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September 2016

By Tune In No Comments

Die Kampin kappeli, die Kamppi Kapelle ist ein Ort der Stille inmitten von Helsinki in unmittelbarer Nähe eines Eingangszentrums. Es gibt keine Predigt, keine Bibelstunden, keine Musik. Dafür Stille – und im Vorraum das Angebot, mit einem Geistlichen oder einem Sozialarbeiter zu sprechen. Dahinter stehen die lutherische Kirche von Helsinki und die Sozialen Dienste der Stadt.
Die Kapelle wurde von den Architekten Kimmo Lintula, Niko Sirola und Mikko Summanen gestaltet und 2012 eröffnet. Die Architektur ist äusserst schlicht. Licht fällt von oben in den Raum, der trichterförmig aus der Erde aufsteigt. Das vorherrschende Material ist Holz, dessen waagrechte Schichtung das vorherrschende Gestaltungsmuster bildet. Die Kapelle nimmt Elemente des traditionellen Kirchenbaus auf: Kirchenbänke, Pult mit Bibel, Kerzen, Kreuz usw.

Es ist erstaunlich: Pro Jahr besuchen rund 250’000 Menschen die „Kapelle der Stille“. Hier gestaltet Kunst „Stille“. Der Bezug zur christlichen Botschaft ist deutlich. Und Menschen suchen diese Stille und innere Einkehr. Stille ist ein Geschenk. Die Sängerin Constance Fee sagt: „Nach meiner Hinwendung zu Christus hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben „Stille“: eine völlige Stille, die alle Stimmen in meinem Kopf zum Schweigen brachten, die mich bisher unablässig bedrängt und mich für all die Dinge angeklagt hatten, die ich falsch machte.“ (siehe TUNE IN 86)

Wir können also um innere Stille bitten. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass wir für Gottes Reden empfänglich werden.
Stille können und müssen wir aber auch immer wieder aktiv suchen. Die Frau eines bekannten Predigers aus dem 19.Jahrhundert, Mutter vieler Kinder, pflegte folgende Gewohnheit: Mitten im Alltagstrubel und Kindergeschrei, oft sogar in der Küche, nahm sie ihre Schürze und stülpte sie über ihren Kopf. So stand sie da, regungslos, für eine ganze Weile. Und die Kinder wussten: Die Mutter betet nun; jetzt darf man sie nicht stören.

Wo bauen wir im Tagesablauf solche Momente der Stille ein, in der wir beten, einen Psalm lesen oder ein Lied singen?
Oder wo bauen wir Stille im Jahresablauf ein?
Ich weiss von vielbeschäftigten Künstlern, die sich eine Woche Schweige-Exerzitien gönnen –zum Beispiel mit dem hervorragenden Theologen Dr. Wolfgang J.Bittner (LINK).
Wo lädt vielleicht auch unsere eigene Kunst zur Stille und zur Besinnug ein?

„Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.“ (Markus 1,35)

„Musik und Stille – wie ich beide verabscheue!“ Screwtape (C.S.Lewis)

Text: Beat Rink

Kunst und Geduld

By Tune In No Comments

Als ich Opernfach zu studieren begann, hoffte und träumte ich davon, Gott würde eines Tages mein Singen so brauchen, dass andere von Jesus erfahren könnten. Ich sah mich vor meinen inneren Augen im Konzertsaal und auf der Opernbühne stehen, von Gott singen und die gute Nachricht singend weitertragen. Ich hoffte, einmal ein „singender Evangelist“ zu sein.
Allerdings: Je mehr ich meine Berufung lebte und auslotete, änderten und entwickelten sich die Dinge in eine andere Richtung als ursprünglich gedacht. Obwohl es mir gelang, meinem Publikum wunderschöne geistliche Musik zu bieten – in der Hoffnung, dass dabei viele durch die Gegenwart Gottes berührt würden, entdeckte ich, dass mein hauptsächlicher Dienst den Kollegen und Mitmusikern galt, und dies eher hinter als auf der Bühne.

