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Februar 2014

TUNE IN 61: Johannesevangelium 3, 3-8

Johannesevangelium 3, 3-8

By Tune In No Comments

„Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.

Laß dich’s nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.“

Scheinbar zusammenhanglos spricht Jesus mit Nikodemus, kaum hat dieser einige Worte gesagt, über die Wiedergeburt. Warum kommt Jesus so unvermittelt auf ein derart weit entferntes Thema zu sprechen? Nikodemus ist hin- und hergerissen zwischen Furcht und Wahrheitssuche (siehe TUNE IN 59). Aber statt, dass Jesus nun über den Pharisäismus zu streiten beginnt, eröffnet er Nikodemus den Blick auf eine neue Dimension göttlichen Wirkens.

Die humorvolle Note im sich nun entspinnenden Dialog ergibt sich aus einem radikalen Unterschied im Denken, das Jesus folgendermassen auf den Punkt bringt: Die Geburt aus dem Fleisch ist nicht dasselbe wie die Geburt aus dem Geist !

Fleisch – Geist: Ein Gegensatzpaar, das im Denken aller Jahrhunderte und Völker eine Rolle spielt. Die denkerische Trennlinie zwischen beiden Polen mag immer wieder etwas anders verlaufen, wie auch die Begriffe nie ganz gleich gefüllt sein mögen. Und trotzdem ist dieser Dialog zeitlos gültig.

Auf der einen Seite ein Mensch, der letztlich in den Kategorien eines „greifbaren“ und „kontrollierbaren“ Systems denkt – bei Nikodemus eines religiösen Systems. Auf der anderen Seite Jesus, der auf den göttlichen Geist hinweist, welcher eine Neuschöpfung bewirkt und der diese Neuschöpfung auf unkontrollierbare, vom Menschen nicht steuerbare oder manipulierbare Weise bewegt. (Auch die moderne naturwissenschaftliche Diskussion um die Entstehung der Welt kennt – selbstverständlich unter anderen Vorzeichen – dieses gegensätzliche Denken: Entweder hat sich Materie entwickelt und ist plötzlich „geistig = intelligent“ geworden. Oder Geist ist zuerst gewesen und hat Materie geschaffen).

Ein erstes Fazit: Das Christentum räumt dem Geist höchste Priorität ein. Es denkt nicht von der Materie, sondern von Geist Gottes her – und spricht bei aller Wertschätzung des Körpers zunächst den Geist des Menschen an. Deshalb mündet es auch nicht in eine Religion, die sich an Äusserlichkeiten festmacht und zum religiösen „System“ wird. Sonst verliert es eben den Geist, der weht wo er will.

Und ebensowenig sollte es innere Vorgänge wie die Wiedergeburt selbstherrlich vor sich hertragen, indem es etwa eine „Born Again“-Kultur etabliert und diese lautstark propagiert. Sonst läuft es Gefahr, diese „geistgewirkte Wiedergeburt“ zu schwächen.

Dem künstlerischen Schaffen eröffnet der recht vestandene christliche Glaube einen gewaltigen Freiraum. Aus welcher anderen Religion kommen einem Künstler ähnliche Sätze entgegen, die geist-gewirktes Schaffen so bejahen wie die Rede von der „Wiedergeburt“ und dem „Geist, der weht, wo er will“?

Jesus bietet Nikodemus eine Wiedergeburt an. Wie ist diese zu verstehen? Sie kann weder als Reinkarnation gedeutet werden noch als ein Ereignis, das der Mensch durch irgendwelche religiöse Übungen herbeiführen kann. Sie ist auch nicht ein selbständiges Ereignis auf einer „höheren Stufe“ des Christseins. Sie geschieht durch das Wasser (der Vergebung), wie es uns in der Taufe gegeben ist – und durch Gottes Geist.

Jesus spricht in den folgenden Versen in Johannes 3 sehr deutlich von seiner eigenen Sendung.
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sophn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Vers 16).

