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September 2019

Bible verses for good and bad days / Bibelverse für gute und schlechte Tage

By Tune In No Comments

ENGLISH

Bible verses for every day
Every day, the pastor with whom I spent my first practical training period wrote out for himself a Bible verse on a slip of paper, and this then disappeared somewhere in his jacket. Several times during the course of the day, he took this verse out in order to read it himself or to pass it on while visiting the sick or leading devotions. It impressed me to see how a single verse could speak into completely different life situations and bear fruit there.
This is the same experience that I and many others have had with the «Losungen» [≈«drawn by lot»], available in printed form or as an app. In English usage, they are known as Moravian texts. The idea originated with Nikolaus, Count von Zinzendorf (1700-1760). On 3rd May, 1728, he delivered for the first time to the Hussite refugees from Moravia and Bohemia whom he had accommodated in his castle (where the Herrnhut Colony grew up) a «Word for the Day». Until 1731, these texts were passed on orally from house to house. Then the first «Losungen» booklet appeared. Today the «Losungen», consisting daily of one text each from the Old and New Testaments as well as an accompanying text, appear every year in 60 languages. For my wife and me, the daily «Losungen» are a beautiful start to the day.

Strengthening words
A few days ago, the «Losungen» brought words that strengthened me: «In all things we prove ourselves to be servants of God: in the word of truth, in the power of God, with the weapons of righteousness in the right hand and in the left». These words come from 1 Corinthians 6, 4 and 7. What a wonderful programme for a Christian couple seeking to serve God. They know the word of truth from the Bible. They trust in the power of God and openly take the side of righteousness. From these verses something beautiful and, in the best sense, victorious rings out. One of our visits just then was to an orthodox church in which a wonderfully beautiful, majestic angel gazed towards us (picture). The strength he expressed seemed to fit these words.

…mixed with darker tones
It is certainly helpful, however, if one occasionally reads verses in their context. In this case, the «Losungen» take the liberty of leaping over some lines. I looked up the missing verses and found there some things that sounded less victorious. «In all things we prove ourselves to be servants of God: in great endurance, in troubles, in hardships, in fears, in blows, in prisons, in riots, in strenuous effort, in vigils, in fasting, in purity, in understanding, in patience, in friendliness, in the Holy Spirit, in unfeigned love, in the word of truth…». I asked myself if I would still have the same enthusiasm about being «a servant of God» if had to suffer as Paul suffered? Jesus confronted his disciples with a similar question.

Carried by God
If one looks at the text more closely, one notices its carefully crafted construction, which reflects another of Paul’s experiences: There are difficult moments, but they are surrounded by gifts which can only come from God; at the beginning he speaks of «endurance» and later – after the «troubles» – of «understanding» and «patience», and finally of «friendliness and love» (also towards his persecutors?!) and of «the Holy Spirit» etc. This experience made Paul, and many others who came after him, into strong servants in the midst of great “hardships”.

Questions:
What does this mean for us?
What does it mean for artists who sometimes (especially in and because of following Christ) experience «troubles»?
And what does it furthermore mean for the melancholy artist in me, who all too quickly sees himself as the victim of difficult circumstances and persons?
And, quite generally: Do I allow myself to be guided through life by Bible verses – including those which speak of troubles and fears before they speak about God’s help?
 

