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April 2017

Ein Gotteslob für die Gabe der Musik – “I make Melody”

By Tune In No Comments

“Crescendo Summer Institute” 2016: MARCEL ZWITSER I make Melody subtitled 1

Gegen Ende des “Crescendo Sommerinstituts” 2016 führte der Institut-Chor unter der Leitung von Matthew Lind zum ersten Mal eine Hymne auf, die Marcel S. Zwitser eigens für diese Gelegenheit geschrieben hatte. Dr. Marcel Zwitser ist Musikwissenschafter und hält seit 2010 Vorträge im Sommerinstitut. Da das 14. Institut vor der Tür steht (es findet vom 24. Juli bis zum 7. August 2017 statt), geben wir hier einige Kommentare des Komponisten weiter:

“Im “Crescendo Sommerinstitut” 2015 – um es genauer zu sagen: während des ersten “Candle Lit Worship” – wurde mir auf einmal bewusst, dass es in unserem Gesangbuch keine christliche Version von ABBAs “Thank you for the musicgibt. Ich empfand dies als Defizit, speziell in einem solchen Sommerinstitut, das sich als christliches Projekt versteht. Wenn wir davon überzeugt sind, dass es zu den zentralen Werten des christlichen Lebens gehört, Gott mit Danksagung zurückzugeben, was wir aus Seiner Hand empfangen haben, dann gilt dies ganz besonders für die Musik. Die Musik gehört schliesslich zu den wichtigsten Gaben, die wir zum Lob Gottes erhalten haben.
Zwar hatte ich damals noch nicht die Absicht, ein Loblied zu schreiben; doch empfand ich von jenem Abend an das Defizit immer stärker.

Am 22. März 2016 kam mir dann die Idee zu diesem Lied. Tief betroffen von den Nachrichten über die Terroranschläge in Brüssel vom Vorabend, fragte ich mich, was ich diesem Akt von Tod und Zerstörung entgegensetzen könne. Kaum hatte ich beschlossen, meine Antwort mit dem Bekenntnis zu Leben und Kreativität zu verbinden, begann die Inspiration für Text und Musik zu fliessen. Lose Bruchstücke der Melodie waren bereits früher beim Improvisieren am Klavier aufgetaucht; nun aber fügten sie sich zu einer einheitlichen Melodie zusammen. Zur Musik traten nach und nach die Verse – zu meiner grossen Überraschung, da ich noch nie zuvor einen englischen Hymnentext verfasst hatte. Schon sehr früh stand der Titel fest: “I make Melody“.
Die Musik war dann (inklusive Notation) in zwei Tagen fertig. Der Text hingegen kostete mich – als Nicht-Muttersprachler – noch zwei weitere Wochen und gelang schliesslich nur dank der Hilfe eines kanadischen Freundes, der mir bei der korrekten Verbalisierung meiner Gedanken half. Eine Randbemerkung: Während ich dieses Lob auf Gottes Gabe der “musikalischen Kreativität” verfasste, hatte ich noch keine Ahnung vom Gesamtthema des “Crescendo Sommerinstituts 2016”. Es lautete ‘Kreativität’.

Als der Chor mit den Proben anfing, wurde mir schnell klar, dass die Sänger in der vorhandenen kurzen Zeit mit meiner Komposition überfordert waren. Ursprünglich ist I make Melody ein vierstimmiger Satz, wobei besonders die Harmonien im Refrain recht schwierig sind. Deshalb entschied man sich für die Unsiono-Wiedergabe des Refrains. Die Eröffnung wollte ich als Dialog zwischen vier Solisten gestalten, die sich gegenseitig in Erinnerung rufen, wofür wir Gott danken können (‘For the depth of harmony’ usw.), worauf der ganze Chor viermal und dann noch einmal antwortet (‘I praise You, Lord’) – ähnlich wie in den responsorischen Gesängen der katholischen und den orthodoxen Ostkirchen. Der Refrain ist ein fast tänzerischer Freudenhymnus, der im Idealfall von verschiedenen Melodie-Instrumenten und einem Drumset begleitet wird.

Das Lied wurde speziell für die Mitarbeiter, die Lehrer und die Studenten des “Crescendo Sommerinstitut” geschrieben und ist ihnen gewidmet. Es möge dazu dienen, Gott für die Gabe der Musik auf musikalische Weise zu danken. Und I make Melody möge seinen Weg in die Herzen all der Teilnehmer des “Crescendo Summer Institute” finden – in welcher Rolle sie auch mitwirken.

