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Dezember 2016

Das unvergängliche Vermächtnis von Charles Schulz

By Tune In No Comments

Linus Christmas Speech

1950 war ein Jahr, in dem in der populären Kunst-Szene einige bemerkenswerte Phänomene auftauchten. Um einige wenige zu nennen: Der König von Narnia von C.S.Lewis erschien; Cinderella, einer der besten Animationsfilme kam in die Kinos, und das Fernsehen wurde für den Mittelstand erschwinglich und ersetzte den Rundfunk als wichtigstes Massenmedium – auch bei uns zuhause. Zudem bekam ein unbekannter junger Kunstlehrer einen Vertrag für seinen Comic Strip L’il Folks, der bald in vielen Zeitungen quer durch die USA abgedruckt wurde. Ein Streit um den Namen L’il Folks (ein anderer Comic Strip hatte ähnlich geheissen) veranlasste den Zeichner Charles Schulz allerdings zu einer Namensänderung: Die Peanuts waren geboren und entzückten von da an Millionen von Menschen mit ihren Geschichten.

Hier einige interessante Fakten zum Werk von Charles Schulz (1922-2000): Seine Comics sind mit 18’000 Episoden die grösste Bildgeschichte, die je erzählt wurde. Somit ist sie die “längste Geschichte, die von einem einzelnen Menschen erzählt wurde” Katherine Brooks). Ein zweites Detail: Die Peanuts haben bisher 355 Millionen Leser in 75 Ländern erreicht und wurden in 21 Sprachen übersetzt. Drittens: “Charlie Browns Weihnachten” gehörte 1965 zu den ersten Cartoons, die es vom Printmedium ins Fernsehen schafften. Ein letzter Punkt: Charles Schulz war ein bekennender Christ! Seine Werte und sein Weltbild waren eindeutig christlich und kosteten ihn beinahe den Erfolg. Besonders mit dem Einzug ins Fernsehen, d.h. mit seinem Weihnachts-Special, bekannte er sich öffentlich zum Glauben. Allerdings hätte es dieser kurze Animationsfilm fast nicht ins Fernsehen geschafft. Die Produzenten befürchteten, dass er den Ruf des Charlie Brown für immer ruinieren würde.
Doch das Gegenteil geschah: Nach seiner ersten Ausstrahlung wurde dieser einzigartige kleine Film in viele Sprachen übersetzt und trug entscheidend zum exponentiell wachsenden Erfolg von Charles Schulz bei. Ein zweiter, fast gewichtigerer Einwand kam vom Hauptsponsor Coca Cola, der die Lesung der Weihnachtsgeschichte streichen wollte. Diese würden die Millionen von Comic-Freunden vor den Kopf stossen, die nicht den gleichen Glauben teilten, so lautete das Argument. Doch für Schulz war klar: Der Film drehte sich um die “wahre Bedeutung von Weihnachten”. Deutlich wird dies, wenn am höchsten Spannungspunkt ein niedergeschlagener und völlig erschöpfter Charlie Brown ausruft: “Kann mir den niemand erklären, um was es bei Weihnachten geht?” Worauf tritt der bescheidene Linus auftaucht und meint: “Ich kann dir erklären, was Weihnachten ist, Charlie Brown.” Linus stellt sich in die Mitte der Bühne und zitiert auswendig Lukas 2,-8-14. Kürzlich meinte ein Freund: “Ist dir dieses kleine, aber genial Detail aufgefallen, dass Linus bei den Worten “Fürchtet euch nicht” sein Tuch fallen lässt?” Zur Zeit von Schulz war es in den USA alles andere als üblich, die wahre Bedeutung von Weihnachten zu erwähnen, geschweige denn sie öffentlich zu thematisieren. Doch Schulz blieb unerbittlich und drohte mit dem Produktionsstopp. Was für ein schönes Beispiel für beharrliche Kunst zu Gottes Ehre. Dabei geht es bei “Kunst zu Gottes Ehre” nicht um die Frage, ob der Glaube explizit oder implizit Eingang in ein Werk findet, sondern darum, ob die Kunst mit diesem Anliegen echt ist. Schulz hat uns in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel gegeben, das als Vermächtnis bestehen bleibt.
Als glaubende Künstler bekennen wir mit Charles Schulz: “Jesus ist der wahre Grund für das Fest!” Lasst uns mit neu entfachter Leidenschaft die Schönheit einer kompromisslos echten Kunst feiern!

