler/ einreichen.

Bewerbungsschluss ist der 2. Februar 2020.

Der/die GewinnerInnen des JUNGSEGLER zeigen ihre Produktion in einer anschliessenden Tournée (Oktober 20 bis Mai 21) in namhaften Theatern in der deutschsprachigen Schweiz.

JUNGSEGLER unterstützt den/die prämierten KünstlerInnen ausserdem in Form eines produktionsbezogenen Workshops zu den Themen Projektfinanzierung, Kulturförderung, Marketing, Kulturpolitik/ Kulturrecht und soziale Sicherheit für freiberufliche KünstlerInnen.

Flyer

Bewerbungsformular

«Zum erstenmal, dass ich ihn so einen Blick werfen seh’ …», gähnte der müde Ver­wand­te von irgendwoher. «Ist denn das ein so besonderer Blick?» fragte wütend der Reisende Aron Amtmann, der sich die Wut aber nicht ansehen lassen wollte. «Na, ich danke! Das ist doch ein richtiger Räuberblick», erklärte grossartig der ‘Herr Stu­dent’. Schüchtern fragte ihn eine blutjunge Base aus Sambor: «Woran sieht man denn das, Vetter?» «Das weisst du nicht? So etwas Begehrendes, Selbstvergesse­nes und Sinnliches steckt darin», verriet ihr mit starkem Pathos der damals recht wil­de ‘Herr Student’. «Oho!» flötete die freche Flöte. «Er guckt sie an wie ein Mann», stammelte Malke überrascht. Riwke Singer meinte aufklärend: «Er ist doch ‘n Mann, dein Sohn.»

Herz Wolff Katz, Die Fischmanns, 1938.

Jüdische Hochzeit im galizischen Schtetl. Herz Wolff Katz schreibt seinen Roman be­reits im Pariser Exil, bevor er endgültig nach Übersee entflieht. Verschwundene Welt. Der neun Jahre ältere Roman Vishniac photographiert das Leben in den Schtet­­lach, be­vor sie in Kriegen, Pogromen, Säuberungen für immer unterge­hen. 1983 erscheint sein Bildband, der Roman von Katz 1985. Katz lässt sich inzwischen Henry William nennen, und Vishniacs Bildband macht als Vanished World Furore. Was hier zu se­hen ist und dort zu lesen, ist nicht mehr.

Berühmt waren im Schtetl die Hochzeiten, begehrt auch ausserhalb in den Dörfern der Polen, Ruthenen, Deutschen die jüdischen Musiker. Chagalls Bilder zeigen bei­de, Feste und Spieler, episodisch und bereits mythisch verklärt. Katz fängt ihre Stim­mung in wunderbaren Dia­logen ein: Verwandte von weither sind zur Hochzeit gela­den. Reisen­de, die zufällig da sind, nehmen ebenso teil. Der Student ist auf Hei­mat­urlaub. Alt sind sie oder blutjung, verwandt oder befreundet, sesshaft oder un­ter­wegs. Alle jedenfalls schon reichlich müde vom Fest, das sich hinzieht.

Das junge Paar, das im Zentrum steht, schweigt. Es steht unter Beobachtung. Nichts entgeht der Runde. Klein­ste Vorkommnisse werden kommentiert. Hier der Blick des Bräutigams auf seine Braut bzw. des frischgebackenen Ehemanns auf sei­ne Frau. Dem Verwandten fällt er auf. Den Reisenden, der verliebte Blicke zur Genüge kennt, macht die Bemerkung wütend. Der Student deutet ihn als Räu­berblick. Seine Cousi­ne versteht nicht, was er sagen will, und erfährt, der Blick sei begehrend, selbst­ver­gessen, sinnlich. Das wiederum ruft die Interjektion Oho hervor. Bis schliesslich Mutter Malke überrascht entdeckt, dass ihr Junge gerade zum Mann geworden ist. Der Nachbar bestätigt es ihr.

Die gekonnte Dramaturgie des Dialogs bringt an den Tag, wie diese verschwundene Welt funktioniert hat: Nicht der heilige Ritus macht aus Kindern Frau und Mann, nein, er macht dies nur möglich. Vollzogen wird die Ehe auch nicht nach dem Fest und in der ersten Nacht, denn alle, auch das Brautpaar, sind dann viel zu vollgefressen, ab­getanzt, verladen und müde. Nein, es ist die soziale Umwelt, die beobachtet, wie das junge Paar wagt, was nur Erwachsenen und Verheirateten zu­ge­standen wird: den be­gehrlichen Blick. Im kom­mentierenden und billigenden Dialog wird die Ehe voll­zo­gen, vor der ganzen Ge­mein­­de des Schtetls als Zeugen. Dann dämmerte ein kalter Morgen. Zwei Hähne kräh­ten schrill, und irgendwo in dem kleinen Strody bellte auch ein Hund. Das nächste Kapitel trägt den Titel: Die Liebe beginnt.

Diese Welt ist allerdings nahezu überall in Europa verschwunden: Ehe ist heute pri­va­tisiert. Niemand hat da etwas zu kommentieren. Längst vor der Ehe und oft ohne sie wird sie vollzogen. Religiöse Riten sind immer weniger gefragt. Und Liebe, ja, die Liebe ist zur Vorbedingung der Ehe geworden, aber kein Hahn kräht mehr danach.

Kurzstücke à ca. 15 Minuten, Gage 750 CHF, Bezug zu Winterthur oder naher Umgebung, Bewerben unter: winterthur@dastanzfest.ch

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Es gab eine Zeit, da ich meinen Nächsten ablehnte, / wenn sein Glaube nicht der Mei­­ne war. // Heute ist mein Herz Herberge für alle Religionen: / Weide für Gazellen und Kloster für Christenmönche, / Tempel für Götzenbilder und Kaaba für Pilger, / es ist Gefäss für die Tafeln der Thora und die Verse des Koran. // Denn meine Religion ist die Liebe, / und wohin auch ihre Karawane zieht, / dort ist auch mein Weg. / Denn die Liebe ist mein Bekenntnis und mein Glaube.

Muhyī d-Dīn Ibn ʿArabī, Gedicht, arabisch vor 1240.

Kaum vorstellbar: das Herz als Herberge für alle Religionen. Muḥyī d-Dīn Abū ʿAbd Allāh Muḥammad ibn ʿAlī Ibn ʿArabī al-Ḥātimī aṭ-Ṭāʾī ist der volle und stolze Name dessen, der derlei schreibt. Er tut es zuerst in Spanien, denn dort ist er 1265 gebo­ren. In Murcia verbrach­te er seine Kindheit und in Sevilla seine Jugend. Im Mannes­alter zog es ihn über Nordafrika und Mekka in den Nahen und Mittleren Osten. 1240 ist er in Damaskus gestorben. Er hat eine grosse Literatur hinterlassen.

Heute kaum vorstellbar: das Herz als Herberge für alle Religionen. Was Ibn Arabi zum Magister Magnus gemacht hat, ein Ehrentitel des christlichen Westens für den Mann aus dem musilimischen Osten, wäre heute schutzbedürftig. Ohne Bodyguards könnte so einer heute, ob im Westen oder im Osten, ob islamistischen oder evangeli­kalen Fundamentalisten ausgesetzt, wohl kaum aus dem Haus, und gross würde heu­­te kaum jemand einen solchen Lehrer finden.

Liebe ist seine Religion. Sie ist sein Bekenntnis und sein Glaube. Das würden heute, ohne deshalb schon weiter in die Tiefe zu gehen, viele sogar teilen. Doch Lie­be bei Ibn Arabi ist nicht sesshaft, sondern un­ter­­wegs, nicht häuslich, sondern frei­le­bend, nicht idyllisch, sondern riskant. Seine Lie­be ist nicht etabliert. Sie hat eine Ka­ra­wane. Hier hört für viele Heutige die Sympathie bald auf. Von Liebe zu reden, ohne je das eigene Dorf, die eigene Stadt, das eigene Land zu verlassen, wäre für Ibn Arabi nicht möglich, kommt sie doch erst dann vom oberflächlichen Daherreden weg und zu ih­rer eigentlichen Tiefe, wenn sie aushäusig wird und in die Fremde zieht. Liebe in der Fremde und zum Fremden, Liebe zu dem, der nicht ich bin, Liebe zum Nicht-Ich: erst sie ist religiöse Liebe, ist Bekenntnis und Glaube.

Liebe ist seine ganze Religion. Logik lässt schliessen, dass Hass dort zu Hause ist, wo man keine Karawa­ne hat, in seinen Grenzen bleibt, die Fremde mei­det. Hassre­den sind deshalb erfah­rungs­lose Worte, blindlings über Grenzen hin­wegg­eschleu­dert, die man selbst nie überschrei­tet, ahnungslose Tiraden, in unbe­kann­tes Land ent­sandt, vor dem man eine dumpfe Angst entwickelt, herzloses Ge­schwafel, aus Höh­len gefunkt, die niemals Herbergen für andere waren. Hass ist unheimlich sess­haft, Liebe aber ist heimlich immer unterwegs. Ihre Kara­wa­ne zieht.

Vorstellbare Liebe in unvorstellbarer Zeit? Vor achthundert Jahren hat der Sohn Ara­biens im christlichen Abendland eine Kultur entwickelt, die heute vorbildlich wäre. Ihr Be­kennt­nis wäre, dass in jedem, der anders ist als ich, genau deshalb etwas steckt, was mich bewegt und verändert, bereichert und beglückt, was mich zusammen mit ihm vertieft und erhöht: Sofern ich zuhöre statt urteile, hinsehe statt wegschaue. So­fern ich transzendiere, statt im Eigenen zu verharren. Ihr Glaube wäre, dass im Ande­ren, der ich nicht bin und nie sein werde, ebenso ein Göttliches wohnt, wie im Eige­nen, selbst wenn mir dessen Art, Name und Vorstellung unbekannt sind und immer ir­gendwie fremd bleiben: Sofern ich überschreite statt verleumde, transzendiere statt blasphemiere. Hassende, solche ohne Herberge und Karawane, sind heute die eigent­­­lichen Atheisten. Liebe aber ist vorstellbar: als weltoffene, mutige und stolze  Ka­rawanserei in den gottlosen Wüsten des Hasses.

Marc Chagall Führungen mit Markus Neurohr.

Der jüdische Künstler weist in vielen seiner Werke auf den gekreuzigten Juden Jesus von Nazareth. So auch in den fünf Glasfenstern im Zürcher Fraumünster.
Anmeldung

ENGLISH

Acedia

In the last TUNE IN, texts by the philosopher Josef Pieper helped us to discover the value of «leisure». Pieper also points out that, in Christianity, «doing nothing» has often been dismissed disparagingly with the word «Acedia». Acedia belonged to the Deadly Sins of the Middle Ages.
Strictly speaking, mediaeval theologians certainly did not see every form of «doing nothing» as being as bad as «Acedia». Acedia, according to Pieper, actually means a kind of paralysis resulting from the fact “that a man does not, in the last resort, give the consent of his will to his own being; that beneath the dynamic activity of his existence, he is still not at one with himself; that, as the Middle Ages expressed it, sadness overwhelms him when he is confronted with the divine good things immanent in himself (that sadness which is the tristitia saeculi of Holy Scripture).”
So man has not discovered what God intended him to be and wishes to be more (or something other) than what God has called him to. He has not discovered what God has put in him. This paralyses him. Or it can even drive him into activism. If one looks at depictions of Acedia, one sees that she is asleep and is perhaps inwardly fixed on unrealistic dreams. If I personally had to find a modern illustration for Acedia, I would paint a teenager in puberty who has not yet discovered what God has called him to. He dreams of becoming a great pop star. One moment he seems paralysed and devastated because his dream vision is far from reality; but the next moment he leaps up and spends the whole night working over his electric guitar. By doing so he misses (till he becomes more mature) his true calling.
Even as adults, we still have to ask ourselves if there is a teenage Acedia of this kind in us.

Crash

In front of the MO museum of modern art in the town of Vilnius in Lithuania, a wrecked car is currently on display. One gets the impression the driver must have used his last strength to get the car there – despite a flat tyre. This kind of peace comes from hectic action, perhaps from excessive speed. Are we familiar with this kind of crash in our lives? What was still going very fast a moment ago suddenly comes to a standstill. This car is like a person looking back after a crash at hectic activity from which nothing is left over except an ugly and now meaningless tin box. If it still has any value at all, then only for a scrap dealer or, at best, a museum.

Leisure

Going a few steps further, in a small sculpture park behind the museum, we can see a work by the sculptress Ksenija Jaroševaitė (*1953). The proposal to purchase the sculpture and display it was obviously highly controversial. For it refers to something which is taboo in today’s art scene: to a Bible passage, more precisely, to Psalm 23, with a man lying in the grass and looking up into the sky. On his stomach he has Bible verses. The artist often draws on the pictorial language of archaic art and Orthodox icons. This sculpture is talking about a different kind of «doing nothing», which is neither Acedia nor the car crash. This man has consciously chosen to lie down the grass in the sense of Psalm 23. He is not suffering from burn-out. Nor does he seem to be fondly holding onto any unrealistic dreams about what he might wish to become sometime. His artless, perhaps slightly comical figure communicates no vanity. His gaze is directed upwards.
As an exercise, let us pray Psalm 23, let us become quiet (perhaps in precisely the same position as this man) and bring all of our crash and Acedia moments before God.

Psalm 23

1The Lord is my shepherd; I shall not want.
2He makes me lie down in green pastures.
He leads me beside still waters.
3He restores my soul.
He leads me in paths of righteousness
for his name’s sake.
4Even though I walk through the valley of the shadow of death,
I will fear no evil,
for you are with me;
your rod and your staff,
they comfort me.
5You prepare a table before me
in the presence of my enemies;
you anoint my head with oil;
my cup overflows.
6Surely goodness and mercy shall follow me
all the days of my life,
and I shall dwell in the house of the Lord
forever.

Acedia

In the last TUNE IN, texts by the philosopher Josef Pieper helped us to discover the value of «leisure». Pieper also points out that, in Christianity, «doing nothing» has often been dismissed disparagingly with the word «Acedia». Acedia belonged to the Deadly Sins of the Middle Ages.
Strictly speaking, mediaeval theologians certainly did not see every form of «doing nothing» as being as bad as «Acedia». Acedia, according to Pieper, actually means a kind of paralysis resulting from the fact “that a man does not, in the last resort, give the consent of his will to his own being; that beneath the dynamic activity of his existence, he is still not at one with himself; that, as the Middle Ages expressed it, sadness overwhelms him when he is confronted with the divine good things immanent in himself (that sadness which is the tristitia saeculi of Holy Scripture).”
So man has not discovered what God intended him to be and wishes to be more (or something other) than what God has called him to. He has not discovered what God has put in him. This paralyses him. Or it can even drive him into activism. If one looks at depictions of Acedia, one sees that she is asleep and is perhaps inwardly fixed on unrealistic dreams. If I personally had to find a modern illustration for Acedia, I would paint a teenager in puberty who has not yet discovered what God has called him to. He dreams of becoming a great pop star. One moment he seems paralysed and devastated because his dream vision is far from reality; but the next moment he leaps up and spends the whole night working over his electric guitar. By doing so he misses (till he becomes more mature) his true calling.
Even as adults, we still have to ask ourselves if there is a teenage Acedia of this kind in us.

Crash

In front of the MO museum of modern art in the town of Vilnius in Lithuania, a wrecked car is currently on display. One gets the impression the driver must have used his last strength to get the car there – despite a flat tyre. This kind of peace comes from hectic action, perhaps from excessive speed. Are we familiar with this kind of crash in our lives? What was still going very fast a moment ago suddenly comes to a standstill. This car is like a person looking back after a crash at hectic activity from which nothing is left over except an ugly and now meaningless tin box. If it still has any value at all, then only for a scrap dealer or, at best, a museum.

Leisure

Going a few steps further, in a small sculpture park behind the museum, we can see a work by the sculptress Ksenija Jaroševaitė (*1953). The proposal to purchase the sculpture and display it was obviously highly controversial. For it refers to something which is taboo in today’s art scene: to a Bible passage, more precisely, to Psalm 23, with a man lying in the grass and looking up into the sky. On his stomach he has Bible verses. The artist often draws on the pictorial language of archaic art and Orthodox icons. This sculpture is talking about a different kind of «doing nothing», which is neither Acedia nor the car crash. This man has consciously chosen to lie down the grass in the sense of Psalm 23. He is not suffering from burn-out. Nor does he seem to be fondly holding onto any unrealistic dreams about what he might wish to become sometime. His artless, perhaps slightly comical figure communicates no vanity. His gaze is directed upwards.
As an exercise, let us pray Psalm 23, let us become quiet (perhaps in precisely the same position as this man) and bring all of our crash and Acedia moments before God.

Psalm 23

1The Lord is my shepherd; I shall not want.
2He makes me lie down in green pastures.
He leads me beside still waters.
3He restores my soul.
He leads me in paths of righteousness
for his name’s sake.
4Even though I walk through the valley of the shadow of death,
I will fear no evil,
for you are with me;
your rod and your staff,
they comfort me.
5You prepare a table before me
in the presence of my enemies;
you anoint my head with oil;
my cup overflows.
6Surely goodness and mercy shall follow me
all the days of my life,
and I shall dwell in the house of the Lord
forever.

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Acedia

Im letzten TUNE IN halfen Texte des Philosophen Josef Pieper, den Wert der «Musse» zu entdecken. Pieper weist auch darauf hin, dass «Nichtstun» im Christentum oft mit dem Begriff der «Acedia» verpönt wurde. Acedia gehörte zu den mittelalterlichen Todsünden. Genau genommen meinten die mittelalterlichen Theologen aber gar nicht, dass alles «Nichts Tun» so schlecht ist wie die «Acedia». Acedia bezeichnete nach Pieper tatsächlich eine Art Lähmung, die daraus kommt, «…dass der Mensch seinem eigenen Sein letztlich nicht zustimmt; dass er, hinter aller energischen Aktivität, dennoch nicht eins ist mit sich selbst; dass ihn, wie das Mittelalter es ausgedrückt hat, Traurigkeit erfasst angesichts des göttlichen Gutes, das in ihm selber wohnt (welche Traurigkeit die tristitia saeculi der Heiligen Schrift sei).»
Der Mensch erkennt also nicht, wozu Gott ihn bestimmt hat und will mehr sein (oder etwas Anderes) als wozu Gott ihn berufen hat. Er merkt nicht, was Gott in ihn hineingelegt hat. Das legt ihn lahm. Oder kann ihn sogar zu Aktivismus antreiben.
Schaut man sich die Darstellungen der Acedia an, so sieht man, dass sie schläft und vielleicht unrealistischen Träumen nachhängt. Ich selber würde die Acedia, wenn ich ein modernes Bild dafür finden müsste, als pupertierenden Teenager malen, der noch nicht erkennt, wozu Gott ihn berufen hat. Er träumt davon, ein grosser Popstar zu werden. Im einen Augenblick ist er noch wie gelämt und am Boden zerstört, weil sein Traumbild weit weg ist von der Realität. Aber im nächsten Augenblick springt er auf, um eine Nacht lang seine E-Gitarre zu behandeln. Dabei verpasst er (vorläufig noch, bis er reifer geworden it) seine wahre Berufung.
Auch als Erwachsene müssen wir uns fragen, ob in uns immer noch eine solche Teenager-Acedia steckt.

Crash

Vor dem Museum für moderne Kunst (Museum of Modern Art MO) in der litauischen Stadt Vilnius steht zur Zeit ein Autowrack. Es sieht so aus, als habe es der Fahrer mit letztem Aufwand dorthin geschafft – trotz flachem Reifen. Diese Art von Ruhe kommt aus der Betriebsamkeit, vielleicht aus überhöhter Geschwindigkeit. Kennen wir diese Art von Crashs in unserem Leben? Was soeben noch sehr schnell ging, bleibt auf einmal stehen. Dieses Auto gleicht einem Menschen, der nach einem Crasg auf hektische Betriebsamkeit zurückblickt und dem nichts bleibt als eine hässliche, sinnlos gewordene Blechbüchse. Diese taugt höchstens noch für den Schrittplatz oder im besten Fall noch für ein Museum.

Musse

Ein paar Schritte weiter, in einem kleinen Skulpturenpark hinter dem Museum, ist ein Werk der Künstlerin Ksenija Jaroševaitė (*1953) zu sehen. Der Plan des Museums, die Skulptur anzukaufen und zu zeigen, war offenbar höchst umstritten. Denn sie bezieht sich auf etwas, was in der heutigen Kunstszene tabu ist: auf eine Bibelstelle, genauer auf Psalm 23. Ein  Mann liegt im Gras und schaut in den Himmel. Auf seinem Bauch trägt er Bibelverse. Die Künstlerin greift oft die Bildsprache archaischer Kunst und orthodoxer Ikonen auf. Diese Skulptur spricht von einem anderen Nichts-Tun als die Acedia und der Auto-Crash. Der Mann hat sich bewusst im Zeichen von Psalm 23 ins Gras gelegt. Er hat kein Burn Out. Und er scheint auch keinen unrealistischen Träumereien von dem, was er einmal sein möchte, nachzuhängen. Seine schlichte, fast etwas komische Figur kommuniziert keine Eitelkeit. Sein Blick geht nach oben.
Beten wir zur Übung Psalm 23, kommen wir zur Ruhe (vielleicht gerade in derselben Stellung wie dieser Mann) und bringen all unsere Crashs und Acedia-Momente vor Gott.

Psalm 23

1 Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln. 
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser. 
3 Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen. 
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich. 
5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein. 
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN
immerdar.

Text: Beat Rink

ENGLISH

Acedia

In the last TUNE IN, texts by the philosopher Josef Pieper helped us to discover the value of «leisure». Pieper also points out that, in Christianity, «doing nothing» has often been dismissed disparagingly with the word «Acedia». Acedia belonged to the Deadly Sins of the Middle Ages.
Strictly speaking, mediaeval theologians certainly did not see every form of «doing nothing» as being as bad as «Acedia». Acedia, according to Pieper, actually means a kind of paralysis resulting from the fact “that a man does not, in the last resort, give the consent of his will to his own being; that beneath the dynamic activity of his existence, he is still not at one with himself; that, as the Middle Ages expressed it, sadness overwhelms him when he is confronted with the divine good things immanent in himself (that sadness which is the tristitia saeculi of Holy Scripture).”
So man has not discovered what God intended him to be and wishes to be more (or something other) than what God has called him to. He has not discovered what God has put in him. This paralyses him. Or it can even drive him into activism. If one looks at depictions of Acedia, one sees that she is asleep and is perhaps inwardly fixed on unrealistic dreams. If I personally had to find a modern illustration for Acedia, I would paint a teenager in puberty who has not yet discovered what God has called him to. He dreams of becoming a great pop star. One moment he seems paralysed and devastated because his dream vision is far from reality; but the next moment he leaps up and spends the whole night working over his electric guitar. By doing so he misses (till he becomes more mature) his true calling.
Even as adults, we still have to ask ourselves if there is a teenage Acedia of this kind in us.

Crash

In front of the MO museum of modern art in the town of Vilnius in Lithuania, a wrecked car is currently on display. One gets the impression the driver must have used his last strength to get the car there – despite a flat tyre. This kind of peace comes from hectic action, perhaps from excessive speed. Are we familiar with this kind of crash in our lives? What was still going very fast a moment ago suddenly comes to a standstill. This car is like a person looking back after a crash at hectic activity from which nothing is left over except an ugly and now meaningless tin box. If it still has any value at all, then only for a scrap dealer or, at best, a museum.

Leisure

Going a few steps further, in a small sculpture park behind the museum, we can see a work by the sculptress Ksenija Jaroševaitė (*1953). The proposal to purchase the sculpture and display it was obviously highly controversial. For it refers to something which is taboo in today’s art scene: to a Bible passage, more precisely, to Psalm 23, with a man lying in the grass and looking up into the sky. On his stomach he has Bible verses. The artist often draws on the pictorial language of archaic art and Orthodox icons. This sculpture is talking about a different kind of «doing nothing», which is neither Acedia nor the car crash. This man has consciously chosen to lie down the grass in the sense of Psalm 23. He is not suffering from burn-out. Nor does he seem to be fondly holding onto any unrealistic dreams about what he might wish to become sometime. His artless, perhaps slightly comical figure communicates no vanity. His gaze is directed upwards.
As an exercise, let us pray Psalm 23, let us become quiet (perhaps in precisely the same position as this man) and bring all of our crash and Acedia moments before God.

Psalm 23

1The Lord is my shepherd; I shall not want.
2He makes me lie down in green pastures.
He leads me beside still waters.
3He restores my soul.
He leads me in paths of righteousness
for his name’s sake.
4Even though I walk through the valley of the shadow of death,
I will fear no evil,
for you are with me;
your rod and your staff,
they comfort me.
5You prepare a table before me
in the presence of my enemies;
you anoint my head with oil;
my cup overflows.
6Surely goodness and mercy shall follow me
all the days of my life,
and I shall dwell in the house of the Lord
forever.

Acedia

In the last TUNE IN, texts by the philosopher Josef Pieper helped us to discover the value of «leisure». Pieper also points out that, in Christianity, «doing nothing» has often been dismissed disparagingly with the word «Acedia». Acedia belonged to the Deadly Sins of the Middle Ages.
Strictly speaking, mediaeval theologians certainly did not see every form of «doing nothing» as being as bad as «Acedia». Acedia, according to Pieper, actually means a kind of paralysis resulting from the fact “that a man does not, in the last resort, give the consent of his will to his own being; that beneath the dynamic activity of his existence, he is still not at one with himself; that, as the Middle Ages expressed it, sadness overwhelms him when he is confronted with the divine good things immanent in himself (that sadness which is the tristitia saeculi of Holy Scripture).”
So man has not discovered what God intended him to be and wishes to be more (or something other) than what God has called him to. He has not discovered what God has put in him. This paralyses him. Or it can even drive him into activism. If one looks at depictions of Acedia, one sees that she is asleep and is perhaps inwardly fixed on unrealistic dreams. If I personally had to find a modern illustration for Acedia, I would paint a teenager in puberty who has not yet discovered what God has called him to. He dreams of becoming a great pop star. One moment he seems paralysed and devastated because his dream vision is far from reality; but the next moment he leaps up and spends the whole night working over his electric guitar. By doing so he misses (till he becomes more mature) his true calling.
Even as adults, we still have to ask ourselves if there is a teenage Acedia of this kind in us.

Crash

In front of the MO museum of modern art in the town of Vilnius in Lithuania, a wrecked car is currently on display. One gets the impression the driver must have used his last strength to get the car there – despite a flat tyre. This kind of peace comes from hectic action, perhaps from excessive speed. Are we familiar with this kind of crash in our lives? What was still going very fast a moment ago suddenly comes to a standstill. This car is like a person looking back after a crash at hectic activity from which nothing is left over except an ugly and now meaningless tin box. If it still has any value at all, then only for a scrap dealer or, at best, a museum.

Leisure

Going a few steps further, in a small sculpture park behind the museum, we can see a work by the sculptress Ksenija Jaroševaitė (*1953). The proposal to purchase the sculpture and display it was obviously highly controversial. For it refers to something which is taboo in today’s art scene: to a Bible passage, more precisely, to Psalm 23, with a man lying in the grass and looking up into the sky. On his stomach he has Bible verses. The artist often draws on the pictorial language of archaic art and Orthodox icons. This sculpture is talking about a different kind of «doing nothing», which is neither Acedia nor the car crash. This man has consciously chosen to lie down the grass in the sense of Psalm 23. He is not suffering from burn-out. Nor does he seem to be fondly holding onto any unrealistic dreams about what he might wish to become sometime. His artless, perhaps slightly comical figure communicates no vanity. His gaze is directed upwards.
As an exercise, let us pray Psalm 23, let us become quiet (perhaps in precisely the same position as this man) and bring all of our crash and Acedia moments before God.

Psalm 23

1The Lord is my shepherd; I shall not want.
2He makes me lie down in green pastures.
He leads me beside still waters.
3He restores my soul.
He leads me in paths of righteousness
for his name’s sake.
4Even though I walk through the valley of the shadow of death,
I will fear no evil,
for you are with me;
your rod and your staff,
they comfort me.
5You prepare a table before me
in the presence of my enemies;
you anoint my head with oil;
my cup overflows.
6Surely goodness and mercy shall follow me
all the days of my life,
and I shall dwell in the house of the Lord
forever.

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Acedia

Im letzten TUNE IN halfen Texte des Philosophen Josef Pieper, den Wert der «Musse» zu entdecken. Pieper weist auch darauf hin, dass «Nichtstun» im Christentum oft mit dem Begriff der «Acedia» verpönt wurde. Acedia gehörte zu den mittelalterlichen Todsünden. Genau genommen meinten die mittelalterlichen Theologen aber gar nicht, dass alles «Nichts Tun» so schlecht ist wie die «Acedia». Acedia bezeichnete nach Pieper tatsächlich eine Art Lähmung, die daraus kommt, «…dass der Mensch seinem eigenen Sein letztlich nicht zustimmt; dass er, hinter aller energischen Aktivität, dennoch nicht eins ist mit sich selbst; dass ihn, wie das Mittelalter es ausgedrückt hat, Traurigkeit erfasst angesichts des göttlichen Gutes, das in ihm selber wohnt (welche Traurigkeit die tristitia saeculi der Heiligen Schrift sei).»
Der Mensch erkennt also nicht, wozu Gott ihn bestimmt hat und will mehr sein (oder etwas Anderes) als wozu Gott ihn berufen hat. Er merkt nicht, was Gott in ihn hineingelegt hat. Das legt ihn lahm. Oder kann ihn sogar zu Aktivismus antreiben.
Schaut man sich die Darstellungen der Acedia an, so sieht man, dass sie schläft und vielleicht unrealistischen Träumen nachhängt. Ich selber würde die Acedia, wenn ich ein modernes Bild dafür finden müsste, als pupertierenden Teenager malen, der noch nicht erkennt, wozu Gott ihn berufen hat. Er träumt davon, ein grosser Popstar zu werden. Im einen Augenblick ist er noch wie gelämt und am Boden zerstört, weil sein Traumbild weit weg ist von der Realität. Aber im nächsten Augenblick springt er auf, um eine Nacht lang seine E-Gitarre zu behandeln. Dabei verpasst er (vorläufig noch, bis er reifer geworden it) seine wahre Berufung.
Auch als Erwachsene müssen wir uns fragen, ob in uns immer noch eine solche Teenager-Acedia steckt.

Crash

Vor dem Museum für moderne Kunst (Museum of Modern Art MO) in der litauischen Stadt Vilnius steht zur Zeit ein Autowrack. Es sieht so aus, als habe es der Fahrer mit letztem Aufwand dorthin geschafft – trotz flachem Reifen. Diese Art von Ruhe kommt aus der Betriebsamkeit, vielleicht aus überhöhter Geschwindigkeit. Kennen wir diese Art von Crashs in unserem Leben? Was soeben noch sehr schnell ging, bleibt auf einmal stehen. Dieses Auto gleicht einem Menschen, der nach einem Crasg auf hektische Betriebsamkeit zurückblickt und dem nichts bleibt als eine hässliche, sinnlos gewordene Blechbüchse. Diese taugt höchstens noch für den Schrittplatz oder im besten Fall noch für ein Museum.

Musse

Ein paar Schritte weiter, in einem kleinen Skulpturenpark hinter dem Museum, ist ein Werk der Künstlerin Ksenija Jaroševaitė (*1953) zu sehen. Der Plan des Museums, die Skulptur anzukaufen und zu zeigen, war offenbar höchst umstritten. Denn sie bezieht sich auf etwas, was in der heutigen Kunstszene tabu ist: auf eine Bibelstelle, genauer auf Psalm 23. Ein  Mann liegt im Gras und schaut in den Himmel. Auf seinem Bauch trägt er Bibelverse. Die Künstlerin greift oft die Bildsprache archaischer Kunst und orthodoxer Ikonen auf. Diese Skulptur spricht von einem anderen Nichts-Tun als die Acedia und der Auto-Crash. Der Mann hat sich bewusst im Zeichen von Psalm 23 ins Gras gelegt. Er hat kein Burn Out. Und er scheint auch keinen unrealistischen Träumereien von dem, was er einmal sein möchte, nachzuhängen. Seine schlichte, fast etwas komische Figur kommuniziert keine Eitelkeit. Sein Blick geht nach oben.
Beten wir zur Übung Psalm 23, kommen wir zur Ruhe (vielleicht gerade in derselben Stellung wie dieser Mann) und bringen all unsere Crashs und Acedia-Momente vor Gott.

Psalm 23

1 Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln. 
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser. 
3 Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen. 
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich. 
5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein. 
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN
immerdar.

Text: Beat Rink

ARTS+, die schweizerische Vereinigung christlicher Kunstschaffender und Arbeitsgemeinschaft der “Schweizerischen Evangelischen Allianz”, vergibt jährlich einen mit 1500 CHF dotierten Preis an professionelle Künstler, die in den vergangenen Monaten Glaubensthemen aufgegriffen, in einem Werk umgesetzt und damit in der Öffentlichkeit eine gewisse Resonanz ausgelöst haben. In diesem Jahr wird zusätzlich ein mit 500 CHF dotierter Förderpreis vergeben.

Die Preisverleihung fand am 25. Oktober im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung von ARTS+ in Zürich statt. Ort: «Jenseits», Bogen 11/12, Viaduktstr. 65, 8005 Zürich. Beginn: 19:00 mit Referat von Dr.phil. Dr.theol. Matthias Krieg: «Unverfügbarkeit. Kontrolle ist gut. Vertrauen ist besser.»

Zu den Preisträgern:

Am 25.Oktober wird der bildende Künstler Micha Aregger für seine Installation „Atemwolke“ ausgezeichnet.

Die Jury schreibt dazu: In seinen skulpturalen, grossmasstäblichen Installationen gelingt es Micha Aregger stets von neuem, vielschichtige thematische Bezüge zwischen Gesellschaft, Spiritualität und Ästhetik zu erarbeiten. Prägend für die Arbeiten des Künstlers ist auch deren inhaltliche und formale Zugänglichkeit für ein breites Publikum. Hier findet Micha Aregger immer wieder überraschende Wege, ohne dabei den Anspruch an eine künstlerische Komplexität aufgeben zu müssen. Die christliche Grundhaltung des Künstlers fliesst auf eine selbstverständliche Weise in sein Werk ein und manifestiert sich mit erfrischender Offenheit auch in der Art und Weise, wie Micha Aregger selbst über seine Arbeiten reflektiert. Der Anerkennungspreis möge Micha Aregger ermutigen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

https://www.michaa.ch/9294950/atemwolke

https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/luzern/religion-die-atemwolke-zieht-weiter-ld.96060

PrixPlus Förderpreis
Zudem vergibt ARTS+ einen mit 500 CHF dotierten Förderpreis 2019 an Julia Medugno für ihre Verdienste als als Intendantin des Ensembles Ultraschall, mit dem sie immer wieder zentrale Lebens- und Glaubensthemen aufgreift.

https://www.ultra-schall.ch<https://www.ultra-schall.ch/>

Julia Medugno, Sopran/ Choreographie


ENGLISH

Stressed audience – stressed artists
People who go to concerts, theatres, exhibitions or cinemas are looking for a refreshing break in the routine of everyday life. For our everyday life is often hectic and threatens to take over all aspect of life. Sometimes one can hardly draw breath and regain some tranquillity in one’s thoughts. How is it for the artists themselves? Doesn’t hectic action and stress usually prevail in artistic production as well? And then, perhaps, we may find two groups of people facing each other in a concert: stressed people in the audience searching for a «recreation of the soul [Gemüt]» (J.S. Bach) and at least equally stressed people whose have the job of transmitting this «recreation» down from the stage. Two questions open up here: 1. Might it be that music does not create only stress, but also joy, in the musicians? 2. How could we make sure that artists can always regain an inner tranquillity and carry out their creative work from an attitude of leisure [German «Musse»]?

What is «leisure»?
Here we go into the second question. This leads us to open a timeless little book by the Christian philosopher Josef Pieper (1904-1997), written shortly after the 2nd World War: «Musse und Kult» [“Leisure and worship”. English title of the book: “Leisure – the basis of Culture”]. Let us listen to a few sentences scattered throughout its pages which bring us nearer to the main thrust of the book:

«… leisure in Greek is skole, and in Latin scola, the English “school”. The word used to designate the place where we educate and teach is derived from a word which means “leisure”. “School” does not, properly speaking, mean school, but leisure. (…)  Max Weber quotes the saying, that “one does not work to live; one lives to work”, which nowadays no one has much difficulty in understanding: it expresses the current opinion. We even find some difficulty in grasping that it reverses the order of things and stands them on their head. But what ought we to say to the opposite view, to the view that “we work in order to have leisure”? »

Leisure is the opposite of «doing something». Nor should gaining insights for our mind simply be «mental work»:  «What happens when our eye catches sight of a rose?  What active part do we play here? Our soul is passive and receptive. We are awake and active, certainly. But it is a looking without tension – inasmuch as it is case of genuinely looking and not an observing which has already started to measure and count.»  « The Greeks as well as the great medieval thinkers, held that not only physical, sensuous perception, but equally man’s spiritual and intellectual knowledge, included an element of pure, receptive contemplation, or as Heraclitus says, of “listening to the essence of things”. »

We often think that what we achieve with great effort must also somehow be «the good». « The inmost significance of the exaggerated value which is set upon hard work appears to be this: man seems to mistrust everything that is effortless; he can only enjoy, with a good conscience, what he has acquired with toil and trouble; he refuses to have anything as a gift. We have only to think for a moment how much the Christian understanding of life depends upon the existence of “Grace”; let us recall that the Holy Spirit of God is himself called a “gift” in a special sense ».

What does this mean for the «artes liberales», the «liberal, free arts»? They are no longer free where they are made to serve a purpose, when they become entirely «work» and no longer come from «leisure».  «There is not only the utility value, there is also the blessing.»

«One can say that this is the core of leisure: celebration. (…) The most festive festival that can be celebrated, of any kind, is worship.» With worship Pieper means the worship of God, the divine service that arises out of the commandment of the Sabbath.

Questions:

Do we see art only as «work» or also as «leisure», as described by Pieper?

How can we win back «leisure» of this kind and, «in receiving», be creative?

How can we make a contribution to getting more «leisure» into the culture scene?
 

Editor: Beat Rink / translation: Bill Buchanan, (and part of the quotes: Alexander Dru)

DEUTSCH

Gestresstes Publikum – gestresste Künstler
Menschen, die in Konzerte, Theater, Ausstellungen oder Kinos gehen, suchen einen wohltuenden Unterbruch des Alltagslebens. Denn dieser Arbeitsalltag ist oft hektisch und vereinnahmt das ganze Leben. Manchmal kann kaum mehr aufatmen und zur Ruhe kommen. Wie steht es mit den Künstlern selbst? Herrscht nicht auch auf der Seite der Kunst-Produktion meist Hektik und Stress? Und da sitzen sich also zum Beispiel in einem Konzert zwei Menschengruppen gegenüber: Gestresste, eine «Recreation des Gemüths» (J.S. Bach) suchende Menschen im Publikum und nicht weniger gestresste Menschen, die von der Bühne herab diese «Recreation» bewirken sollen. Zwei Fragen tun sich hier auf: 1. Könnte es sein, dass die Musik nicht einfach nur Stress, sondern auch bei den Musikern Freude bewirkt? 2. Wie könnte es zu bewerkstelligen sein, dass Künstler immer wieder selber zur Ruhe kommen und aus der «Musse» heraus schöpferisch tätig sind?

Was heisst «Musse»?
Hier soll es um die zweite Frage gehen. Sie lässt uns ein kurz nach dem 2.Weltkrieg entstandenes, zeitlos gültiges Büchlein aufschlagen, das aus der Feder des christlichen Philosophen Josef Pieper (1906-1997) stammt: «Musse und Kult». Hören wir auf einige über das Buch verstreute Sätze, die uns die die Grundaussage nahebringen:

«Muße heißt griechisch σχολἠ (skole), lateinisch schola, deutsch Schule.Der Name also, mit dem wir die Stätten der Bildung, und gar die der Ausbildung, benennen, bedeutet Muße. Schule heißt nicht »Schule«, sondern: Muße. (…) »Man arbeitet nicht allein, dass man lebt, sondern man lebt um der Arbeit willen« – diesen Satz versteht jedermann unmittelbar; in ihm ist ja die landläufige Meinung ausgesprochen. Es fällt uns schwer, zu bemerken, dass hier die Ordnung der Dinge auf den Kopf gestellt ist. (…) Wie aber werden wir antworten auf den anderen Satz: »Wir arbeiten, um Muße zu haben«?»

Musse ist das Gegenteil von «etwas tun». Auch geistiges Erkennen sollte nicht einfach «Gedankenarbeit» sein. «Was geschieht, wenn unser Auge eine Rose erblickt? Was tun wir selber dabei?…Wir sind wach und tätig, gewiss. Aber es ist ein unangespanntes Hinblicken – sofern es sich wirklich um eigentliches Anschauen handelt, und nicht etwa um Beobachtung, die schon dabei ist, zu messen und zu zählen. (…) Sowohl die Griechen…wie auch die grossen mittelalterlichen Denker sind der Meinung gewesen, es gebe nicht allein in der Sinneswahrnehmung, sondern auch im geistigen Erkennen ein Element des rein empfangenden Hinblickens, oder, wie Heraklit sagt, des «Hinhorchens auf das Wesen der Dinge».»

Oft meinen wir, das mit Mühe Errungene sei auch irgendwie das «Gute».«Die innerste Meinung aber jener Überwertung der Mühe scheint diese zu sein: dass der Mensch allem misstraut, was mühelos ist; dass er gewillt ist, einzig das mit gutem Gewissen als Eigentum zu haben, was er sich selbst in schmerzhafter Mühsal errungen hat; dass er es ablehnt, sich etwas schenken zu lassen. Bedenken wir einen Augenblick, wie sehr christliches Lebensverständnis darauf beruht, dass es »Gnade« gibt; erinnern wir uns daran, dass der Heilige Gottesgeist in besonderem Sinn selbst »Geschenk« genannt wird.»

Was heisst dies für die «artes liberales», die «freien Künste»? Sie sind nicht mehr frei, wenn sie nur noch «Arbeit» sind, wenn sie nicht mehr aus der «Musse» kommen und wenn sie verzweckt werden.  «Es gibt nicht nur den Nutzen, es gibt auch den Segen.»

Musse und Kult, Gottesdienst: «Man kann sagen, der Kern von Musse sei: Feiern.(…) Das festlichste Fest, das überhaupt gefeiert werden kann, ist der Kult.» Mit Kult meint Pieper das Gotteslob, den Gottesdienst, der aus dem Sabbatgebot kommt.

Fragen:

Sehen wir Kunst nur als «Arbeit» oder auch als «Musse», wie sie Pieper beschreibt?

Wie können wir wieder solche «Musse» gewinnen und «empfangend» schöpferisch sein?

Wie können wir darauf hinwirken, dass in der Kulturszene mehr «Musse» Eingang findet»?

Textzusammenstellung: Beat Rink

ENGLISH

Stressed audience – stressed artists
People who go to concerts, theatres, exhibitions or cinemas are looking for a refreshing break in the routine of everyday life. For our everyday life is often hectic and threatens to take over all aspect of life. Sometimes one can hardly draw breath and regain some tranquillity in one’s thoughts. How is it for the artists themselves? Doesn’t hectic action and stress usually prevail in artistic production as well? And then, perhaps, we may find two groups of people facing each other in a concert: stressed people in the audience searching for a «recreation of the soul [Gemüt]» (J.S. Bach) and at least equally stressed people whose have the job of transmitting this «recreation» down from the stage. Two questions open up here: 1. Might it be that music does not create only stress, but also joy, in the musicians? 2. How could we make sure that artists can always regain an inner tranquillity and carry out their creative work from an attitude of leisure [German «Musse»]?

What is «leisure»?
Here we go into the second question. This leads us to open a timeless little book by the Christian philosopher Josef Pieper (1904-1997), written shortly after the 2nd World War: «Musse und Kult» [“Leisure and worship”. English title of the book: “Leisure – the basis of Culture”]. Let us listen to a few sentences scattered throughout its pages which bring us nearer to the main thrust of the book:

«… leisure in Greek is skole, and in Latin scola, the English “school”. The word used to designate the place where we educate and teach is derived from a word which means “leisure”. “School” does not, properly speaking, mean school, but leisure. (…)  Max Weber quotes the saying, that “one does not work to live; one lives to work”, which nowadays no one has much difficulty in understanding: it expresses the current opinion. We even find some difficulty in grasping that it reverses the order of things and stands them on their head. But what ought we to say to the opposite view, to the view that “we work in order to have leisure”? »

Leisure is the opposite of «doing something». Nor should gaining insights for our mind simply be «mental work»:  «What happens when our eye catches sight of a rose?  What active part do we play here? Our soul is passive and receptive. We are awake and active, certainly. But it is a looking without tension – inasmuch as it is case of genuinely looking and not an observing which has already started to measure and count.»  « The Greeks as well as the great medieval thinkers, held that not only physical, sensuous perception, but equally man’s spiritual and intellectual knowledge, included an element of pure, receptive contemplation, or as Heraclitus says, of “listening to the essence of things”. »

We often think that what we achieve with great effort must also somehow be «the good». « The inmost significance of the exaggerated value which is set upon hard work appears to be this: man seems to mistrust everything that is effortless; he can only enjoy, with a good conscience, what he has acquired with toil and trouble; he refuses to have anything as a gift. We have only to think for a moment how much the Christian understanding of life depends upon the existence of “Grace”; let us recall that the Holy Spirit of God is himself called a “gift” in a special sense ».

What does this mean for the «artes liberales», the «liberal, free arts»? They are no longer free where they are made to serve a purpose, when they become entirely «work» and no longer come from «leisure».  «There is not only the utility value, there is also the blessing.»

«One can say that this is the core of leisure: celebration. (…) The most festive festival that can be celebrated, of any kind, is worship.» With worship Pieper means the worship of God, the divine service that arises out of the commandment of the Sabbath.

Questions:

Do we see art only as «work» or also as «leisure», as described by Pieper?

How can we win back «leisure» of this kind and, «in receiving», be creative?

How can we make a contribution to getting more «leisure» into the culture scene?
 

Editor: Beat Rink / translation: Bill Buchanan, (and part of the quotes: Alexander Dru)

DEUTSCH

Gestresstes Publikum – gestresste Künstler
Menschen, die in Konzerte, Theater, Ausstellungen oder Kinos gehen, suchen einen wohltuenden Unterbruch des Alltagslebens. Denn dieser Arbeitsalltag ist oft hektisch und vereinnahmt das ganze Leben. Manchmal kann kaum mehr aufatmen und zur Ruhe kommen. Wie steht es mit den Künstlern selbst? Herrscht nicht auch auf der Seite der Kunst-Produktion meist Hektik und Stress? Und da sitzen sich also zum Beispiel in einem Konzert zwei Menschengruppen gegenüber: Gestresste, eine «Recreation des Gemüths» (J.S. Bach) suchende Menschen im Publikum und nicht weniger gestresste Menschen, die von der Bühne herab diese «Recreation» bewirken sollen. Zwei Fragen tun sich hier auf: 1. Könnte es sein, dass die Musik nicht einfach nur Stress, sondern auch bei den Musikern Freude bewirkt? 2. Wie könnte es zu bewerkstelligen sein, dass Künstler immer wieder selber zur Ruhe kommen und aus der «Musse» heraus schöpferisch tätig sind?

Was heisst «Musse»?
Hier soll es um die zweite Frage gehen. Sie lässt uns ein kurz nach dem 2.Weltkrieg entstandenes, zeitlos gültiges Büchlein aufschlagen, das aus der Feder des christlichen Philosophen Josef Pieper (1906-1997) stammt: «Musse und Kult». Hören wir auf einige über das Buch verstreute Sätze, die uns die die Grundaussage nahebringen:

«Muße heißt griechisch σχολἠ (skole), lateinisch schola, deutsch Schule.Der Name also, mit dem wir die Stätten der Bildung, und gar die der Ausbildung, benennen, bedeutet Muße. Schule heißt nicht »Schule«, sondern: Muße. (…) »Man arbeitet nicht allein, dass man lebt, sondern man lebt um der Arbeit willen« – diesen Satz versteht jedermann unmittelbar; in ihm ist ja die landläufige Meinung ausgesprochen. Es fällt uns schwer, zu bemerken, dass hier die Ordnung der Dinge auf den Kopf gestellt ist. (…) Wie aber werden wir antworten auf den anderen Satz: »Wir arbeiten, um Muße zu haben«?»

Musse ist das Gegenteil von «etwas tun». Auch geistiges Erkennen sollte nicht einfach «Gedankenarbeit» sein. «Was geschieht, wenn unser Auge eine Rose erblickt? Was tun wir selber dabei?…Wir sind wach und tätig, gewiss. Aber es ist ein unangespanntes Hinblicken – sofern es sich wirklich um eigentliches Anschauen handelt, und nicht etwa um Beobachtung, die schon dabei ist, zu messen und zu zählen. (…) Sowohl die Griechen…wie auch die grossen mittelalterlichen Denker sind der Meinung gewesen, es gebe nicht allein in der Sinneswahrnehmung, sondern auch im geistigen Erkennen ein Element des rein empfangenden Hinblickens, oder, wie Heraklit sagt, des «Hinhorchens auf das Wesen der Dinge».»

Oft meinen wir, das mit Mühe Errungene sei auch irgendwie das «Gute».«Die innerste Meinung aber jener Überwertung der Mühe scheint diese zu sein: dass der Mensch allem misstraut, was mühelos ist; dass er gewillt ist, einzig das mit gutem Gewissen als Eigentum zu haben, was er sich selbst in schmerzhafter Mühsal errungen hat; dass er es ablehnt, sich etwas schenken zu lassen. Bedenken wir einen Augenblick, wie sehr christliches Lebensverständnis darauf beruht, dass es »Gnade« gibt; erinnern wir uns daran, dass der Heilige Gottesgeist in besonderem Sinn selbst »Geschenk« genannt wird.»

Was heisst dies für die «artes liberales», die «freien Künste»? Sie sind nicht mehr frei, wenn sie nur noch «Arbeit» sind, wenn sie nicht mehr aus der «Musse» kommen und wenn sie verzweckt werden.  «Es gibt nicht nur den Nutzen, es gibt auch den Segen.»

Musse und Kult, Gottesdienst: «Man kann sagen, der Kern von Musse sei: Feiern.(…) Das festlichste Fest, das überhaupt gefeiert werden kann, ist der Kult.» Mit Kult meint Pieper das Gotteslob, den Gottesdienst, der aus dem Sabbatgebot kommt.

Fragen:

Sehen wir Kunst nur als «Arbeit» oder auch als «Musse», wie sie Pieper beschreibt?

Wie können wir wieder solche «Musse» gewinnen und «empfangend» schöpferisch sein?

Wie können wir darauf hinwirken, dass in der Kulturszene mehr «Musse» Eingang findet»?

Textzusammenstellung: Beat Rink

ENGLISH

A couple of days ago,Edgars Mazis shared spiritual reflections with us as part of an ARTS+ conference in Vienna.  Edgars Mazis is a Baptist pastor of a big church in Riga, Latvia. He also leads a discussion group at the National Theatre and another group with actors and musicians (photo) which he organises in collaboration with Guntars Pranis (Crescendo). The main points of his reflections are summarised here.

“For this reason I remind you to fan into flame the gift of God, which is in you through the laying on of my hands, for God gave us a spirit not of fear but of power and love and self-control.” (2 Timothy 1, 6.7)
At times we face difficulties, we are disappointed. One reason for this can be people whom we see as being more spiritual than ourselves. These “more mature Christians” may then begin teaching us because they are concerned about our spiritual life and are worried we are losing our faith…
Or, to take another example: Artists, who are emotional beings, are often driven by passion and emotions; however, more often than not, a time comes, when there isn’t any inspiration left for future work. Despite having run dry emotionally and having lost all desire to be successful artists, they still have to perform on stage. However, this state of being does not pertain to artists alone. Ordinary people find themselves in this situation as well. Unfortunately, there isn’t one perfect solution to this problem. Some start drinking, others go to therapy and others again start stringent exercise programmes.

In Timothy’s case, we cannot say from Paul’s letter what exactly the cause of his sadness and dismay was. Possibly he was being reproached because his father had not adopted the Christian faith, possibly for being too young. At this point Paul encourages him to do something unusual – namely to “fan into flame the gift of God”.
Many of us are familiar with barbecues. The “old way” of getting them started is to use paper and matches in order to get the charcoal going. This process takes time and energy. And this can also be the case with our “spiritual barbecue”. It is difficult to keep our spiritual fire going when we are tired, close to burnout, and doubting our call. At this point, Paul doesn’t encourage Timothy, and in turn us, to do this on his own.  Paul knows that this is the work of the Holy Spirit. All Timothy can do, all we can do, is to hand over this process to Jesus and make room for the Holy Spirit. This may seem to be a passive act. Yet Paul also encourages Timothy in this chapter to take action: he should remember what he has been given and what he has been called to. (“…the gift of God, which is in you through the laying on of my hands”).

From this we can learn two important lessons for our lives:

1. Remember your roots,
2. Remember your divine calling.

Therefore, let us be encouraged by verse 7: We have not received a spirit of fear, but of power and love and self-control.

Text: Edgars Mazis 

DEUTSCH

Vor ein paar Tagen hat Edgars Mazis in Wien im Rahmen einer Konferenz von ARTS+ die untenstehende, hier leicht gekürzte Andacht gehalten. Edgars Mazis ist Pastor einer grossen Baptistengemeinde in Riga. Er leitet seit Jahren einen Gesprächskreis am Nationaltheater und organisiert zusammen mit Guntars Pranis (Crescendo) weitere Künstlertreffen mit Schauspielern und Musikern (Bild). 

„Deshalb ermutige ich dich dazu, die geistliche Gabe wirken zu lassen, die Gott dir schenkte, als ich dir die Hände auflegte. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1, 6.7)

Es gibt Zeiten, in denen wir es schwer haben, in denen wir etwa enttäuscht sind. Da gibt es zum Beispiel Menschen, die sich uns geistlich überlegen fühlen. Diese „reiferen Christen“ beginnen dann möglicherweise, uns zu belehren, weil sie sich Sorgen um unser geistliches Wohl machen und meinen, wir würden den Glauben verlieren…

Oder ein anderes Beispiel: Künstler sind bekanntlich emotionale Menschen, die sich oft von Leidenschaften und Gefühlen antreiben lassen. Doch es  kann eine Periode eintreten, in der die Leidenschaft und Inspiration für die nächste künstlerische Schaffensphase fehlen. Trotz emotionaler Dürre und fehlendem Willen, das Beste zu geben, müssen sie dann etwa als Schauspieler auf der Bühne stehen. Allerdings kennen nicht nur Künstler, sondern auch andere Menschen solche Zeiten der  Lustlosigkeit. Leider gibt es dafür keine Musterlösung. Manche greifen zum Alkohol, andere besuchen eine Therapie und nochmals andere treiben Sport.

Uns wird nicht berichtet, was der Auslöser für die Traurigkeit und Lustlosigkeit von Timotheus war, auf die Paulus in der oben zitierten Bibelstelle anspielt. Möglicherweise wurde Timotheus dafür angeklagt, dass sein Vater kein Christ war, oder er wurde aufgrund seines jungen Alters beschimpft.

Paulus ermutigte ihn nun dazu, etwas Aussergewöhnliches zu tun, nämlich den Geist Gottes in ihm wirken zu lassen beziehungsweise das Feuer seiner gottgegebenen Gaben neu entflammen zu lassen.
Viele von uns kennen und nutzen einen Grill. Die altbekannte Methode, mit Papier und Streichhölzern Kohle zum Glühen zu bringen, fordert viel Zeit und Aufwand. So ist es auch mit unserem „geistlichen Grill“.
Wenn wir müde und dem Ausbrennen nahe sind und dazu noch an unserer Berufung zweifeln, ist es schwierig, das Feuer am Brennen zu halten.

Paulus ermutigt Timotheus und zugleich auch uns, dabei nicht allein zu bleiben. Er stellt klar, dass wir den Prozess an Jesus abgeben und für den Heiligen Geist Raum schaffen sollen, sodass er in uns wirken kann. Dies klingt zunächst sehr passiv.

Doch Paulus ermutigt Timotheus auch zu einer aktiven Handlung: Er soll sich an das erinnern, was ihm geschenkt und wozu er berufen wurde („die geistliche Gabe, die Gott dir schenkte, als ich dir die Hände auflegte“)

Daraus können wir zwei wichtige Dinge für unser Leben lernen:

1. Erinnere dich an deine Wurzeln
2. Erinnre dich an deine göttliche Berufung.

Deshalb sollen wir uns von Vers 7 ermutigen lassen: Wir haben keinen Geist der Furcht geschenkt bekommen, sondern einen Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit.   

Text: Edgars Mazis / Übersetzung: Marion Dirr

ENGLISH

A couple of days ago,Edgars Mazis shared spiritual reflections with us as part of an ARTS+ conference in Vienna.  Edgars Mazis is a Baptist pastor of a big church in Riga, Latvia. He also leads a discussion group at the National Theatre and another group with actors and musicians (photo) which he organises in collaboration with Guntars Pranis (Crescendo). The main points of his reflections are summarised here.

“For this reason I remind you to fan into flame the gift of God, which is in you through the laying on of my hands, for God gave us a spirit not of fear but of power and love and self-control.” (2 Timothy 1, 6.7)
At times we face difficulties, we are disappointed. One reason for this can be people whom we see as being more spiritual than ourselves. These “more mature Christians” may then begin teaching us because they are concerned about our spiritual life and are worried we are losing our faith…
Or, to take another example: Artists, who are emotional beings, are often driven by passion and emotions; however, more often than not, a time comes, when there isn’t any inspiration left for future work. Despite having run dry emotionally and having lost all desire to be successful artists, they still have to perform on stage. However, this state of being does not pertain to artists alone. Ordinary people find themselves in this situation as well. Unfortunately, there isn’t one perfect solution to this problem. Some start drinking, others go to therapy and others again start stringent exercise programmes.

In Timothy’s case, we cannot say from Paul’s letter what exactly the cause of his sadness and dismay was. Possibly he was being reproached because his father had not adopted the Christian faith, possibly for being too young. At this point Paul encourages him to do something unusual – namely to “fan into flame the gift of God”.
Many of us are familiar with barbecues. The “old way” of getting them started is to use paper and matches in order to get the charcoal going. This process takes time and energy. And this can also be the case with our “spiritual barbecue”. It is difficult to keep our spiritual fire going when we are tired, close to burnout, and doubting our call. At this point, Paul doesn’t encourage Timothy, and in turn us, to do this on his own.  Paul knows that this is the work of the Holy Spirit. All Timothy can do, all we can do, is to hand over this process to Jesus and make room for the Holy Spirit. This may seem to be a passive act. Yet Paul also encourages Timothy in this chapter to take action: he should remember what he has been given and what he has been called to. (“…the gift of God, which is in you through the laying on of my hands”).

From this we can learn two important lessons for our lives:

1. Remember your roots,
2. Remember your divine calling.

Therefore, let us be encouraged by verse 7: We have not received a spirit of fear, but of power and love and self-control.

Text: Edgars Mazis 

DEUTSCH

Vor ein paar Tagen hat Edgars Mazis in Wien im Rahmen einer Konferenz von ARTS+ die untenstehende, hier leicht gekürzte Andacht gehalten. Edgars Mazis ist Pastor einer grossen Baptistengemeinde in Riga. Er leitet seit Jahren einen Gesprächskreis am Nationaltheater und organisiert zusammen mit Guntars Pranis (Crescendo) weitere Künstlertreffen mit Schauspielern und Musikern (Bild). 

„Deshalb ermutige ich dich dazu, die geistliche Gabe wirken zu lassen, die Gott dir schenkte, als ich dir die Hände auflegte. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1, 6.7)

Es gibt Zeiten, in denen wir es schwer haben, in denen wir etwa enttäuscht sind. Da gibt es zum Beispiel Menschen, die sich uns geistlich überlegen fühlen. Diese „reiferen Christen“ beginnen dann möglicherweise, uns zu belehren, weil sie sich Sorgen um unser geistliches Wohl machen und meinen, wir würden den Glauben verlieren…

Oder ein anderes Beispiel: Künstler sind bekanntlich emotionale Menschen, die sich oft von Leidenschaften und Gefühlen antreiben lassen. Doch es  kann eine Periode eintreten, in der die Leidenschaft und Inspiration für die nächste künstlerische Schaffensphase fehlen. Trotz emotionaler Dürre und fehlendem Willen, das Beste zu geben, müssen sie dann etwa als Schauspieler auf der Bühne stehen. Allerdings kennen nicht nur Künstler, sondern auch andere Menschen solche Zeiten der  Lustlosigkeit. Leider gibt es dafür keine Musterlösung. Manche greifen zum Alkohol, andere besuchen eine Therapie und nochmals andere treiben Sport.

Uns wird nicht berichtet, was der Auslöser für die Traurigkeit und Lustlosigkeit von Timotheus war, auf die Paulus in der oben zitierten Bibelstelle anspielt. Möglicherweise wurde Timotheus dafür angeklagt, dass sein Vater kein Christ war, oder er wurde aufgrund seines jungen Alters beschimpft.

Paulus ermutigte ihn nun dazu, etwas Aussergewöhnliches zu tun, nämlich den Geist Gottes in ihm wirken zu lassen beziehungsweise das Feuer seiner gottgegebenen Gaben neu entflammen zu lassen.
Viele von uns kennen und nutzen einen Grill. Die altbekannte Methode, mit Papier und Streichhölzern Kohle zum Glühen zu bringen, fordert viel Zeit und Aufwand. So ist es auch mit unserem „geistlichen Grill“.
Wenn wir müde und dem Ausbrennen nahe sind und dazu noch an unserer Berufung zweifeln, ist es schwierig, das Feuer am Brennen zu halten.

Paulus ermutigt Timotheus und zugleich auch uns, dabei nicht allein zu bleiben. Er stellt klar, dass wir den Prozess an Jesus abgeben und für den Heiligen Geist Raum schaffen sollen, sodass er in uns wirken kann. Dies klingt zunächst sehr passiv.

Doch Paulus ermutigt Timotheus auch zu einer aktiven Handlung: Er soll sich an das erinnern, was ihm geschenkt und wozu er berufen wurde („die geistliche Gabe, die Gott dir schenkte, als ich dir die Hände auflegte“)

Daraus können wir zwei wichtige Dinge für unser Leben lernen:

1. Erinnere dich an deine Wurzeln
2. Erinnre dich an deine göttliche Berufung.

Deshalb sollen wir uns von Vers 7 ermutigen lassen: Wir haben keinen Geist der Furcht geschenkt bekommen, sondern einen Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit.   

