Monthly Archives

Februar 2017

Haben wir noch Humor? (2)

By Tune In No Comments

Satire und Selbst-Ironie

Was ist nach TUNE IN 207 noch zum Thema „Humor, Kunst und Glaube“ zu sagen?
Sehr viel! Nehmen wir einmal eine Evangelien-Erzählung wie Lukas 8,40-56. Es geht dort um die blutflüssige Frau, die von Jesus geheilt wird. Und dann zum Schluss um die Auferweckung des Töchterchens von Jairus. Gibt es Humor in dieser ernsten Geschichte? Nehmen wir einmal Vers 43: „Und eine Frau hatte den Blutfluss seit zwölf Jahren; die hatte alles, was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und konnte von niemandem geheilt werden.“ Nun müssen wir daran erinnern, wer das schreibt: Lukas, ein Arzt! Das ist reine Berufs-Satire und wohl auch ein Stück Selbstironie.

Satire entsteht nach Friedrich Schiller (1759-1805) aus dem Gefälle zwischen Ideal (hier: der Ärzte, die für viel Geld Heilung versprechen) und der Realität (hier: der ausbleibenden Heilung). In der Bibel finden wir auch sonst grossartige Satire: Beim Turmbau zu Babel (siehe TUNE IN 17). Oder bei Jesaja 44, wo deutlich wird: Die Götzen sind in Wirklichkeit nur ein totes Stück Holz. Diese Stellen bieten sogar literarisch hochstehende Satire. Satirische Kunst ist auch dort wichtig, wo gesellschaftliche Missstände herrschen. Und eigentlich müssten gerade Christen sehr gesellschaftskritisch sein!

In Lukas 8,43 schwingt auch ein Stück Selbstironie des Arztes Lukas mit. Wer selbstironisch sein kann, wer über sich selber lachen kann bekundet: Ich nehme mich (hier: auch meinen Berufsstand) nicht allzu ernst. Der Schweizer Bundespräsident, dessen Rede zum Tag der Kranken für weltwelte Lacher gesorgt hatte (siehe letztes TUNE IN), fand seinen Aufritt im Nachhinein selber sehr komisch. Und er meinte, er sei jetzt eine Berühmtheit. So habe ihn Barack Obama bei seinem Amerika-Besuch in Anspielung auf das Video gesagt: „Sie, ich kenne Sie!“ Daraufhin hat der Schweizer Präsident Obama entgegnet: „Ich kenne Sie auch, Herr Präsident!“
Christen und Selbstironie? Es ist sehr wohltuend, wo beispielsweise Geistliche (die ja oft würdevoll daherkommen) sich selbst nicht zu ernst nehmen. So konnte der süddeutsche Pfarrer und Erweckungsprediger Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) einem Kind im Gottesdienst „Kuckuck“ zurufen. Oder der römische Priester Philippo Neri (1515-1595) tanzte manchmal durch die Kirche und machte sich auch sonst zum „Narren Christi“, um ja nicht als Heiliger zu gelten. Von Neri stammt das Wort: „Die Fröhlichen sind leichter auf dem Weg des geistlichen Lebens zu führen als die Schwermütigen“.
Können Christen über sich selbst lachen und sich „zum Narren“ machen? Oder nehmen wir uns selber allzu ernst?
Humorlosigkeit kann verdeckter Stolz sein. Selbstironie hingegen ist ein Zeichen von Demut.
Interessant ist, dass gerade Blumhardt und Neri in ihrem Leben und Dienst sehr starke Erfahrungen mit dem Heiligen Geist machten.

Frage:
Satire und Selbstironie – wo sind sie in meiner Kunst und in meinem Leben nötig?

(Fortsetzung zu Lukas 8, 40-56 und zum Thema Humor folgt) Text: Beat Rink

Haben wir noch Humor?

By Tune In No Comments

Siehe Video.

In einer Welt, in der es nicht viel zu lachen gibt – darf es da humorvolle Kunst geben? Ist es uns Christen erlaubt oder vielleicht sogar aufgetragen, zu lachen und andere zum Lachen zu bringen?
Dazu in diesem und im nächsten TUNE IN einige Gedanken in loser Reihenfolge:

„Ernst ist das Leben, heiter die Kunst“, schreibt Friedrich Schiller. Stimmt das? Tatsächlich ist heutige Kunst oft alles andere als heiter, sondern zuweilen eher düster und dunkel. Dies vielleicht aus Angst, oberflächlich zu werden und ins Triviale abzugleiten. Aber wo grosse Künstler nicht mehr leichte und auch humorvolle Werke hervorbringen wollen, überlassen sie das Feld des „Humors“ zweitrangigen Künstlern – mit entsprechenden Konsequenzen. Der Komponist Pierre Boulez etwa hat gesagt, er habe nichts gegen Popmusik, müsse aber beklagen, dass es zu wenig gute Popmusik gebe. Wer ist schon gegen Humor in der Kunst? Schon Horaz lobte: „Aut prodesse volunt / aut delectare poetae“ – “die Dichter wollen entweder nützen oder erfreuen. Humor gehört zur Kunst. Gerade auch zu guter Kunst!