text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH
 
Bibelverse für jeden Tag
Der Pfarrer, bei dem ich als junger Theologiestudent mein erstes Praktikum machte, schrieb sich jeden Morgen eine Bibelstelle auf einen Zettel, den er dann in seiner Jacke verschwinden liess. Im Laufe des Tages nahm er diese Stelle mehrmals hervor, um sie selber zu lesen oder um sie an einem Krankenbett oder in einer Andacht weiterzugeben. Mich beeindruckte, wie ein einzelner Vers in ganz verschiedene Lebens-Zusammenhänge hineinsprechen und darin fruchtbar werden konnte.
Ähnlich geht es mir und zahlreichen Menschen mit den Losungen, die in gedruckter Form oder als App greifbar sind. Im englischsprachigen Raum sind sie als Moravian texts bekannt. Die Idee stammt von Nikolaus Graf von Zinzendorf (1700-1760). Am 3.Mai 1728 überbrachte er den aus Mähren und Böhmen stammenden hussitischen Glaubensflüchtlingen, die er in seinem Schloss aufgenommen hatte (wo die Kolonie Herrnhut entstand), zum ersten Mal eine «Parole für den Tag». Diese Texte wurden bis 1731 von Haus zu Haus weitergesagt. Dann erschien das erste Losungsbüchlein. Heute werden die Losungen, bestehend aus einem alttestamentlichen und einem neutestamentlichen Vers sowie einem Begleittext, jährlich in 60 Sprachen herausgegeben. Für mich und meine Frau sind die täglichen Losungen ein schöner Tagesbeginn.
 
Stärkende Worte
Vor ein paar Tagen standen in den «Losungen» Worte die mich stärkten: «In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken.»Die Verse stammen aus 2.Korinter 6, 4 und 7. Was für ein wunderbares Programm für einen Christen und eine Christin, die Gott dienen wollen. Sie kennen das Wort der Wahrheit aus der Bibel. Sie vertrauen auf die Kraft Gottes und setzen sich mutig für Gerechtigkeit ein. Aus diesen Versen strahlt etwas Schönes und im besten Sinn Siegreiches hervor. In jenen Tagen besuchten wir gerade eine orthodoxe Kirche, in der uns ein wunderschöner, majestätischer Engel anblickte (Bild). Sein starker Ausdruck schien zu diesen Worten zu passen.
 
…mit dunklen Zwischentönen
Es ist allerdings hilfreich, wenn man ab und zu Verse in ihrem Kontext liest. Die Losungen erlaubten sich in diesem Fall sogar, eine Stelle zu überspringen. Ich schlug die fehlenden Verse nach und fand weniger siegreiche Zwischentöne: «In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit…». Ich fragte mich: Würde ich noch mit derselben Begeisterung «Diener Gottes» sein wollen, wenn ich leiden müsste wie Paulus litt? Jesus hat seine Jünger mit einer ähnlichen Frage konfrontiert.
 
Von Gott getragen
Wenn man den Text genau liest, erkennt man seinen kunstvollen Aufbau, der eine andere Erfahrung des Paulus widerspiegelt: Da gibt es schwere Momente. Aber sie werden von Gaben umgeben, die nur von Gott kommen können: Am Anfang ist von «Geduld» die Rede und später – nach den «Nöten» – von «Erkenntnis» und «Langmut», schliesslich von «Freundlichkeit und Liebe» (auch gegenüber den Verfolgern ?!) und vom «Heiligen Geist» usw. Diese Erfahrung machte Paulus und nach ihm so viele andere zu starken Dienern mitten in grossen «Bedrängnissen».
 
Fragen:
Was heisst das uns?
Was heisst es für Künstler*innen, die manchmal (gerade in und wegen der Nachfolge von Christus) «Bedrängnisse» erfahren?
Und was heisst es für den melancholischen Künstler in mir, der sich allzu schnell als Opfer von schwierigen Umständen und Menschen sieht?
Und ganz allgemein: Lasse ich mich von Bibelversen durch das Leben leiten – auch von solchen, die Nöte und Ängste benennen, bevor sie von Gottes Hilfe sprechen?

 
  
Text: Beat Rink
 

Newsletter September 2019

By Newsletter No Comments


Liebe Mitglieder*innen und Nichtmitglieder*innen,
Kunstschaffende und Kunstinteressierte,
Pfarrer*innen, Theolog*innen und Kulturfröhliche

Eine herzliche Einladung!


