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Mai 2016

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der HERR aber sieht das Herz an.

By Tune In No Comments

Im TUNE 171 Mal haben wir Samuel 16 auf die Künstler und auf die Frage nach dem Erfolg bezogen. Der Prophet Samuel soll unter den Söhnen Isais den König Israels auswählen. Da ist einer schöner und kräftiger als der Andere…David aber wird von den Schafen weggeholt und macht auf den ersten Blick keinen grossen Eindruck.
Aber Gott sieht sein Herz – und das ist entscheidend! Was will uns dieser Satz in 1.Samuel 16,7 sagen?

Mit wem tun wir uns zusammen?
Auch wir müssen oft entscheiden: Mit welchen Menschen tun wir uns zusammen? Mit welchen Freunden verbringen wir die meiste Zeit? Mit welchen Kollegen ziehen wir Projekte auf? Und allen voran natürlich die Frage: Wer soll mein(e) Lebenspartner(in) sein? Die Berufungsgeschichte bietet eine Hilfe: Nicht das Äussere soll uns blenden, sondern es geht um das Herz! Was heisst das aber genau? Wir sind ja nicht Gott, der ins Herz sehen kann…!

Geht es um die „reinen Motive“?
Ich höre dann und wann Worte wie: „Ich habe gemerkt, dass ich keine reinen Motive habe!“ „Hand aufs Herz“: Wer könnte von sich schon behaupten, dass seine Motive 100% rein sind? Dass zum Beispiel nicht auch einige Prozente Ehrgeiz, vielleicht sogar Konkurrenzdenken und Eifersucht hinter dem künstlerischen Schaffen stehen? Ich diskutierte einmal mit einem jüdischen Musiker über David. Sein grösstes Problem war, dass Gott David liebte, obwohl dieser König ganz schlimme Dinge tat. In der Tat: David hatte weder in seiner Jugend noch in seinem Alter ein „reines Herz“. Trotzdem verliess Gott ihn nicht, denn er sah sein „Herz an“. Was war denn so besonders an „Davids Herz“?

Davids Herz

Ich meine: David zeichnete sich durch eine grosse Demut und Liebe zu Gott aus. So konnte er nach der Busspredigt des Propheten Nathan bitten: “Verbirg dein Antlitz von meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir…” [Ps. 51, 9-11.]
Anders gesagt David wusste, dass sein Herz nicht völlig gut war. Darum brauchte er Gott umso mehr. Und darum liebte er Gott so innig, der ihm immer wieder Vergebung und durch seinen Geist Erneuerung schenkte. Demut, Bescheidenheit, Korrekturbereitschaft, Bussfertigkeit und Liebe zu Gott – diese Eigenschaften wohnten in Davids Herz.

Das Herz der Brüder
Und bei seinen Brüdern: Was wohnte in deren Herzen? Wir wissen es nicht wirklich, können es aber nur erahnen: Eigensinn, Strebertum, Stolz und im Blick auf ihr Erfolgsstreben eine Manipulations-Energie, auf die sogar der Prophet Samuel fast hereingefallen wäre.

Es geht nicht um die Frage, mit welchen Menschen wir Kontakt haben sollen oder nicht. Und ebenso wenig um die Frage, welchen Menschen wir mit Liebe begegnen sollen oder nicht. Aber es geht darum: Mit welchen wollen wir uns ernsthaft verbinden? Und schliesslich darum: Wie soll unser eigenes Herz aussehen?

Text: Beat Rink

Wann habe ich endlich Erfolg?

By Tune In No Comments

Es wäre eigenartig, wenn Künstler sich nicht fragen würden: „Habe ich Erfolg?“ – „Schätzt man meine Kunst?“ Die Frage kann sich auch zuspitzen: „Wann endlich entdeckt man mich?“ – „Ich bin so gut. Niemand erkennt mein riesiges Talent. Was muss ich tun, damit man mich entdeckt?“ Die Linie zwischen gesundem und ungesundem Erfolgsstreben ist dünn.
Manchmal merken wir: „Jetzt habe ich die Linie überschritten. Jetzt geht es mir nicht mehr um die Liebe zur Kunst und um die Liebe zu anderen Menschen – und wohl auch nicht mehr um das „Soli Deo Gloria“. Jetzt geht es mir vor allem um mein Ego… Jetzt muss ich wieder hinter diese Linie zurück.“