Denn als christliche Musiker folgen wir ja keinem anderen Ruf als dem, der allen Christen gilt: wir sollen die Liebe Christi zunächst denen weitergeben, die mit uns den Arbeitsplatz teilen. So ist unser Arbeitsplatz ein Missionsfeld. Kürzlich hörte ich eine Lehre über das dritte Gebot: „Du sollst den Namen deines Herrn nicht missbrauchen“. Der Redner empfahl die Lesart: “Trage den Namen deines Gottes nicht missbräuchlich herum.

Da stellen sich Fragen wie: Sind wir bei unseren Kollegen würdige oder unwürdige Botschafter Gottes? Welches Gottesbild vermitteln wir durch unser Handeln und mit unserer Haltung? Zeigen wir Anderen etwas von Jesus Christus – und zwar so, dass es ihn ehrt? Sind wir uns dessen bewusst, dass wir die einzigen Botschafter von Jesus sein könnten, denen der Andere je begegnet?

Lasst uns solche Fragen eben im Blick auf unser Verhalten am Arbeitsplatz stellen: Bin ich in den Proben freundlich zu meinen Kollegen? Begegne ich ihnen mit Liebe? Verhalte ich mich gegenüber dem Dirigenten oder dem Regisseur freundlich? Für mich ist zum Beispiel wichtig, wie ich mich gegenüber andern Tenören in meinem Fach benehme: Ermutige ich sie? Übe ich ihnen gegenüber Liebe? Oder wie behandle ich die „Make up-Künstler“ und die Kostümbildner, die so hart daran arbeiten, dass ich auf der Bühne gut aussehe? Nehme ich mir zwischendurch Zeit für ein Gespräch mit dem Hausmeister, der die Böden reinigt? Bete ich mit Fleiss für jeden meiner Kollegen? Arbeite ich daran, mit meinen Kollegen ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen? Verpasse ich dies, verwirke ich auch das mir das Recht, ihnen von Jesus zu erzählen.

Ich muss jedenfalls sehr dafür beten, dass ich kein schlechter Zeuge werde, weil ich „Divo“-Allüren habe oder weil ich mich zu sehr auf meine eigene Kunst fokussiere und dabei andere überrenne. In unserer Berufung als Musiker (und als Künstler überhaupt) wollen wir doch möglichst gute Botschafter Christi sein!
Dazu gehört aber auch, dass wir unsere Fehler eingestehen und Gott darum bitten, unseren Charakter zu schleifen. Vielleicht müssen wir Bitterkeit und Wut überwinden und Heiligen Geist bitten, heilend einzugreifen. Lass uns nie vergessen, dass Gott unvergleichlich stärker daran interessiert ist, in uns zu wirken als durch uns. Wenn wir uns ihm anvertrauen und mit ihm glaubensvoll vorangehen, wird er uns sowohl mit unserer Musik auf der Bühne als auch hinter der Bühne gebrauchen – für seine Ziele und zu seiner Ehre.

Kunst_Forum 2016

By Neuigkeiten No Comments

Am 5. November 2016 findet das Kunstsparten übergreifende Forum für Kunst und Glaube in der Christuskirche in Biel statt.
Das Forum will Künstler und Kunstinteressierte aller Sparten gleichsam an diesem Tag in ihrem Christ-Sein ermutigen, herausfordern, vernetzen und den Austausch fördern. Es soll ebenfalls für Theologen spannend, provokativ und bereichernd sein.
Das Kunst_Forum regt kunst-affine Menschen in ihrem Künstlerischen Tun und in ihrem Glaubensleben nachhaltig an und will zum Weiterdenken, -empfinden, -forschen auf hohem Niveau provozieren.

Referate von Wolfgang Bittner, Fulbert Steffensky und Ellis Potter mit anschliessenden Diskussionsrunden, kurz-knackige Workshops/Lectures und Kurzpräsentationen finden dabei ebenso Platz wie Zeit für den persönlichen Austausch und Gebet.

Save the date!