N A T I O N A L E S – T R E F F E N



Einmal im Jahr möchten wir mit Kunstschaffenden aller Sparten, Mitgliedern und Interessierten zusammen kommen:
meet Artists – meet ARTS+ , 25. Oktober 2019, «jenseits» IM VIADUKT
Bogen 11/12, Viaduktstrasse 65, Zürich

PROGRAMM
17.00   Generalversammlung für Mitglieder

Öffentlich:
17.30   Apéro und Präsentationsfenster *
19.00   Keynote Dr. theol. Dr. phil. Matthias Krieg und
 
Vergabe PrixPlus
20.00   FRED in concert 
(supporting Act: Céline Hales) in Zusammenarbeit mit Central Music

* 20 Plätze zu vergeben:
Das Präsentationsfenster beinhaltet 3 x 12 Min. persönliches Gespräch mit jeweils einer an deiner Arbeit interessierten Person. Auf ca. 30 x 30 cm Fläche (Flyer, Dokumentation, Laptop, IPad, ein Wort auf einem Stück Papier) kann die eigene künsterlische Arbeit oder Kulturinstitution präsentiert werden. Anmelden/Bewerben für einen Platz und weiterführende Infos dazu unter: projekte@ap.weiter.ch


 A K T U E L L



Freitag – Samstag
13. – 14. September 2019
CENTRAL CONFERENCE in Rapperswil

www.centralconference.ch



Freitag – Sonntag
27. – 29. September 2019
KUNST IM DEPOT in Winterthur

Offene Ateliers, Performances, Talks, Inputs, “Salon der Durchlässigkeiten”
www.kunstimdepot.jimdo.com


O P E N   C A L L S



Kulturwettbewerb Stiftung Weidli Stans
 Erstmals schreibt die Stiftung Weidli Stans einen Kulturwettbewerb aus, bei dem sich Künstler*innen aus der ganzen Schweiz bewerben können.
Gesucht sind drei künstlerische Interventionen in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Architektur, Gestaltung und Theater. Der Einbezug von Menschen mit Beeinträchtigung ist dabei ein zentrales Thema.zur Ausschreibung



Langes Wochenende der Künste. 13. – 16. August 2020
Einmal mehr wird Rasa, das malerisches Dörfchen im Centovalli, zum Schauplatz der Künste. Termin reservieren und gleich anmelden! Bist du als WorkshopleiterIn interessiert, dann meldet dich bei sischerr@gmail.com.
Video 2015
Anmelden


V O R G E S T E L L 



Gegründet im Jahr 2013 will das Weave Dance Collective gesellschaftsrelevante Themen durch die Sprache des Tanzes künstlerisch umsetzen. Ihr Tanzstil besteht aus Contemporary und Modern Dance, basierend auf dem Klassischen Tanz. Sie haben ein breites Repertoire an Choreografien mit unterschiedlichen Inhalten und zeigen diese an den verschiedensten Events.
Ausserdem ist das Weave Dance Collective offen für interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Kunstrichtungen.
www.weavedance.ch


W I S S E N S W E R T E S



Aktuelle Programme
Welche Programme sind derzeit von welchen Künstler*innen verfügbar?
Unsere Rubrik «AKTUELLE PROGRAMME» gibt Aufschluss:
https://ap.weiter.ch/kunstler/programme/



Zwingli Roadshow / Theater Kanton Zürich
«Die «Zwingli-Roadshow» war der Höhepunkt der Veranstaltungen zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation. Im Züribiet war eine fahrende Schauspielerbande unterwegs: Infotainment erster Klasse.» NZZ
In den Trailer reinschauen.



«von realer Gegenwart»
 Der Schriftsteller und Dramatiker Botho Strauss fasst die Thesen, die Georges Steiner in seinem Buch «von realer Gegenwart» macht, zusammen: «Überall, wo in den schönen Künsten die Erfahrung von Sinn gemacht wird, handelt es sich zuletzt um einen zweifellosen und rational nicht erschliessbaren Sinn, der von realer Gegenwart des Logos-Gottes zeugt.»



