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April 2014

TUNE IN 69: Johannes 20, 24-29

Johannes 20, 24-29

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Thomas, auch Didymus genannt, einer der Zwölf, war nicht dabei gewesen, als Jesus zu den Jüngern gekommen war. Die anderen erzählten ihm: “Wir haben den Herrn gesehen!”

Thomas erwiderte: “Erst muss ich seine von den Nägeln durchbohrten Hände sehen; ich muss meinen Finger auf die durchbohrten Stellen und meine Hand in seine durchbohrte Seite legen. Vorher glaube ich es nicht.”

Acht Tage später waren die Jünger wieder beisammen; diesmal war auch Thomas dabei. Mit einem Mal kam Jesus, obwohl die Türen verschlossen waren, zu ihnen herein. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie mit den Worten: “Friede sei mit euch!”

Dann wandte er sich Thomas zu. “Leg deinen Finger auf diese Stelle hier und sieh dir meine Hände an!”, forderte er ihn auf. “Reich deine Hand her und leg sie in meine Seite! Und sei nicht mehr ungläubig, sondern glaube!”

Thomas sagte zu ihm: “Mein Herr und mein Gott!” Jesus erwiderte: “Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind die nicht sehen und doch glauben.”

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TUNE IN 68: Römerbrief 5,8 - Die drei Kreuze. Radierung von Rembrandt, 1653

Römerbrief 5,8

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“Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.” In dieser Passionszeit wollen wir uns darauf besinnen, was der Tod von Jesus am Kreuz bedeutet. Lassen wir einen der renommiertesten christlichen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zu Wort kommen: Clive Staples Lewis (aus „Pardon, ich bin Christ / Kap. II,4).

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TUNE IN 67: Johannes 3, 25-30

Johannes 3, 25-30

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“Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen”

„Da erhob sich ein Streit zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden über die Reinigung. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseits des Jordans, von dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und jedermann kommt zu ihm. Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Christus, sondern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihm zuhört, freut sich sehr über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Eifersucht ist in unserer Gesellschaft, auch unter Künstlern, ein grosses Thema. Selbst unter Christen. Kürzlich sagte ein befreundeter Schauspieler in einer Runde: „Ich merke, dass auch ich als Christ von Eifersucht heimgesucht werde.“

Eifersucht kann verschiedene Formen haben: von offener, expliziter Kundgabe von Neid über dezent angebrachter, aber liebloser Kritik bis hin zu passiver Ignorierung des andern. Eine uns bekannte Sängerin litt daran, dass sie von ihrer engsten Kollegin nie auch nur mit einem halben Wort gelobt wurde. Auch ausbleibendes Lob kann ein Zeichen aggressiver Eifersucht sein.

Wir alle kennen Eifersucht und ihre unterschiedlichen Formen und wissen, dass sie krankhafte Züge annehmen kann. Aber auch in ihren weniger krankhaften Formen ist sie eine menschliche „Krankheit“, die unsere Beziehungen und das künstlerische Zusammenwirken vergiftet.

Auch Johannes hätte allen Grund zur Eifersucht haben können. Denn seine Jünger entdecken: Jesus nimmt Taufen vor – beziehungsweise er lässt seine Jünger Taufen vornehmen! Doch Johannes war doch der erste, der getauft hatte – und Jesus war eigentlich nur sein „Nachahmer“.

Die Reaktion des Johannes ist aber alles andere als eifersüchtig. Er sagt: “Er muss wachsen! Ich aber muss abnehmen.“ Wir können diesen Satz (wie viele Sätze aus der Bibel) leicht nachsprechen. Aber bei genauer Überlegung ist er gar nicht so harmlos.

Abnehmen: Heisst das nicht, dass ich in der Bedeutungslosigkeit versinke? Dass es mich am Schluss gar nicht mehr gibt? Dabei bin ich doch (gerade als Künstler) täglich dabei, mich auf bestmögliche Art hörbar, sichtbar und lesbar zu machen?! Und Konkurrenz spornt schliesslich zu guter Leistung an. Interessanterweise verliert Johannes nicht an Bedeutung. Jesus sagt über Johannes an einer anderen Stelle: „Unter allen Menschen hat es keinen grösseren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mathäus 11,11).

Und auch die Darstellungen von Johannes in der Kunstgeschichte zeigen keinen kleinen, sondern einen grossen Johannes. So bei Matthias Grünewald auf dem Isenheimer Altar. Er tritt dort gross auf, selbst wenn aus seinem Mund die „Sprechblase“ kommt: „Illum oportet crescere me autem minui. Er muss wachsen – ich aber abnehmen.“ Warum ist Johannes gross und trotzdem klein? Eben darum, weil er nicht selber gross herauskommen will. Weil er mit grosser Geste auf Jesus hinweist. Und das heisst: Auf jenen hin, der am Kreuz hängt und der sich selbst klein macht wie keiner je vor ihm noch nach ihm.