Text: Edgars Mazis / Übersetzung: Marion Dirr

ENGLISH

Bible verses for every day
Every day, the pastor with whom I spent my first practical training period wrote out for himself a Bible verse on a slip of paper, and this then disappeared somewhere in his jacket. Several times during the course of the day, he took this verse out in order to read it himself or to pass it on while visiting the sick or leading devotions. It impressed me to see how a single verse could speak into completely different life situations and bear fruit there.
This is the same experience that I and many others have had with the «Losungen» [≈«drawn by lot»], available in printed form or as an app. In English usage, they are known as Moravian texts. The idea originated with Nikolaus, Count von Zinzendorf (1700-1760). On 3rd May, 1728, he delivered for the first time to the Hussite refugees from Moravia and Bohemia whom he had accommodated in his castle (where the Herrnhut Colony grew up) a «Word for the Day». Until 1731, these texts were passed on orally from house to house. Then the first «Losungen» booklet appeared. Today the «Losungen», consisting daily of one text each from the Old and New Testaments as well as an accompanying text, appear every year in 60 languages. For my wife and me, the daily «Losungen» are a beautiful start to the day.

Strengthening words
A few days ago, the «Losungen» brought words that strengthened me: «In all things we prove ourselves to be servants of God: in the word of truth, in the power of God, with the weapons of righteousness in the right hand and in the left». These words come from 1 Corinthians 6, 4 and 7. What a wonderful programme for a Christian couple seeking to serve God. They know the word of truth from the Bible. They trust in the power of God and openly take the side of righteousness. From these verses something beautiful and, in the best sense, victorious rings out. One of our visits just then was to an orthodox church in which a wonderfully beautiful, majestic angel gazed towards us (picture). The strength he expressed seemed to fit these words.

…mixed with darker tones
It is certainly helpful, however, if one occasionally reads verses in their context. In this case, the «Losungen» take the liberty of leaping over some lines. I looked up the missing verses and found there some things that sounded less victorious. «In all things we prove ourselves to be servants of God: in great endurance, in troubles, in hardships, in fears, in blows, in prisons, in riots, in strenuous effort, in vigils, in fasting, in purity, in understanding, in patience, in friendliness, in the Holy Spirit, in unfeigned love, in the word of truth…». I asked myself if I would still have the same enthusiasm about being «a servant of God» if had to suffer as Paul suffered? Jesus confronted his disciples with a similar question.

Carried by God
If one looks at the text more closely, one notices its carefully crafted construction, which reflects another of Paul’s experiences: There are difficult moments, but they are surrounded by gifts which can only come from God; at the beginning he speaks of «endurance» and later – after the «troubles» – of «understanding» and «patience», and finally of «friendliness and love» (also towards his persecutors?!) and of «the Holy Spirit» etc. This experience made Paul, and many others who came after him, into strong servants in the midst of great “hardships”.

Questions:
What does this mean for us?
What does it mean for artists who sometimes (especially in and because of following Christ) experience «troubles»?
And what does it furthermore mean for the melancholy artist in me, who all too quickly sees himself as the victim of difficult circumstances and persons?
And, quite generally: Do I allow myself to be guided through life by Bible verses – including those which speak of troubles and fears before they speak about God’s help?
 

text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH
 
Bibelverse für jeden Tag
Der Pfarrer, bei dem ich als junger Theologiestudent mein erstes Praktikum machte, schrieb sich jeden Morgen eine Bibelstelle auf einen Zettel, den er dann in seiner Jacke verschwinden liess. Im Laufe des Tages nahm er diese Stelle mehrmals hervor, um sie selber zu lesen oder um sie an einem Krankenbett oder in einer Andacht weiterzugeben. Mich beeindruckte, wie ein einzelner Vers in ganz verschiedene Lebens-Zusammenhänge hineinsprechen und darin fruchtbar werden konnte.
Ähnlich geht es mir und zahlreichen Menschen mit den Losungen, die in gedruckter Form oder als App greifbar sind. Im englischsprachigen Raum sind sie als Moravian texts bekannt. Die Idee stammt von Nikolaus Graf von Zinzendorf (1700-1760). Am 3.Mai 1728 überbrachte er den aus Mähren und Böhmen stammenden hussitischen Glaubensflüchtlingen, die er in seinem Schloss aufgenommen hatte (wo die Kolonie Herrnhut entstand), zum ersten Mal eine «Parole für den Tag». Diese Texte wurden bis 1731 von Haus zu Haus weitergesagt. Dann erschien das erste Losungsbüchlein. Heute werden die Losungen, bestehend aus einem alttestamentlichen und einem neutestamentlichen Vers sowie einem Begleittext, jährlich in 60 Sprachen herausgegeben. Für mich und meine Frau sind die täglichen Losungen ein schöner Tagesbeginn.
 
Stärkende Worte
Vor ein paar Tagen standen in den «Losungen» Worte die mich stärkten: «In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken.»Die Verse stammen aus 2.Korinter 6, 4 und 7. Was für ein wunderbares Programm für einen Christen und eine Christin, die Gott dienen wollen. Sie kennen das Wort der Wahrheit aus der Bibel. Sie vertrauen auf die Kraft Gottes und setzen sich mutig für Gerechtigkeit ein. Aus diesen Versen strahlt etwas Schönes und im besten Sinn Siegreiches hervor. In jenen Tagen besuchten wir gerade eine orthodoxe Kirche, in der uns ein wunderschöner, majestätischer Engel anblickte (Bild). Sein starker Ausdruck schien zu diesen Worten zu passen.
 
…mit dunklen Zwischentönen
Es ist allerdings hilfreich, wenn man ab und zu Verse in ihrem Kontext liest. Die Losungen erlaubten sich in diesem Fall sogar, eine Stelle zu überspringen. Ich schlug die fehlenden Verse nach und fand weniger siegreiche Zwischentöne: «In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit…». Ich fragte mich: Würde ich noch mit derselben Begeisterung «Diener Gottes» sein wollen, wenn ich leiden müsste wie Paulus litt? Jesus hat seine Jünger mit einer ähnlichen Frage konfrontiert.
 
Von Gott getragen
Wenn man den Text genau liest, erkennt man seinen kunstvollen Aufbau, der eine andere Erfahrung des Paulus widerspiegelt: Da gibt es schwere Momente. Aber sie werden von Gaben umgeben, die nur von Gott kommen können: Am Anfang ist von «Geduld» die Rede und später – nach den «Nöten» – von «Erkenntnis» und «Langmut», schliesslich von «Freundlichkeit und Liebe» (auch gegenüber den Verfolgern ?!) und vom «Heiligen Geist» usw. Diese Erfahrung machte Paulus und nach ihm so viele andere zu starken Dienern mitten in grossen «Bedrängnissen».
 
Fragen:
Was heisst das uns?
Was heisst es für Künstler*innen, die manchmal (gerade in und wegen der Nachfolge von Christus) «Bedrängnisse» erfahren?
Und was heisst es für den melancholischen Künstler in mir, der sich allzu schnell als Opfer von schwierigen Umständen und Menschen sieht?
Und ganz allgemein: Lasse ich mich von Bibelversen durch das Leben leiten – auch von solchen, die Nöte und Ängste benennen, bevor sie von Gottes Hilfe sprechen?

 
  
Text: Beat Rink
 

Bist du filmbegeistert und würdest gerne mal einen Ausflug in die Praxis unternehmen? Dauer & Pensum nach Vereinbarung. Mehr Infos zu mir und meinem Tätigkeitsbereich unter www.philippboehlen.com. Schreib mir eine Mail, falls du interessiert bist oder jemanden kennst!


Liebe Mitglieder*innen und Nichtmitglieder*innen,
Kunstschaffende und Kunstinteressierte,
Pfarrer*innen, Theolog*innen und Kulturfröhliche

Eine herzliche Einladung!


N A T I O N A L E S – T R E F F E N



Einmal im Jahr möchten wir mit Kunstschaffenden aller Sparten, Mitgliedern und Interessierten zusammen kommen:
meet Artists – meet ARTS+ , 25. Oktober 2019, «jenseits» IM VIADUKT
Bogen 11/12, Viaduktstrasse 65, Zürich

PROGRAMM
17.00   Generalversammlung für Mitglieder

Öffentlich:
17.30   Apéro und Präsentationsfenster *
19.00   Keynote Dr. theol. Dr. phil. Matthias Krieg und
 
Vergabe PrixPlus
20.00   FRED in concert 
(supporting Act: Céline Hales) in Zusammenarbeit mit Central Music

* 20 Plätze zu vergeben:
Das Präsentationsfenster beinhaltet 3 x 12 Min. persönliches Gespräch mit jeweils einer an deiner Arbeit interessierten Person. Auf ca. 30 x 30 cm Fläche (Flyer, Dokumentation, Laptop, IPad, ein Wort auf einem Stück Papier) kann die eigene künsterlische Arbeit oder Kulturinstitution präsentiert werden. Anmelden/Bewerben für einen Platz und weiterführende Infos dazu unter: projekte@ap.weiter.ch


 A K T U E L L



Freitag – Samstag
13. – 14. September 2019
CENTRAL CONFERENCE in Rapperswil

www.centralconference.ch



Freitag – Sonntag
27. – 29. September 2019
KUNST IM DEPOT in Winterthur

Offene Ateliers, Performances, Talks, Inputs, “Salon der Durchlässigkeiten”
www.kunstimdepot.jimdo.com


O P E N   C A L L S



Kulturwettbewerb Stiftung Weidli Stans
 Erstmals schreibt die Stiftung Weidli Stans einen Kulturwettbewerb aus, bei dem sich Künstler*innen aus der ganzen Schweiz bewerben können.
Gesucht sind drei künstlerische Interventionen in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Architektur, Gestaltung und Theater. Der Einbezug von Menschen mit Beeinträchtigung ist dabei ein zentrales Thema.zur Ausschreibung



Langes Wochenende der Künste. 13. – 16. August 2020
Einmal mehr wird Rasa, das malerisches Dörfchen im Centovalli, zum Schauplatz der Künste. Termin reservieren und gleich anmelden! Bist du als WorkshopleiterIn interessiert, dann meldet dich bei sischerr@gmail.com.
Video 2015
Anmelden


V O R G E S T E L L 



Gegründet im Jahr 2013 will das Weave Dance Collective gesellschaftsrelevante Themen durch die Sprache des Tanzes künstlerisch umsetzen. Ihr Tanzstil besteht aus Contemporary und Modern Dance, basierend auf dem Klassischen Tanz. Sie haben ein breites Repertoire an Choreografien mit unterschiedlichen Inhalten und zeigen diese an den verschiedensten Events.
Ausserdem ist das Weave Dance Collective offen für interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Kunstrichtungen.
www.weavedance.ch


W I S S E N S W E R T E S



Aktuelle Programme
Welche Programme sind derzeit von welchen Künstler*innen verfügbar?
Unsere Rubrik «AKTUELLE PROGRAMME» gibt Aufschluss:
https://ap.weiter.ch/kunstler/programme/



Zwingli Roadshow / Theater Kanton Zürich
«Die «Zwingli-Roadshow» war der Höhepunkt der Veranstaltungen zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation. Im Züribiet war eine fahrende Schauspielerbande unterwegs: Infotainment erster Klasse.» NZZ
In den Trailer reinschauen.



«von realer Gegenwart»
 Der Schriftsteller und Dramatiker Botho Strauss fasst die Thesen, die Georges Steiner in seinem Buch «von realer Gegenwart» macht, zusammen: «Überall, wo in den schönen Künsten die Erfahrung von Sinn gemacht wird, handelt es sich zuletzt um einen zweifellosen und rational nicht erschliessbaren Sinn, der von realer Gegenwart des Logos-Gottes zeugt.»



Herzliche Grüsse,
Dein ARTS+ Team

Regula Lustenberger, Astrid Künzler, Adrian Furrer, Beat Rink, Jean-Daniel von Lerber, Martin Jufer, Matthias Spiess, Samuel Scherrer, Timo Schuster

P.S. Wer den PrixPlus gewonnen hat, wird an der Verleihung vom 25. Oktober bekannt gegeben!

ENGLISH

The last TUNE IN asked the question, “What do we fill our inner echo chambers with?” The famous «Sh’ma Israel» in Deuteronomy 6,4ff. emphasises the importance of remembering God’s deeds. The Bible fills our echo chambers. And since earliest times, Christian art has also played a significant role here. From our own lives, we know that art enriches and leaves an imprint on our faith.

Among the best-known paintings, and one that spiritual books have been written about, is Rembrandt’s «Return of the Prodigal Son».
Now, in the Hermitage in St. Petersburg, this picture is complemented by another father-son painting on the opposite wall. It is a far less well-known picture, and is hardly every the subject of a sermon. It is surely not by chance that both pictures are hanging in the same room. As a visitor to the gallery, we stand between the two pictures and are forced to turn our back to one of them – as if we could not really see together these two themes which belong together. The love of God and the call to obedience. The call to obedience is loud. In truth, we prefer to turn to the other picture.

That is not what a friend of mine did. E. Bailey Marks Jr. writes:

“For a number of years, many people have been in love with Rembrandt’s The Return of the Prodigal Son — to be honest, I never got it!  I looked at it, I gazed at it, I stared at it and I even went to see it at The Hermitage.  As I turned 180 degrees to leave The Prodigal, I saw another Rembrandt on the opposite wall; The Sacrifice of Isaac.  I was spellbound and haven’t been able to get it out of my mind.
The most obvious feature to me is Isaac’s complete vulnerability and the trust that he shows in his father, knowing his father will do what is best for him.  Do I have that same trust in The Father?  The second is Abraham’s active posture — he was told by God to kill his son.  Abraham is determined to be obedient to The Father.  You see the strength in Abraham’s left hand, constraining the young boy while his right hand lunges with the knife.  The angel stops Abraham forcibly, causing the blade to fall.  Again, I ask if I am willing to obey like that.
My wife encapsulated the Christian faith for our two sons as they were growing up in the song, Trust and Obey.  Those, to me, are the key verbs of our faith: Trust and Obey.  Rembrandt captures those two words in this beautiful painting.”


Let us spend a little time with this picture. Its centre is in motion. There we see the falling knife, which in my opinion is also the central point in the content. Abraham and Isaac (both!), trusting God, offer their complete obedience. And to this obedience comes a staggering response: the blade no longer falls on Isaac, but will demand the blood of a sacrificial animal, while Abraham will release his hand from Isaac’s face and lift him up from the pile of firewood. Christians recognise in this a prophecy which points to the «Agnus Dei, qui tollis peccata mundi»: Christ as the sacrificial lamb, which takes away the sins of the world – in unflinching obedience to the Father.

Can we see motion in the picture of the Prodigal Son as well? No, but there was motion, just before this moment where everything stands still. Weighed down and exhausted, but also full of trust, the son has let himself sink to his knees and into the arms of the father. Now the peace of the father flows over him and calms the storm in the breast of the returning son. For a moment (or for a long time?), nothing moves. The second son, too, stands still – but not because he feels the same peace, but because he is frozen in horror.

With what, then, do these pictures fill our «echo chambers»
Regarding the «Prodigal Son», so much has already been said. Personally, I agree fully with Bailey Marks when he recognises in the «Isaak» picture a challenge to obedience. Do I keep the 10 Commandments, for example – trusting that in them God has my best interests at heart? Do I say «no» to things and people who wish to lead me away from them? Do I accept it when God gives me a difficult task and expects me to take a not very easy path? Perhaps I cannot explain why this is so – no more than Abraham knew why he should sacrifice Isaac. Perhaps however, I discover that somebody has to do this task. And because I do not run away from it, I myself become more mature, more patient, and grow in my love towards God and my fellow man. And, above all, in the midst of my struggle for obedience and trust in God, I know this: the blade is not meant for me. And behind me there is another picture, which wishes to fill my inner echo chamber: the love of the Father for a son who was lost, who failed because of his disobedience.

text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Das letzte TUNE IN stellte die Frage: Womit füllen wir unsere inneren Echokammern?
Das berühmte «Schma Israel» in 5.Mose 6,4ff. hebt die Bedeutung der Erinnerung an die Taten Gottes hervor. Die Bibel füllt unsere Echokkammern. Und seit jeher nimmt hier auch die christliche Kunst eine wichtige Rolle ein. Wir wissen aus unserem eigenen Leben: Kunst bereichert und prägt  unseren Glauben.

Zu den berühmtesten Bildern, über das auch geistliche Bücher geschrieben wurden, gehört Rembrandts «Heimkehr des verlorenen Sohnes». Das Bild wird nun aber auf der gegenüberliegenden Seite des Ausstellungsraums in der Eremitage St.Petersburg von einem anderen Vater-Sohn-Bild ergänzt. Es ist ein weitaus weniger bekanntes Bild, über das auch kaum gepredigt wird.
Wohl nicht zufällig hängen die beiden Bilder im selben Raum. Als Betrachter steht man dazwischen und kehrt einem der beiden Bilder unweigerlich den Rücken zu – so, als könnte man nicht richtig zusammensehen, was zusammengehört. Die Liebe Gottes und der Ruf nach Gehorsam. Dieser Ruf nach Gehorsam ist laut. Eigentlich wenden wir uns lieber dem anderen Bild zu.

Nicht so ein Freund von mir. E. Bailey Marks Jr. schreibt:

“Seit vielen Jahren sagen zahlreiche Menschen, wie sehr sie Rembrandts«Heimkehr des verlorenen Sohnes» lieben. Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe das nie ganz verstanden! Ich habe das Bild betrachtet, intensiv studiert und bin sogar zur Eremitage gereist, um es im Original zu sehen. Doch als ich mich vom «verlorenen Sohn» abwandte und mich um 180 Grad umdrehte, entdeckte ich an der gegenüberliegenden Wand einen anderen Rembrandt: «Die Opferung Isaaks». Ich war wie gebannt und konnte mich kaum davon losreissen. Am eindrücklichsten war für mich die völlige Ergebenheit und das Vertrauen, das Isaak gegenüber seinem Vater hatte. Denn er wusste, dass der Vater das Beste für ihn wollte. Habe ich dasselbe Vertrauten zum himmlischen Vater? Das Zweite ist Abrahams aktive Bewegung – er hatte von Gott den Auftrag, seinen Sohn zu töten. Abraham war bereit, dem Vater zu gehorchen. Man sieht die Kraft in Abrahams linker Hand, mit dem er den jungen Mann festhält, während seine rechte Hand mit dem Messer ausholt. Der Engel hält Abraham gewaltsam zurück, so dass die Klinge zu Boden fällt. Noch einmal frage ich mich, ob ich genauso gehorsam sein könnte.
Meine Frau hat für unsere beiden heranwachsenden Söhne den christlichen Glauben in einem Lied zusammengefasst: «Vertraue und gehorche». Dies sind für mich die Schlüsselwörter unseres Glaubens: Vertraue und gehorche. Rembrandt fängt beides in seinem wunderbaren Bild ein.”


Bleiben wir noch ein wenig bei diesem Bild. Sein Zentrum ist bewegt. Es ist die fallende Klinge, die meiner Meinung nach auch inhaltlich das Zentrum darstellt. Abraham und Isaak (beide !) setzen im Vertrauen auf Gott ihren ganzen Gehorsam ein. Und dieser Gehorsam erfährt eine gewaltige Antwort: Die Klinge fällt nicht mehr auf Isaak, sondern sie wird das Blut eines Opfertiers fordern, während Abraham die Hand von Isaaks Gesicht lösen und ihn vom Scheiterhaufen aufrichten wird. Christen erkennen darin eine Prophetie, die auf das auf  das «Agnus Dei, qui tollis peccata mundi» vorausweist: auf Christus als das Opferlamm, das die Sünde der Welt trägt – in konsequentem Gehorsam zum Vater.

Gibt es eigentlich auch eine Bewegung im Bild vom verlorenen Sohn?Nein, aber es gab eine, kurz vor jenem Moment, wo alles stillsteht. Schwerfällig und erschöpft, aber auch vertrauensvoll hat sich der Sohn auf die Knie und in die Arme des Vaters fallen lassen. Nun breitet sich der Frieden des Vaters aus und stillt den Sturm im Innern des heimgekehrten Sohnes. Für einen Moment (oder für eine lange Zeit?) bewegt sich nichts. Auch der zweite Sohn still steht – aber nicht, weil er den selben Frieden spürt, sondern weil er vor Schreck erstarrt.

Womit füllen diese Bilder nun unsere «Echokammern»? 
Über den «verlorenen Sohn» ist schon so viel gesagt worden. Ich selber pflichte Bailey Marks bei, wenn er im «Isaak»-Bild eine Herausforderung zum Gehorsam erkennt. Halte ich mich etwa an die 10 Gebote – im Vertrauen, dass Gott es damit gut meint? Sage ich «Nein» zu Dingen und Menschen, die mich davon abbringen wollen? Lasse ich es zu, dass Gott mir eine schwere Aufgabe gibt und mir einen nicht so einfachen Weg zumutet? Ich habe vielleicht keine Erklärung dafür – so wenig wie Abraham wusste, warum er Isaak opfern sollte. Vielleicht entdecke ich aber: Jemand muss diese Aufgabe tun. Und weil ich nicht davon fliehe, werde ich selber reifer, geduldiger und wachse in der Liebe zu Gott und zu anderen Menschen. Und vor allem: Mitten in meinem Ringen um Gehorsam und Gottvertrauen weiss ich: Die Klinge gilt nicht mir. Und in meinem Rücken ist ein anderes Bild, das meine innere Echokammer füllen will: Die Liebe des Vaters zum verlorenen, an seinem Ungehorsam scheiternden Sohn.

Text: Beat Rink

Erstmals schreibt die Stiftung Weidli Stans einen Kulturwettbewerb aus, bei dem sich Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz bewerben können. 

Gesucht sind drei künstlerische Interventionen in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Architektur, Gestaltung und Theater. Der Einbezug von Menschen mit Beeinträchtigung ist dabei ein zentrales Thema.

Die Stiftung Weidli Stans freut sich, wenn Sie den angefügten Hinweis in geeigneter Form den Kunstschaffenden in Ihrem Medium vermitteln. 

Für Rückfragen steht Ihnen der Projektleiter gerne zur Verfügung: Roland Heini, Projektleiter Wettbewerb «KULTURPROJEKT WEIDLI», Tel. 079 2468 304 / roland.heini@bluewin.ch

Die Stiftung Weidli Stans dankt Ihnen für die Publikation dieses schweizweit einzigartigen Kunst- und Kulturwettbewerbs.

Stiftung Weidli Stans

Save the date & WorkshopleiterInnen gesucht

Die Formen christlicher Ästhetik

Einmal mehr wird Rasa, das malerisches Dörfchen im Centovalli, zum Schauplatz der Künste.  Termin reservieren und gleich anmelden! Bist du als WorkshopleiterIn interessiert, dann meldet dich bei sischerr@gmail.com.

Anmeldung

Video 2015

* Das Präsentationsfenster besteht aus 2 x 12 Minuten persönlicher Kontaktaufnahme. Auf ca. 30 x 30 cm kann die eigene künstlerische Arbeit präsentiert werden (Dokumentationen,Flyer, Foto o.ä.). Interessierte können einen der beiden Zeitslots über projekte@ap.weiter.ch buchen.

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Ihr seid alle eingeladen, am 25. Oktober 2019 mit uns im «jenseits» IM VIADUKT in Zürich Hardbrücke mitzufeiern.

Wir feiern, dass es uns als ARTS+ gibt und DU ein wichtiger Teil davon bist.

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ENGLISH

On the first pages of his significant work «Real Presences», the literary scholar and philosopher George Steiner (*1929) emphasises the importance of immediacy in the reception of art. All too often, we seize on secondary scholarly interpretations and thus miss what an amateur (an amator, a lover of art) experiences. Are we still able, for example, to learn texts by memory?

Here is a quotation from Steiner, which we will follow with some questions:

“In reference to language and the musical score, enacted interpretation can also be inward. The private reader or listener can become an executant of felt meaning when he learns the poem or the musical passage by heart. To learn by heart is to afford the text or music an indwelling clarity and life-force. Ben Jonson’s term, “ingestion”, is precisely right. What we know by heart becomes an agency in our consciousness, a ‘pace-maker’ in the growth and vital complication of our identity. No exegesis or criticism from without can so directly in­corporate within us the formal means, the principles of executive organization of a semantic fact, be it verbal or musical. Accurate recollection and resort in remembrance not only deepen our grasp of the work: they generate a shaping reciprocity between ourselves and that which the heart knows. As we change, so does the informing context of the internalized poem or sonata. In turn, remembrance becomes recognition and discovery (to re-cognize is to know anew). The archaic Creek belief that memory is the mother of the Muses expresses a fundamental insight into the nature of the arts and the mind.
(…)

In our own licensed social systems, learning by heart has been largely erased from secondary schooling and the habits of literacy. The electronic volume and fidelity of the computerized data bank and of processes of automatic retrieval will further weaken the sinews of individual memory. Stimulus and suggestion are of an increasingly mechanical and collective quality. Encountered in easy resort to electronic media of representation, much of music and of literature remains purely external. The distinction is that between ‘consumption’ and ‘ingestion’. The danger is that the text or music will lose what physics calls its ‘critical mass’, its implosive powers within the echo chambers of the self.”

Questions:

Are we personally still amateurs of art? Do we love good art? Do we devote time to it? Do we recollect it inwardly and fill out our inner echo chambers with it?
In Deuteronomy 6,4ff., in the famous Shema (= “hear”) Israel, we find out the main thing with which we should be filling our inner echo chambers: «Hear, O Israel: The Lord our God, the Lord is one. Love the Lord your God with all your heart and with all your soul and with all your strength. These commandments that I give you today are to be on your hearts. Impress them on your children. Talk about them when you sit at home and when you walk along the road, when you lie down and when you get up.» What does this mean for us in quite practical terms: how can we once again make the biblical message an integral part of our inner life, without putting ourselves under legalistic pressure or falling into an empty routine?

What does this mean for our own artistic work? Do we firmly count on, and do we work towards, this being able to fill our «inner echo chambers»? 

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
 

DEUTSCH

Auf den ersten Seiten seines wichtigen Werks «Von realer Gegenwart» hebt der Literaturwissenschafter und Philosoph George Steiner (*1929) die Wichtigkeit der unmittelbaren Kunstrezeption hervor. Wir stürzen uns zu oft auf sekundäre wissenschaftliche Interpretationen und verpassen so, was ein Amateur (ein amator, ein Kunst-Liebhaber) erlebt. Können wir etwa noch Texte auswendig lernen?

Hier ein Zitat von Steiner, dem wir einige Fragen nachschicken werden:

“Im Hinblick auf Sprache und Musikpartituren kann aktiv verwirklichte Interpretation auch innerlich vor sich gehen. Der private Leser und Hörer kann zu einem Ausführenden erlebter Bedeutung werden, wenn er das Gedicht oder die Musikpassage auswendig lernt. Auswendig zu lernen heisst, dem Text oder der Musik eine innewohnende Klarheit und Lebenskraft zu verleihen, sie zu ver-innerlichen. Ben Johnsons Begriff «Ingestion» trifft die Sache genau. Was wir auswendig lernen, entfaltet eine Wirksamkeit in unserem Bewusstsein, wird zu einem «Schrittmacher» für das Wachstum und die wesensmässige Differenzierung unserer Identität. Durch keine Exegese, durch keine Kritik von aussen lassen sich die formalen mittel, die Prinzipien des organisatorischen Vollzugs einer semantischen Tatsache, sei sie verbal oder musikalisch, so direkt verinnerlichen. Genaue Erinnerung und Rückgriffe auf das Gedächtnis vertiefen nicht nur unsere Auffassung eines Werkes: sie erzeugen auch einen wechselseitigen Austausch zwischen uns und dem, was das Herz weiss. Und in dem Masse, wie wir uns verändern, ändert sich auch der gestaltgebende Kontext der internalisierten Dichtung oder Sonate. Dementsprechend wir Erinnerung Er-kenntnis und Entdeckung (er-kennen heisst, aufs neue kennen). Im archaischen Glauben der Griechen, dass die Erinnerung die Mutter der Musen ist, drückt sich eine fundamentale Einsicht in das Wesen der Kunst und des geistigen Vermögens aus. (…)

In unseren eigenen amtlich zugelassenen gesellschaftlichen Systemen ist das Auswendiglernen aus der höheren Schulbildung und den Gepflogenheiten literarischer Bildung weitgehend verschwunden. Die elektronische Speicherkapazität und die Wiedergabetreue der computerisierten Datenbank und der Prozesse automatischer Abrufung werden den Lebensnerv des individuellen Gedächtnisses weiter schwächen. Ansporn und Anregung sind von zunehmend mechanischer und kollektiver Qualität. Da die Begegnung in leichtem Zugriff auf elektronische Wiedergabemedien stattfindet, bliebt ein Grossteil der Musik und Literatur rein äusserlich. Der Unterschied ist der zwischen «Konsumtion» und «Ingestion». Die Gefahr liegt darin, dass Text und Musik das verlieren, was die Physik «kritische Masse» nennt, ihre implosiven Kräfte in den Echokammern des Selbst.»
 
Fragen:

Sind wir selber noch Kunst-Amateure? Lieben wir gute Kunst? Widmen wir ihr Zeit? Verinnerlichen wir sie noch und füllen damit unsere inneren Echokammern?
 
In 5.Mose 6,4ff., im berühmten Schma (= höre) Israel, lesen wir, womit wir unsere inneren Echokammern vor allem füllen sollen: «Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.  Du sollst sie deinen Kindern wiederholen. Du sollst sie sprechen, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.» Was heisst dies für uns ganz praktisch: Wie können wir wieder die biblische Botschaft verinnerlichen, ohne in eine gesetzlichen Zwang oder in leere Routine zu verfallen?
 
Was heisst es für unsere eigene Kunst? Rechnen wir damit und wirken wir darauf hin, dass sie «innere Echokammern» füllen kann?

Text: Beat Rink

ENGLISH

On the first pages of his significant work «Real Presences», the literary scholar and philosopher George Steiner (*1929) emphasises the importance of immediacy in the reception of art. All too often, we seize on secondary scholarly interpretations and thus miss what an amateur (an amator, a lover of art) experiences. Are we still able, for example, to learn texts by memory?

Here is a quotation from Steiner, which we will follow with some questions:

“In reference to language and the musical score, enacted interpretation can also be inward. The private reader or listener can become an executant of felt meaning when he learns the poem or the musical passage by heart. To learn by heart is to afford the text or music an indwelling clarity and life-force. Ben Jonson’s term, “ingestion”, is precisely right. What we know by heart becomes an agency in our consciousness, a ‘pace-maker’ in the growth and vital complication of our identity. No exegesis or criticism from without can so directly in­corporate within us the formal means, the principles of executive organization of a semantic fact, be it verbal or musical. Accurate recollection and resort in remembrance not only deepen our grasp of the work: they generate a shaping reciprocity between ourselves and that which the heart knows. As we change, so does the informing context of the internalized poem or sonata. In turn, remembrance becomes recognition and discovery (to re-cognize is to know anew). The archaic Creek belief that memory is the mother of the Muses expresses a fundamental insight into the nature of the arts and the mind.
(…)

In our own licensed social systems, learning by heart has been largely erased from secondary schooling and the habits of literacy. The electronic volume and fidelity of the computerized data bank and of processes of automatic retrieval will further weaken the sinews of individual memory. Stimulus and suggestion are of an increasingly mechanical and collective quality. Encountered in easy resort to electronic media of representation, much of music and of literature remains purely external. The distinction is that between ‘consumption’ and ‘ingestion’. The danger is that the text or music will lose what physics calls its ‘critical mass’, its implosive powers within the echo chambers of the self.”

Questions:

Are we personally still amateurs of art? Do we love good art? Do we devote time to it? Do we recollect it inwardly and fill out our inner echo chambers with it?
In Deuteronomy 6,4ff., in the famous Shema (= “hear”) Israel, we find out the main thing with which we should be filling our inner echo chambers: «Hear, O Israel: The Lord our God, the Lord is one. Love the Lord your God with all your heart and with all your soul and with all your strength. These commandments that I give you today are to be on your hearts. Impress them on your children. Talk about them when you sit at home and when you walk along the road, when you lie down and when you get up.» What does this mean for us in quite practical terms: how can we once again make the biblical message an integral part of our inner life, without putting ourselves under legalistic pressure or falling into an empty routine?

What does this mean for our own artistic work? Do we firmly count on, and do we work towards, this being able to fill our «inner echo chambers»? 

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
 

DEUTSCH

Auf den ersten Seiten seines wichtigen Werks «Von realer Gegenwart» hebt der Literaturwissenschafter und Philosoph George Steiner (*1929) die Wichtigkeit der unmittelbaren Kunstrezeption hervor. Wir stürzen uns zu oft auf sekundäre wissenschaftliche Interpretationen und verpassen so, was ein Amateur (ein amator, ein Kunst-Liebhaber) erlebt. Können wir etwa noch Texte auswendig lernen?

Hier ein Zitat von Steiner, dem wir einige Fragen nachschicken werden:

“Im Hinblick auf Sprache und Musikpartituren kann aktiv verwirklichte Interpretation auch innerlich vor sich gehen. Der private Leser und Hörer kann zu einem Ausführenden erlebter Bedeutung werden, wenn er das Gedicht oder die Musikpassage auswendig lernt. Auswendig zu lernen heisst, dem Text oder der Musik eine innewohnende Klarheit und Lebenskraft zu verleihen, sie zu ver-innerlichen. Ben Johnsons Begriff «Ingestion» trifft die Sache genau. Was wir auswendig lernen, entfaltet eine Wirksamkeit in unserem Bewusstsein, wird zu einem «Schrittmacher» für das Wachstum und die wesensmässige Differenzierung unserer Identität. Durch keine Exegese, durch keine Kritik von aussen lassen sich die formalen mittel, die Prinzipien des organisatorischen Vollzugs einer semantischen Tatsache, sei sie verbal oder musikalisch, so direkt verinnerlichen. Genaue Erinnerung und Rückgriffe auf das Gedächtnis vertiefen nicht nur unsere Auffassung eines Werkes: sie erzeugen auch einen wechselseitigen Austausch zwischen uns und dem, was das Herz weiss. Und in dem Masse, wie wir uns verändern, ändert sich auch der gestaltgebende Kontext der internalisierten Dichtung oder Sonate. Dementsprechend wir Erinnerung Er-kenntnis und Entdeckung (er-kennen heisst, aufs neue kennen). Im archaischen Glauben der Griechen, dass die Erinnerung die Mutter der Musen ist, drückt sich eine fundamentale Einsicht in das Wesen der Kunst und des geistigen Vermögens aus. (…)

In unseren eigenen amtlich zugelassenen gesellschaftlichen Systemen ist das Auswendiglernen aus der höheren Schulbildung und den Gepflogenheiten literarischer Bildung weitgehend verschwunden. Die elektronische Speicherkapazität und die Wiedergabetreue der computerisierten Datenbank und der Prozesse automatischer Abrufung werden den Lebensnerv des individuellen Gedächtnisses weiter schwächen. Ansporn und Anregung sind von zunehmend mechanischer und kollektiver Qualität. Da die Begegnung in leichtem Zugriff auf elektronische Wiedergabemedien stattfindet, bliebt ein Grossteil der Musik und Literatur rein äusserlich. Der Unterschied ist der zwischen «Konsumtion» und «Ingestion». Die Gefahr liegt darin, dass Text und Musik das verlieren, was die Physik «kritische Masse» nennt, ihre implosiven Kräfte in den Echokammern des Selbst.»
 
Fragen:

Sind wir selber noch Kunst-Amateure? Lieben wir gute Kunst? Widmen wir ihr Zeit? Verinnerlichen wir sie noch und füllen damit unsere inneren Echokammern?
 
In 5.Mose 6,4ff., im berühmten Schma (= höre) Israel, lesen wir, womit wir unsere inneren Echokammern vor allem füllen sollen: «Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.  Du sollst sie deinen Kindern wiederholen. Du sollst sie sprechen, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.» Was heisst dies für uns ganz praktisch: Wie können wir wieder die biblische Botschaft verinnerlichen, ohne in eine gesetzlichen Zwang oder in leere Routine zu verfallen?
 
Was heisst es für unsere eigene Kunst? Rechnen wir damit und wirken wir darauf hin, dass sie «innere Echokammern» füllen kann?

Text: Beat Rink

«This is where my home is»
 During the final evening of the “Crescendo Summer Institute” two weeks ago, a dear friend said: «You said something wrong when you asked everybody present what they would be taking back home with them. The question should have been this: What am I taking with me from my home here into the world outside? For this is where my home is!» – Others expressed themselves in very similar words: «I really feel at home here!» was what we heard repeatedly. This not only fills us with thankfulness, but also gives us something to be concerned about. Do people today (and artists above all) no longer have a real home?

«What is a home?»
 But what is the place we call « home»? It is a place where we can be the way we are. Where we can arrive after a long journey or after a working day and encounter people (and things) that do us good. Where we can relax in a familiar environment that corresponds to our nature.

«The swallow has found a nest for herself» – or perhaps she hasn’t?
Saying it with the words of the Bible, «The sparrow has found a home / and in the swallow has found a nest for herself, where she may lay her young.» (Psalm 84,4). Now, this passage reminds us of Matthew 8,20, where Jesus says: «Foxes have holes and birds of the air have nests, but the Son of Man has nowhere to lay his head.» Is Jesus then homeless? In a certain sense, yes. For him, the harmonious home, which represents one of the highest values in our civilisation today, is not important. He spoke these words, by the way, to a teacher of the law who wanted to follow him. So the ability to lead a homeless life is one of the requirements for discipleship.

«In my Father’s house»
On the other hand, Jesus too has a home. When his parents wanted to take the twelve-year-old boy home after the Feast of the Passover in Jerusalem, he stayed behind and later said, «Why were you searching for me? Did you not know I had to be in what belongs to my Father?» (Luke 2,41) It is in his Father’s house (here referring to the Temple, but then in turn also to fellowship with God in prayer) that Jesus obviously finds his home.

«How lovely is your dwelling place»
This corresponds to the opening verses of Psalm 84, 1+2: «How lovely is your dwelling place, oh Lord Almighty! / My soul yearns, even faints, for the courts of the Lord; my heart and my flesh rejoice in the living God.» This is speaking of the Temple. We find one of the most famous settings of these verses in Brahms’German Requiem (LINK). It is well known that Johannes Brahms (1833-1897) selected the texts himself, and he applies Psalm 84, in his personal view and, strictly speaking, exegetically incorrectly (although John 14,2 shows that his theology is not fundamentally wrong), to the next life. Psalm 84, however, is speaking of the Temple in this world, where God’s presence could be experienced in a particular way. Rephrasing it, with Jesus in mind, we can say that home is the place where God can be experienced, where God meets us. – This may, by the way, even be a prison cell.

Where are we at home?
One often hears (and we have surely often experienced ourselves) how God answers prayer for a place to live. God is not indifferent about where we live. For he also takes care of our concrete needs and is happy to give us a home in which we can then, in proportion to our possibilities and gifts, practice hospitality. Nevertheless, there is indeed that other «home», built not with stones but by God’s spirit. Its building materials are the «living stones» of the church (1 Peter 2,5). Its building plan is the Kingdom of God, which provides a place for the «birds» to build a nest (Luke 13,19).

Where is God at home?
A formulation in 1 Corinthians tells us something very surprising: “Do you not know that your body is a temple of the Holy Spirit, who is in you?” (1 Cor. 6,19). So we are God’s home! Teresa of Avila (1515-1582) writes, “If I had realised earlier what I now know, that the tiny palace of my soul could provide a home to such a great king, I would not have left him alone in it so often.”

Questions:

  • What does all this mean for me as an artist, who is perhaps often on the road and has an irregular way of life?Have I had the experience of God giving me a home, and do I continue to trust him to care of this need?
  • Do I orientate my life only on a concrete place to live in, or do I repeatedly seek «my Father’s house»? What form does this other home in my life take?
  • What places of fellowship do I have which do me good?
  • How can I practice hospitality?

 Text: Beat Rink / tra

The setting of the German text of Psalm 84, 2+3 is the work of our friend and active Crescendo member for many years (and teacher at the Summer Institute and at masterclasses in Iasi, Romania) Andreas Henkel (1967-2017), sung by Christina Metz.
CD: Vollbracht, available free (please pay postage costs) from Crescendo, Mittlere Strasse 145, 4056 Basel, Switzerland info@crescendo.org

Die Vertonung des deutschen Textes von Psalm 84, 2+3 stammt von unserem Freund und langjährigen aktiven Crescendo-Mitglied (und Dozent im Sommerinstitut und Meisterkursen in Iasi, Rumänien), Andreas Henkel (1967-2017), gesungen von Christina Metz.
CD: Vollbracht, kostenlos (gegen Portokosten) zu beziehen bei Crescendo, Mittlere Strasse 145 info@crescendo.org

«Hier bin ich zuhause»
Am Schlussabend des “Crescendo Sommerinstituts” vor zwei Wochen sagte ein lieber Freund: «Du hast etwas Falsches gesagt, als du in die Runde gefragt hast, was wir von hier nach Hause mitnehmen. Die Frage hätte lauten sollen: Was nehme ich von Hause mit in die Welt draussen? Denn hier ist mein Zuhause!» – Ganz ähnlich haben es andere formuliert:. «Hier fühle ich mich wirklich zuhause!»hörten wir immer wieder. Dies stimmt nicht nur dankbar, sondern auch etwas nachdenklich. Haben die Menschen (und vor allem Künstler) heute kein wirkliches Zuhause mehr?

«Was ist ein Zuhause?»
Was ist das aber, das «Zuhause»? Es ist ein Ort, wo wir sein können, wie wir sind. Wo wir nach einer langen Fahrt oder auch nach einem Arbeitstag ankommen und Menschen (und Dinge) vorfinden, die uns gut tun. Wo wir uns in einer vertrauten Umgebung, die unserem Wesen entspricht, entspannen können.

«Die Schwalbe hat ein Nest gefunden» – oder doch nicht?
Um es mit einer Bibelstelle zu sagen: «Der Vogel hat ein Haus gefunden / und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen:» (Psalm 84,4).
Nun erinnert uns diese Stelle an Matthäus 8,20, wo Jesus sagt: «Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nichts, da er sein Haupt hin lege.» Ist Jesus also ein Obdachloser? In gewissem Sinn, ja. Für ihn ist das stimmige Zuhause, das eines der höchsten Güter unserer heutigen Zivilisation darstellt, nicht wichtig. Er sagt dieses Wort übrigens dem Schriftgelehrten, der ihm nachfolgen will. Also gehört das Obdachlos-Sein-Können mit zur Nachfolge.

«Im Haus des Vaters»
Auf der anderen Seite hat auch Jesus ein Zuhause. Als die Eltern den Zwölfjährigen nach dem Pascha-Fest in Jerusalem mit nach Hause nehmen möchten, bleibt er zurück und sagt später: «Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?» (Lukas 2,41). Im Haus des Vaters (hier im Tempel, dann aber auch in der Gebetsgemeinschaft mit Gott) findet Jesus offensichtlich sein Zuhause.

«Wie lieblich sind deine Wohnungen»
Dies entspricht den Anfangsversen von Psalm 84, 2+3: «Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! / Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.»Damit ist der Tempel gemeint.
Eine der berühmtesten Vertonungen dieser Verse finden wir im Deutschen Requiem von Johannes Brahms (1833-1897) (LINK). Brahms hat die Textauswahl bekanntlich selbst getroffen und bezieht Psalm 84 eigenständig und exegetisch eigentlich falsch (wenngleich von Johannes 14,2 her trotzdem theologisch nicht grundsätzlich verkehrt) auf das Jenseits. In Psalm 84 war aber eben der diesseitige Tempel gemeint, wo Gottes Gegenwart in besonderer Weise erfahrbar wurde. Um es nochmals im Blick auf Jesus zu sagen:  Das Zuhause ist jener Ort, wo Gott erfahrbar wird, wo Gott uns begegnet. – Das kann übrigens auch eine Gefängniszelle sein.

Wo sind wir zuhause?
Man hört oft (und sicher haben wir es schon selbst erfahren), wie Gott Gebete um eine Wohnung erhört. Es ist Gott nicht gleichgültig, wo wir wohnen. Denn er kümmert sich auch um unsere konkreten Anliegen und gibt uns gern ein Zuhause, in dem  wir dann auch im Rahmen unserer Möglichkeiten und Begabungen Gastfreundschaft pflegen können. Trotzdem gibt es eben auch das andere, nicht mit Steinen, sondern von Gottes Geist gebaute «Zuhause». Sein Baumaterial sind die «lebendigen Steine» der Gemeinschaft (1.Petrus 2,5). Sein Bauplan ist das Reich Gottes, das «Vögeln» einen Nistplatz bietet (Lukas 13,19).

Wo ist Gott zuhause?
1.Korinter 6,19 formuliert noch etwas ganz Seltsames: «Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt?» Wir sind also Gottes zuhause! Theresa von Avila (1515-1582) schrieb: “Hätte ich früher erkannt, was ich jetzt weiß, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich ihn nicht so häufig darin allein gelassen.”

Fragen:

  • Was heisst das Alles für mich als Künstler(in), der/die vielleicht oft unterwegs ist und einen unregelmässigen Lebensstil hat?
  • Habe ich schon erfahren, dass Gott mir ein Zuhause gibt und vertraue ich ihm weiter darauf, dass er dafür sorgt?
  • Richte ich mein Leben nur auf das konkrete Zuhause aus oder suche ich auch immer wieder das «Haus des Vaters»? Wie sieht dieses andere Zuhause in meinem Leben aus?
  • Welche Orte der Gemeinschaft gibt es, die mir gut tun?
  • Wie kann ich Gastfreundschaft pflegen?

 Text: Beat Rink

nslation: Bill Buchanan

«This is where my home is»
 During the final evening of the “Crescendo Summer Institute” two weeks ago, a dear friend said: «You said something wrong when you asked everybody present what they would be taking back home with them. The question should have been this: What am I taking with me from my home here into the world outside? For this is where my home is!» – Others expressed themselves in very similar words: «I really feel at home here!» was what we heard repeatedly. This not only fills us with thankfulness, but also gives us something to be concerned about. Do people today (and artists above all) no longer have a real home?

«What is a home?»
 But what is the place we call « home»? It is a place where we can be the way we are. Where we can arrive after a long journey or after a working day and encounter people (and things) that do us good. Where we can relax in a familiar environment that corresponds to our nature.

«The swallow has found a nest for herself» – or perhaps she hasn’t?
Saying it with the words of the Bible, «The sparrow has found a home / and in the swallow has found a nest for herself, where she may lay her young.» (Psalm 84,4). Now, this passage reminds us of Matthew 8,20, where Jesus says: «Foxes have holes and birds of the air have nests, but the Son of Man has nowhere to lay his head.» Is Jesus then homeless? In a certain sense, yes. For him, the harmonious home, which represents one of the highest values in our civilisation today, is not important. He spoke these words, by the way, to a teacher of the law who wanted to follow him. So the ability to lead a homeless life is one of the requirements for discipleship.

«In my Father’s house»
On the other hand, Jesus too has a home. When his parents wanted to take the twelve-year-old boy home after the Feast of the Passover in Jerusalem, he stayed behind and later said, «Why were you searching for me? Did you not know I had to be in what belongs to my Father?» (Luke 2,41) It is in his Father’s house (here referring to the Temple, but then in turn also to fellowship with God in prayer) that Jesus obviously finds his home.

«How lovely is your dwelling place»
This corresponds to the opening verses of Psalm 84, 1+2: «How lovely is your dwelling place, oh Lord Almighty! / My soul yearns, even faints, for the courts of the Lord; my heart and my flesh rejoice in the living God.» This is speaking of the Temple. We find one of the most famous settings of these verses in Brahms’German Requiem (LINK). It is well known that Johannes Brahms (1833-1897) selected the texts himself, and he applies Psalm 84, in his personal view and, strictly speaking, exegetically incorrectly (although John 14,2 shows that his theology is not fundamentally wrong), to the next life. Psalm 84, however, is speaking of the Temple in this world, where God’s presence could be experienced in a particular way. Rephrasing it, with Jesus in mind, we can say that home is the place where God can be experienced, where God meets us. – This may, by the way, even be a prison cell.

Where are we at home?
One often hears (and we have surely often experienced ourselves) how God answers prayer for a place to live. God is not indifferent about where we live. For he also takes care of our concrete needs and is happy to give us a home in which we can then, in proportion to our possibilities and gifts, practice hospitality. Nevertheless, there is indeed that other «home», built not with stones but by God’s spirit. Its building materials are the «living stones» of the church (1 Peter 2,5). Its building plan is the Kingdom of God, which provides a place for the «birds» to build a nest (Luke 13,19).

Where is God at home?
A formulation in 1 Corinthians tells us something very surprising: “Do you not know that your body is a temple of the Holy Spirit, who is in you?” (1 Cor. 6,19). So we are God’s home! Teresa of Avila (1515-1582) writes, “If I had realised earlier what I now know, that the tiny palace of my soul could provide a home to such a great king, I would not have left him alone in it so often.”

Questions:

  • What does all this mean for me as an artist, who is perhaps often on the road and has an irregular way of life?Have I had the experience of God giving me a home, and do I continue to trust him to care of this need?
  • Do I orientate my life only on a concrete place to live in, or do I repeatedly seek «my Father’s house»? What form does this other home in my life take?
  • What places of fellowship do I have which do me good?
  • How can I practice hospitality?

 Text: Beat Rink / tra

The setting of the German text of Psalm 84, 2+3 is the work of our friend and active Crescendo member for many years (and teacher at the Summer Institute and at masterclasses in Iasi, Romania) Andreas Henkel (1967-2017), sung by Christina Metz.
CD: Vollbracht, available free (please pay postage costs) from Crescendo, Mittlere Strasse 145, 4056 Basel, Switzerland info@crescendo.org

Die Vertonung des deutschen Textes von Psalm 84, 2+3 stammt von unserem Freund und langjährigen aktiven Crescendo-Mitglied (und Dozent im Sommerinstitut und Meisterkursen in Iasi, Rumänien), Andreas Henkel (1967-2017), gesungen von Christina Metz.
CD: Vollbracht, kostenlos (gegen Portokosten) zu beziehen bei Crescendo, Mittlere Strasse 145 info@crescendo.org

«Hier bin ich zuhause»
Am Schlussabend des “Crescendo Sommerinstituts” vor zwei Wochen sagte ein lieber Freund: «Du hast etwas Falsches gesagt, als du in die Runde gefragt hast, was wir von hier nach Hause mitnehmen. Die Frage hätte lauten sollen: Was nehme ich von Hause mit in die Welt draussen? Denn hier ist mein Zuhause!» – Ganz ähnlich haben es andere formuliert:. «Hier fühle ich mich wirklich zuhause!»hörten wir immer wieder. Dies stimmt nicht nur dankbar, sondern auch etwas nachdenklich. Haben die Menschen (und vor allem Künstler) heute kein wirkliches Zuhause mehr?

«Was ist ein Zuhause?»
Was ist das aber, das «Zuhause»? Es ist ein Ort, wo wir sein können, wie wir sind. Wo wir nach einer langen Fahrt oder auch nach einem Arbeitstag ankommen und Menschen (und Dinge) vorfinden, die uns gut tun. Wo wir uns in einer vertrauten Umgebung, die unserem Wesen entspricht, entspannen können.

«Die Schwalbe hat ein Nest gefunden» – oder doch nicht?
Um es mit einer Bibelstelle zu sagen: «Der Vogel hat ein Haus gefunden / und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen:» (Psalm 84,4).
Nun erinnert uns diese Stelle an Matthäus 8,20, wo Jesus sagt: «Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nichts, da er sein Haupt hin lege.» Ist Jesus also ein Obdachloser? In gewissem Sinn, ja. Für ihn ist das stimmige Zuhause, das eines der höchsten Güter unserer heutigen Zivilisation darstellt, nicht wichtig. Er sagt dieses Wort übrigens dem Schriftgelehrten, der ihm nachfolgen will. Also gehört das Obdachlos-Sein-Können mit zur Nachfolge.

«Im Haus des Vaters»
Auf der anderen Seite hat auch Jesus ein Zuhause. Als die Eltern den Zwölfjährigen nach dem Pascha-Fest in Jerusalem mit nach Hause nehmen möchten, bleibt er zurück und sagt später: «Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?» (Lukas 2,41). Im Haus des Vaters (hier im Tempel, dann aber auch in der Gebetsgemeinschaft mit Gott) findet Jesus offensichtlich sein Zuhause.

«Wie lieblich sind deine Wohnungen»
Dies entspricht den Anfangsversen von Psalm 84, 2+3: «Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! / Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.»Damit ist der Tempel gemeint.
Eine der berühmtesten Vertonungen dieser Verse finden wir im Deutschen Requiem von Johannes Brahms (1833-1897) (LINK). Brahms hat die Textauswahl bekanntlich selbst getroffen und bezieht Psalm 84 eigenständig und exegetisch eigentlich falsch (wenngleich von Johannes 14,2 her trotzdem theologisch nicht grundsätzlich verkehrt) auf das Jenseits. In Psalm 84 war aber eben der diesseitige Tempel gemeint, wo Gottes Gegenwart in besonderer Weise erfahrbar wurde. Um es nochmals im Blick auf Jesus zu sagen:  Das Zuhause ist jener Ort, wo Gott erfahrbar wird, wo Gott uns begegnet. – Das kann übrigens auch eine Gefängniszelle sein.

Wo sind wir zuhause?
Man hört oft (und sicher haben wir es schon selbst erfahren), wie Gott Gebete um eine Wohnung erhört. Es ist Gott nicht gleichgültig, wo wir wohnen. Denn er kümmert sich auch um unsere konkreten Anliegen und gibt uns gern ein Zuhause, in dem  wir dann auch im Rahmen unserer Möglichkeiten und Begabungen Gastfreundschaft pflegen können. Trotzdem gibt es eben auch das andere, nicht mit Steinen, sondern von Gottes Geist gebaute «Zuhause». Sein Baumaterial sind die «lebendigen Steine» der Gemeinschaft (1.Petrus 2,5). Sein Bauplan ist das Reich Gottes, das «Vögeln» einen Nistplatz bietet (Lukas 13,19).

Wo ist Gott zuhause?
1.Korinter 6,19 formuliert noch etwas ganz Seltsames: «Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt?» Wir sind also Gottes zuhause! Theresa von Avila (1515-1582) schrieb: “Hätte ich früher erkannt, was ich jetzt weiß, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich ihn nicht so häufig darin allein gelassen.”

Fragen:

  • Was heisst das Alles für mich als Künstler(in), der/die vielleicht oft unterwegs ist und einen unregelmässigen Lebensstil hat?
  • Habe ich schon erfahren, dass Gott mir ein Zuhause gibt und vertraue ich ihm weiter darauf, dass er dafür sorgt?
  • Richte ich mein Leben nur auf das konkrete Zuhause aus oder suche ich auch immer wieder das «Haus des Vaters»? Wie sieht dieses andere Zuhause in meinem Leben aus?
  • Welche Orte der Gemeinschaft gibt es, die mir gut tun?
  • Wie kann ich Gastfreundschaft pflegen?

 Text: Beat Rink

nslation: Bill Buchanan

Yesterday, the “16th Crescendo Summer Institute” * came to an end. From 24th July to 5th August, 170 music students, 50 teachers and 50 full-time and voluntary staff from 35 countries have come together in Tokaj in eastern Europe. The musical programme consisted, among other things, of master classes for singers and instrumentalists, chamber music, opera scenes, orchestral concerts, jazz for classical musicians, choral singing and a youth orchestra. Alongside that, as every year, there was another part of the programme which runs under the name SOSTENUTO and comprises plenary events every morning, small groups, a CREATIVE CHURCH service, lectio divina times, and other prayer times.

One essential characteristic of the Summer Institute is the sense of community experienced by musicians (and other artists) from a great variety of churches and including those from completely non-church and even non-religious backgrounds. This combination of persons, not to mention the internationality and the latent presence of competitive thinking among artists, should really have provided enough potential for conflict. Astonishingly, precisely the opposite was the case: in various conversations, the general tenor was that an unusual solidarity could be felt, and that the treatment of this year’s theme «Freedom» from a predominantly Christian point of view did not create tension.

What was the reason for this? Well, there was of course a lot of prayer going on for the Institute. And it is well known that making music together creates bonds.
Yet many said that they had often received «random acts of kindness» from others: small practical and helpful deeds, friendly word, a prayer, or even being collected unexpectedly by car in a journey of several hundred kilometres. «Many who knew about my health problems have prayed for me», said a deeply moved teacher. One student told us that in this friendly atmosphere he had been freed from stage fright. And one participant from a Muslim background expressed his enthusiasm for the reception that he had experienced here.

The thread that ran through all these stories was the gratefulness for smaller and larger signs of love of this kind – or, to put it in other words: friendliness. Now, friendliness is one of the fruits of the Holy Spirit, and is the same time a task. In Ephesians 4, 2 we read: «Be completely humble and friendly; be patient, bearing with one another in love». These words were in fact spoken with reference to the Christian church. But we know from the commandment to love and from passages such as 2 Corinthians 2, 15 («For we are the aroma of Christ») that friendliness should in no sense be limited to fellowship among Christians.

What would happen if Christians gained a reputation precisely for being friendly and ready to help at all times? Not friendly in order to achieve goals or for ulterior motives, but giving freely in the truest sense: giving freely and at the same time leaving the other in corresponding freedom. For God, too, is not selectively friendly when he allows his «rain to fall on the righteous and the unrighteous» (Matthew 5,45). We can trust that friendliness spreads the aroma of Christ without forcing us to make awkward explanations of why we wish to be friendly – or even have to be friendly. No, friendliness is a fruit of the Only Spirit and should not be the result of a feat of strength or compulsion.

Especially among artists, in an environment marked by latent competitiveness, such natural and random signs of love could influence relationships with individual colleagues and perhaps even the overall climate of the art scene. Ultimately, anyone showing friendliness is also doing himself a favour. The blessing which this sets free, the «rain» (Matthew 5,45) also falls on the giver in return and washes away bitterness, anger and grimness. Friendliness is of course not a feat of strength, but it could become a spiritual exercise which belongs to the gardening work that is part of cultivating the fruits of the Spirit. In any case, it is not limited to a summer project in which a pleasant greenhouse atmosphere may prevail, but must prove itself in the cooler climate of everyday life. 

www.crescendoinstitute.org

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

Gestern ging das “16. Crescendo Sommerinstitut” * zu Ende. Vom 24.Juli bis zum 5.August fanden sich 170 Musikstudenten, 50 Dozenten und 50 vollzeitliche und freiwillige Mitarbeiter aus 35 Ländern im osteuropäischen Tokaj ein. Das musikalische Programm bestand unter anderem aus Meisterkursen für Sänger und Instrumentalisten, Kammermusik, Opernszenen, Orchesterkonzerten, Jazz für Klassiker,  Chorsingen und einem Jugendorchester. Daneben gab es wie jedes Jahr einen anderen Programmteil, der unter dem Namen SOSTENUTO läuft und morgendliche Plenarveranstaltungen, Kleingruppen, einen KIRCHE KREATIV-Gottesdienst, Lectio Divina-Stunden und andere Gebetszeiten umfasste.

Ein unaufgebbares Charakeristikum des Sommerinstituts ist die Gemeinschaft von Musikern (und anderen Künstlern) aus verschiedensten Kirchen sowie aus völlig unkirchlicher und sogar areligiöser Herkunft. Diese Zusammensetzung müsste eigentlich neben der Internationalität und neben dem latent vorhandenen künstlerischen Konkurrenzdenken für genügend Konfliktpotential sorgen. Erstaunlicherweise war gerade das Gegenteil der Fall: In verschiede-nen Austauschrunden  lautete der Tenor, dass ein aussergewöhnlicher Zusammenhalt spürbar war und dass die Behandlung des übergeordneten Themas «Freiheit» aus vorrangig christlicher Sicht nicht für Spannungen sorgte.

Woran lag das? Nun wurde natürlich viel für das Institut gebetet. Und bekanntlich wirkt das gemeinsame Musizieren sehr verbindend.Doch viele sagten, sie hätten von anderen immer wieder «beiläufige Zeichen der Liebe» erfahren: kleine praktische Hilfen, ein freundliches Wort, ein Gebet oder sogar einen unerwarteten Abholdienst über mehrere hundert Kilometer. «Viele haben für mich gebetet, die von meinen gesundheitlichen Problemen wussten», sagte etwa ein Lehrer tief bewegt. Ein Student meinte, er sei in dieser freundschaftlichen Atmosphäre von Lampenfieber befreit worden. Und ein Teilnehmer mit muslimischem Hintergrund zeigte sich begeistert von der Annahme, die er hier erfahren durfte.

Durch alle Berichte hindurch zog sich die Dankbarkeit für solche kleine und grössere Zeichen der Liebe – oder, um es mit einem anderen Wort zu sagen: der Freundlichkeit. Nun ist Freundlichkeit eine Frucht des Heiligen Geistes und zugleich eine Aufgabe. In Epheser 4, 2 steht: «Seid allen gegenüber freundlich und geduldig und geht nachsichtig und liebevoll miteinander um.» Hier wird zwar der Umgang in der christlichen Gemeinde angesprochen. Aber vom Gebot der Liebe und von Stellen wir 2. Korinther 2, 15 her («Denn wir sind Gott ein guter Geruch Christi») soll Freundlichkeit keineswegs auf die Gemeinschaft  unter Christen beschränkt werden.

Was, wenn Christen gerade dafür bekannt würden, dass sie ständig freundlich und hilfsbereit sind? Nicht zielgerichtet und zweckmässig freundlich, sondern im wahrsten Wort frei-giebig: frei gebend und den Anderen auch entsprechend frei lassend. Denn auch Gott ist nicht selektiv freundlich, wenn er «es regnen lässt über Gerechte und Ungerechte» (Matthäus 5,45). Wir können darauf vertrauen, dass Freundlichkeit den Wohlgeruch Christi verbreitet, ohne dass wir gleich krampfhaft erklären müssen, weshalb wir freundlich sein wollen – oder gar freundlich sein müssen. Nein, Freundlichkeit ist eine Frucht des Heiligen Geistes und sollte keinem Kraftakt oder Zwang entspringen.

Gerade unter Künstlern, mitten in einem von latentem Konkurrenzkampf geprägten Klima, könnten solche natürlichen und beiläufigen Zeichen der Liebe die Beziehung zu einzelnen Kolleginnen und Kollegen und vielleicht sogar die Grosswetterlage beeinflussen. Wer freundlich ist, tut schliesslich auch sich selbst einen Gefallen. Der freigesetzte Segen, der «Regen» (Matthäus 5,45) fällt auch zurück und schwemmt Bitterkeit, Ärger und Verbissenheit fort. Obwohl Freundlichkeit kein Kraftakt ist: Sie könnte eine geistliche Übung werden, die zum Gärtnerdienst rund um die Pflege der Geistesfrüchte gehört. Auf jeden Fall ist sie nicht auf ein Sommerprojekt beschränkt, in dem ein angenehmes Treibhausklima herrschen kann, sondern muss sich im kühleren Klima des Alltags bewähren.

* www.crescendoinstitute.org

Text: Beat Rink 

Yesterday, the “16th Crescendo Summer Institute” * came to an end. From 24th July to 5th August, 170 music students, 50 teachers and 50 full-time and voluntary staff from 35 countries have come together in Tokaj in eastern Europe. The musical programme consisted, among other things, of master classes for singers and instrumentalists, chamber music, opera scenes, orchestral concerts, jazz for classical musicians, choral singing and a youth orchestra. Alongside that, as every year, there was another part of the programme which runs under the name SOSTENUTO and comprises plenary events every morning, small groups, a CREATIVE CHURCH service, lectio divina times, and other prayer times.