Herzliche Grüsse,
Dein ARTS+ Team

Regula Lustenberger, Astrid Künzler, Adrian Furrer, Beat Rink, Jean-Daniel von Lerber, Martin Jufer, Matthias Spiess, Samuel Scherrer, Timo Schuster

P.S. Wer den PrixPlus gewonnen hat, wird an der Verleihung vom 25. Oktober bekannt gegeben!

What does Rembrandt fill our «inner echo chambers» with? / Womit füllt Rembrandt unsere «inneren Echokammern»?

By Tune In No Comments

ENGLISH

The last TUNE IN asked the question, “What do we fill our inner echo chambers with?” The famous «Sh’ma Israel» in Deuteronomy 6,4ff. emphasises the importance of remembering God’s deeds. The Bible fills our echo chambers. And since earliest times, Christian art has also played a significant role here. From our own lives, we know that art enriches and leaves an imprint on our faith.

Among the best-known paintings, and one that spiritual books have been written about, is Rembrandt’s «Return of the Prodigal Son».
Now, in the Hermitage in St. Petersburg, this picture is complemented by another father-son painting on the opposite wall. It is a far less well-known picture, and is hardly every the subject of a sermon. It is surely not by chance that both pictures are hanging in the same room. As a visitor to the gallery, we stand between the two pictures and are forced to turn our back to one of them – as if we could not really see together these two themes which belong together. The love of God and the call to obedience. The call to obedience is loud. In truth, we prefer to turn to the other picture.

That is not what a friend of mine did. E. Bailey Marks Jr. writes:

“For a number of years, many people have been in love with Rembrandt’s The Return of the Prodigal Son — to be honest, I never got it!  I looked at it, I gazed at it, I stared at it and I even went to see it at The Hermitage.  As I turned 180 degrees to leave The Prodigal, I saw another Rembrandt on the opposite wall; The Sacrifice of Isaac.  I was spellbound and haven’t been able to get it out of my mind.
The most obvious feature to me is Isaac’s complete vulnerability and the trust that he shows in his father, knowing his father will do what is best for him.  Do I have that same trust in The Father?  The second is Abraham’s active posture — he was told by God to kill his son.  Abraham is determined to be obedient to The Father.  You see the strength in Abraham’s left hand, constraining the young boy while his right hand lunges with the knife.  The angel stops Abraham forcibly, causing the blade to fall.  Again, I ask if I am willing to obey like that.
My wife encapsulated the Christian faith for our two sons as they were growing up in the song, Trust and Obey.  Those, to me, are the key verbs of our faith: Trust and Obey.  Rembrandt captures those two words in this beautiful painting.”


Let us spend a little time with this picture. Its centre is in motion. There we see the falling knife, which in my opinion is also the central point in the content. Abraham and Isaac (both!), trusting God, offer their complete obedience. And to this obedience comes a staggering response: the blade no longer falls on Isaac, but will demand the blood of a sacrificial animal, while Abraham will release his hand from Isaac’s face and lift him up from the pile of firewood. Christians recognise in this a prophecy which points to the «Agnus Dei, qui tollis peccata mundi»: Christ as the sacrificial lamb, which takes away the sins of the world – in unflinching obedience to the Father.

Can we see motion in the picture of the Prodigal Son as well? No, but there was motion, just before this moment where everything stands still. Weighed down and exhausted, but also full of trust, the son has let himself sink to his knees and into the arms of the father. Now the peace of the father flows over him and calms the storm in the breast of the returning son. For a moment (or for a long time?), nothing moves. The second son, too, stands still – but not because he feels the same peace, but because he is frozen in horror.