Die Berufungsgeschichte von David ist lehrreich. Der Prophet Samuel hört von Gott, dass unter den Söhnen des Isai der künftige König ist. Samuel schlüpft so in die Rolle des „Headhunter“ und sichtet diese jungen Burschen. Einer ist schöner und kräftiger als der andere. Aber der zukünftige König ist nicht unter ihnen. Bis Isai widerwillig den Jüngsten heranholt, der gerade die Schafe hütet. Und da erkennt Samuel: „Das ist er!“ – Er zögert nicht lange, nimmt sein Ölhorn und salbt David mitten unter seinen erschrockenen und enttäuschten Brüdern zum König.

Richten wir unser Augenmerk auf David: Er hatte sicher gehört, dass im Haus seines Vaters gerade das Programm „Samuel sucht den König“ läuft. Aber er bleibt bei seinen Schafen. Und was macht er nach der Salbung? Er kehrt wieder zu den Schafen zurück, wo er so völlig unnütze Dinge tut wie Leier spielen oder mit einer Steinschleuder auf Bäume zielen… Offenbar wohnte in ihm ein tiefes Bewusstsein: „Ich gehöre zu Gott. Und es ist Gottes Sache, ob ich gross herauskomme oder nicht. Ich konzentriere mich fleissig auf meine versteckten Aufgaben als Hirte, als Musiker und Poet und als treffsicherer Schütze. Wenn Gott will, kann ich diese Gaben einmal einsetzen. Wenn nicht, ist es auch in Ordnung“.

David wird später den Psalm 37 dichten, in dem steht: „Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.“ (V.7) Und einer seiner Nachkommen wird später sagen: „Sorget nicht um euer Leben…Trachtet zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit. So wird euch all das zufallen.“ (Matthäus 6, 33).

Darin steckt viel Trost – auch für Künstler. Wie der ‚Erfolg’ auch aussehen wird – vielleicht ganz anders, als wir uns ihn vorgestellt haben: Hauptsache, er ist „God made“ und nicht „Self made“. Hauptsache, unsere Kunst (und unser Leben als Künstler) wird dort auf höchst spannende Weise wirksam und segensreich sein, wo Gott es vorgesehen hat.

Text: Beat Rink

Passendes Lied dazu: Arthur Honegger: Le Roi David (oratorio, 1921)

‘Wir alle hören sie in unserer eigenen Muttersprache reden’

By Tune In No Comments

Vor einigen Jahren hatte ich das Vorrecht, mit einem niederländischen Chefdiplomaten einen Lunch zu essen. Auf meine Frage, was die erste Vorbedingung für eine Diplomatenkarriere wäre, meinte er ohne zu zögern: “Man muss viele Sprachen lernen.” Er erklärte mir, dass sich die meisten Menschen viel ungezwungener benehmen, wenn sie sich in ihrer eigenen Sprache unterhalten können. Denn der Stress, ihre Gedanken und Anliegen in einer fremden Sprache auszudrücken, falle damit weg. Oft könne gerade dies der erste Schritt zur Bewältigung eines Konflikts und der Anfang eines Dialogs und einer Zusammenarbeit sein.
Erinnern wir uns daran, was mit den Christen in Jerusalem an Pfingsten geschah, als der Heilige Geist auf sie herabkam: Die Ausgiessung des Heiligen Geistes bewirkte unter anderem, dass sie sich in vielen verschiedenen Sprachen äussern konnten.

Wir leben in einer Zeit, in der man keine neuen Sprachen mehr lernt. Das Erlernen einer Sprache bedeutet dabei nicht nur die Aneignung neuer linguistischer Systeme. Vielmehr entdeckt man auf einer tieferen Ebene unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten und macht sich letztlich mit andersartigen Lebensgefühlen und Lebensweisen vertraut. So trägt das Erlernen einer fremden Sprache ganz entscheidend dazu bei, dass wir anderen Menschen gegenüber offen werden. Es schiebt den Riegel für Engstirnigkeit und für die bornierte Meinung, die eigene Kultur lege fest, was normal sei – und könne sich deshalb auch das Recht herausnehmen, dem Rest der Welt ihre eigene Sichtweise aufzudrücken.