Dr. Marcel S. Zwitser / Übersetzung: Beat Rink

Crescendo Summer Institute

www.crescendohungary.org

Ostergrüsse

By Tune In No Comments

Haydn – The Seven Last Words – Hodie mecum – Piano version

Zu Ostern wünschen wir unseren TUNE IN-Lesern von Herzen alles Gute und viel Segen – mit einer schönen musikalisch-visuellen Impression, den die junge italienische Musikologin und Pianistin Chiara Bertoglio* zusammengestellt hat. Sie schreibt dazu:

Für alle, für jene, die glauben und andere, die nicht glauben, ist Ostern die Einladung, seinen Blick in die Höhe zu richten und einen Horizont ins Auge zu fassen, der Hoffnung gibt – Hoffnung, dass das Böse nie das letzte Wort haben wird. Deshalb möchte ich meine Grüsse mit einem Musikstück von Haydn verbinden, das von der Begegnung Christi mit dem reuigen Schächer am Kreuz spricht. Wenn sogar dort Hoffnung aufkeimen und die Verheissung auf neues Leben Raum gewinnen konnte – dort, an einem Ort voller Verzweiflung, voller Schmerz und Einsamkeit – , dann kann Ostern jedem von uns Hoffnung bringen.

*www.chiarabertoglio.com

Was ist heute meine Motivation?

By Tune In No Comments

Es bringt gewisse Vorteile mit sich, wenn die eigene Frau Theologie studiert. Zum Beispiel, dass man miteinander endlose theologische Diskussionen führen kann. Natürlich vorausgesetzt, man mag das. Letzte Woche war meine Frau mit der Studienlektüre etwas in Verzug. Da wir lange mit dem Auto unterwegs waren, schlug sie vor, die Texte laut vorzulesen. Eine wundervolle Idee! Vor allem weil das Thema Martin Luther King Jr. (1929-1968) lautete und ich so in den Genuss kam, vier seiner Reden zu hören. Bis dahin hatte ich nur einige Dinge über ihn gewusst: Dass er ein Held der „Civil Rights“-Bewegung gewesen war und die Rede I have a dream gehalten hatte. Es war unglaublich! Die letzte Rede, die mir meine Frau vorlas, rührte mich zu Tränen. So sehr packte mich die Botschaft. Es war die letzte Rede vor seiner Ermordung. Es lohnt sich, die Rede zu lesen oder sich anzuhören. Hier der LINK dazu.

Was hier über den egoistischen „Tambourmajor-Instinkt” gesagt wird, bewegte mich zutiefst. Es ist offensichtlich schwierig, das eigene Ego zu zügeln. Im Extremfall verhält es sich damit so: Hast du zu wenig Selbstbewusstsein, wirst du assozial und depressiv, weil du niemanden mit deiner Gegenwart belasten willst. Hast du zu viel davon, wirst du asozial und depressiv, weil niemand mit dir etwas zu tun haben will. Lasst mich kurz mit Martin Luther Kings Worten erklären, was mit dem der “Tambourmajor-Instinkt” gemeint ist: Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass wir alle den Tambourmajor-Instinkt haben. Wir alle wollen wichtig sein, andere übertrumpfen, Einzigartigkeit beweisen und die Parade anführen.

In meinem eigenen Leben machte sich der der “Tambourmajor-Instinkt” am ehesten dort bemerkbar, wo ich den Klassen-Kaspar spielte und spiele. Menschen, die mich gut kennen – und auch ehemalige Klassenkameraden – können dies bestätigen. Ich wollte immer der Klassenclown sein. Statt über das jeweilige Unterrichtsthema nachzudenken, war ich immer dabei, mir einen Witz oder ein Wortspiel auszudenken. Manche waren lustig, andere weniger. Wenn ich dann vor die Klasse treten musste, um etwas zu präsentieren, war es immer seltsam, denn ich fühlte mich unwohl und verhielt mich zugleich schüchtern. Das hat sich natürlich etwas verändert, aber nicht vollständig.