Text: Dr.Jim Mills / Übersetzung: Beat Rink

Dr. Jim & Anne Mills betreuen das Netzwerk Creative Arts Europe. Dieses europaweite Beziehungs-Netzwerk unter Künstlern teilt und fördert die Vision von Kunst, die aus einem christlichen Weltbild und aus dem Glauben an das Evangelium heraus entsteht. Das Ehepaar wirkt als Pastoren und Künstler und ist auch mit seiner Musik in vielen europäischen Ländern bekannt geworden.
www.creativeartseurope.com

Eine wundervolle Weihnachtskantate von 1953

By Tune In No Comments

Arthur Honeggers (1892-1955) Weihnachtskantate gehört zu den wundervollsten Vertonungen des Weihnachtsgeschehens aus neuerer Zeit. Es ist ein Werk aus der Mitte des 20.Jahrhunderts. Dies ist nicht nur an seiner musikalischen Sprache ablesbar, sondern auch am Weg, auf den der Komponist uns Zuhörer mitnimmt. Die Kantate beginnt mit düsteren Klängen zu den Worten „De profundis clamavi ad te, Domine“ – „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“. Dieser Klageruf aus Psalm 129 (bzw.130) liegt übrigens auch dem 2.Satz der 3. Symphonie („Liturgique“) zugrunde, die Honegger in den Kriegswirren von 1945 geschrieben hat. Die 2.Symphonie, geschrieben 1941 im besetzten Paris, beginnt ebenso düster.

Aber wie sich Honeggers Musik in diesen beiden Symphonien nicht der Verzweiflung überlässt (die 2.Symphonie endet mit einem Trompetenchoral, die 3.Symphonie mit der musikalischen Umsetzung des Gebets „Dona nobis pacem“), so bricht in der Weihnachtskantate bald die Botschaft herein, „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch grosse Freude…“, überbracht vom Bariton-Solo. Und nun öffnet sich allmählich der Himmel. Die Engel stimmen verschiedene Weihnachtslieder an, die sich zu einem gewaltigen Klangteppich verweben. Die 1940 begonnene und 1953 vom todkranken Komponisten vollendete Weihnachtskantate mündet in ein fast explosionsartig hervorbrechendes „Laudate omnes gentes“ und schliesst mit einem breit gemalten Amen, nach dem noch einmal Weihnachtsmelodien anklingen.
Es lohnt sich, das ganze Werk in einer ruhigen Stunde zu geniessen.

Wir wünschen unseren TUNE IN-Leserinnen und Lesern (es sind mittlerweile weltweit gegen 3000 Künstler aus verschiedenen Sparten und vielen Ländern) von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Text: Beat Rink

Lebenskunst

By Tune In No Comments

Wenn wir heute über Kunst sprechen, meinen wir Tanz und Musik, Film und visuelle Kunst, Literatur und Theater – und vielleicht auch angewandte Künste wie Architektur, Mode und Design. Dieses Verständnis von „Kunst“ ist verhältnismässig eng. Und vor allem ist es neu. Dies wird deutlich, wenn man die Geschichte bedenkt. Albrecht Dürer (1471-1528) verstand seine Kunst noch zu einem guten Teil als angewandte Geometrie. Der Philosoph Reimund B. Sdzuj schreibt: „Was man heute unter der Bezeichnung Kunst zusammenfasst und zum Beispiel von Johann Christoph Gottsched (1700-1766) eher beiläufig in der uns vertrauten Fünfzahl von Dichtkunst, Musik, Malerei, Baukunst und Bildschnitzen erwähnt wird, verteilte sich bis ins 18. Jahrhundert auf Wissenschaft (ars poetica als Teil der Rationalphilosophie), freie Künste (artes liberales wie Musik qua Wissen), Handwerk (artes illiberales: „ein Bild mahlen, Lasten tragen“, Musizieren) und … artes ludicrae, zu denen „Seil- tanzen, Comoedien, Gauckeln, Taschen-Spielen“ gezählt wurden, und …seit dem 17.Jahrhundert auch Oper und Roman.“ (Reimund B.Sdzuj. Adiaphorie und Kunst
Studien zur Genealogie ästhetischen Denkens)
Bis weit ins 18.Jahrhundert hinein verstand man zudem Kunst als etwas „Nützliches“. Und man wäre niemals auf die Idee gekommen, sich zu Kunst kontemplativ zu verhalten, das heisst vor einem Kunstwerk oder beim Anhören eines Musikstücks zu „meditieren“.

