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März 2014

ARTS+ 2014: “meet Artists – meet ARTS+”

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Kunstbeitrag zur ARTS+ Mitgliedervollversammlung 2014 am 27. März im Kulturhaus West im schweizerischen Zofingen.

Das Künstlerpaar Andrea und Matthias Kipfer untermalt die Hauptversammlung mit Stücken von Bach über Mozart bis hin zu Gershwin. Hier in Bild und Ton die irischen Stücke
“College Hornpipe” (Trad.)
“Star Of The County Down ” (Trad.)
“Galopede” (Trad.)
“The Flower Of The Queen” (James Scott Skinner)

Video: Georg Rettenbacher, georg.rettenbacher@web.de

 

TUNE IN 65: Johannes 3, 8 / Hesekiel 1

Johannes 3, 8 / Hesekiel 1

By Tune In No Comments

„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.“

Manchmal hilft es zu einem besseren Textverständnis, wenn man den eigenen Namen einsetzt. Versuchen wir es einmal: „Also bin ich ….. wie der Wind, der bläst, wo er will. Man hört sein Sausen wohl, aber man weiss nicht, woher ich … komme und wohin ich …. fahre.“

Jesus verknüpft diese Aussagen über den Geist aufs engste mit der Person dessen, der „aus dem Geist geboren ist“.

Es wäre nun allerdings problematisch, diese Worte als Anleitung zu einem möglichst unbeständigen, unzuverlässigen, weiterschwenderischen, impulsiven und aus dem Moment heraus geführten Lebensstil zu verstehen.

Und er wäre auch problematisch, daraus ein künstlerisches Konzept abzuleiten. So als gelte es, möglichst spontan, aus dem Bauch heraus, inspiriert und wenig reflektiert zu musizieren, zu schreiben, zu malen, zu tanzen…

Was will Jesus nun aber sagen?

Im Buch Hesekiel findet sich zu Beginn die Vision von vier Gestalten mit je vier Gesichtern und Flügeln, die sich nach allen Richtungen bewegen „wohin der Geist sie” trieibt“ (vgl. Hes.1,12.20). Und wenn sie gingen, rauschten die Flügel „wie grosse Wasser“ (V.24). Im Inneren des „Wagens“ gab es auch Bewegung und sogar Feuer und Blitze.

Ich vermute, dass diese Stelle uns helfen könnte, Johannes 3,8 zu verstehen.

Wie? Die Gestalten bewegen sich nicht selber. Es ist der Geist, der sie bewegt. Es sind nicht ihre eigenen Gefühle, Interessen und Vorhaben. Aber trotzdem werden sie nicht wider ihren Willen bewegt. Es scheint nicht, dass sie in eine andere Richtung wollten als wohin der Geist sie treibt. Sie werden vom Geist nicht manipuliert.

Warum bewegen sie sich überhaupt? Offenbar hat die Nähe Gottes und seine Herrlichkeit (V.28) nichts Lähmendes. Sie sind nicht „vor Ehrfurcht erstarrt“.

Wenn sie stillstehen, donnert der Himmel über ihnen (V.25). Es besteht also eine enge Verbindung zwischen ihnen und Gott.

Noch einmal: Die Gestalten – und wir „Geistgetriebene“ – sind nicht Marionetten Gottes. Wir werden nicht manipuliert.

Es heisst sogar: „Es war der Geist der Gestalten in den Rädern“ (V.20). Also ist es auch ihr eigener Geist, der sie im Einklang mit Gottes Geist bewegt.

Und dasselbe gilt für uns: Der Geist Gottes korrespondiert mit unserem Geist. „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“ (Römer 8,16).

Im Römerbrief 8 klingt dasselbe an, was bei Hesekiel und Johannes steht: „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn wir haben nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass wir uns wieder fürchten müssten…“ (V.14f.). Und auch hier ist wie bei Hesekiel von der Herrlichkeit die Rede, zu der wir erhoben werden (V.17).

Was heisst dies nun für uns?
1. Der Geist Gottes weht, wo er will – aber nicht, indem er uns manipuliert und in eine Richtung zerrt, wohin wir nicht wollen.

Er weht uns vielmehr auch aus unserem eigenen Inneren an und schafft in uns den Wunsch, in eine Richtung zu gehen. So müssen wir uns nicht wie Knechte fürchten vor einem „fremden Geist“.