Aus christlicher Sicht ist das Erlernen von Sprachen ein Zeichen dafür, dass wir dienen, Gastfreundschaft üben und Frieden stiften wollen.

Ähnliches geschieht, wo wir Musik aus anderen Kulturkreisen spielen. Indem wir nicht bei unserer favorisierten Stilrichtung stehenbleiben, sondern uns darum bemühen, den immensen Reichtum verschiedenster Stile zu entdecken, erziehen wir uns selbst zur Offenheit anderen Menschen gegenüber. Dann entdecken wir, dass jede Kultur ihre einzigartige Ausdrucksweise hat, und dass Gott jede Nation mit Schönheiten gesegnet hat, wie man sie sonst nirgendwo findet.
Eine der Botschaften von Pfingsten besteht darin, dass wir in der Kraft des Heiligen Geistes andere Sprachen lernen können – “Sprachen” zum einen wörtlich verstanden als linguistische Systeme – und zum anderen metaphorisch als eine Gesamtheit von kulturellen Werten und emotionalen Ausdrucksweisen.
Es liegt nahe, dass wir damit den Bezug zur heutigen Flüchtlingskrise herstellen; besonders als Europäer fühlen wir uns heute dazu gedrängt.
Doch bevor wir dies tun, sollten wir an unsere eigenen Familienglieder, an unsere Kollegen und an unsere Mit-Christen denken. Auch die Beziehung zu ihnen ist ja auch immer wieder von Verständnisschwierigkeiten geprägt – bis auf den heutigen Tag.

Text: Dr. Marcel S. Zwitser / Übersetzung: Johanna Schwarzl

Nacht des Glaubens 2017

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Voll Dankbarkeit erinnern wir uns an die wunderbare erste Nacht des Glaubens im Mai 2013.
Deshalb freuen uns in voller Erwartung auf 2017.
Die Nacht des Glaubens wird somit als das konfessionsübergreifende Schweizer Festival für Kunst und Kirche am Freitag, 2. Juni 2017 in der Innenstadt von Basel zum zweiten Mal stattfinden.

Wir möchten dabei wieder ein hochstehendes, spartenübergreifendes Programm von Künstlern
aus dem In- und Ausland in der ganzen Stadt anbieten. Zeitgenössische Kunst, die sich mit dem
christlichen Glauben auseinandersetzt, tritt so in den öffentlichen Raum. Kirchen werden
ihrerseits in Kunsträume verwandelt oder zeigen ihre eigenen Kunstschätze einer breiten
Öffentlichkeit. Die Besucher kommen somit kostenlos in den Genuss vielfältiger und qualitativ
hochstehender Kunstproduktionen.

Wir stellen in allen Bereichen einen professionellen Anspruch an unsere Arbeit. Die Freude an den
verschiedenen Kunstformen, an spannenden Begegnungen und am Thema Glauben steht für uns
im Vordergrund. Die Programmauswahl kennt keine Sparten-Beschränkung.

Leitende Kriterien bei der Programmauswahl sind Kreativität, Originalität und künstlerische
Professionalität. Über Programmbeiträge an der Nacht des Glaubens entscheidet eine
Programmkommission, die sich aus Fachleuten einzelner Kunstsparten zusammensetzt.

Ab jetzt können künstlerische Programmbeiträge mittels Antragsformular bis
a) 30. Juni, b) 30. September, c) 30. November 2016 eingereicht werden.

Anmelden direkt hier.
Die Programmbeiträge und Projekte werden der Reihe nach in drei Programm-Sitzungen
bearbeitet und wenn möglich den Veranstaltungsorten zugeordnet. Die Entscheidungen werden
den Künstlern jeweils nach den Programmsitzungen kommuniziert.

Gerne halten wir euch mit unserem Newsletter auf dem Laufenden. Wenn Sie Informationen
wünschen, schicken Sie uns ein Email an: info@nachtdesglaubens.ch. Vielen herzlichen Dank!

Christian Artists Seminar

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Vom 30. Juli bis 5. August finden internationale christliche Seminartage in Bad Honnef (DE) statt.
Über 70 verschiedene Workshops in den Bereichen:
– Music; Vocals & Instruments
– Communication Arts
– Multi Media Arts
– Performing Arts

Weitere Informationen findest du auf diesem Flyer.