Unser Kunst-Verständnis ist also historisch gewachsen. Das heisst nicht, dass es völlig falsch ist. Aber es darf (und muss) immer wieder hinterfragt werden, wo der Kunstbetrieb seltsame Blüten treibt. Und er treibt oft sehr seltsame Blüten !
Wir tun gerade als Christen gut daran, unser eigenes „Kunstschaffen“von jener „Lebens-Kunst“ her zu prüfen, wie sie uns in der Bibel (zum Beispiel in den Sprüchen) empfohlen wird.
Darum ist es auch richtig, als Künstler auf Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) zu hören, wenn dieser in “Widerstand und Ergebung” über das “Qualitätsgefühl” schreibt. Bonhoeffer bezieht sich dabei nicht auf Kunst in engerem Sinn, sondern er meint Lebens-Kunst:

“Es geht auf der ganzen Linie um das Wiederfinden verschütteter Qualitätserlebnisse, um eine Ordnung auf Grund von Qualität. Qualität ist der stärkste Feind von Vermassung. Gesellschaftlich bedeutet das den Verzicht auf die Jagd nach Positionen, den Bruch mit allem Starkult, den freien Blick nach oben und nach unten, besonders was die Wahl des engeren Freundeskreises angeht, die Freude am verborgenen Leben wie den Mut zum öffentlichen Leben. Kulturell bedeutet das Qualitätserlebnis die Rückkehr von Zeitung und Radio zum Buch, von der Hast zur Muße und Stille, von der Zerstreuung zur Sammlung, von der Sensation zur Besinnung, vom Virtuosenideal zur Kunst, vom Snobismus zur Bescheidenheit, von der Maßlosigkeit zum Mass. Quantitäten machen einander den Raum streitig, Qualitäten ergänzen einander.”

Fragen:
Was heissen die Worte Bonhoeffers für uns als Künstler?
Wo sollten wir Lebens-Kunst pflegen – statt nur „Kunst“ in engerem Sinn?

Text: Beat Rink

Der Segen der Kunst

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Wie wichtig Kunst ist, erfährt man in Ländern, wo diese rar ist.

Bei unseren derzeitigen Afrika-Projekten sind wir Maria* begegnet. Sie wirkt in einem einwöchigen Chorprojekt mit, das wir seit 2 Jahren in Kigali durchführen. Ihre Lehrerin stellt nun dieses Jahr grosse Fortschritte in der Stimme von Maria fest. Und ihr lokaler Mentor fügt etwas Wichtiges hinzu: „Maria ist, seit sie im Chor singt, eine andere Person. Sie ist im Vergleich zu früher enorm aufgeweckt und übernimmt selber Verantwortung – zum Beispiel in der Kirche. Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen ihrer Freude am Singen und ihrer persönlichen Entwicklung.“

Thomas* ist ein junger Mann. Er sagt: „In Ruanda haben wir jungen Leute kaum Selbstvertrauen. Unsere Eltern sind im Genozid umgekommen und so mussten wir als Waisen aufwachsen. Erst durch den Musikunterricht habe ich Selbstvertrauen gewonnen. Mein Lehrer hat mir geholfen, das richtige Instrument zu wählen und meinen Stil zu finden. Jetzt weiss ich, dass ich etwas kann.“

Jean-Pierre* sagt: „Ich bin vom Land in die Stadt gekommen. Ich fühlte mich hier von Anfang an minderwertig. Aber dann habe ich gemerkt: Meine künstlerische Ausdrucksweise ist einzigartig. Ich selber bin einzigartig und muss mich nicht minderwertig fühlen.“