Der Glaube daran ist die Wiedergeburt.
„Wer da glaubt, daß Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren.“ (1.Johannes 5,1)

Wir haben gesehen: das Christentum betont den Vorrang des Geistigen gegenüber dem „Äusserlichen“, dem „Materiellen“, dem „System“, dem „menschlich Machbaren“. Dies kommt dem Künstler entgegen.

Die Wiedergeburt, von der Jesus spricht, bietet noch mehr: Das erneuerte Leben in der Verbindung mit dem Sohn Gottes. Und damit verknüpft Jesus die Zusage, dass wir Erfahrungen mit dem Geist Gottes machen können, der uns aus falschen Systemen herauslöst und aus Zwängen befreit, – und der uns auf überraschende (und gute!) Weise leiten will – auch als Künstler…
„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.“

Gebet: „Herr, ich ergreife neu die Zusage: „Wer da glaubt, daß Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren.“ Schenke mir die Erfahrung des Geistes, der weht, wo er will. Mach mich willig, mich von dir treiben zu lassen. Wehe in mein Leben und auch in mein künstlerisches Tun hinein. Amen.“

Johannesevangelium 3, 1+2

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„Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden. Der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du ein Lehrer bist von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“

Wer ist Nikodemus? Was treibt ihn dazu, zu Jesus zu kommen? Was hindert ihn daran, am Tag zu kommen? Wie begegnet Jesus ihm? Gehen wir zunächst kurz diesen Fragen nach…

Wer ist Nikodemus? Er ist ein Pharisäer, vielleicht sogar ein Mitglied des hohen Rats. Ein denkender Mensch, ein fragender Intelektueller…

Was treibt ihn dazu, Jesus aufzusuchen? Ziemlich sicher kommt er in eigener Mission und nicht im Auftrag der religiösen Führer Jerusalems. Er ist kein Spion, sondern ein Wahrheitssucher. Es sind die beobachteten „Zeichen“, die Nikodemus irritiert haben und ihn auf diese Suche schicken.

Gewisse „Zeichen“ wurden damals auch bei Zauberern gesehen und von den Pharisäern heftig bekämpft. Aber die Zeichen, die Jesus tut, weisen ihn als „Rabbi von Gott“ aus. Das ist ein grosses Lob, das Nikodemus hier ausspricht. Ebenso erstaunlich ist, dass Nikodemus nicht der einzige Pharisäer ist, der so denkt. Sonst würde er nicht sagen: „Wir wissen, dass …“.

Was hindert Nikodemus daran, am Tag zu kommen? Offenbar hat das Auftreten von Jesus die religiösen Kreise schon früh verstört und aufgebracht. Soeben hat er ja (nach dem Johannesevangelium) die Händler aus dem Tempel ausgetrieben. Jesus bewegt sich mit seinem Tun und Reden völlig jenseits der Norm.

Und die Norm hiess damals: strikte Befolgung der Gesetzesregeln, die für die Pharisäer so wichtg waren. Jesus durchbricht das Regelwerk radikal. Er lockert es nicht, sondern er verlässt es und bringt etwas Neues – so wie der Fest-Wein etwas ganz anderes ist als das Wasser in den Krügen, die für die rituelle Reinigung des Hochzeitspaares bereit stehen (siehe TUNE IN 58).

Nikodemus ahnt nun, welch dramatische Folgen es für sein Leben haben könnte, wenn Jesus mehr wäre als nur ein gottgesandter Lehrer – vielleicht sogar der Messias! Er müsste sich konsequent umorientieren und völlig umkehren. Er ahnt dies und fürchtet sich davor, dass andere ihn als potentiellen Jesus-Anhänger identifizieren könnten. Deshalb kommt er im Schutz der Nacht. So ist Nikodemus hin- und hergerissen zwischen Furcht und Wahrheitssuche.

Wie begegnet Jesus dem Nikodemus? Er könnte ihm vorwerfen, dass er feige ist und gefangen in seinem religiösen „System“. Er könnte mit ihm über das System – sprich: das Pharisäertum – streiten. Er könnte ihn dazu aufrufen, umzukehren und sich ihm anzuschliessen. Statt dessen spricht er von einem notwendigen inneren Geschehen: von einer inneren Erneuerung. Wir werden im nächsten TUNE IN darauf eingehen.