Als Musiker fühle ich mich manchmal zwischen Selbstkritik und dem dringenden Wunsch, auf der Bühne zu stehen, hin- und hergerissen.
Natürlich bin ich weit von jener technischen Perfektion entfernt, die mir vorschwebt. Trotzdem will ich mich musikalisch ausdrücken, denn das habe ich gelernt, und das ist mein Beruf. Seit ich im Ausland lebe, merke ich, wie sehr dies auch mit meiner kulturellen Herkunft zu tun hat: Mit dem typisch elitären Denken, das in Frankreich herrscht. Dort bewirkt der gesellschaftliche Druck nicht selten, dass man sich als völlige Null fühlt, nur weil man nicht mit absoluter Bestnote an der renommiertesten Schule abgeschlossen hat. Gleichzeitig wächst man mit der Devise auf: Wir haben die beste Architektur, das beste demokratische System, die besten Weine, den besten Käse, die besten Skiorte…

Deshalb möchte ich heute vor allem zwei Dinge tun:
Ich will mir selbst sagen, dass es völlig in Ordnung ist, aufzutreten, selbst wenn ich nicht über das technische Niveau verfüge, das manch andere Musiker haben, die ich bewundere.
Zweitens will ich meinen Tambourmajor-Instinkt umpolen und ihn für höhere Ziele einsetzen. Ich will ein Tambourmajor sein für Gerechtigkeit, Friede und Rechtschaffenheit. Das soll die Motivation für meinen Alltag sein.

Text: Jean Chaumont, Jazz-Musiker
Übersetzung: Johanna Schwarzl

Ganzer Text HIER

Newsletter April 2017

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AUSSCHREIBUNGEN

Prix Plus 2017

Für den PrixPlus 2017 können noch bis 15. April 2017 künstlerische Projekte eingereicht werden, die im letzten Jahr in der Schweizer Öffentlichkeit den christlichen Glauben thematisiert und Menschen angesprochen haben, über den christlichen Glauben nachzudenken und zu diskutieren.

Weitere Informationen und das Anmeldeformular findest du hier.

2016 erhielt die Basler Theaterregisseurin Corinne Maier und ihr Team den Prix Plus für ihre Produktion “Like A Prayer”. Dem Künstler (Illustrator) Tobias Gutmann wurde der Förderpreis für sein Werk “Face-O-Mat” übergeben. Siehe Bericht im Tagesanzeiger über den Künstler Tobias Gutmann: Ich zeichne den Klang einer Person.

Kunst I Zone 17
Für die kommende EXPLO 17 hat ARTS+ wiederum den Auftrag erhalten, eine “Kunst|Zone” einzurichten. Zur Verfügung steht ca. eine halbe Messehalle für vorwiegend bildende Künstler und Performing Arts. Ebenso besteht die Möglichkeit von zwei kurzen Spots auf der “Central Music Stage”.

Für die Kunst|Zone nimmt ARTS+ diesmal das Konferenzthema “Neuland” konkret auf. Ab sofort können sich interessierte Künstler aus allen Sparten melden, um weitere Informationen zu erhalten: projekte@ap.weiter.ch.

LAUFENDE PROJEKTE

Nacht des Glaubens

Die Nacht des Glaubens findet am 2. Juni 2017 von 17-23 Uhr mit über 200 Künstlern in Form eines SPOT in und um das Münster und den Münsterplatz in Basel statt. Wir laden Dich herzlich dazu ein!
Ein Must-see für kunst- und kulturinteressierte Menschen – mit künstlerischen Werken aus den Bereichen Musik, Darstellender Kunst, Performance und Bildender Kunst.
Weitere Informationen: NDG_Newsletter_2017

Wir würden uns freuen, Dich am 2. Juni 2017 in Basel zu sehen. Gesucht sind noch Mitarbeiter für verschiedene Bereiche. Kannst Du mithelfen oder auch das Projekt unterstützen? Zur Zeit läuft auch ein Crowdfunding-Aktion. Jede Spende ist willkommen! Alle Infos und Anmeldeformulare gibt es hier.

Reformationsjubiläum der Ev.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen

ARTS+ erhielt den Auftrag, für das Projekt “Kunst im Gottesdienst” künstlerische Projekte aus allen Sparten zu kuratieren. Für das Projekt konnten aus allen Eingaben sieben Kunstschaffende berücksichtigt werden. Wir gratulieren Philipp Neukom, Anita Sieber, Beat Müller, Marc Lendenmann, dito dance theater, Carlos Martinez und Marcus und Rebecca Watta! Link: www.ref500-sg.ch

KÜNSTLER TREFFEN & KURSE

“Langes Wochenende der Künste” in Rasa vom 17. – 20. August 2017

Als Kooperationspartner von BART Magazin für Kunst und Gott lädt euch ARTS+ in das wunderschöne Tessiner Bergdorf Rasa im Centovalli ein. Offene Ateliers diverser Kunstschaffenden, künstlerische Inputs, Bildbetrachtungen und ein abschliessender Gottesdienst laden zum Partizipieren ein. Alle Kunstinteressierte sind willkommen – ganz egal, ob Du nur zuschaust, zuhörst oder selbst praktisch mitmachen möchtest.
Weitere Informationen: siehe PDF.