With what, then, do these pictures fill our «echo chambers»
Regarding the «Prodigal Son», so much has already been said. Personally, I agree fully with Bailey Marks when he recognises in the «Isaak» picture a challenge to obedience. Do I keep the 10 Commandments, for example – trusting that in them God has my best interests at heart? Do I say «no» to things and people who wish to lead me away from them? Do I accept it when God gives me a difficult task and expects me to take a not very easy path? Perhaps I cannot explain why this is so – no more than Abraham knew why he should sacrifice Isaac. Perhaps however, I discover that somebody has to do this task. And because I do not run away from it, I myself become more mature, more patient, and grow in my love towards God and my fellow man. And, above all, in the midst of my struggle for obedience and trust in God, I know this: the blade is not meant for me. And behind me there is another picture, which wishes to fill my inner echo chamber: the love of the Father for a son who was lost, who failed because of his disobedience.

text: Beat Rink / translation: Bill Buchanan

DEUTSCH

Das letzte TUNE IN stellte die Frage: Womit füllen wir unsere inneren Echokammern?
Das berühmte «Schma Israel» in 5.Mose 6,4ff. hebt die Bedeutung der Erinnerung an die Taten Gottes hervor. Die Bibel füllt unsere Echokkammern. Und seit jeher nimmt hier auch die christliche Kunst eine wichtige Rolle ein. Wir wissen aus unserem eigenen Leben: Kunst bereichert und prägt  unseren Glauben.

Zu den berühmtesten Bildern, über das auch geistliche Bücher geschrieben wurden, gehört Rembrandts «Heimkehr des verlorenen Sohnes». Das Bild wird nun aber auf der gegenüberliegenden Seite des Ausstellungsraums in der Eremitage St.Petersburg von einem anderen Vater-Sohn-Bild ergänzt. Es ist ein weitaus weniger bekanntes Bild, über das auch kaum gepredigt wird.
Wohl nicht zufällig hängen die beiden Bilder im selben Raum. Als Betrachter steht man dazwischen und kehrt einem der beiden Bilder unweigerlich den Rücken zu – so, als könnte man nicht richtig zusammensehen, was zusammengehört. Die Liebe Gottes und der Ruf nach Gehorsam. Dieser Ruf nach Gehorsam ist laut. Eigentlich wenden wir uns lieber dem anderen Bild zu.

Nicht so ein Freund von mir. E. Bailey Marks Jr. schreibt:

“Seit vielen Jahren sagen zahlreiche Menschen, wie sehr sie Rembrandts«Heimkehr des verlorenen Sohnes» lieben. Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe das nie ganz verstanden! Ich habe das Bild betrachtet, intensiv studiert und bin sogar zur Eremitage gereist, um es im Original zu sehen. Doch als ich mich vom «verlorenen Sohn» abwandte und mich um 180 Grad umdrehte, entdeckte ich an der gegenüberliegenden Wand einen anderen Rembrandt: «Die Opferung Isaaks». Ich war wie gebannt und konnte mich kaum davon losreissen. Am eindrücklichsten war für mich die völlige Ergebenheit und das Vertrauen, das Isaak gegenüber seinem Vater hatte. Denn er wusste, dass der Vater das Beste für ihn wollte. Habe ich dasselbe Vertrauten zum himmlischen Vater? Das Zweite ist Abrahams aktive Bewegung – er hatte von Gott den Auftrag, seinen Sohn zu töten. Abraham war bereit, dem Vater zu gehorchen. Man sieht die Kraft in Abrahams linker Hand, mit dem er den jungen Mann festhält, während seine rechte Hand mit dem Messer ausholt. Der Engel hält Abraham gewaltsam zurück, so dass die Klinge zu Boden fällt. Noch einmal frage ich mich, ob ich genauso gehorsam sein könnte.
Meine Frau hat für unsere beiden heranwachsenden Söhne den christlichen Glauben in einem Lied zusammengefasst: «Vertraue und gehorche». Dies sind für mich die Schlüsselwörter unseres Glaubens: Vertraue und gehorche. Rembrandt fängt beides in seinem wunderbaren Bild ein.”