Humor und die „leichte Muse“ stellen sich nicht auf Geheiss ein. Sie müssen einer inneren Überzeugung entspringen. Und vor allem einer Begabung zum Humor. Nichts ist komischer, als wenn ein humorloser Mensch einen Witz erzählen will. Oder wenn ein Bundespräsident mit ernster Miene über Humor spricht – wie im letzten Jahr der oberste Schweizer Minister (siehe Videolink). Nun haben Christen aber den Vorteil, dass sie das Evangelium kennen, übersetzt „die frohe Botschaft“, und damit viel Grund zu ansteckender Freude haben. Also: Christen sollten tendenziell fröhliche Menschen sein. Was natürlich nicht heisst, dass nicht auch traurige Ereignisse und Stimmungslagen zum Leben eines Christen gehören, die wir auf keinen Fall weglächeln dürfen! Es ist also nicht falsch, wenn sich gerade auch christliche Künstler fragen: Gibt es Platz für Humor in meinem Werk – und vor allem in meinem Leben?

Humor ist nicht nur wohltuend, sondern auch heilend. Aus dem 18. Jahrhundert wird berichtet, dass ein taubstummer Mann geheilt wurde, als er eine Vorstellung des berühmten Clown Joseph Grimaldi besuchte. Ebenfalls aus England stammt der Bericht eines Mannes, bei dem eine schwere Infektionskrankheit durch Witze-Erzählen verschwand. Man mag dies vielleicht nicht so recht glauben. Was sicher stimmt: Humor schafft eine heilende Distanz zu so manchen Dingen, die schwer sind oder die wir zu schwer nehmen. Lachen wird tatsächlich in der psychologischen Behandlung eingesetzt. Auf jeden Fall sehnen sich die Menschen nach Humor. Nur schade, dass er oft so schlecht ist…

Fragen: Wie und wo gibt es Humor in meinem Glauben, in meinem Leben, in meiner Kunst

(Fortsetzung folgt)

Text: Beat Rink

„Ihr habt nicht getanzt… ihr habt nicht geweint…“

By Tune In No Comments

Wer die Gemälde von Pieter Brueghel d. Älteren betrachtet, auf denen biblische Szenen dargestellt sind, entdeckt etwas Merkwürdiges: Die biblischen Szenen stehen gar nicht im Zentrum des Geschehens. Sie sind eher eine Nebensache, denn der Alltag nimmt seinen gewohnten Gang. Oder das Geschehen ist ein willkommener Anlass zu allerhand Begegnungen, Geschäftemachereien oder Volksvergnügungen. Der britische Schriftsteller W.H. Auden (1907-1973), unter anderem bekannt durch seine Libretti für Igor Strawinsky (“The Rake’s Progress”) und für Hans Werner Henze (“Die Bassariden” und “Elegie für junge Liebende”), schrieb 1938 nach dem Besuch des Kunstmuseums Brüssel das Gedicht “Musée des Beaux Arts“. Er nimmt auf großartige Weise Bezug auf die dort ausgestellten Bilder Pieter Brueghels d. Älteren (1568-1625) und auf die eben erwähnte Eigenart dieser Bilder:

Was das Leiden betrifft, so lagen sie niemals falsch,
die Alten Meister: Wie gut sie doch wussten,
was es uns Menschen bedeutet: wie es eintritt,
während jemand gerade etwas isst oder ein Fenster öffnet oder blöd umhergeht; wie Kinder, wenn die Alten ehrfürchtig und voll Inbrunst
auf die wundersame Geburt warten, Schlittschuh laufen,
als sei ihnen das alles eher lästig,
auf einem gefrorenen Teich am Waldrand:
Nie geriet bei ihnen in Vergessenheit,
dass selbst das entsetzlichste Martyrium seinen Lauf
in einer Ecke nehmen muss,
in irgendeinem unaufgeräumten Winkel,
wo die Hunde ihr Hundeleben feiern, oder wo das Pferd des Folterknechts
seinen ahnungslosen Hintern an einem Baum schrubbt.