Bleiben wir aber hier noch bei Nikodemus selber und fragen weiter: Wo gibt es heute Menschen, die Nikodemus ähnlich sind? Die in einem gedanklichen System gefangen sind, die aber ahnen, dass es Gott gibt und die vielleicht sogar heimlich nach ihm fragen? Es gibt eine naheliegende Antwort aus der Erfahrungswelt der Kulturschaffenden – zumindest in Europa und der westlichen Welt: Viele heutige Bildungsbürger und Intelektuelle sind in einem erstaunlich starren Gedankengefüge und Weltbild zuhause.

Dieses ist nicht religiös, aber in seinem Agnostizismus oder Atheismus stark dogmatisch. Der Agnostiker sagt: „Ich kann nicht glauben, weil ich nichts weiss – und nicht wirklich wissen will.“ Der Atheist sagt: „Ich weiss, dass nicht stimmt, was die (christliche) Religion sagt.“ Beide sind Gefangene eines Denkens, das sich nicht für Gott öffnet und das sich gegenüber dem Christlichen verschliesst.

Vielleicht gibt es aber dennoch manche, die Gott zumindest „ahnen“: in der Natur, im eigenen Leben – und in der Kunst. Und die sogar Erfahrungen gemacht haben, die wir Christen deuten könnten.

Aber reicht die Irritation und die intelektuelle Neugierde aus, um wirklich nach der Wahrheit zu suchen – auch wenn sie jenseits des System liegt ? Oder ist die Furcht grösser, dass das Weltbild auf den Kopf gestellt werden könnte oder dass man als Jesus-Sucher identifiziert werden könnte?

Eine Frage an uns Christen: Wo findet Nikodemus heute einen Ort, wohin er mit seinen Fragen kommen kann? Vielleicht scheut er sich, in eine Kirche zu gehen. Oder wenn er in eine Kirche geht, dann eher in ein Kirchen-Konzert oder in einen künstlerischen Gottesdienst… Vielleicht fühlt er sich sicherer in einem Museum oder in einem Konzert. Oder in einer Literaturlesung. Findet er dort aber Christen?

Oder weiter und anders gefragt: Sind wir im Leben solcher Menschen „präsent“, damit sie mit ihren Erfahrungen und Fragen „im Notfall“ zu uns kommen können? Identifizieren sie uns als Experten in Sachen „Gott“ oder „Jesus“? Und schliesslich: Geben wir Christen den Menschen genügend Anlass zur Wahrheitssuche oder hindern wir sie eher daran? Können sie auch bei uns „Zeichen“ von Gott sehen, die sie auf gute Weise irritieren?

Der Schweizer Rockmusiker und Filmemacher, Luke Gasser (*1966), hat 2013 unter dem Titel „The Making of Jesus Christ“ einen Film und ein Buch herausgebracht. Darin geht er auf eine sehr ehrliche Spurensuche nach Jesus Christus. Er bezeichnet sich nicht als Christ, aber auch nicht als Atheist oder Agnostiker. Er ist eben ein „Nikodemus“.

Gebet:
„Herr, schenke, dass immer mehr Menschen in der Kulturwelt nach der Wahrheit suchen. Vielleicht gibt es sie bereits in meinem Umfeld. Öffne mir dann die Augen für sie. Und hilf, dass wir miteinander in Kontakt kommen. Gib mir Mut, über dich zu sprechen. Hilf, dass meine Kunst und mein ganzes Leben zu Nikodemus-Fragen Anlass geben. Amen.“

Tune In 60 vom 18. Februar 2014 | Text: Beat Rink | Literaturhinweis: Luke Gasser. The Making of Jesus Christ. Weltbild 2003

Tune In 59: Johannesevangelium 2, 13-23

Johannesevangelium 2, 13-23

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„Und er machte eine Geissel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stiess die Tische um und sprach zu denen, die Tauben festhielten: ‘Traget das davon und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause!’“

Der Bericht (15-16) über die Austreibung der Händler aus dem Tempel-Vorhof folgt unmittelbar nach jenem über die Verwandlung von Wasser zu Wein auf der Hochzeit zu Kana (siehe TUNE IN 57 und TUNE IN 58).