Anmeldung: Bei „Campo Rasa“,T: 091 798 13 91 oder Email: info@camporasa.ch bis spätestens 31. Juli 2017. Die Platzzahl ist beschränkt! Auskünfte zum Programm erteilt gerne: info@bartmagazin.com

ARTS+ Europa – Christian Artists Seminar vom
5. – 10. August 2017

Das 36. internationale „Christian Artists Seminar“ (CA) findet im neuen Konferenzzentrum St. Michaelsberg im deutschen Siegburg (bei Köln) statt. Der Schwerpunkt des diesjährigen Seminars mit 52 Dozenten aus ganz Europa liegt darin, Arbeitsmöglichkeiten für freischaffende Künstler jeder Kunstform zu finden: Wie kannst Du vorbeugen (Vermeidung von Gesundheitsrisiken)? Wie kann lebenslanges Lernen helfen, Deine Arbeit zu sichern? Und was ist Dein spezielles Talent, Dein Mehrwert? Siehe Flyer.

Ein theoretisches und sehr praktisches Seminar. Eineinhalb Tage Vorträge, Debatten und interessante Treffen mit Künstlern, die durchgehalten haben und bereit sind, über ihre Geheimnisse und Antworten zu sprechen, gefolgt von drei Tagen einzigartiger Workshops in diversen Kunstformen. Anmeldung und weitere Informationen hier.

&arts: School for Art, Faith and Culture

&arts ist ein Jahresprogramm des vereins GPMC in Thun, konstruiert für junge Christen, die in ihrer künstlerischen Begabung, ihrem Glauben und ihrer Berufung vorwärts gehen wollen.

Was ist deine Leidenschaft? Ob Musik, Tanz, Film/ Fotographie, Design, Malerei. Bei Arts sind verschiedenste Kunstrichtungen willkommen. Du lebst ein Jahr in der Region Thun in einer WG von Künstlern, arbeitest Teilzeit für deinen Lebensunterhalt und geniesst ein Jahr voller Kunst, Glaube und Kultur. Mehr Infos und Anmeldung unter www.andarst.ch.

ARTS+ Mitgliedschaft

Austausch, Vernetzung, Unterstützung – ARTS+. Das Jahr ist noch jung! Ermutige deine Freunde für eine Mitgliedschaft, denn gemeinsam sind wir stärker. ARTS+ ist der “Runde Tisch”, an dem sich Leitende aus verschiedenen künstlerischen Netzwerken und Initiativen gegenseitig unterstützen, um Synergien zu schaffen. Anmeldung unter: Mitgliedschaft ARTS+.

Euer ARTS+ Team
Timo Schuster

Sich als Christ „outen“?

By Tune In No Comments

www.nachtdesglaubens.ch

Ein Projekt, in dem Künstler den Glauben thematisieren: “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” Willkommen!

Vor einigen Tagen sagte mir ein Ökonomie-Professor: „Es ist gut, wenn ihr euch mit eurer christlichen Künstlerarbeit „sichtbar“ macht. Erst so können Menschen, die euch suchen, auf euch aufmerksam werden und sich mit euch in Verbindung setzen.“
Was völlig banal klingt und werbetechnisch eine Selbstverständlichkeit ist, ging mir nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Ist es denn nicht ohnehin eine Selbstverständlichkeit – auch für Kirchen und sogar für jeden Christen -, dass wir uns „sichtbar“ machen?

Und trotzdem: Das ist gar nicht so einfach.
Wir bewegen uns zwar in einer Gesellschaft, die keine Mühe hat mit dem Outing verschiedenster Lebensentwürfe, sexueller Orientierungen und Weltanschauungen. Die Toleranz kennt keine Grenzen. Outing ist sogar wichtig, denn es wird erwartet, dass man transparent ist. Ansonsten zieht man den Verdacht auf sich, etwas verschweigen zu wollen. Aber unsere Gesellschaft (auch die Kulturszene?) tut sich eher schwer mit Menschen, die sich als Christen „outen“.