Alle, die künstlerisch tätig sind, wissen es längst: Kunst fördert die „Individuation“ – sprich: die Selbst-Findung und die Persönlichkeitsentwicklung. Kunst eröffnet Zugänge zu verschlossenen Emotionen. Kunst wirkt heilend. Kunst tröstet. Kunst ist eine wunderbare Schöpfungsgabe und ein Segen, wo sie verantwortungsvoll und sorgfältig ausgeübt wird. Und erst recht, wo der Künstler offen ist für das Wirken des „Creator spiritus“, den Schöpfergeist Gottes. Der Künstler: das heisst auch gerade der Musik- und der Kunstlehrer wissen das gut.
Wie wichtig Lehrer und Mentoren sind, wird an den in Afrika erzählten Berichten auf wunderbare Weise deutlich. Auch wenn man auf anderen Kontinenten und vor allem in „kulturgesättigten“ Ländern solche Geschichten kaum hört: Es gibt sie bestimmt auch dort zu Hauf.
Jeder Kunst- und Musikunterricht, jedes gute Kunstwerk bewirkt Segen! Lasst uns – auch inmitten aller ermüdenden und manchmal frustrierenden „Knochenarbeit“, die man als Musik- und Kunst-Lehrer und als Künstler nur zu gut kennt – Gott dafür danken.

*Name geändert

Text: Beat Rink

Singt Gott in euren Herzen…

By Tune In No Comments

Foto: Rwanda on the 28.11.2016 – choir project with “Music Road Rwanda” / Crescendo

“Singet Gott dankbar in euren Herzen mit Psalmen, Hymnen und Liedern aus dem Geist.” (Kolosser 3:16)

Dieser Vers wird oft zitiert, wenn es um die Bedeutung des Singens und der Kirchenmusik geht. Tatsächlich ist Singen in der Bibel wichtig.
Das Verb kommt im Alten Testament 309 mal vor und im Neuen Testament 36 mal.
Nur: Hier geht es gar nicht um das laute Singen, sondern um eine Herzensbewegung. Um etwas, was im Verborgenen geschieht. Liest man den Kolosserbrief, so findet man einige weitere Stellen, die über das „Verborgene“ sprechen.

Über das Verborgene im Innern des Menschen:
„Lasset das Wort Christi reichlich wohnen IN euch…“ 3:16
„Der Friede Christi regiere IN euren Herzen“ 3:15)

Über das, was „in Gott verborgen“ ist:
„…zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis VERBORGEN liegen“ 2:2f.
„Euer Leben ist VERBORGEN mit Christus in Gott“ 3:3).

Geht uns Christen dieser Blick auf das VERBORGENE verloren und hören wir auf, auf das INNERE zu achten, geraten wir in andere Einflussbereiche.
Paulus warnt: „Trachtet nicht nach dem, was auf Erden ist“ (3:2). Er ordnet dem „Irdischen“ einen langen Lasterkatalog zu (3:5-8). Und er spricht von den Mächten dieser Welt, die zu gesetzlicher Frömmigkeit verführen (2:16-22), sozusagen zu einem verkrampften, nicht wirklich erlösten Christ-Sein.
Dem Leben der Heiligen aber, die mit Christus gestorben und auferstanden sind (2:12f.) ordnet er aber einen langen Tugendkatalog (3:12-14) zu, zu dem herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Geduld und über allem Liebe gehören.

Von Georg Friedrich Händel (1685-1759) ist überliefert, dass er sich in einer „Messias“-Probe bei der Arie „Ich weiss, dass mein Erlöser lebet“ an die Sängerin wandte und sagte: „Sie singen schön, aber sie wissen nicht, dass ihr Erlöser lebt.“

Gerade in der angebrochenen Adventszeit ist es sicher nicht falsch, sich von Paulus fragen zu lassen (und es vielleicht auch in den Chorproben oder im Musikunterricht anzusprechen):
Leben die Arien und Choräle, die wir anstimmen, auch in unseren Herzen? Erklingt ihre Botschaft zunächst in unserem INNEREN, bevor wir sie singen? Suchen wir immer wieder die VERBORGENEN Schätze in Gott?
Vielleicht ist es ja ein praktischer Tipp, den Paulus uns da gibt: Stimmt immer wieder dankbar in eurem INNEREN ein Lied an.

Text: Beat Rink