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11. Mai 2016

Ich hebe meine Augen auf… (Psalm 121)

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Ein Lehrer meinte kürzlich: „Es ist schwierig, Schüler auf einem Klassenausflug auf die Schönheiten der Natur aufmerksam zu machen. Sie blicken höchstens mal kurz von ihrem iphone auf und werfen einen flüchtigen Blick auf die herrliche Landschaft, um gleich danach wieder hinter dem iphone zu versinken.“
Aber empören wir uns nicht zu schnell darüber. Stehen wir nicht alle in der Gefahr, mit gesenktem Blick durch die Welt zu gehen und nur gerade das vor Augen zu haben, was uns unmittelbar beschäftigt und Sorge macht? So wie der Panther im Gedicht von Rainer Maria Rilke (1875-1926): „Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / so müd geworden, dass er nichts mehr hält. / Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe / und hinter tausend Stäben keine Welt.“
Hinter welchen Gittern lassen wir uns gefangen nehmen, als gäbe es dahinter keine andere Welt?

Da tut es gut, einen Text wie Psalm 121 zu lesen, den David als Wallfahrtslied geschrieben hat:
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.

In moderne Sprache und in das Leben eines Künstlers hinein übersetzt:
„Wer hilft mir in meinen Herausforderungen und Schwierigkeiten? Wer hilft mir, gute Kunst zu machen und meine Gaben zu entfalten? Woher kommt Inspiration? Wer haucht meinen einsamen Stunden im Atelier, am Schreibtisch oder im Proberaum Leben ein? Und dann den Auftritten? Wer hilft mir, anderen Künstlern freundschaftlich zu begegnen und sie zu loben, auch wenn es einseitig ist? Wer hilft mir, dass ich mich und mein Werk nicht zu wichtig nehme? Aber andererseits auch, dass ich jenen Platz einnehmen und jenen Erfolg erleben kann, der mir zugedacht ist?“

Kommt die Hilfe von den Bergen, das heisst von den Götzen-Altären, die auf Israels Höhen rauchten? Welche Hilfen nehmen wir in Anspruch?
Nein, die Hilfe kommt vom Schöpfer des Universums. Er ist uns so zugewandt, dass er auf all unsere Schritte achtet – und dies 24 Stunden am Tag ! Schön, wie David die eigene Erfahrung mit Gott (und als König hatte er viele Probleme mit Gottes Hilfe zu bewältigen) zu einer Zusage und dann zu einem Segenswunsch werden lässt.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. …
Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Lassen wir uns in diese Denk- und Aktions-Bewegung hineinziehen,
– indem wir unseren Blick wegddrehen von dem, was uns so beschäftigt oder gar gefangen nimmt. (Frage: Was könnte das konkret heissen?)
– indem wir solche Hilfen, die nicht gut sind für uns, loslassen (Frage: Was könnte das konkret heissen?)
– indem wir „die Augen aufheben“ zum Herrn – auch gerade in diesen Tagen nach Himmelfahrt und rund um die Uhr Hilfe von Gott erwarten… (Frage: in welchen Bereichen könnten wir noch konkreter Gottes Hilfe erwarten?)
– indem wir dies auch einem anderen Menschen zusprechen: Er will deine Hilfe sein! Und ihm den Segen Davids wünschen (Frage: für wen konkret ?)

Willy Burkhard (1900-1955) hat nach Mendelssohns „Hebe deine Augen auf…“ aus dem Elias den Psalm 121 ebenfalls wunderbar vertont. (Dazu klicke hier)

Text: Beat Rink

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