Bei Brueghels Ikarus zum Beispiel: wie alles sich abwendet,
gemächlich abwendet vom Unheil; der Mann am Pflug
mag den Platsch gehört haben, den einsamen Schrei,
doch für ihn war das kein Unglück, das einen was anging; die Sonne schien,
weil eben scheinen muss, auf die weissen Beine,
die im grünen Wasser versanken,
und das kostbar verzierte Schiff,
das etwas Erstaunliches sah:
einen Knaben, der vom Himmel fällt,
suchte ein anderes Ziel und segelte ruhig weiter.

Die Bilder, auf die Auden wahrscheinlich Bezug nimmt, sind oben einkopiert. (Speziell ist, dass der Kindermord zu Bethlehem teilweise übermalt wurde, so dass keine getöteten Kinder mehr zu sehen sind.) Unten habe ich einen gähnenden Kopf eingefügt, der ebenfalls in Brüssel zu sehen ist, und der Auden vielleicht ebenso inspiriert hat.
Dass die biblische Botschaft für viele ihrer Augenzeugen zum Gähnen ist, dass das dramatische Geschehen gar nicht unbedingt das zentrale Thema der Bilder ist, – gerade dies ist nun eben ihr zentrales Thema. Natürlich geht die ursprüngliche Botschaft dahinter überhaupt nicht verloren.

Vielmehr fragt Brueghel die damaligen Menschen – und vor allem auch uns, die wir im Kunstmuseum von Bild zu Bild schlendern: „Lasst ihr euch eigentlich noch von diesem dramatischen Geschehen berühren, das ich gemalt habe?“ Jesus sagt über die Schriftgelehrten und Pharisäer, die die Botschaft von Johannes dem Täufer an “Wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen, und wem sind sie gleich? Sie sind gleich den Kindern, die auf dem Markte sitzen und rufen gegeneinander und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch geklagt, und ihr habt nicht geweint.“ (Lukas 7, 30ff.)

Ein seltsames Wort, das einer ausführlicheren Auslegung bedürfte. Aber wir erkennen darin dieselbe Frage, die Brueghel auch stellt: „Lassen wir uns dazu einladen, die Botschaft zu hören und anzunehmen – oder lässt sie uns kalt?“ Im Blick auf die Menschen um uns herum müssten wir aber auch fragen:
Haben unsere Freunde, Arbeits- und Künstlerkollegen überhaupt noch eine Chance, die biblische Botschaft zu hören und vor allem glaubwürdige Christen kennen zu lernen?
Wie können wir ihrem negativen Bild von „Kirche und Gott“ ein anderes entgegensetzen?
Wie können wir vermitteln, dass die biblische Botschaft noch relevant ist?

Nehmen wir uns etwas Zeit, um darüber betend nachzudenken – und lassen uns inspirieren…

Text: Beat Rink

Wettbewerbe “Nacht des Glaubens”

By Neuigkeiten, Ausschreibungen No Comments

Für die “Nacht des Glaubens. Festival für Kunst und Kirche” am 2.Juni 2017 schreibt der Kulturverein Basel zwei Literaturwettbewerbe aus, die aus der von Jugendlichen zusammengelegten Kollekte des „Praise Camps“ gespiesen werden.

1. Wettbewerb für Prosa/Lyrik
Weitere Informationen dazu, siehe hier.

2. Wettbewerb für Rap
Weitere Informationen dazu, siehe hier.

Einsendeschluss beider Wettbewerbe ist der 17. April 2017

Und was ist “prophetische Kunst?”

By Tune In No Comments

Man hört immer wieder den Satz, dass Künstler die heutigen Propheten seien. Gemeint ist dabei: Künstler sind die wirklichen Propheten, die jene der Kirchen abgelöst haben. Wie antwortet man auf ein solch etwas zweifelhaftes Lob, in dem zugleich ein gewaltiger Anspruch steckt? Gut ist, wenn wir uns (auch im Anschluss an die beiden vorigen TUNE INs) fragen: Prophetie, was ist das eigentlich?

In TUNE IN 203 wurde gesagt: Gottes „verborgener Wille“ ist uns grundsätzlich unzugänglich – anders als sein „offenbarter Wille“, wie er sich vor allem in den 10 Geboten äussert. Es ist gut, die beiden nicht miteinander zu verwechseln oder zu vermischen. Und es ist wichtig, dass wir unser Leben nicht auf die Erschliessung verborgener Geheimnisse ausrichten, sondern auf das Befolgen von Gottes guten Ordnungen, deren beste Zusammenfassung das Doppelgebot der Liebe ist: „Liebe Gott … und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Warum gibt es aber in der Bibel Prophetie und warum wird sogar den Christen empfohlen: Strebt danach, „dass ihr prophetisch redet“ (1.Korinther 14,1) ?