One essential characteristic of the Summer Institute is the sense of community experienced by musicians (and other artists) from a great variety of churches and including those from completely non-church and even non-religious backgrounds. This combination of persons, not to mention the internationality and the latent presence of competitive thinking among artists, should really have provided enough potential for conflict. Astonishingly, precisely the opposite was the case: in various conversations, the general tenor was that an unusual solidarity could be felt, and that the treatment of this year’s theme «Freedom» from a predominantly Christian point of view did not create tension.

What was the reason for this? Well, there was of course a lot of prayer going on for the Institute. And it is well known that making music together creates bonds.
Yet many said that they had often received «random acts of kindness» from others: small practical and helpful deeds, friendly word, a prayer, or even being collected unexpectedly by car in a journey of several hundred kilometres. «Many who knew about my health problems have prayed for me», said a deeply moved teacher. One student told us that in this friendly atmosphere he had been freed from stage fright. And one participant from a Muslim background expressed his enthusiasm for the reception that he had experienced here.

The thread that ran through all these stories was the gratefulness for smaller and larger signs of love of this kind – or, to put it in other words: friendliness. Now, friendliness is one of the fruits of the Holy Spirit, and is the same time a task. In Ephesians 4, 2 we read: «Be completely humble and friendly; be patient, bearing with one another in love». These words were in fact spoken with reference to the Christian church. But we know from the commandment to love and from passages such as 2 Corinthians 2, 15 («For we are the aroma of Christ») that friendliness should in no sense be limited to fellowship among Christians.

What would happen if Christians gained a reputation precisely for being friendly and ready to help at all times? Not friendly in order to achieve goals or for ulterior motives, but giving freely in the truest sense: giving freely and at the same time leaving the other in corresponding freedom. For God, too, is not selectively friendly when he allows his «rain to fall on the righteous and the unrighteous» (Matthew 5,45). We can trust that friendliness spreads the aroma of Christ without forcing us to make awkward explanations of why we wish to be friendly – or even have to be friendly. No, friendliness is a fruit of the Only Spirit and should not be the result of a feat of strength or compulsion.

Especially among artists, in an environment marked by latent competitiveness, such natural and random signs of love could influence relationships with individual colleagues and perhaps even the overall climate of the art scene. Ultimately, anyone showing friendliness is also doing himself a favour. The blessing which this sets free, the «rain» (Matthew 5,45) also falls on the giver in return and washes away bitterness, anger and grimness. Friendliness is of course not a feat of strength, but it could become a spiritual exercise which belongs to the gardening work that is part of cultivating the fruits of the Spirit. In any case, it is not limited to a summer project in which a pleasant greenhouse atmosphere may prevail, but must prove itself in the cooler climate of everyday life. 

www.crescendoinstitute.org

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

Gestern ging das “16. Crescendo Sommerinstitut” * zu Ende. Vom 24.Juli bis zum 5.August fanden sich 170 Musikstudenten, 50 Dozenten und 50 vollzeitliche und freiwillige Mitarbeiter aus 35 Ländern im osteuropäischen Tokaj ein. Das musikalische Programm bestand unter anderem aus Meisterkursen für Sänger und Instrumentalisten, Kammermusik, Opernszenen, Orchesterkonzerten, Jazz für Klassiker,  Chorsingen und einem Jugendorchester. Daneben gab es wie jedes Jahr einen anderen Programmteil, der unter dem Namen SOSTENUTO läuft und morgendliche Plenarveranstaltungen, Kleingruppen, einen KIRCHE KREATIV-Gottesdienst, Lectio Divina-Stunden und andere Gebetszeiten umfasste.

Ein unaufgebbares Charakeristikum des Sommerinstituts ist die Gemeinschaft von Musikern (und anderen Künstlern) aus verschiedensten Kirchen sowie aus völlig unkirchlicher und sogar areligiöser Herkunft. Diese Zusammensetzung müsste eigentlich neben der Internationalität und neben dem latent vorhandenen künstlerischen Konkurrenzdenken für genügend Konfliktpotential sorgen. Erstaunlicherweise war gerade das Gegenteil der Fall: In verschiede-nen Austauschrunden  lautete der Tenor, dass ein aussergewöhnlicher Zusammenhalt spürbar war und dass die Behandlung des übergeordneten Themas «Freiheit» aus vorrangig christlicher Sicht nicht für Spannungen sorgte.

Woran lag das? Nun wurde natürlich viel für das Institut gebetet. Und bekanntlich wirkt das gemeinsame Musizieren sehr verbindend.Doch viele sagten, sie hätten von anderen immer wieder «beiläufige Zeichen der Liebe» erfahren: kleine praktische Hilfen, ein freundliches Wort, ein Gebet oder sogar einen unerwarteten Abholdienst über mehrere hundert Kilometer. «Viele haben für mich gebetet, die von meinen gesundheitlichen Problemen wussten», sagte etwa ein Lehrer tief bewegt. Ein Student meinte, er sei in dieser freundschaftlichen Atmosphäre von Lampenfieber befreit worden. Und ein Teilnehmer mit muslimischem Hintergrund zeigte sich begeistert von der Annahme, die er hier erfahren durfte.

Durch alle Berichte hindurch zog sich die Dankbarkeit für solche kleine und grössere Zeichen der Liebe – oder, um es mit einem anderen Wort zu sagen: der Freundlichkeit. Nun ist Freundlichkeit eine Frucht des Heiligen Geistes und zugleich eine Aufgabe. In Epheser 4, 2 steht: «Seid allen gegenüber freundlich und geduldig und geht nachsichtig und liebevoll miteinander um.» Hier wird zwar der Umgang in der christlichen Gemeinde angesprochen. Aber vom Gebot der Liebe und von Stellen wir 2. Korinther 2, 15 her («Denn wir sind Gott ein guter Geruch Christi») soll Freundlichkeit keineswegs auf die Gemeinschaft  unter Christen beschränkt werden.

Was, wenn Christen gerade dafür bekannt würden, dass sie ständig freundlich und hilfsbereit sind? Nicht zielgerichtet und zweckmässig freundlich, sondern im wahrsten Wort frei-giebig: frei gebend und den Anderen auch entsprechend frei lassend. Denn auch Gott ist nicht selektiv freundlich, wenn er «es regnen lässt über Gerechte und Ungerechte» (Matthäus 5,45). Wir können darauf vertrauen, dass Freundlichkeit den Wohlgeruch Christi verbreitet, ohne dass wir gleich krampfhaft erklären müssen, weshalb wir freundlich sein wollen – oder gar freundlich sein müssen. Nein, Freundlichkeit ist eine Frucht des Heiligen Geistes und sollte keinem Kraftakt oder Zwang entspringen.

Gerade unter Künstlern, mitten in einem von latentem Konkurrenzkampf geprägten Klima, könnten solche natürlichen und beiläufigen Zeichen der Liebe die Beziehung zu einzelnen Kolleginnen und Kollegen und vielleicht sogar die Grosswetterlage beeinflussen. Wer freundlich ist, tut schliesslich auch sich selbst einen Gefallen. Der freigesetzte Segen, der «Regen» (Matthäus 5,45) fällt auch zurück und schwemmt Bitterkeit, Ärger und Verbissenheit fort. Obwohl Freundlichkeit kein Kraftakt ist: Sie könnte eine geistliche Übung werden, die zum Gärtnerdienst rund um die Pflege der Geistesfrüchte gehört. Auf jeden Fall ist sie nicht auf ein Sommerprojekt beschränkt, in dem ein angenehmes Treibhausklima herrschen kann, sondern muss sich im kühleren Klima des Alltags bewähren.

* www.crescendoinstitute.org

Text: Beat Rink 


Liebe Mitglieder*innen

Hier kommen exquisite Sommer-News mit “Open calls”, “Wissenswertem”, der neuen Rubrik “Vorgestellt” und – ganz wichtig: “Save the date”! Wir freuen uns, wenn ihr am Freitag, 25. Oktober 2019 zum ARTS+ Jahestreffen kommt, wenn es heisst “meet artists – meet ARTS+”.

See you there!


S A V E   T H E   D A T E



25. OKTOBER 2019, Freitag, ab 17 H, MEET ARTISTS – MEET ARTS+
Lass uns anstossen am jährlichen nationalen Künstlertreffen mit Apéro, Quick-GV, künstlerischem Beitrag und Vergabe des PrixPlus. Lauschig, persönlich, anders. Wo genau wird noch mitgeteilt.
Sei dabei und lass dich überraschen!
13. – 14. SEPTEMBER 2019, Freitag-Samstag
CENTRAL CONFERENCE in Rapperswil
www.centralconference.ch


 O P E N  C A L L S



LE STAGE ARTISTIQUE DE PSALMODIA
À GAGNIÈRES EN FRANCE:

Psalmodia international est heureux de vous accueillir pour son 26ème stage artistique ! Sa vocation est d’encourager les talents, de former et d’enseigner les arts les plus variés pour servir l’Eglise et être « artiste » dans le monde. 
Inscription jusqu’au 15 juillet 2019
VIDEO



Crescendo Summer Institute
Visitors welcome! Vom 24. Juli bis 5. August 2019, in Tokaj, Ungarn.
Webseite


W I S S E N S W E R T E S



DIE DOKUMENTATION IST DA!
Zum arts+SYMPSOIUM 1.0, das vom 8. bis zum 10. März 2019 in Montmirail zum Thema “Form und Geist – Zugänge zu einer Ästhetik der Spiritualität” stattfand, gibt es nun eine Dokumentation der Thinktank-Essenzen.
Rund 100 Kunstschaffende und Theolog*innen aus vier Ländern kamen zusammen, es wurde gedacht und gelacht, gefeiert und debattiert, ausgetauscht und herausgefordert.

Viele haben vom Symposium gehört, nicht alle konnten dabei sein. Glück gehabt! Zu den in den Thinktanks erarbeiteten Essenzen gibt es nun eine Dokumentation mit Texten und Skribbels. Sie soll zum inspirierten Weiterdenken anregen. Ganze Doku online ansehen:
D o k u – T h i n k t a n k s – D E
D o k u – T h i n k t a n k s – F R



“…S’IL VOUS PLAIT!”
Wusstet ihr, dass es ARTS+ auch auf Französisch gibt?
Für die Website “en fraçais” sind Beiträge, Infos und Wissenswertes aus französisch sprachigen Gebieten sehr willkommen auf: info@ap.weiter.ch


V O R G E S T E L L T



«Vorgestellt» ist eine neue Rubrik in unserem Newsletter, in der wir jeweils ein Projekt aus den ARTS+ Reihen vorstellen. Wir hoffen, damit das Netzwerk weiter zu stärken und mehr von einander zu erfahren.

HEUTE: KIRCHE KREATIV
Die KIRCHE KREATIV ist ein überkonfessioneller Gottesdienst mit professionellen Künstlern aus verschiedenen Sparten, der seit 1993 von Crescendo in Zusammenarbeit mit Christen aus verschiedenen Kirchen durchgeführt wird. Er findet zehnmal pro Jahr in Basel statt, fand aber auch schon in rund 40 anderen Städten statt und hat sich z.B. in Lausanne, Genf, Paris und Budapest etabliert. Er richtet sich bewusst an Menschen, die kirchenfern sind. Die KIRCHE KREATIV hat i.a. 3 Teile: Künstlerischer Teil – Predigt – musikalischer Segnungsteil mit Möglichkeit zu einem Gebetsrundgang in der Kirche. www.kirchekreativ.ch<http://www.kirchekreativ.ch


W I L L K O M M E N !



Wir begrüssen herzlich als Einzelmitglieder im ARTS+ Netzwerk:
Corinna Polke (Bildende Kunst, Jazz, Klassik)
Elisabeth Zimmermann (Bilder malen und gestalten)
Sarah Hinni (Fotografie)
Samuel Schmidt (Film, Fotografie)
Tina Schmidt (Journalismus/ Fachliteratur, Poetische Literatur)
Heike Röhle (Malerei)
Rahel Gasser (Musik und Tanz)
Schulz Vera (Musik und Tanz)
Und als Kollektivmitglied: 
Citykirche Matthäus, reformierte Kirche Stadt Luzern



Liebe Grüsse in den Sommer
Regula Lustenberger und Astrid Künzler

sowie Adrian Furrer, Beat Rink, Jean-Daniel von Lerber, Martin Jufer, Matthias Spiess, Samuel Scherrer, Timo Schuster

ENGLISH

Programme for a culture festival*
A culture festival can, and even should, be provocative. The associated PR can also operate with catchy phrases.
The large-scale interdisciplinary and multicultural Belluard Festival (27th June-6th July 2019) in Fribourg in Switzerland recently presented this statement in its newsletter: “In Art we trust”. The pertinent text offered this explanation in French: “Art allows us to win back trust in “humanité”. Now, the word “humanité” can be translated as “mankind” or “humaneness”. In what follows, however, one searches in vain for a more precise definition of “humanité”. The text announces that artists from crisis zones will change our points of view with their moving experiences. This is certainly touching, but hardly makes a contribution to understanding the opening programmatic statement.

Critique of Capitalism?
How then are we to understand “In Art we trust”? As provocation, of course, one is tempted to say. What or whom is it meant to provoke? Capitalism? This seems to be the case, for the festival printed its own money and thus separated itself not only from the Swiss currency, but also from the dollar, which, as we know, bears the motto “In God we trust”. But this critique of capitalism, if it was in fact such, did not appear to be very present at the festival.

Critique of religion?
Was it then a provocation against the Christian faith? After all, “trust in God” is the most basic synonym for faith. I suspect that this, too, is also the wrong answer. Otherwise the theme of “Critique of religion or church” would have to have been taken up elsewhere in the festival as well.

Humanism
What else, then, could be the intention behind “in Art we trust”? I think it is simply meant to underline the opinion that art can, and should, be made the basis of life. For art leads to true “humaneness”and strengthens trust in “mankind”. A very popular humanistic concept of man lies behind this. On the website of “humanisten.de” one finds this declaration: “The humanistic concept of man comprises the following assumptions: Man is fundamentally good. He is capable and ambitious to determine his own life (autonomy), to give it meaning and aim…” There are many shades of philosophical Humanism, but since the Renaissance it has adopted precisely this point of view. In the wake of Humanism, a corresponding understanding of art has also developed. Art can strengthen both humaneness and mankind. As Christians, we can certainly agree with such statements, and also concur with Friedrich Schiller’s opinion that ascetics can impart to mankind a new quality of freedom.
But when we take up such statements and repeat them, or tacitly agree with them, we must be very clear about one thing: the Christian faith (“Trust in God”) is a long way away. These statements may be right, but the basis of our (western) culture and art scene is profoundly humanistic.

A helpful statement
“In Art we trust”: We should be grateful for such statements. Not because we agree with them, but because they reveal, in a flash, the humanistic foundation on which our culture, and increasingly our society, wants to be based.

As Christians, what is our attitude to this culture?
1.     It is good if we can keep this in mind: Many humanistic(/artistic) statements are accurate, and we can concur with them. They are also good starting points for discussion.
2.     Yet the foundation is different and ultimately profoundly opposed to God. Sometimes, therefore, Christians will feel a sharp humanistic wind blowing towards them.
3.     It is good if, from time to time, we consciously place ourselves on the firm ground of faith. First of all on an entirely personal level, praying and meditating on scripture. And then as part of the Christian community.
4.     Let us recall the words of Paul: “We are not afraid of the gospel.” (Rom. 1,16). In discussions, but also in our own art, we can occasionally illuminate, in a flash, our own non-humanistic foundation. And, above all, we can pray for the grace that the foundation “in God we trust” may shine through and also provide an invitation to all those who are not really helped by the humanistic concept of man and understanding of art.

In conclusion, let us listen to the philosopher Jacques Maritain (1882-1973), who pleads for a true (Christian) Humanism:

“Materialistic conceptions of the world and life, philosophies which do not recognize the spiritual and eternal element in man cannot escape error in their efforts to construct a truly human society because they cannot satisfy the requirements of the person, and, by that very fact, they cannot grasp the nature of society. Whoever recognizes this spiritual and eternal element in man, recognizes also the aspiration, immanent in the person, to transcend, by reason of that which is most sublime in it, the life and conditions of temporal societies.” 
― Jacques Maritain, True Humanism

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

https://belluard.ch/en

DEUTSCH

Programm eines Kulturfestivals*
Ein Kulturfestival darf und soll sogar provozieren. Auch darf die damit verbundene PR mit eingängigen Formulierungen operieren.
Das grossangelegte, spartenübergreifende und multikulturell angelegte Belluard-Festival (27.6.-6.7.2019) im schweizerischen Fribourg hat nun in seinem Newsletter angekündigt: „In Art we trust“. Der dazugehörige Text erklärt auf französisch: „Kunst erlaubt uns, das Vertrauen in die „humanité“ zurückzugewinnen.“ Nun kann das Wort „humanité“ mit „Menschheit“ oder „Menschlichkeit“ übersetzt werden. Der weitere Text lässt allerdings eine genauere  Interpretation von „humanité“ vermissen. Es wird angekündigt, dass Künstler aus Krisengebieten mit ihren bewegenden Erlebnissen unsere Perspektive verändern. Das ist durchaus sympathisch, trägt aber zum Verständnis des programmatischen Statements kaum bei.

Kapitalismus-Kritik?
Wie ist dann „In Art we trust“ zu verstehen? Natürlich als Provokation, möchte man sagen. Was oder wer soll provoziert werden? Der Kapitalismus? Es scheint so, denn das Festival druckte eigenes Geld und setzte sich damit nicht nur von der Schweizer Währung ab, sondern auch vom Dollar, auf dem bekanntlich steht „In God we trust“. Aber diese Kapitalismus-Kritik, wenn es denn wirklich eine war, schein am Festival nicht sehr präsent zu sein.

Religions-Kritik?
War es dann eine Provokation gegen den christlichen Glauben? Schliesslich ist das „Vertrauen in Gott“ das Synonym für Glauben schlechthin. Ich vermute, dass auch dies falsch ist. Sonst müsste das Thema „Religions- oder Kirchenkritik“ auch sonst am Festival thematisiert worden sein.

Humanismus
Was sollte der Satz „in Art we trust“ dann sonst aussagen? Ich denke, er sollte einfach die Meinung unterstreichen, dass Kunst zur Lebens-Grundlage gemacht werden kann und soll. Denn Kunst führt zu wahrer „Menschlichkeit“ und stärkt das Vertrauen in die „Menschheit“. Dahinter steht eine sehr populäres humanistisches  Menschenbild. Auf der Webseite von „humanisten.de“ findet man die Erklärung: „Das humanistische Menschenbild umfasst folgende Annahmen: Der Mensch ist im Grunde gut. Er ist fähig und bestrebt, sein Leben selbst zu bestimmen (Autonomie), ihm Sinn und Ziel zu geben…“. Der philosophische Humanismus kennt viele Schattierungen, bezieht sich aber seit der Renaissance auf genau diese Ansicht. Im Windschatten des Humanismus hat sich auch ein entsprechendes Verständnis von Kunst entwickelt. Kunst kann die Menschlichkeit und die Menschheit fördern. Als Christen können wir mit solchen Sätzen sicher übereinstimmen und auch Friedrich Schiller beipflichten, wenn er meint, Ästhetik könne der Menschheit eine neue Qualität von Freiheit vermitteln.
Aber wenn wir solche Sätze nachsprechen oder stillschweigend bejahen, müssen wir uns darüber klar werden: Der christliche Glaube („Trust in God“) ist weit weg. Diese Sätze sind zwar richtig, aber das Fundament unserer (westlichen) Kultur und Kunstszene ist zutiefst humanistisch.

Ein hilfreicher Satz
„In Art we trust“: Wir sollten für solche Aussagen dankbar sein. Nicht, weil wir ihnen zustimmen, sondern weil sie blitzlichtartig das humanistische Fundament freilegen, auf dem weite Teile unserer Kultur und immer mehr unsere Gesellschaft ruhen will.

Wie verhalten wir Christen uns zu dieser Kultur?
1.     Es ist gut, wenn wir uns vor Augen halten: Viele (kunst-)humanistische Sätze sind richtig, und wir können ihnen beipflichten. Sie sind auch gute Anknüpfungspunkte für Gespräche.
2.     Doch das Fundament ist ein anderes, letztlich zutiefst gegen Gott gerichtetes. Manchmal weht den Christen deshalb ein scharfer humanistischer Wind entgegen.
3.     Es ist gut, wenn wir uns selber immer wieder bewusst auf den Boden des Glaubens stellen. Zunächst ganz persönlich, betend, die Schrift meditierend. Und dann als Teil der christlichen Gemeinschaft.
4.     Lassen wir uns von Paulus erinnern: “Wir schämen uns des Evangeliums nicht (Römer 1,16)”. In Gesprächen, aber auch mit unserer eigenen Kunst können wir ab und zu das nicht-humanistische Fundament blitzlichtartig beleuchten. Und vor allem um die Gnade bitten, dass das Fundament „In God we trust“ aufscheint und auch auf jene einladend wirkt, denen das humanistische Menschenbild und Kunstverständnis nicht wirklich hilft.

Hören wir zum Schluss auf den Philosophen Jacques Maritain (1882-1973), der für einen wahren (christlichen) Humanismus plädiert:

“Materialistische Welt- und Lebensentwürfe und eine Philosophie, die die spirituelle und ewige Dimension des Menschen nicht ernst nimmt, wird in ihren Bemühungen, eine wahrhaft humane Gesellschaft zu gestalten, Irrwege nicht vermeiden können, da sie die Bedürfnisse des Menschen nicht befriedigen kann. Deshalb kann sie auch der Natur des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht gerecht werden. Wer jedoch diese spirituelle und ewige Dimension des Menschen erkennt, wird auch das jedem Menschen eigene Besteben bejahen, das Leben und die Verhältnisse der vergänglichen Gesellschaft zu transzendieren, was zugleich zum Sublimsten im Leben und in der Gesellschaft zählt.” 
― Jacques Maritain, True Humanism


Text: Beat Rink

Matthew Arnold: Dover Beach *

The sea is calm tonight.
The tide is full, the moon lies fair
Upon the straits; on the French coast the light
Gleams and is gone; the cliffs of England stand,
Glimmering and vast, out in the tranquil bay.                                                                             
Come to the window, sweet is the night-air!
Only, from the long line of spray
Where the sea meets the moon-blanched land,
Listen! you hear the grating roar
Of pebbles which the waves draw back, and fling,                                                                 
At their return, up the high strand,
Begin, and cease, and then again begin,
With tremulous cadence slow, and bring
The eternal note of sadness in.

Sophocles long ago                                                                                                                 
Heard it on the Ægean, and it brought
Into his mind the turbid ebb and flow
Of human misery; we
Find also in the sound a thought,
Hearing it by this distant northern sea.                                                                                   

The Sea of Faith
Was once, too, at the full, and round earth’s shore
Lay like the folds of a bright girdle furled.
But now I only hear
Its melancholy, long, withdrawing roar,                                                                                   
Retreating, to the breath
Of the night-wind, down the vast edges drear
And naked shingles of the world.

Ah, love, let us be true                                                                                                           
To one another! for the world, which seems                                                                           
To lie before us like a land of dreams,
So various, so beautiful, so new,
Hath really neither joy, nor love, nor light,
Nor certitude, nor peace, nor help for pain;                                                                             
And we are here as on a darkling plain                                                                                   
Swept with confused alarms of struggle and flight,
Where ignorant armies clash by night.


A “honeymoon poem”?
“Dover Beach” is generally seen as Matthew Arnold’s “honeymoon poem”, which dates it to 1851. It has rhyme and metrical patterns throughout, but of such irregularity that they almost disappear under the powerful flow of language. Eighty years later, it inspired the American composer Samuel Barber to write a setting for baritone and string quartet (Link)

Not a traditional love poem
Although a “honeymoon poem”, it is hardly a conventional love poem. His wife is addressed directly in three lines: in line 6, the poet invites her to share the beauties of the night scene overlooking the English Channel, while in l. 29/30 he exhorts himself and his wife to be true to each other in a world where faith battles against deceit. Much of the poem describes the world they find themselves in.
The opening presents a scene of harmony – nature and the human world are at peace. But the atmosphere changes with “Only:..” (l.7). The eye still takes pleasure in the night scene, the air smells sweet (l.6), but the ear catches the repetitive grinding of stone against stone where the waves meet the beach; for the poet, this sound suggests an ever-present sadness.  

A dark world
Suddenly, we are with Sophocles by the Aegean – the 3rd Chorus of the Elders of Thebes in Antigone supplies much of the imagery of this poem – and we share an awareness of unending human suffering expressed more than two thousand years ago. Then we return to the “northern sea” again with a new thought; the still full tide reminds us that the world was once full of faith, but now it is retreating, exposing much that is dark and ugly (l.21-28). In l. 29/30, the newly-weds are called to be true to each other in a world where otherwise nothing can be completely trusted. In the final three lines, we are given a very dark picture of a world “where ignorant armies clash by night.”   

Arnold’s vision of the world
What was Arnold thinking of here? And surely the message of faith is one of hope for the future? Of course, faith definitely provides hope, but Jesus was also expecting a time, shortly before his return, of “wars and rumours of wars…” (Mt. 24:6.7) and of trouble in which “if the times were not shortened, no-one would survive.” (Mt. 24:22). But Arnold’s view is not purely future, as l.35 has: “and we are here” – he could already see powerful forces at work. What were or are these? Although there had been international peace in Europe since Napoleon’s fall in 1815, more recently bloody uprisings on a smaller scale had broken out: in 1848 there were around 47 independent uprisings in Europe, and this was also the publication year of Marx’ Communist Manifesto; science and technology were advancing fast, encouraging some to see in them answers to human needs and to the mystery of life. Increased production and trade promised more cheap pleasures for the rough and more refinements for the sophisticated: for some, a life offering enough variety and colour to be satisfactory without God seemed in reach. But the message of the retreating sea of faith must be that godlessness in any form, fine or crude, will lead to darkness and ugliness. 

Faithfulness as a believer
The call to be true, to be faithful, to each other (l.30), is a call to seek to share one of God’s central attributes. In God’s case, the faithfulness continues even when the other partner, be it the church or Jerusalem, fails to keep the agreement: God cannot turn away and forget:
In 2 Tim. 2:13, Paul writes: “If we are faithless, he remains faithful, for he cannot disown himself.” God says, in Is. 49:15,16, “Can a mother forget the baby at her breast?… Though she may forget, I will never forget you. See, I have engraved you on the palms of my hands; your walls are ever before me.”
Living up to God’s standard seems to be asking too much, but Jesus knows this and reminds us that “without me you can do nothing” (Joh.15:5), he is certainly ready to help.

The musical setting: unity in diversity
The solo voice moves calmly, though often with intensity, while the quartet provides a constantly shifting pattern of motifs and atmospheres carefully matched to the text. Violin II opens with an “endless” bare fifths motif (“stone-on-stone”?), while violin I provides a falling linear motif (“the night-air”, “the sea”?); played together, they gently introduce some plaintive dissonances, whereas the “wind” alone in l. 6 sounds sweet and gentle. The motifs change shape and register in the course of the piece; in l. 35-37 the “stones” are heard in the viola, the “wind” in the cello. Obvious support of the poetry is heard in l. 9 (“Listen”), l. 12 (“cease”), l. 20 (particular turbulence on “Sea”), l. 29 (“Ah, love”) and, most dramatically, l. 37 (“clash”). The concerted dignity of the “chorus of the Elders of Thebes” [l.15-20] seems to be from a distant time. The close matching to the text throughout means that the piece really only reveals its secrets after the hearer has studied the text carefully.

PRAYER
Lord, help us to see the currents at work in the world around us. 
Keep us close to you, our rock, and let us represent you in this world. 
Let us be true to those you have placed us with.
Amen


Text: Bill Buchanan

* By printing out the poem, it is easier to follow the comments and the music.

Matthew Arnold: Der Strand von Dover

Die See ist still heut’ Nacht.
Die Flut ist voll, der Mond fällt schön
die Meereseng’ entlang. An Frankreichs Strand erwacht
ein Licht – und blinkt, vergeht. Die Klippen Englands stehn
im Schimmer breit in unbewegter Bucht.                                                                           
Zum Fenster, komm! Sanft ist der Wind der Nacht!
Nur dort, wo in dem langen Schaumstrich sucht
die See das mondgebleichte Land –
Hör zu! – dort tönt das reibende Geräusch
der Kiesel, rückgesaugt von Wellen, die verrinnen                                                         
und wiederkehrn, geschleudert an den Strand
beginnen, fliehn und wiederum beginnen:
Im langen Rhythmus, breit und bebend bringen
sie ew’ge Trauertöne in das Land.

Dem Sophokles, vor langer Zeit,                                                                                      
hat das Ägä’sche Meer geraunt
in seinen Sinn, wie trüb sich Flut an Ebbe reiht
von Menschenweh – auch wir, die wir gelauscht,
erkennen im Geräusche die Idee,
im fernen Norden, hier, an ferner See.                                                                             

Die See des Glaubens                                                                                                   
war einst auch voll, und war dem Erdenrund
ein lichter Gürtel, der die Falten schwellt.
Doch höre ich zu uns’rer Zeit,
nur traurig Dröhnen, das im langen Schwund                                                                  
zurück sich zieht – dort, wo der Nachtwind fällt                                                             
hinab die Klippen, trostlos breit,
und in die nackten Strände dieser Welt.

Drum laß, mein Lieb, uns beide treu                                                                               
zusammenstehn – denn dieser Weltenraum,                                                                   
der aufzutun sich scheint wie Land im Traum,                                                                 
so vielgestalt, so schön, so neu,
hat wirklich weder Freud, noch Lieb, noch Lichterpracht,
noch Sicherheit, noch Ruh, noch Schmerzerlaß;
und wir stehn hier wie auf dem dunklen Paß,                                                                 
wo, voll verwirrten Rufs von Flucht und Schlacht,                                                           
sich Heere blind bekriegen in der Nacht.

Ein Flitterwochen-Gedicht?
„Dover Beach“ gilt allgemein als Matthew Arnolds „Flitterwochen-Gedicht“, weshalb es auf 1851 datiert wird. Reim und Metrum sind zwar durchstrukturiert, aber so unregelmässig, dass sie unter dem kräftigen Fluss der Sprache fast untergehen. Achtzig Jahre später inspirierten diese Zeilen den amerikanischen Komponisten Samuel Barberzu einer Vertonung für Bariton und Streichquartett (s.Link).

Kein traditionelles Liebesgedicht
Dieses „Flitterwochen-Gedicht“ ist kaum ein herkömmliches Liebesgedicht. In nur drei Zeilen wird seine Frau direkt angesprochen. In Z. 6 lädt der Dichter sie ein, die Schönheit der nächtlichen Szene mit ihm zu teilen; in Z. 29/30 ruft er sich und seine Frau zur Treue inmitten einer Welt auf, wo Glaube gegen Täuschung kämpft. Über weite Strecken beschreibt das Gedicht die gegenwärtige Welt. Der erste Teil schildert eine harmonische Szene: Natur und Menschenwelt liegen miteinander in Frieden. Mit dem Wort „nur“ (Z. 7)ändert sich aber die Stimmung. Noch geniesst das Auge die Nachtszene, noch ist die Luft süss (Z. 6), aber das Ohr lauscht bereits dem unablässigen Knirschen der Kiesel, hervorgerufen durch die an den Strand schlagenden Wogen. Für den Dichter evoziert der Klang eine sich fortsetzendeTraurigkeit.

Finstere Welt
Unvermittelt stehen wir mit Sophokles am Ägäischen Meer  – der 3. Chor der Ältesten von Theben aus der Antigone liefert viele Bilder zu diesem Gedicht – und wir sehen vor uns die Unendlichkeit des menschlichen Leidens, wie sie vor mehr als zweitausend Jahre in Verse gefasst wurde. Dann aber kehren wir mit einem neuen Gedanken zum “fernen Norden“ zurück. Die Flut erinnert uns daran, dass die Welt einst voll des Glaubens war. Jetzt aber zieht sich die Flut zurück, und viel Dunkles und Hässliches wird blossgelegt (Z. 21-28). In den Zeilen 29/30 rufen sich die Neu-Verheirateten gegenseitig dazu auf, in einer Welt, wo sonst nichts verlässlich ist, treu zu bleiben. Die letzten drei Zeilen entfalten das Bild einer sehr finsteren Welt, in der „sich Heere blind bekriegen in der Nacht“.

Arnolds Vision der Welt
Woran dachte Arnold hier? Sollte die Botschaft des Glaubens nicht vielmehr eine Botschaft der Zukunftshoffnung sein?
Natürlich bringt der Glaube Hoffnung hervor. Doch Jesus sprach im Blick auf seine Wiederkunft auch von einer letzten Zeit der „Kriege und Kriegsdrohungen“ (Mt. 24:6,7)und der Bedrängnis, in der, „wenn jene Tage nicht verkürzt würden, kein Fleisch gerettet” werden könnte.“ (Mt. 24:22). Arnolds Worte beziehen sich jedoch nicht nur auf die Zukunft. Wenn Z. 35 lautet: „und hier stehen wir“, sieht er schon jetzt mächtige Kräfte am Werk. 
Welche Kräfte? Obwohl es seit dem Fall Napoleons in 1815 keine internationalen Kriege mehr gegeben hatte, fanden blutige, voneinander unabhängige Aufstände statt, 1848 deren 47. Im gleichen Jahr veröffentlichte Karl Marx sein Kommunistisches Manifest. Wissenschaft und Technologie schritten rasant voran, was von vielen Menschen als willkommene Antwort auf die Bedürfnisse des Menschen und als Offenbarung der tiefsten Geheimnisse des Lebens begrüsst wurde. Grössere Produktionsvolumen und ein wachsender Handel sorgten für billigere Genussmittel für das einfache Volk und für mehr Luxusgüter für die Anspruchsvollen. Damit schien ein abwechslungsreiches und farbenfrohes Leben erreichbar,  in dem man auch ohne Gott glücklich werden konnte. Nur war da die Botschaft des sich zurückziehenden Meeres: Jede Form von Gottlosigkeit, ob subtil oder explizit, würde Finsteres und Hässliches freilegen. 

Treue des Glaubens
Der Aufruf, einander treu zu sein, ist der Aufruf, sich einer zentralen Eigenschaft Gottes anzuschliessen. Gott bleibt treu, auch wenn die andere Seite, sei es die Kirche oder Jerusalem, ihre Verpflichtungen nicht erfüllt. Es ist für Gott unmöglich, sich abzukehren und zu vergessen. In 2 Tim. 2:13 schreibt Paulus: „Sind wir untreu, so bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ In Jes. 49:15,16 spricht Gott: „Kann auch eine Mutter ihren Säugling vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Sollten selbst diese vergessen, ich werde dich nie vergessen. Siehe, in meinen beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet; deine Mauern sind beständig vor mir.“
Gottes Maßstäbe zu erfüllen ist vielleicht ein zu hoher Anspruch. Aber Jesus weiß um unserer Schwächen und sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh.15:5). So steht er uns helfend zur Seite.

Die Vertonung: Einheit in Vielfalt
Wenn wir die Musik anhören, stellen wir fest, dass sich die Stimme ruhig, doch oft markant verhält, während das Quartett ein sich ständig veränderndes Bild von Motiven und Stimmungen schafft, das perfekt auf den Text abgestimmt ist. Violine II beginnt mit einer „endlosen“ Figur mit mehreren Quinten („Kiesel-gegen-Kiesel“?), während Violine I ein fallendes lineares Motiv („der Wind“, „das Meer“?) einführt; in gleichzeitigem Erklingen erzeugen sie einige klagende und unerwartete Dissonanzen, während der „Wind“ aus Z. 6 allein süß und sanft klingt. Die Motive verändern ihre Gestalt und ihre Register im Lauf des Stücks: in Z. 35-37 erklingen die „Kiesel“ in der Viola, der “Wind” im Cello. Eine offenkundige Abstimmung mit der Dichtung hört man in Z. 9 (“listen” =„hör zu”), Z. 12 („cease“ = „fliehn“), Z. 20 (besondere Turbulenz auf „Sea“), Z. 29 („Ah, love“ =”mein Lieb”) und besonders dramatisch in Z. 37 („clash“ [„bekriegen“). Das einheitliche und würdige Voranschreiten des „Chors der Ältesten von Theben“ (Z. 15-20) scheint aus einer fernen Zeit zu kommen. Die enge Abstimmung mit dem ganzen Text bedeutet, dass das Stück seine Geheimnisse nur offenbart, wenn der Zuhörer den Text genau studiert hat.

Gebet
Herr, hilf uns zu sehen, welche Strömungen in der Welt um uns herum am Wirken sind. Lass uns eng bei dir bleiben, unserem Felsen, und lass in dieser Welt deine Boten sein. Lass uns denen treu sein, die du uns an die Seite gestellt hast.
Amen

Matthew Arnold: Dover Beach *

The sea is calm tonight.
The tide is full, the moon lies fair
Upon the straits; on the French coast the light
Gleams and is gone; the cliffs of England stand,
Glimmering and vast, out in the tranquil bay.                                                                             
Come to the window, sweet is the night-air!
Only, from the long line of spray
Where the sea meets the moon-blanched land,
Listen! you hear the grating roar
Of pebbles which the waves draw back, and fling,                                                                 
At their return, up the high strand,
Begin, and cease, and then again begin,
With tremulous cadence slow, and bring
The eternal note of sadness in.

Sophocles long ago                                                                                                                 
Heard it on the Ægean, and it brought
Into his mind the turbid ebb and flow
Of human misery; we
Find also in the sound a thought,
Hearing it by this distant northern sea.                                                                                   

The Sea of Faith
Was once, too, at the full, and round earth’s shore
Lay like the folds of a bright girdle furled.
But now I only hear
Its melancholy, long, withdrawing roar,                                                                                   
Retreating, to the breath
Of the night-wind, down the vast edges drear
And naked shingles of the world.

Ah, love, let us be true                                                                                                           
To one another! for the world, which seems                                                                           
To lie before us like a land of dreams,
So various, so beautiful, so new,
Hath really neither joy, nor love, nor light,
Nor certitude, nor peace, nor help for pain;                                                                             
And we are here as on a darkling plain                                                                                   
Swept with confused alarms of struggle and flight,
Where ignorant armies clash by night.


A “honeymoon poem”?
“Dover Beach” is generally seen as Matthew Arnold’s “honeymoon poem”, which dates it to 1851. It has rhyme and metrical patterns throughout, but of such irregularity that they almost disappear under the powerful flow of language. Eighty years later, it inspired the American composer Samuel Barber to write a setting for baritone and string quartet (Link)

Not a traditional love poem
Although a “honeymoon poem”, it is hardly a conventional love poem. His wife is addressed directly in three lines: in line 6, the poet invites her to share the beauties of the night scene overlooking the English Channel, while in l. 29/30 he exhorts himself and his wife to be true to each other in a world where faith battles against deceit. Much of the poem describes the world they find themselves in.
The opening presents a scene of harmony – nature and the human world are at peace. But the atmosphere changes with “Only:..” (l.7). The eye still takes pleasure in the night scene, the air smells sweet (l.6), but the ear catches the repetitive grinding of stone against stone where the waves meet the beach; for the poet, this sound suggests an ever-present sadness.  

A dark world
Suddenly, we are with Sophocles by the Aegean – the 3rd Chorus of the Elders of Thebes in Antigone supplies much of the imagery of this poem – and we share an awareness of unending human suffering expressed more than two thousand years ago. Then we return to the “northern sea” again with a new thought; the still full tide reminds us that the world was once full of faith, but now it is retreating, exposing much that is dark and ugly (l.21-28). In l. 29/30, the newly-weds are called to be true to each other in a world where otherwise nothing can be completely trusted. In the final three lines, we are given a very dark picture of a world “where ignorant armies clash by night.”   

Arnold’s vision of the world
What was Arnold thinking of here? And surely the message of faith is one of hope for the future? Of course, faith definitely provides hope, but Jesus was also expecting a time, shortly before his return, of “wars and rumours of wars…” (Mt. 24:6.7) and of trouble in which “if the times were not shortened, no-one would survive.” (Mt. 24:22). But Arnold’s view is not purely future, as l.35 has: “and we are here” – he could already see powerful forces at work. What were or are these? Although there had been international peace in Europe since Napoleon’s fall in 1815, more recently bloody uprisings on a smaller scale had broken out: in 1848 there were around 47 independent uprisings in Europe, and this was also the publication year of Marx’ Communist Manifesto; science and technology were advancing fast, encouraging some to see in them answers to human needs and to the mystery of life. Increased production and trade promised more cheap pleasures for the rough and more refinements for the sophisticated: for some, a life offering enough variety and colour to be satisfactory without God seemed in reach. But the message of the retreating sea of faith must be that godlessness in any form, fine or crude, will lead to darkness and ugliness. 

Faithfulness as a believer
The call to be true, to be faithful, to each other (l.30), is a call to seek to share one of God’s central attributes. In God’s case, the faithfulness continues even when the other partner, be it the church or Jerusalem, fails to keep the agreement: God cannot turn away and forget:
In 2 Tim. 2:13, Paul writes: “If we are faithless, he remains faithful, for he cannot disown himself.” God says, in Is. 49:15,16, “Can a mother forget the baby at her breast?… Though she may forget, I will never forget you. See, I have engraved you on the palms of my hands; your walls are ever before me.”
Living up to God’s standard seems to be asking too much, but Jesus knows this and reminds us that “without me you can do nothing” (Joh.15:5), he is certainly ready to help.

The musical setting: unity in diversity
The solo voice moves calmly, though often with intensity, while the quartet provides a constantly shifting pattern of motifs and atmospheres carefully matched to the text. Violin II opens with an “endless” bare fifths motif (“stone-on-stone”?), while violin I provides a falling linear motif (“the night-air”, “the sea”?); played together, they gently introduce some plaintive dissonances, whereas the “wind” alone in l. 6 sounds sweet and gentle. The motifs change shape and register in the course of the piece; in l. 35-37 the “stones” are heard in the viola, the “wind” in the cello. Obvious support of the poetry is heard in l. 9 (“Listen”), l. 12 (“cease”), l. 20 (particular turbulence on “Sea”), l. 29 (“Ah, love”) and, most dramatically, l. 37 (“clash”). The concerted dignity of the “chorus of the Elders of Thebes” [l.15-20] seems to be from a distant time. The close matching to the text throughout means that the piece really only reveals its secrets after the hearer has studied the text carefully.

PRAYER
Lord, help us to see the currents at work in the world around us. 
Keep us close to you, our rock, and let us represent you in this world. 
Let us be true to those you have placed us with.
Amen


Text: Bill Buchanan

* By printing out the poem, it is easier to follow the comments and the music.

Matthew Arnold: Der Strand von Dover

Die See ist still heut’ Nacht.
Die Flut ist voll, der Mond fällt schön
die Meereseng’ entlang. An Frankreichs Strand erwacht
ein Licht – und blinkt, vergeht. Die Klippen Englands stehn
im Schimmer breit in unbewegter Bucht.                                                                           
Zum Fenster, komm! Sanft ist der Wind der Nacht!
Nur dort, wo in dem langen Schaumstrich sucht
die See das mondgebleichte Land –
Hör zu! – dort tönt das reibende Geräusch
der Kiesel, rückgesaugt von Wellen, die verrinnen                                                         
und wiederkehrn, geschleudert an den Strand
beginnen, fliehn und wiederum beginnen:
Im langen Rhythmus, breit und bebend bringen
sie ew’ge Trauertöne in das Land.

Dem Sophokles, vor langer Zeit,                                                                                      
hat das Ägä’sche Meer geraunt
in seinen Sinn, wie trüb sich Flut an Ebbe reiht
von Menschenweh – auch wir, die wir gelauscht,
erkennen im Geräusche die Idee,
im fernen Norden, hier, an ferner See.                                                                             

Die See des Glaubens                                                                                                   
war einst auch voll, und war dem Erdenrund
ein lichter Gürtel, der die Falten schwellt.
Doch höre ich zu uns’rer Zeit,
nur traurig Dröhnen, das im langen Schwund                                                                  
zurück sich zieht – dort, wo der Nachtwind fällt                                                             
hinab die Klippen, trostlos breit,
und in die nackten Strände dieser Welt.

Drum laß, mein Lieb, uns beide treu                                                                               
zusammenstehn – denn dieser Weltenraum,                                                                   
der aufzutun sich scheint wie Land im Traum,                                                                 
so vielgestalt, so schön, so neu,
hat wirklich weder Freud, noch Lieb, noch Lichterpracht,
noch Sicherheit, noch Ruh, noch Schmerzerlaß;
und wir stehn hier wie auf dem dunklen Paß,                                                                 
wo, voll verwirrten Rufs von Flucht und Schlacht,                                                           
sich Heere blind bekriegen in der Nacht.

Ein Flitterwochen-Gedicht?
„Dover Beach“ gilt allgemein als Matthew Arnolds „Flitterwochen-Gedicht“, weshalb es auf 1851 datiert wird. Reim und Metrum sind zwar durchstrukturiert, aber so unregelmässig, dass sie unter dem kräftigen Fluss der Sprache fast untergehen. Achtzig Jahre später inspirierten diese Zeilen den amerikanischen Komponisten Samuel Barberzu einer Vertonung für Bariton und Streichquartett (s.Link).

Kein traditionelles Liebesgedicht
Dieses „Flitterwochen-Gedicht“ ist kaum ein herkömmliches Liebesgedicht. In nur drei Zeilen wird seine Frau direkt angesprochen. In Z. 6 lädt der Dichter sie ein, die Schönheit der nächtlichen Szene mit ihm zu teilen; in Z. 29/30 ruft er sich und seine Frau zur Treue inmitten einer Welt auf, wo Glaube gegen Täuschung kämpft. Über weite Strecken beschreibt das Gedicht die gegenwärtige Welt. Der erste Teil schildert eine harmonische Szene: Natur und Menschenwelt liegen miteinander in Frieden. Mit dem Wort „nur“ (Z. 7)ändert sich aber die Stimmung. Noch geniesst das Auge die Nachtszene, noch ist die Luft süss (Z. 6), aber das Ohr lauscht bereits dem unablässigen Knirschen der Kiesel, hervorgerufen durch die an den Strand schlagenden Wogen. Für den Dichter evoziert der Klang eine sich fortsetzendeTraurigkeit.

Finstere Welt
Unvermittelt stehen wir mit Sophokles am Ägäischen Meer  – der 3. Chor der Ältesten von Theben aus der Antigone liefert viele Bilder zu diesem Gedicht – und wir sehen vor uns die Unendlichkeit des menschlichen Leidens, wie sie vor mehr als zweitausend Jahre in Verse gefasst wurde. Dann aber kehren wir mit einem neuen Gedanken zum “fernen Norden“ zurück. Die Flut erinnert uns daran, dass die Welt einst voll des Glaubens war. Jetzt aber zieht sich die Flut zurück, und viel Dunkles und Hässliches wird blossgelegt (Z. 21-28). In den Zeilen 29/30 rufen sich die Neu-Verheirateten gegenseitig dazu auf, in einer Welt, wo sonst nichts verlässlich ist, treu zu bleiben. Die letzten drei Zeilen entfalten das Bild einer sehr finsteren Welt, in der „sich Heere blind bekriegen in der Nacht“.

Arnolds Vision der Welt
Woran dachte Arnold hier? Sollte die Botschaft des Glaubens nicht vielmehr eine Botschaft der Zukunftshoffnung sein?
Natürlich bringt der Glaube Hoffnung hervor. Doch Jesus sprach im Blick auf seine Wiederkunft auch von einer letzten Zeit der „Kriege und Kriegsdrohungen“ (Mt. 24:6,7)und der Bedrängnis, in der, „wenn jene Tage nicht verkürzt würden, kein Fleisch gerettet” werden könnte.“ (Mt. 24:22). Arnolds Worte beziehen sich jedoch nicht nur auf die Zukunft. Wenn Z. 35 lautet: „und hier stehen wir“, sieht er schon jetzt mächtige Kräfte am Werk. 
Welche Kräfte? Obwohl es seit dem Fall Napoleons in 1815 keine internationalen Kriege mehr gegeben hatte, fanden blutige, voneinander unabhängige Aufstände statt, 1848 deren 47. Im gleichen Jahr veröffentlichte Karl Marx sein Kommunistisches Manifest. Wissenschaft und Technologie schritten rasant voran, was von vielen Menschen als willkommene Antwort auf die Bedürfnisse des Menschen und als Offenbarung der tiefsten Geheimnisse des Lebens begrüsst wurde. Grössere Produktionsvolumen und ein wachsender Handel sorgten für billigere Genussmittel für das einfache Volk und für mehr Luxusgüter für die Anspruchsvollen. Damit schien ein abwechslungsreiches und farbenfrohes Leben erreichbar,  in dem man auch ohne Gott glücklich werden konnte. Nur war da die Botschaft des sich zurückziehenden Meeres: Jede Form von Gottlosigkeit, ob subtil oder explizit, würde Finsteres und Hässliches freilegen. 

Treue des Glaubens
Der Aufruf, einander treu zu sein, ist der Aufruf, sich einer zentralen Eigenschaft Gottes anzuschliessen. Gott bleibt treu, auch wenn die andere Seite, sei es die Kirche oder Jerusalem, ihre Verpflichtungen nicht erfüllt. Es ist für Gott unmöglich, sich abzukehren und zu vergessen. In 2 Tim. 2:13 schreibt Paulus: „Sind wir untreu, so bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ In Jes. 49:15,16 spricht Gott: „Kann auch eine Mutter ihren Säugling vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Sollten selbst diese vergessen, ich werde dich nie vergessen. Siehe, in meinen beiden Handflächen habe ich dich eingezeichnet; deine Mauern sind beständig vor mir.“
Gottes Maßstäbe zu erfüllen ist vielleicht ein zu hoher Anspruch. Aber Jesus weiß um unserer Schwächen und sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh.15:5). So steht er uns helfend zur Seite.

Die Vertonung: Einheit in Vielfalt
Wenn wir die Musik anhören, stellen wir fest, dass sich die Stimme ruhig, doch oft markant verhält, während das Quartett ein sich ständig veränderndes Bild von Motiven und Stimmungen schafft, das perfekt auf den Text abgestimmt ist. Violine II beginnt mit einer „endlosen“ Figur mit mehreren Quinten („Kiesel-gegen-Kiesel“?), während Violine I ein fallendes lineares Motiv („der Wind“, „das Meer“?) einführt; in gleichzeitigem Erklingen erzeugen sie einige klagende und unerwartete Dissonanzen, während der „Wind“ aus Z. 6 allein süß und sanft klingt. Die Motive verändern ihre Gestalt und ihre Register im Lauf des Stücks: in Z. 35-37 erklingen die „Kiesel“ in der Viola, der “Wind” im Cello. Eine offenkundige Abstimmung mit der Dichtung hört man in Z. 9 (“listen” =„hör zu”), Z. 12 („cease“ = „fliehn“), Z. 20 (besondere Turbulenz auf „Sea“), Z. 29 („Ah, love“ =”mein Lieb”) und besonders dramatisch in Z. 37 („clash“ [„bekriegen“). Das einheitliche und würdige Voranschreiten des „Chors der Ältesten von Theben“ (Z. 15-20) scheint aus einer fernen Zeit zu kommen. Die enge Abstimmung mit dem ganzen Text bedeutet, dass das Stück seine Geheimnisse nur offenbart, wenn der Zuhörer den Text genau studiert hat.

Gebet
Herr, hilf uns zu sehen, welche Strömungen in der Welt um uns herum am Wirken sind. Lass uns eng bei dir bleiben, unserem Felsen, und lass in dieser Welt deine Boten sein. Lass uns denen treu sein, die du uns an die Seite gestellt hast.
Amen

ENGLISH

During a stay in Rome in June 2011, I left the city for an afternoon in order to pay a visit to the Villa d’Este in Tivoli. This villa is particularly known for its garden, which counts no less than 100 (!) fountains. The main reason for me to visit the villa and its garden was the fact that the Hungarian composer Franz Liszt (1811-1886) stayed there for a while in 1878 and evoked the fountains of the garden in his famous Fountains at the Villa d’Este (Les jeux d’eau à la Villa d’Este, the fourth movement in his third volume Années de Pèlerinage), which became the model for later piano works related to water like Ravel’s Jeux d’eauDebussy’s Reflets dans l’eau and Falla’s Noches en los jardines de l’Espagne (which evokes the gardens in the Granada Alhambra, that contains quite a lot of fountains, too).

While walking around in the garden and listening to Liszt’s lovely piano piece on my iPod, I knew that Liszt had not been primarily interested in displaying the waterworks as such. The original edition of his piece contains a brief annotation in Latin at m.144 (the moment the key changes to D major), saying: ‘Sed aqua quam ego dabo, fiet in eo fons aquae salientis in vitam aeternam’. This is a quote from John 4:14 and concerns words of Jesus to a lonely Samaritan woman: The water that I will give him will become in him a spring of water welling up to eternal life.’ From John 7:37-39, we know that the living water is a symbol for the Holy Spirit. When Liszt arrived in the Villa d’Este, he was exhausted and distressed, and longed for rest and refreshment for his soul.

What Liszt presumably did not know, is that in Jesus’ time ‘living water’ meant much more than just ‘life-giving water’. Living water is streaming water, that comes directly from its source without ever having stood still anywhere. Such living water was required for ritual cleansing, which compelled the Jews to build ingenious channel systems to transport water. The bath of Siloam (John 9), for instance, was filled with such water, coming directly all the way from Bethlehem via such channels. In presenting the Spirit as living water, Jesus says that the Spirit comes directly from God himself to someone, without any intermediary. And this living water, Jesus says here, will become a new source in the believer, out of which the living water springs up into eternal life. This implies that God does not only directly connect to man via the Spirit, but man is also able to enter with God in direct contact through the Spirit.

Fifty days after Christ’s resurrection, this Holy Spirit was given to Christ’s followers in Jerusalem (as the Bible tells in Acts 2). The gift of this Spirit is annually commemorated and celebrated by Christians all over the world during Pentecost (a word, that is derived from the Greek pentèkostè, which literally means: the fiftieth [day]), because they know that this Spirit is still fully available to those who open their hearts for Jesus. Countless Christians around the world experience this on a daily basis.

May be, your soul is as thirsty as Liszt’s soul was. Either you never received the Spirit before, or you need renewal by the Spirit, you could pray along Liszt’s prayer (via the youtube link above, in a performance by Zoltán Kocsis) for the Spirit in your heart. In case you never received the Spirit before and you have questions, you can contact us.

Text: Dr. Marcel Zwitser 

DEUTSCH

Während eines Aufenthalts in Rom im Juni 2011 verließ ich an einem Nachmittag die Stadt, um die Villa d’Este in Tivoli zu besuchen. Diese Villa ist besonders für ihren Garten bekannt, in dem mehr als 100 (!) Brunnen stehen. Der Hauptgrund, warum ich die Villa und ihren Garten besuchte, war, dass der ungarische Komponist Franz Liszt (1811-1886) dort im Jahr 1878 eine Weile lebte und die Vorstellung von den Brunnen des Gartens in seinen berühmten „Brunnen der Villa d’Este“ evozierte (Les jeux d’eau à la Villa d’Este ist der vierte Satz seines dritten Werks Années de Pèlerinage). Diese Komposition sollte in späteren Klavier-Kompositionen, die mit Wasser in Zusammenhang standen, nachwirken – beispielsweise in RavelsJeux d’eau, in DebussysReflets dans l’eau und in FallasNoches en los jardines de l’Espagne (wo auf die brunnenreichen Gärten in der Alhambra von Granada Bezug genommen wird).

Während ich im Garten umherging und Liszt` wunderbares Klavierstück auf meinem iPod anhörte, merkte ich, dass Liszt nicht in erster Linie daran interessiert war, die Wasserspiele wiederzugeben. Die Originalfassung des Stücks beinhaltet einen kurzen lateinische Kommentar in Takt 144 (in dem Moment, wo die Tonart zu D-Dur wechselt). Dabei wird gesagt: „Sed aqua quam ego dabo, fiet in eo fons aquae salientis in vitam aeternam“. Dies ist ein Zitat aus Johannes 4,14. Jesus sagt dort zur Samaritanerin: „Das Wasser, dass ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fliesst.“ Aus Johannes 7,37-39 wissen wir, dass das lebendige Wasser ein Symbol für den Heiligen Geist ist. Als Liszt in der Villa d’Este ankam, war er erschöpft, betrübt und sehnte sich nach Ruhe und Erfrischung für seine Seele.

Was Liszt vermutlich nicht wusste: Dass zur Zeit von Jesus „lebendiges Wasser“viel mehr bedeutete als „Leben spendendes Wasser“. Lebendiges Wasser ist fließendes Wasser, das direkt von der Quelle kommt, ohne jemals irgendwo still gestanden zu haben. Solches lebendige Wasser wurde für rituelle Waschungen gebraucht, was die Juden dazu veranlasste, ein geniales Kanal-System für den Wassertransport zu bauen. Der Teich von Siloah (Johannes 9) war gefüllt mit solchem Wasser, das über den ganzen Weg von Bethlehem durch solche Kanäle hergeleitet wurde. Wenn er den Heiligen Geist mit Wasser vergleicht, gibt Jesus zu bedeuten, dass der Heilige Geist direkt von Gott selbst kommt – ohne vermittelnde Instanz. Und dieses lebendige Wasser, sagt Jesus hier, wird im Gläubigen zu einer neuen Quelle, aus der das lebendige Wasser in das ewige Leben hineinfliesst. Dies impliziert, dass nicht nur Gott durch den Heiligen Geist unmittelbar mit dem Menschen kommuniziert, sondern dass auch der Mensch durch den Heiligen Geist mit Gott in direkte Beziehung treten kann.

Fünf Tage nach Jesu Himmelfahrt wurde den Jüngern Christi in Jerusalem der Heilige Geist geschenkt (wie es uns die Bibel in Apostelgeschichte 2 erzählt). An dieses Geschenk des Geistes wird jährlich erinnert, wenn Christen auf der ganzen Welt Pfingsten feiern (das Wort „Pfingsten“  kommt vom Griechischen pentèkostè, was wörtlich: der fünfzigste [Tag] bedeutet). Denn sie wissen, dass dieser Geist all jenen gegeben ist, die ihr Herz für Jesus öffnen. Unzählige Christen aus aller Welt erleben dies täglich.

Vielleicht ist deine Seele so durstig, wie die Seele von Liszt`durstig war. Egal, ob du den Geist bisher noch nie erlebt hast, oder ob du Erneuerung durch den Geist brauchst: Du kannst Liszt` Gebet mitbeten (mit dem oben angegebenen Youtube-Link, in einer Aufführung von Zoltán Kocsis) und um den Geist in deinem Herzen bitten.
Falls du bisher noch nie den Geist erhalten hast und Fragen dazu hast, kannst du dich sehr gern bei uns melden.

Text: Dr. Marcel Zwitser 
Übersetzung: Semira Roth

ENGLISH

During a stay in Rome in June 2011, I left the city for an afternoon in order to pay a visit to the Villa d’Este in Tivoli. This villa is particularly known for its garden, which counts no less than 100 (!) fountains. The main reason for me to visit the villa and its garden was the fact that the Hungarian composer Franz Liszt (1811-1886) stayed there for a while in 1878 and evoked the fountains of the garden in his famous Fountains at the Villa d’Este (Les jeux d’eau à la Villa d’Este, the fourth movement in his third volume Années de Pèlerinage), which became the model for later piano works related to water like Ravel’s Jeux d’eauDebussy’s Reflets dans l’eau and Falla’s Noches en los jardines de l’Espagne (which evokes the gardens in the Granada Alhambra, that contains quite a lot of fountains, too).

While walking around in the garden and listening to Liszt’s lovely piano piece on my iPod, I knew that Liszt had not been primarily interested in displaying the waterworks as such. The original edition of his piece contains a brief annotation in Latin at m.144 (the moment the key changes to D major), saying: ‘Sed aqua quam ego dabo, fiet in eo fons aquae salientis in vitam aeternam’. This is a quote from John 4:14 and concerns words of Jesus to a lonely Samaritan woman: The water that I will give him will become in him a spring of water welling up to eternal life.’ From John 7:37-39, we know that the living water is a symbol for the Holy Spirit. When Liszt arrived in the Villa d’Este, he was exhausted and distressed, and longed for rest and refreshment for his soul.

What Liszt presumably did not know, is that in Jesus’ time ‘living water’ meant much more than just ‘life-giving water’. Living water is streaming water, that comes directly from its source without ever having stood still anywhere. Such living water was required for ritual cleansing, which compelled the Jews to build ingenious channel systems to transport water. The bath of Siloam (John 9), for instance, was filled with such water, coming directly all the way from Bethlehem via such channels. In presenting the Spirit as living water, Jesus says that the Spirit comes directly from God himself to someone, without any intermediary. And this living water, Jesus says here, will become a new source in the believer, out of which the living water springs up into eternal life. This implies that God does not only directly connect to man via the Spirit, but man is also able to enter with God in direct contact through the Spirit.

Fifty days after Christ’s resurrection, this Holy Spirit was given to Christ’s followers in Jerusalem (as the Bible tells in Acts 2). The gift of this Spirit is annually commemorated and celebrated by Christians all over the world during Pentecost (a word, that is derived from the Greek pentèkostè, which literally means: the fiftieth [day]), because they know that this Spirit is still fully available to those who open their hearts for Jesus. Countless Christians around the world experience this on a daily basis.

May be, your soul is as thirsty as Liszt’s soul was. Either you never received the Spirit before, or you need renewal by the Spirit, you could pray along Liszt’s prayer (via the youtube link above, in a performance by Zoltán Kocsis) for the Spirit in your heart. In case you never received the Spirit before and you have questions, you can contact us.

Text: Dr. Marcel Zwitser 

DEUTSCH

Während eines Aufenthalts in Rom im Juni 2011 verließ ich an einem Nachmittag die Stadt, um die Villa d’Este in Tivoli zu besuchen. Diese Villa ist besonders für ihren Garten bekannt, in dem mehr als 100 (!) Brunnen stehen. Der Hauptgrund, warum ich die Villa und ihren Garten besuchte, war, dass der ungarische Komponist Franz Liszt (1811-1886) dort im Jahr 1878 eine Weile lebte und die Vorstellung von den Brunnen des Gartens in seinen berühmten „Brunnen der Villa d’Este“ evozierte (Les jeux d’eau à la Villa d’Este ist der vierte Satz seines dritten Werks Années de Pèlerinage). Diese Komposition sollte in späteren Klavier-Kompositionen, die mit Wasser in Zusammenhang standen, nachwirken – beispielsweise in RavelsJeux d’eau, in DebussysReflets dans l’eau und in FallasNoches en los jardines de l’Espagne (wo auf die brunnenreichen Gärten in der Alhambra von Granada Bezug genommen wird).

Während ich im Garten umherging und Liszt` wunderbares Klavierstück auf meinem iPod anhörte, merkte ich, dass Liszt nicht in erster Linie daran interessiert war, die Wasserspiele wiederzugeben. Die Originalfassung des Stücks beinhaltet einen kurzen lateinische Kommentar in Takt 144 (in dem Moment, wo die Tonart zu D-Dur wechselt). Dabei wird gesagt: „Sed aqua quam ego dabo, fiet in eo fons aquae salientis in vitam aeternam“. Dies ist ein Zitat aus Johannes 4,14. Jesus sagt dort zur Samaritanerin: „Das Wasser, dass ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fliesst.“ Aus Johannes 7,37-39 wissen wir, dass das lebendige Wasser ein Symbol für den Heiligen Geist ist. Als Liszt in der Villa d’Este ankam, war er erschöpft, betrübt und sehnte sich nach Ruhe und Erfrischung für seine Seele.