2. Der Geist Gottes bewegt nicht einfach „nur“ unsere spontanen Gefühle oder spricht zu unserem Unterbewusstsein.

Er bewegt oft zuallererst unsere Gedanken, ruft unser erlerntes Wissen in Erinnerung, aktiviert unsere Hirnzellen, stärkt den Willen und weckt Begeisterung und Fleiss – zum Beispiel, gute Kunst zu machen – und er bewegt natürlich auch stark unser „Herz“.

3. Die Bewegung des Geistes – des Geistes Gottes und unseres Geistes als Wiedergeborene – ist „unkontrollierbar“: man weiss nicht, woher er kommt und wohin er fährt.

Nicht ungeordnet, nicht chaotisch, nicht in die Irre führend, nicht verantwortungslos, nicht triebgesteuert, nicht treulos!

Aber eben auch nicht von anderen Menschen kontrollierbar und nicht von Systemen programmierbar.

„Der Herr ist Geist, und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2.Korinter 3,17).

4. Der Heilige Geist und unser Geist sind letztlich bewegt von der Herrlichkeit Gottes.

Das ist ihre Kraftquelle.

Sich Gott vor Augen halten – darin liegt Kraft.

Die Bewegung (unsere Bewegung!) kommt aus der Anbetung Gottes.

Was heissen diese vier Punkte für uns? Sehen wir das auch so? Erleben wir etwas davon? Vielleicht formulieren wir einen oder mehrere dieser vier Punktw zu einem persönlichen Gebet um. Ich bete…

PS: Im Kontext von Gebets-Versammlungen kann es spannende Erfahrungen mit „inspirierter Musik“, „geistgeleitetem Reden“, „spontanem Tanz“ usw. geben.

Diese Erfahrung reicht bis tief in die Kirchengeschichte und in die Bibel zurück. Das heisst nicht, dass dies dann Kunst oder eine rhetorisch ausgefeilte Predigt ist. Aber es kann ein bewegter und bewegender Ausdruck des Geistes sein, der weht wo er will.

Auch professionelle Musiker können diese besondere und herausfordernde Erfahrung machen, die wegführt von „komponierter Musik“.

Tune In 65 vom 26. März 2014 | Text: Beat Rink | Bild: E-Initiale zum Ezechiel-Kapitel der Winchester Bibel (1160 / 1175)

1 Thessalonicher 5,18

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„Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ Nach einem stündigen oder anderthalbstündigen Konzert sind wir Musiker froh, wenn wir mit Applaus bedacht werden. Der Applaus ist ein Zeichen dafür, dass das Publikum unsere Leistung schätzt. Und es tut gut, anschliessend Leute zu treffen, die ihre Dankbarkeit für das, was wir ihnen geboten haben, auch noch persönlich äussern.

Ebenso wichtig wie Dankbarkeit empfangen ist aber Dankbarkeit zu bekunden. Die Bibel legt uns ans Herz, dankbar zu sein: „Sei dankbar“ (Kolosser 3,15) und „Seid dankbar in allen Dingen.“ (1.Thess. 5,18) – dies sind nur zwei Beispiele für Stellen im Neuen Testament, in denen die Gläubigen aufgerufen werden, ihrer Dankbarkeit Gott und den Mitmenschen gegenüber Ausdruck zu verleihen.

Wie wir von Natur aus dazu neigen, die guten Dinge zu vergessen, die uns wiederfahren – und uns umgekehrt sehr genau daran erinnern, wenn uns jemand etwas schuldig geblieben ist, so empfiehlt uns die Bibel das genaue Gegenteil: Wir tun besser daran, die Verfehlungen anderer schnell zu vergessen und Gutes sehr wohl im Gedächtnis zu behalten.

Es ist offenkundig, dass der Gemütszustand der Dankbarkeit in der Musik wenig vorkommt. Allerdings: Dankbarkeit Gott gegenüber ist ein kirchenmusikalisches Thema, zum Beispiel in “Gratias agimus tibi” in Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe (Hohe Messe, BWV 232), dem der Eröffnungschor der Kantate “Wir danken dir, Gott” (BWV 29) zugrunde liegt.