Um mit einem Bild zu sprechen: Wenn die Liebe Gottes der Motor unseres Lebens ist und die Gebote eine Hilfe sind, auf der Strasse zu bleiben und nicht abzustürzen – sozusagen die Schranken links und rechts am Wegrand -, so ist das prophetisches Wort “ein Licht auf dem Weg” (analog zum Gotteswort in Psalm 119,105). Vielleicht erhellt es die nächste Wegstrecke oder deutet die weit vor uns liegende Landschaft an (wie die Offenbarung). Darin liegt ein Trost, eine Ermutigung – oder auch eine Warnung. Interessant ist aber, dass Paulus die Voraussage seiner Gefangennahme in Jerusalem nicht als eine Warnung versteht, sondern als Vorbereitung – und trotzdem nach Jerusalem zieht!

Nun ist aber bei „Prophetie“ grosse Sorgfalt geboten. Sie kann so leicht manipulativ eingesetzt werden. Und sie ist so anfällig für Täuschungen. So hat uns in der Seelsorge einmal eine junge Musikstudentin gesagt: „Heute haben mir drei junge Männer einen Antrag gemacht. Und alle drei meinten: Gott hat zu mir gesprochen, dass du die Frau für mein Leben bist!“
Wichtig scheint mir die Aussage in Epheser 4,11 ff.: „Er hat die einen zu Aposteln gemacht, andere zu Propheten, andere zu Evangelisten, wieder andere zu Hirten und Lehrern der Gemeinde. Deren Aufgabe ist es, die Glaubenden zum Dienst bereitzumachen, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut wird… Wir sind dann nicht mehr wie unmündige Kinder, die kein festes Urteil haben und auf dem Meer der Meinungen umhergetrieben werden wie ein Schiff von den Winden. Wir fallen nicht auf das falsche Spiel herein, mit dem betrügerische Menschen andere zum Irrtum verführen.“
Das heisst: Zusammen mit anderen Ämtern (und zusammen mit anderen Geistesgaben) verhilft die Prophetie den Glaubenden und der gesamten Gemeinde zum Dienst und zum Leben mit Christus und für Christus.

Wird Prophetie nicht-manipulativ, mit Reife, Sorgfalt, Selbstkritik (!), Liebe und vor allem immer im Blick auf Christus und den geistlichen Dienst ausgeübt, so ist sie sehr kostbar. Sie ist dann das Gegenteil von heidnischer Wahrsagerei!

Kann nun Kunst prophetisch sein? Kunst kann tatsächlich erhellend wirken. Sie kann etwas ans Licht bringen und sichtbar und hörbar machen, was unserem Erkennen – unserem Denken und Fühlen – bisher verborgen war. Sie gibt dann vielleicht nicht unbedingt ein Reden Gottes weiter, sondern eher eine „säkulare Prophetie“. „Über das Geistige in der Kunst“ heißt die berühmte Schrift Kandinskys von 1912. Ihre Hauptaussage: In der Kunst wird etwas sichtbar, was man sonst nicht sehen kann: das Geistige. Solche künstlerische Prophetie ist nicht dasselbe wie die in der Bibel beschriebene Prophetie.

Allerdings können wir nicht ausschliessen, dass Kunst auch ein Sprachrohr Gottes sein kann – ob sie nun von einem Christen geschaffen wurde oder nicht. Und es kann nicht falsch sein, darum zu beten, dass unsere Kunst erhellend wirken möge – und dass sie ein Licht auf dem Weg – im besten Fall ein Licht, das von Gott her kommt und von ihm „spricht“.

Text: Beat Rink

Theologie als Drama

By Neuigkeiten No Comments

Eine von der Afbet (Arbeitsgemeinschaft für biblisch erneuerte Theologie) organisierte Veranstaltung, die in Verbindung mit zwei weiteren Studientagungen stattfindet. „Was kann Theologie vom Theater lernen?“ und „Wie hängen Lehre und Praxis zusammen?“ sind zentrale Fragen dieser Tagung.

Datum:              25. März 2017
Ort:                    Universität Fribourg
Preis:                 CHF 75.- / AfbeT-Mitglieder: CHF 60.- / Studenten: gratis
Anmeldung:      www.vanhoozer.ch/anmeldung/

Weitere Informationen sind zu finden unter: www.vanhoozer.ch