Frühbucherrabatt bis Ende Mai.

Ich hebe meine Augen auf… (Psalm 121)

By Tune In No Comments

Ein Lehrer meinte kürzlich: „Es ist schwierig, Schüler auf einem Klassenausflug auf die Schönheiten der Natur aufmerksam zu machen. Sie blicken höchstens mal kurz von ihrem iphone auf und werfen einen flüchtigen Blick auf die herrliche Landschaft, um gleich danach wieder hinter dem iphone zu versinken.“
Aber empören wir uns nicht zu schnell darüber. Stehen wir nicht alle in der Gefahr, mit gesenktem Blick durch die Welt zu gehen und nur gerade das vor Augen zu haben, was uns unmittelbar beschäftigt und Sorge macht? So wie der Panther im Gedicht von Rainer Maria Rilke (1875-1926): „Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / so müd geworden, dass er nichts mehr hält. / Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe / und hinter tausend Stäben keine Welt.“
Hinter welchen Gittern lassen wir uns gefangen nehmen, als gäbe es dahinter keine andere Welt?

Da tut es gut, einen Text wie Psalm 121 zu lesen, den David als Wallfahrtslied geschrieben hat:
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.

In moderne Sprache und in das Leben eines Künstlers hinein übersetzt:
„Wer hilft mir in meinen Herausforderungen und Schwierigkeiten? Wer hilft mir, gute Kunst zu machen und meine Gaben zu entfalten? Woher kommt Inspiration? Wer haucht meinen einsamen Stunden im Atelier, am Schreibtisch oder im Proberaum Leben ein? Und dann den Auftritten? Wer hilft mir, anderen Künstlern freundschaftlich zu begegnen und sie zu loben, auch wenn es einseitig ist? Wer hilft mir, dass ich mich und mein Werk nicht zu wichtig nehme? Aber andererseits auch, dass ich jenen Platz einnehmen und jenen Erfolg erleben kann, der mir zugedacht ist?“

Kommt die Hilfe von den Bergen, das heisst von den Götzen-Altären, die auf Israels Höhen rauchten? Welche Hilfen nehmen wir in Anspruch?
Nein, die Hilfe kommt vom Schöpfer des Universums. Er ist uns so zugewandt, dass er auf all unsere Schritte achtet – und dies 24 Stunden am Tag ! Schön, wie David die eigene Erfahrung mit Gott (und als König hatte er viele Probleme mit Gottes Hilfe zu bewältigen) zu einer Zusage und dann zu einem Segenswunsch werden lässt.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. …
Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Lassen wir uns in diese Denk- und Aktions-Bewegung hineinziehen,
– indem wir unseren Blick wegddrehen von dem, was uns so beschäftigt oder gar gefangen nimmt. (Frage: Was könnte das konkret heissen?)
– indem wir solche Hilfen, die nicht gut sind für uns, loslassen (Frage: Was könnte das konkret heissen?)
– indem wir „die Augen aufheben“ zum Herrn – auch gerade in diesen Tagen nach Himmelfahrt und rund um die Uhr Hilfe von Gott erwarten… (Frage: in welchen Bereichen könnten wir noch konkreter Gottes Hilfe erwarten?)
– indem wir dies auch einem anderen Menschen zusprechen: Er will deine Hilfe sein! Und ihm den Segen Davids wünschen (Frage: für wen konkret ?)

Willy Burkhard (1900-1955) hat nach Mendelssohns „Hebe deine Augen auf…“ aus dem Elias den Psalm 121 ebenfalls wunderbar vertont. (Dazu klicke hier)

Text: Beat Rink

גֵּר – der Fremde

By Tune In No Comments

Das vorherrschende gesellschaftspolitische Thema in Europa ist zur Zeit die Flüchtlingskrise. Damit verbunden sind viele schwierige Fragen. Zum Beispiel jene nach der Integration von radikalen Muslimen. In einer Schule bei Basel weigerten sich kürzlich zwei Schüler, ihrer Lehrerin die Hand zu geben – aus religiösen Gründen. Solche Entwicklungen geben zu Sorgen Anlass.
Aber auf der anderen Seite bereitet die aufkommende, zum Teil sehr gewalttätige Fremdenfeindlichkeit nicht weniger Sorgen.