Es gibt Parallelen zwischen den beiden Texten. Bei beiden geht es um ein wichtiges Fest – hier um das jüdische Passahfest, das von Jesus „gerettet“ wird. Und beide Male endet der Text damit, dass wegen dieses „Zeichens“ Menschen zu glauben begannen.

Inwiefern ist diese Austreibung ein „göttliches Zeichen“? Walter Lüthi (1901-1982) ein Schweizer Theologe, der zur Zeit des Dritten Reiches die Stimme gegen die Nazis und gegen braune Tendenzen im eigenen Land erhob und mit seinen bibelzentrierten Predigten die Kirchen füllte, schreibt in einem seiner Kommentare: „Wie ist es nur möglich, dass die Viehändler sich durch Jesus vertreiben lassen? Wäre es dem Tempelkommandanten nicht ein leichtes, den armen Mann aus Nazareth in seinem kreditschädigenden Tun augenblicklich zu verhindern?“ – Stattdessen weichen alle vor diesem Mann zurück, der mit seiner Geissel (er schlägt übrigens nicht auf Menschen ein) und mit seinen Worten eine besondere Vollmacht zeigt. Das ist ein Wunder!

Einige fordern aber noch ein weiteres Zeichen. Jesus antwortet darauf noch radikaler: Dieser Tempel müsse zerstört werden. Er selber werde ihn aber in drei Tagen wieder aufrichten (19). Nach drei Tagen: Das weist auf Ostern hin. Damit kündigt Jesus an, dass das Alte durch das Neue ersetzt werde – so wie in Kana Wasser in Wein verwandelt wurde. Der alte Tempel-Gottesdienst wird durch die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen ersetzt werden.

Walter Lüthi fügt noch hinzu: Jesus legt diese Geissel beiseite und wird dafür bald seinen eigenen Rücken einer Geissel hinhalten. Und wird er die umgestossenen Tische ersetzen durch jenen Tisch, an dem er das Brot bricht und den Wein reicht.

Das Kapitel endet mit seltsamen Worten in Vers 24. Sie sind so zu verstehen: Viele beginnen nun zu glauben. Aber Jesus wendet sich von ihnen ab, weil er sie kennt. Würde er ihnen erlauben, ihm nachzufolgen, dann würden sie ihn auf seinem Weg nur behindern.

Was fangen wir mit diesem Text an?

Walter Lüthi schreibt 1942: „Das christliche Abendland, von dem wir herkommen, war so, dass es denen, die sich zu Christus bekannten, grössere und kleinere Vorteile anbot. Die Kirche war reich… Der Geist, der Vorteile sucht, war tief in die Kirche hineingewuchert.

Und nun ist Christus daran, die Kirche des Abendlandes zu reinigen von diesem Geist des Geniessens. Wir werden jetzt gefragt: Was suchst du in der Kirche? Gott oder dich selber? Wozu gehst du in die Kirche? Um zu dir selber zu kommen oder aber, um zu Gott zu kommen? Christus will jetzt seine Kirche wieder arm sein lassen.“

Diese Worte bleiben über die Kriegszeit hinaus gültig, in der sie gepredigt wurden. Sie finden ein Echo im Programm von Papst Franziskus, der eine „arme Kirche für eine arme Welt“ fordert. Das heisst: Die Kirche muss auf ihr Zentrum zurück-reduziert werden: auf den Auferstandenen. Das ist ein lebenswichtiges „Reduce to the max“ (wie ein Werbeslogan heisst). „Reduce to the max“, – dies gilt auch immer wieder für unser eigenes Glaubensleben !

Der Text wirft auch für Kulturschaffende wichtige Fragen auf. Zum Beispiel diese: Was sind die tiefsten Motive für Kunst in der Kirche?