Was Liszt vermutlich nicht wusste: Dass zur Zeit von Jesus „lebendiges Wasser“viel mehr bedeutete als „Leben spendendes Wasser“. Lebendiges Wasser ist fließendes Wasser, das direkt von der Quelle kommt, ohne jemals irgendwo still gestanden zu haben. Solches lebendige Wasser wurde für rituelle Waschungen gebraucht, was die Juden dazu veranlasste, ein geniales Kanal-System für den Wassertransport zu bauen. Der Teich von Siloah (Johannes 9) war gefüllt mit solchem Wasser, das über den ganzen Weg von Bethlehem durch solche Kanäle hergeleitet wurde. Wenn er den Heiligen Geist mit Wasser vergleicht, gibt Jesus zu bedeuten, dass der Heilige Geist direkt von Gott selbst kommt – ohne vermittelnde Instanz. Und dieses lebendige Wasser, sagt Jesus hier, wird im Gläubigen zu einer neuen Quelle, aus der das lebendige Wasser in das ewige Leben hineinfliesst. Dies impliziert, dass nicht nur Gott durch den Heiligen Geist unmittelbar mit dem Menschen kommuniziert, sondern dass auch der Mensch durch den Heiligen Geist mit Gott in direkte Beziehung treten kann.

Fünf Tage nach Jesu Himmelfahrt wurde den Jüngern Christi in Jerusalem der Heilige Geist geschenkt (wie es uns die Bibel in Apostelgeschichte 2 erzählt). An dieses Geschenk des Geistes wird jährlich erinnert, wenn Christen auf der ganzen Welt Pfingsten feiern (das Wort „Pfingsten“  kommt vom Griechischen pentèkostè, was wörtlich: der fünfzigste [Tag] bedeutet). Denn sie wissen, dass dieser Geist all jenen gegeben ist, die ihr Herz für Jesus öffnen. Unzählige Christen aus aller Welt erleben dies täglich.

Vielleicht ist deine Seele so durstig, wie die Seele von Liszt`durstig war. Egal, ob du den Geist bisher noch nie erlebt hast, oder ob du Erneuerung durch den Geist brauchst: Du kannst Liszt` Gebet mitbeten (mit dem oben angegebenen Youtube-Link, in einer Aufführung von Zoltán Kocsis) und um den Geist in deinem Herzen bitten.
Falls du bisher noch nie den Geist erhalten hast und Fragen dazu hast, kannst du dich sehr gern bei uns melden.

Text: Dr. Marcel Zwitser 
Übersetzung: Semira Roth

Der Tanzfaktor 2020 ermöglicht Choreografinnen und Choreografen, die am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn stehen, mit ihren Kurzstücken durch neun Schweizer Städte zu touren. Gesucht werden bereits produzierte Tanzstücke mit einer Dauer von maximal 15 Minuten.

Eine Jury bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Partnerhäuser und -festivals wählt aus den eingegangenen Bewerbungen bis zu fünf Kurzstücke aus, die zu einem vielfältigen Tanzabend zusammen gesetzt werden.

Bewerbungsfrist: 31. Juli 2019

Anmeldung


 LO STUDIO – BELLINZONA CALL FOR RESIDENCIES 
From September 2019 to June 2020 Lo Studio in Bellinzona is offering a residency program for the development and realisation of projects and productions, which is open to professional artist from Switzerland or engaged in projects with the country, working in the field of dance, performance, media art or sound art.

Residencies are planned individually and include a working space and local accommodation. By arrangement and subject requirement, Lo Studio also offers its residents technical support and advisory assistance with press and public relations and dramaturgy.

Application deadline 5th of August

https://www.lostudio.guru/call-for-residencies?utm_source=Call+for+residence+enti%2Fteatri+ch&utm_campaign=d96608be7f-EMAIL_CAMPAIGN_2019_06_27_06_50&utm_medium=email&utm_term=0_db5bb5053f-d96608be7f-87479483

Vom 8. bis zum 10. März 2019 fand das arts+SYMPOSIUM 1.0 zum Thema “Form und Geist – Zugänge zu einer Ästhetik der Spiritualität” statt. Rund 100 Kunstschaffende und Theolog*innen aus vier Ländern kamen in Montmirail zusammen.

Es wurde gedacht und gelacht, gefeiert und debattiert, ausgetauscht und herausgefordert. Viele haben davon gehört, nicht alle konnten dabei sein.

Zu den in den Thinktanks erarbeiteten Essenzen gibt es deshalb jetzt eine Dokumentation mit Texten und Skribbels. Sie soll zum inspirierten Weiterdenken anregen.

Hier online ansehen:

Doku_Essenzen_Thinktanks_2019_de

Doku_Essenzen_Thinktanks_2019_franz

Psalmodia international est heureux de vous accueillir pour son 26ème stage artistique ! Sa vocation est d’encourager les talents, de former et d’enseigner les arts les plus variés pour servir l’Eglise et être « artiste » dans le monde. 

Entouré d’autres artistes, aussi nombreux que de tous horizons, vous serez heureux de partager des moments exceptionnels avec eux. De 500 à 700 personnes se retrouveront dans ce lieu et dans ces moments exceptionnels, UNIQUE EN FRANCOPHONIE, en vivant ce festival au milieu de Cévennes au Centre Chrétien de Gagnières, petit village pittoresque et INSPIRANT.
VENEZ VIVRE et vous former dans les différentes expressions artistiques, avec des animateurs d’exceptions : arts visuels, arts gestuelles et musicaux, en choisissant un des 40 ateliers proposés pour petits et grands. 

Couronné par des soirées de feu et d’Esprit avec des artistes venus de loin : David Prigent, Exo, Pat Berning, Mireille Buron, Sebastien Corn (Impact)…
Et bien sûr, les cultes du matin animés par Sylvain Freymond, Sébastien Corn, Exo et Michael Langlois.
Les Ados et les enfants sont également gâtés par des programmes et ateliers spécialement adaptés à leur âge ! 

Inscription jusqu’au 15 juillet 2019

VIVE 2019 à GAGNIERES!

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PLUS D’INFORMATIONS

INSCRIPTION & TARIFS

Psalmodia international est heureux de vous accueillir pour son 26ème stage artistique ! Sa vocation est d’encourager les talents, de former et d’enseigner les arts les plus variés pour servir l’Eglise et être « artiste » dans le monde. 

Entouré d’autres artistes, aussi nombreux que de tous horizons, vous serez heureux de partager des moments exceptionnels avec eux. De 500 à 700 personnes se retrouveront dans ce lieu et dans ces moments exceptionnels, UNIQUE EN FRANCOPHONIE, en vivant ce festival au milieu de Cévennes au Centre Chrétien de Gagnières, petit village pittoresque et INSPIRANT.
VENEZ VIVRE et vous former dans les différentes expressions artistiques, avec des animateurs d’exceptions : arts visuels, arts gestuelles et musicaux, en choisissant un des 40 ateliers proposés pour petits et grands. 

Couronné par des soirées de feu et d’Esprit avec des artistes venus de loin : David Prigent, Exo, Pat Berning, Mireille Buron, Sebastien Corn (Impact)…
Et bien sûr, les cultes du matin animés par Sylvain Freymond, Sébastien Corn, Exo et Michael Langlois.
Les Ados et les enfants sont également gâtés par des programmes et ateliers spécialement adaptés à leur âge ! 

VIVE 2019 à GAGNIERES!

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INSCRIPTION & TARIFS

For our last shared musical setting of the Lord’s Prayer we have music from Markus Stockhausen, shared with us by my husband, composer and saxophonist Uwe Steinmetz. Uwe writes: “Try to speak along the words of the prayer with Markus Stockhausen´s composition “Our Father” – he brings out so many aspects of the Lords prayer that we’ve talked about with his harmonisation and the dramaturgy of the melody, and he adds the necessary bit of improvisation – as our lives have to improvise. Live in the moment with this prayer which connects us with  Christianity throughout all time.” 

Für unsere letzte musikalische Vertonung des Vaterunsers haben wir Musik von Markus Stockhausen ausgewählt, die mein Ehemann, der Komponist und Saxophonist Uwe Steinmetz uns empfiehlt. Uwe schreibt: „Versucht, mit Markus Stockhausens Komposition das ‚Vater Unser‘ mit zu sprechen. Deren Melodieführung und Dramaturgie zeigen so viele Aspekte des Gebets auf, über die wir gesprochen haben. Und sie fügt das notwendige Quäntchen Improvisation hinzu – so wie wir in unserem Leben improvisieren müssen. Geh in diesem Moment mit diesem Gebet mit, das uns mit der Christenheit über alle Zeiten hinweg verbindet.“

ENGLISH

We conclude our series of TuneIns* on the Lord’s Prayer: “And lead us not into temptation, but deliver us from evil. For the Kingdom, the power and the glory are yours. Amen.”

I have been bothered by this final petition of the Lord’s Prayer for as long as I can remember. Do we really have to ask God not to lead us into temptation? Would God really try to entice us to do something contrary to his nature and will? 

“Peirasmos”, the Greek word in question here, means both to tempt and to test. So we can all collectively sigh in relief that no, of course God will not try to trick us into going astray. But as we see in the Bible, in the world around us and in our own lives, he most certainly does allow us to be tested. And he allows us to be tested at least in part because trials are how God refines us (1 Peter 6:7; James 1:2ff).

I am not sure of all the possible reasons why Jesus told us to ask God to spare us these trials, especially if they are necessary for our growth. But I believe that one of those reasons is that he offers us gracious permission to pour out our hearts and express our desires before God.

In Psalm 22**, David cries out to God: “God, God…my God! Why did you dump me miles from nowhere? Doubled up with pain, I call to God all the day long. No answer. Nothing. I keep at it all night, tossing and turning.” Jesus prayed, “My Father, if there is any way, get me out of this (Matthew 26:39).” Paul begged God to change his circumstances (2 Corinthians 12:8). These are just a few examples of prayer as a pouring out before God, not withholding anything, but laying our hearts and desires bare before the one who made us, knows us and loves us. We ask God not to bring us to a place where we will be overcome by temptation, but that he will protect and deliver us. Eugene Peterson translates it, “Keep us safe from ourselves and from the Devil.” We fully acknowledge our inability to withstand temptation on our own and beg God’s deliverance.

The prayer ends right after this petition by reminding us whom we have just asked: the all-powerful, almighty God. According to the free translation of Eugene Peterson it ends with a proclamation: “You’re in charge! You can do anything you want! You’re ablaze in beauty! Yes. Yes. Yes.”

There are certainly ways to apply this to our lives and work as artists. You might be faced with a lack of work when others seem to have so much, and you are fighting against jealousy or a loss of belief in God’s kindness and provision for you. Or you’ve had a great deal of success and are tempted to forget that you are still dependent on your creator, or tempted to feel like your achievements somehow make you more important than others around you. This can go on and on and has implications for every single area of life. May our lives and our art always point to God’s love and shalom— deliver us from evil.

Prayer
Thank you, Lord, that you walk with us.
Thank you for guiding down paths of righteousness for your name’s sake. Please don’t allow us to be overcome by the trials surrounding us, but help us to hold tight to you and follow hard after you.
Thank you that we are invited into this mystery, this invitation to commune with the True and Living God. We forget how amazing this is, Lord. Forgive us. Renew in our hearts a passion to know you and be known by you, to understand and love your Kingdom more and more and to be your hands and feet on this earth. And we ask believing that you can do all these things because, “yes, yes, yes, you are in charge! You can do anything you want! You’re ablaze in beauty!”
Amen


Text: Lauren Franklin-Steinmetz

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).
** From here until the end of the text all quotations are from The Message, a Bible translation by Eugene Peterson.

DEUTSCH

Wir schließen unsere TUNE IN-Serie* über das Vater Unser ab:
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Solange ich denken kann, hat mich dieser letzte Teil des Vater Unser immer gestört. Müssen wir Gott wirklich darum bitten, uns nicht in Versuchung zu führen? Würde Gott uns je dazu verleiten wollen, etwas zu tun, das gegen seine Natur und seinen Willen ist?

Die Übersetzung des griechischen Wortes „Peirasmos“ bedeutet sowohl  „versuchen“ als auch „testen“. So können wir alle erleichtert aufatmen: Nein, Gott will uns nicht austricksen, damit wir auf Abwege kommen. Aber wie wir in der Bibel und in der Welt um uns herum und bei uns selber sehen, lässt er gewiss zu, dass wir getestet werden. Und er erlaubt es zumindest teilweise, dass wir versucht werden, weil Gott uns auf die Probe stellt, damit wir wachsen (1. Petrus 6,7; Jakobus 1,2ff.).

Warum rät uns Jesus, Gott um Verschonung von diesen Prüfungen zu bitten, wenn diese doch für unser Wachstum nötig sind? Ich kenne die Gründe dafür nicht. Aber ein Grund dafür mag sein, dass Gott uns in seiner Güte anbietet, dass wir ihm unser Herz ausschütten und ihm unsere Wünsche sagen.

In Psalm 22**, schreit David zu Gott: „Gott, Gott… mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber keine Rettung ist in Sicht, ich rufe, aber jede Hilfe ist weit entfernt! Mein Gott! Ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht, ich rufe in der Nacht und komme nicht zur Ruhe.“ Jesus hat gebetet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen.“ (Matthäus 26,39) Paulus hat Gott angefleht, seine Umstände zu ändern (2. Korinther 12,8). Dies sind nur ein paar Beispiele für Gebete, in denen Menschen ohne Vorbehalte ihr Herz vor dem Einen ausschütten, der uns gemacht hat, der uns kennt und uns liebt. Wir bitten Gott, uns nicht an einen Ort zu bringen, an dem wir von Versuchung übermannt werden, sondern dass wir Schutz und Rettung erfahren. Eugene Peterson übersetzt es so: „Schütze uns vor uns selbst und vor dem Teufel.“ Wir gestehen unsere Unfähigkeit ein, Versuchungen aus eigener Kraft zu widerstehen, und bitten um Gottes Rettung. 

Hier endet das Gebet, das uns zuletzt noch daran erinnert, dass wir zum allmächtigen Gott gebetet haben, dem alles möglich ist. Nach der Übertragung von Eugene Peterson lautet die letzte Ausruf: „Du hast das Sagen! Du kannst alles tun, was du willst! Du bist hell erleuchtet in Schönheit! Ja. Ja. Ja.“

Wir können diese Bitte bestimmt problemlos auf unser Leben und auf unsere künstlerische Arbeit beziehen. Vielleicht hast du zu wenig Aufträge, während andere scheinbar so viel Arbeit haben. Vielleicht kämpfst du mit Eifersucht. Oder du bist dabei, den Glauben an Gottes Güte und Versorgung zu verlieren. Oder du hast großen Erfolg und bist nun in Versuchung, zu vergessen, dass du immer noch abhängig bist von deinem Schöpfer. Oder du benimmst dich so, als würden dich deine Erfolge über andere  erheben. Man könnte jetzt noch viele andere Dinge nennen und alle Lebensbereiche einschliessen.
Mögen aber unser Leben und unsere Kunst immer auf Gottes Liebe und Gottes Frieden hinweisen – erlöse uns von dem Bösen.

Gebet
Danke, Herr, dass du mit uns gehst. Danke, dass Du uns auf Wegen der Gerechtigkeit um Deines Namens Willen führst. Bitte lass nicht zu, dass wir von Versuchungen übermannt werden, sondern hilf uns, an Dir festzuhalten und als Dene Nachfolger nah bei Dir zu bleiben.
Danke, dass wir eingeladen sind, dieses Geheimnis zu erfahren: Die Gemeinschaft mit dem wahren und lebendigen Gott. Wir vergessen so oft, wie grossartig das ist, Herr. Vergib uns. Erneuere in unseren Herzen die Leidenschaft, Dich besser zu kennen und von Dir erkannt zu werden. Und hilf uns, Dein Königreich mehr und mehr zu verstehen, es zu lieben, und Deine Hände und Füsse auf dieser Erde zu sein. Wir wissen, dass Du alle diese Dinge tun kannst. Denn es gilt: „Ja, ja, ja, du hast das Sagen! Du kannst alles tun, was du willst! Du bist hell erleuchtet in Schönheit!
Amen

Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

For our last shared musical setting of the Lord’s Prayer we have music from Markus Stockhausen, shared with us by my husband, composer and saxophonist Uwe Steinmetz. Uwe writes: “Try to speak along the words of the prayer with Markus Stockhausen´s composition “Our Father” – he brings out so many aspects of the Lords prayer that we’ve talked about with his harmonisation and the dramaturgy of the melody, and he adds the necessary bit of improvisation – as our lives have to improvise. Live in the moment with this prayer which connects us with  Christianity throughout all time.” 

Für unsere letzte musikalische Vertonung des Vaterunsers haben wir Musik von Markus Stockhausen ausgewählt, die mein Ehemann, der Komponist und Saxophonist Uwe Steinmetz uns empfiehlt. Uwe schreibt: „Versucht, mit Markus Stockhausens Komposition das ‚Vater Unser‘ mit zu sprechen. Deren Melodieführung und Dramaturgie zeigen so viele Aspekte des Gebets auf, über die wir gesprochen haben. Und sie fügt das notwendige Quäntchen Improvisation hinzu – so wie wir in unserem Leben improvisieren müssen. Geh in diesem Moment mit diesem Gebet mit, das uns mit der Christenheit über alle Zeiten hinweg verbindet.“

ENGLISH

We conclude our series of TuneIns* on the Lord’s Prayer: “And lead us not into temptation, but deliver us from evil. For the Kingdom, the power and the glory are yours. Amen.”

I have been bothered by this final petition of the Lord’s Prayer for as long as I can remember. Do we really have to ask God not to lead us into temptation? Would God really try to entice us to do something contrary to his nature and will? 

“Peirasmos”, the Greek word in question here, means both to tempt and to test. So we can all collectively sigh in relief that no, of course God will not try to trick us into going astray. But as we see in the Bible, in the world around us and in our own lives, he most certainly does allow us to be tested. And he allows us to be tested at least in part because trials are how God refines us (1 Peter 6:7; James 1:2ff).

I am not sure of all the possible reasons why Jesus told us to ask God to spare us these trials, especially if they are necessary for our growth. But I believe that one of those reasons is that he offers us gracious permission to pour out our hearts and express our desires before God.

In Psalm 22**, David cries out to God: “God, God…my God! Why did you dump me miles from nowhere? Doubled up with pain, I call to God all the day long. No answer. Nothing. I keep at it all night, tossing and turning.” Jesus prayed, “My Father, if there is any way, get me out of this (Matthew 26:39).” Paul begged God to change his circumstances (2 Corinthians 12:8). These are just a few examples of prayer as a pouring out before God, not withholding anything, but laying our hearts and desires bare before the one who made us, knows us and loves us. We ask God not to bring us to a place where we will be overcome by temptation, but that he will protect and deliver us. Eugene Peterson translates it, “Keep us safe from ourselves and from the Devil.” We fully acknowledge our inability to withstand temptation on our own and beg God’s deliverance.

The prayer ends right after this petition by reminding us whom we have just asked: the all-powerful, almighty God. According to the free translation of Eugene Peterson it ends with a proclamation: “You’re in charge! You can do anything you want! You’re ablaze in beauty! Yes. Yes. Yes.”

There are certainly ways to apply this to our lives and work as artists. You might be faced with a lack of work when others seem to have so much, and you are fighting against jealousy or a loss of belief in God’s kindness and provision for you. Or you’ve had a great deal of success and are tempted to forget that you are still dependent on your creator, or tempted to feel like your achievements somehow make you more important than others around you. This can go on and on and has implications for every single area of life. May our lives and our art always point to God’s love and shalom— deliver us from evil.

Prayer
Thank you, Lord, that you walk with us.
Thank you for guiding down paths of righteousness for your name’s sake. Please don’t allow us to be overcome by the trials surrounding us, but help us to hold tight to you and follow hard after you.
Thank you that we are invited into this mystery, this invitation to commune with the True and Living God. We forget how amazing this is, Lord. Forgive us. Renew in our hearts a passion to know you and be known by you, to understand and love your Kingdom more and more and to be your hands and feet on this earth. And we ask believing that you can do all these things because, “yes, yes, yes, you are in charge! You can do anything you want! You’re ablaze in beauty!”
Amen


Text: Lauren Franklin-Steinmetz

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).
** From here until the end of the text all quotations are from The Message, a Bible translation by Eugene Peterson.

DEUTSCH

Wir schließen unsere TUNE IN-Serie* über das Vater Unser ab:
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Solange ich denken kann, hat mich dieser letzte Teil des Vater Unser immer gestört. Müssen wir Gott wirklich darum bitten, uns nicht in Versuchung zu führen? Würde Gott uns je dazu verleiten wollen, etwas zu tun, das gegen seine Natur und seinen Willen ist?

Die Übersetzung des griechischen Wortes „Peirasmos“ bedeutet sowohl  „versuchen“ als auch „testen“. So können wir alle erleichtert aufatmen: Nein, Gott will uns nicht austricksen, damit wir auf Abwege kommen. Aber wie wir in der Bibel und in der Welt um uns herum und bei uns selber sehen, lässt er gewiss zu, dass wir getestet werden. Und er erlaubt es zumindest teilweise, dass wir versucht werden, weil Gott uns auf die Probe stellt, damit wir wachsen (1. Petrus 6,7; Jakobus 1,2ff.).

Warum rät uns Jesus, Gott um Verschonung von diesen Prüfungen zu bitten, wenn diese doch für unser Wachstum nötig sind? Ich kenne die Gründe dafür nicht. Aber ein Grund dafür mag sein, dass Gott uns in seiner Güte anbietet, dass wir ihm unser Herz ausschütten und ihm unsere Wünsche sagen.

In Psalm 22**, schreit David zu Gott: „Gott, Gott… mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber keine Rettung ist in Sicht, ich rufe, aber jede Hilfe ist weit entfernt! Mein Gott! Ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht, ich rufe in der Nacht und komme nicht zur Ruhe.“ Jesus hat gebetet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen.“ (Matthäus 26,39) Paulus hat Gott angefleht, seine Umstände zu ändern (2. Korinther 12,8). Dies sind nur ein paar Beispiele für Gebete, in denen Menschen ohne Vorbehalte ihr Herz vor dem Einen ausschütten, der uns gemacht hat, der uns kennt und uns liebt. Wir bitten Gott, uns nicht an einen Ort zu bringen, an dem wir von Versuchung übermannt werden, sondern dass wir Schutz und Rettung erfahren. Eugene Peterson übersetzt es so: „Schütze uns vor uns selbst und vor dem Teufel.“ Wir gestehen unsere Unfähigkeit ein, Versuchungen aus eigener Kraft zu widerstehen, und bitten um Gottes Rettung. 

Hier endet das Gebet, das uns zuletzt noch daran erinnert, dass wir zum allmächtigen Gott gebetet haben, dem alles möglich ist. Nach der Übertragung von Eugene Peterson lautet die letzte Ausruf: „Du hast das Sagen! Du kannst alles tun, was du willst! Du bist hell erleuchtet in Schönheit! Ja. Ja. Ja.“

Wir können diese Bitte bestimmt problemlos auf unser Leben und auf unsere künstlerische Arbeit beziehen. Vielleicht hast du zu wenig Aufträge, während andere scheinbar so viel Arbeit haben. Vielleicht kämpfst du mit Eifersucht. Oder du bist dabei, den Glauben an Gottes Güte und Versorgung zu verlieren. Oder du hast großen Erfolg und bist nun in Versuchung, zu vergessen, dass du immer noch abhängig bist von deinem Schöpfer. Oder du benimmst dich so, als würden dich deine Erfolge über andere  erheben. Man könnte jetzt noch viele andere Dinge nennen und alle Lebensbereiche einschliessen.
Mögen aber unser Leben und unsere Kunst immer auf Gottes Liebe und Gottes Frieden hinweisen – erlöse uns von dem Bösen.

Gebet
Danke, Herr, dass du mit uns gehst. Danke, dass Du uns auf Wegen der Gerechtigkeit um Deines Namens Willen führst. Bitte lass nicht zu, dass wir von Versuchungen übermannt werden, sondern hilf uns, an Dir festzuhalten und als Dene Nachfolger nah bei Dir zu bleiben.
Danke, dass wir eingeladen sind, dieses Geheimnis zu erfahren: Die Gemeinschaft mit dem wahren und lebendigen Gott. Wir vergessen so oft, wie grossartig das ist, Herr. Vergib uns. Erneuere in unseren Herzen die Leidenschaft, Dich besser zu kennen und von Dir erkannt zu werden. Und hilf uns, Dein Königreich mehr und mehr zu verstehen, es zu lieben, und Deine Hände und Füsse auf dieser Erde zu sein. Wir wissen, dass Du alle diese Dinge tun kannst. Denn es gilt: „Ja, ja, ja, du hast das Sagen! Du kannst alles tun, was du willst! Du bist hell erleuchtet in Schönheit!
Amen

Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

Anmelden kannst Du Dich, wenn Du gerne in einem Chorprojekt singst und an den Proben und Aufführungen teilnehmen kannst. Notenkenntnisse sind von Vorteil, werden aber nicht vorausgesetzt.
Mit dem Eingang des Teilnehmerbetrages ist die Anmeldung verbindlich.

Chorleitung: Timo Schuster

Zur Anmeldung

Weitere Infos zum Stück: www.king-musical.de

Kick Off-Veranstaltung (mit CD, Notenverteilung, Proben und Überraschungsgästen)

Sa. 07.09.19, 10 – 17 Uhr, 3600 Thun, Burgsaal

Probetermine im “Zentrum Brügg” (FeG), Unterdorfstrasse 2, 3612 Steffisburg (ÖV: Linie 1: Steffisburg Platz)

Mo. 14.10.19 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 28.10.19 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 11.11.19 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 25.11.19 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 09.12.19 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 06.01.20 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 20.01.20 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 03.02.20 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 24.02.20 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 09.03.20 – 19:30 – 22:00 Uhr

Mo. 23.03.20 – 19:30 – 22:00 Uhr – RESERVE

EXPO Thun

Generalprobe:  

Fr. 27.3.2020 – 19:00 Uhr

Aufführungen:  

Sa. 28.3.2020 – 15 und 19:30 Uhr

So. 29.3.2020 – 15 Uhr

ENGLISH

In the course of the just finished Crescendo Festival in the Republic of Moldova, I met one of the organisers, Alexandru Sanduleac (photo). He told an unbelievable story which can encourage us to expect great things from God.

Alexandru, you began many years ago with a little Bible group of musicians…

A: That was in 1992, at the Conservatory in Chisinau, the capital city. We used material from the “Precept inductive Bible Study”. At the beginning, only a few came. But every week we invited new students, and in this way the group grew in two years to 45 participants. Of these musicians, only three were originally Christians. But, as time went on, all came to faith. Now some of them began to form their own groups. I conducted the studies in Romanian, and now there were soon groups in Russian, the second language in our country. Then the movement spread to the Music College, where students prepared for the conservatory. There, too, dozens became Christians and joined the church to which we belonged.

And how did your work continue?

A: I began with prayer meetings in the Conservatory. Every morning, students came together for a full hour of prayer before teaching started.

Did I hear correctly? A full hour every morning?

A: Exactly. We were excited to be joined now by musicians who belonged to the Orthodox, Pentecostal, Baptist or Adventist churches. We prayed for each other and for the school. One fruit of this work was that in northern Moldova, where my wife comes from and where some these musicians later moved to, a Church of our own was founded. In this town there was not a single Protestant church. Then we held Bible courses in the local government school. After a festival lasting two days, in which the music students gave many concerts, a Church of our own came into being. With a very short time, 700 people joined us and were baptised. And it went further: similar congregations were founded in 50 other places.

So this means that ultimately, from a group of musicians, 50 churches resulted?! How do you explain this awakening?

A: Really, at the beginning it was very easy for me, for I lived in the Conservatory’s student residence and was thus able to invite many colleagues to the Bible study group.

So you were a musician yourself? Please tell us a little about it…

A:  In my youth, I have to say, I was already seen as one of the most promising musicians in the country. My instrument was the horn, and at an early stage people predicted a great career for me. Correspondingly, my studies also went very well. But then I suddenly had health problems with my lips and suddenly what took the most important place in my life, namely my music and career, was suddenly called into question. Everything was shattered, and in retrospect I have to say that this idol had to be knocked off its pedestal. A little later, however, I changed direction and study choral conducting.

Back to the Bible and prayer meetings in Chinsinau: Was it possible for you to organize them without problems?

A:  No, one day the very strict director of the conservatory burst into one of our evening meetings in which more than 40 music students were reading the Bible. He had had no idea about this and went into a rage. Then he forbade us to hold these meetings. Later, however, his son became a Christian. And the astonishing thing is that, while we are having this conversation, this former director is sitting in the next room having an evening meal with our friends and telling jokes. In the last few years, he has noticed how Christians selflessly contribute to the culture of our country, and in this way he has become, so to speak, our friend.

What would you say is the successful recipe for a spiritual awakening among musicians and artists in general?

A: Ultimately, it is God’s grace. But it is good if we count on God and trust that in his working. On this basis, I simply repeatedly invited my fellow students to Bible studies or gave them Bibles.  Recently I received a letter from a former student who now lives in Kazakhstan. She wrote that I gave her a New Testament back then, and that she became a Christian by reading it. One never knows what will grow when we sow the seed.

Alexandru, thank you for this encouragement!

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Anlässlich des soeben zuende gegangene Crescendo-Festivals in der Republik Moldawien habe ich den Mit-Organisator Alexandru Sanduleac(Bild) kennen gelernt. Er hat eine unglaubliche Geschichte erzählt, die uns ermutigen kann, von Gott Grosses zu erwarten.

Alexandru, du hast vor vielen Jahren mit einem kleinen Bibelkreis unter Musikern begonnen…

A: Das war 1992 am Konservatorium von Chisinau, unserer Hauptstadt. Wir haben das Material von „Precept inductive Bible Study“ angewandt. Am Anfang kamen nur wenige. Aber jede Woche haben wir neue Studenten eingeladen, und so wuchs dieser Kreis innerhalb von zwei Jahren auf 45 Teilnehmer an. Davon waren ursprünglich nur gerade drei Musiker Christen. Aber nach und nach kamen ale zum Glauben. Und nun begannen einige davon, eine eigene Gruppe zu gründen. Ich führte die  Stunden auf Rumänisch durch, doch nun gab es bald Gruppen in Russisch, unserer zweiten Landessprache.  Dann weitete sich die Bewegung auf das Musikkollegium aus. Dutzende wurde nun auch dort Christen und schlossen sich der Kirche an, zu der wir gehörten.

Wie hast du selber weiter gewirkt?

A: Ich begann mit Gebetsstunden im Konservatorium. Jeden Morgen kamen Studenten vor Unterrichtsbeginn für eine ganze Stunde zum Gebet zusammen.

Habe ich richtig gehört? Jeden Morgen eine ganze Stunde?

A: Genau. Wir waren begeistert, dass nun auch Musiker dazu stiessen, die orthodoxen Kirchen, Pfingstkirchen, Baptistengemeinden und der adventistischen Kirche angehörten. Wir beteten füreinander und für die Schule. Eine Frucht dieser Arbeit war, dass daraus in Nord-Moldawien, woher meine Frau kam und wohin einige dieser Musiker später zogen, eine eigene Kirche entstand. In dieser Stadt gab es keine einzige evangelische Kirche. Wir führten nun Bibelkurse in  der öffentliche Schule des Ortes durch. Nach einem zweitägigen Festival, in dem die Musikstudenten viele Konzerte gaben, entstand eine eigene Kirche. In kürzester Zeit kamen 700 Menschen dazu, sich taufen liessen. Und  es ging weiter: An 50 anderen Orten wurden ähnliche Gemeinden gegründet.

Das heisst also, dass aus einem Musikerkreis letztlich 50 Kirchen entstanden?! Wie kannst du dir diese Erweckung  erklären?

A:  Eigentlich war es für mich am Anfang recht einfach, da ich selber im Studentenheim  des Konservatoriums wohnte und dadurch viele Kollegen zum Bibelkreis  einladen konnte.

Du warst also selber Musiker?  Bitte erzähl uns etwas davon…

A:  Ich gehörte in meiner Jugend zu den vielversprechendsten Musikern des Landes, muss ich sagen. Mein Instrument war das Horn, und mir wurde schon früh eine grosse Karriere vorausgesagt. Dementsprechend verlief auch mein Studium sehr erfolgreich.  Dann aber bekam ich auf einmal  gesundheitliche Probleme mit den Lippen, und  das, was eigentlich in meinem Leben an erster Stelle stand: die Musik und meine Karriere,  wurden mir auf einmal weggenommen. Es war ein richtiger Bruch, und im Rückblick muss ich sagen: Dieser Gott musste vom Sockel gestossen werden.

Zurück zu den Bibelstunden und Gebetszeiten in Chisinau: Konntet ihr sie ohne Probleme durchführen?

A:  Nein, denn eines Tages platzte der sehr strenge Rektor  des Konservatoriums in eine unserer abendlichen Zusammenkünfte, in denen über vierzig Musikstudenten die Bibel lasen.  Er hatte keine Ahnung davon gehabt und  wurde sehr wütend. Er verbot uns sofort diese Treffen. Später wurde allerdings sein Sohn Christ. Und das Erstaunliche ist: Während wir hier dieses Gespräch führen, sitzt im Nebenraum dieser damalige Rektor mit unseren Freunden zusammen beim Abendessen und erzählt Witze. Er hat in den letzten Jahren gemerkt, wie sich Christen uneigennützig für die Kultur unseres Landes einsetzen und wurde sozusagen unser Freund.

Was ist deiner Meinung nach das Erfolgsrezept für einen geistlichen Aufbruch unter Musikern und generell Künstlern?

A: Letztlich ist es Gottes Gnade. Aber es ist gut, wenn wir mit Gott rechnen und darauf vertrauen, dass er wirkt. So habe ich einfach immer wieder meine  Mitstudenten zu den Bibelstunden eingeladen oder ihnen eine Bibel geschenkt. Kürzlich bekam ich einen Brief von einer ehemaligen Musikstudentin, die nun in Kasachstan lebt.  Sie schrieb, dass sie damals von mir ein Neues Testament bekommen habe, durch dessen Lektüre sie Christin geworden sei. Man weiss nie, welche Früchte wachsen, wenn wir säen.

Alexandru, herzlichen Dank für diese Ermutigung!

Text: Beat Rink

Die Bedeutung der Musik in regionaler Gemeindeentwicklung

KirchGemeindePlus – ein Wort, das man im ganzen Kanton immer wieder hört – mal mit einem zuversichtlichen Klang, manchmal auch ungläubig oder kritisch.

KirchGemeindePlus ist ein Programm der Zürcher Landeskirche um die reformierte Kirche nachhaltig und zukunftsfähig weiter zu entwickeln – inhaltlich und strukturell.

Die Kirchenmusik ist ein Hoffnungsträger für diesen Prozess. Musik berührt die Herzen, stiftet Identität und drückt Sehnsucht und Zweifel gegenüber Gott aus.

Der ZKMV hat im Jahr 2016 nach einem Workshop ein Papier zum Thema Kirchenmusik und KirchGemeindePlus veröffentlicht.

An diesen Prozess wollen wir anschliessen – mit Euch, den Musikerinnen und Musikern in der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich.

Dafür laden wir ein:

Montag, 1. Juli 2019 von 9-17 Uhr

Restaurant Clouds – im Prime Tower – wir können etwas abheben und haben dadurch einen weiten Blick.

Die Tagung ist kostenlos, das Mittagessen kostet 30 CHF.

Wer arbeitet mit uns?

Simone Siegenthaler – Mitarbeiterin für partizipative Prozesse bei den GKD

Mathias Burri – Theologe für Gemeindeaufbau bei den GKD

Jochen Kaiser – Kirchenmusiker für Gemeindeentwicklung bei den GKD

…und ein Überraschungsgast (DIETER FALK)…!

Inhaltliches:

Was könnte die Musik beitragen, damit sich die Kirche weiter entwickeln kann: Chancen, Herausforderungen und Grenzen – anhand einer exemplarischen Region.

Wie könnten partizipative Prozesse im Bereich der Musik aussehen?

Welche Haltungen brauchen die Musikerinnen und Musiker  – musikalisch, performativ, religiös – in der Kirche?

Alle Musikerinnen und Musiker sind herzlich eingeladen. Speziell jene, die in Kirchgemeinden arbeiten, wo Zusammenarbeit oder Zusammenschlüsse geplant sind, werden von unseren Überlegungen und Diskussionen profitieren. Neben Impulsen werden wir gemeinsam und spielerisch an den Fragestellungen arbeiten.

Anmeldung an jochen.kaiser@zh.ref.ch bis 15 Juni. Es können maximal 30 Musikerinnen und Musiker teilnehmen. Die Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt.

Liebe Mitglieder und Interessierte

Wir hatten ein wunderbar erfrischendes, inspirierendes und begeisterndes arts+SYMPOSIUM 1.0. Davon berichten wir am Ende dieses Newsletters.
Ausserdem erwarten euch Ausschreibungen, Ankündigungen und “open calls”. Feedbacks sind wie immer sehr willkommen.


E M P F E H L U N G E N

Kult & Kommunikation, Zürich 17. – 19. Mai 2019
Braucht der Glaube neue Bilder? Braucht die Kunst neuen Glauben?
Artheon, dessen Präsident Hannes Langbein bei uns am arts+Symposium 1.0 einen Input gab, und die Lukasgesellschaft laden Theologen, Wissenschaftler, Architekten, Schriftsteller und Künstler ein, sich im Rahmen des Symposions zum Thema Kult und Kommuni­kation auszutauschen und über die neuen Verhältnisse zu Bildern in Kirche und Kunst. Anmeldeschluss ist der 30. April 2019.
Webseite


Visual Voice, Aarau 30. Mai – 1. Juni 2019
Das kreative, himmlische Potetial entfalten. In der FCG Aarau findet bereits zum dritten Mal die Visual Voice Konferenz statt, ganz nach dem Motto:‚ Garten Eden’ (neues Land) betreten. 23 Workshops, Plenumssessions, ein Prophetic Festival, Kleinkunstbühne, Teilnehmerausstellung u.v.m
https://www.youtube.com/watch?v=bAfaebRx2Ww
Anmeldeschluss ist der 22. Mai 2019.
www.visual-voice.ch


 O P E N  C A L L S

Kunst im Depot
Die Kunstsparten übergreifende Entwicklungsplattform findet dieses Jahr zum dritten Mal im rund 300 m2 grossen ehemaligen Busdepot am Deutweg in Winterthur statt. Insgesamt stehen vom 9. – 29. September 10 Plätze zur Verfügung. Das Thema: “Durchlässigkeit”. Bewerben kann man sich mit einer Idee, an der während des Aufenthalts im Depot gearbeitet werden möchte.
https://kunstimdepot.jimdo.com/
Bewerbungsschluss ist der 15. Mai 2019.
Ausschreibung


Prix Plus
Noch einmal möchten wir dich auf den von ARTS+ verliehen Kunstpreis hinweisen. Prämiert werden künstlerische Werke (oder Institutionen/Projekte), die im Jahr 2018 den christlichen Glauben in der Öffentlichkeit thematisiert haben.
Nominationen und Eingabenwerden bis Ende Juni 2019 entgegen genommen. 
Eingabeformular


W I L L K O M M E N !

Herzlich Willkommen bei ARTS+!
Reto Scheiber (Bildende Kunst)
Silvia Egles (Musik)
Esther Keller (Theater)
Pierre-André Moret (Musik Fotografie)
Christine Moll (Kunsthandwerk)
Günther Heikedine (Darstellende Kunst)
Barbara Baer (Physical Theater Artist)
Sarah Hinni (Fotografie)
Christof Suter (Bildhauerei) 
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R Ü C K B L I CK

arts+SYMPOSIUM 1.0
Fantastisch, inspirierend, ermutigend, eine Freude und ein wahres Gathering von professionellen Kunstschaffenden und Theologen. So könnte das erste arts+SYMPSIUM beschrieben werden. Rund 100 Menschen aus vier Ländern (Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich), die darüber austauschten, rangen und debattierten, wo wir mit Kunst und Kirche in 20 Jahren sein möchten, welches Potenzial tatsächlich in einem gemeinsamen Weg liegen könnte – abseits von Katechismus, Endlosschlaufen und Allgemeinkünstlerschaft. Und es wurde mit einem festlichen Abend, der an Qualität und Kreativität kaum zu überbieten ist, gefeiert.

Beat Rink startete am Freitag Abend mit 20 Thesen (10 zu Künstlern und 10 zu Kirchen), die befragt und diskutiert wurden. Der Eröffnungsinput von Matthias Krieg zu “Wiederholung & Ereignis” regte dazu an, mal genauer hinzuschauen in unserer Ereigniskultur und die Wiederholung (Struktur) nicht zum Ereignis zu machen – oder umgekehrt! Sein Plädoyer: Mut für Nischen und Randzonen, denn dort ereigne sich sowohl Kirche wie Kunst.
Auch die Frage von Hannes Langbein zu “Gemeinde als soziale Plastik?” erzeugte anregende Debatten, gerade im Zusammenhang mit der Frage, wo Vermittlung wie nötig sei oder sich erübrigen könnte.  Eva Jung, ihres Zeichens Designerin, ermutigte zur eigenen Sprache und zur Sprachfindung weil “Gott spricht sogar meine Sprache”.

Das Symposium war tatsächlich das erste seiner Art. Die Rückmeldungen zeigen aber, dass es nicht das Letzte sein sollte. Die Essenzen aus den Thinktanks werden derzeit noch zu einer Dokumentation verarbeitet. Sie soll als Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten dienen und ist demnächst auf unserer Homepage verfügbar.

F o t o s


Liebe Grüsse vom ARTS+ Team:

Regula Lustenberger, Astrid Künzler, Adrian Furrer, Beat Rink, Jean-Daniel von Lerber, Martin Jufer, Matthias Spiess, Samuel Scherrer, Timo Schuster

A late nineteenth-century rendering of the Prodigal Son by James Tissot.
Ölgemälde über die Rückkehr des verlorenen Sohnes aus dem späten 19.Jh. von James Tissot

 As always, a setting of the Lord’s Prayer, this time one composed by Arvo Pärt. 
 Wie immer eine Vertonung des Vater Unsers, dieses Mal eine Komposition von Arvo Pärt. 


ENGLISH

We return to our series on the Lord’s Prayer* with a petition that seems rather daunting. First, let’s get it out of the way: we do not earn God’s forgiveness because we forgive others. That is not what it means.
Rather, it is a question once again of identity and commitment on our part. We are reminded that Jesus was, throughout this prayer he gave us, turning our attention to the coming Kingdom of God. By calling God “Father”, we are declaring faith in his promise of deliverance. By praying that his Kingdom come, we are dedicating our lives to proclaiming his coming Kingdom and asking that his world be renewed. By asking that his will be done, we submit ourselves to his Lordship and to living by the values of his Kingdom. When we ask for our daily bread, we ask that we be equipped to live our lives and do the work he has called us to do. 

What is forgiveness? 

Let’s look at the Parable of the Prodigal Son, found in Luke 15:11-32 .
It may not strike anyone today as odd that the father ran to the son, as it is not unusual to see older people out and exercising, moving as quickly as they can.  But in those days, older people and especially patriarchs were supposed to display physical gravitas, and they did not move quickly. It was degrading. So not only did the father accept the losses his son incurred, as well as the extravagant party he threw him, but he threw aside any social convention and honor to run after him. It cost the father something. This image of the running father as a metaphor for God would have been shocking to his listeners.

Forgiveness is absorption

True forgiveness costs you something and requires effort. Forgiveness is also different than tolerance. Tolerance is more like a sweeping under the rug, and runs the risk of turning into condescension or feelings of superiority. Forgiveness means that you give up your right to feel superior, to be judgmental, to take revenge, or to harbor a grudge.  (Worth considering here is how certain milder temperaments might think they are quick to forgive, but actually substitute a cheap tolerance for the sometimes uncomfortable work that forgiveness requires!) Forgiveness requires that you absorb the cost and trust in God’s judgment.  Also, forgiveness allows you to say how bad and serious the wrong thing was, it allows for the acknowledgement of hurt and of grief.

It costs Jesus everything to absorb our sin

It’s not that now God turns a blind eye to all our peccadilloes; they were fully absorbed. If we fully understand God’s forgiveness for us, how he absorbed our sin, how he runs to us, then our feelings of superiority toward others will be obliterated. And the other direction is also true: If we have not seen our sin and sought radical forgiveness from God, we will be unable to forgive and to seek the good of those who have wronged us. 

What about the Older Brother in the parable?

He was not quite ready to join the party. His indignation is justifiable. He had been hurt and was not yet able to forgive. Sometimes it takes time. Everyone carries bruises, whether physical or emotional, from things that others have done. The only thing to do is to be honest about it before God. He, after all, has plenty of experience of people saying and doing things that hurt him. And with his healing for the hurt, and his help with the often long-drawn-out task of forgiveness, the bruises can be healed.  This is another way we experience the “forgiven as we forgive”: as we learn what it is like to be forgiven, we begin to discover that it is possible, and indeed joyful, to forgive others.

How might we “run toward others” in our professional lives? 

There are often really clear examples, such as choosing to forgive a colleague that wronged us. But might we be called to take a more active role in this forgiveness, such as speaking a kind word to or about them, or, if appropriate, allowing for future collaboration— or committing to pray for the offending party? What about our art itself? Can our works of art themselves “run toward” the other, creating spaces for truth and reconciliation? 

Prayer:
“Father, we are worse than we ever dared to fear, but more loved and forgiven than we ever dared hope.  Thank you for running toward us, for absorbing the cost of our brokenness. Please use use for agents of shalom and reconciliation as we build for your Kingdom. Please use us also as artists for agents of shalom and reconciliation as we build for your Kingdom with our creativity.
Help us to forgive as we are forgiven, knowing that you carry us all. Amen.”

Text: Lauren Franklin-Steinmetz

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine). 

DEUTSCH

Wir führen unsere Serie über das Vater Unser* mit einer Bitte fort, die eher beängstigend wirkt. Lasst uns zuerst einmal klar stellen: Wir verdienen uns nicht Gottes Vergebung, indem wir anderen vergeben. So ist das nicht gemeint. 
Diese Bitte legt vielmehr die Frage nahe: Wer sind wir und wozu verpflichten wir uns als Christen? Wir erinnern uns daran, dass Jesus durch das Gebet, das er uns gegeben hat, unsere Aufmerksamkeit auf das kommende Reich Gottes lenkt. Indem wir zu Gott „Vater“ sagen, bekunden wir unseren Glauben an sein Versprechen, dass wir errettet werden. Indem wir beten: „Dein Reich komme“, widmen wir unser Leben der Verkündigung des kommenden Gottesreiches und bitten um die Erneuerung der Welt. Indem wir bitten: „Dein Wille geschehe“, beugen wir uns unter seine Herrschaft und erklären uns bereit, mit den Werten seines Reiches zu leben. Wenn wir um unser „täglichen Brot“ bitten, möchten wir einfach genug haben zum Leben und zum Verrichten der Arbeit, zu der Gott uns berufen hat.

Was ist Vergebung? 

Lasst uns einen Blick auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn in Lukas 15,11-32 werfen:
Es mag heute keinem auffallen, wie seltsam es ist, dass der Vater seinem Sohn entgegenrennt. Schliesslich gibt es im Zeitalter der Altersgymnastik viel ältere Menschen die sich schnell bewegen. Aber damals haben sich ältere Menschen und besonders Patriarchen, die eine körperliche Würde ausstrahlten, überhaupt nicht schnell bewegt. Dies wäre schlicht würdelos gewesen. Anders der Vater im Gleichnis. Er sieht nicht nur über den Schaden hinweg, den sein Sohn verursacht hat. Er gibt nicht nur ihm zu Ehren eine extravagante Party, sondern er setzt sich auch über die sozialen Konventionen hinweg, wenn ihm entgegeneilt. Er lässt es sich etwas kosten. Dieses Bild des rennenden Vaters ist ein Gleichnis für Gott, und es muss die Zuhörer geschockt haben.

Vergebung kostet etwas

Wahre Vergebung verlangt dir einiges ab. Vergebung ist auch etwas Anderes als Toleranz. Toleranz kehrt die Dinge gern unter den Teppich und gefällt sich oft in einer herablassenden Attitüde und in einem Gefühl der Überlegenheit. Vergebung bedeutet, dass man sein Recht aufgibt, sich überlegen zu fühlen oder andere zu verurteilen, Groll zu hegen oder Rache zu üben. (Übrigens meinen oft Menschen mit einem sanften Temperament, dass sie ohne Problem vergeben können. In Wirklichkeit verwechseln sie Vergebung, die manchmal sehr anstrengend ist, mit billiger Toleranz.) Vergebung ist aber mühsam und nur im Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit möglich. Sie schliesst auch keineswegs aus, dass man die schlechten Dinge beim Namen nennt oder Verletzung und Trauer zulässt. 

Die Vergebung unserer Schuld hat Jesus alles gekostet

Auch Gott drückt bei unseren Verfehlungennicht einfach ein Auge zu. Er tilgt unsere Schuld. Wenn wir verstehen, dass er unsere Schuld getragen hat, wie er uns entgegenrennt, dann werden unsere Überlegenheitsgefühle anderen gegenüber schwinden. Und anders herum stimmt es auch: Wenn wir nicht unsere Schuld erkennen und Gottes Vergebung annehmen, werden wir anderen nicht vergeben können und das Gute in denen entdecken, die sich uns gegenüber falsch verhalten haben.

Was ist mit dem älteren Bruder im Gleichnis?

Er verweigerte sich der Party. Seine Empörung war berechtigt. Er war verletzt worden und noch nicht bereit, selber zu vergeben. Manchmal braucht Vergebung Zeit. Jeder trägt seine Schrammen, ob physisch oder emotional, von Dingen davon, die andere ihm angetan haben. Das Einzige, was man dann tun muss, ist ehrlich sein vor Gott. Denn Gott hat ja selber sehr viel Erfahrung mit dem, was Menschen an Verletzendem sagen oder tun. Die Schrammen können heilen, wenn Gott heilend eingreift und wenn er uns hilft, die oft langwierige Aufgabe der Vergebung anzupacken. Hier öffnet sich dann ein anderer Weg, auf dem wir das „Vergib, wie auch wir vergeben“ erfahren: Indem wir die Realität der Vergebung erleben, wird es uns möglich und sogar zur Freude, anderen zu vergeben. 

Wie können wir in unserem Berufsalltag „Anderen entgegenrennen“?

Wir alle kennen jene sehr realen Momente, in denen man sich zur Vergebung entschliessen muss,  wenn uns etwa ein Kollege schlecht behandelt hat. Aber vielleicht sind wir dann sogar gerufen, eine noch aktivere Rolle zu spielen und zum Beispiel ein freundliches Wort zu sagen oder (sofern angebracht) eine Zusammenarbeit vorzuschlagen oder zumindest für den anderen zu beten. Und inwiefern betrifft das auch unsere Kunst? Inwiefern kann unsere künstlerische Arbeit auf jemand anderen „zurennen“, indem sie Raum für die Wahrheit und für Versöhnung schafft?

Gebet: 
„Vater, wir sind schlimmer, als wir jemals zu fürchten gewagt haben, aber auch mehr geliebt und uns ist mehr vergeben, als wir jemals zu hoffen gewagt haben. Danke, dass du auf uns zurennst und den Preis für unsere Zerbrochenheit getragen hast. Bitte brauche uns als Boten des Friedens und der Versöhnung – zum Aufbau deiner Herrschaft. Bitte brauche uns auch als Künstler als Boten des Friedens und der Versöhnung, wenn wir dein Reich mit unserer Kreativität bauen.Hilf uns zu vergeben, so wie uns vergeben wurde, im Wissen, dass du uns alle trägst. Amen.“


Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

für Neues, für grossformatiges Schaffen oder kleine Werke, performatives Proben und künstlerisches Forschen, für Experimente und Austausch mit anderen Kunstschaffenden.

Thema der Plattform ist «Durchlässigkeit». Was passiert mit der eigenen Arbeit,wenn ich mich auf Dialoge und Prozesse einlasse? Dazu gibt es räumlicheVorlagen, die durchaus durchbrochen werden können/sollen. Alle teilnehmendenKünstler*innen sind zu zwei thematischen Inputs eingeladen, die dem eigenen Schaffen und Suchen dienen sollen.

Zur Verfügung stehen insgesamt 10 Arbeitsfelder, jeweils mit Tisch und Stuhl ausgerüstet, in der rund 300 m2 grossen Halle. Eine elementare Infrastruktur mit WC, Strom, Wasser und Herdplatten ist vorhanden sowie die Unterstützung in logistischen Fragen (Kontakte, Materialsuche, Unterkunft).

Jeder mitwirkende Künstlerin ist im Rahmen der Plattform aufgefordert, den Dialog mit den Anderen zu suchen und mindestens 1x das «Fenster nach Aussen», zu «bespielen». Konkret: aktuelle, unfertige Fragmente der eigenen Recherche, Bezüge aus Dialogen und/oder Fragestellungen gewähren in einem der Fenster im grossen Tor von Aussen Einblicke in die Schaffensprozesse.

Die Entwicklungsplattform von «Kunst im Depot» endet mit der Partizipation am «OPEN DOORS» (Offene Ateliers Winterthur) am 28. und 29. September 2019. Kunstschaffende aus allen Sparten sind willkommen, sich bei uns zu melden. Es ist möglich, allenfalls auch nur wochenweise zu partizipieren. Kostenpunkt pro Woche voraussichtlich max. CHF 30.—

BEWERBUNGEN
Bitte sende uns bis 15. Mai 2019

  • pdf mit ca. 10 Fotos, die deine Arbeit vorstellen oder einen Film (max. 5 Min.)
  • kurze Beschreibung, wie du in der Halle arbeiten oder welcher Idee du nachgehen möchtest
  • Angaben, wieviel «akustischen Raum» deine Arbeit einnimmt
  • deinen kurzen CV
  • die Zeitspanne deiner Teilnahme mit Begründung, sofern du nicht die ganze Zeit nutzen kannst

DIE BEWERBUNGEN SENDEN AN:
Kunst im Depot, Astrid Künzler, Eisweiherstrasse 177, 8400 Winterthur
astrid@kuenzler.ch, kunstimdepot@gmx.ch oder kontaktiere uns unter 076 319 32 22

WIR FREUEN UNS AUF DEINE ANMELDUNG
Astrid Künzler-Büchter, Performing Artist / Choreographer
Julia Bihl, Regisseurin / Schauspielerin
Anita Bättig, Galleristin / Szenografin

Webseite

Visual Voice 2019, vom 30. Mai bis 01. Juni 2019 in Aarau, Schweiz

Künstler und kreativ Denkende aus ganz Europa treffen sich zum 3. Mal an der Visual Voice in Aarau, um sich gegenseitig zu inspirieren, zu motivieren und sichtbar werden zu lassen, wie einfach es ist, den Himmel auf die Erde zu bringen. In den mehr als 20 verschiedenen Workshops wird ganz praktisch gezeigt, wie Gott Kunst und Kreativität gebrauchen möchte, um Menschenherzen zu berühren. Du wirst ausgerüstet, die Kultur in deinem Umfeld und in all den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft leidenschaftlich, kreativ und mutig zu verändern. Ein grosses, buntes Familientreffen der anderen Art.

Webseite

Kunstschaffende, die an der Konferenz teilnehmen, können sich direkt über die Webseite für die Ausstellung bewerben. Die Kleinkunstbühne wird vor Ort gemanagt, d.h. die Kunstschaffenden können sich bei einer Zeit eintragen und eine Darbietung bringen.

Der neue «Zenti-Gottesdienstsaal» wird mit einem modernen und dezenten Wandbild ge-staltet, das Jesus Christus und die Heilsarmee ins Zentrum stellt. 

Ziel 

Im neuen Saal vom Gottesdienstsaal soll die zentrale Wand hinter der Bühne mit einem unaufdringlichen Wandbild gestaltet werden. Es soll und kann… 

… Menschen inspirieren 

… den Dialog zwischen Menschen und Jesus anregen 

… modern und mutig sein 

… dezent und nicht aufdringlich wirken 

… keine Menschen und/oder Tiere (im Sinn von Heiligenbilder) zeigen 

… jung und alt ansprechen 

Zeitrahmen 

• Bis Ende Mai 19, Wettbewerbsvorschläge von KünstlerInnen sind eingetroffen 

• Bis Ende Juni 19, Auswertung der Vorschläge der Kunstkommission o 1. Preis  CHF 400 

o 2. Preis  CHF 300 

o 3. Preis  CHF 200 

• Anfang Juli 19, Vorstellen der Empfehlung bei der Korpsleitung 

• Bis Ende August 19: Auftrag an KünstlerIn ist erteilt. 

• Wandbild muss bis Ende Dezember 2019 fertiggestellt sein. 

Zeitrahmen 

• Bis Ende Mai 19, Wettbewerbsvorschläge von KünstlerInnen sind eingetroffen 

• Bis Ende Juni 19, Auswertung der Vorschläge der Kunstkommission o 1. Preis  CHF 400 

o 2. Preis  CHF 300 

o 3. Preis  CHF 200 

• Anfang Juli 19, Vorstellen der Empfehlung bei der Korpsleitung 

• Bis Ende August 19: Auftrag an KünstlerIn ist erteilt. 

• Wandbild muss bis Ende Dezember 2019 fertiggestellt sein. 

Wettbewerbsauftrag 

• Erstellen einer Skizze / Entwurf / Präsentation 

• Verbindliche Offerte über die Umsetzung (Zeit, Material, Umsetzung und Preis) 

• Komplettes Dossier ist bis Freitag, 31. Mai, 2019, elektronisch oder schriftlich einge-reicht an: 

Matthias Fuhrer 

Riedenerstrasse 65 

8304 Wallisellen 

dmfuhrer@bluewin.ch 

für Bilder von:

Jip Wijngaarden

Jip Wijngaarden ist höllandische Kunstmalerin. Sie lebt seit 1998 mit ihrem Mann in der Nähe von Genf. Hier, in der Intimität ihres Ateliers findet sie ihre Inspiration.

Malen wie ein Gebet

Ihre Gemälde sind die Frucht ihres Glaubens und ihres Engagements gegenüber dem Gott der Bibel, dem Gott Israels. In der Kunst Jips begegnet uns etwas Meditatives. Ihre Bilder entstehen in der Kontemplation und laden zum Nachdenken ein.

Kontakt aufnehmen mit Urs Baumann:
AO-COM GmbH
Sandacherstrasse 32
3186 Düdingen
Tel 026 493 01 50
Mob 079 317 01 01
info(at)ao-com.com


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shofar

ENGLISH

“What is left?”
This was the question asked by many people following the fire at Notre Dame as they watched in Paris or on the screen. “What is left when there is no church anymore?”: It may be that this unspoken question also occurred to some people. Among them perhaps a number who have never really paid attention to the church or who only know it as an artistic object. Perhaps even one or other hardened opponents of the church and faith. Yes, what happens when the church, and thus the faith, increasingly disappears from the life of individual persons and from society? What happens when we have no further expectations of the church, when we push it into the margin, or when we are secretly glad when it begins to pull itself apart from the inside?
The composer and organist Peter Bannister wrote to me a few days ago from France:“As you might imagine, there is a very strange mood in France right now after the fire at Notre-Dame on Monday… What is very interesting, judging by Facebook, is that a lot of people who are far from institutional Christianity seem to have been touched by what happened and have suddenly become unusually reflective… It’s as if they are feeling (whether they know it or not) a secret nostalgia for the Christian faith they rejected, symbolized by Notre-Dame. Somehow they know intuitively that this is a very significant moment in French history, even if they can’t really say why. So it could actually be a time of great spiritual opportunity… at least for a little while.”

“The most important thing is still there!” 
There was a remarkable statement by a newsreader on German television as the picture of the burnt-out interior was shown, with the undamaged golden cross quite clearly visible in the background. His words were: “The most important thing is still there!” 
During the Passion week, we remind ourselves of what is left when we are threatened with the loss of everything: it is the empty cross; it is the resurrected Christ! The cross on which Jesus hangs speaks of the power of death and of the triumph of the secular justice system over God. And, of course, of the total powerlessness of Jesus and also of his disciples. But the empty cross, the resurrection of Jesus, speak of God’s victory. A line from a poem by the author and theologian Kurt Marti (1921-2017) tells us that “the deepest grave is the one which buried death itself.” Easter – this is God speaking judgement over death and over all the powers arrayed against Him. And it is at the same time the judgement on all posturing among those who love human power.

Our life after the change of governing power
Now, what does it mean to live in the light of the change of governing power that took place in Easter? It means, first of all, that we, as a “burnt-out church” and powerless Christians, can expect to receive new life from our risen Lord. We Christians should show vitality and help to build God’s Kingdom in the midst of this world! This is also true of our everyday life as artists. Secondly, it means that we do not have to be subject to the powers of this world. We no longer need to take our orientation from the influential and successful, but have secure knowledge that everyone will bow their knees before God (Philippians 2:10). This also applies to artists and the success-based thinking which is so often infused into us and which takes us prisoner.

Where do we personally – perhaps precisely in moments of hopelessness facing unanswered questions and the destruction of things in our lives – discover the empty cross and trust in the presence of the risen Lord?

Text: Beat Rink / Translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

„Was bleibt noch übrig?“ 
Dies haben sich viele Menschen gefragt, die in Paris oder am Bildschirm den Brand der Notre Dame mitverfolgten. „Was bleibt noch übrig, wenn es keine Kirche mehr gibt?“  Es könnte sein, dass auch diese Frage unausgesprochen manche Menschen bewegt hat. Vielleicht auch solche, die die Kirche gar nie richtig wahrgenommen haben oder sie nur als Kunstobjekt kennen. Vielleicht sogar den einen oder anderen hartgesottenen Gegner der Kirche und des Glaubens.
Ja, was geschieht, wenn die Kirche und damit der Glaube immer mehr aus dem Leben der einzelnen Menschen und aus der Gesellschaft verschwindet? Was geschieht, wenn wir von der Kirche gar nichts mehr erwarten, wenn wir sie verdrängen oder wenn wir uns heimlich freuen, wenn sie von innen her demontiert wird?
Der Komponist und Organist Peter Bannister schrieb mir vor einigen Tagen aus Frankreich: 
„Wie du dir vorstellen kannst, ist die Stimmung hier in Frankreich nach dem Feuer in der Notre-Dame vom letzten Montag recht seltsam….Was sehr interessant ist, wenn man Facebook liest: Da gibt es viele Menschen, die weit weg sind vom institutionalisierten Christentum, die aber dennoch durch das Ereignis berührt wurden und auf einmal nachzudenken beginnen…Es ist, als fühlten sie (ob sie es wissen oder nicht) eine geheime nostalgische Empfindung für den christlichen Glauben, den sie doch abgelehnt hatten,  symbolisiert durch die Notre-Dame. Irgendwie merken sie intuitiv, dass dies in der französischen Geschichte ein bedeutsamer Moment ist, selbst wenn sie nicht sagen können, weshalb. So könnte dies zumindest für eine kurze Zeit eine grosse geistliche Chance sein.“ 

„Das Wichtigste ist geblieben!“
Bemerkenswert war, was der Sprecher der deutschen TV-Nachrichten sagte, als das Bild des ausgebrannten Innenraums eingeblendet wurde, in dem ganz deutlich das unversehrte goldene Kreuz im Hintergrund zu sehen war. Er sagte: „Das Wichtigste ist geblieben!“ In der Passionszeit erinnern wir uns daran, was bleibt, wenn alles unterzugehen droht: Es ist das leere Kreuz. Es ist der Auferstandene!
Das Kreuz, an dem Jesus hängt,  spricht von der Macht des Todes und vom Triumph weltlicher Justiz über Gott. Und natürlich von der totalen Ohnmacht der Jünger. 
Das leere Kreuz, die Auferweckung Jesu aber, spricht vom Sieg Gottes. Eine Gedichtzeile des Schriftstellers und Theologen Kurt Martin (1921-2017) lautet: „Am tiefsten greift das Grab, das selbst den Tod begrub.“ Ostern – das ist das Gerichtsurteil Gottes über den Tod und über alle gottfeindlichen Mächte. Und es ist zugleich das Urteil über menschliches Machtgehabe.