Weitere Infos findest du hier.
Anmeldungen können bereits entgegen genommen werden unter info@ap.weiter.ch

Kurzpräsentationen: “call for presentations”

By Neuigkeiten, Ausschreibungen No Comments

Künstlerinnen und Künstler aller Sparten sind eingeladen, sich für die “Kurzpräsentationen” am Kunst_Forum_16 zu bewerben. Insgesamt stehen acht Slots à 7 Min. zur Verfügung und werden von BART Magazin für Kunst und Gott kuratiert.

Bewerbung mit Angaben von Name, Kontaktangaben, Kunstsparte und was inhaltlich / stilistisch gezeigt werden möchte sowie allfällig benötigtes Material (max 1 A4 Seite) zusammen mit einem kleinen Portfolio (1 A4 Seite) genügt.

Einreichen bis spätestens 1. Oktober 2016 an: projekte@ap.weiter.ch

Kunst und Geduld

By Tune In No Comments

Makrothymia ist das griechische Wort für die Geduld Gottes: für Sein grosses „Herz“ und Seinen „langen Atem der Leidenschaft“ (s. TUNE IN 184). Gottes gütige Geduld begegnet uns in fast jedem Kapitel der Bibel – und auch in unserem eigenen Leben, wo wir sie annehmen und an uns wirken lassen. Dadurch erfahren wir selber eine „Herzerweiterung“. Paulus kann die Geduld deshalb zu den Früchten des Heiligen Geistes zählen (Galater 5,22) Auch die Geduld, die ein Künstler aufbringen muss, kann die Färbung der „Makrothymia“ annehmen.

Wie wirkt sich dies aus? Man wird dann nicht etwa nachlässig oder faul oder gibt sich mit schlechter ästhetischer Qualität zufrieden, sondern man wird im Umgang mit seinen Fehlern gelassener. Man wird dazu befreit, sich vermehrt der Entwicklung seiner Stärken zu widmen und nicht nur verbissen seine Fehler ausmerzen zu wollen. Dasselbe gilt wiederum für andere Lebensbereiche ausserhalb der Kunst – vor allem für den Umgang mit anderen Menschen!

Franz Mohr*, der Chef-Konzerttechniker Steinway & Sons, New York, erzählt von seinen Begegnungen mit Arthur Rubinstein (1887-1982), der für seine Fähigkeit bekannt war, auf dem Klavier zuweilen kräftig danebenzugreifen. Rubinstein konnte dies mit Humor nehmen und sagte einmal nach einer Probe, die er aus diesem Grund frühzeitig abbrechen musste: „Ich muss gar nichts dafür tun! Die Fehler kommen von selbst!“ Und ein anderes Mal meinte er zu Franz Mohr: „Es gibt so viele junge Pianisten, die technisch besser sind als ich. Aber es fehlt da“ – und er griff an sein Herz. Zweifellos wusste der Jude Rubinstein etwas von „grossherziger Geduld“.

Ein zweiter griechischer Begriff (hypomone), der in der deutschen Bibel mit „Geduld“ übersetzt wird, heisst „Darunterstehen“. Man stellt sich wartend unter eine Situation. Manchmal, zum Beispiel in einer Krankheit, kann man gar nicht anders als warten. Manchmal könnte man aber ungeduldig und vorschnell handeln, um dann bald einmal zu erkennen, dass dies schädlich war.
Das heisst nun nicht, dass Warten immer und überall das Richtige ist. Man muss gut abwägen, wo Geduld angebracht ist, wo dies fruchtbar ist: wo Geduld etwa dem eigenen charakterlichen Reifungsprozess dient, eine wichtige „geistliche Übung“ darstellt oder ein Ausdruck der Liebe zum Nächsten ist.

Für den Menschen, der auf Gott vertraut, ist das bewusst ergriffene oder demütig bejahte „geduldige Darunterstehen“ nicht eine Beugung vor Schicksalsmächten, sondern dem Verharren auf der Töpferscheibe Gottes vergleichbar (Jesaja 64, 7; Jeremia 18, 1-4). Selbst wenn es schmerzt, „weiss“ der Ton: „Da ist ein Künstler am Werk! Das wird etwas Gutes und Brauchbares daraus!