Die vielleicht schönste musikalische Umsetzung finden wir in Beethovens Symphonie “Pastorale”: In “Hirtensang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm”, wo Gott für die Bewahrung in Gefahr gedankt wird. Nach einer Krankheitsphase komponierte derselbe Beethoven den “Heiligen Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit”, in der lydischen Tonart, (Streichquartett Nr. 15), obwohl sich die Dankbarkeit hier nicht ausschliesslich an Gott richtet.

Wenn der Dichter Franz von Schober in Schuberts bekanntem “Lied An die Musik” beschreibt, welchen Einfluss die Musik in schweren Zeiten auf uns hat, dann ruft er in der Schlusszeile aus: “Du holde Kunst, ich danke dir dafür”, und Schuberts Musik setzt in bewegender Weise eben jene Gefühle um, die jeder Musiker bestens kennt.

Überraschenderweise hat der sich selbst wiederholt als “Antichrist” bezeichnende Richard Strauss der Dankbarkeit in seinen Werken Ausdruck verliehen wie kaum ein anderer Komponist. In seinem Lied “Zueignung” (op.10, no.1, 1885) schliessen alle 3 Strophen mit den Worten “habe Dank”.

Eine Entsprechung zu Beethovens Symphonie Pastorale stellt die Alpensymphonie (1915) dar, ein Werk das ursprünglich den Titel “Der Antichrist” tragen sollte. Es endet mit einem “Ausklang”, in dem eine tiefe Dankbarkeit anklingt, eine Gemütsbewegung, die der Schönheit der bayerischen Alpenwelt gilt. Gegen Ende seines langen, arbeitsreichen Lebens schrieb Strauss die Sonatine für 16 Blasinstrumente (AV 143; 1943-45), die er unter den Titel stellte “Den Manen des göttlichen Mozart am Ende eines dankerfüllten Lebens”.

Dankbarkeit ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Wer es sich zur Gewohnheit macht, seine Dankbarkeit für das Gute immer wieder zum Ausdruck zu bringen und wer sich sehr wohl an all das Gute erinnern kann , was ihm andere getan haben – und was ihm Gott getan hat – der wird staunen, was sich dadurch verändert, in seinem Leben und im Leben anderer.

1. Wem bist du in deinem Leben besonders dankbar? Weshalb?

2. Was ist in der vergangenen Woche geschehen, für das du dankbar sein kannst? Hast du deine Dankbarkeit dafür gezeigt?

3. Achte in der nächsten Woche darauf, was um dich herum geschieht und wofür du dankbar sein kannst: für die wunderschönen Soli deiner Kollegen, für die gute Arbeitsatmosphäre, für die Hilfsbereitschaft deiner Dozenten, für Zeichen der Ermutigung von Familienmitgliedern und Freunden usw.

4. Welche Musik drückt für dich am besten Dankbarkeit aus?

Tune In 64 vom 19. März 2014 | Text: Dr. Marcel Zwitser (Musikwissenschafter, Niederlande) | Übersetzung aus dem Holländischen: Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Musik: Ludwig van Beethoven – Symphony No.6 op. 68 in F major Pastorale; Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Claudio Abbado (ab 32’44”) Weitere TUNE INs findest Du hier

Markus 2, 4-5

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„Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“

Die ersten 12 Verse des zweiten Kapitels im Markusevangelium sind ein ungeheuer inhaltsreicher Abschnitt, aus dem sich unzählige Lehren und viele Fragen ableiten lassen. Aber lasst uns für heute bei den ersten Worten bleiben, die Jesus spricht.

Stellen wir uns die hier beschriebene Szene einmal vor: Ein bis zum Bersten gefüllter Raum, dicht gedrängt mit Menschen, die darauf brennen, Worte aus dem Mund dieses besonderen Mannes zu hören, der mit Zeichen göttlicher Vollmacht Wunder vollbringt.


 

Tune In 63 vom 12. März 2014 | Text und Übersetzung: Uwe and Lauren Steinmetz

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TUNE IN 62: Markus 10, 13-16

Markus 10, 13-16

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Markus 10,13-16: Das Kinderevangelium und der Lehrende Chrisus

„Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.“
Zu Jesu Zeiten war es in Israel üblich, Kinder von prominenten Rabbinern segnen zu lassen. Mit großer Selbstverständlichkeit wurden die Kinder an der Seite ihrer Eltern in das religiöse Leben des Gottesvolkes eingeführt.