Unser Leben im Horizont des Machtwechsels
Was heisst es nun, im Horizont des  Machtwechsels zu leben, der an Ostern stattgefunden hat? Es heisst erstens, dass wir als „ausgebrannte Kirche“ und als kraftlose Christen vom Auferstandenen neues Leben erwarten dürfen. Wir Christen sollen vital sein und Gottes Reich mitten in dieser Welt bauen helfen! Dies gilt auch für unseren Alltag als Künstler. Es heisst zweitens, dass wir nicht der Macht dieser Welt erliegen müssen. Wir müssen uns nicht länger an den Mächtigen und Erfolgreichen orientieren. Denn wir wissen, dass Alle  vor Gott ihre Knie beugen werden (Philipper 2:10). Auch dies gilt für Künstler! Lassen wir uns nicht von weltlicher Macht (dazu gehört auch das egoistische Erfolgsdenken, das uns so oft eingeimpft wird) bestimmen und gefangennehmen.  

Wo entdecken wir selber – vielleicht gerade in hoffnungslosen Momenten, angesichts unbeantworteter Fragen und vor manchen Trümmern in unserem Leben – das leere Kreuz und vertrauen auf die Gegenwart des Auferstandenen?

Text: Beat Rink

ENGLISH

Landscape and beauty

Pictures of the English countryside near the Welsh border, the harshness and the rewards of farming life, the joys of youth, the wisdom of age, hopes and promises, setbacks and disappointments, all seen through the eyes of a number of figures, most prominent among them a young man, and yet with the shadow of death falling over many of its texts: the 63 poems in the cycle “A Shropshire Lad” by A.E. Housman (1859-1936), published in 1896, continue to speak to many readers today. A great number of British composers have set poems from it to music. The first poem in the cycle talks of patriotism, royalty, duty and the call to young men to serve in the army throughout what was then the large British Empire. The second poem, “Loveliest of Trees”, is in complete contrast and depicts a young man forgetting everything else in his delight over the beauty of the woods in springtime. When George Butterworth (1885-1916) put “Loveliest of trees” to music (Follow this LINK) , he created one of the “standards” of the English song repertoire. He was also known as a collector of folksongs and a performer of traditional dances, and there is perhaps something “English” in the melody of the song. The poem:

Loveliest of trees, the cherry now
Is hung with bloom along the bough,
And stands about the woodland ride [= horse path]
Wearing white for Eastertide.

Now, of my threescore years and ten, [“score” = twenty]
Twenty will not come again,
And take from seventy springs a score,
It only leaves me fifty more.

And since to look at things in bloom
Fifty springs are little room,
About the woodlands I will go
To see the cherry hung with snow.

Although the poem is divided into three identically constructed stanzas, Butterworth avoids in his composition a folksong-like triple repetition of the music and instead writes a piece with a continuous musical development. It opens with a sense of wonder at the beauty of the blossoming cherry tree, slows down meditatively as the young man reflects on the inevitable passing of time and life, and then moves forward exuberantly as he is drawn to go into the woods in search of an intense experience of beauty. The final note of the vocal part is very delicate and light, in keeping with the lightness of the verse, leaving a sense of expectancy which is fulfilled by the piano’s closing phrase depicting the eagerness of the young man going into the woods. The language in the second stanza is unusual, but is familiar to readers of the King James Bible, where “threescore and ten years” is given as the usual length of man’s life in Psalm 90.

A changed world – a crisis for artists?

In another poem, the “The lads in their hundreds”, Housman depicts the young men coming to the fair at Ludlow: some for the girls, some for the drink, and among them those “that will never be old”. This last description applied tragically to Butterworth himself, who died in the First World War at the Battle of the Somme. Two famous English poems represent two sides of this catastrophic war: Rupert Brooke’s idealistically patriotic “The Soldier” (1914) (LINK) and Wilfred Owen’s bitterly realistic “Dulce et Decorum est” (1918). (≈ “It is sweet and fitting [to die for one’s native land]”, a quotation from the Latin poet Horace) (LINK). Brooke died on the way to the Dardanelles, Owen died in northern France in 1918 in the very last week of the war. After the war, many could not see why it had happened and what it had achieved. There was a sense that the old order had failed completely.
Many artists and intellectuals turned towards possible alternatives. Communism or other strictly regulated social structures were seen by some as valid possibilities; the range of reactions is demonstrated by two influential “Euro-American” poets, Ezra Pound and T.S. Eliot. While Pound decided to support the emerging European dictators, particularly Mussolini, his protégé Eliot chose Christianity in a very conservative Anglican form. The question of whether, after such a catastrophe, artists can simply return to the routine business of supplying the public with pleasing pictures, poems or music became very troubling. As the 20th century went on, the question became even more complex: “Can there be art after Auschwitz, Hiroshima, Vietnam…?”

Biblical perspectives

Psalm 90, referred to in the poem, also calls on us to learn to “number our days so that we may present to You a heart of wisdom.” There was wisdom in the young man’s thought that life must pass, and that every springtime is a priceless miracle to be loved deeply. And the question of creating beauty in a world which has gone wrong is also addressed in the Psalm. In verse 17, the King James Bible has “And let the beauty of the LORD our God be upon us: and establish thou the work of our hands upon us; yea, the work of our hands establish thou it.”
The Hebrew word translated here as “beauty” is “no’am”, given in Strong’s Dictionary as “kindness, pleasantness, delightfulness, beauty, favour”, with “beauty” being the most frequent translation in the Old Testament. This quality of beauty applies of course to all of God’s people, not just artists. But now it should also be linked to “establishing the (artistic) works of our hands”. This must surely imply permeating them and giving them value. And it certainly means that our lives should reflect something of the eternal and vital beauty of God himself.

Prayer

Lord, you love each of our nations, despite their confused and painful histories. You love each of us, despite all that may have gone wrong at some time, and you give us new life and the chance to serve you in a life shared with you. May your beauty be upon us, and may the work of our hands be pleasing to you, with Jesus’ help, and in His name. Amen.

Text: Bill Buchanan

DEUTSCH

Landschaft und Schönheit

Englische Landschaftsbilder aus der Nähe der walisischen Grenze. Härten und Glück des Bauernlebens. Die Freuden der Jugend und die Weisheit des Alters. Hoffnungen und Versprechungen. Rückschläge und Enttäuschungen. All dies gesehen durch die Augen verschiedener Personen, insbesondere durch jene eines jungen Mannes. Dabei fällt der Schatten des Todes auf viele dieser Texte. Die 63 Gedichte des Zyklus „A Shropshire Lad” [„Ein Jüngling von Shropshire“] von A.E. Housman (1859-1936), erschienen 1896, sprechen auch heute noch viele Leser an. Eine ganze Anzahl britischer Komponisten hat Teile daraus vertont. Während das erste Gedicht von Patriotismus, Königshaus, und Pflicht handelt – und vom Ruf an junge Männer, als Soldaten im damals großen britischen Reich zu dienen, stellt das zweite Gedicht, „Loveliest of Trees“ [„Reizvollster der Bäume“], einen kompletten Kontrast dar: Hier vergisst ein junger Mann in seiner Entzückung über die Schönheit der frühlingshaften Wälder alles Andere.
Als George Butterworth (1885-1916) “Loveliest of trees” (LINK) vertonte, schuf er ein Standardwerk des englischen Gesangsrepertoires. Er war auch als Sammler von Volksliedern und als Volkstänzer bekannt. Deshalb schwingt in der Melodik dieser Komposition etwas „Englisches“ mit.

Reizvollster aller Bäume, nun sind
die Kirschenblüten entlang der Äste aufgereiht.
Sie stehen überall beim Reitweg durch den Wald
und tragen weiß fürs Osterfest.

Jetzt, von meinen siebzig Jahren
werden zwanzig nicht mehr wiederkehren,
und wenn von siebzig Frühlingen man zwanzig abzieht,                
so bleiben mir nur noch deren fünfzig übrig.

Und da, wenn man das Blühende betrachten will,
sind fünfzig Frühlinge so wenig Zeit.
Und durch die Wälder werde ich dann gehen,
Um den mit Schnee drapieren Kirsch zu sehen.

Obwohl das Gedicht selber aus drei identisch ausgebauten Strophen besteht, vermeidet Butterworths Vertonung eine volkslied-ähnliche, dreifache Wiederholung des musikalischen Stoffs. Stattdessen stellt er eine kontinuierliche musikalische Entwicklung her. Das Lied beginnt mit einer Stimmung der Bewunderung über die Blüten des Kirschbaums. Doch diese Bewegung wird meditativ verlangsamt, wenn der junge Mann über das unvermeidliche Vergehen von Zeit und Leben reflektiert. Das Lied drängt dann aber überschwänglich nach vorne mit der Entscheidung des jungen Mannes, in den Wald zu gehen auf der Suche nach einer intensiven Erfahrung von Schönheit. Der letzte Ton der Singstimme ist äußerst delikat und leicht, was der Leichtigkeit der gesamten Dichtung entspricht. Es herrscht sozusagen eine Erwartungshaltung, die ihre Erfüllung im Klavier-Nachspiel erfährt: das Klavier vermittelt die Begeisterung, mit der sich der junge Mann auf den Weg in den Wald begibt. Die Sprache der zweiten Gedicht-Strophe mag seltsam erscheinen, ist aber dem Leser der alten „King James Bible“ vertraut, wo im Psalm 90 “dreimal zwanzig plus zehn” Jahre als die normale Lebenserwartung des Menschen angegeben wird.

Eine veränderte Welt – eine Krise für die Künstler?

Im Gedicht „The lads in their hundreds“ [„Die Junglinge in ihren Hunderten“]beschreibt Housman junge Männer auf dem Jahresmarkt in Ludlow: Einige kommen um der Mädchen willen,  andere, um zu trinken, und darunter sind solche, „die nie alt sein werden“. Tragischerweise sollten dieses letzten Worte auf Butterworth zutreffen, der im Ersten Weltkrieg in der Schlacht an der Somme starb. Zwei berühmte englische Gedichte präsentieren beide Seiten dieses katastrophalen Krieges: Rupert Brookes idealistisch patriotisches „The Soldier“ [„Der Soldat“] (1914) (LINK) und Wilfred Owens bitterlich realistisches „Dulce et Decorum est“ (1918). (≈ „Es ist süß und angebracht [für das eigene Land zu sterben]“, ein Zitat des lateinischen Poeten Horaz) (LINK). Brooke starb auf dem Weg in die Dardanellen, Owen 1918 in Nordfrankreich in der allerletzten Woche des Krieges. Nach dem Krieg war es vielen rätselhaft, wie das Ganze hatte passieren können. Es schien, überhaupt gar nichts sei erreicht worden. Das Gefühl kam auf, die alte Ordnung habe komplett versagt. Viele Künstler und Intellektuelle wandten sich scheinbar plausiblen Alternativen zu. Von nicht wenigen wurden der Kommunismus oder dann andere, streng regulierte Sozialstrukturen als gültige Möglichkeiten angesehen. Wie unterschiedlich die Künstler reagierten, zeigt sich an zwei einflussreichen “euro-amerikanischen“ Dichtern: Ezra Pound und T.S. Eliot. Während Pound sich für die aufkommenden europäischen Diktatoren, insbesondere für Mussolini entschied, wählte sein Schützling Eliot das Christentum in einer sehr konservativen anglikanischen Form. Die beunruhigende Frage stand im Raum, ob nach einer solchen Katastrophe die Künstler einfach zur alten Tagesordnung zurückkehren konnten, um das Publikum mit gefälligen Bildern, Gedichten und Musik zu beglücken. Im Lauf des 20. Jahrhundert wurde die Frage dann noch komplexer: “Kann es noch Kunst geben nach Auschwitz, Hiroshima, Vietnam…?”

Biblische Perspektiven

Der Psalm 90, der im Gedicht zitiert wird, enthält auch den Aufruf, „unsere Tage zu zählen, damit wir Dir ein Herz der Weisheit bringen können.“ Es ist Weisheit, mit der der junge Mann im Gedicht darüber reflektiert, wie das Leben vergeht und wie jeder Frühling ein kostbares Wunder ist, das wir bewusst erleben sollten. Und auch die Frage, wie man in einer fehlgeleiteten Welt noch Schönes schaffen kann, wird in diesem Psalm angesprochen. Im Vers 17 ist zu lesen: „Und die Schönheit des HERRN unseres Gottes sei über uns und festige über uns das Werk unserer Hände! Ja, das Werk unserer Hände, festige du es!“ Eine interessante Formulierung, über die wir gerade als Künstler noch länger nachdenken sollten. „Schönheit“ (hebräisch “no’am”) wird als „Güte, Gefälligkeit, Reiz, Schönheit, Gunst“ wiedergegeben –  mit „Schönheit“ als häufigster Variante. Diese Schönheit gilt natürlich dem ganzen Volk Gottes, nicht nur den Künstlern. Nun soll sie aber unsere (Kunst-)Werke „festigen“. Dies heisst wohl: durchdringen und ihnen Wert geben. Auf jeden Fall sollen unser Leben und unsere Werke etwas von der ewigen und lebensspendenden Schönheit Gottes widerspiegeln.

Gebet

Herr, du liebst jedes Volk, egal wie wirr und wie schmerzhaft dessen Geschichte auch sein mag. Du liebst jeden von uns – trotz allem, was irgendwann bei uns schiefgelaufen ist.
Du gibst uns neues Leben und die Chance, Dir zu dienen, indem wir das Leben mit Dir teilen. Möge Deine Schönheit auf uns ruhen und mögen die Werke unsrer Hände Dir gefallen. Mit Jesu Hilfe und in seinem Namen.
Amen.

Text: Bill Buchanan
Übersetzung aus dem Englischen: Bill Buchanan / Beat Rink

ENGLISH

In our last TuneIn* we looked at the petition, “Give us this day our daily bread,” but from the account found in the Gospel of Matthew, which focuses more on the blessings of the coming Kingdom of God. In this reflection we will turn toward Luke’s account of the prayer, which is a more practical petition for, quite literally, daily bread. However, the accounts do not stand in opposition to one another. This is not an either/or; it is a both/and. Luke’s version should not be considered shallow or less important. Daily needs and desires point beyond themselves to God’s promise of the Kingdom, in which death and sorrow will be no more. But this means that the promise of the Kingdom includes those needs.

When Jesus gave us this petition, we received an invitation to open our hearts to God, to lay bare our desires before him.
We come with our needs, expectant of a positive response, but we do so changed by our satisfaction in him and our trust. We do not come with anxious, arrogant demands, ordering God to give us exactly what we want. Many things we would have agonized over, we now ask for without desperation.

For artists, the prayer for daily bread is quite real. 
Many of us are no strangers to financial struggles and the prayer for provision may be quite literal. The struggle to reach a point of career satisfaction is also very real; many of us long for more opportunities, greater recognition, or simply greater fulfilment in our work. Many of us feel frustrated, sure that we could be doing something better or simply something different. We might want to ask God to help us to learn how to practice our craft better in order to improve more. And for those of us enjoying success, we may struggle to discern which opportunities we should take, and we may be negatively overwhelmed by everything before us, or we might feel lonely or used.

What do we pray for when we pray for our daily bread? Here are some ideas:

  • For meaningful work, for our callings to be realized, for guidance. 
  • Emotional provision: friends, beauty, pleasure, opportunities to learn and serve.
  • Physical provision: sustenance, health, rest, medical care.
  • Wisdom— for when God gives us wisdom and insight, we are provided with the necessary means to move forward.
  • And, contentment! Sometimes God provides for us by making us grateful for what we already have.
  • We come and ask, “Lord, give me what I would ask for if I had your wisdom.”  

We cannot honestly talk about prayer without acknowledging the factthat God sometimes says, “No” or, “Wait.”
How do we respond to unanswered prayer or desires left unfulfilled? It is okay to be disappointed and to deeply grieve things lost or dreams broken. But we can hold that honesty in tension with the belief that God is the giver of good gifts and that he will give us what we need. This does not mean that disappointments and loss do not devastate, but we believe that he walks through those moments with us. (Psalm 84:11, Philippians 4:19; 2 Peter 1:3). 
Just after Jesus finished giving us this prayer, he encouraged us to be bold in asking things of our Heavenly Father, assuring us that God is willing and able to give us good gifts (Luke 11:5-13). Let’s make it a practice to both ask boldly for our “daily bread”, and alsodiscipline ourselves to notice, name and express gratitude for the things God gives us.

Questions:
How has God been meeting your needs recently?
Are there desires deep in your heart that you haven’t dared to utter, even to God?
Is there anything in your heart that prevents you from believing God wants to hear what you want or give you good things?

Prayer:
Father, we believe; forgive our unbelief.
We know that you love us and provide for us, but we dwell with anxiety and live with fear and striving instead of living in the abundant freedom for which you created us. 
You know what we need before we do, and you know it far better than we. Thank you that you want us to come to you and ask for what we need and what we desire. What a privilege! Help us not to take it for granted. Give us a grateful, contented heart, quick to see what you’ve already given us and the boldness to ask you persistently for what we want. And give us indeed, Lord, what we would ask for if we had your wisdom.
Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz

We are grateful that Elizabeth Szeremeta sent us a setting of the Lord’s Prayer from Polish composer Stanisław Moniuszko (1819-1872). If you have a favorite setting please do send it in! We’d love to be able to share it.

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine). 

DEUTSCH

In unserem letzten Tune-In* ging es um die Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – aus der Sicht des Apostels Matthäus, wo der Fokus auf dem Segen des kommenden Reiches Gottes liegt. Nun wenden wir uns der Version von Lukas zu, wo mehr das tägliche Brot – im wahrsten Sinn des Wortes – gemeint ist. Die beiden Berichte stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Es handelt sich also nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um ein „Sowohl-als-auch“. Die Version von Lukas sollte demnach nicht als zweitrangig behandelt werden. Denn die täglichen Bedürfnisse und Wünsche weisen über sich selbst hinaus auf Gottes Verheissung seines Reiches, wo weder Tod noch Sorge sein werden. Dies bedeutet aber umgekehrt auch, dass die Verheissung dieses Reiches unsere Bedürfnisse mit einschliesst. 

Mit der Bitte lädt uns Jesus ein, unsere Herzen Gott zu öffnen und ihm all unsere Wünsche zu bringen. 
Wir nennen ihm unsere Bedürfnisse in Erwartung einer positiven Antwort. Dies tun wir nun in einer Haltung, die aus dem Frieden Gottes und aus dem Vertrauen zu ihm kommt. Wir bitten weder angsterfüllt noch arrogant und befehlen Gott auch nicht, uns genau das zu geben, was wir wollen. Viele Dinge, um derentwillen wir uns vielleicht gequält haben, können wir nun vertrauensvoll ins Gebet fassen. 

Für Künstler ist das Gebet um das tägliche Brot sehr real. 
Viele von uns kennen finanzielle Probleme, und die Bitte um Versorgung ist entsprechend sehr wörtlich zu nehmen. 
Auch die Herausforderungen einer künstlerischen Karriere sind äusserst konkret: Viele unter uns suchen nach besseren Karriere-Möglichkeiten, nach grösserer Aufmerksamkeit oder nach tieferer Erfüllung im künstlerischen Schaffensprozess. Sie sind frustriert, wo sie merken, dass sie eigentlich besser oder irgendwie anders arbeiten müssten. Dann liegt es nahe, Gott um Hilfe zu bitten, dass sich die künstlerischen Fähigkeiten (das künstlerische Handwerk eingeschlossen) verbessern. Und für die Erfolgreichen unter uns könnten es schwierig sein, zu entscheiden, durch welche offene Tür sie gehen sollen. Vielleicht fühlen sie sich von all den Zukunftsaussichten überfordert – und dabei zutiefst allein oder sogar von anderen ausgenutzt. 

Wofür beten wir, wenn wir um unser tägliches Brot bitten? Hier ein paar Vorschläge: 

  • Für eine sinnvolle Arbeit. Dass wir unsere Berufung leben. Für Gottes Führung. 
  • Für emotionale Versorgung: Für Freunde, Schönheit, Befriedigung und Gelegenheiten, zu lernen und zu dienen. 
  • Für physische Versorgung: Für Nahrung, Gesundheit, Ruhezeiten und medizinische Hilfe. 
  • Für Weisheit! Denn wenn Gott uns Weisheit und Einsicht schenkt, sind wir mit dem Nötigsten ausgestattet, was es zum Weitergehen braucht. 
  • Und dann: für Zufriedenheit! Manchmal zeit uns Gott seine Fürsorge, indem er uns für das, was wir bereits haben, neue Dankbarkeit schenkt!
  • Oder wir kommen und bitten: „Herr, gib mir, worum ich dich bitten würde, wenn ich deine Weisheit hätte!“ 

Wenn wir über das Gebet sprechen, können wir nicht verschweigen, dass Gott manchmal „nein“ sagt oder  uns warten lässt. 
Was tun wir, wenn Gebete unbeantwortet und wenn Wünsche unerfüllt bleiben? Wenn wir etwas verlieren oder wenn ein Traum platzt? Es ist in Ordnung, dann traurig zu sein. Diese ehrlichen Gefühle gilt es nun in Beziehung (und in Spannung) zu setzen mit dem Glauben, dass Gott der Geber aller guten Gaben ist und uns gibt, was wir brauchen. Das heisst nicht, dass Enttäuschungen und Verlust nicht tief erschüttern könnten. Aber trotzdem glauben wir, dass er mit uns durch diese Zeiten hindurch geht (Psalm 84,11; Philipper 4,19; 2. Petrus 1,3). 
Unmittelbar nachdem Jesus dieses Gebet gibt, ermutigt er uns, unseren himmlischen Vater kühn um Dinge zu bitten,  und er versichert uns, dass Gott gerne gute Gaben gibt (Lukas 11,5-13).
Lasst uns also kühn um das „tägliche Brot“ bitten und zugleich das, was Gott gibt, erkennen, benennen und mit Dankbarkeit annehmen! 

Fragen:
Wie hat Gott in letzter Zeit auf deine Bedürfnisse geantwortet?
Gibt es Wünsche tief in deinem Herzen, die du bisher unter Verschluss gehalten hast, selbst vor Gott?
Ist da irgendetwas in deinem Herzen, dass dich davon abhält zu glauben, dass Gott hören möchte, was du willst oder dass er dir gute Dinge schenkt?

Gebet:
Vater, wir glauben an dich – hilf unserem Unglauben.
Wir wissen, dass du uns liebst und dich um uns kümmerst. Jedoch bleiben wir oft bei unserer Sorge stehen und sind voller Ängste statt dass wir in dieser übergrossen Freiheit, für die du uns geschaffen hast, leben. Du weisst, was wir brauchen, bevor wir es wissen. Und du weisst es so viel besser als wir.
Danke, dass du möchtest, dass wir zu dir kommen und dich um das bitten, was wir brauchen und was wir uns wünschen. Was für ein Vorrecht! Hilf uns, es nicht als selbstverständlich anzunehmen. Gib uns ein dankbares, ungeteiltes Herz, das erkennt, was du uns bereits alles geschenkt hast. Herr gib uns das, worum wir dich bitten würden, wenn wir deine Weisheit hätten. Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

Wir danken Elizabeth Szeremeta für den Hinweis auf die Vertonung des Vaterunsers durch den polnischen Komponisten Stanisław Moniuszko (1819-1872)
Wenn du eine Lieblingsversion des Vaterunser hast, sende sie uns zu!

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

ENGLISH

In our last TuneIn* we looked at the petition, “Give us this day our daily bread,” but from the account found in the Gospel of Matthew, which focuses more on the blessings of the coming Kingdom of God. In this reflection we will turn toward Luke’s account of the prayer, which is a more practical petition for, quite literally, daily bread. However, the accounts do not stand in opposition to one another. This is not an either/or; it is a both/and. Luke’s version should not be considered shallow or less important. Daily needs and desires point beyond themselves to God’s promise of the Kingdom, in which death and sorrow will be no more. But this means that the promise of the Kingdom includes those needs.

When Jesus gave us this petition, we received an invitation to open our hearts to God, to lay bare our desires before him.
We come with our needs, expectant of a positive response, but we do so changed by our satisfaction in him and our trust. We do not come with anxious, arrogant demands, ordering God to give us exactly what we want. Many things we would have agonized over, we now ask for without desperation.

For artists, the prayer for daily bread is quite real. 
Many of us are no strangers to financial struggles and the prayer for provision may be quite literal. The struggle to reach a point of career satisfaction is also very real; many of us long for more opportunities, greater recognition, or simply greater fulfilment in our work. Many of us feel frustrated, sure that we could be doing something better or simply something different. We might want to ask God to help us to learn how to practice our craft better in order to improve more. And for those of us enjoying success, we may struggle to discern which opportunities we should take, and we may be negatively overwhelmed by everything before us, or we might feel lonely or used.

What do we pray for when we pray for our daily bread? Here are some ideas:

  • For meaningful work, for our callings to be realized, for guidance. 
  • Emotional provision: friends, beauty, pleasure, opportunities to learn and serve.
  • Physical provision: sustenance, health, rest, medical care.
  • Wisdom— for when God gives us wisdom and insight, we are provided with the necessary means to move forward.
  • And, contentment! Sometimes God provides for us by making us grateful for what we already have.
  • We come and ask, “Lord, give me what I would ask for if I had your wisdom.”  

We cannot honestly talk about prayer without acknowledging the factthat God sometimes says, “No” or, “Wait.”
How do we respond to unanswered prayer or desires left unfulfilled? It is okay to be disappointed and to deeply grieve things lost or dreams broken. But we can hold that honesty in tension with the belief that God is the giver of good gifts and that he will give us what we need. This does not mean that disappointments and loss do not devastate, but we believe that he walks through those moments with us. (Psalm 84:11, Philippians 4:19; 2 Peter 1:3). 
Just after Jesus finished giving us this prayer, he encouraged us to be bold in asking things of our Heavenly Father, assuring us that God is willing and able to give us good gifts (Luke 11:5-13). Let’s make it a practice to both ask boldly for our “daily bread”, and alsodiscipline ourselves to notice, name and express gratitude for the things God gives us.

Questions:
How has God been meeting your needs recently?
Are there desires deep in your heart that you haven’t dared to utter, even to God?
Is there anything in your heart that prevents you from believing God wants to hear what you want or give you good things?

Prayer:
Father, we believe; forgive our unbelief.
We know that you love us and provide for us, but we dwell with anxiety and live with fear and striving instead of living in the abundant freedom for which you created us. 
You know what we need before we do, and you know it far better than we. Thank you that you want us to come to you and ask for what we need and what we desire. What a privilege! Help us not to take it for granted. Give us a grateful, contented heart, quick to see what you’ve already given us and the boldness to ask you persistently for what we want. And give us indeed, Lord, what we would ask for if we had your wisdom.
Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz

We are grateful that Elizabeth Szeremeta sent us a setting of the Lord’s Prayer from Polish composer Stanisław Moniuszko (1819-1872). If you have a favorite setting please do send it in! We’d love to be able to share it.

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine). 

DEUTSCH

In unserem letzten Tune-In* ging es um die Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – aus der Sicht des Apostels Matthäus, wo der Fokus auf dem Segen des kommenden Reiches Gottes liegt. Nun wenden wir uns der Version von Lukas zu, wo mehr das tägliche Brot – im wahrsten Sinn des Wortes – gemeint ist. Die beiden Berichte stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Es handelt sich also nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um ein „Sowohl-als-auch“. Die Version von Lukas sollte demnach nicht als zweitrangig behandelt werden. Denn die täglichen Bedürfnisse und Wünsche weisen über sich selbst hinaus auf Gottes Verheissung seines Reiches, wo weder Tod noch Sorge sein werden. Dies bedeutet aber umgekehrt auch, dass die Verheissung dieses Reiches unsere Bedürfnisse mit einschliesst. 

Mit der Bitte lädt uns Jesus ein, unsere Herzen Gott zu öffnen und ihm all unsere Wünsche zu bringen. 
Wir nennen ihm unsere Bedürfnisse in Erwartung einer positiven Antwort. Dies tun wir nun in einer Haltung, die aus dem Frieden Gottes und aus dem Vertrauen zu ihm kommt. Wir bitten weder angsterfüllt noch arrogant und befehlen Gott auch nicht, uns genau das zu geben, was wir wollen. Viele Dinge, um derentwillen wir uns vielleicht gequält haben, können wir nun vertrauensvoll ins Gebet fassen. 

Für Künstler ist das Gebet um das tägliche Brot sehr real. 
Viele von uns kennen finanzielle Probleme, und die Bitte um Versorgung ist entsprechend sehr wörtlich zu nehmen. 
Auch die Herausforderungen einer künstlerischen Karriere sind äusserst konkret: Viele unter uns suchen nach besseren Karriere-Möglichkeiten, nach grösserer Aufmerksamkeit oder nach tieferer Erfüllung im künstlerischen Schaffensprozess. Sie sind frustriert, wo sie merken, dass sie eigentlich besser oder irgendwie anders arbeiten müssten. Dann liegt es nahe, Gott um Hilfe zu bitten, dass sich die künstlerischen Fähigkeiten (das künstlerische Handwerk eingeschlossen) verbessern. Und für die Erfolgreichen unter uns könnten es schwierig sein, zu entscheiden, durch welche offene Tür sie gehen sollen. Vielleicht fühlen sie sich von all den Zukunftsaussichten überfordert – und dabei zutiefst allein oder sogar von anderen ausgenutzt. 

Wofür beten wir, wenn wir um unser tägliches Brot bitten? Hier ein paar Vorschläge: 

  • Für eine sinnvolle Arbeit. Dass wir unsere Berufung leben. Für Gottes Führung. 
  • Für emotionale Versorgung: Für Freunde, Schönheit, Befriedigung und Gelegenheiten, zu lernen und zu dienen. 
  • Für physische Versorgung: Für Nahrung, Gesundheit, Ruhezeiten und medizinische Hilfe. 
  • Für Weisheit! Denn wenn Gott uns Weisheit und Einsicht schenkt, sind wir mit dem Nötigsten ausgestattet, was es zum Weitergehen braucht. 
  • Und dann: für Zufriedenheit! Manchmal zeit uns Gott seine Fürsorge, indem er uns für das, was wir bereits haben, neue Dankbarkeit schenkt!
  • Oder wir kommen und bitten: „Herr, gib mir, worum ich dich bitten würde, wenn ich deine Weisheit hätte!“ 

Wenn wir über das Gebet sprechen, können wir nicht verschweigen, dass Gott manchmal „nein“ sagt oder  uns warten lässt. 
Was tun wir, wenn Gebete unbeantwortet und wenn Wünsche unerfüllt bleiben? Wenn wir etwas verlieren oder wenn ein Traum platzt? Es ist in Ordnung, dann traurig zu sein. Diese ehrlichen Gefühle gilt es nun in Beziehung (und in Spannung) zu setzen mit dem Glauben, dass Gott der Geber aller guten Gaben ist und uns gibt, was wir brauchen. Das heisst nicht, dass Enttäuschungen und Verlust nicht tief erschüttern könnten. Aber trotzdem glauben wir, dass er mit uns durch diese Zeiten hindurch geht (Psalm 84,11; Philipper 4,19; 2. Petrus 1,3). 
Unmittelbar nachdem Jesus dieses Gebet gibt, ermutigt er uns, unseren himmlischen Vater kühn um Dinge zu bitten,  und er versichert uns, dass Gott gerne gute Gaben gibt (Lukas 11,5-13).
Lasst uns also kühn um das „tägliche Brot“ bitten und zugleich das, was Gott gibt, erkennen, benennen und mit Dankbarkeit annehmen! 

Fragen:
Wie hat Gott in letzter Zeit auf deine Bedürfnisse geantwortet?
Gibt es Wünsche tief in deinem Herzen, die du bisher unter Verschluss gehalten hast, selbst vor Gott?
Ist da irgendetwas in deinem Herzen, dass dich davon abhält zu glauben, dass Gott hören möchte, was du willst oder dass er dir gute Dinge schenkt?

Gebet:
Vater, wir glauben an dich – hilf unserem Unglauben.
Wir wissen, dass du uns liebst und dich um uns kümmerst. Jedoch bleiben wir oft bei unserer Sorge stehen und sind voller Ängste statt dass wir in dieser übergrossen Freiheit, für die du uns geschaffen hast, leben. Du weisst, was wir brauchen, bevor wir es wissen. Und du weisst es so viel besser als wir.
Danke, dass du möchtest, dass wir zu dir kommen und dich um das bitten, was wir brauchen und was wir uns wünschen. Was für ein Vorrecht! Hilf uns, es nicht als selbstverständlich anzunehmen. Gib uns ein dankbares, ungeteiltes Herz, das erkennt, was du uns bereits alles geschenkt hast. Herr gib uns das, worum wir dich bitten würden, wenn wir deine Weisheit hätten. Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

Wir danken Elizabeth Szeremeta für den Hinweis auf die Vertonung des Vaterunsers durch den polnischen Komponisten Stanisław Moniuszko (1819-1872)
Wenn du eine Lieblingsversion des Vaterunser hast, sende sie uns zu!

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

– 12 junge Menschen zwischen 18 und 23 Jahren  

– mit verschiedenen kulturellen Hintergründen 

– die Lust haben, bei der Performance «Trigger of Happiness» des portugiesischen Künstlerduos Ana Borralho & João Galante mitzuwirken.  Anbei der Open Call mit der Bitten um Weiterleitung –  wir freuen uns über zahlreiche Interessenten   

jobin@wildwuchs.ch
www.wildwuchs.ch

Mit dem Forum junger Theaterschaffender schreibt das Schweizer Theatertreffen ein sechstägiges Stipendienprogramm aus, mit dem der Theaternachwuchs aus allen Landesteilen gefördert wird. Das Programm erlaubt 15 Stipendiatinnen und Stipendiaten bis 35 Jahre, das gesamte sechste Schweizer Theatertreffen (22. – 26. Mai 2019 im Wallis) fragend und kritisch zu begleiten. 

Die Ausschreibung richtet sich an junge Theaterschaffende aus den Professionen Regie, Schauspiel, Dramaturgie, Ausstattung, Performance, Theaterwissenschaft, Hörspiel, Video, Schreiben, Musik, Theaterpädagogik und weiteren künstlerischen Disziplinen. Ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert werden zudem Studierende von Kunsthochschulen und kunstwissenschaftlichen Fächern. 

Für Fragen wendet ihr euch bitte an:

Schweizer Theatertreffen

Forum junger Theaterschaffender

c/o Tristan Jäggi, Forumsverantwortlicher

Institut für Theaterwissenschaft / Mittelstrasse 43 / CH-3012 Bern

forum@schweizertheatertreffen.ch

www.schweizertheatertreffen.ch

Bewerben

ENGLISH

The first part of the prayer Jesus gave us* is all about God. We are not to let our own needs and issues dominate prayer; we are rather to prioritize praising and honoring him. Adoration and thanksgiving – God-centeredness – comes first, because it heals the heart of self-centeredness, which curves us in on ourselves and distorts our vision. By focusing first on God, we remember just who it is that we’re praying to, which both reaffirms our trust in our loving father and prevents us from treating God like a cosmic vending machine. Now that the prayer is nearly half-over, and our vision is reframed and clarified by the greatness of God, we can turn to our own needs and those of the world. 

When Jesus prayed for daily bread, he was using familiar imagery. God uses food and feasting to provide for the daily needs of his children AND to point to the Kingdom. The original hearers of Jesus’ prayer would have recognized the imagery of bread, and they would have recalled God’s previous provision: milk and honey and manna and quail. They would have also recalled the imagery used in Hebrew scripture: “He prepares a table for me in the presence of my enemies…” (Ps. 23), as well as the great banquet in Isaiah 25:6-8: “On this mountain the LORD of hosts will make for all peoples a feast of rich food, a feast of well-aged wine, of rich full of marrow, of aged wine well refined. And he will swallow up on this mountain the covering that is cast over all peoples, the veil that is spread over all nations. He will swallow up death forever; and the LORD GOD will wipe away tears from all faces, and the reporach of his people he will take away from all the earth, for the LORD has spoken.”  
Jesus was offering everyone the daily bread that spoke of the Kingdom of God, praying a prayer for complete fulfilment of the Kingdom – for God’s people to be rescued from hunger, guilt and fear. 

Interestingly, however, the translations of the prayer found in the Gospels of Matthew and Luke differ somewhat. In Greek, Matthew says something like, “Give us TODAY our daily bread for TOMORROW.” But Luke says, “Give us each day our daily bread.” 
Matthew is saying: Give us, here and now, the bread of life which is promised for the great Tomorrow – give us the blessings of the coming Kingdom right now. This really points to how Kingdom-focused we are to be! Even when we are praying for our most basic needs, we are reminded that what we really need is God and his Kingdom.

This also turns our eyes to the social dimension of this petition. Jesus spent time breaking bread and feasting with his friends — including misfits and social outcasts —  celebrating with them. And he explained these parties by telling stories about lost sheep being found, lost coins being discovered, and lost sons being confronted by a father’s love. Martin Luther reminds us that as Christians awaiting the coming Kingdom, praying for daily bread also means praying for the health and prospering of our societies: that all mankind will be fed, have employment, and live in conditions conducive to human flourishing.

Luke’s version is equally important, of course, and with our next TUNE IN we will look at the more personal aspects of this petition: what asking for daily bread means for us personally, particularly as artists. But until then, and perhaps especially as Lent commences, let’s ask God to rightly order our loves (as St. Augustine says), so that our desires are aligned with the values of God’s Kingdom, and that we see ourselves within that broader context.

Prayer:
Lord, you have provided for your children throughout the generations and you invite us to feast together while remembering your promise of future Shalom.
hank you for your provision and for your great love.
Thank you that you have redeemed and are redeeming the world, and thank you that we get to be a part of building for your Kingdom in the here and now. As this Lenten season starts, help me to be mindful of my need for you and your Kingdom, as well as seeing the needs of my neighbors.
Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz

Music:  As always, here is a setting of the Lord’s Prayer sent to us by Michael Stenov. If you have a favorite setting, please send it to us! We’d love to hear it and share it. 

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine). 

DEUTSCH

Der erste Teil des Vater Unser* handelt ausschliesslich von Gott. Wir sollen unser Gebet nicht von eigenen Bedürfnissen und Anliegen dominieren lassen, sondern dem Lobpreis und der Ehre Gottes die erste Stelle einräumen. Anbetung und Dank – die Ausrichtung auf Gott – kommen zuerst. Dadurch wird unser Herz von jener Ichbezogenheit geheilt, die bewirkt, dass wir in uns selbst gekrümmt bleiben und den Blick nach aussen verlieren.
Wenn wir uns zuerst darauf besinnen, zu wem wir eigentlich beten, wird unser Vertrauen in den liebenden Vater neu gestärkt, und wir können Gott nicht mehr als kosmische Wunschmaschine behandeln.
Nun, da das Gebet schon fast in der Hälfte angelangt ist und unsere Sicht für die Grösse Gottes geweitet und geschärft wurde, können wir uns unseren eigenen Bedürfnissen und jenen der Welt zuwenden.

Wenn Jesus für das tägliche Brot betet, bedient er sich er sich einer damals üblichen Symbolik. Gott sorgt durch Mahlzeiten und Feste für die täglichen Bedürfnisse seiner Kinder UND gibt uns dadurch Zeichen seiner Herrschaft. Die damaligen Hörer des Gebetes Jesu werden diese Brotsymbolik verstanden und sich an Gottes bisherige Versorgung erinnert haben: an Milch und Honig, an Manna und Wachteln. Sie werden die Symbolik in der hebräischen Schrift vor Augen gehabt haben, in der er heisst: „Er bereitet mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde…“ (Ps. 23) – und dann das grosse Bankett in Jesaja 25,6-8: „Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERRwird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volkes in allen Landen; denn der HERRhat’s gesagt.“ 
Jesus hat jedem das tägliche Brot angeboten, welches Gottes Reich bezeugt. Er tat dies, indem er um das vollständige Kommen der Herrschaft bat und damit um die Erlösung des Gottesvolks von Hunger, Schuld und Angst.

Interessanterweise sind die Formulierungen des Gebetes im Matthäus- und Lukas-Evangelium unterschiedlich: Auf Griechisch schreibt Matthäus: „Gib uns HEUTE unser tägliches Brot für MORGEN.“ Aber Lukas schreibt: „Gib uns jeden Tag unser tägliches Brot.“ Matthäus meint damit: Gib uns, hier und jetzt, das Brot des Lebens, welches ein Versprechen für ein grossartiges Morgen ist; gib uns den Segen des kommenden Reiches schon jetzt. Dies zeigt uns sehr deutlich auf, wie stark wir uns auf das Reich Gottes ausrichten sollen! Selbst wenn wir für unsere Grundbedürfnisse beten, sollen wir uns daran erinnern, dass das, was wir wirklich brauchen, Gott und sein Reich sind.

Dies verweist uns nun auf die der soziale Dimension dieser Bitte. Jesus hat Zeit damit verbracht, Brot zu brechen, mit seinen Freunden zu essen — auch mit den Aussenseitern und sozial Ausgeschlossenen — und mit ihnen zu feiern. Und er machte dies den Leuten verständlich, indem er Geschichten erzählte über das verlorene und wiedergefundene Schaf, über die verlorenen und wiederentdeckten Münzen und über den verlorenen Sohn, der auf die Liebe des Vaters trifft.
Martin Luther erinnert uns daran, dass wir als Christen auf das kommende Reich warten und währenddessen für das tägliche Brot beten sollen, was so viel bedeutet wie
dass wir für die Gesundheit und das Aufblühen unserer Gesellschaft beten sollen. Etwa dafür, dass jeder satt wird, einen Arbeitsplatz hat und unter solchen Bedingungen lebt, die sein Leben aufblühen lassen.

Die Version von Lukas ist natürlich genauso wichtig. Im nächsten Tune werden wir stärker die persönlichen Aspekte dieser Bitte betrachten: Was bedeutet es für uns persönlich, nach dem täglichen Brot zu fragen, besonders als Künstler? Aber bis dahin, und besonders da nun die Fastenzeit beginnt, lasst uns Gott bitten, unsere Liebe recht auszurichten (wie es der Hl. Augustinus gesagt hat), sodass wir uns selbst in diesem grösseren Kontext sehen.

Gebet:
Herr, du versorgst deine Kinder durch Generationen hindurch und du lädst auch uns ein, gemeinsam zu feiern.
Dadurch erinnern wir uns an dein Versprechen des zukünftigen Friedens. Danke für deine Versorgung und für deine grosse Liebe.
Danke, dass du die Welt erlöst hast und erlösen wirst.
Und danke, dass wir am Aufbau deines Reiches schon hier und jetzt Anteil haben dürfen.
Wenn jetzt die Fastenzeit beginnt, so hilf, unsere Anliegen auf dich und dein Reich auszurichten und auch die Bedürfnisse unserer Nächsten zu sehen.
Amen.


Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

Musik: Michael Steno hat uns diesen Link geschickt. Wenn du eine Lieblingsumgebung hast, bitte sende sie uns! 

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

ENGLISH

The first part of the prayer Jesus gave us* is all about God. We are not to let our own needs and issues dominate prayer; we are rather to prioritize praising and honoring him. Adoration and thanksgiving – God-centeredness – comes first, because it heals the heart of self-centeredness, which curves us in on ourselves and distorts our vision. By focusing first on God, we remember just who it is that we’re praying to, which both reaffirms our trust in our loving father and prevents us from treating God like a cosmic vending machine. Now that the prayer is nearly half-over, and our vision is reframed and clarified by the greatness of God, we can turn to our own needs and those of the world. 

When Jesus prayed for daily bread, he was using familiar imagery. God uses food and feasting to provide for the daily needs of his children AND to point to the Kingdom. The original hearers of Jesus’ prayer would have recognized the imagery of bread, and they would have recalled God’s previous provision: milk and honey and manna and quail. They would have also recalled the imagery used in Hebrew scripture: “He prepares a table for me in the presence of my enemies…” (Ps. 23), as well as the great banquet in Isaiah 25:6-8: “On this mountain the LORD of hosts will make for all peoples a feast of rich food, a feast of well-aged wine, of rich full of marrow, of aged wine well refined. And he will swallow up on this mountain the covering that is cast over all peoples, the veil that is spread over all nations. He will swallow up death forever; and the LORD GOD will wipe away tears from all faces, and the reporach of his people he will take away from all the earth, for the LORD has spoken.”  
Jesus was offering everyone the daily bread that spoke of the Kingdom of God, praying a prayer for complete fulfilment of the Kingdom – for God’s people to be rescued from hunger, guilt and fear. 

Interestingly, however, the translations of the prayer found in the Gospels of Matthew and Luke differ somewhat. In Greek, Matthew says something like, “Give us TODAY our daily bread for TOMORROW.” But Luke says, “Give us each day our daily bread.” 
Matthew is saying: Give us, here and now, the bread of life which is promised for the great Tomorrow – give us the blessings of the coming Kingdom right now. This really points to how Kingdom-focused we are to be! Even when we are praying for our most basic needs, we are reminded that what we really need is God and his Kingdom.

This also turns our eyes to the social dimension of this petition. Jesus spent time breaking bread and feasting with his friends — including misfits and social outcasts —  celebrating with them. And he explained these parties by telling stories about lost sheep being found, lost coins being discovered, and lost sons being confronted by a father’s love. Martin Luther reminds us that as Christians awaiting the coming Kingdom, praying for daily bread also means praying for the health and prospering of our societies: that all mankind will be fed, have employment, and live in conditions conducive to human flourishing.

Luke’s version is equally important, of course, and with our next TUNE IN we will look at the more personal aspects of this petition: what asking for daily bread means for us personally, particularly as artists. But until then, and perhaps especially as Lent commences, let’s ask God to rightly order our loves (as St. Augustine says), so that our desires are aligned with the values of God’s Kingdom, and that we see ourselves within that broader context.

Prayer:
Lord, you have provided for your children throughout the generations and you invite us to feast together while remembering your promise of future Shalom.
hank you for your provision and for your great love.
Thank you that you have redeemed and are redeeming the world, and thank you that we get to be a part of building for your Kingdom in the here and now. As this Lenten season starts, help me to be mindful of my need for you and your Kingdom, as well as seeing the needs of my neighbors.
Amen.

Text: Lauren Franklin-Steinmetz

Music:  As always, here is a setting of the Lord’s Prayer sent to us by Michael Stenov. If you have a favorite setting, please send it to us! We’d love to hear it and share it. 

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I led for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine). 

DEUTSCH

Der erste Teil des Vater Unser* handelt ausschliesslich von Gott. Wir sollen unser Gebet nicht von eigenen Bedürfnissen und Anliegen dominieren lassen, sondern dem Lobpreis und der Ehre Gottes die erste Stelle einräumen. Anbetung und Dank – die Ausrichtung auf Gott – kommen zuerst. Dadurch wird unser Herz von jener Ichbezogenheit geheilt, die bewirkt, dass wir in uns selbst gekrümmt bleiben und den Blick nach aussen verlieren.
Wenn wir uns zuerst darauf besinnen, zu wem wir eigentlich beten, wird unser Vertrauen in den liebenden Vater neu gestärkt, und wir können Gott nicht mehr als kosmische Wunschmaschine behandeln.
Nun, da das Gebet schon fast in der Hälfte angelangt ist und unsere Sicht für die Grösse Gottes geweitet und geschärft wurde, können wir uns unseren eigenen Bedürfnissen und jenen der Welt zuwenden.

Wenn Jesus für das tägliche Brot betet, bedient er sich er sich einer damals üblichen Symbolik. Gott sorgt durch Mahlzeiten und Feste für die täglichen Bedürfnisse seiner Kinder UND gibt uns dadurch Zeichen seiner Herrschaft. Die damaligen Hörer des Gebetes Jesu werden diese Brotsymbolik verstanden und sich an Gottes bisherige Versorgung erinnert haben: an Milch und Honig, an Manna und Wachteln. Sie werden die Symbolik in der hebräischen Schrift vor Augen gehabt haben, in der er heisst: „Er bereitet mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde…“ (Ps. 23) – und dann das grosse Bankett in Jesaja 25,6-8: „Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERRwird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volkes in allen Landen; denn der HERRhat’s gesagt.“ 
Jesus hat jedem das tägliche Brot angeboten, welches Gottes Reich bezeugt. Er tat dies, indem er um das vollständige Kommen der Herrschaft bat und damit um die Erlösung des Gottesvolks von Hunger, Schuld und Angst.

Interessanterweise sind die Formulierungen des Gebetes im Matthäus- und Lukas-Evangelium unterschiedlich: Auf Griechisch schreibt Matthäus: „Gib uns HEUTE unser tägliches Brot für MORGEN.“ Aber Lukas schreibt: „Gib uns jeden Tag unser tägliches Brot.“ Matthäus meint damit: Gib uns, hier und jetzt, das Brot des Lebens, welches ein Versprechen für ein grossartiges Morgen ist; gib uns den Segen des kommenden Reiches schon jetzt. Dies zeigt uns sehr deutlich auf, wie stark wir uns auf das Reich Gottes ausrichten sollen! Selbst wenn wir für unsere Grundbedürfnisse beten, sollen wir uns daran erinnern, dass das, was wir wirklich brauchen, Gott und sein Reich sind.

Dies verweist uns nun auf die der soziale Dimension dieser Bitte. Jesus hat Zeit damit verbracht, Brot zu brechen, mit seinen Freunden zu essen — auch mit den Aussenseitern und sozial Ausgeschlossenen — und mit ihnen zu feiern. Und er machte dies den Leuten verständlich, indem er Geschichten erzählte über das verlorene und wiedergefundene Schaf, über die verlorenen und wiederentdeckten Münzen und über den verlorenen Sohn, der auf die Liebe des Vaters trifft.
Martin Luther erinnert uns daran, dass wir als Christen auf das kommende Reich warten und währenddessen für das tägliche Brot beten sollen, was so viel bedeutet wie
dass wir für die Gesundheit und das Aufblühen unserer Gesellschaft beten sollen. Etwa dafür, dass jeder satt wird, einen Arbeitsplatz hat und unter solchen Bedingungen lebt, die sein Leben aufblühen lassen.

Die Version von Lukas ist natürlich genauso wichtig. Im nächsten Tune werden wir stärker die persönlichen Aspekte dieser Bitte betrachten: Was bedeutet es für uns persönlich, nach dem täglichen Brot zu fragen, besonders als Künstler? Aber bis dahin, und besonders da nun die Fastenzeit beginnt, lasst uns Gott bitten, unsere Liebe recht auszurichten (wie es der Hl. Augustinus gesagt hat), sodass wir uns selbst in diesem grösseren Kontext sehen.

Gebet:
Herr, du versorgst deine Kinder durch Generationen hindurch und du lädst auch uns ein, gemeinsam zu feiern.
Dadurch erinnern wir uns an dein Versprechen des zukünftigen Friedens. Danke für deine Versorgung und für deine grosse Liebe.
Danke, dass du die Welt erlöst hast und erlösen wirst.
Und danke, dass wir am Aufbau deines Reiches schon hier und jetzt Anteil haben dürfen.
Wenn jetzt die Fastenzeit beginnt, so hilf, unsere Anliegen auf dich und dein Reich auszurichten und auch die Bedürfnisse unserer Nächsten zu sehen.
Amen.


Text: Lauren Franklin-Steinmetz 
Übersetzung: Semira Roth / Beat Rink

Musik: Michael Steno hat uns diesen Link geschickt. Wenn du eine Lieblingsumgebung hast, bitte sende sie uns! 

*Ich schreibe diese Reihe von Tune-lns aus den Notizen eines Kleingruppen-Studiums über das Vaterunser, welches ich in der Amerikanischen Kirche in Berlin leite. Ich verwende dafür einen Grossteil von diesen drei Quellen: Martin Luthers „Ein leichter Weg zu beten“, N.T. Wrights „Der Herr und sein Gebet“ und Tim Kellers „Gebet“ (in welchem er viel von Luther, John Calvin und dem Hl. Augustin übernimmt).

ENGLISH

When we pray for the Kingdom of God to come, what are we praying for?  

Hallowed be your name
First, we can look back at the phrase immediately preceding this petition: hallowed be your name. How can we make God’s name holy, when it simply is, in and of itself, holy? We discover that it is a request that we are able to make his name holy, that all his creation, ourselves included, would be worthy bearers of his name and that we would actively glorify him in all we do. “Lord, your name be glorified throughout the earth! Hallowed by your name!” In order for us to pray for God’s Kingdom to come, we first commit ourselves to hallowing his name. 

Already, but not yet
As Christians, we live in the “already, but not yet”. God invaded space and time when Jesus came at Christmas, and he defeated death with the empty tomb at Easter. But we still wait his ultimate coming, the final ending of death. When we pray for his Kingdom to come, we pray for him to finish what he started and for him to come and rule for all time. 

A carpenter?!
Jesus’ followers, the original recipients of this prayer, were well-versed in the prophesies about the coming Kingdom. They were expecting God to sweep in as King and claim glory and power, and for him establish his kingdom. How confusing it must have been to realize that a poor carpenter from Nazareth was the Messiah!  

„On earth“!
Western Christianity has tended to shy away from this element of the teaching, focusing only on our personal relationship to Christ and the future ultimate Kingdom. But the “on earth” part is really important! To ignore that is to ignore that through Jesus something actually happened, that something is happening, and that something will happen. We remember and celebrate what has happened, we actively build his Kingdom in the here and now, and we look for the coming Kingdom. 

Playing God’s composition
As Christ’s followers, as his image-bearers on earth, we are one major way that God continually brings about his Kingdom on earth. One metaphor borrowed from NT Wright is helpful: Jesus has written the greatest piece of music of all time, and Christians are musicians who, enthralled by his composition ourselves, perform it over and over before a world filled with cacophony. For those of us who are artists by vocation, this metaphor (however imperfect) hits even closer to home. We have been given crafts to hone which can point to the coming Kingdom. We create beauty and tell stories that point to a greater reality.  

Questions: 
How can I build for the Kingdom today also as an artist? 
How does the work I do point to the Kingdom?  

Thanks to Claudia Gebauer, who sent a link to this setting of the Lord’s Prayer.  We’d love to hear your favorite setting(s) as well! Do send them in! 

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I am leading for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).  

Text: Lauren Franklin-Steinmetz / Cellist, Berlin

DEUTSCH

Wenn wir beten, dass das Reich Gottes kommen möge: Wofür beten wir dann eigentlich?  

Dein Name werde geheiligt
Nehmen wir uns zunächst die Bitte vor, die unmittelbar vorausgeht: „Dein Name werde geheiligt“. Wie können wir Gottes Name heilig „machen“, wenn er schon von sich aus und in sich heilig ist? Darin muss eine Aufforderung stecken, der nachzukommen wir imstande sind. Wir sollen uns – zusammen mit der gesamten Schöpfung – der Tatsache als würdig erweisen, dass wir diesen Namen anrufen und als Ebenbilder Gottes auch selber tragen dürfen. Und dass wir ihn deshalb aktiv und durch alles hindurch, was wir tun, ehren sollen: „Herr, Dein Name sei gelobt in aller Welt! Geheiligt werde Dein Name!“ Damit wir für das Kommen seines Reiches bitten können, müssen wir uns zuerst dazu verpflichten, seinen Namen zu heiligen. 

Schon jetzt, aber noch nicht
Als Christen leben wir im „Schon jetzt, aber noch nicht“. Gott ist an Weihnachten in den Raum und in die Zeit eingetreten und hat an Ostern mit dem leeren Grab den Tod besiegt. Und dennoch warten wir auf sein letztes Kommen, auf das endgültige Ende des Todes. Wenn wir darum bitten, dass sein Reich komme, dann beten wir darum, dass er vollendet, was er begonnen hat, und dass er kommt, um für alle Zeiten zu regieren. 

Ein Schreiner?!
Die Jünger von Jesus waren als die ersten Hörer dieses Gebets mit den prophetischen Worten über das kommende Reich bestens vertraut. Sie erwarteten, dass Gott als König diese Welt betreten würde, um, mit Ruhm und Macht bekleidet, seine Herrschaft zu errichten. Wie verstörend muss für sie gewesen sein, in einem armen Schreiner aus Nazareth den Messias zu erkennen!  

„Auf dieser Erde“!
Das abendländische Christentum hat sich in der Folge eher davor gescheut, über das Reich Gottes zu lehren. Statt dessen hat es die persönliche Beziehung zu Christus und das Kommen des endzeitlichen Reiches betont. Aber dass das Reich Gottes auf „diese Erde“ kommt, ist sehr wichtig! Dies zu ignorieren würde heissen, dass wir ignorieren: Etwas geschah, geschieht und wird wirklich geschehen. Wir gedenken daran und feiern, was geschehen ist. Wir bauen aktiv an seinem Reich hier und jetzt und halten gleichzeitig Ausschau nach dem künftigen Reich. 

Gottes Komposition spielen
Gott baut sein Reich auf unserer Erde besonders durch uns, die Nachfolger Christi und seine irdischen Ebenbilder. Eine Metapher des Theologen NT Wright ist da hilfreich: Jesus hat das grösste Musikstück aller Zeiten komponiert. Christen sind von dieser Musik begeistert und führen als Musiker dieses Werk immer und immer wieder auf, bevor sich die Welt mit Kakophonie füllt. Den Künstlern unter uns mag diese Metapher trotz ihrer Begrenztheit etwas Besonderes sagen. Wir haben Fähigkeiten bekommen, die wir ausbilden und mit denen wir auf das kommende Königreich hinweisen können. Wir schaffen Schönes und erzählen Geschichten, die eine grössere Wirklichkeit andeuten.  

Fragen:
Wie kann ich an Gottes Reich heute mit-bauen – auch als Künstler? Wie kann, was ich tue, auf das Reich hinweisen?  

Ein Dank an Claudia Gebauer, die auf eine weitere Vertonung des „Vater Unser“ hingewiesen hat.  
Bitte sendet auch weitere Vertonungen des Vater Unser.

* Diese TUNE IN-Serie entsteht im Zusammenhang mit einer Studiengruppe zum Vaterunser, die ich in der „American Church“ in Berlin leite. Ich beziehe mich stark auf drei Quellen: Martin Luther: „Eine einfältige Weise zu beten“. NT Wright: „The Lord and His Prayer“ undTim Keller „Prayer“ (mit Bezügen zu Luther, Calvin und Augustinus).

Text: Lauren Franklin-Steinmetz, Cellistin / Berlin
Übersetzung: Beat Rink

ENGLISH

When we pray for the Kingdom of God to come, what are we praying for?  

Hallowed be your name
First, we can look back at the phrase immediately preceding this petition: hallowed be your name. How can we make God’s name holy, when it simply is, in and of itself, holy? We discover that it is a request that we are able to make his name holy, that all his creation, ourselves included, would be worthy bearers of his name and that we would actively glorify him in all we do. “Lord, your name be glorified throughout the earth! Hallowed by your name!” In order for us to pray for God’s Kingdom to come, we first commit ourselves to hallowing his name. 

Already, but not yet
As Christians, we live in the “already, but not yet”. God invaded space and time when Jesus came at Christmas, and he defeated death with the empty tomb at Easter. But we still wait his ultimate coming, the final ending of death. When we pray for his Kingdom to come, we pray for him to finish what he started and for him to come and rule for all time. 

A carpenter?!
Jesus’ followers, the original recipients of this prayer, were well-versed in the prophesies about the coming Kingdom. They were expecting God to sweep in as King and claim glory and power, and for him establish his kingdom. How confusing it must have been to realize that a poor carpenter from Nazareth was the Messiah!  

„On earth“!
Western Christianity has tended to shy away from this element of the teaching, focusing only on our personal relationship to Christ and the future ultimate Kingdom. But the “on earth” part is really important! To ignore that is to ignore that through Jesus something actually happened, that something is happening, and that something will happen. We remember and celebrate what has happened, we actively build his Kingdom in the here and now, and we look for the coming Kingdom. 

Playing God’s composition
As Christ’s followers, as his image-bearers on earth, we are one major way that God continually brings about his Kingdom on earth. One metaphor borrowed from NT Wright is helpful: Jesus has written the greatest piece of music of all time, and Christians are musicians who, enthralled by his composition ourselves, perform it over and over before a world filled with cacophony. For those of us who are artists by vocation, this metaphor (however imperfect) hits even closer to home. We have been given crafts to hone which can point to the coming Kingdom. We create beauty and tell stories that point to a greater reality.  

Questions: 
How can I build for the Kingdom today also as an artist? 
How does the work I do point to the Kingdom?  

Thanks to Claudia Gebauer, who sent a link to this setting of the Lord’s Prayer.  We’d love to hear your favorite setting(s) as well! Do send them in! 

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I am leading for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).  

Text: Lauren Franklin-Steinmetz / Cellist, Berlin

DEUTSCH

Wenn wir beten, dass das Reich Gottes kommen möge: Wofür beten wir dann eigentlich?  

Dein Name werde geheiligt
Nehmen wir uns zunächst die Bitte vor, die unmittelbar vorausgeht: „Dein Name werde geheiligt“. Wie können wir Gottes Name heilig „machen“, wenn er schon von sich aus und in sich heilig ist? Darin muss eine Aufforderung stecken, der nachzukommen wir imstande sind. Wir sollen uns – zusammen mit der gesamten Schöpfung – der Tatsache als würdig erweisen, dass wir diesen Namen anrufen und als Ebenbilder Gottes auch selber tragen dürfen. Und dass wir ihn deshalb aktiv und durch alles hindurch, was wir tun, ehren sollen: „Herr, Dein Name sei gelobt in aller Welt! Geheiligt werde Dein Name!“ Damit wir für das Kommen seines Reiches bitten können, müssen wir uns zuerst dazu verpflichten, seinen Namen zu heiligen. 

Schon jetzt, aber noch nicht
Als Christen leben wir im „Schon jetzt, aber noch nicht“. Gott ist an Weihnachten in den Raum und in die Zeit eingetreten und hat an Ostern mit dem leeren Grab den Tod besiegt. Und dennoch warten wir auf sein letztes Kommen, auf das endgültige Ende des Todes. Wenn wir darum bitten, dass sein Reich komme, dann beten wir darum, dass er vollendet, was er begonnen hat, und dass er kommt, um für alle Zeiten zu regieren. 