Was könnte dieses Verständnis von “Geduld” für dich als Künstler und für dein Leben bedeuten?

* Crescendo hat verschiedene Bücher und Audio-CDs von Franz Mohr veröffentlicht. Man kann sie bestellen unter www.crescendo.org

Text: Beat Rink

Wie geduldig sind wir?

By Tune In No Comments

Geduld gehört zu den wichtigsten Eigenschaften, die sich ein Künstler aneignen muss. Wie viele tausende Stunden verbringen Musiker, Schauspieler oder Tänzer mit Auswendiglernen und Proben? Was für die interpretierenden Künste, die „performing arts“ gilt, lässt sich auch von den anderen Künsten sagen. Kreativitätsforscher sprechen von drei Phasen im künstlerischen Schaffensprozess: 1. Inspirationsphase
2. Elaborationsphase
3. Dritte Phase – Wechsel von Inspiration und Elaboration.
Zumindest die zweite und dritte Phase erfordern Geduld. Eine Idee muss sorgfältig ausgeführt werden. Vieles wird dabei verworfen, und der Abfalleimer erweist sich dabei als unentbehrliches Arbeitsmittel…

Es lohnt sich, als Künstler über Geduld nachzudenken. Und sich zu fragen: “Was ist und woher kommt Geduld? Wie kann sie noch weiter wachsen? Bin ich auch sonst geduldig, wenn es um andere Dinge als um die Kunst geht?” In diesem und auch im folgenden TUNE INs wollen wir darauf eingehen.
Die erste Frage lautet: Was ist Geduld?

In der griechischen Bibel wird, wo von Gottes Geduld (oder Langmut) die Rede ist, das Wort MAKROTHYMIA gebraucht. Makro heisst gross. Thymia ist ein Wort für „Leidenschaft“ oder „Gefühle“. (Die Thymusdrüse gilt schliesslich als Sitz der Gefühle). Man könnte das Wort übersetzen mit „Grossherzigkeit“.
Das heisst: Im Herzen Gottes hat viel Platz. Sogar wir Menschen mitsamt unseren Fehlern haben darin Platz, weil Gott uns liebt. Darum ist Gott geduldig.
Ein enges Herz dagegen hat nur gerade genügend Platz für Fehler. Für die Fehler anderer Menschen oder auch für unsere eigenen Fehler. Und deshalb ist dieses Herz weder geduldig noch freundlich, wie Paulus die Liebe beschreibt (1.Korinther 13,4), sondern oft recht ungeduldig und unfreundlich. Und deshalb ist es auch selten „barmherzig und gnädig, geduldig und von grosser Güte“ (Das Gotteslob im Psalm 103,8), sondern tendenziell eher „ungeduldig und unbarmherzig“, vielleicht sogar gnadenlos. Geduld ist hingegen der „lange Atem der Leidenschaft“, sagt der Theologe Eberhard Jüngel.

Wir könnten nun fragen: „Als Künstler habe ich einen langen Atem. Ich bin zwangsläufig geduldig, weil ich etwas erreichen will. Aber habe ich auch einen „langen Atem der Leidenschaft? Kenne ich eine Art „grossherzigige Geduld“ – als Künstler und Mensch? Oder sehe ich vor allem meine Fehler? Leide ich vielleicht deswegen unter Perfektionismus, künstlerischen Blockaden und Lampenfieber? Woher kommt eine gewisse ungeduldige Engherzigkeit in meinem Leben? Wer und was hat mich so geprägt? Welche Vorbilder stehen mir vor Augen? Wie kann ich nun lernen, geduldig mit mir und meiner Kunst (und mit anderen) zu werden, wie Gott geduldig ist? Es ist ja unfassbar, dass der heilige Gott mit mir nicht perfektionistisch umgeht…!“

Vielleicht nimmst du Dir jetzt – mitten im Arbeitsdruck – einige Minuten Zeit (und Geduld), um darüber nachzudenken.

Text: Beat Rink