Warum?
Weil Christen in die Kategorie der intoleranten und vielleicht sogar gefährlichen, mit einer Gehirnwäsche versehenen Fundamentalisten gehören? Oder weil nach jedem „Outing“ gleich ein missionarischer Wortschwall befürchtet wird? Oder einfach, weil sie als altmodisch, als langweilig, als politisch und weltanschaulich erzkonservativ gelten und gegen alles sind, was Spass macht?
Und wie steht es in Künstlerkreisen? Welche Attribute verbindet man hier mit Christen? Etwa künstlerisch minderwertig, antiquiert, verkrampft…?

Diese Vorurteile sind eigentlich schon Grund genug, sich nicht als Christ zu erkennen zu geben. Das Schlimme daran ist nämlich, dass einige dieser Vorurteile auf Christen tatsächlich zutreffen. Dann ist es eigentlich das Klügste, das Christ-Sein ganz zu verschweigen. Nicht nur aus Selbstschutz, sondern gerade auch um des Evangeliums willen.

Oder doch nicht?

Es gibt auch andere Erfahrungen: Kürzlich meinte ein Psychiater, der auch Theologe ist: „In einem Therapiegespräch kann es vorkommen, dass ein Klient etwas scheu sagt: „Sie sind auch Theologe, oder? Ich hätte da eine Frage…“. Und dann geht das Gespräch auf einer ganz anderen Ebene weiter.“
Ich selber „oute“ mich keineswegs überall als Christ. Und ich bin vor allem gegen jedes zwanghafte „Verkündigen“. Aber wenn es sich ergibt, erzähle ich gern von meinen Tätigkeiten – und von dem, was mich bewegt. Eine Friseuse meinte kürzlich, das Gespräch über den Glauben sei eine göttliche Fügung gewesen. Der Einstieg ins Gespräch war denkbar einfach. Ich fragte: „Was meinen Sie, was ich beruflich tue?“ Irgendwie macht es mir sogar Spass, Leute zu provozieren, indem ich mich als Christ „oute“ und etwas vom christlichen Glauben erzähle. Zum Beispiel, indem ich von den nächsten (künstlerischen) Projekten in der Kirche spreche. Oder in diesen Tagen von der “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche”. Oder wenn jemand eine Not klagt, kann man so gut anbieten: „Ich bete für Dich – wenn Du willst, gleich jetzt…“.

Spannend wird es dort, wo Vorurteile über Christen (mögen sie wahr sein oder falsch) einer neuen Erfahrung weichen; wo auf einmal der Heilige Geist ein Gespräch ermöglicht – mit offenem Ausgang.

Grossartig ist in diesem Zusammenhang der folgende Bibeltext mit einem Gebet, das wir auch zu unserem eigenen machen können:
In Apostelgeschichte 3 und 4 lesen wir, wie Johannes und Petrus einen gelähmten Mann heilen. Als alle fragen, wie das geschehen konnte, sagen sie: „Glaubt ihr denn, wir hätten diesen Gelähmten aus eigener Kraft geheilt oder weil wir so fromm sind?“ – und sie beginnen dann, von Jesus zu sprechen. Sie werden verhaftet, ins Gefängnis geworfen und anderntags dem Hohen Rat vorgeführt. Auch dort erzählen sie von Jesus. Als ihnen verboten wird, die Botschaft weiter zu verbreiten, antworten sie: „Wir können unmöglich verschweigen, was wir gesehen und gehört haben!« (4,20)
Dieser Mut, zusammen mit der unumstösslichen Tatsache des Wunders und der Tatsache, dass sich inzwischen viele Menschen in Jerusalem bekehrt haben, überfordern nun die Machthaber. Sie lassen Petrus und Johannes los.
Die Gläubigen, zu denen die beiden nun zurückkehren, beten: „Hilf allen, die an dich glauben, deine Botschaft mutig und unerschrocken weiterzusagen. Zeig deine Macht! Lass Heilungen, Zeichen und Wunder geschehen, wenn wir den Namen von Jesus, deinem heiligen Diener, anrufen!” Nach ihrem Gebet bebt die Erde an dem Ort, wo sie zusammengekommen waren. Und es heisst: „Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten furchtlos Gottes Botschaft.“ (4,29-31)

Text: Beat Rink