Ein Schreiner?!
Die Jünger von Jesus waren als die ersten Hörer dieses Gebets mit den prophetischen Worten über das kommende Reich bestens vertraut. Sie erwarteten, dass Gott als König diese Welt betreten würde, um, mit Ruhm und Macht bekleidet, seine Herrschaft zu errichten. Wie verstörend muss für sie gewesen sein, in einem armen Schreiner aus Nazareth den Messias zu erkennen!  

„Auf dieser Erde“!
Das abendländische Christentum hat sich in der Folge eher davor gescheut, über das Reich Gottes zu lehren. Statt dessen hat es die persönliche Beziehung zu Christus und das Kommen des endzeitlichen Reiches betont. Aber dass das Reich Gottes auf „diese Erde“ kommt, ist sehr wichtig! Dies zu ignorieren würde heissen, dass wir ignorieren: Etwas geschah, geschieht und wird wirklich geschehen. Wir gedenken daran und feiern, was geschehen ist. Wir bauen aktiv an seinem Reich hier und jetzt und halten gleichzeitig Ausschau nach dem künftigen Reich. 

Gottes Komposition spielen
Gott baut sein Reich auf unserer Erde besonders durch uns, die Nachfolger Christi und seine irdischen Ebenbilder. Eine Metapher des Theologen NT Wright ist da hilfreich: Jesus hat das grösste Musikstück aller Zeiten komponiert. Christen sind von dieser Musik begeistert und führen als Musiker dieses Werk immer und immer wieder auf, bevor sich die Welt mit Kakophonie füllt. Den Künstlern unter uns mag diese Metapher trotz ihrer Begrenztheit etwas Besonderes sagen. Wir haben Fähigkeiten bekommen, die wir ausbilden und mit denen wir auf das kommende Königreich hinweisen können. Wir schaffen Schönes und erzählen Geschichten, die eine grössere Wirklichkeit andeuten.  

Fragen:
Wie kann ich an Gottes Reich heute mit-bauen – auch als Künstler? Wie kann, was ich tue, auf das Reich hinweisen?  

Ein Dank an Claudia Gebauer, die auf eine weitere Vertonung des „Vater Unser“ hingewiesen hat.  
Bitte sendet auch weitere Vertonungen des Vater Unser.

* Diese TUNE IN-Serie entsteht im Zusammenhang mit einer Studiengruppe zum Vaterunser, die ich in der „American Church“ in Berlin leite. Ich beziehe mich stark auf drei Quellen: Martin Luther: „Eine einfältige Weise zu beten“. NT Wright: „The Lord and His Prayer“ undTim Keller „Prayer“ (mit Bezügen zu Luther, Calvin und Augustinus).

Text: Lauren Franklin-Steinmetz, Cellistin / Berlin
Übersetzung: Beat Rink

ENGLISH

When we pray for the Kingdom of God to come, what are we praying for?  

Hallowed be your name
First, we can look back at the phrase immediately preceding this petition: hallowed be your name. How can we make God’s name holy, when it simply is, in and of itself, holy? We discover that it is a request that we are able to make his name holy, that all his creation, ourselves included, would be worthy bearers of his name and that we would actively glorify him in all we do. “Lord, your name be glorified throughout the earth! Hallowed by your name!” In order for us to pray for God’s Kingdom to come, we first commit ourselves to hallowing his name. 

Already, but not yet
As Christians, we live in the “already, but not yet”. God invaded space and time when Jesus came at Christmas, and he defeated death with the empty tomb at Easter. But we still wait his ultimate coming, the final ending of death. When we pray for his Kingdom to come, we pray for him to finish what he started and for him to come and rule for all time. 

A carpenter?!
Jesus’ followers, the original recipients of this prayer, were well-versed in the prophesies about the coming Kingdom. They were expecting God to sweep in as King and claim glory and power, and for him establish his kingdom. How confusing it must have been to realize that a poor carpenter from Nazareth was the Messiah!  

„On earth“!
Western Christianity has tended to shy away from this element of the teaching, focusing only on our personal relationship to Christ and the future ultimate Kingdom. But the “on earth” part is really important! To ignore that is to ignore that through Jesus something actually happened, that something is happening, and that something will happen. We remember and celebrate what has happened, we actively build his Kingdom in the here and now, and we look for the coming Kingdom. 

Playing God’s composition
As Christ’s followers, as his image-bearers on earth, we are one major way that God continually brings about his Kingdom on earth. One metaphor borrowed from NT Wright is helpful: Jesus has written the greatest piece of music of all time, and Christians are musicians who, enthralled by his composition ourselves, perform it over and over before a world filled with cacophony. For those of us who are artists by vocation, this metaphor (however imperfect) hits even closer to home. We have been given crafts to hone which can point to the coming Kingdom. We create beauty and tell stories that point to a greater reality.  

Questions: 
How can I build for the Kingdom today also as an artist? 
How does the work I do point to the Kingdom?  

Thanks to Claudia Gebauer, who sent a link to this setting of the Lord’s Prayer.  We’d love to hear your favorite setting(s) as well! Do send them in! 

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I am leading for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).  

Text: Lauren Franklin-Steinmetz / Cellist, Berlin 

DEUTSCH

Wenn wir beten, dass das Reich Gottes kommen möge: Wofür beten wir dann eigentlich?  

Dein Name werde geheiligt
Nehmen wir uns zunächst die Bitte vor, die unmittelbar vorausgeht: „Dein Name werde geheiligt“. Wie können wir Gottes Name heilig „machen“, wenn er schon von sich aus und in sich heilig ist? Darin muss eine Aufforderung stecken, der nachzukommen wir imstande sind. Wir sollen uns – zusammen mit der gesamten Schöpfung – der Tatsache als würdig erweisen, dass wir diesen Namen anrufen und als Ebenbilder Gottes auch selber tragen dürfen. Und dass wir ihn deshalb aktiv und durch alles hindurch, was wir tun, ehren sollen: „Herr, Dein Name sei gelobt in aller Welt! Geheiligt werde Dein Name!“ Damit wir für das Kommen seines Reiches bitten können, müssen wir uns zuerst dazu verpflichten, seinen Namen zu heiligen. 

Schon jetzt, aber noch nicht
Als Christen leben wir im „Schon jetzt, aber noch nicht“. Gott ist an Weihnachten in den Raum und in die Zeit eingetreten und hat an Ostern mit dem leeren Grab den Tod besiegt. Und dennoch warten wir auf sein letztes Kommen, auf das endgültige Ende des Todes. Wenn wir darum bitten, dass sein Reich komme, dann beten wir darum, dass er vollendet, was er begonnen hat, und dass er kommt, um für alle Zeiten zu regieren. 

Ein Schreiner?!
Die Jünger von Jesus waren als die ersten Hörer dieses Gebets mit den prophetischen Worten über das kommende Reich bestens vertraut. Sie erwarteten, dass Gott als König diese Welt betreten würde, um, mit Ruhm und Macht bekleidet, seine Herrschaft zu errichten. Wie verstörend muss für sie gewesen sein, in einem armen Schreiner aus Nazareth den Messias zu erkennen!  

„Auf dieser Erde“!
Das abendländische Christentum hat sich in der Folge eher davor gescheut, über das Reich Gottes zu lehren. Statt dessen hat es die persönliche Beziehung zu Christus und das Kommen des endzeitlichen Reiches betont. Aber dass das Reich Gottes auf „diese Erde“ kommt, ist sehr wichtig! Dies zu ignorieren würde heissen, dass wir ignorieren: Etwas geschah, geschieht und wird wirklich geschehen. Wir gedenken daran und feiern, was geschehen ist. Wir bauen aktiv an seinem Reich hier und jetzt und halten gleichzeitig Ausschau nach dem künftigen Reich. 

Gottes Komposition spielen
Gott baut sein Reich auf unserer Erde besonders durch uns, die Nachfolger Christi und seine irdischen Ebenbilder. Eine Metapher des Theologen NT Wright ist da hilfreich: Jesus hat das grösste Musikstück aller Zeiten komponiert. Christen sind von dieser Musik begeistert und führen als Musiker dieses Werk immer und immer wieder auf, bevor sich die Welt mit Kakophonie füllt. Den Künstlern unter uns mag diese Metapher trotz ihrer Begrenztheit etwas Besonderes sagen. Wir haben Fähigkeiten bekommen, die wir ausbilden und mit denen wir auf das kommende Königreich hinweisen können. Wir schaffen Schönes und erzählen Geschichten, die eine grössere Wirklichkeit andeuten.  

Fragen:
Wie kann ich an Gottes Reich heute mit-bauen – auch als Künstler? Wie kann, was ich tue, auf das Reich hinweisen?  

Ein Dank an Claudia Gebauer, die auf eine weitere Vertonung des „Vater Unser“ hingewiesen hat.  
Bitte sendet auch weitere Vertonungen des Vater Unser.

* Diese TUNE IN-Serie entsteht im Zusammenhang mit einer Studiengruppe zum Vaterunser, die ich in der „American Church“ in Berlin leite. Ich beziehe mich stark auf drei Quellen: Martin Luther: „Eine einfältige Weise zu beten“. NT Wright: „The Lord and His Prayer“ undTim Keller „Prayer“ (mit Bezügen zu Luther, Calvin und Augustinus).

Text: Lauren Franklin-Steinmetz, Cellistin / Berlin
Übersetzung: Beat Rink

ENGLISH

When we pray for the Kingdom of God to come, what are we praying for?  

Hallowed be your name
First, we can look back at the phrase immediately preceding this petition: hallowed be your name. How can we make God’s name holy, when it simply is, in and of itself, holy? We discover that it is a request that we are able to make his name holy, that all his creation, ourselves included, would be worthy bearers of his name and that we would actively glorify him in all we do. “Lord, your name be glorified throughout the earth! Hallowed by your name!” In order for us to pray for God’s Kingdom to come, we first commit ourselves to hallowing his name. 

Already, but not yet
As Christians, we live in the “already, but not yet”. God invaded space and time when Jesus came at Christmas, and he defeated death with the empty tomb at Easter. But we still wait his ultimate coming, the final ending of death. When we pray for his Kingdom to come, we pray for him to finish what he started and for him to come and rule for all time. 

A carpenter?!
Jesus’ followers, the original recipients of this prayer, were well-versed in the prophesies about the coming Kingdom. They were expecting God to sweep in as King and claim glory and power, and for him establish his kingdom. How confusing it must have been to realize that a poor carpenter from Nazareth was the Messiah!  

„On earth“!
Western Christianity has tended to shy away from this element of the teaching, focusing only on our personal relationship to Christ and the future ultimate Kingdom. But the “on earth” part is really important! To ignore that is to ignore that through Jesus something actually happened, that something is happening, and that something will happen. We remember and celebrate what has happened, we actively build his Kingdom in the here and now, and we look for the coming Kingdom. 

Playing God’s composition
As Christ’s followers, as his image-bearers on earth, we are one major way that God continually brings about his Kingdom on earth. One metaphor borrowed from NT Wright is helpful: Jesus has written the greatest piece of music of all time, and Christians are musicians who, enthralled by his composition ourselves, perform it over and over before a world filled with cacophony. For those of us who are artists by vocation, this metaphor (however imperfect) hits even closer to home. We have been given crafts to hone which can point to the coming Kingdom. We create beauty and tell stories that point to a greater reality.  

Questions: 
How can I build for the Kingdom today also as an artist? 
How does the work I do point to the Kingdom?  

Thanks to Claudia Gebauer, who sent a link to this setting of the Lord’s Prayer.  We’d love to hear your favorite setting(s) as well! Do send them in! 

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I am leading for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).  

Text: Lauren Franklin-Steinmetz / Cellist, Berlin 

DEUTSCH

Wenn wir beten, dass das Reich Gottes kommen möge: Wofür beten wir dann eigentlich?  

Dein Name werde geheiligt
Nehmen wir uns zunächst die Bitte vor, die unmittelbar vorausgeht: „Dein Name werde geheiligt“. Wie können wir Gottes Name heilig „machen“, wenn er schon von sich aus und in sich heilig ist? Darin muss eine Aufforderung stecken, der nachzukommen wir imstande sind. Wir sollen uns – zusammen mit der gesamten Schöpfung – der Tatsache als würdig erweisen, dass wir diesen Namen anrufen und als Ebenbilder Gottes auch selber tragen dürfen. Und dass wir ihn deshalb aktiv und durch alles hindurch, was wir tun, ehren sollen: „Herr, Dein Name sei gelobt in aller Welt! Geheiligt werde Dein Name!“ Damit wir für das Kommen seines Reiches bitten können, müssen wir uns zuerst dazu verpflichten, seinen Namen zu heiligen. 

Schon jetzt, aber noch nicht
Als Christen leben wir im „Schon jetzt, aber noch nicht“. Gott ist an Weihnachten in den Raum und in die Zeit eingetreten und hat an Ostern mit dem leeren Grab den Tod besiegt. Und dennoch warten wir auf sein letztes Kommen, auf das endgültige Ende des Todes. Wenn wir darum bitten, dass sein Reich komme, dann beten wir darum, dass er vollendet, was er begonnen hat, und dass er kommt, um für alle Zeiten zu regieren. 

Ein Schreiner?!
Die Jünger von Jesus waren als die ersten Hörer dieses Gebets mit den prophetischen Worten über das kommende Reich bestens vertraut. Sie erwarteten, dass Gott als König diese Welt betreten würde, um, mit Ruhm und Macht bekleidet, seine Herrschaft zu errichten. Wie verstörend muss für sie gewesen sein, in einem armen Schreiner aus Nazareth den Messias zu erkennen!  

„Auf dieser Erde“!
Das abendländische Christentum hat sich in der Folge eher davor gescheut, über das Reich Gottes zu lehren. Statt dessen hat es die persönliche Beziehung zu Christus und das Kommen des endzeitlichen Reiches betont. Aber dass das Reich Gottes auf „diese Erde“ kommt, ist sehr wichtig! Dies zu ignorieren würde heissen, dass wir ignorieren: Etwas geschah, geschieht und wird wirklich geschehen. Wir gedenken daran und feiern, was geschehen ist. Wir bauen aktiv an seinem Reich hier und jetzt und halten gleichzeitig Ausschau nach dem künftigen Reich. 

Gottes Komposition spielen
Gott baut sein Reich auf unserer Erde besonders durch uns, die Nachfolger Christi und seine irdischen Ebenbilder. Eine Metapher des Theologen NT Wright ist da hilfreich: Jesus hat das grösste Musikstück aller Zeiten komponiert. Christen sind von dieser Musik begeistert und führen als Musiker dieses Werk immer und immer wieder auf, bevor sich die Welt mit Kakophonie füllt. Den Künstlern unter uns mag diese Metapher trotz ihrer Begrenztheit etwas Besonderes sagen. Wir haben Fähigkeiten bekommen, die wir ausbilden und mit denen wir auf das kommende Königreich hinweisen können. Wir schaffen Schönes und erzählen Geschichten, die eine grössere Wirklichkeit andeuten.  

Fragen:
Wie kann ich an Gottes Reich heute mit-bauen – auch als Künstler? Wie kann, was ich tue, auf das Reich hinweisen?  

Ein Dank an Claudia Gebauer, die auf eine weitere Vertonung des „Vater Unser“ hingewiesen hat.  
Bitte sendet auch weitere Vertonungen des Vater Unser.

* Diese TUNE IN-Serie entsteht im Zusammenhang mit einer Studiengruppe zum Vaterunser, die ich in der „American Church“ in Berlin leite. Ich beziehe mich stark auf drei Quellen: Martin Luther: „Eine einfältige Weise zu beten“. NT Wright: „The Lord and His Prayer“ undTim Keller „Prayer“ (mit Bezügen zu Luther, Calvin und Augustinus).

Text: Lauren Franklin-Steinmetz, Cellistin / Berlin
Übersetzung: Beat Rink

ENGLISH

The Lord’s Prayer, the Our Father. It’s familiar.  Too familiar, sometimes. Many of us can recite it without even thinking about it, and unfortunately, we often do. It is frequently on our lips— especially for those of us who worship in more traditional liturgical settings— and that is good and right. But with this familiarity comes the risk of missing out on its great power.  Let’s spend the next weeks looking at this Prayer of Prayers bit by bit, reflecting on what Jesus was telling us about the nature of God and his Kingdom, and how that relates to us.* 

“Our Father, who art in heaven…” 
John Calvin said that to call God “Father” is to pray in the name of Jesus.  He wrote in his Institutes of the Christian Religion, “Who would break forth into such rashness as to claim for himself the honor of a son of God unless we had been adopted as children of grace in Christ?”
In his famous letter to his barber, A Simple Way to PrayMartin Luther wrote that this initial address was a call not to jump directly into prayer, but to first remember our position and our standing in Christ before we commence praying.  

Images of fathers 
For many of us, God as the perfect heavenly father is a warm, comforting image. That is certainly my experience! But there are some who may find the language difficult. I have encountered those for whom the gender issues surrounding the image of God as Father are troubling. There are others who simply have been so hurt by their own fathers that the image is painful. For those of you who have these struggles and these hurts, you matter and you are heard and you are loved! And the good news is that, while God is certainly not less than a “perfect heavenly father”, he is so much more than that. Let’s take a closer look at what “Father” implies in Jesus’ broader message. 

The heavenly father’s message: freedom and a new kingdom! 
The first time the image of God as Father occurs in the Hebrew Bible was when he demanded the release of the Israelites from their captivity in Egypt: “God’s Message: Israel is my son, my firstborn!  I told you, ‘Free my son so that he can serve me.’” (Exodus 4:22,23) 
When Jesus called God “Father”, he was pointing to Israel’s vocation and salvation. When he instructed his disciples to call God “Father”, we should understand that we are are also instructed to await the new Exodus.  We wait for the coming Kingdom and expect freedom. In 2 Samuel 7:14, God promised King David that a child would come in his lineage who would rule over God’s people and whose kingdom would never be shaken, thus reinforcing and expanding this Kingdom-bearing, revolutionary meaning.  And in Isaiah 55:1&3, this promise is opened further to all people: “Come, all you who are thirsty, come to the waters; and you who have no money, come, buy and eat! Come, buy wine and milk without money and without cost…Give ear and come to me, listen, that you may live. I will make an everlasting covenant with you, my faithful love promised to David.”

More than a gentle „papa“ 
The first word of this prayer contains not just intimacy but revolution. Not just familiarity, hope. Again, this is not to say that our images of God of a loving father are false! Far from it. But if we get stuck on an image of a gentle “papa” and fail to see the bigger, grander picture hidden in this image, we miss out on  tremendous depths of power and hope. Calling God “Father” is not merely comfortable or reassuring.  When we pray, “Our Father”, we pray with expectancy! We declare that we are awaiting the coming Kingdom, we anticipate revolution. We are claiming hope in the midst of darkness.  When we call God “Father”, we are saying: “I’m in! I’m a part of this.”  We engage fully with God’s story, and agree to step into the tension of the “already but not yet”, to borrow a famous theological phrase. 

What will change? 
If we truly understand that by calling God “Father” we are engaging in God’s story of redeeming and renewing the world, then our smallest actions are imbued with great meaning. How does this affect the way we create and perform, or write, or clean our houses or drink wine with friends? How can we more fully live into our identities as God’s beloved children as we go about our daily lives? 

Prayer: 
Our Father, thank you for the privilege of coming to you as your child.  Thank you for loving us, for delighting in us, for redeeming us.  Thank you that we get to help build for your kingdom.  Please transform our hearts with the knowledge of your love, with the realization of our identity as your beloved children. Capture our imaginations, mold our wills, and set us free to do the revolutionary work you have created us to do.  Amen. 

—–

I hope to attach a link each time of a setting of the Lord’s Prayer. I only have settings in English and German at the moment, but if you have a favorite setting in another language, please send it along! I’d love to hear it, and maybe include it with a future TuneIn in this series. Today we have one of my favorite settings: the Our Father from Ike Sturm’s Jazz Mass (2009):LINK

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I am leading for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).  

Text: Lauren Franklin-Steinmetz / Cellist, Berlin 

DEUTSCH

Das Gebet des Herrn, das „Vaterunser“ ist uns vertraut. Vielleicht zuweilen zu vertraut. Manchmal sprechen wir es so dahin, ohne gross über den Inhalt nachzudenken. Besonders wenn wir in eher traditionellen, liturgisch geprägten Gottesdiensten zuhause sind, kommt es uns oft über die Lippen. Und das ist gut und richtig so. Aber wenn es uns allzu vertraut ist, merken wir nicht mehr, welche Kraft darin steckt. 
Wir möchten in den kommenden Wochen dem „Vaterunser“ Stück für Stück nachgehen und fragen, was Jesus hier über das Wesen Gottes und Seines Reiches sagt – und was dies alles mit uns zu tun hat.* 

„Unser Vater im Himmel…“
 

Johannes Calvin sagte: Wenn wir Gott unseren Vater nennen, beten wir im Namen Jesu. In seiner Institutioschrieb er: „Welcher Mensch wollte es wagen und sich die Ehre eines Gotteskindes anmassen, wenn er nicht wüsste, dass er durch die Gnade Christi als Kind angenommen wurde?“ In seinem berühmten Brief an seinen Barbier („Eine einfältige Weise zu beten“) schrieb Martin Luther, dass diese Anrede dazu dient, das wir nicht gleich ins Gebet hineinspringen, sondern uns zuerst unserer Stellung in Christus bewusst werden, bevor wir zu beten beginnen.  

Vaterbilder 
Viele von uns haben ein wärmendes und tröstendes Bild vom himmlischen Vater. Dies entspricht meiner eigenen Erfahrung. Aber da gibt es nicht wenige, die mit diesem Vokabular Mühe haben. Ich bin Menschen begegnet, die es irritierend finden, dass Gottes in unserer Sprache ein bestimmtes Geschlecht hat. Andere wurden von ihrem eigenen Vater so verletzt, dass sich das Bild des himmlischen Vaters mit einem tiefen Schmerz verbindet. Für sie alle gilt aber: Du bist wichtig und geliebt! Und die gute Nachricht  ist: Gott ist weitaus besser als der beste irdische Vater. – Was heisst aber „Vater“ im Kontext der gesamten Botschaft von Jesus und der Bibel? 

Die Botschaft des himmlischen Vaters: Freiheit und ein neues Königreich! 
Das Bild von Gott als Vater taucht in der hebräischen Bibel zum ersten Mal auf, wo Gott die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft anordnet: „Israel ist mein erstgeborener Sohn; und ich gebiete dir, dass du meinen Sohn ziehen lässt, dass er mir diene.“ (Exodus 4, 22f.). Wenn Jesus von Gott als „Vater“ spricht, verweist er auf eben diese Berufung und Befreiung Israels. Und wenn er seine Jünger anweist, Gott „Vater“ zu nennen, sind auch wir gerufen, einen neuen Exodus zu erwarten. Wir erwarten das Reich Gottes und Befreiung! In 2 Samuel 7,14 verheisst Gott dem König David einen Nachkommen, der über das Gottesvolk regieren und dessen Reich niemals untergehen wird. Mit dem Reich Gottes wird etwas Revolutionäres angesagt. In Jesaja 55, 1+3 lesen wir: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! … Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.“

Mehr als ein netter Papa 
Das erste Wort des „Vaterunser“ vermittelt somit nicht nur innige Vertrautheit, sondern auch Revolution und Hoffnung. Nicht dass unsere Bilder von Gott als liebender Vater falsch wären! Keineswegs. Aber wenn wir beim Bild eines netten „Papa“ stehenbleiben und nicht das grössere Bild darin entdecken, verpassen wir eine gewaltige Dimension der Kraft und Hoffnung. Gott „Vater“ nennen ist nicht nur etwas Gemütliches und Bestärkendes. Wir beten unter diesem Vorzeichen erwartungsvoll und bekunden, dass wir den Anbruch des Königreiches sehen und eine Revolution erleben werden. Inmitten der Dunkelheit schöpfen wir Hoffnung und bekunden, indem wir Gott „Vater“ nennen: „Ich bin dabei!“ Wir beziehen uns auf die ganze Geschichte Gottes mit uns Menschen und willigen ein, in die Spannung des „Schon jetzt, aber noch nicht“ einzutreten, um eine berühmte theologische Formel zu zitieren.  

Was ändert sich? 
Wenn wir wirklich verstehen, dass wir uns mit der Anrufung Gottes als „Vater“ in die Geschichte der Erlösung und Erneuerung der Welt einfügen, werden unsere noch so kleinen Taten durchdrungen von dieser grossen Bedeutung. Wird dies auch die Art und Weise, wie wir künstlerisch tätig sind, wie wir musizieren, schreiben oder auch unser Haus putzen oder mit Freunden ein Glas Wein trinken, prägen? Wie können wir noch bewusster unsere Identität als geliebte Kinder Gottes leben und dies in den Alltag einfliessen lassen?  

Gebet: 
Unser Vater. Danke für das Vorrecht, dass ich zu Dir als Kind kommen darf. Danke, dass Du uns liebst, dass Du Freude an uns hast und uns befreist. Danke, dass wir am Bau Deines Königreiches mitwirken dürfen. Hilf uns, dass wir mit verwandelten Herzen Deine Liebe erkennen dürfen. Danke, dass wir dies noch besser ergreifen dürfen: Wir sind Deine geliebten Kinder. Präge unsere Vorstellungskraft, forme unseren Willen und setz uns frei, damit wir so revolutionär wirken können, wie Du es uns zugedacht hast. Amen. 

Ich möchte jedesmal einen Link zum Teil des Vaterunser anfügen. Zur Zeit habe ich nur Links zu deutschen und englischen Vertonungen. Wer einen Beitrag in einer anderen Sprache kennt, kann uns einen entsprechenden Hinweis schicken, dem wir dann nachgehen und vielleicht in ein späteres TUNE IN einbauen. Heute kommt der Link zu einer meiner liebsten Vertonungen des Vaterunser: Aus der Jazz Messe von Ike Sturm (2009): LINK 

* Diese TUNE IN-Serie entsteht im Zusammenhang mit einer Studiengruppe zum Vaterunser, die ich in der „American Church“ in Berlin leite. Ich beziehe mich stark auf drei Quellen: Martin Luther: „Eine einfältige Weise zu beten“. NT Wright: „The Lord and His Prayer“ undTim Keller „Prayer“ (mit Bezügen zu Luther, Calvin und Augustinus).

Text: Lauren Franklin-Steinmetz, Cellistin / Berlin
Übersetzung: Beat Rink

ENGLISH

The Lord’s Prayer, the Our Father. It’s familiar.  Too familiar, sometimes. Many of us can recite it without even thinking about it, and unfortunately, we often do. It is frequently on our lips— especially for those of us who worship in more traditional liturgical settings— and that is good and right. But with this familiarity comes the risk of missing out on its great power.  Let’s spend the next weeks looking at this Prayer of Prayers bit by bit, reflecting on what Jesus was telling us about the nature of God and his Kingdom, and how that relates to us.* 

“Our Father, who art in heaven…” 
John Calvin said that to call God “Father” is to pray in the name of Jesus.  He wrote in his Institutes of the Christian Religion, “Who would break forth into such rashness as to claim for himself the honor of a son of God unless we had been adopted as children of grace in Christ?”
In his famous letter to his barber, A Simple Way to PrayMartin Luther wrote that this initial address was a call not to jump directly into prayer, but to first remember our position and our standing in Christ before we commence praying.  

Images of fathers 
For many of us, God as the perfect heavenly father is a warm, comforting image. That is certainly my experience! But there are some who may find the language difficult. I have encountered those for whom the gender issues surrounding the image of God as Father are troubling. There are others who simply have been so hurt by their own fathers that the image is painful. For those of you who have these struggles and these hurts, you matter and you are heard and you are loved! And the good news is that, while God is certainly not less than a “perfect heavenly father”, he is so much more than that. Let’s take a closer look at what “Father” implies in Jesus’ broader message. 

The heavenly father’s message: freedom and a new kingdom! 
The first time the image of God as Father occurs in the Hebrew Bible was when he demanded the release of the Israelites from their captivity in Egypt: “God’s Message: Israel is my son, my firstborn!  I told you, ‘Free my son so that he can serve me.’” (Exodus 4:22,23) 
When Jesus called God “Father”, he was pointing to Israel’s vocation and salvation. When he instructed his disciples to call God “Father”, we should understand that we are are also instructed to await the new Exodus.  We wait for the coming Kingdom and expect freedom. In 2 Samuel 7:14, God promised King David that a child would come in his lineage who would rule over God’s people and whose kingdom would never be shaken, thus reinforcing and expanding this Kingdom-bearing, revolutionary meaning.  And in Isaiah 55:1&3, this promise is opened further to all people: “Come, all you who are thirsty, come to the waters; and you who have no money, come, buy and eat! Come, buy wine and milk without money and without cost…Give ear and come to me, listen, that you may live. I will make an everlasting covenant with you, my faithful love promised to David.”

More than a gentle „papa“ 
The first word of this prayer contains not just intimacy but revolution. Not just familiarity, hope. Again, this is not to say that our images of God of a loving father are false! Far from it. But if we get stuck on an image of a gentle “papa” and fail to see the bigger, grander picture hidden in this image, we miss out on  tremendous depths of power and hope. Calling God “Father” is not merely comfortable or reassuring.  When we pray, “Our Father”, we pray with expectancy! We declare that we are awaiting the coming Kingdom, we anticipate revolution. We are claiming hope in the midst of darkness.  When we call God “Father”, we are saying: “I’m in! I’m a part of this.”  We engage fully with God’s story, and agree to step into the tension of the “already but not yet”, to borrow a famous theological phrase. 

What will change? 
If we truly understand that by calling God “Father” we are engaging in God’s story of redeeming and renewing the world, then our smallest actions are imbued with great meaning. How does this affect the way we create and perform, or write, or clean our houses or drink wine with friends? How can we more fully live into our identities as God’s beloved children as we go about our daily lives? 

Prayer: 
Our Father, thank you for the privilege of coming to you as your child.  Thank you for loving us, for delighting in us, for redeeming us.  Thank you that we get to help build for your kingdom.  Please transform our hearts with the knowledge of your love, with the realization of our identity as your beloved children. Capture our imaginations, mold our wills, and set us free to do the revolutionary work you have created us to do.  Amen. 

—–

I hope to attach a link each time of a setting of the Lord’s Prayer. I only have settings in English and German at the moment, but if you have a favorite setting in another language, please send it along! I’d love to hear it, and maybe include it with a future TuneIn in this series. Today we have one of my favorite settings: the Our Father from Ike Sturm’s Jazz Mass (2009):LINK

*I am writing this series of TuneIns from my notes for a small group study on the Lord’s Prayer I am leading for the American Church Berlin. I draw very heavily from three sources: Martin Luther’s A Simple Way to Pray, NT Wright’s The Lord and His Prayer, and Tim Keller’s Prayer (in which he in turn draws from Luther, John Calvin and St Augustine).  

Text: Lauren Franklin-Steinmetz / Cellist, Berlin 

DEUTSCH

Das Gebet des Herrn, das „Vaterunser“ ist uns vertraut. Vielleicht zuweilen zu vertraut. Manchmal sprechen wir es so dahin, ohne gross über den Inhalt nachzudenken. Besonders wenn wir in eher traditionellen, liturgisch geprägten Gottesdiensten zuhause sind, kommt es uns oft über die Lippen. Und das ist gut und richtig so. Aber wenn es uns allzu vertraut ist, merken wir nicht mehr, welche Kraft darin steckt. 
Wir möchten in den kommenden Wochen dem „Vaterunser“ Stück für Stück nachgehen und fragen, was Jesus hier über das Wesen Gottes und Seines Reiches sagt – und was dies alles mit uns zu tun hat.* 

„Unser Vater im Himmel…“
 

Johannes Calvin sagte: Wenn wir Gott unseren Vater nennen, beten wir im Namen Jesu. In seiner Institutioschrieb er: „Welcher Mensch wollte es wagen und sich die Ehre eines Gotteskindes anmassen, wenn er nicht wüsste, dass er durch die Gnade Christi als Kind angenommen wurde?“ In seinem berühmten Brief an seinen Barbier („Eine einfältige Weise zu beten“) schrieb Martin Luther, dass diese Anrede dazu dient, das wir nicht gleich ins Gebet hineinspringen, sondern uns zuerst unserer Stellung in Christus bewusst werden, bevor wir zu beten beginnen.  

Vaterbilder 
Viele von uns haben ein wärmendes und tröstendes Bild vom himmlischen Vater. Dies entspricht meiner eigenen Erfahrung. Aber da gibt es nicht wenige, die mit diesem Vokabular Mühe haben. Ich bin Menschen begegnet, die es irritierend finden, dass Gottes in unserer Sprache ein bestimmtes Geschlecht hat. Andere wurden von ihrem eigenen Vater so verletzt, dass sich das Bild des himmlischen Vaters mit einem tiefen Schmerz verbindet. Für sie alle gilt aber: Du bist wichtig und geliebt! Und die gute Nachricht  ist: Gott ist weitaus besser als der beste irdische Vater. – Was heisst aber „Vater“ im Kontext der gesamten Botschaft von Jesus und der Bibel? 

Die Botschaft des himmlischen Vaters: Freiheit und ein neues Königreich! 
Das Bild von Gott als Vater taucht in der hebräischen Bibel zum ersten Mal auf, wo Gott die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft anordnet: „Israel ist mein erstgeborener Sohn; und ich gebiete dir, dass du meinen Sohn ziehen lässt, dass er mir diene.“ (Exodus 4, 22f.). Wenn Jesus von Gott als „Vater“ spricht, verweist er auf eben diese Berufung und Befreiung Israels. Und wenn er seine Jünger anweist, Gott „Vater“ zu nennen, sind auch wir gerufen, einen neuen Exodus zu erwarten. Wir erwarten das Reich Gottes und Befreiung! In 2 Samuel 7,14 verheisst Gott dem König David einen Nachkommen, der über das Gottesvolk regieren und dessen Reich niemals untergehen wird. Mit dem Reich Gottes wird etwas Revolutionäres angesagt. In Jesaja 55, 1+3 lesen wir: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! … Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.“

Mehr als ein netter Papa 
Das erste Wort des „Vaterunser“ vermittelt somit nicht nur innige Vertrautheit, sondern auch Revolution und Hoffnung. Nicht dass unsere Bilder von Gott als liebender Vater falsch wären! Keineswegs. Aber wenn wir beim Bild eines netten „Papa“ stehenbleiben und nicht das grössere Bild darin entdecken, verpassen wir eine gewaltige Dimension der Kraft und Hoffnung. Gott „Vater“ nennen ist nicht nur etwas Gemütliches und Bestärkendes. Wir beten unter diesem Vorzeichen erwartungsvoll und bekunden, dass wir den Anbruch des Königreiches sehen und eine Revolution erleben werden. Inmitten der Dunkelheit schöpfen wir Hoffnung und bekunden, indem wir Gott „Vater“ nennen: „Ich bin dabei!“ Wir beziehen uns auf die ganze Geschichte Gottes mit uns Menschen und willigen ein, in die Spannung des „Schon jetzt, aber noch nicht“ einzutreten, um eine berühmte theologische Formel zu zitieren.  

Was ändert sich? 
Wenn wir wirklich verstehen, dass wir uns mit der Anrufung Gottes als „Vater“ in die Geschichte der Erlösung und Erneuerung der Welt einfügen, werden unsere noch so kleinen Taten durchdrungen von dieser grossen Bedeutung. Wird dies auch die Art und Weise, wie wir künstlerisch tätig sind, wie wir musizieren, schreiben oder auch unser Haus putzen oder mit Freunden ein Glas Wein trinken, prägen? Wie können wir noch bewusster unsere Identität als geliebte Kinder Gottes leben und dies in den Alltag einfliessen lassen?  

Gebet: 
Unser Vater. Danke für das Vorrecht, dass ich zu Dir als Kind kommen darf. Danke, dass Du uns liebst, dass Du Freude an uns hast und uns befreist. Danke, dass wir am Bau Deines Königreiches mitwirken dürfen. Hilf uns, dass wir mit verwandelten Herzen Deine Liebe erkennen dürfen. Danke, dass wir dies noch besser ergreifen dürfen: Wir sind Deine geliebten Kinder. Präge unsere Vorstellungskraft, forme unseren Willen und setz uns frei, damit wir so revolutionär wirken können, wie Du es uns zugedacht hast. Amen. 

Ich möchte jedesmal einen Link zum Teil des Vaterunser anfügen. Zur Zeit habe ich nur Links zu deutschen und englischen Vertonungen. Wer einen Beitrag in einer anderen Sprache kennt, kann uns einen entsprechenden Hinweis schicken, dem wir dann nachgehen und vielleicht in ein späteres TUNE IN einbauen. Heute kommt der Link zu einer meiner liebsten Vertonungen des Vaterunser: Aus der Jazz Messe von Ike Sturm (2009): LINK 

* Diese TUNE IN-Serie entsteht im Zusammenhang mit einer Studiengruppe zum Vaterunser, die ich in der „American Church“ in Berlin leite. Ich beziehe mich stark auf drei Quellen: Martin Luther: „Eine einfältige Weise zu beten“. NT Wright: „The Lord and His Prayer“ undTim Keller „Prayer“ (mit Bezügen zu Luther, Calvin und Augustinus).

Text: Lauren Franklin-Steinmetz, Cellistin / Berlin
Übersetzung: Beat Rink

ENGLISH

Shakespeare’s long Christmas  

Last week, we heard some thoughts on Epiphany. Immediately before Epiphany comes “Twelfth Night”, the end of the 12 days of Christmas. 

In 1601/2, Shakespeare wrote a play with this title. As usual, he did not invent the story, but largely used older material. His success was not due to the plots themselves, but to the way in which he filled them with life. As his audience no doubt wished, this light-hearted play supplied wonderful entertainment and did not touch on any serious aspect of Christmas at all. Apart from the siblings Sebastian and Viola, all the main characters have great illusions about themselves, but are freed from them in a series of turbulent events; only Malvolio refuses to laugh at himself and is left alone and bitter, while the others find true love, marriage and happiness. London at this time was a small town by modern standards with perhaps a little over 100,000 inhabitants, but was full of great talents in literature, theatre and music. The LINK to the perfect setting by Thomas Morley (1557-1602) of the Fool’s song in ii. 3. 

The King James Bible (“KJV”) also appeared in London during this time, in 1611. For centuries, Shakespeare and the KJV remained the most influential works in English language.  

A tradition develops

Despite this rich artistic tradition, the London theatres were closed, under the influence of the Puritan religious movement, in 1642. When they reopened in 1660, Shakespeare was performed again, but usually in adapted or “improved” versions. Purcell supplied music for “The Fairy Queen”, adapted from “A Midsummer Night’s Dream”. By 1769, something approaching “Shakespeare worship” was developing, surprisingly promoted by one of the leading “improvers”, the great actor David Garrick. (He preferred King Lear with a “happy ending”, for example, and wrote a final speech enabling Macbeth to die on stage instead of exiting fighting). Garrick also launched the first “pilgrimage” to Shakespeare’s birthplace. The first translations were made, and have in the meantime appeared in over 100 languages, showing that the plays touch hearts in many different cultures – whether in tragedy or comedy, the plays provide access to fundamental human truths.  

Do we need Shakespeare? 

When the BBC introduced its programme “Desert Island Discs” in 1942 (it is still running today), they invited a guest to imagine he was to be left on a lonely island to which he was allowed to take eight music recordings (the main subject of the programme), one luxury item, one book of his own choice and, inevitably, the Bible and the complete works of Shakespeare. It was obviously considered inconceivable to ask an educated English speaker to face life anywhere without these last two. 

At school in the 1950s and 60s, I heard the KJV daily and, in the higher classes at least, encountered Shakespeare frequently. This did not necessarily produce Christians or lovers of Shakespeare, but knowledge of them was seen as virtually essential. Since then, the Bible has largely disappeared in many schools, and Shakespeare comes and goes in educational planning: at the moment, he is making something of a comeback. In these last decades, there have also been countless “deconstructed” or “socially relevant” professional productions of Shakespeare alongside those still presenting a more traditional interpretation. But, as with classical music, much of this depends on government subsidies to keep it running, and there is tough competition in the marketplace for these cultural jewels. And how will the “social media” generation develop an interest in these works in the future? 

Prayer

Lord, I thank you for your gifts, for great creative talents, for the way that great art reveals the human heart. Thank you for placing me in the world of culture and for going with me. Give me good work to do, and let me work for your Kingdom. Amen.  

Text: Bill Buchanan

Entertainments: Shakespeare’s “Globe”, on the left the bear-baiting pit
Unterhaltungsviertel: Shakespeares „Globe“, links die Bärenhetze.

A 19thcentury production of “Twelfth Night”
Eine Inszenierung von “Zwölfte Nacht” im 19. Jahrhundert

William Shakespeare (1564-1616)

DEUTSCH

Shakespeares langes Weihnachtsfest 
Letzte Woche hörten wir Gedanken zum 6.Januar, zu Epiphanias (=Erscheinungsfest / 3 Könige). Unmittelbar vor diesem Fest kommt die „Zwölfte Nacht“ als Abschluss der zwölf Tage von Weihnachten. 
1601/2 schrieb Shakespeare ein Stück mit eben diesem Titel. Wie üblich erfand er die Geschichte nicht selber, sondern verwendete einen schon existierenden Stoff. Sein Erfolg gründete ohnehin nie auf den Handlungen seiner Stücke, sondern auf seiner Fähigkeit, übernommene Handlungen mit Leben auszufüllen. Wie es sich sein Publikum zweifellos wünschte, sorgte auch dieses Stück für wunderbare Unterhaltung, ohne dass es das eigentliche Thema von Weihnachten angesprochen hätte. Abgesehen von den Geschwistern Sebastian und Viola hegen alle Hauptfiguren große Illusionen über das eigene Leben; doch werden sie diese Illusionen in einer turbulenten Folge von Ereignissen schnell wieder los. Nur Malvolio weigert sich, über sich selber zu lachen und bleibt am Ende allein und verbittert zurück, während die anderen Liebe und eheliches Glück finden. 
Damals war London nach modernen Maßstäben eine kleine Stadt von vielleicht kaum 100.000 Einwohnern, aber erstaunlich voll von großen Talenten in Literatur, Theater und Musik. Hier ist ein LINK, der zum perfekten musikalischen Satz von Thomas Morley (1557-1602) zum Lied des Narren in ii. 3 führt. 
Zur selben Zeit erschien in London die „King James“ Bibelübersetzung (“KJV”, 1611). Über Jahrhunderte hinweg blieben Shakespeare und die KJV die einflussreichsten Werke englischer Sprache.  

Eine Tradition entsteht 
Trotz dieser reichen künstlerischen Vorgeschichte wurden 1642 unter Druck einer puritanischen religiösen Bewegung die Londoner Theater geschlossen. Nach der Wiedereröffnung im Jahre 1660 wurde Shakespeare nochmals aufgeführt, allerdings oft in adaptierten oder „verbesserten“ Fassungen. Purcell schrieb die Musik für „The Fairy Queen“, einer Adaptation des „Sommernachtstraums“. Mit einem Festival im Jahre 1769 brach sich langsam eine „Shakespeare-Anbetung“ Bahn, die überraschenderweise von einem der Exponenten der „Shakespeare-Verbesserer“ ausgegangen war, vom renommierten Schauspieler David Garrick. (Er zog es beispielsweise vor, König Lear mit einem “Happy end” aufzuführen, und für Macbeth schrieb er eine Schlussrede, damit letzterer auf der Bühne statt hinter den Kulissen sterben konnte). Auch initiierte Garrick die erste „Pilgerfahrt“ zum Geburtsort von Shakespeare. In dieser Zeit begann man, Shakespeare in verschiedene Sprache zu übersetzen. Inzwischen gibt es Shakespeare in über 100 Sprachen. Dies zeigt, wie sehr seine Stücke durch alleKulturen hindurch die Herzen erreichen. Ob Tragödien oder Komödien: Sie rühren an tiefe menschliche Wahrheiten. 

Brauchen wir Shakespeare? 
Als 1942 die BBC 1942 zum ersten Mal die Sendung “Desert Island Discs” ausstrahlte (sie läuft immer noch!), lud sie einen bekannten Gast ein, sich Folgendes vorzustellen: Auf einer einsamen Insel zurückgelassen, konnte man nur gerade acht Musikaufnahmen (dies war der Hauptinhalt der Sendung!) mitnehmen. Dazu einen Luxusgegenstand, ein Buch eigener Wahl und – wie könnte es anders sein – die Bibel und die kompletten Werke Shakespeares. Es war offensichtlich undenkbar, einen gebildeten Engländer ohne die beiden letzteren auf die Insel zu lassen. Als Schüler hörte ich in den 50er und 60er Jahren  täglich die „KJV“ und hatte es dann – wenigstens in den höheren Klassen– häufig mit Shakespeare zu tun. Natürlich sind wir dadurch nicht alle zu Christen oder zu Shakespeare-Fans geworden. Aber die Kenntnis dieser Bücher galt als einigermassen unentbehrlich. 
Seitdem ist die Bibel von vielen Schulen weitgehend verschwundenen, während Shakespeare in den Lehrplänen periodisch auftaucht und zwischendurch wieder verschwindet  – im Augenblick scheint er eher wieder „in“ zu sein. In den letzten Jahrzehnten sind neben traditionelleren Shakespeare-Interpretationen auch zahllose „dekonstruierte“ oder „sozial relevante” Inszenierungen erschienen. Aber –  ganz ähnlich wie in der klassischen Musik – hängt das Überleben des professionellen Theaters generell von staatlichen bzw. städtischen Geldern ab; der Markt für diese kulturellen Juwelen ist von hartem Wettbewerb geprägt. Wird in Zukunft auch die „Social media generation“ ein Interesse für diese Werke: für die Bibel und Shakespeare, entwickeln? 

Gebet 
Herr, hab Dank für deine Gaben, für große schöpferische Talente, für alle Einblicke ins menschliche Herz dank der Kunst. Danke, dass du mich in die Kulturwelt hinein gestellt hast und dass du mit mir mitgehst. Verhilf mir zu guter Arbeit in meinem Fach und lass mich für dein Reich arbeiten. 
Amen 
 

Text: Bill Buchanan 

Der von ARTS+ vergebene Kunst- und Kulturpreis wird auch 2019 verliehen. Prämiert werden künstlerische Werke (oder Institutionen/Projekte), die im Jahr 2018 den christlichen Glauben in der Öffentlichkeit thematisiert haben.

(mehr …)

ENGLISH

Shakespeare’s long Christmas  

Last week, we heard some thoughts on Epiphany. Immediately before Epiphany comes “Twelfth Night”, the end of the 12 days of Christmas. 

In 1601/2, Shakespeare wrote a play with this title. As usual, he did not invent the story, but largely used older material. His success was not due to the plots themselves, but to the way in which he filled them with life. As his audience no doubt wished, this light-hearted play supplied wonderful entertainment and did not touch on any serious aspect of Christmas at all. Apart from the siblings Sebastian and Viola, all the main characters have great illusions about themselves, but are freed from them in a series of turbulent events; only Malvolio refuses to laugh at himself and is left alone and bitter, while the others find true love, marriage and happiness. London at this time was a small town by modern standards with perhaps a little over 100,000 inhabitants, but was full of great talents in literature, theatre and music. The LINK to the perfect setting by Thomas Morley (1557-1602) of the Fool’s song in ii. 3. 

The King James Bible (“KJV”) also appeared in London during this time, in 1611. For centuries, Shakespeare and the KJV remained the most influential works in English language.  

A tradition develops

Despite this rich artistic tradition, the London theatres were closed, under the influence of the Puritan religious movement, in 1642. When they reopened in 1660, Shakespeare was performed again, but usually in adapted or “improved” versions. Purcell supplied music for “The Fairy Queen”, adapted from “A Midsummer Night’s Dream”. By 1769, something approaching “Shakespeare worship” was developing, surprisingly promoted by one of the leading “improvers”, the great actor David Garrick. (He preferred King Lear with a “happy ending”, for example, and wrote a final speech enabling Macbeth to die on stage instead of exiting fighting). Garrick also launched the first “pilgrimage” to Shakespeare’s birthplace. The first translations were made, and have in the meantime appeared in over 100 languages, showing that the plays touch hearts in many different cultures – whether in tragedy or comedy, the plays provide access to fundamental human truths.  

Do we need Shakespeare? 

When the BBC introduced its programme “Desert Island Discs” in 1942 (it is still running today), they invited a guest to imagine he was to be left on a lonely island to which he was allowed to take eight music recordings (the main subject of the programme), one luxury item, one book of his own choice and, inevitably, the Bible and the complete works of Shakespeare. It was obviously considered inconceivable to ask an educated English speaker to face life anywhere without these last two. 

At school in the 1950s and 60s, I heard the KJV daily and, in the higher classes at least, encountered Shakespeare frequently. This did not necessarily produce Christians or lovers of Shakespeare, but knowledge of them was seen as virtually essential. Since then, the Bible has largely disappeared in many schools, and Shakespeare comes and goes in educational planning: at the moment, he is making something of a comeback. In these last decades, there have also been countless “deconstructed” or “socially relevant” professional productions of Shakespeare alongside those still presenting a more traditional interpretation. But, as with classical music, much of this depends on government subsidies to keep it running, and there is tough competition in the marketplace for these cultural jewels. And how will the “social media” generation develop an interest in these works in the future? 

Prayer

Lord, I thank you for your gifts, for great creative talents, for the way that great art reveals the human heart. Thank you for placing me in the world of culture and for going with me. Give me good work to do, and let me work for your Kingdom. Amen.  

Text: Bill Buchanan

Entertainments: Shakespeare’s “Globe”, on the left the bear-baiting pit
Unterhaltungsviertel: Shakespeares „Globe“, links die Bärenhetze.

A 19thcentury production of “Twelfth Night”
Eine Inszenierung von “Zwölfte Nacht” im 19. Jahrhundert

William Shakespeare (1564-1616)

DEUTSCH

Shakespeares langes Weihnachtsfest 
Letzte Woche hörten wir Gedanken zum 6.Januar, zu Epiphanias (=Erscheinungsfest / 3 Könige). Unmittelbar vor diesem Fest kommt die „Zwölfte Nacht“ als Abschluss der zwölf Tage von Weihnachten. 
1601/2 schrieb Shakespeare ein Stück mit eben diesem Titel. Wie üblich erfand er die Geschichte nicht selber, sondern verwendete einen schon existierenden Stoff. Sein Erfolg gründete ohnehin nie auf den Handlungen seiner Stücke, sondern auf seiner Fähigkeit, übernommene Handlungen mit Leben auszufüllen. Wie es sich sein Publikum zweifellos wünschte, sorgte auch dieses Stück für wunderbare Unterhaltung, ohne dass es das eigentliche Thema von Weihnachten angesprochen hätte. Abgesehen von den Geschwistern Sebastian und Viola hegen alle Hauptfiguren große Illusionen über das eigene Leben; doch werden sie diese Illusionen in einer turbulenten Folge von Ereignissen schnell wieder los. Nur Malvolio weigert sich, über sich selber zu lachen und bleibt am Ende allein und verbittert zurück, während die anderen Liebe und eheliches Glück finden. 
Damals war London nach modernen Maßstäben eine kleine Stadt von vielleicht kaum 100.000 Einwohnern, aber erstaunlich voll von großen Talenten in Literatur, Theater und Musik. Hier ist ein LINK, der zum perfekten musikalischen Satz von Thomas Morley (1557-1602) zum Lied des Narren in ii. 3 führt. 
Zur selben Zeit erschien in London die „King James“ Bibelübersetzung (“KJV”, 1611). Über Jahrhunderte hinweg blieben Shakespeare und die KJV die einflussreichsten Werke englischer Sprache.  

Eine Tradition entsteht 
Trotz dieser reichen künstlerischen Vorgeschichte wurden 1642 unter Druck einer puritanischen religiösen Bewegung die Londoner Theater geschlossen. Nach der Wiedereröffnung im Jahre 1660 wurde Shakespeare nochmals aufgeführt, allerdings oft in adaptierten oder „verbesserten“ Fassungen. Purcell schrieb die Musik für „The Fairy Queen“, einer Adaptation des „Sommernachtstraums“. Mit einem Festival im Jahre 1769 brach sich langsam eine „Shakespeare-Anbetung“ Bahn, die überraschenderweise von einem der Exponenten der „Shakespeare-Verbesserer“ ausgegangen war, vom renommierten Schauspieler David Garrick. (Er zog es beispielsweise vor, König Lear mit einem “Happy end” aufzuführen, und für Macbeth schrieb er eine Schlussrede, damit letzterer auf der Bühne statt hinter den Kulissen sterben konnte). Auch initiierte Garrick die erste „Pilgerfahrt“ zum Geburtsort von Shakespeare. In dieser Zeit begann man, Shakespeare in verschiedene Sprache zu übersetzen. Inzwischen gibt es Shakespeare in über 100 Sprachen. Dies zeigt, wie sehr seine Stücke durch alleKulturen hindurch die Herzen erreichen. Ob Tragödien oder Komödien: Sie rühren an tiefe menschliche Wahrheiten. 

Brauchen wir Shakespeare? 
Als 1942 die BBC 1942 zum ersten Mal die Sendung “Desert Island Discs” ausstrahlte (sie läuft immer noch!), lud sie einen bekannten Gast ein, sich Folgendes vorzustellen: Auf einer einsamen Insel zurückgelassen, konnte man nur gerade acht Musikaufnahmen (dies war der Hauptinhalt der Sendung!) mitnehmen. Dazu einen Luxusgegenstand, ein Buch eigener Wahl und – wie könnte es anders sein – die Bibel und die kompletten Werke Shakespeares. Es war offensichtlich undenkbar, einen gebildeten Engländer ohne die beiden letzteren auf die Insel zu lassen. Als Schüler hörte ich in den 50er und 60er Jahren  täglich die „KJV“ und hatte es dann – wenigstens in den höheren Klassen– häufig mit Shakespeare zu tun. Natürlich sind wir dadurch nicht alle zu Christen oder zu Shakespeare-Fans geworden. Aber die Kenntnis dieser Bücher galt als einigermassen unentbehrlich. 
Seitdem ist die Bibel von vielen Schulen weitgehend verschwundenen, während Shakespeare in den Lehrplänen periodisch auftaucht und zwischendurch wieder verschwindet  – im Augenblick scheint er eher wieder „in“ zu sein. In den letzten Jahrzehnten sind neben traditionelleren Shakespeare-Interpretationen auch zahllose „dekonstruierte“ oder „sozial relevante” Inszenierungen erschienen. Aber –  ganz ähnlich wie in der klassischen Musik – hängt das Überleben des professionellen Theaters generell von staatlichen bzw. städtischen Geldern ab; der Markt für diese kulturellen Juwelen ist von hartem Wettbewerb geprägt. Wird in Zukunft auch die „Social media generation“ ein Interesse für diese Werke: für die Bibel und Shakespeare, entwickeln? 

Gebet 
Herr, hab Dank für deine Gaben, für große schöpferische Talente, für alle Einblicke ins menschliche Herz dank der Kunst. Danke, dass du mich in die Kulturwelt hinein gestellt hast und dass du mit mir mitgehst. Verhilf mir zu guter Arbeit in meinem Fach und lass mich für dein Reich arbeiten. 
Amen 
 

Text: Bill Buchanan 

Liebes Mitglied, liebe Interessierte oder lieber Interessierter
Herzlich willkommen im neuen Jahr!

«Kunst macht sichtbar, was wir fühlen, denken, fürchten oder wünschen. – Kunst ist, wenn es einem Menschen gelingt, etwas Sichtbares zu kreieren, das über die Welt und das Leben, das Lieben und Leiden etwas so Einzigartiges und Berührendes ausdrückt, dass andere es als wahr oder schön empfinden.»

Mit dieser Antwort von Sam Keller, Museumsdirektor der Fondation Beyeler in Riehen auf die Frage «Was ist Kunst?», begrüssen wir dich zum ersten Newsletter in diesem Jahr.
Wir haben einige Ausschreibungen – die ja sonst nur im Newsletter für Mitglieder angegeben sind – für dich und die aktuellsten Informationen zum arts+SYMPOSIUM 1.0.

Dein ARTS+ Team


 P R O J E K T E

Gesellschaftliche Tendenzen
als Anfrage an eine
christlich geprägte Ästhetik.

Der ThinkTank mit Dr. Andrzej Turkanik

am arts+SYMPOSIUM 1.0

Anmelden kann man sich noch bis zum 31. Januar 2019 über die Website:
https://artsplussymposium.jimdofree.com/symposium/

Weil wir heute gemeinsam die Gesellschaft von morgen prägen. Weitere Inputs, RoundTables, interaktive ThinkTanks und Debatten gibts z.B. auch mit der Designerin Eva Jung. Provokant titelt sie: “Kreativer Befreiungsschlag. Was das Evangelium mit der Kunst zu schaffen hat”. Die Website wird laufend aktualisiert. Bei Fragen kannst du uns auch jederzeit über info@ap.weiter.ch kontaktieren.

A N M E L D U N G

Am 09.01.2019 wurde auf Radio Life Channel der Beitrag mit dem Titel: Symposium für Kunst, Kultur und Kirche ausgestrahlt.  Sendung anhören

Prix Plus
In regelmässigen Abständen verleiht ARTS+ den PrixPlus – auch 2019. Nominationen und Eingaben werden ab sofort und bis spätestens Ende Juni 2019 entgegen genommen. Prämiert werden künstlerische Werke (oder Institutionen/Projekte), die im Jahr 2018 den christlichen Glauben in der Öffentlichkeit thematisiert haben. Hier geht’s zum Eingabeformular:
Link


O P E N  C A L L S

Junge Talente verdienen Förderung
Christian Artists Seminar, 29. Juli – 1. August. Ort: SBI, Doorn, Holland
Das Christian Artist Seminary ermöglicht jungen Kunstschaffenden aus allen Sparten eine Teilnahme. Das Sponsoring enthält die Seminargebühr des Christian Artists Seminar (295 Euro) sowie den Aufenthalt im Konferenzzentrum (295 Euro).  Anmeldung: bis 31. Januar 2019

A U S S C H R E I B U N G

Nachwuchsförderung für Kleinkunst
KünstlerInnen oder Künstlerkollektive, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, erhalten von JUNGSEGLER (Nachwuchspreis für Kleinkunst) die Möglichkeit, ihre Produktion abendfüllend vor Publikum und einer Fachjury zu präsentieren. mehr Infos Anmeldung: bis 17. Februar 2019

A U S S C H R E I B U N G

Tanzprojeke/ kurze Stücke
www.incidanse.ch Diese Plattform richtet sich an angehende Choreoraphen, die eine gute choreographische Erfahrung nachweisen können und eine professionelle oder gleichwertige Ausbildung absolviert haben. Anmeldung: bis 30. April 2019

A U S S C H R E I B U N G


W I S S E N S W E R T E S

Mitglied sein
ARTS+ ist ein Runder Tisch von Kunst-Institutionen und -Netzwerken sowie Einzelkünstlern mit dem Ziel, Synergien zu erkennen und zu nutzen weil wir gemeinsam stärker sind.

Ausserdem: Lasst uns wissen, was ihr braucht, was ihr euch wünscht, was euch beschäftigt. Wir versuchen eure Themen und Bedürfnisse aufzugreifen.

M I T G L I E D W E R D E N

Für alle Mitglieder, die bereits in unserer Künstlerdatenbank registriert sind und ihr eigenes Profil haben: WordPress (unser CMS) hat sich weiter entwickelt und die Benutzeroberfläche sieht nicht mehr so aus wie gewohnt. Wenn ihr also Probleme bei der Profilbearbeitung habt, lasst es uns wissen. info@ap.weiter.ch


Since we began with the TUNE INs in January, 2016, they have appeared every week. We receive a lot of encouraging feedback, which is a great motivation for us to continue.  We have noticed, however, that these weekly appearances are too frequent for many readers. And we, in view of the growing tasks in our Crescendo work, are reaching certain limits on our capacity. 

We have therefore decided to publish the TUNE INs less often: in concrete terms, usually twice instead of four times per month.  At the same time, the TUNE INs are being translated into an increasing number of languages! Besides English and German, they have appeared sporadically in French, Russian, Spanish, Greek and Lithuanian. Now Hungarian is being added! 

Would you allow us to talk about the financial side as well? Sending out the TUNE INs costs us around €2500 every year. This is not including other expenses (such such as our own work). As a Christian non-profit organisation, we are dependent on donations and are therefore very grateful for every contribution. In the meantime we are also developing plans for a book with a collection of TUNE INs. All of this will only be possible thanks to donations. We are grateful for every little bit of help! Please, use this LINK

Everyone is of course always free to send the TUNE INs to others!  With hearty thanks and wishing you many blessings in 2019! 

The TUNE IN editorial team

DEUTSCH

Seit wir mit den TUNE INs im Januar 2016 begonnen haben, erscheinen sie wöchentlich. Uns erreichen viele ermutigende Feedbacks, die uns sehr motivieren, weiterzumachen. Wir haben aber gemerkt, dass der Rhythmus der wöchentlichen Erscheinungsweis für viele Leser zu hoch ist. Auch wir kommen neben den wachsenden Aufgaben in unserer Crescendo-Arbeit an gewisse Kapazitätsgrenzen. 

Wir haben uns deshalb entschlossen, die TUNE INs weniger oft erscheinen lassen: generell eher zweimal statt viermal pro Monat.  Dafür werden die TUNE INs in immer mehr Sprachen übersetzt! Bisher sind sie neben Englisch und Deutsch sporadisch auch auf Französisch, Griechisch, Russisch, Spanisch und Litauisch erschienen. Nun kommt Ungarisch dazu! 

Dürfen wir noch eine finanzielle Seite ansprechen? Der Versand der TUNE IN kostet uns jedes Jahr rund 2500 Euros. Andere Kosten (auch unsere eigene Arbeit) ist dabei nicht eingerechnet. Als christliche Non Profit-Organisation leben wir von Spenden und sind deshalb für jeden Beitrag sehr dankbar. Wir denken mittlerweile auch an ein Buch mit gesammelten TUNE INs. All dies wird nur dank Spenden möglich. Danke für jede Mithilfe via diesen LINK.

Natürlich darf man die TUNE INs immer auch anderen weiterleiten!  Mit herzlichem Dank und vielen Segenswünschen für’s 2019 ! 

Das TUNE IN Herausgeber-Team 

Since we began with the TUNE INs in January, 2016, they have appeared every week. We receive a lot of encouraging feedback, which is a great motivation for us to continue.  We have noticed, however, that these weekly appearances are too frequent for many readers. And we, in view of the growing tasks in our Crescendo work, are reaching certain limits on our capacity. 

We have therefore decided to publish the TUNE INs less often: in concrete terms, usually twice instead of four times per month.  At the same time, the TUNE INs are being translated into an increasing number of languages! Besides English and German, they have appeared sporadically in French, Russian, Spanish, Greek and Lithuanian. Now Hungarian is being added! 

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Everyone is of course always free to send the TUNE INs to others!  With hearty thanks and wishing you many blessings in 2019! 

The TUNE IN editorial team

DEUTSCH

Seit wir mit den TUNE INs im Januar 2016 begonnen haben, erscheinen sie wöchentlich. Uns erreichen viele ermutigende Feedbacks, die uns sehr motivieren, weiterzumachen. Wir haben aber gemerkt, dass der Rhythmus der wöchentlichen Erscheinungsweis für viele Leser zu hoch ist. Auch wir kommen neben den wachsenden Aufgaben in unserer Crescendo-Arbeit an gewisse Kapazitätsgrenzen. 