Die Bibel bietet mit dem Konzept des „Schutzbürgers“ oder „Fremden“ (hebr. ger) eine interessante Orientierungshilfe. In Israel gab es viele Fremde – zur Zeit Davids waren es 153’600 Menschen (2.Chronik 2,17). Der „ger“ ist ein fremder Siedler, meist ein Flüchtling. Auch die Israeliten waren in Ägypten Fremde. Sie wurden allerdings unterdrückt. Nun soll Israel anders handeln.
Denn Gott „liebt auch die Fremden und gibt ihnen Brot und Kleidung – und auch ihr sollt den Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen“ (5.Mose 10,18f.)
Und: „Am siebten Tag sollst du ruhen, damit auch …der Fremde zu Atem kommt.“ (2.Mose 23, 12).
„In deinem Weinberg sollst du keine Nachlese halten und die abgefallenen Beeren nicht einsammeln. Du sollst sie dem Armen und dem Fremden überlassen.“ (3.Mose 19, 10)
„Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten“ (2.Mose 22,20)
„Für die Israeliten wie für die Fremden …sollen diese sechs Städte als Zufluchtsorte dienen, damit jeder dorthin fliehen kann, der einen Menschen unvorsätzlich erschlagen hat.“ (4.Mose 35,15).
„Ihr sollt jedem Fremden seinen Erbbesitz in dem Stamm zuweisen, bei dem er wohnt.“
Das heisst: Im messianischen Zeitalter ist der Fremde sogar Mit-Erbe des Landes – gemäss der Vision von Hesekiel 47, 22f.
In neutestamentlicher Perspektive sind alle Fremde eingeladen, Bürger des Reiches Gottes zu werden! („Ihr seid nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“ – Epheser 2,19)
Der „ger“ hat aber auch Pflichten. Er muss sich an die Grundregeln der gesellschaftlichen Ordnung respektieren – und besonders die Verbote respektieren. Zum Beispiel darf er keine Götzen anbeten. Er muss aber nur wenige kultische Gebote Israels befolgen.
Dies zeigt: Israel geht höchst respektvoll mit dem „ger“ um, verlangt aber auch umgekehrt Respekt und Einhaltung der wichtigsten Regeln.
Der Fremde ist „von Gott gemacht“, steht im Stück „Thomas Morus“, an dem verschiedene Autoren mitgearbeitet haben – auch Shakespeare, wie eine berühmte Manuskriptseite zeigt – das einzige Manuskript aus Shakespeares Hand! Um 1600 nimmt der Widerstand der Londoner Bevölkerung gegen gefloheen Hugenotten stark zu. Der Katholik Thomas Morus hält im Stück eine flammende Rede gegen solche Fremdenfeindlichkeit.

Stellt euch doch einmal vor,
der König liesse Milde walten und
verbannte euch: wo suchtet ihr dann Zuflucht?
Bei welchem Volk, das sich verhält wie ihr,
bekamt ihr Schutz? Geht hin nach Frankreich, Flandern,
in deutsche Lande, Spanien, Portugal,
ja, irgendwohin, wo nicht England ist
– ihr wäret Fremde. Wie gefiels euch dann,
ein Volk zu finden, das, wie ihr Barbaren,
in furchtbare Gewalt ausbricht und euch
den Aufenthalt verwehrt, ja, euch stattdessen
das Messer wütend an die Kehle setzt
und euch wie Hunde fortjagt, so als ob
ihr nicht von Gott gemacht wärt und als fehlte
bei euch was, das nur sie alleine haben?
Was hieltet ihr von solcher Art Behandlung?
So ist das Los der Fremden hier bei uns,
und so ist euer Berg von Inhumanität!

PS: „Crescendo Griechenland“ führt am 9.Mai in Thessaloniki ein Konzert zum Thema „Toleranz (gegenüber Fremden)“ durch – u.a. in Zusammenarbeit mit der orthodoxen Kirche, mit der jüdischen Gemeinschaft und Agape (Campus für Christus) Griechenland.

Text: Beat Rink