Daraus lässt sich ableiten: Wo wir nur auf uns selber hinweisen, werden wir klein. Das gilt zum Beispiel für unsere Kirchen, wenn sie sich auf ihre eigenen Programme, ihren eigenen Stil, ihre eigenen Gaben oder ihren Pfarrer etwas einbilden. Das gilt auch für uns einzelne Christen, wo wir auf unsere eigene Frömmigkeit und auf unsere guten Werke stolz sind. Und das gilt auch für uns „christliche Künstler“ (d. h.: Künstler, die Christen sind!)

Ja, vielleicht sollten Sätze wie „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Matthäus 23,12) gerade von christlichen Künstlern sehr ernst genommen werden.

Jene Künstler, die nicht von Jesus Christus wissen, werden relativ problemlos auf sich aufmerksam machen und sich ins Zentrum stellen können. Ob dies letztlich segensreich ist und eine Kultur der Liebe fördert, ist eine andere Frage.

Christliche Künstler aber, die einer egoistischen Tendenz und einem Narzissmus, wie wir sie wohl alle irgendwie kennen, nachgeben und Eifersucht zulassen, kommen über kurz oder lang in eine innere Spannung hinein. Diese Spannung wird sie blockieren oder – noch schlimmer – in eine „schizophrene Spaltung“ hineintreiben. Denn in ihnen will ja Christus gross werden, was sich mit ungebremstem künstlerischem Egoismus und mit Eifersucht nicht vereinbaren lässt.

Eine zweite, nicht weniger problematische Tendenz muss genannt werden: Die einer falsch verstandenen Demut, eines Minderwertigkeitsgefühls und eines christlichen Duckmäusertums. Manchmal meinen wir, uns selber klein machen zu müssen, damit Jesus gross herauskommt. Das ist aber ebenso verkehrt und ungeistlich wie ausgelebter Egoismus.

Beide Haltungen (auch die letzte, die eine stolze Seite hat!) führen im schlimmsten Fall zum insgeheimen Wunsch: „Ich will zunehmen. Ich spüre aber, dass der Glaube mich darin hindern will. Am besten wäre es, wenn Jesus abnehmen würde…“

Kehren wir zurück zu Johannes: Er hatte kein Problem damit, Jesus das Feld zu überlassen. Er wusste: „Ich komme dabei nicht zu kurz. Allein im Dienst für Jesus Christus komme ich zu meiner Bestimmung und lebe spannungsfrei in meiner Berufung.“ Er musste allerdings damit rechnen, dass dies selbst das Martyrium nicht ausschliessen würde.

Wir können nun den Satz „Wo wir nur auf uns selber hinweisen, werden wir klein“ wieder im Sinn von Johannes 3,30 umkehren und, auf unsere künstlerische Berufung gemünzt, so formulieren: „Wo wir Jesus Christus Raum geben und ihn in uns wachsen lassen, werden wir von Egoismus und Eifersucht befreit. Aber wir kommen dabei nicht zu kurz. Das heisst zwar nicht automatisch, dass wir grosse Kunst machen können oder dass wir gross herauskommen. Aber wir werden im Einklang mit Jesus Christus viel eher in unserer Berufung leben können als wenn wir egoistisch und eifersüchtig gepolt sind.“

Fragen:
Auf welche Seite falle ich eher vom Seil herunter: Auf die Seite einer „falschen Demut, des Minderwertigkeitsgefühl“ oder auf die „Seite des Egoismus und der Eifersucht“?

Wie wirkt sich der (richtig verstandene) Satz „Er muss wachsen – ich aber abnehmen“ in meiner Beziehung zu meinen Kollegen aus?

Wo kann ich anderen zeigen, dass ich sie nicht eifersüchtig als Konkurrenten sehen will? Wie kann ich ihnen Wertschätzung zeigen und sie ermutigen?

Tune In 67 vom 8 . April 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+ Bild: Ton de Bordes Weitere TUNE INs findest Du hier

TUNE IN 66: Johannes 3, 14-20 / 4. Mose 21,4-9

Johannes 3, 14-20 / 4. Mose 21,4-9

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„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.“

Jesus leitet seine Worte über die Sendung des Sohnes ein (Querverweis auf 4. Mose 21, 4-9).

Dort finden wir einen seltsamen Text. Die aus der ägyptischen Knechtschaft befreiten Israeliten murren über das Manna. Dies entfacht Gottes Zorn. Er sendet Schlangen, die die Israeliten beissen. Viele sterben, bis sie Mose um Hilfe bitten.

„Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.“ (V.8+9)

Der Herr sendet Schlangen: Man könnte auch frei übersetzen: „Er lässt sie los.“ Oder: „Er hält die Schlangen, die es in der Wüste gibt, nicht mehr zurück.“

Denn Gericht ist dasselbe wie der fehlende Schutz Gottes.

„Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“

Warum muss Mose eine bronzene Schlange machen? In seinem Buch „State of the Arts. From Bezalel to Mapplethorpe“ schreibt G. E. Veith Jr.:

„Hier gibt die Schrift ein profundes Beispiel dafür, wie Kunst bei den Adressaten eine Einsicht in die Sündhaftigkeit und eine Ahnung von Rettung durch Gnade aus Glauben hervorrufen kann. Gott wollte, dass das Volk seine Blicke auf die Schlange richtete: auf ein Bild der Strafe, die er ihnen auferlegte. Er wollte, dass sie Sein Gericht und ihre Sündhaftigkeit vor Augen hatten.

Aber hatten sie da nicht bereits? Sahen sie das nicht bereits überall um sie herum in den realen Schlangen, die durchs Lager glitten? Warum sollte der Blick auf ein Bild, auf ein Werk aus glitzernder Bronze, sie mehr überzeugen denn die wirklichen Schlangen aus Fleisch und Blut und Gift?

Die Schrift legt uns hier etwas vor, was heutige Wissenschaftler gerade entdecken: wie Kunst wirkt.

Kunst ist so wirkungsvoll, weil sie die Wahrnehmung intensiviert. Dies, indem ein Objekt oder eine Erfahrung aus ihrem eigentliche Kontext herausgehoben werden, was ein neues und vollständigeres Verstehen ermöglicht.

… Als die Israeliten auf die in der Wüstensonne glitzernde Bronze-Schlange sahen, nahmen sie diese anders wahr als die durch ihre Zelte zischenden Vipern. Indem sie auf das Abbild schauten, erkannten sie Gottes Zorn über ihrer Sünde.

Die realen Schlangen waren nicht einfach zufällig hergekommene Wüsten-Vipern, ein schreckliches Naturereignis, sondern Werkzeuge des göttlichen Zorns; dies erkannten sie, weil die Metallschlange ihnen diese Deutung aufzwang – kraft der darin wirkenden göttlichen Botschaft.

Die Bronzeschlange ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Kunst die Leute aufrütteln kann, damit sie die Wahrheit erkennen.“

Es ist nun aber nicht die Kunst, die rettet. Sie führt „nur“ zur Erkenntnis der Wahrheit, dass Gott zornig ist und dass es der Umkehr und seiner Gnade bedarf. Gott ist dann gnädig dem, der erkennt und bereut. Dieses Ereignis in der Wüste nimmt auf geheimnisvolle Weise das Ereignis von Golgotha vorweg. Jesus wird wie die Schlange erhöht.

Martin Luther schreibt: „Jesus Christus ist uns verdammten Menschen gleich geworden und am Kreuz gehangen als ein giftiger, böser und schädlicher Wurm (Psalm 22,7 – jener Psalm, den Jesus am Kreuz betet!).

Ja, er scheint eben der Schlange gleich, die uns im Paradies in den Schweiss gebracht hat, dem Teufel.

Ja er ist vor der Welt also verachtet und verdammt gewesen, dass man ihn mitten unter die Mörder als ein Erzbösewicht gehängt hat“ (Jesaja 53,12).

Dem entspricht 2. Korinther 5,21: „Den, der ohne jede Sünde war, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.“

Der Schriftgelehrte Nikodemus kennt die Geschichte von der Bronze-Schlange natürlich gut. Jesus gebraucht sie, um ihm zu zeigen, wer er ist und was er tut. Dabei spricht er auch die berühmten Worte: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (V.16)

Wie kann man nun diesen Glauben ergreifen? Hat Nikodemus ihn ergriffen? Wir wissen es nicht.

Jedenfalls erfahren wir über ihn nicht, was wir 17 Kapitel später von Thomas lesen, als der Auferstandene sich ihm zeigt. Thomas sagt schlicht: „Mein Herr und mein Gott.“

Es ist ein Wort der Anbetung und des Bekenntnisses, des freudig ergriffenen Glaubens. Auch wir sind eingeladen, diese Worte zu unserem Gebet zu machen.

> Antworte ich auf die Botschaft in Johannes 3, 14-20 mit dem Gebet des Thomas oder bin ich eher wie Nikodemus, der unschlüssig weggeht und vielleicht noch Zeit zum Nachdenken braucht? Welche Fragen habe ich in diesem Zusammenhang? (bitte Fragen jederzeit schreiben an: info@crescendo.org )

> Möchte ich auch andere darauf aufmerksam machen und dazu einladen, zu glauben? Was heisst das konkret?

> Wie verstehe ich meine Kunst im Licht von 4.Mose 21?

TUNE IN 66 vom 2. April 2014 |Text: ist Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Bild: Bild: Hospitalkirche Hof: Schlange des Mose Weitere TUNE INs findest Du hier