Wir haben uns deshalb entschlossen, die TUNE INs weniger oft erscheinen lassen: generell eher zweimal statt viermal pro Monat.  Dafür werden die TUNE INs in immer mehr Sprachen übersetzt! Bisher sind sie neben Englisch und Deutsch sporadisch auch auf Französisch, Griechisch, Russisch, Spanisch und Litauisch erschienen. Nun kommt Ungarisch dazu! 

Dürfen wir noch eine finanzielle Seite ansprechen? Der Versand der TUNE IN kostet uns jedes Jahr rund 2500 Euros. Andere Kosten (auch unsere eigene Arbeit) ist dabei nicht eingerechnet. Als christliche Non Profit-Organisation leben wir von Spenden und sind deshalb für jeden Beitrag sehr dankbar. Wir denken mittlerweile auch an ein Buch mit gesammelten TUNE INs. All dies wird nur dank Spenden möglich. Danke für jede Mithilfe via diesen LINK.

Natürlich darf man die TUNE INs immer auch anderen weiterleiten!  Mit herzlichem Dank und vielen Segenswünschen für’s 2019 ! 

Das TUNE IN Herausgeber-Team 

ENGLISH

In the Western Church, 6 January is the day on which the Three Kings are remembered. We read about them in Matthew 2, 1-12. What can this story say to us today?  

1.
Jesus reveals himself to the outsiders 

“After Jesus was born in Bethlehem in Judea, during the time of King Herod, Magi from the east came to Jerusalem and asked, “Where is the one who has been born King of the Jews? We saw his star in the East and have come to worship him.” 

From the very first moment, the event of Jesus’ birth is universal, it encompasses the world, so to speak. First of all, there is the geographical origin of these kings: they come from far away, from Babylon. And then there is their social origin: they are not in fact kings, but “magoi” (= Greek for astrologers or members of the Babylonian priestly caste) and therefore not necessarily spiritual insiders. Jesus can show himself to complete “outsiders” as well.  

I have just read a book written by a woman who is a complete outsider where the church is concerned. She is furthermore a secular journalist who says the following about herself: “My life is based on facts, on my job, on my country. For us, the basis of everything is that one asks questions, looks for proof, finds answers, continues learning as time goes on. But suddenly I know something that I did not yet know half hour before and which I cannot prove.”
Jesus met the Danish journalist Charlotte Rørth in a vision which she had in a Spanish church. Previously, she had only known about Jesus from a distance. Now she saw him so clearly and definitely in front of her – surrounded by his disciples – that for her there was no more doubt: “He was simply there, and he is alive! And He loves me so much that I have no choice but simply to love others too.” When she came out of the church, she heard this question from others: “Why are you surrounded by such a light? You are really shining!” – Her book, “I met Jesus”,is especially encouraging for all who no longer believe that secularised intellectuals (as many artists are) can have a life-changing encounter with Jesus.  

2. 
No alliance with power

The Wise Men first of all make their way to Herod, to the centre of power. This is understandable. How could they know that God had chosen a cattle stall as the place to come into the world? 
We have no right to criticise the “Kings” for this. Do we not know the same phenomenon in ourselves, that we humans instinctively seek the centre of power? Power is attractive: political power, economic power. And with the work of the sociologist Pierre Bourdieu (1930-2002),at the latest, we have become aware that culture too is a kind of capital and often a means of exerting power. And in the churches there is also a religious power which is more human than divine. When we take our orientation more from such powers than from Christ, we are exposed to danger. We reinforce these powers. We bind ourselves to them. Then we even lose spiritual authority and lose the courage to stand up against these powers and to show the people caught up in them a way out. Where in life have we taken our orientation from authorities? Where and how have we let them take advantage of us? Let us free ourselves from them! 

“When King Herod he was disturbed, and all Jerusalem with him. When he had called together all the people’s chief priests and teachers of the law, he asked them where the Christ was to be born. “In Bethlehem in Judaea,” they replied, “for this is what the prophet has written:”  »But you, Bethlehem, in the land of Judah, are by no means least among the rulers of Judah; four out of you will come to rule out who will be the shepherd of my people Israel.« Then Herod called the Magi secretly and found out from them the exact time when the star had appeared. He sent them to Bethlehem and said, “Go and make a careful search for the child. As soon as you find him, reported it to me, so that I too may go and worship him.” 

Bach illustrates these words of Herod wonderfully in the Christmas Oratorio (Part VI, No. 56). His musical diction betrays the fact that he is duplicitous. 

3. 
The Wise Men worship

“After they had heard the king, they went on their way, and the star they had seen in the east went ahead of them until it stopped over the place where the child was. When they saw the star, they were overjoyed. On coming to the house, they saw the child with his mother Mary, and they bowed down and worshipped him. Then they opened their treasures and presented him with gifts of gold and of incense and of myrrh.”

As the story was passed down, the Wise Men soon became Kings. This is not how it is put in the Bible, of course, but in the legend, which may have taken its lead from Isaiah 60, 3: “Nations will come to your light, and kings to the brightness of your dawn.” And they become three Kings, who furthermore lay down their crowns.  At this point of adoration in the Christmas Oratorio, Bachweaves in this chorale text by Paul Gerhard (No. 59) 

Ich steh an deiner Krippen hier,  (I stand here by your crib)
O Jesulein, mein Leben;   (Oh Jesus, my life)
Ich komme, bring und schenke dir,  (I come, bringing and giving you)
Was du mir hast gegeben.  (What you have given me)
Nimm hin! Es ist mein Geist und Sinn, (Receive it! My spirit and my mind)
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin, (heart, soul and vigour: receive it all)
Und lass dir’s wohl gefallen!  (and may it be pleasing to you!)

This is a little sweet and Baroque, but also simple and strong. It is nothing less than committing oneself fully to the greatest of kings, yet a king who makes no attempt to impose his power on us. Paul Gerhard’s chorale is a wonderful text which one can make one’s own personal prayer. 
Charlotte Rørth writes that Jesus exerted no force in the two encounters which she had with him, and made no demands on her. He said only this: “I am relying on you!” – And this no doubt meant: “I am trusting you to tell others about me.” 
Afterwards, the Kings told Herod nothing about all this, but they surely did tell their friends in Babylon… 

“And having been warned in a dream not to go back to Herod, they returned to their country by another route.”

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
Picture: Autumn cathedral, France (1120-1146)

DEUTSCH

Am 6.Januar erinnert man sich in der Westkirche an die Heiligen Drei Könige. Wir lesen von ihnen in Matthäus 2, 1-12. Was kann uns die Geschichte heute sagen?  

1. 
Jesus offenbart sich den Outsidern 

“Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.”

Das Ereignis der Geburt Jesu ist vom ersten Moment an universell, sozusagen weltumspannend. Da ist einmal die geographische Herkunft der Weisen: Sie kommen von weither, aus Babylonien. Und dann die soziale Herkunft: Es sind keine Könige, sondern „magoi“ (= griechisch für Sterndeuter oder Angehörige der babylonischen Priesterkaste), also nicht unbedingt geistliche Insider.Jesus kann sich auch den völligen „Outsidern“ zeigen.  

Ich habe gerade ein Buch gelesen, das eine völlige Kirchen-Outsiderin geschrieben hat. Dazu eine säkulare Journalistin, die von sich selbst schreibt: „Mein Leben gründet sich auf Fakten, auf meinen Job, auf mein Land. Bei uns gründet sich alles darauf, dass man Fragen stellt, nach Beweisen sucht, Antworten bekommt, mit der Zeit dazulernt. Aber auf einmal weiss ich etwas, was ich vor einer halben Stunde noch nicht wusste und was ich nicht beweisen kann.“ Jesus begegnete der dänischen Journalistin Charlotte Rørth (*1962) in einer Vision, die sie in einer spanischen Kirche überkam. Sie wusste vorher nur von Ferne von Jesus. Nun sah sie ihn so deutlich und klar vor sich – inmitten seiner Jünger, dass es für sie keinen Zweifel mehr gab: „Er war einfach da, und er lebt! Und Er liebt mich so sehr, dass auch ich andere einfach nur lieben kann.“ Als sie aus der Kirche tritt, fragen andere: „Warum umgibt dich so ein Licht? Du leuchtest ja!“ – Das Buch „Die Frau, die nicht an Gott glaubte und Jesus traf“ ist besonders ermutigend für alle, die nicht mehr daran glauben, dass säkularisierte Intelektuelle (dazu gehören auch viele Künstler) eine lebensverändernde Jesus-Begegnung haben können.  

2. 
Keine Allianz mit der Macht 

Die Weisen reisen zuerst zu Herodes, ins Zentrum der Macht. Man kann das verstehen. Wie sollen sie wissen, dass Gott einen Stall ausgewählt hat, um zur Welt zu kommen? 
Wir haben kein Recht, die „Könige“ dafür zu verurteilen. Kennen wir das nicht selber auch: Wir Menschen suchen instinktiv das Zentrum der Macht? Macht ist attraktiv: Politische Macht, ökonomische Macht. Und spätestens seit dem Soziologen Pierre Bourdieu (1930-2002) wissen wir: Auch Kultur ist ein Kapital und oft ein Machtmittel. Und es gibt in den Kirchen auch religiöse Macht, die mehr menschlich als göttlich ist.Wenn wir uns an solchen Mächten orientieren statt an Christus, wird es gefährlich. Wir stärken diese Mächte. Wir selber binden uns an sie. Wir verlieren dann sogar die geistliche Autorität und den Mut, diesen Mächten entgegenzutreten und den darin gefangenen Menschen einen Ausweg zu zeigen.Wo haben wir an Autoritäten orientiert? Wo und wie haben wir von ihnen vereinnahmen lassen? Werden wir sie los! 

“Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«  Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.”

Wunderbar illustriert Bach diesen Satz im des Herodes Weihnachtsoratorium (Teil VI, Nr.56). Er offenbart durch seine verräterische musikalische Diktion, dass er heuchelt.   

3. 
Anbetung der Weisen

“Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.”

 Aus den Weisen werden in der Überlieferung bald Könige. Wohlverstanden: nicht in der Bibel, aber in der Legende, die sich wohl an Jesaja 60, 3 orientiert:  „Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz.“ Und es werden drei Könige, die auch ihre Kronen niederlegen.  Bach flicht im Weihnachtsoratorium an dieser Stelle der Anbetung den Choral von Paul Gerhard ein (Nr.59):

Ich steh an deiner Krippen hier, 
O Jesulein, mein Leben;
Ich komme, bring und schenke dir,
Was du mir hast gegeben.
Nimm hin! Es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin,                       
Und lass dir’s wohl gefallen! 

Das ist etwas süss und barock, aber auch schlicht und stark. Es ist nichts anderes als eine völlige Hingabe an den grössten König, der keine Machtansprüche an uns hat. Der Choral von Paul Gerhard ist ein wunderbarer Text, den man zum eigenen Gebet machen kann.Charlotte Rørth schreibt, dass Jesus in den zwei Begegnungen, die sie mit ihm hatte, keinerlei Macht ausübte und keine Ansprüche an sie stellte. Er sagte nur: „Ich verlasse mich auf dich!“ – Und das hiess wohl: Ich vertraue dir, dass du von mir weitererzählst.  
Die Könige erzählten es Herodes nicht   weiter, sondern wohl ihren Freunden in Babylonien… 

“Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.”

Text: Beat Rink
Foto: Autumn cathedral, France (1120-1146)

ENGLISH

In the Western Church, 6 January is the day on which the Three Kings are remembered. We read about them in Matthew 2, 1-12. What can this story say to us today?  

1.
Jesus reveals himself to the outsiders 

“After Jesus was born in Bethlehem in Judea, during the time of King Herod, Magi from the east came to Jerusalem and asked, “Where is the one who has been born King of the Jews? We saw his star in the East and have come to worship him.” 

From the very first moment, the event of Jesus’ birth is universal, it encompasses the world, so to speak. First of all, there is the geographical origin of these kings: they come from far away, from Babylon. And then there is their social origin: they are not in fact kings, but “magoi” (= Greek for astrologers or members of the Babylonian priestly caste) and therefore not necessarily spiritual insiders. Jesus can show himself to complete “outsiders” as well.  

I have just read a book written by a woman who is a complete outsider where the church is concerned. She is furthermore a secular journalist who says the following about herself: “My life is based on facts, on my job, on my country. For us, the basis of everything is that one asks questions, looks for proof, finds answers, continues learning as time goes on. But suddenly I know something that I did not yet know half hour before and which I cannot prove.”
Jesus met the Danish journalist Charlotte Rørth in a vision which she had in a Spanish church. Previously, she had only known about Jesus from a distance. Now she saw him so clearly and definitely in front of her – surrounded by his disciples – that for her there was no more doubt: “He was simply there, and he is alive! And He loves me so much that I have no choice but simply to love others too.” When she came out of the church, she heard this question from others: “Why are you surrounded by such a light? You are really shining!” – Her book, “I met Jesus”,is especially encouraging for all who no longer believe that secularised intellectuals (as many artists are) can have a life-changing encounter with Jesus.  

2. 
No alliance with power

The Wise Men first of all make their way to Herod, to the centre of power. This is understandable. How could they know that God had chosen a cattle stall as the place to come into the world? 
We have no right to criticise the “Kings” for this. Do we not know the same phenomenon in ourselves, that we humans instinctively seek the centre of power? Power is attractive: political power, economic power. And with the work of the sociologist Pierre Bourdieu (1930-2002),at the latest, we have become aware that culture too is a kind of capital and often a means of exerting power. And in the churches there is also a religious power which is more human than divine. When we take our orientation more from such powers than from Christ, we are exposed to danger. We reinforce these powers. We bind ourselves to them. Then we even lose spiritual authority and lose the courage to stand up against these powers and to show the people caught up in them a way out. Where in life have we taken our orientation from authorities? Where and how have we let them take advantage of us? Let us free ourselves from them! 

“When King Herod he was disturbed, and all Jerusalem with him. When he had called together all the people’s chief priests and teachers of the law, he asked them where the Christ was to be born. “In Bethlehem in Judaea,” they replied, “for this is what the prophet has written:”  »But you, Bethlehem, in the land of Judah, are by no means least among the rulers of Judah; four out of you will come to rule out who will be the shepherd of my people Israel.« Then Herod called the Magi secretly and found out from them the exact time when the star had appeared. He sent them to Bethlehem and said, “Go and make a careful search for the child. As soon as you find him, reported it to me, so that I too may go and worship him.” 

Bach illustrates these words of Herod wonderfully in the Christmas Oratorio (Part VI, No. 56). His musical diction betrays the fact that he is duplicitous. 

3. 
The Wise Men worship

“After they had heard the king, they went on their way, and the star they had seen in the east went ahead of them until it stopped over the place where the child was. When they saw the star, they were overjoyed. On coming to the house, they saw the child with his mother Mary, and they bowed down and worshipped him. Then they opened their treasures and presented him with gifts of gold and of incense and of myrrh.”

As the story was passed down, the Wise Men soon became Kings. This is not how it is put in the Bible, of course, but in the legend, which may have taken its lead from Isaiah 60, 3: “Nations will come to your light, and kings to the brightness of your dawn.” And they become three Kings, who furthermore lay down their crowns.  At this point of adoration in the Christmas Oratorio, Bachweaves in this chorale text by Paul Gerhard (No. 59) 

Ich steh an deiner Krippen hier,  (I stand here by your crib)
O Jesulein, mein Leben;   (Oh Jesus, my life)
Ich komme, bring und schenke dir,  (I come, bringing and giving you)
Was du mir hast gegeben.  (What you have given me)
Nimm hin! Es ist mein Geist und Sinn, (Receive it! My spirit and my mind)
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin, (heart, soul and vigour: receive it all)
Und lass dir’s wohl gefallen!  (and may it be pleasing to you!)

This is a little sweet and Baroque, but also simple and strong. It is nothing less than committing oneself fully to the greatest of kings, yet a king who makes no attempt to impose his power on us. Paul Gerhard’s chorale is a wonderful text which one can make one’s own personal prayer. 
Charlotte Rørth writes that Jesus exerted no force in the two encounters which she had with him, and made no demands on her. He said only this: “I am relying on you!” – And this no doubt meant: “I am trusting you to tell others about me.” 
Afterwards, the Kings told Herod nothing about all this, but they surely did tell their friends in Babylon… 

“And having been warned in a dream not to go back to Herod, they returned to their country by another route.”

Text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan
Picture: Autumn cathedral, France (1120-1146)

DEUTSCH

Am 6.Januar erinnert man sich in der Westkirche an die Heiligen Drei Könige. Wir lesen von ihnen in Matthäus 2, 1-12. Was kann uns die Geschichte heute sagen?  

1. 
Jesus offenbart sich den Outsidern 

“Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.”

Das Ereignis der Geburt Jesu ist vom ersten Moment an universell, sozusagen weltumspannend. Da ist einmal die geographische Herkunft der Weisen: Sie kommen von weither, aus Babylonien. Und dann die soziale Herkunft: Es sind keine Könige, sondern „magoi“ (= griechisch für Sterndeuter oder Angehörige der babylonischen Priesterkaste), also nicht unbedingt geistliche Insider.Jesus kann sich auch den völligen „Outsidern“ zeigen.  

Ich habe gerade ein Buch gelesen, das eine völlige Kirchen-Outsiderin geschrieben hat. Dazu eine säkulare Journalistin, die von sich selbst schreibt: „Mein Leben gründet sich auf Fakten, auf meinen Job, auf mein Land. Bei uns gründet sich alles darauf, dass man Fragen stellt, nach Beweisen sucht, Antworten bekommt, mit der Zeit dazulernt. Aber auf einmal weiss ich etwas, was ich vor einer halben Stunde noch nicht wusste und was ich nicht beweisen kann.“ Jesus begegnete der dänischen Journalistin Charlotte Rørth (*1962) in einer Vision, die sie in einer spanischen Kirche überkam. Sie wusste vorher nur von Ferne von Jesus. Nun sah sie ihn so deutlich und klar vor sich – inmitten seiner Jünger, dass es für sie keinen Zweifel mehr gab: „Er war einfach da, und er lebt! Und Er liebt mich so sehr, dass auch ich andere einfach nur lieben kann.“ Als sie aus der Kirche tritt, fragen andere: „Warum umgibt dich so ein Licht? Du leuchtest ja!“ – Das Buch „Die Frau, die nicht an Gott glaubte und Jesus traf“ ist besonders ermutigend für alle, die nicht mehr daran glauben, dass säkularisierte Intelektuelle (dazu gehören auch viele Künstler) eine lebensverändernde Jesus-Begegnung haben können.  

2. 
Keine Allianz mit der Macht 

Die Weisen reisen zuerst zu Herodes, ins Zentrum der Macht. Man kann das verstehen. Wie sollen sie wissen, dass Gott einen Stall ausgewählt hat, um zur Welt zu kommen? 
Wir haben kein Recht, die „Könige“ dafür zu verurteilen. Kennen wir das nicht selber auch: Wir Menschen suchen instinktiv das Zentrum der Macht? Macht ist attraktiv: Politische Macht, ökonomische Macht. Und spätestens seit dem Soziologen Pierre Bourdieu (1930-2002) wissen wir: Auch Kultur ist ein Kapital und oft ein Machtmittel. Und es gibt in den Kirchen auch religiöse Macht, die mehr menschlich als göttlich ist.Wenn wir uns an solchen Mächten orientieren statt an Christus, wird es gefährlich. Wir stärken diese Mächte. Wir selber binden uns an sie. Wir verlieren dann sogar die geistliche Autorität und den Mut, diesen Mächten entgegenzutreten und den darin gefangenen Menschen einen Ausweg zu zeigen.Wo haben wir an Autoritäten orientiert? Wo und wie haben wir von ihnen vereinnahmen lassen? Werden wir sie los! 

“Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«  Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.”

Wunderbar illustriert Bach diesen Satz im des Herodes Weihnachtsoratorium (Teil VI, Nr.56). Er offenbart durch seine verräterische musikalische Diktion, dass er heuchelt.   

3. 
Anbetung der Weisen

“Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.”

 Aus den Weisen werden in der Überlieferung bald Könige. Wohlverstanden: nicht in der Bibel, aber in der Legende, die sich wohl an Jesaja 60, 3 orientiert:  „Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz.“ Und es werden drei Könige, die auch ihre Kronen niederlegen.  Bach flicht im Weihnachtsoratorium an dieser Stelle der Anbetung den Choral von Paul Gerhard ein (Nr.59):

Ich steh an deiner Krippen hier, 
O Jesulein, mein Leben;
Ich komme, bring und schenke dir,
Was du mir hast gegeben.
Nimm hin! Es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin,                       
Und lass dir’s wohl gefallen! 

Das ist etwas süss und barock, aber auch schlicht und stark. Es ist nichts anderes als eine völlige Hingabe an den grössten König, der keine Machtansprüche an uns hat. Der Choral von Paul Gerhard ist ein wunderbarer Text, den man zum eigenen Gebet machen kann.Charlotte Rørth schreibt, dass Jesus in den zwei Begegnungen, die sie mit ihm hatte, keinerlei Macht ausübte und keine Ansprüche an sie stellte. Er sagte nur: „Ich verlasse mich auf dich!“ – Und das hiess wohl: Ich vertraue dir, dass du von mir weitererzählst.  
Die Könige erzählten es Herodes nicht   weiter, sondern wohl ihren Freunden in Babylonien… 

“Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.”

Text: Beat Rink
Foto: Autumn cathedral, France (1120-1146)

Für die erste Ausgabe von JUNGSEGLER werden junge Produktionen aus dem Bereich Kleinkunst gesucht.
KünstlerInnen oder Künstlerkollektive, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, erhalten von JUNGSEGLER die Möglichkeit, ihre Produktion abendfüllend vor Publikum und einer Fachjury zu präsentieren.

mehr Infos

Bewerbungsschluss: So, 17. Februar 2019


Die fünfte Ausgabe der „Plate-forme InciDanse
Fribourg“, welche alle zwei Jahre organisiert wird, wird
im “Nouveau Monde” in Freiburg am 11., 12. und 13.
Oktober 2019 stattfinden.

Diese Plattform richtet sich an angehende Choreoraphen,
die eine gute choreographische Erfahrung
nachweisen können und eine professionelle oder
gleichwertige Ausbildung absolviert haben. Das
Mindes alter beträgt 20 Jahre zum Zeitpunkt der Aufführung.

Anmeldung: bis zum 30. April 2019

www.incidanse.ch


La cinquième édition de la Plate-forme InciDanse Fribourg, organisée de façon bisannuelle, aura lieu au Nouveau Monde à Fribourg les 11-12-13 octobre 2019.

Cette plate-forme s’adresse aux chorégraphesémergents attestant d’une bonne expérience chorégraphique et ayant suivi une formation professionnelle ou son équivalent; ils doivent être âgés de 20 ans au minimum au moment de l’événement.

Modalités d’inscription: jusqu’au 30 avril 2019

www.incidanse.ch

Bereits jetzt können wir sagen: es wird spannend!

Mittlerweile stehen auch die Titel der Referate:
Dr. theol. Dr. phil. Matthias Krieg wird zu “Wiederholung & Ereignis. Wo Kunst und Glaube sich berühren” sprechen.

Die Designerin Eva Jung hat das Thema “Kreativer Befreiungsschlag. Was das Evangelium mit der Kunst zu schaffen hat.”

Und der Theologe Hannes Langbein wird uns in seine Gedanken zu 
“Community-Specific-Art – Gemeinde als ‘soziale Plastik'” hinein nehmen. 

Wir nehmen gerne noch Anmeldungen für Tagesgäste entgegen:
http://www.artsplussymposium.jimdofree.com

Möchtest du dich am gesamten Symposium anmelden, bitten wir um eine Rücksprache über info@ap.weiter.ch

Am 09.01.2019 wurde auf Radio Life Channel der Beitrag mit dem Titel: Symposium für Kunst, Kultur und Kirche ausgestrahlt. https://lifechannel.ch/de/Glauben-entdecken/Leben-im-Alltag/Kirche–Gesellschaft/Symposium-fuer-Kunst-Kultur-und-Kirche Mit einem Klick auf den Link kannst du die Sendung anhören.

Andrzej Turkanik

ENGLISH

On the threshold of 2019, we are asking ourselves what the New Year may bring. The question may be mixed with a certain sadness that the old year, and thus a further part of our life, has passed by so quickly. This makes us all the more willing to formulate good resolutions, which in turn engenders optimism. But at the same time we are only too well aware that these resolutions are very soon overtaken by reality. How are we going into the New Year: with melancholy, optimism or realism? Artists usually tend to melancholy, said Dr. Andrzej Turkanik* in a talk during a morning plenary session at the “Crescendo Summer Institute 2018”. And since the theme of the Institute was “Happiness”, he also delivered a good message for melancholics. It would be fitting for this message to accompany us into the New Year. Here is a summary of the most important thoughts expressed by the theologian and musician Dr. Andrzej Turkanik on 4th August, 2018.   

Yes, but… 
Many artists are melancholic. What is a melancholic person? Often such a person is described as emotionally  sensitive, perfectionistic and introverted.  For such a person the glass is always half empty. This is a person who looks at the world and says: “It is beautiful, but…”. I personally know this very well.  I have a friend who calls me “Mr. Yes, But…”. Especially at times, when we have had great success – for me it’s usually after a performance or a speaking engagement which went very well – you get up and you say to yourself: “I actually don’t want to continue… Am I really able to do anything? What a terrible life!”    

Between euphoria and depression 
It is easy for an artist to vacillate between euphoria and depression.  How do we deal with those ‘moods swings’ so typical for the artistic soul? How can we avoid being in this situation all the time?  What we cannot do is change our circumstances. But we can change our attitudes towards these circumstances. Do you feel that I am talking about you? Then let me tell you that you are in good company. There are many great artists throughout the history who were melancholic. Most remarkable works have been written out of pain and a sense of inadequacy or a feeling of “I am an impostor.  If anybody finds out who I really am, all my weaknesses, they will get rid of me, since I don’t really belong here.”   

Weltschmerz and clinical depression
Maybe some of us are also carrying some kind of “Weltschmerz” and the feeling:  “The world is in a desperate situation! I should do something! But what can I really do?” By the way, it is necessary to distinguish between mood swings and clinical depression. There is also good news for people with depression, of course!  My strong advice in this case: Seek medical help. Let’s take away the stigma of depression as well of other issues such as bipolarity. There is help! Look for somebody who is trustworthy!   

Developing an attitude of gratitude 
But I am addressing now the more melancholic people amongst us artists. I would like to suggest an attitude of gratitude as an antidote to melancholy.  There is a series of studies which show that being thankful and expressing thankfulness (not only being thankful inside, but expressing it to a concrete person) has a therapeutic effect. Why is this important? 

Beyond the “iWorld”
Many of us are living in a big bubble of an i-world. Not only because of our i-phones or i-pads. What I mean is: You think that you are the most important person on this planet. It’s all about you. When you then look at the social media at the end of a day and see what your friends have posted: photos of wonderful trips or parties while you were practicing – you really feel depressed. What gratitude does is the exact opposite: it takes you away from your own world. It takes you to a place where you should be, but which you have forgotten. It takes you to a place where you are beginning to be grateful for things which we all take for granted – like the fact that we all could get up this morning. Or think of the fact that we can enjoy beautiful art. If you want to get out of the spiral of melancholy, take your eyes off yourself and look around!   

How to learn thankfulness? 
Some of us have a natural gift of being thankful. But some of us have to learn thankfulness! How can we learn thankfulness? Let’s think of St. Paul writing to friends in a Roman colony called Philippi. He himself is in a most depressing place expecting his death. This is the message he writes 16 times in his letter: Remember to rejoice, to cultivate this joy. In chapter 4:6 and 7 he writes: “Do not be anxious about anything, but in every situation, by prayer and petition, with thanksgiving, present your requests to God. And the peace of God, which transcends all understanding, will guard your hearts and your minds in Christ Jesus.” Again: Do not be anxious about anything! Deposit all your sorrows and anxieties at one place – in prayer, together with thanksgiving. Paul doesn’t say that we can change circumstances, but that we can get rid of our sorrows and receive SHALOM, peace. 

SHALOM
The deep Hebrew meaning of SHALOM is not just the absence of war, but rather the peace of the One who has created everything, guarding and protecting your entire being, including hearts and minds. We experience this SHALOM when we come to God with thanksgiving. If God is someone distant for you: start to thank him. Such thankfulness will take you away from the little orbit of your “iWorld” to another place, which is much better. 
Let’s take some minutes and remember a few things we can be thankful for. And let’s share them in our prayers with God and with others as well. Unexpressed gratitude is like a beautifully wrapped in gift which never gets delivered. 
My words of encouragement to all melancholics amongst us: Adopt an attitude of gratitude! 

*  Dr. Andrzej Turkanik, a native of Poland, born and raised during the Communist regime, completed degrees in music and art in Poland as well as theology in Germany, before earning Ph.D. in Oriental Studies from Cambridge University. He is the Executive Director of the Quo Vadis Institute (LINK).

DEUTSCH

An der Schwelle zu 2019 fragen wir uns: Was bringt das neue Jahr? Vielleicht mischt sich die Frage mit einer gewissen Traurigkeit, dass das alte Jahr und damit ein weiteres Stück unseres Lebens so schnell verstrichen ist. Umso bereitwilliger fassen wir gute Vorsätze, und das stimmt uns dann wieder optimistisch. Aber zugleich wissen wir nur zu gut, dass diese Vorsätze schnell von der Realität eingeholt werden. Wie gehen wir also in das Neue Jahr: Mit Melancholie, Optimismus oder Realismus?
Künstler sind meist Melancholiker, sagte Dr. Andrzej Turkanik* in einer Rede in einem Morgenplenum im “Crescendo Sommerinstitut 2018“. Und da das Thema des Instituts „Glück“ war, brachte er den Melancholikern auch eine gute Botschaft. Diese könnte uns gerade ins Neue Jahr hinüber begleiten. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken des Theologen und Musikers Dr. Andrzej Turkanik vom 4.August 2018 

Ja, aber…
Viele Künstler sind melancholisch. Aber was ist ein Melancholiker? Oft beschreibt man einen Melancholiker als sensibel, perfektionistisch und introvertiert. Für ihn ist das Glas immer halb leer.  Er schaut in die Welt hinein und sagt: “Es ist alles schön, aber…”. Ich selber kenne das sehr gut. Ein Freund von mir nennt mich “Mr. Ja, aber…”. Besonders wenn man einen Erfolg gefeiert hat – etwa mit einer Aufführung oder in meinem Fall war es vielleicht ein gelungener Vortrag –  sagt man, nachdem man sich gefasst hat, zu sich selber: “Ich will mit all dem aufhören…Bringe ich es eigentlich je zu was? Was für ein furchtbares Leben!” 

Zwischen Euphorie und Depression
Künstler schwanken sehr oft zwischen Euphorie und Depression hin und her. Wie geht man nun mit diesen emotionalen Wechselbädern um, die für Künstler so typisch sind? Wie schafft man es, sie zu vermeiden? Eines ist schwierig: Die Umstände ändern. Aber wir können unsere Einstellung zu den Umständen ändern. Kommt dir das bekannt vor, was ich sage? Dann bist du in guter Gesellschaft! Es gab durch die Jahrhunderte hindurch viele herausragende Künstler, die melancholisch waren. Bedeutendste Werke wurde aus Schmerz geboren. Oder aus Minderwertigkeitsgefühlen. Oder sie wurden vom Gefühl begleitet: “Ich bin doch ein Heuchler. Wenn jemand dahinter kommt, wie ich wirklich bin, mit all meinen Schwächen, dann will man nichts mehr von mir wissen. Ich gehöre nicht wirklich dazu.”

Weltschmerz und klinische Depression
Vielleicht tragen einige von uns eine Art  “Weltschmerz” mit sich herum und das Gefühl: “Die Welt ist in einem erbärmlichen Zustand und ich sollte etwas tun! Aber was?” 
Übrigens ist es wichtig, dass wir zwischen Gefühlsschwankungen und klinischer Depression unterscheiden. Es gibt natürlich auch für Menschen mit Depressionen eine gute Botschaft. Ich empfehle dann dringend: Such medizinischen Rat!  Weder Depression noch bipolare  Störungen dürfen weiter stigmatisiert werden. Es gibt Hilfe! Such jemanden, zu dem du Vertrauen hast!

Eine dankbare Haltung entwicklen
Ich wende mich nun aber an die eher melancholischen Künstler unter uns. Ich möchte eine dankbare Haltung empfehlen –  als Gegengift zur Melancholie.  Es gibt eine Reihe von Studien, die zeigen, dass Dankbarkeit und mehr noch: geäusserte Dankbarkeit (also nicht nur gedachte, sondern einem konkreten Gegenüber weitergegebene Dankbarkeit)  eine therapeutische  Wirkung hat. 
Warum ist dies wichtig? 

Jenseits der “iWorld”
Viele von uns leben in einer grossen Blase, die man “iWorld”  nennen könnte. Dies nicht nur, weil wir iPhones und iPads haben.  Was ich meine, ist Folgendes:  Du denkst, du seist die wichtigste Person auf dieser Erde.  Alles dreht sich nur um dich. Wenn du dann am Ende eines Tages in die sozialen Medien gehst und realisierst, was deine Freunde so alles gepostet haben: wunderbare Ferienfotos oder Bilder von Partys, während du stundenlang geübt hast, dann fällst du in ein Loch. Dankbarkeit bewirkt nun das genaue Gegenteil: Sie löst dich heraus aus deiner eigenen Welt und führt dich an einen für dich bestimmten Ort, den du vergessen hast. Sie führt dich an einen Ort, wo man anfängt, für scheinbar selbstverständliche Dinge dankbar zu werden wie zum Beispiel das Geschenk, dass wir heute Morgen aufstehen durften. Oder die Tatsache, dass wir wunderbare Kunst geniessen können. Wenn du aus der Melancholie-Spirale aussteigen willst, dann schau von dir weg und schau dich um!

Wie Dankbarkeit lernen?
Einige von uns haben eine natürliche Begabung zur Dankbarkeit. Aber einige müssen Dankbarkeit erst lernen. Wie kann man das? Lasst uns einmal an Paulus denken, wie er an seine Freunde in Philippi schreibt. Er selber befindet sich in äusserst traurigen Umständen, wo jederzeit seine Hinrichtung droht. Dies ist nun die Botschaft, die er ganze 16 mal in seinem Brief wiederholt: Erinnert euch daran, dass ihr euch freuen sollt! Im Philipperbrief 4, 6+7 schreibt er: “Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.” 
Noch einmal: Mach dir nicht solche Sorgen um Alles. Deponiere deine Sorgen und Ängste an einem Ort – im Gebet – zusammen mit Dank. Paulus verspricht nicht, dass wir die Umstände ändern können, aber dass wir unsere Sorgen loswerden und SHALOM empfangen können, Frieden. 

SHALOM
Die tiefe hebräische Bedeutung von SHALOM meint nicht nur Absenz von Krieg, sondern jenen Frieden, den nur der Eine geben kann, der Alles geschaffen hat; der dein ganzes Sein samt Herz und Sinnen beschützen und bewahren kann. Diesen SHALOM erfahren wir, wenn wir uns mit Danksagung an Gott wenden. Wenn Gott für dich jemand ist, der weit weg ist, so fang an, ihm zu danken. Diese Dankbarkeit wird dich aus dem kleinen Universum deiner iWorld hinaus an einen anderen Ort führen, der viel besser ist. 
Nehmen wir uns gerade jetzt einige Minuten Zeit und erinnern uns an einige Dinge, für die wir dankbar sein können. Lasst sie uns im Gebet Gott sagen nennen – und auch anderen davon erzählen. Unausgesprochene Dankbarkeit ist wie ein schön eingepacktes Geschenk, das seinen Empfänger nie erreicht. Meine Ermutigung für alle Melancholiker unter uns: Entwickelt eine Haltung der Dankbarkeit!

*  Dr. Andrzej Turkanik wurde in Polen geboren wo er während des Kommunismus aufwuchs. In Polen absolvierte er ein Musik- und Kunst-Studium und später in Deutschland ein Theologiestudium, bevor er in Cambridge in Orientalistik promovierte. Er leitet das Quo Vadis Institut (LINK).

Andrzej Turkanik

ENGLISH

On the threshold of 2019, we are asking ourselves what the New Year may bring. The question may be mixed with a certain sadness that the old year, and thus a further part of our life, has passed by so quickly. This makes us all the more willing to formulate good resolutions, which in turn engenders optimism. But at the same time we are only too well aware that these resolutions are very soon overtaken by reality. How are we going into the New Year: with melancholy, optimism or realism? Artists usually tend to melancholy, said Dr. Andrzej Turkanik* in a talk during a morning plenary session at the “Crescendo Summer Institute 2018”. And since the theme of the Institute was “Happiness”, he also delivered a good message for melancholics. It would be fitting for this message to accompany us into the New Year. Here is a summary of the most important thoughts expressed by the theologian and musician Dr. Andrzej Turkanik on 4th August, 2018.   

Yes, but… 
Many artists are melancholic. What is a melancholic person? Often such a person is described as emotionally  sensitive, perfectionistic and introverted.  For such a person the glass is always half empty. This is a person who looks at the world and says: “It is beautiful, but…”. I personally know this very well.  I have a friend who calls me “Mr. Yes, But…”. Especially at times, when we have had great success – for me it’s usually after a performance or a speaking engagement which went very well – you get up and you say to yourself: “I actually don’t want to continue… Am I really able to do anything? What a terrible life!”    

Between euphoria and depression 
It is easy for an artist to vacillate between euphoria and depression.  How do we deal with those ‘moods swings’ so typical for the artistic soul? How can we avoid being in this situation all the time?  What we cannot do is change our circumstances. But we can change our attitudes towards these circumstances. Do you feel that I am talking about you? Then let me tell you that you are in good company. There are many great artists throughout the history who were melancholic. Most remarkable works have been written out of pain and a sense of inadequacy or a feeling of “I am an impostor.  If anybody finds out who I really am, all my weaknesses, they will get rid of me, since I don’t really belong here.”   

Weltschmerz and clinical depression
Maybe some of us are also carrying some kind of “Weltschmerz” and the feeling:  “The world is in a desperate situation! I should do something! But what can I really do?” By the way, it is necessary to distinguish between mood swings and clinical depression. There is also good news for people with depression, of course!  My strong advice in this case: Seek medical help. Let’s take away the stigma of depression as well of other issues such as bipolarity. There is help! Look for somebody who is trustworthy!   

Developing an attitude of gratitude 
But I am addressing now the more melancholic people amongst us artists. I would like to suggest an attitude of gratitude as an antidote to melancholy.  There is a series of studies which show that being thankful and expressing thankfulness (not only being thankful inside, but expressing it to a concrete person) has a therapeutic effect. Why is this important? 

Beyond the “iWorld”
Many of us are living in a big bubble of an i-world. Not only because of our i-phones or i-pads. What I mean is: You think that you are the most important person on this planet. It’s all about you. When you then look at the social media at the end of a day and see what your friends have posted: photos of wonderful trips or parties while you were practicing – you really feel depressed. What gratitude does is the exact opposite: it takes you away from your own world. It takes you to a place where you should be, but which you have forgotten. It takes you to a place where you are beginning to be grateful for things which we all take for granted – like the fact that we all could get up this morning. Or think of the fact that we can enjoy beautiful art. If you want to get out of the spiral of melancholy, take your eyes off yourself and look around!   

How to learn thankfulness? 
Some of us have a natural gift of being thankful. But some of us have to learn thankfulness! How can we learn thankfulness? Let’s think of St. Paul writing to friends in a Roman colony called Philippi. He himself is in a most depressing place expecting his death. This is the message he writes 16 times in his letter: Remember to rejoice, to cultivate this joy. In chapter 4:6 and 7 he writes: “Do not be anxious about anything, but in every situation, by prayer and petition, with thanksgiving, present your requests to God. And the peace of God, which transcends all understanding, will guard your hearts and your minds in Christ Jesus.” Again: Do not be anxious about anything! Deposit all your sorrows and anxieties at one place – in prayer, together with thanksgiving. Paul doesn’t say that we can change circumstances, but that we can get rid of our sorrows and receive SHALOM, peace. 

SHALOM
The deep Hebrew meaning of SHALOM is not just the absence of war, but rather the peace of the One who has created everything, guarding and protecting your entire being, including hearts and minds. We experience this SHALOM when we come to God with thanksgiving. If God is someone distant for you: start to thank him. Such thankfulness will take you away from the little orbit of your “iWorld” to another place, which is much better. 
Let’s take some minutes and remember a few things we can be thankful for. And let’s share them in our prayers with God and with others as well. Unexpressed gratitude is like a beautifully wrapped in gift which never gets delivered. 
My words of encouragement to all melancholics amongst us: Adopt an attitude of gratitude! 

*  Dr. Andrzej Turkanik, a native of Poland, born and raised during the Communist regime, completed degrees in music and art in Poland as well as theology in Germany, before earning Ph.D. in Oriental Studies from Cambridge University. He is the Executive Director of the Quo Vadis Institute (LINK).

DEUTSCH

An der Schwelle zu 2019 fragen wir uns: Was bringt das neue Jahr? Vielleicht mischt sich die Frage mit einer gewissen Traurigkeit, dass das alte Jahr und damit ein weiteres Stück unseres Lebens so schnell verstrichen ist. Umso bereitwilliger fassen wir gute Vorsätze, und das stimmt uns dann wieder optimistisch. Aber zugleich wissen wir nur zu gut, dass diese Vorsätze schnell von der Realität eingeholt werden. Wie gehen wir also in das Neue Jahr: Mit Melancholie, Optimismus oder Realismus?
Künstler sind meist Melancholiker, sagte Dr. Andrzej Turkanik* in einer Rede in einem Morgenplenum im “Crescendo Sommerinstitut 2018“. Und da das Thema des Instituts „Glück“ war, brachte er den Melancholikern auch eine gute Botschaft. Diese könnte uns gerade ins Neue Jahr hinüber begleiten. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken des Theologen und Musikers Dr. Andrzej Turkanik vom 4.August 2018 

Ja, aber…
Viele Künstler sind melancholisch. Aber was ist ein Melancholiker? Oft beschreibt man einen Melancholiker als sensibel, perfektionistisch und introvertiert. Für ihn ist das Glas immer halb leer.  Er schaut in die Welt hinein und sagt: “Es ist alles schön, aber…”. Ich selber kenne das sehr gut. Ein Freund von mir nennt mich “Mr. Ja, aber…”. Besonders wenn man einen Erfolg gefeiert hat – etwa mit einer Aufführung oder in meinem Fall war es vielleicht ein gelungener Vortrag –  sagt man, nachdem man sich gefasst hat, zu sich selber: “Ich will mit all dem aufhören…Bringe ich es eigentlich je zu was? Was für ein furchtbares Leben!” 

Zwischen Euphorie und Depression
Künstler schwanken sehr oft zwischen Euphorie und Depression hin und her. Wie geht man nun mit diesen emotionalen Wechselbädern um, die für Künstler so typisch sind? Wie schafft man es, sie zu vermeiden? Eines ist schwierig: Die Umstände ändern. Aber wir können unsere Einstellung zu den Umständen ändern. Kommt dir das bekannt vor, was ich sage? Dann bist du in guter Gesellschaft! Es gab durch die Jahrhunderte hindurch viele herausragende Künstler, die melancholisch waren. Bedeutendste Werke wurde aus Schmerz geboren. Oder aus Minderwertigkeitsgefühlen. Oder sie wurden vom Gefühl begleitet: “Ich bin doch ein Heuchler. Wenn jemand dahinter kommt, wie ich wirklich bin, mit all meinen Schwächen, dann will man nichts mehr von mir wissen. Ich gehöre nicht wirklich dazu.”

Weltschmerz und klinische Depression
Vielleicht tragen einige von uns eine Art  “Weltschmerz” mit sich herum und das Gefühl: “Die Welt ist in einem erbärmlichen Zustand und ich sollte etwas tun! Aber was?” 
Übrigens ist es wichtig, dass wir zwischen Gefühlsschwankungen und klinischer Depression unterscheiden. Es gibt natürlich auch für Menschen mit Depressionen eine gute Botschaft. Ich empfehle dann dringend: Such medizinischen Rat!  Weder Depression noch bipolare  Störungen dürfen weiter stigmatisiert werden. Es gibt Hilfe! Such jemanden, zu dem du Vertrauen hast!

Eine dankbare Haltung entwicklen
Ich wende mich nun aber an die eher melancholischen Künstler unter uns. Ich möchte eine dankbare Haltung empfehlen –  als Gegengift zur Melancholie.  Es gibt eine Reihe von Studien, die zeigen, dass Dankbarkeit und mehr noch: geäusserte Dankbarkeit (also nicht nur gedachte, sondern einem konkreten Gegenüber weitergegebene Dankbarkeit)  eine therapeutische  Wirkung hat. 
Warum ist dies wichtig? 

Jenseits der “iWorld”
Viele von uns leben in einer grossen Blase, die man “iWorld”  nennen könnte. Dies nicht nur, weil wir iPhones und iPads haben.  Was ich meine, ist Folgendes:  Du denkst, du seist die wichtigste Person auf dieser Erde.  Alles dreht sich nur um dich. Wenn du dann am Ende eines Tages in die sozialen Medien gehst und realisierst, was deine Freunde so alles gepostet haben: wunderbare Ferienfotos oder Bilder von Partys, während du stundenlang geübt hast, dann fällst du in ein Loch. Dankbarkeit bewirkt nun das genaue Gegenteil: Sie löst dich heraus aus deiner eigenen Welt und führt dich an einen für dich bestimmten Ort, den du vergessen hast. Sie führt dich an einen Ort, wo man anfängt, für scheinbar selbstverständliche Dinge dankbar zu werden wie zum Beispiel das Geschenk, dass wir heute Morgen aufstehen durften. Oder die Tatsache, dass wir wunderbare Kunst geniessen können. Wenn du aus der Melancholie-Spirale aussteigen willst, dann schau von dir weg und schau dich um!

Wie Dankbarkeit lernen?
Einige von uns haben eine natürliche Begabung zur Dankbarkeit. Aber einige müssen Dankbarkeit erst lernen. Wie kann man das? Lasst uns einmal an Paulus denken, wie er an seine Freunde in Philippi schreibt. Er selber befindet sich in äusserst traurigen Umständen, wo jederzeit seine Hinrichtung droht. Dies ist nun die Botschaft, die er ganze 16 mal in seinem Brief wiederholt: Erinnert euch daran, dass ihr euch freuen sollt! Im Philipperbrief 4, 6+7 schreibt er: “Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.” 
Noch einmal: Mach dir nicht solche Sorgen um Alles. Deponiere deine Sorgen und Ängste an einem Ort – im Gebet – zusammen mit Dank. Paulus verspricht nicht, dass wir die Umstände ändern können, aber dass wir unsere Sorgen loswerden und SHALOM empfangen können, Frieden. 

SHALOM
Die tiefe hebräische Bedeutung von SHALOM meint nicht nur Absenz von Krieg, sondern jenen Frieden, den nur der Eine geben kann, der Alles geschaffen hat; der dein ganzes Sein samt Herz und Sinnen beschützen und bewahren kann. Diesen SHALOM erfahren wir, wenn wir uns mit Danksagung an Gott wenden. Wenn Gott für dich jemand ist, der weit weg ist, so fang an, ihm zu danken. Diese Dankbarkeit wird dich aus dem kleinen Universum deiner iWorld hinaus an einen anderen Ort führen, der viel besser ist. 
Nehmen wir uns gerade jetzt einige Minuten Zeit und erinnern uns an einige Dinge, für die wir dankbar sein können. Lasst sie uns im Gebet Gott sagen nennen – und auch anderen davon erzählen. Unausgesprochene Dankbarkeit ist wie ein schön eingepacktes Geschenk, das seinen Empfänger nie erreicht. Meine Ermutigung für alle Melancholiker unter uns: Entwickelt eine Haltung der Dankbarkeit!

*  Dr. Andrzej Turkanik wurde in Polen geboren wo er während des Kommunismus aufwuchs. In Polen absolvierte er ein Musik- und Kunst-Studium und später in Deutschland ein Theologiestudium, bevor er in Cambridge in Orientalistik promovierte. Er leitet das Quo Vadis Institut (LINK).

With a wonderfully beautiful Christmas composition by the Latvian composer Richards Dubra (*1964), available on our CD “Ich schau Dich staunend an”, and an accompanying interview with the composer (below), we heartily wish our TUNE IN readership of around 2500 in the whole world a blessed Christmas time. 

Mit einem wunderschönen Weihnachtslied des lettischen Komponisten Richards Dubra (*1964) von unserer CD „Ich schau Dich staunend an“ und einem begleitenden Interview mit dem Komponisten wünschen wir unseren rund 2500 Lesern in aller Welt von Herzen gesegnete Weihnachten.

Miriam Feuersinger (soprano), Angelika Dietze (flute), Dorothee Vietz / Johannes Rick (violins), Claudia Michaelsen (viola), Christoph Vietz (cello), Ekkehard Neumann (double bass), Artistic director: Jan Katzschke

(c) Crescendo / Campus für Christus 2009
LINK to the Crescendo shop: Click here


1. Christmas comes down upon us again and everything in the world
rejoices. Angels are heard singing in heaven in eternal praise of the Lord.

2. With Christmas tree and the light of candles we honour him. Come,
great and small, come in great crowds, and welcome the Lord here below.

3. Lord, come into our midst in person, with your light, this very night.
We want to ask  you to bless us, for all our trust is in you.   

4. In your grace, accept the gifts which we have prepared in your honour 
with grateful hearts, for it is you who gives true blessedness. 


Text: Nicole Nau
Translation German-English: Bill Buchanan

1. Der Heilige Abend kommt hernieder und was auf Erden lebt, sich freut
Vom Himmel tönen Engelslieder zum Lobe des Herren in Ewigkeit.

2. Mit Tannenbaum und Kerzenstrahlen erweisen wir nun Ehre ihm,
Kommt Grosse, Kleine, kommt in Scharen, und heisset den Herren
willkommen hier.

3. Herr, komm du selbst in unsere Mitte in dieser Nacht mit deinem Licht.
Wir wollen um deinen Segen bitten, denn du bist unsere Zuversicht.

4. Nimm gnädig an auch unsere Gaben, die wir zu deiner Ehre heut,
das Herz voll Dank, bereitet haben, denn du schenkst wahre Seligkeit. 

Text : Nicole Nau

Interview Rihards Dubra 

ENGLISH

Rihards Dubra did you always dream of becoming a composer?
 

Rihards Dubra: That’s hard to say. When I was eight years old, I urgently felt I had to write something – so I wrote a couple of short works for piano in Mozart style. Then my interest grew more and more, and I changed music school because I could not study composition at the first one. So things continued developing this way until I finally studied composition at the Music Academy.   

Do you mostly write sacred music today?  

Rihards Dubra: I write exclusively sacred music. Because even my symphonic music is always sacred.   

What does that mean? Do you always have a concrete spiritual content in mind?
  

Rihards Dubra: What I could say here is that I repeatedly think about stories from the Bible or that I simply receive inspirations from above. But I think it is difficult to explain it simply. I have the feeling that I have to write a certain thing.   

What form does your creative process?   

Rihards Dubra: I cannot tell you exactly. I leave space for the music, so that it can come through me. It’s not me creating the music, but it is music using me as an instrument so that I only put on paper what God gives me. Almost like a typewriter, which only writes what it is given. I am a typewriter – my performers are the translators… In concrete terms, when I start a new work, for a long time it may look as if I am doing nothing at all. On these occasions, my wife always says, “You have so little time, why are you not doing anything?” I then reply, “I am doing something. I have to think, and it is simply necessary for me to play with it!” I only ever write out a work when it is completely ready.   

So you do not make any compositional sketches or write out any fragments?   

Rihards Dubra: None at all. The work takes shape in my head. Only after I have got to know it well, with all its themes and in its overall form, only then do I write it out.   

You once said that your composing is primarily done at night.  

Rihards Dubra: That is correct.   

When there is a sacred theme in your orchestral music or an inspiration or spiritual thought – do you then point it out? Do you write something to explain it, or does it remain a secret?  

Rihards Dubra: A small part of it becomes clear from the title. What I also always love is to incorporate melodies which resemble Gregorian chant. But these never are quotations. I do not like quoting in such a way that people might say, “This is now in the Gregorian or mediaeval or renaissance style. But I use this to try to explain what I want to say with the music.   

What have been the biggest influences on you?  

Rihards Dubra: For me, the leading model is Arvo Pärt. And then John Taverner…   

A number of spiritual leaders have also influenced you. We know that you attend church faithfully, and that one Catholic priest in particular played a major role in your life as a spiritual father. But these are things that you do not like speaking about in public… Now, one of our common friends, Guntars Pranis, said this: “Rihards Dubra exceptional among composers, even amongst those who describe themselves as believers. He is in no way one of those always states emphatically, “I am a Christian”… One simply senses that his faith is there and comes from deep within him! One or other of our colleagues who also write sacred music may say something like this in an interview: “We do not have to take this so literally, this is a religious text, but I do not go to church and I am nevertheless close to God anyway. What point is there in the church, it only wants to limit me…?” Rihards has a completely different standpoint on this. He attends his church very faithfully and sometimes even steps in to substitute for a choir conductor or organist. His compositions therefore arise out of this entirely normal, everyday Christian life. For me, as a performer, this really does make an immense difference!”   

Rihards Dubra: Even in earlier days, I was already writing sacred music. But this music began to make me feel that I have to go back into the church…   

On what tradition does your music draw? Which strands of tradition do you consciously incorporate? A Latvian tradition, for example?   

Rihards Dubra: I always say that I do not know what my nationality is… But I do not, of course, mean that so seriously. I personally am not entirely in tune with the purely Latvian tradition. My grandfather was Polish. I come from Latgale, a region in the south-east of Latvia which, in contrast to the much larger Lutheran part of the country, has been shaped by Catholicism. When I was one year old, I had a blood transfusion in which all my blood was replaced. I always say that they must have given me Georgian blood and that is probably why I’m so fond of spicy food… (laughs).       

How would you describe your music in one sentence?   

Rihards Dubra: My music is meditative. Sometimes I get the feeling I would like to pause during composing in order to gain a new perspective on things. For light, longing and eternity can speak to us at any moment…   

And what would you say about sacred music?   

Rihards Dubra: Faith is the only clear thing in this life. Could I have anything better to do than to write sacred music?   

About Rihards Dubra:
Rihards Dubra, born in 1964, is currently among the most important and also internationally noted Latvian composers. He studied music theory and composition, and was already active, even before completing his studies, as a teacher of composition at Jurmala music school, where he still works. He graduated in 1997 with a masters in composition. Active as organist and cantor in various Catholic churches in Riga. He is one of the founders of the renowned vocal ensemble HYPERLINK “http://de.wikipedia.org/wiki/Schola” \o “Schola” Schola Cantorum Riga”. Dubra’s oeuvre includes symphonic music, oratorios and organ works, with a particular emphasis on sacred vocal music. In the near future, his complete works will be published by Carus-Verlag in Stuttgart. In 2003, Dubra received the “Latvian Grand Prize in Music”. He is represented on numerous CD recordings. Although Dubra’s style is modern, influences from the Middle Ages and the Renaissance are combined with minimalistic forms and very strongly expressive melody. Works (a selection): Symphonia for Orchestra; four Little Symphonies for chamber orchestra; Mass for choir and orchestra; “Missa Sinceritatis” (for solo tenor, oboe, wire, percussion and organ), “Sitivit Anima Mea” for solo baritone, cor anglais, eight cellos and two double basses (una sinfonia da camera), “Alma Redemptoris Mater” for choir, soprano saxophone and organ; Oratio for choir and marimba;  “Te Deum” for 6 choirs and orchestra. Short cantatas; Fairytale Ballet for children; around 40 Motets for choir; pieces for organ and piano. 

Interview: Beat Rink from the book: “Mich umgibt ein grosser Klang” (Basel, 2008), ed. together with Franz Mohr
Translation pf all texts: Bill Buchanan

DEUTSCH

Richards Dubra, War es immer Ihr Traum, Komponist zu werden?  

Rihards Dubra: Das ist schwer zu sagen. Als ich etwa acht Jahre alt war, hatte ich den Drang, etwas schreiben zu müssen –  und so schrieb ich ein paar kleine Werke für Klavier im Mozartstil. Dann stieg mein Interesse immer mehr, und ich wechselte die Musikschule, weil ich in der bisherigen nicht Komposition studieren konnte. So entwickelte sich das immer weiter, bis ich schliesslich an der Musikakademie Komposition studierte.   

Schreiben Sie heute vorwiegend geistliche Musik?  

Rihards Dubra: Ich schreibe ausschliesslich geistliche Musik. Weil auch meine symphonische Musik immer geistlich ist.   

Was heisst das? Denken Sie dabei immer an konkrete geistliche Inhalte?   

Rihards Dubra: Ich könnte jetzt sagen: Ich denke immer wieder an Geschichten aus der Bibel oder ich bekomme einfach einige Inspirationen von oben. Ich  glaube, es ist schwer, dies so einfach zu erklären. Ich fühle, dass ich etwas schreiben muss.   

Wie sieht Ihr Schaffensprozess aus?   

Rihards Dubra: Ich kann es nicht so genau sagen. Ich lasse Raum für die Musik, so dass sie durch mich kommen kann. Nicht ich mache Musik; aber die Musik nutzt mich als ein Instrument, so dass ich nur niederschreibe, was mir von Gott gegeben wird. Quasi wie bei einer Schreibmaschine, die nur schreibt, was ihr gegeben wird. Ich bin eine Schreibmaschine – meine Interpreten sind die Übersetzer… Konkret sieht es, wenn ich ein neues Werk beginne, recht lang danach aus, als machte ich überhaupt nichts. Meine Frau sagt dann immer: Du hast so wenig Zeit, warum machst Du nichts? Ich antworte dann: Ich mache etwas. Ich muss denken und ich muss einfach spielen! Ich schreibe ein Werk immer nur nieder, wenn es ganz fertig ist.   

Sie machen sich also keine Kompositionsnotizen und schreiben keine Fragmente auf? 

Rihards Dubra: Keine. Das Werk entsteht in meinem Kopf. Erst, wenn ich es gut kenne, mit allen seinen Themen und in seiner gesamte Form, dann schreibe ich alles auf.   

Sie sagten einmal, Sie komponierten vor allem nachts.   

Rihards Dubra: Das ist richtig.   

Wenn es in Ihrer Orchestermusik ein geistliches Thema gibt oder eine Inspiration oder einen geistlichen Gedanken – weisen Sie dann darauf hin? Schreiben Sie etwas Erklärendes dazu oder bleibt das ein Geheimnis?   

Rihards Dubra: Ein bisschen wird es vom Titel her klar. Ich liebe es auch, immer einige Melodien hineinzuschreiben, die der Gregorianik ähnlich sind. Aber das sind nie Zitate. Ich mag es nicht, etwas zu zitieren, so dass man sagen könnte: Das ist nun im Stil der  Gregorianik oder mittelalterlicher Musik oder der Renaissance geschrieben. Aber ich versuche, dadurch zu erklären, was ich mit Musik sagen möchte.    

Wer hat Sie als Komponist besonders geprägt?   

Rihards Dubra: Vorbild Nummer eins ist für mich ist Arvo Pärt. Und dann John Taverner…  

Es gibt auch mehrere Geistliche, die Sie sehr geprägt haben. Wir wissen, dass Sie ein sehr treuer Kirchgänger sind, und vor allem ein katholischer Priester hat in Ihrem Leben als geistlicher Vater eine grosse Rolle gespielt. Aber das sind Dinge, über die Sie nicht so gerne in der Öffentlichkeit reden möchten… Nun hat einer unserer gemeinsamen Freunde, Guntars Pranis gesagt: „Rihards Dubra ist eine Ausnahme unter den Komponisten, auch unter denen, die sich als gläubig bezeichnen. Nicht dass er immer betonen würde: Ich bin ein Christ… Man spürt einfach, dass sein Glaube da ist und sehr von innen kommt!  Mancher Kollege, der auch geistliche Musik schreibt, sagt vielleicht in einem Interview: “Wir müssen das nicht so genau nehmen, das ist ein geistlicher Text, aber ich gehe nicht zur Kirche und bin auch so nah bei Gott. Was soll die Kirche, die will mich nur einengen…?” Da steht Rihards an einem ganz anderen Ort. Er geht ganz treu in seine Gemeinde und macht  manchmal noch immer eine Vertretung als Chorleiter oder Organist. Er komponiert also aus diesem ganz normalen, alltäglichen Christsein heraus. Für  mich als Interpret macht das wirklich einen ganz grossen Unterschied!“   

Rihards Dubra: Ich habe auch früher schon geistliche Musik geschrieben. Aber durch diese Musik begann ich zu fühlen, dass ich in die Kirche zurückgehen muss…   

Auf welche Tradition bezieht sich Ihre Musik? Welche Traditionssträhnen nehmen Sie bewusst auf? Etwa eine lettische Tradition?   

Rihards Dubra: Ich sage immer, dass ich nicht weiss, von welcher Nationalität ich bin… Aber das ist natürlich nicht ernst gemeint. Mir persönlich entspricht die reine lettische Tradition nicht so sehr. Mein Grossvater war Pole. Ich komme aus Lattgalen, einem Teil im Südosten Lettlands, der im Gegensatz zum weitaus größeren, lutherischen Teil des Landes katholisch geprägt ist. Als ich ein Jahr alt war, hatte ich eine Bluttransfusion, bei der mein gesamtes Blut ausgetauscht wurde. Ich sage immer, da habe ich bestimmt georgisches Blut erwischt, und deswegen liebe ich wahrscheinlich auch so sehr die würzigen Speisen… (lacht)       

Wie würden Sie Ihre Musik in einem Satz beschreiben?   

Rihards Dubra: Meine Musik ist meditativ. Manchmal möchte ich mit dem Schreiben innehalten, um zu einer neuen Sicht der Dinge zu kommen. Denn jeden Augenblick kann uns Licht, Sehnsucht und Ewigkeit ansprechen…   

Und über geistliche Musik?   

Rihards Dubra: Der Glaube ist die einzige Klarheit in diesem Leben. Was gibt es Besseres für mich, als geistliche Musik zu schreiben?     

Über Rihards Dubra: 
Rihards Dubra, Jahrgang 1964, gehört gegenwärtig zu den wichtigsten und auch international bekanntesten Komponisten Lettlands. Er studierte Musiktheorie und Komposition und war schon vor dem eigenen Studienabschluss als Kompositionslehrer an der Musikschule in Jurmala tätig, wo er heute noch wirkt. 1997 Abschluss des Studiums mit einem Masters in Komposition. Tätigkeit als Organist und Kantor in verschiedenen katholischen Kirchen Rigas. Er ist einer der Gründer des renommierten Gesangsensembles „ HYPERLINK “http://de.wikipedia.org/wiki/Schola” \o “Schola” Schola Cantorum Riga“. Dubras Oevre umfasst symphonische Musik, Oratorien und Orgelwerke. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf  geistlicher Vokalmusik. In Kürze wird sein gesamtes Werk beim Carus-Verlag in Stuttgart erscheinen. 2003 erhielt Dubra den „Grossen Musikpreis Lettlands“. Es liegen zahlreiche CD-Einspielungen vor. Dubras’ Stil ist modern;  trotzdem mischen sich Einflüsse aus Mittelalter und Renaissance mit minimalistischen Formen und einer sehr ausdrucksstarken Melodiebildung. Werke (Auswahl): Symphonia für Orchester, Vier kleine Symphonien für Kammerorchester, Messe für Chor und Orchester, „Missa Sinceritatis“ (für Tenor Solo, Oboe, Chor, Percussion und Orgel), „Sitivit Anima Mea“ für Bariton Solo, Englischhorn, 8 Cellos und 2 Kontrabässe (una sinfonia da camera), „Alma Redemptoris Mater“ für Chor, Sopransaxophon und Orgel, Oratio für Chor und Marimba, Te Deum“ für 6 Chöre und Orchester. Kleinere Kantaten, Märchenballet für Kinder, etwa 40 Motetten für Chor, Orgel- und Klavierstücke. 