Die Erwachsenen leben ihren Glauben, die Kinder schauen hin und fragen. Das Alltagsleben ist von religiösen Sitten und Gebräuchen geprägt, es löst Fragen der Kinder aus und diese Fragen sollen ihnen beantwortet werden.

Israel unterschied sich von den Völkern der Umgebung durch seine außerordentliche Kinderfreundlichkeit. Verglichen mit den anderen Völkern der Antike begegnete Israel den Kindern – und auch anderen Schwachen in der Gesellschaft – in einer Haltung außerordentlicher Wertschätzung.

Dies wird nachvollziehbar, wenn wir daran denken, daß man nur Jude oder Jüdin wurde, wenn die Mutter jüdisch war. So ist es auch folgerichtig, dass Kinder als werdende Erwachsene angesehen werden und schon früh den Umgang mit dem Glauben lernen und in – und mit ihm – wachsen.

Warum also protestieren die Jünger eigentlich? Vielleicht wollten sie sich bewußt von der Tradition der Kindersegnung abgrenzen und Jesu Lehre nicht verzerren – Jesus war schliesslich ein besonderer Rabbi und es ging um das Reich Gottes!

Und wenn es um Anteil am Reich Gottes geht, dann, so mögen sie gedacht haben, ist eigene Leistung, Denken und fromme Lebensführung entscheidend. Dies kann doch Kindern noch gar nicht abverlangt werden, dies ist eine Sache der Erwachsenen! Jesus hingegen wünscht sich ihre Nähe ausdrücklich und segnet die Kinder.

Und dann sagt er das Ungeheuerliche : “Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen”! Jesus fordert jeden Gläubigen auf, eine kindliche Haltung ihm und seinem Reich gegenüber einzunehmen – voller Vertrauen, ohne Berechnung und ohne Kalkulation!

Wir sollen wie die Kinder abhängig sein von Jesus. Wir sollen ihn suchen wie kleine Kinder ihre Eltern für alle alltäglichen Dinge benötigen. Gleichzeitig – wenn wir selber Eltern sind, kennen wir dies – können wir das Reich Gottes wie das Geschenk eines Kindes empfinden.

Das Reich Gottes darf sich so zerbrechlich, einzigartig, wundervoll für uns anfühlen wie sich das Geschenk eines Kindes anfühlt, zu dem wir aus reiner Liebe hingezogen sind. Hier offenbart sich eine tiefe biblische Überzeugung: Den Kindern gehört das Reich Gottes ganz aus Gnade, weil sie ganz ohne Leistung und ohne Besitz sind!

Künstlerisches Schaffen macht uns – wenigstens vorübergehend – zu Kindern!Kreative Tätigkeiten rufen uns in eine unmittelbare „kindliche“ Gegenwart hinein – im Schaffen, Staunen und Erleben.

Eine Herausforderung für uns als gläubige Künstler sollte es sein, dieses Kindliche aus unserer eigenen Schaffenswelt in unsere Haltung als Glaubende zu übernehmen und zu bedenken: Weder unsere künstlerischen Leistungen noch unsere Lebenshaltung sind eine Eintrittskarte für das Reich Gottes, vielmehr ist es ein Glaubensleben hinter allen Dingen, welches das Kindliche in uns berührt und uns näher zu Christus bringt!

Der “Lehrende Christus” von 1931 verdeutlicht und ermahnt uns, gerade mit Blick auf die beginnende Fastenzeit Christus und sein Geschenk des Reiches Gottes wie die Kinder anzunehmen.

Er ist da, mit offenen Händen, jedem zugewandt und ohne versteckte Agenda. Wir können üben, spiegelbildlich im Gebet dieselbe Haltung einzunehmen und unsere Hände, Arme und Herz weit zu öffnen für Ihn und seine Botschaft.


 

Tune In 62 vom 6. März 2014 | Text und Übersetzung: Uwe and Lauren Steinmetz |
Skulptur: Ernst Barlach (1870-1938) – einer der bedeutendsten bildenden Künstler in Deutschland im 20. Jahrhundert erschuf in seinen Skulpturen unzählige biblische Personen und Szenen, geprägt von seiner eigenen tiefen Religiosität.