Bleiben wir noch ein wenig bei diesem Bild. Sein Zentrum ist bewegt. Es ist die fallende Klinge, die meiner Meinung nach auch inhaltlich das Zentrum darstellt. Abraham und Isaak (beide !) setzen im Vertrauen auf Gott ihren ganzen Gehorsam ein. Und dieser Gehorsam erfährt eine gewaltige Antwort: Die Klinge fällt nicht mehr auf Isaak, sondern sie wird das Blut eines Opfertiers fordern, während Abraham die Hand von Isaaks Gesicht lösen und ihn vom Scheiterhaufen aufrichten wird. Christen erkennen darin eine Prophetie, die auf das auf  das «Agnus Dei, qui tollis peccata mundi» vorausweist: auf Christus als das Opferlamm, das die Sünde der Welt trägt – in konsequentem Gehorsam zum Vater.

Gibt es eigentlich auch eine Bewegung im Bild vom verlorenen Sohn?Nein, aber es gab eine, kurz vor jenem Moment, wo alles stillsteht. Schwerfällig und erschöpft, aber auch vertrauensvoll hat sich der Sohn auf die Knie und in die Arme des Vaters fallen lassen. Nun breitet sich der Frieden des Vaters aus und stillt den Sturm im Innern des heimgekehrten Sohnes. Für einen Moment (oder für eine lange Zeit?) bewegt sich nichts. Auch der zweite Sohn still steht – aber nicht, weil er den selben Frieden spürt, sondern weil er vor Schreck erstarrt.

Womit füllen diese Bilder nun unsere «Echokammern»? 
Über den «verlorenen Sohn» ist schon so viel gesagt worden. Ich selber pflichte Bailey Marks bei, wenn er im «Isaak»-Bild eine Herausforderung zum Gehorsam erkennt. Halte ich mich etwa an die 10 Gebote – im Vertrauen, dass Gott es damit gut meint? Sage ich «Nein» zu Dingen und Menschen, die mich davon abbringen wollen? Lasse ich es zu, dass Gott mir eine schwere Aufgabe gibt und mir einen nicht so einfachen Weg zumutet? Ich habe vielleicht keine Erklärung dafür – so wenig wie Abraham wusste, warum er Isaak opfern sollte. Vielleicht entdecke ich aber: Jemand muss diese Aufgabe tun. Und weil ich nicht davon fliehe, werde ich selber reifer, geduldiger und wachse in der Liebe zu Gott und zu anderen Menschen. Und vor allem: Mitten in meinem Ringen um Gehorsam und Gottvertrauen weiss ich: Die Klinge gilt nicht mir. Und in meinem Rücken ist ein anderes Bild, das meine innere Echokammer füllen will: Die Liebe des Vaters zum verlorenen, an seinem Ungehorsam scheiternden Sohn.

Text: Beat Rink

Ausschreibung Kulturwettbewerb Stiftung Weidli Stans

By Ausschreibungen No Comments

Erstmals schreibt die Stiftung Weidli Stans einen Kulturwettbewerb aus, bei dem sich Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz bewerben können. 

Gesucht sind drei künstlerische Interventionen in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Architektur, Gestaltung und Theater. Der Einbezug von Menschen mit Beeinträchtigung ist dabei ein zentrales Thema.

Die Stiftung Weidli Stans freut sich, wenn Sie den angefügten Hinweis in geeigneter Form den Kunstschaffenden in Ihrem Medium vermitteln. 

Für Rückfragen steht Ihnen der Projektleiter gerne zur Verfügung: Roland Heini, Projektleiter Wettbewerb «KULTURPROJEKT WEIDLI», Tel. 079 2468 304 / roland.heini@bluewin.ch

Die Stiftung Weidli Stans dankt Ihnen für die Publikation dieses schweizweit einzigartigen Kunst- und Kulturwettbewerbs.

Stiftung Weidli Stans