Interview: Beat Rink aus: Franz Mohr/Beat Rink: “Mich umgibt ein grosser Klang”. Basel 2008

With a wonderfully beautiful Christmas composition by the Latvian composer Richards Dubra (*1964), available on our CD “Ich schau Dich staunend an”, and an accompanying interview with the composer (below), we heartily wish our TUNE IN readership of around 2500 in the whole world a blessed Christmas time. 

Mit einem wunderschönen Weihnachtslied des lettischen Komponisten Richards Dubra (*1964) von unserer CD „Ich schau Dich staunend an“ und einem begleitenden Interview mit dem Komponisten wünschen wir unseren rund 2500 Lesern in aller Welt von Herzen gesegnete Weihnachten.

Miriam Feuersinger (soprano), Angelika Dietze (flute), Dorothee Vietz / Johannes Rick (violins), Claudia Michaelsen (viola), Christoph Vietz (cello), Ekkehard Neumann (double bass), Artistic director: Jan Katzschke

(c) Crescendo / Campus für Christus 2009
LINK to the Crescendo shop: Click here


1. Christmas comes down upon us again and everything in the world
rejoices. Angels are heard singing in heaven in eternal praise of the Lord.

2. With Christmas tree and the light of candles we honour him. Come,
great and small, come in great crowds, and welcome the Lord here below.

3. Lord, come into our midst in person, with your light, this very night.
We want to ask  you to bless us, for all our trust is in you.   

4. In your grace, accept the gifts which we have prepared in your honour 
with grateful hearts, for it is you who gives true blessedness. 


Text: Nicole Nau
Translation German-English: Bill Buchanan

1. Der Heilige Abend kommt hernieder und was auf Erden lebt, sich freut
Vom Himmel tönen Engelslieder zum Lobe des Herren in Ewigkeit.

2. Mit Tannenbaum und Kerzenstrahlen erweisen wir nun Ehre ihm,
Kommt Grosse, Kleine, kommt in Scharen, und heisset den Herren
willkommen hier.

3. Herr, komm du selbst in unsere Mitte in dieser Nacht mit deinem Licht.
Wir wollen um deinen Segen bitten, denn du bist unsere Zuversicht.

4. Nimm gnädig an auch unsere Gaben, die wir zu deiner Ehre heut,
das Herz voll Dank, bereitet haben, denn du schenkst wahre Seligkeit. 

Text : Nicole Nau

Interview Rihards Dubra 

ENGLISH

Rihards Dubra did you always dream of becoming a composer?
 

Rihards Dubra: That’s hard to say. When I was eight years old, I urgently felt I had to write something – so I wrote a couple of short works for piano in Mozart style. Then my interest grew more and more, and I changed music school because I could not study composition at the first one. So things continued developing this way until I finally studied composition at the Music Academy.   

Do you mostly write sacred music today?  

Rihards Dubra: I write exclusively sacred music. Because even my symphonic music is always sacred.   

What does that mean? Do you always have a concrete spiritual content in mind?
  

Rihards Dubra: What I could say here is that I repeatedly think about stories from the Bible or that I simply receive inspirations from above. But I think it is difficult to explain it simply. I have the feeling that I have to write a certain thing.   

What form does your creative process?   

Rihards Dubra: I cannot tell you exactly. I leave space for the music, so that it can come through me. It’s not me creating the music, but it is music using me as an instrument so that I only put on paper what God gives me. Almost like a typewriter, which only writes what it is given. I am a typewriter – my performers are the translators… In concrete terms, when I start a new work, for a long time it may look as if I am doing nothing at all. On these occasions, my wife always says, “You have so little time, why are you not doing anything?” I then reply, “I am doing something. I have to think, and it is simply necessary for me to play with it!” I only ever write out a work when it is completely ready.   

So you do not make any compositional sketches or write out any fragments?   

Rihards Dubra: None at all. The work takes shape in my head. Only after I have got to know it well, with all its themes and in its overall form, only then do I write it out.   

You once said that your composing is primarily done at night.  

Rihards Dubra: That is correct.   

When there is a sacred theme in your orchestral music or an inspiration or spiritual thought – do you then point it out? Do you write something to explain it, or does it remain a secret?  

Rihards Dubra: A small part of it becomes clear from the title. What I also always love is to incorporate melodies which resemble Gregorian chant. But these never are quotations. I do not like quoting in such a way that people might say, “This is now in the Gregorian or mediaeval or renaissance style. But I use this to try to explain what I want to say with the music.   

What have been the biggest influences on you?  

Rihards Dubra: For me, the leading model is Arvo Pärt. And then John Taverner…   

A number of spiritual leaders have also influenced you. We know that you attend church faithfully, and that one Catholic priest in particular played a major role in your life as a spiritual father. But these are things that you do not like speaking about in public… Now, one of our common friends, Guntars Pranis, said this: “Rihards Dubra exceptional among composers, even amongst those who describe themselves as believers. He is in no way one of those always states emphatically, “I am a Christian”… One simply senses that his faith is there and comes from deep within him! One or other of our colleagues who also write sacred music may say something like this in an interview: “We do not have to take this so literally, this is a religious text, but I do not go to church and I am nevertheless close to God anyway. What point is there in the church, it only wants to limit me…?” Rihards has a completely different standpoint on this. He attends his church very faithfully and sometimes even steps in to substitute for a choir conductor or organist. His compositions therefore arise out of this entirely normal, everyday Christian life. For me, as a performer, this really does make an immense difference!”   

Rihards Dubra: Even in earlier days, I was already writing sacred music. But this music began to make me feel that I have to go back into the church…   

On what tradition does your music draw? Which strands of tradition do you consciously incorporate? A Latvian tradition, for example?   

Rihards Dubra: I always say that I do not know what my nationality is… But I do not, of course, mean that so seriously. I personally am not entirely in tune with the purely Latvian tradition. My grandfather was Polish. I come from Latgale, a region in the south-east of Latvia which, in contrast to the much larger Lutheran part of the country, has been shaped by Catholicism. When I was one year old, I had a blood transfusion in which all my blood was replaced. I always say that they must have given me Georgian blood and that is probably why I’m so fond of spicy food… (laughs).       

How would you describe your music in one sentence?   

Rihards Dubra: My music is meditative. Sometimes I get the feeling I would like to pause during composing in order to gain a new perspective on things. For light, longing and eternity can speak to us at any moment…   

And what would you say about sacred music?   

Rihards Dubra: Faith is the only clear thing in this life. Could I have anything better to do than to write sacred music?   

About Rihards Dubra:
Rihards Dubra, born in 1964, is currently among the most important and also internationally noted Latvian composers. He studied music theory and composition, and was already active, even before completing his studies, as a teacher of composition at Jurmala music school, where he still works. He graduated in 1997 with a masters in composition. Active as organist and cantor in various Catholic churches in Riga. He is one of the founders of the renowned vocal ensemble HYPERLINK “http://de.wikipedia.org/wiki/Schola” \o “Schola” Schola Cantorum Riga”. Dubra’s oeuvre includes symphonic music, oratorios and organ works, with a particular emphasis on sacred vocal music. In the near future, his complete works will be published by Carus-Verlag in Stuttgart. In 2003, Dubra received the “Latvian Grand Prize in Music”. He is represented on numerous CD recordings. Although Dubra’s style is modern, influences from the Middle Ages and the Renaissance are combined with minimalistic forms and very strongly expressive melody. Works (a selection): Symphonia for Orchestra; four Little Symphonies for chamber orchestra; Mass for choir and orchestra; “Missa Sinceritatis” (for solo tenor, oboe, wire, percussion and organ), “Sitivit Anima Mea” for solo baritone, cor anglais, eight cellos and two double basses (una sinfonia da camera), “Alma Redemptoris Mater” for choir, soprano saxophone and organ; Oratio for choir and marimba;  “Te Deum” for 6 choirs and orchestra. Short cantatas; Fairytale Ballet for children; around 40 Motets for choir; pieces for organ and piano. 

Interview: Beat Rink from the book: “Mich umgibt ein grosser Klang” (Basel, 2008), ed. together with Franz Mohr
Translation pf all texts: Bill Buchanan

DEUTSCH

Richards Dubra, War es immer Ihr Traum, Komponist zu werden?  

Rihards Dubra: Das ist schwer zu sagen. Als ich etwa acht Jahre alt war, hatte ich den Drang, etwas schreiben zu müssen –  und so schrieb ich ein paar kleine Werke für Klavier im Mozartstil. Dann stieg mein Interesse immer mehr, und ich wechselte die Musikschule, weil ich in der bisherigen nicht Komposition studieren konnte. So entwickelte sich das immer weiter, bis ich schliesslich an der Musikakademie Komposition studierte.   

Schreiben Sie heute vorwiegend geistliche Musik?  

Rihards Dubra: Ich schreibe ausschliesslich geistliche Musik. Weil auch meine symphonische Musik immer geistlich ist.   

Was heisst das? Denken Sie dabei immer an konkrete geistliche Inhalte?   

Rihards Dubra: Ich könnte jetzt sagen: Ich denke immer wieder an Geschichten aus der Bibel oder ich bekomme einfach einige Inspirationen von oben. Ich  glaube, es ist schwer, dies so einfach zu erklären. Ich fühle, dass ich etwas schreiben muss.   

Wie sieht Ihr Schaffensprozess aus?   

Rihards Dubra: Ich kann es nicht so genau sagen. Ich lasse Raum für die Musik, so dass sie durch mich kommen kann. Nicht ich mache Musik; aber die Musik nutzt mich als ein Instrument, so dass ich nur niederschreibe, was mir von Gott gegeben wird. Quasi wie bei einer Schreibmaschine, die nur schreibt, was ihr gegeben wird. Ich bin eine Schreibmaschine – meine Interpreten sind die Übersetzer… Konkret sieht es, wenn ich ein neues Werk beginne, recht lang danach aus, als machte ich überhaupt nichts. Meine Frau sagt dann immer: Du hast so wenig Zeit, warum machst Du nichts? Ich antworte dann: Ich mache etwas. Ich muss denken und ich muss einfach spielen! Ich schreibe ein Werk immer nur nieder, wenn es ganz fertig ist.   

Sie machen sich also keine Kompositionsnotizen und schreiben keine Fragmente auf? 

Rihards Dubra: Keine. Das Werk entsteht in meinem Kopf. Erst, wenn ich es gut kenne, mit allen seinen Themen und in seiner gesamte Form, dann schreibe ich alles auf.   

Sie sagten einmal, Sie komponierten vor allem nachts.   

Rihards Dubra: Das ist richtig.   

Wenn es in Ihrer Orchestermusik ein geistliches Thema gibt oder eine Inspiration oder einen geistlichen Gedanken – weisen Sie dann darauf hin? Schreiben Sie etwas Erklärendes dazu oder bleibt das ein Geheimnis?   

Rihards Dubra: Ein bisschen wird es vom Titel her klar. Ich liebe es auch, immer einige Melodien hineinzuschreiben, die der Gregorianik ähnlich sind. Aber das sind nie Zitate. Ich mag es nicht, etwas zu zitieren, so dass man sagen könnte: Das ist nun im Stil der  Gregorianik oder mittelalterlicher Musik oder der Renaissance geschrieben. Aber ich versuche, dadurch zu erklären, was ich mit Musik sagen möchte.    

Wer hat Sie als Komponist besonders geprägt?   

Rihards Dubra: Vorbild Nummer eins ist für mich ist Arvo Pärt. Und dann John Taverner…  

Es gibt auch mehrere Geistliche, die Sie sehr geprägt haben. Wir wissen, dass Sie ein sehr treuer Kirchgänger sind, und vor allem ein katholischer Priester hat in Ihrem Leben als geistlicher Vater eine grosse Rolle gespielt. Aber das sind Dinge, über die Sie nicht so gerne in der Öffentlichkeit reden möchten… Nun hat einer unserer gemeinsamen Freunde, Guntars Pranis gesagt: „Rihards Dubra ist eine Ausnahme unter den Komponisten, auch unter denen, die sich als gläubig bezeichnen. Nicht dass er immer betonen würde: Ich bin ein Christ… Man spürt einfach, dass sein Glaube da ist und sehr von innen kommt!  Mancher Kollege, der auch geistliche Musik schreibt, sagt vielleicht in einem Interview: “Wir müssen das nicht so genau nehmen, das ist ein geistlicher Text, aber ich gehe nicht zur Kirche und bin auch so nah bei Gott. Was soll die Kirche, die will mich nur einengen…?” Da steht Rihards an einem ganz anderen Ort. Er geht ganz treu in seine Gemeinde und macht  manchmal noch immer eine Vertretung als Chorleiter oder Organist. Er komponiert also aus diesem ganz normalen, alltäglichen Christsein heraus. Für  mich als Interpret macht das wirklich einen ganz grossen Unterschied!“   

Rihards Dubra: Ich habe auch früher schon geistliche Musik geschrieben. Aber durch diese Musik begann ich zu fühlen, dass ich in die Kirche zurückgehen muss…   

Auf welche Tradition bezieht sich Ihre Musik? Welche Traditionssträhnen nehmen Sie bewusst auf? Etwa eine lettische Tradition?   

Rihards Dubra: Ich sage immer, dass ich nicht weiss, von welcher Nationalität ich bin… Aber das ist natürlich nicht ernst gemeint. Mir persönlich entspricht die reine lettische Tradition nicht so sehr. Mein Grossvater war Pole. Ich komme aus Lattgalen, einem Teil im Südosten Lettlands, der im Gegensatz zum weitaus größeren, lutherischen Teil des Landes katholisch geprägt ist. Als ich ein Jahr alt war, hatte ich eine Bluttransfusion, bei der mein gesamtes Blut ausgetauscht wurde. Ich sage immer, da habe ich bestimmt georgisches Blut erwischt, und deswegen liebe ich wahrscheinlich auch so sehr die würzigen Speisen… (lacht)       

Wie würden Sie Ihre Musik in einem Satz beschreiben?   

Rihards Dubra: Meine Musik ist meditativ. Manchmal möchte ich mit dem Schreiben innehalten, um zu einer neuen Sicht der Dinge zu kommen. Denn jeden Augenblick kann uns Licht, Sehnsucht und Ewigkeit ansprechen…   

Und über geistliche Musik?   

Rihards Dubra: Der Glaube ist die einzige Klarheit in diesem Leben. Was gibt es Besseres für mich, als geistliche Musik zu schreiben?     

Über Rihards Dubra: 
Rihards Dubra, Jahrgang 1964, gehört gegenwärtig zu den wichtigsten und auch international bekanntesten Komponisten Lettlands. Er studierte Musiktheorie und Komposition und war schon vor dem eigenen Studienabschluss als Kompositionslehrer an der Musikschule in Jurmala tätig, wo er heute noch wirkt. 1997 Abschluss des Studiums mit einem Masters in Komposition. Tätigkeit als Organist und Kantor in verschiedenen katholischen Kirchen Rigas. Er ist einer der Gründer des renommierten Gesangsensembles „ HYPERLINK “http://de.wikipedia.org/wiki/Schola” \o “Schola” Schola Cantorum Riga“. Dubras Oevre umfasst symphonische Musik, Oratorien und Orgelwerke. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf  geistlicher Vokalmusik. In Kürze wird sein gesamtes Werk beim Carus-Verlag in Stuttgart erscheinen. 2003 erhielt Dubra den „Grossen Musikpreis Lettlands“. Es liegen zahlreiche CD-Einspielungen vor. Dubras’ Stil ist modern;  trotzdem mischen sich Einflüsse aus Mittelalter und Renaissance mit minimalistischen Formen und einer sehr ausdrucksstarken Melodiebildung. Werke (Auswahl): Symphonia für Orchester, Vier kleine Symphonien für Kammerorchester, Messe für Chor und Orchester, „Missa Sinceritatis“ (für Tenor Solo, Oboe, Chor, Percussion und Orgel), „Sitivit Anima Mea“ für Bariton Solo, Englischhorn, 8 Cellos und 2 Kontrabässe (una sinfonia da camera), „Alma Redemptoris Mater“ für Chor, Sopransaxophon und Orgel, Oratio für Chor und Marimba, Te Deum“ für 6 Chöre und Orchester. Kleinere Kantaten, Märchenballet für Kinder, etwa 40 Motetten für Chor, Orgel- und Klavierstücke. 

Interview: Beat Rink aus: Franz Mohr/Beat Rink: “Mich umgibt ein grosser Klang”. Basel 2008

ENGLISH

On 10th December, 1968, exactly 50 years ago, Karl Barth, one of the greatest theologians of the 20th century, died. In one of his early writings, “The Letter to the Romans”, he directed sharp words against any mixing of human ideology with the word of God. Together with the “Confessing Church”, Barth raised his voice against National Socialism. With the numerous volumes of the unfinished series “Church Dogmatics”, he created a mighty theological construction with Jesus Christ at its centre. 
For Barth, there was really only one composer: Mozart! One of his statements was, “When the angels make music for God, they play Bach. But when they are off duty, they play Mozart.” Barth wrote some short articles about Mozart and gave a lecture in Basel Music Hall in the Mozart Jubilee year 1956. 
Here are some of Karl Barth’s statements about Mozart (with subtitles from us):

An optimist or a pessimist?
“Herein is the strangely exciting but at the same time calming quality of his music: it evidently comes from on high, where (since everything is known there) the right and the left of existence and therefore its joy and sorrow, good and evil, life and death, are experienced in their reality but also in their limitation. (…)  No, Mozart was not of sanguine temperament, not an optimist (not even in his most radiant major-key movements, not in his serenades and divertimenti, nor in Figaro , nor in Cosi fan tutte !). But no, neither was he a melancholic or a pessimist (not in the small or in the great G-Minor Symphonies, not in the D-Minor Piano Concerto, nor in the “Dissonance” Quartet, nor in the Overture to and the Finale of Don Giovanni !). What he translated into music was real life in all its discord. But in defiance of that, and on the sure foundation of God’s good creation, and because of that, he moves always from left to right, never the reverse. This, no doubt, is what is meant by his triumphant “charm.” In Mozart there are no flat plains but no abysses either. He does not make things easy for himself. But neither does he let himself go; he is never guilty of excess. Imposing limits, he tells us how everything is. Therein lies the beauty of his beneficent and moving music. I know of no other about whom one can say quite the same thing.” * 

How did he know all this?
“Question: How then did he know all things so clearly, as his music reveals? He knew them at least as vividly as Goethe, whose eye for nature, history, and art Mozart seemed not at all to possess—and unquestionably more clearly than hundreds of thousands of better read, better “educated,” more interested connoisseurs of the world and of man in all ages. I do not know the answer. He must have had organs which, as if to belie that extraordinary seclusion from the external world, made it in fact possible for him to apprehend universally what he was able to state universally. Mozart’s music is not, in contrast to that of Bach, a message, and not, in contrast to that of Beethoven, a personal confession. He does not reveal in his music any doctrine and certainly not himself. The discoveries ostensibly made in both these directions, especially in his later works, seem to me artificial and not very illuminating. Mozart does not wish to say anything: he just sings and sounds. Thus he does not force anything on the listener, does not demand that he make any decisions or take any positions; he simply leaves him free. Doubtless the enjoyment he gives begins with our accepting that. On one occasion he called death man’s true best friend, and he thought daily of death, as his works plainly reveal. But he does not dwell on it unduly; he merely lets us discover it. Nor does he will to proclaim the praise of God. He just does it – precisely in that humility in which he himself is, so to speak, only the instrument with which he allows us to hear what he hears: what surges at him from God’s creation, what rises in him, and must proceed from him.” * 

Earth remains earth
“This implies that to an extraordinary degree his music is free of all exaggeration, of all sharp breaks and contradictions. The sun shines but does not blind, does not burn or consume. Heaven arches over the earth, but it does not weigh it down, it does not crush or devour it. Hence earth remains earth, with no need to maintain itself in a titanic revolt against heaven. Granted, darkness, chaos, death, and hell do appear, but not for a moment are they allowed to prevail. Knowing all, Mozart creates music from a mysterious center, and so knows and observes limits to the right and the left, above and below. He maintains moderation. Again in 1781, he wrote that “passions, violent or not, may never be expressed to the point of revulsion, that even in the most frightening situation music must never offend the ear but must even then offer enjoyment, i.e., music must always remain music.” (…) 
There is no light which does not know also dark, no joy which does not have also within sorrow; but the converse is also true: no fear, no rage, no plaint which does not have, far or near, peace at its side. No laughter without tears, no weeping without laughter!” **

* Wolfgang Amadeus Mozart. Basel 1956
** “Mozart’s Freedom” (lecture)

DEUTSCH

Am 10.Dezember 1968, also vor 50 Jahren, starb einer der grössten Theologen des 20.Jahrhunderts, Karl Barth. Mit seiner frühen Schrift „Der Römerbrief“ wandte er sich scharf gegen alle Vermischung menschlicher Ideologie mit dem Wort Gottes. Barths erhob zusammen mit der „Bekennenden Kirche“ die Stimme gegen den Nationalsozialismus. Mit seiner vielbändigen, unvollendet gebliebenen „Kirchlichen Dogmatik“ schuf er ein gewaltiges theologisches Gebäude, in dessen Zentrum Jesus Christus steht.  
Für Barth gab es eigentlich nur einen Komponisten: Mozart! Er pflegte zu sagen:  “Wenn die Engel für Gott musizieren, spielen sie Bach. Aber wenn sie unter sich sind, spielen sie Mozart .“ Barth hat einige kleine Schriften zu Mozart verfasst und zum Mozart-Jubiläum 1956 im Basler Musiksaal eine Vortrag gehalten. Hier einige Sätze Karl Barths zu Mozart (mit Hervorhebungen und Untertiteln von uns): 

Optimist oder Pessimist?
“Das ist das eigentümlich Aufregende und Beruhigende seiner Musik: sie kommt bemerkbar aus einer Höhe, von  der her (man weiss dort um alles) des Daseins rechte und seine linke Seite und also die Freude und der Schmerz, das Gute und das Böse, das Leben und der Tod zugleich in ihrer Wirklichkeit, aber auch in ihrer Begrenzung eingesehen sind. (…) Nein, er war kein Sanguiniker, kein Optimist (auch in seinen strahlendsten Dur-Sätzen nicht, auch nicht in seinen Serenaden und Divertimenti, auch nicht im Figaro, auch nicht in Cosi fan tutte!). Aber nein, er war auch kein Melancholiker, kein Pessi­mist (auch nicht in der kleinen und in der grossen g­ moll-Symphonie, auch nicht im d-moll-Klavierkonzert, auch nicht im Dissonanzen-Quartett, auch nicht in der Ouvertüre und im Schluss des Don Giovanni !). Er musizierte das wirkliche Leben in seiner Zwiespältig­keit, aber ihr zum Trotz auf dem Hintergrund  der guten Schöpfung Gottes und darum allerdings (das meint wohl die Rede von seiner siegreichen «Anmut») in steter Wendung von links nach rechts und nie um­ gekehrt. Es gibt bei ihm keine Flachheiten, aber auch keine Untiefen. Er macht es sich nicht billig. Er lässt sich aber auch nicht gehen, er leistet sich keine Exzesse. Er sagt bloss begrenzend, wie alles ist. Darin ist seine Musik schön, wohltuend, bewegend. Ich kenne keine andere, von der man das so sagen kann.” *

Woher wusste er so viel?
“Frage: Woher wusste er nun doch um alles so genau, wie er es laut seiner Musik offenkundig wusste: mindestens ebenso gut wie Goethe, dessen nach allen Seiten offene Augen für Natur, Geschichte und Kunst er doch scheinbar so gar nicht hatte – und fraglos besser als Hunderttausende von beleseneren, im übli­chen Sinn der Worte «gebildeteren» und interessier­teren Welt- und Menschenkennern aller Zeiten? Ich weiß keine Antwort. Er muss Organe gehabt haben, die es ihm faktisch ermöglichten, jener merkwürdi­gen äusseren Abgeschlossenheit zum Trotz universal aufzunehmen, was er notorisch so universal wieder­ zugeben wusste. Mozarts Musik ist im Unterschied zu der von Bach keine Botschaft und im Unterschied zu der von Beet­hoven kein Lebensbekenntnis. Er musiziert keine Leh­ren und erst recht nicht sich selbst. Die Entdeckungen, die man nach diesen beiden Richtungen besonders in seinen späteren Werken hat machen wollen, scheinen mir künstlich und wenig einleuchtend. Mozart will nichts sagen, er singt und klingt nur eben. Und so drängt er dem Hörer nichts auf, verlangt von ihm keine Entscheidungen und Stellungnahmen, gibt ihn nur eben frei. Die Freude an ihm beginnt wohl damit, daß man sich das gefallen lässt. Er hat einmal den Tod des Menschen wahren, besten Freund genannt, an den er jeden Tag denke, und es ist in seinem Werk mit Händen zu greifen, dass er das wirklich getan hat. Aber er macht auch daraus kein Aufheben, lässt es nur eben erraten. Er will auch nicht das Lob Gottes verkündigen. Er tut es nur eben faktisch: gerade in der Demut, in der er, gewissermassen selber nur Instrument, nur eben hören lässt, was er offenbar hört, was aus Gottes Schöpfung auf ihn eindringt, in ihm emporsteigt, aus ihm hervor­ gehen will.” *

Erde bleibt Erde
“Das bringt es nun aber mit sich, dass seine Musik in einer ganz ungemeinen Weise frei ist von allen Über­steigerungen, von allen prinzipiellen Brüchen und Ent­gegensetzungen. Die Sonne scheint, aber sie blendet, verzehrt, verbrennt nicht. Der Himmel wölbt sich über der Erde, aber er lastet nicht auf ihr, er erdrückt und verschlingt sie nicht. Und so ist und bleibt die Erde die Erde, aber ohne sich in einem titanischen Aufruhr gegen den Himmel behaupten zu müssen. So machen sich auch die Finsternis, das Chaos, der Tod und die Hölle be­ merkbar, sie dürfen aber keinen Augenblick überhand­ nehmen. Mozart musiziert, wissend um alles, aus einer geheimnisvollen Mitte heraus, und so kennt und wahrt er die Grenzen nach rechts und nach links, nach oben und nach unten. Er hält Mass. Dass « die Leidenschaften, heftig oder nicht, niemals bis zum Ekel ausgedrückt sein müssen und dass Musik auch in der schaudervoll­sten Lage das Ohr niemals beleidigen, sondern doch dabei vergnügen muss, folglich Musik allzeit Musik bleiben muss» hat er wieder 1781 geschrieben. (…)
Da ist kein Licht, das nicht auch das Dunkel kennte, keine Freude, die nicht auch das Leid in sich schlösse, aber auch umgekehrt: kein Erschrecken, kein Zorn, keine Klage, der nicht der Friede in irgendeiner Nähe oder Feme zur Seite träte. Kein Lachen ohne Weinen also, aber auch kein Weinen ohne Lachen!” **

* aus: Wolfgang Amadeus Mozart, Basel 1956
** aus: Mozarts Freiheit. Vortrag vom 29. Januar 1956


ENGLISH

On 10th December, 1968, exactly 50 years ago, Karl Barth, one of the greatest theologians of the 20th century, died. In one of his early writings, “The Letter to the Romans”, he directed sharp words against any mixing of human ideology with the word of God. Together with the “Confessing Church”, Barth raised his voice against National Socialism. With the numerous volumes of the unfinished series “Church Dogmatics”, he created a mighty theological construction with Jesus Christ at its centre. 
For Barth, there was really only one composer: Mozart! One of his statements was, “When the angels make music for God, they play Bach. But when they are off duty, they play Mozart.” Barth wrote some short articles about Mozart and gave a lecture in Basel Music Hall in the Mozart Jubilee year 1956. 
Here are some of Karl Barth’s statements about Mozart (with subtitles from us):

An optimist or a pessimist?
“Herein is the strangely exciting but at the same time calming quality of his music: it evidently comes from on high, where (since everything is known there) the right and the left of existence and therefore its joy and sorrow, good and evil, life and death, are experienced in their reality but also in their limitation. (…)  No, Mozart was not of sanguine temperament, not an optimist (not even in his most radiant major-key movements, not in his serenades and divertimenti, nor in Figaro , nor in Cosi fan tutte !). But no, neither was he a melancholic or a pessimist (not in the small or in the great G-Minor Symphonies, not in the D-Minor Piano Concerto, nor in the “Dissonance” Quartet, nor in the Overture to and the Finale of Don Giovanni !). What he translated into music was real life in all its discord. But in defiance of that, and on the sure foundation of God’s good creation, and because of that, he moves always from left to right, never the reverse. This, no doubt, is what is meant by his triumphant “charm.” In Mozart there are no flat plains but no abysses either. He does not make things easy for himself. But neither does he let himself go; he is never guilty of excess. Imposing limits, he tells us how everything is. Therein lies the beauty of his beneficent and moving music. I know of no other about whom one can say quite the same thing.” * 

How did he know all this?
“Question: How then did he know all things so clearly, as his music reveals? He knew them at least as vividly as Goethe, whose eye for nature, history, and art Mozart seemed not at all to possess—and unquestionably more clearly than hundreds of thousands of better read, better “educated,” more interested connoisseurs of the world and of man in all ages. I do not know the answer. He must have had organs which, as if to belie that extraordinary seclusion from the external world, made it in fact possible for him to apprehend universally what he was able to state universally. Mozart’s music is not, in contrast to that of Bach, a message, and not, in contrast to that of Beethoven, a personal confession. He does not reveal in his music any doctrine and certainly not himself. The discoveries ostensibly made in both these directions, especially in his later works, seem to me artificial and not very illuminating. Mozart does not wish to say anything: he just sings and sounds. Thus he does not force anything on the listener, does not demand that he make any decisions or take any positions; he simply leaves him free. Doubtless the enjoyment he gives begins with our accepting that. On one occasion he called death man’s true best friend, and he thought daily of death, as his works plainly reveal. But he does not dwell on it unduly; he merely lets us discover it. Nor does he will to proclaim the praise of God. He just does it – precisely in that humility in which he himself is, so to speak, only the instrument with which he allows us to hear what he hears: what surges at him from God’s creation, what rises in him, and must proceed from him.” * 

Earth remains earth
“This implies that to an extraordinary degree his music is free of all exaggeration, of all sharp breaks and contradictions. The sun shines but does not blind, does not burn or consume. Heaven arches over the earth, but it does not weigh it down, it does not crush or devour it. Hence earth remains earth, with no need to maintain itself in a titanic revolt against heaven. Granted, darkness, chaos, death, and hell do appear, but not for a moment are they allowed to prevail. Knowing all, Mozart creates music from a mysterious center, and so knows and observes limits to the right and the left, above and below. He maintains moderation. Again in 1781, he wrote that “passions, violent or not, may never be expressed to the point of revulsion, that even in the most frightening situation music must never offend the ear but must even then offer enjoyment, i.e., music must always remain music.” (…) 
There is no light which does not know also dark, no joy which does not have also within sorrow; but the converse is also true: no fear, no rage, no plaint which does not have, far or near, peace at its side. No laughter without tears, no weeping without laughter!” **

* Wolfgang Amadeus Mozart. Basel 1956
** “Mozart’s Freedom” (lecture)

DEUTSCH

Am 10.Dezember 1968, also vor 50 Jahren, starb einer der grössten Theologen des 20.Jahrhunderts, Karl Barth. Mit seiner frühen Schrift „Der Römerbrief“ wandte er sich scharf gegen alle Vermischung menschlicher Ideologie mit dem Wort Gottes. Barths erhob zusammen mit der „Bekennenden Kirche“ die Stimme gegen den Nationalsozialismus. Mit seiner vielbändigen, unvollendet gebliebenen „Kirchlichen Dogmatik“ schuf er ein gewaltiges theologisches Gebäude, in dessen Zentrum Jesus Christus steht.  
Für Barth gab es eigentlich nur einen Komponisten: Mozart! Er pflegte zu sagen:  “Wenn die Engel für Gott musizieren, spielen sie Bach. Aber wenn sie unter sich sind, spielen sie Mozart .“ Barth hat einige kleine Schriften zu Mozart verfasst und zum Mozart-Jubiläum 1956 im Basler Musiksaal eine Vortrag gehalten. Hier einige Sätze Karl Barths zu Mozart (mit Hervorhebungen und Untertiteln von uns): 

Optimist oder Pessimist?
“Das ist das eigentümlich Aufregende und Beruhigende seiner Musik: sie kommt bemerkbar aus einer Höhe, von  der her (man weiss dort um alles) des Daseins rechte und seine linke Seite und also die Freude und der Schmerz, das Gute und das Böse, das Leben und der Tod zugleich in ihrer Wirklichkeit, aber auch in ihrer Begrenzung eingesehen sind. (…) Nein, er war kein Sanguiniker, kein Optimist (auch in seinen strahlendsten Dur-Sätzen nicht, auch nicht in seinen Serenaden und Divertimenti, auch nicht im Figaro, auch nicht in Cosi fan tutte!). Aber nein, er war auch kein Melancholiker, kein Pessi­mist (auch nicht in der kleinen und in der grossen g­ moll-Symphonie, auch nicht im d-moll-Klavierkonzert, auch nicht im Dissonanzen-Quartett, auch nicht in der Ouvertüre und im Schluss des Don Giovanni !). Er musizierte das wirkliche Leben in seiner Zwiespältig­keit, aber ihr zum Trotz auf dem Hintergrund  der guten Schöpfung Gottes und darum allerdings (das meint wohl die Rede von seiner siegreichen «Anmut») in steter Wendung von links nach rechts und nie um­ gekehrt. Es gibt bei ihm keine Flachheiten, aber auch keine Untiefen. Er macht es sich nicht billig. Er lässt sich aber auch nicht gehen, er leistet sich keine Exzesse. Er sagt bloss begrenzend, wie alles ist. Darin ist seine Musik schön, wohltuend, bewegend. Ich kenne keine andere, von der man das so sagen kann.” *

Woher wusste er so viel?
“Frage: Woher wusste er nun doch um alles so genau, wie er es laut seiner Musik offenkundig wusste: mindestens ebenso gut wie Goethe, dessen nach allen Seiten offene Augen für Natur, Geschichte und Kunst er doch scheinbar so gar nicht hatte – und fraglos besser als Hunderttausende von beleseneren, im übli­chen Sinn der Worte «gebildeteren» und interessier­teren Welt- und Menschenkennern aller Zeiten? Ich weiß keine Antwort. Er muss Organe gehabt haben, die es ihm faktisch ermöglichten, jener merkwürdi­gen äusseren Abgeschlossenheit zum Trotz universal aufzunehmen, was er notorisch so universal wieder­ zugeben wusste. Mozarts Musik ist im Unterschied zu der von Bach keine Botschaft und im Unterschied zu der von Beet­hoven kein Lebensbekenntnis. Er musiziert keine Leh­ren und erst recht nicht sich selbst. Die Entdeckungen, die man nach diesen beiden Richtungen besonders in seinen späteren Werken hat machen wollen, scheinen mir künstlich und wenig einleuchtend. Mozart will nichts sagen, er singt und klingt nur eben. Und so drängt er dem Hörer nichts auf, verlangt von ihm keine Entscheidungen und Stellungnahmen, gibt ihn nur eben frei. Die Freude an ihm beginnt wohl damit, daß man sich das gefallen lässt. Er hat einmal den Tod des Menschen wahren, besten Freund genannt, an den er jeden Tag denke, und es ist in seinem Werk mit Händen zu greifen, dass er das wirklich getan hat. Aber er macht auch daraus kein Aufheben, lässt es nur eben erraten. Er will auch nicht das Lob Gottes verkündigen. Er tut es nur eben faktisch: gerade in der Demut, in der er, gewissermassen selber nur Instrument, nur eben hören lässt, was er offenbar hört, was aus Gottes Schöpfung auf ihn eindringt, in ihm emporsteigt, aus ihm hervor­ gehen will.” *

Erde bleibt Erde
“Das bringt es nun aber mit sich, dass seine Musik in einer ganz ungemeinen Weise frei ist von allen Über­steigerungen, von allen prinzipiellen Brüchen und Ent­gegensetzungen. Die Sonne scheint, aber sie blendet, verzehrt, verbrennt nicht. Der Himmel wölbt sich über der Erde, aber er lastet nicht auf ihr, er erdrückt und verschlingt sie nicht. Und so ist und bleibt die Erde die Erde, aber ohne sich in einem titanischen Aufruhr gegen den Himmel behaupten zu müssen. So machen sich auch die Finsternis, das Chaos, der Tod und die Hölle be­ merkbar, sie dürfen aber keinen Augenblick überhand­ nehmen. Mozart musiziert, wissend um alles, aus einer geheimnisvollen Mitte heraus, und so kennt und wahrt er die Grenzen nach rechts und nach links, nach oben und nach unten. Er hält Mass. Dass « die Leidenschaften, heftig oder nicht, niemals bis zum Ekel ausgedrückt sein müssen und dass Musik auch in der schaudervoll­sten Lage das Ohr niemals beleidigen, sondern doch dabei vergnügen muss, folglich Musik allzeit Musik bleiben muss» hat er wieder 1781 geschrieben. (…)
Da ist kein Licht, das nicht auch das Dunkel kennte, keine Freude, die nicht auch das Leid in sich schlösse, aber auch umgekehrt: kein Erschrecken, kein Zorn, keine Klage, der nicht der Friede in irgendeiner Nähe oder Feme zur Seite träte. Kein Lachen ohne Weinen also, aber auch kein Weinen ohne Lachen!” **

* aus: Wolfgang Amadeus Mozart, Basel 1956
** aus: Mozarts Freiheit. Vortrag vom 29. Januar 1956


Für die 24’500 meist jüdischen Flüchtlinge, die im Zweiten Weltkrieg an der Schweizer-Grenze abgewiesen wurden. Wir wünschen Orte in der Schweiz, wo wir um diese Frauen, Männer und Kinder trauern, uns an sie erinnern und gestärkt unsern Weg in eine versöhnte Zukunft gehen können. 

In sehr vielen Ländern bis Japan, gibt es Holocaust Gedenkstätten und haben Staatsoberhäupter das Unrecht an jüdischen Menschen zugegeben, einige gingen dafür bis nach Israel. Es wurde immer gut aufgenommen. Die ganze Wahrheit muss jetzt auch in der Schweiz ans Licht kommen. Ihrer Toten zu gedenken ist eine Pflicht für die Lebenden, besonders im Judentum. 

Teilen Sie uns mit was Sie für diese Sache tun wollen:
– Konzept, Realisation, Administration
– Rechtliche Abklärungen (Bilder, Bewilligungen)
– Gestaltung des Mahnmals der nationalen Gedenkstätte
– Online-Petition
– Patronatskommitee
– Finanzieller Support

IG-Mahnmal-CH, Koordination & Kontakt:
Markus F. Neurohr-Schäfer | Saumackerstr. 89
8048 Zürich | 076 413 56 55 | mneurohr@swissonline.ch

Brief

Video

«Ein Comic sagt mehr als tausend Worte» – so auch das Velo. Es steht für eine nachhaltige Energiezukunft, für eine zeitgemässe städtische Mobilität und für das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Das schlanke Gefährt soll Platz in unseren Herzen, aber auch seinen verdienten Raum auf der Strasse erhalten.

Die Wettbewerbspartner Umsicht – Agentur für Umwelt & Kommunikatio, EnergieSchweiz und Stadt Luzern freuen sich auf Velogeschichten aus der ganzen Welt.

«Burn fat not oil – zeichne los und fahre Velo!».
Einsendeschluss: 4. Januar 2019.

Link und Infos zur Anmeldung

ENGLISH

In the Crescendo network there are many outstanding organists who bless others with their work in churches, concerts and teaching positions. In recent weeks we have had memorable meetings with organists who recounted events from their lives and service – and also showed us their instruments (including the organ in Cologne Cathedral).  One of the organists was Chelsea Chen, who told us how members of the audience come up to her after concerts and often share things that one normally entrusts only to a good friend. What is the reason behind this? Do listeners at the concert gain the impression that the person playing is someone who understands them? (To what extent can other art forms also cause this experience?*) Does this have anything to do with the fact that art prepares “the inner soil” and makes it fruitful? (See the last TUNE IN.) We asked Chelsea a few questions.    

Chelsea, please, tell us about your encounters with the audience after your concerts.  

Chelsea Chen: Over the years as a concert organist I have had many profound interactions with audience members following performances. Most recently in Ft. Worth, Texas, an older lady approached me with tears in her eyes. She told me that my concert was the first event she allowed herself to attend following her husband’s death.  She thanked me for bringing her comfort and even joy.  I gave her a hug.  Later I reflected on how my program was not tailored for someone in mourning, and yet God used it anyway to bless this woman.  

When did this start?    

Chelsea Chen: I think it started from the time I began performing solo concerts in high school and college. Later, when I lived in Taiwan, a Christian friend told me he thought music could break down many barriers. He advised me to treasure any opportunities to share God’s love with people before, during, or after performances.  

What is in your eyes the reason for this?  

Chelsea Chen: Music definitely opens up a bridge between people.  It creates a safe space for sharing, as I am myself already vulnerable on stage.  People will comment on the things I talk about during the concert, and they will also talk about how my music makes them feel.  I believe God tugs on their hearts, whether they are aware of it or not.  And the music doesn’t have to be sacred.  God can use the humorous, playful, joyful, dark or serious pieces to stir our emotions.  We are then more likely to engage in the kind of conversations we would not normally have with perfect strangers. Another way music works mysteriously: my ailing grandmother can play hymns from memory on the piano but she cannot engage any other part of her mind.  God has given her that gift, whether or not she is aware of it!       

How do you prepare before the concerts?  

Chelsea Chen: Since I’m adjusting to different organs at every venue, I typically arrive one to two days in advance to practice and make registrations.  This process takes several hours depending on the instrument and the repertoire. On the day of the concert, I like to spend some time in quiet before the performance, praying and doing some mental practice. When possible, my husband prays with me over the phone, if he’s not present. We pray for the conversations I’ll have with people after the concert as much as we pray for the performance itself.    

Please, say some words about your journey as a musician and as a Christian.  

Chelsea Chen: I became a Christian as a young child, but my faith grew exponentially in college when I was a part of the Juilliard Christian Fellowship. I was amazed at the diversity of backgrounds represented there, and I was moved by the way people prayed, sang, and studied the Bible.  After my freshman year, I remember one sleepless night when I was stressing out about my future.  As I began to pray, I heard God reminding me that I was first and foremost His child. My identity was in Him, not in my profession, family, ethnicity, or anything else. That realization freed me up to pursue a musical career without regret, as I knew He would love me no matter what. I have been amazed at the places He has taken me as an organist, especially since it wasn’t my dream to play this instrument as a child– my passion for the organ developed over many years.  Now I find myself incredibly thankful for the doors He has opened for me.  I treasure each performing, teaching, or composing opportunity, knowing they are all chances to magnify glory to Him.    

* Please send us accounts of your own experiences: info@crescendo.org

Interview & editing: Beat Rink / Bill Buchanan

DEUTSCH

Im Netzwerk von Crescendo gibt es zahlreiche hervorragende Organisten, die in Kirchen, in Konzerten und auf Lehrstühlen einen segensreichen Dienst tun. In den letzten Wochen hatten wir sehr schöne Begegnungen mit Organisten, die aus ihrem Leben und Dienst erzählten – und uns auch einen Blick auf ihre Orgeln (darunter jene im Kölner Dom!) werfen liessen.
Darunter war die Organistin Chelsea Chen, die davon erzählte, wie Zuhörer aus dem Publikum nach Konzerten auf sie zukommen und ihr oft Dinge erzählen, die man nur einem guten Freund anvertraut. Was steckt dahinter? Haben Zuhörer in einem Konzert den Eindruck: Hier spielt jemand, der mich versteht? (Inwiefern ist dies auch in anderen Kunstformen erfahrbar?*) Hat dies damit zu tun, dass Kunst den „inneren Boden“ bearbeitet und fruchtbar macht (siehe das letzte TUNE IN)?
Wir haben Chelsea ein paar Fragen gestellt.

Chelsea, bitte erzähl uns etwas von den Begegnungen mit Zuhörern nach einem Konzert.

Chelsea Chen: Im Lauf meiner Jahre als Konzertorganistin habe schon viele tiefe Gespräche mit Zuhörern führen können, meist unmittelbar nach einer Aufführung. Gerade kürzlich kam in Ft.Worth, Texas, eine ältere Frau mit Tränen in den Augen auf mich zu und erzählte mir, dass dieses Konzert der erste Anlass sei, den sie sich nach dem Tod ihres Mannes gegönnt habe. Sie dankte mir für den Trost und die Freude, die ich ihr gegeben hätte. Ich umarmte sie. Später dachte ich darüber nach, wie mein Programm überhaupt nicht auf einen trauernden Menschen zugeschnitten war, aber von Gott trotzdem gebraucht wurde, dass diese Frau gesegnet wurde.  

Seit wann erlebst du solche Dinge?     

Chelsea Chen: Ich denke, seitdem ich Solokonzerte gebe, also seit der High School und dem College. Später, als ich in Taiwan lebte, sagte mir einmal ein befreundeter Mitchrist, dass Musik seiner Meinung nach viele Barrieren niederreissen könne. Er riet mir, jede Gelegenheit als Geschenk anzusehen, bei der es mir möglich sei, vor, während oder nach einem Konzert Gottes Liebe weiterzugeben.

Was ist deiner Meinung nach der Grund für solche Erlebnisse?

Chelsea Chen: Musik baut zweifellos Brücken zwischen den Menschen. Sie schafft einen sicheren Ort, an dem tiefer Austausch möglich ist; denn ich mache mich auch selber verletzlich, wen ich auftrete. Die Zuhörer kommentieren dann oft meine Worte, die ich im Konzert gesagt habe. Und sie erzählen davon, was sie bei der Musik empfunden haben. Ich denke, Gott rührt ihre Herzen an, ob sie es merken oder nicht. Auch bei nicht-sakraler Musik! Gott kann humorvolle, verspielte, fröhliche sowie dunkle und ernste Musik gebrauchen, um unsere Gefühle zu bewegen. Dann werden Gespräche möglich, die wir sonst nicht mit einem wildfremden Menschen führen würden. Ein anderes Mysterium der Musik: Meine Grossmutter, die schon sehr gebrechlich ist, spielt auswendig auf dem Klavier alte Hymnen, während ihr Gedächtnis und ihr Denkvermögen sonst versagt. Gott hat ihr diese Gabe geschenkt, ob sie sich dessen bewusst ist oder nicht!

Wie bereitest du dich auf ein Konzert vor? 

Chelsea Chen: Da ich mich an jedem Aufführungsort auf eine andere Orgel einstellen muss, reise ich meist zwei Tage früher an, um zu üben und die Registrierungen zu machen. Dies dauert oft mehrere Stunden, je nach Instrument und Repertoire. Den Konzerttag verbringe ich gern ruhig, um mich im Gebet und mit Mentaltraining auf die Aufführung vorzubereiten. Wenn mein Mann nicht dabei ist, beten wir zusammen am Telefon, wenn immer möglich. Wir bitten Gott für gute Gesprächenach dem Konzert und natürlich für das Konzert selbst.

Bitte sag einige Worte über deinen Weg als Christin und Musikerin.

Chelsea Chen: Ich war schon als Kind gläubig. Aber mein Glaube wuchs exponentiell, als ich die christliche Gemeinschaft an der Juilliard School besuchte. Ich war erstaunt über die  vielfältigen kirchlichen Traditionen, die hier vertreten waren, und es beeindruckte mich, wie die Leute beteten, sangen und die Bibel studierten. Ich erinnere mich an eine schlaflose Nacht nach meinem ersten Studienjahr. Ich machte mir Sorgen über meine Zukunft. Als ich zu beten begann, empfand ich, dass Gott mich daran erinnerte, dass ich zuallererst sein Kind bin, und dass meine Identität in Ihm und nicht in meinem Beruf,  meiner Familie, meiner Herkunft oder sonst etwas liegt. Diese Einsicht befreite mich, meine musikalische Laufbahn ohne Sorge weiter zu verfolgen, denn ich wusste: Er liebt mich, was auch kommen mag. Ich staune darüber, wohin Er mich als Organistin schon alles geführt hat. Als Kind hatte ich überhaupt noch nicht ans Orgelspielen gedacht; meine Leidenschaft dafür hatte sich erst mit der Zeit entwickelt. Nun bin ich dankbar für die Türen, die Gott mir dadurch schon geöffnet hat. Jede Aufführung, jede Unterrichtsstunde und jede Kompositionsmöglichkeit sind für mich wertvoll, denn sie geben mir die Möglichkeit, Sein Lob grösser zu machen.

Interview: Beat Rink

ENGLISH

In the Crescendo network there are many outstanding organists who bless others with their work in churches, concerts and teaching positions. In recent weeks we have had memorable meetings with organists who recounted events from their lives and service – and also showed us their instruments (including the organ in Cologne Cathedral).  One of the organists was Chelsea Chen, who told us how members of the audience come up to her after concerts and often share things that one normally entrusts only to a good friend. What is the reason behind this? Do listeners at the concert gain the impression that the person playing is someone who understands them? (To what extent can other art forms also cause this experience?*) Does this have anything to do with the fact that art prepares “the inner soil” and makes it fruitful? (See the last TUNE IN.) We asked Chelsea a few questions.    

Chelsea, please, tell us about your encounters with the audience after your concerts.  

Chelsea Chen: Over the years as a concert organist I have had many profound interactions with audience members following performances. Most recently in Ft. Worth, Texas, an older lady approached me with tears in her eyes. She told me that my concert was the first event she allowed herself to attend following her husband’s death.  She thanked me for bringing her comfort and even joy.  I gave her a hug.  Later I reflected on how my program was not tailored for someone in mourning, and yet God used it anyway to bless this woman.  

When did this start?    

Chelsea Chen: I think it started from the time I began performing solo concerts in high school and college. Later, when I lived in Taiwan, a Christian friend told me he thought music could break down many barriers. He advised me to treasure any opportunities to share God’s love with people before, during, or after performances.  

What is in your eyes the reason for this?  

Chelsea Chen: Music definitely opens up a bridge between people.  It creates a safe space for sharing, as I am myself already vulnerable on stage.  People will comment on the things I talk about during the concert, and they will also talk about how my music makes them feel.  I believe God tugs on their hearts, whether they are aware of it or not.  And the music doesn’t have to be sacred.  God can use the humorous, playful, joyful, dark or serious pieces to stir our emotions.  We are then more likely to engage in the kind of conversations we would not normally have with perfect strangers. Another way music works mysteriously: my ailing grandmother can play hymns from memory on the piano but she cannot engage any other part of her mind.  God has given her that gift, whether or not she is aware of it!       

How do you prepare before the concerts?  

Chelsea Chen: Since I’m adjusting to different organs at every venue, I typically arrive one to two days in advance to practice and make registrations.  This process takes several hours depending on the instrument and the repertoire. On the day of the concert, I like to spend some time in quiet before the performance, praying and doing some mental practice. When possible, my husband prays with me over the phone, if he’s not present. We pray for the conversations I’ll have with people after the concert as much as we pray for the performance itself.    

Please, say some words about your journey as a musician and as a Christian.  

Chelsea Chen: I became a Christian as a young child, but my faith grew exponentially in college when I was a part of the Juilliard Christian Fellowship. I was amazed at the diversity of backgrounds represented there, and I was moved by the way people prayed, sang, and studied the Bible.  After my freshman year, I remember one sleepless night when I was stressing out about my future.  As I began to pray, I heard God reminding me that I was first and foremost His child. My identity was in Him, not in my profession, family, ethnicity, or anything else. That realization freed me up to pursue a musical career without regret, as I knew He would love me no matter what. I have been amazed at the places He has taken me as an organist, especially since it wasn’t my dream to play this instrument as a child– my passion for the organ developed over many years.  Now I find myself incredibly thankful for the doors He has opened for me.  I treasure each performing, teaching, or composing opportunity, knowing they are all chances to magnify glory to Him.    

* Please send us accounts of your own experiences: info@crescendo.org

Interview & editing: Beat Rink / Bill Buchanan

DEUTSCH

Im Netzwerk von Crescendo gibt es zahlreiche hervorragende Organisten, die in Kirchen, in Konzerten und auf Lehrstühlen einen segensreichen Dienst tun. In den letzten Wochen hatten wir sehr schöne Begegnungen mit Organisten, die aus ihrem Leben und Dienst erzählten – und uns auch einen Blick auf ihre Orgeln (darunter jene im Kölner Dom!) werfen liessen.
Darunter war die Organistin Chelsea Chen, die davon erzählte, wie Zuhörer aus dem Publikum nach Konzerten auf sie zukommen und ihr oft Dinge erzählen, die man nur einem guten Freund anvertraut. Was steckt dahinter? Haben Zuhörer in einem Konzert den Eindruck: Hier spielt jemand, der mich versteht? (Inwiefern ist dies auch in anderen Kunstformen erfahrbar?*) Hat dies damit zu tun, dass Kunst den „inneren Boden“ bearbeitet und fruchtbar macht (siehe das letzte TUNE IN)?
Wir haben Chelsea ein paar Fragen gestellt.

Chelsea, bitte erzähl uns etwas von den Begegnungen mit Zuhörern nach einem Konzert.

Chelsea Chen: Im Lauf meiner Jahre als Konzertorganistin habe schon viele tiefe Gespräche mit Zuhörern führen können, meist unmittelbar nach einer Aufführung. Gerade kürzlich kam in Ft.Worth, Texas, eine ältere Frau mit Tränen in den Augen auf mich zu und erzählte mir, dass dieses Konzert der erste Anlass sei, den sie sich nach dem Tod ihres Mannes gegönnt habe. Sie dankte mir für den Trost und die Freude, die ich ihr gegeben hätte. Ich umarmte sie. Später dachte ich darüber nach, wie mein Programm überhaupt nicht auf einen trauernden Menschen zugeschnitten war, aber von Gott trotzdem gebraucht wurde, dass diese Frau gesegnet wurde.  

Seit wann erlebst du solche Dinge?     

Chelsea Chen: Ich denke, seitdem ich Solokonzerte gebe, also seit der High School und dem College. Später, als ich in Taiwan lebte, sagte mir einmal ein befreundeter Mitchrist, dass Musik seiner Meinung nach viele Barrieren niederreissen könne. Er riet mir, jede Gelegenheit als Geschenk anzusehen, bei der es mir möglich sei, vor, während oder nach einem Konzert Gottes Liebe weiterzugeben.

Was ist deiner Meinung nach der Grund für solche Erlebnisse?

Chelsea Chen: Musik baut zweifellos Brücken zwischen den Menschen. Sie schafft einen sicheren Ort, an dem tiefer Austausch möglich ist; denn ich mache mich auch selber verletzlich, wen ich auftrete. Die Zuhörer kommentieren dann oft meine Worte, die ich im Konzert gesagt habe. Und sie erzählen davon, was sie bei der Musik empfunden haben. Ich denke, Gott rührt ihre Herzen an, ob sie es merken oder nicht. Auch bei nicht-sakraler Musik! Gott kann humorvolle, verspielte, fröhliche sowie dunkle und ernste Musik gebrauchen, um unsere Gefühle zu bewegen. Dann werden Gespräche möglich, die wir sonst nicht mit einem wildfremden Menschen führen würden. Ein anderes Mysterium der Musik: Meine Grossmutter, die schon sehr gebrechlich ist, spielt auswendig auf dem Klavier alte Hymnen, während ihr Gedächtnis und ihr Denkvermögen sonst versagt. Gott hat ihr diese Gabe geschenkt, ob sie sich dessen bewusst ist oder nicht!

Wie bereitest du dich auf ein Konzert vor? 

Chelsea Chen: Da ich mich an jedem Aufführungsort auf eine andere Orgel einstellen muss, reise ich meist zwei Tage früher an, um zu üben und die Registrierungen zu machen. Dies dauert oft mehrere Stunden, je nach Instrument und Repertoire. Den Konzerttag verbringe ich gern ruhig, um mich im Gebet und mit Mentaltraining auf die Aufführung vorzubereiten. Wenn mein Mann nicht dabei ist, beten wir zusammen am Telefon, wenn immer möglich. Wir bitten Gott für gute Gesprächenach dem Konzert und natürlich für das Konzert selbst.

Bitte sag einige Worte über deinen Weg als Christin und Musikerin.

Chelsea Chen: Ich war schon als Kind gläubig. Aber mein Glaube wuchs exponentiell, als ich die christliche Gemeinschaft an der Juilliard School besuchte. Ich war erstaunt über die  vielfältigen kirchlichen Traditionen, die hier vertreten waren, und es beeindruckte mich, wie die Leute beteten, sangen und die Bibel studierten. Ich erinnere mich an eine schlaflose Nacht nach meinem ersten Studienjahr. Ich machte mir Sorgen über meine Zukunft. Als ich zu beten begann, empfand ich, dass Gott mich daran erinnerte, dass ich zuallererst sein Kind bin, und dass meine Identität in Ihm und nicht in meinem Beruf,  meiner Familie, meiner Herkunft oder sonst etwas liegt. Diese Einsicht befreite mich, meine musikalische Laufbahn ohne Sorge weiter zu verfolgen, denn ich wusste: Er liebt mich, was auch kommen mag. Ich staune darüber, wohin Er mich als Organistin schon alles geführt hat. Als Kind hatte ich überhaupt noch nicht ans Orgelspielen gedacht; meine Leidenschaft dafür hatte sich erst mit der Zeit entwickelt. Nun bin ich dankbar für die Türen, die Gott mir dadurch schon geöffnet hat. Jede Aufführung, jede Unterrichtsstunde und jede Kompositionsmöglichkeit sind für mich wertvoll, denn sie geben mir die Möglichkeit, Sein Lob grösser zu machen.

Interview: Beat Rink

ENGLISH

Artist: I often ask myself, “What in fact is the task of art?” I am not satisfied with the answer given by many colleagues when they say, “I serve art! And art helps mankind!” As a Christian, I would like to have other thoughts.  

Voice: There are many answers to your question. I am sure you are thinking about the motto “Soli Deo Gloria”. The answer given by your colleagues, by the way, is actually not bad. Let us read Mark 4, 3ff. together.  

Artist: But that passage is not speaking about art at all!  

Voice: I know. But it makes a statement which could also be important for artists. So: “Listen! See, a farmer went out to sow. While he was sowing, some fell on the path, and the birds came and ate it up. Other seed fell on rocky ground, where there was only a little soil, and it sprang up at once because the soil was not deep; but, after the sun rose, the seed was scorched, and it withered because it had no roots. Other seed fell among thorns, and the thorns grew and choked the seed, and it yielded no crop. Finally, yet other seed fell on good soil and multiplied; the seed yielded a crop and grew up tall, and produce thirtyfold, sixtyfold and hundredfold. And Jesus said, “Whoever has ears to hear, let him hear!”  

Artist: And what am I supposed to do with this now?  

Voice: I have a task for you. Read the text through once again and ask yourself, “If Jesus was speaking about art here – where would you find a picture representing art in this parable?  

Artist (after a pause): What I often hear from other Christians is that art distracts us from the word. It hinders us in listening to God. People have been saying this in the churches since Augustine. Art is only good where it interprets and illustrates the sermon. So is art one of the birds? Does it open the door for evil? That makes me afraid.  

Voice: Art is not a bird. But there is art which can attract birds. There is, for example, very dark music; you only need to look at the corresponding CD covers. But in this regard there is so much in our society which opens the door for evil. This even begins with our loveless behaviour towards each other. Nor are we free of this in the churches either…  

Artist: If art is not a bird, what then could it be? Here I am thinking of something I have often heard: art is a luxury and is superficial. After all, we all know that art can turn against God. Is art perhaps the rock?  

Voice: Can you remember ever being drawn away from God’s truth by a work of art? If that did happen, this was probably the result of certain ideas expressed in a novel, a film, or in a picture. But these ideas are expressed not only in art, but also in conversations, on the internet, on television…  

Artist: I’ve got it: the thorns! Here Jesus meant our worries. Art weighs us down when it talks of urgent needs in the world, and often comes across as something dark itself. Works of art are the thorns!  

Voice: You have misunderstood something here. Art makes the thorns, the problems of the world, visible. Jesus, by the way, did the same thing – with this parable, for example, which is a small work of art itself. The thorns are worries about one’s own possessions and the things of the world, as Jesus explained to the disciples afterwards. It is the egotism from which many other problems arise. But this does not in any way mean that art is egotistic itself. It may indeed be gloomy and not know any way out. But this does not mean it is the problem itself.  

Artist: There is nothing else I can think of. Is art then the seed? No, the seed is the word of God. – Is art perhaps the farmer? Is art the preacher, who spreads the word of God? Bach, of course, has been called the fifth Evangelist. But that is not what I am, and that exceeds my capacities! (After a pause:) Alright, the gospel will hopefully come through in my art from time to time – like the good aroma Paul speaks about in 2 Corinthians 2. Perhaps that’s what you mean?  

Voice: Everything you have said is quite true. But there is something else, which Jesus mentions right at the end: the good soil.  

Artist: But here he means what happens within the human breast.  

Voice: This is precisely what art is concerned with. It can prepare the soil, which then becomes receptive for the seed. It can break up soil that has become hard. It can water dry soil. It can put a fertile covering over a rock by leading us away from the superficial and enabling us to think and feel in depth. It can even clear away thorns when it arouses in us a love for our neighbour and weakens our egotism. And, finally, it can drive away birds by its beauty. For the birds referred to in this parable hate all that is beautiful.  

Artist: So is art the good soil? Or can it help in creating good soil? And would we artists then be gardeners? Do you really mean this? How can this happen? How can I become a gardener?  

Voice (stays silent).

Text: Beat Rink
Translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Künstlerin: Ich frage mich oft selbst: Was ist eigentlich der Auftrag der Kunst? Die Antwort vieler Kollegen genügt mir nicht, wenn sie sagen: „Ich diene der Kunst! Und Kunst hilft den Menschen!“ Als Christin möchte ich anders denken.  

Stimme: Es gibt auf deine Frage viele Antworten. Sicher denkst du an das Motto „Soli Deo gloria“. Die Antwort der Kollegen ist übrigens nicht einmal schlecht. Lesen wir zusammen einmal Markus 4, ab Vers 3…

Künstlerin: Aber darin ist ja gar nicht von Kunst die Rede!  

Stimme: Ich weiss. Aber es sagt etwas aus, was auch für Künstler wichtig sein könnte. Also: “Hört! Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen.  Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.  Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;  als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.  Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat und sie brachte keine Frucht.  Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.  Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!”  

Künstlerin: Und was soll ich jetzt damit tun?  

Stimme: Ich habe eine Aufgabe für dich. Lies d