Könnte es sein, dass viele Kirchen Kunst einfach „schick“ finden? Dass sie Künstler gern in ihren Reihen haben, weil diese der Kirche eben ein gutes Image geben? Oder geht es den Kirchen um die Künstler als Brüder und Schwestern, die in einem besonders herausfordernden Auftrag stehen?

Könnte es sein, dass unsere Kirchen Gefahr laufen, Kulturräume oder gar Konzertveranstalter zu werden, um Leute in die Kirchen zu holen – und dabei das Zentrum aus den Augen verlieren?

Und könnte es umgekehrt sein, dass Künstler in der Kirche ein Umfeld sehen, in dem sie relativ schnell einen Sonderstatus haben und entsprechend bewundert werden?

Und könnte es schliesslich sein, dass auch der moderne „Worship“ da und dort auch zur Performance neigt und seine eigentliche Aufgabe der Anbetung Gottes vergisst?

Kunst in den Kirchen: Das ist ein sehr wichtiges Thema. Es gilt, Kunst in den Kirchen zu fördern! Als Künstler wollen wir gute Kunst in die Kirchen bringen! Aber dies kann nur segensreich und kraftvoll sein, wo wir immer wieder um das „Soli Deo Gloria“ – modern eben „Reduce to the max: To the Risen-One“ ringen.

FRAGEN
Was heisst „reduce to the max“
a) für die Kirchen
b) für das eigene Glaubensleben? (Wo muss man Dinge los werden, um sich ganz auf den Auferstandenen fokussieren zu können?)
c) Für das künstlerische Engagement in der Kirche? (Wie können wir Kunst in einer „armen Kirche für eine arme Welt“ gestalten? Von welchen falschen Intentionen muss uns der Mann aus Nazareth befreien, wenn in den Kirchen Kunst gemacht wird?)


 

Tune In 59 vom 12. Februar 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+ |
Bild: El Greco (um 1600)

Johannesevangelium 2, 9-10

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„Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, woher er kam (die Diener aber wußten’s, die das Wasser geschöpft hatten), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten.“

Wenden wir uns nochmals wie in TUNE IN 57 der Hochzeit von Kana zu. Johannes berichtet, dass der Wein exzellent war. Jesus bringt damit den Bräutigam doch noch in Verlegenheit. Zu so später Stunde, wenn Gäste zwischen gutem und schlechtem Wein nicht mehr unterscheiden können, tischt man im allgemeinen nicht den besten Wein auf.

Der Spitzenwein ist aber Zeichen für die Grosszügigkeit Gottes. Ebenso wie die Menge des Weines – es sind sechs grosse Wasserkrüge – vergleichbar mit der Menge der Brote und Fische, die Jesus den 5000 Menschen austeilt – und die noch einen Rest von zwölf Körben ergeben.

Gott ist ein „verschwenderischer“ Gott! Der berühmte Prediger Charles Spurgeon (1834-1892) gab einer Predigt über Lukas 15 den Titel: „Verschwenderische Liebe für den verschwenderischen Sohn“. (‘Prodigal Love for the Prodigal Son’ “prodigal son” steht im englischen für “verlorener Sohn”).

Ein Blick in die Schöpfung genügt, um sich davon zu überzeugen, dass Gottes Kreativität überbordend und verschwenderisch ist. Seine grosszügige Liebe ist das pure Gegenteil von jener buchhalterisch-kleinlichen Kleinkariertheit und Knauserigkeit, die wir egozentrische Menschen nur allzu gern pflegen.

Die Grosszügigkeit Gottes zeigt sich am stärksten im Kreuz.

Der Theologe und Leiter der Redeemer Presbyterian Church, Timothy Keller, schreibt: „Er hat sich selbst bis zum Äussersten verschenkt am Kreuz: Er tat dies auf so unbekümmerte Weise – im Sinn einer unbekümmerten Vernachlässigung der Kosten, die er dafür aufbrachte. Jesus gab sich selbst dahin und machte sich arm und hilflos. Er war bedürftig bis zum Äussersten.“

Keller zitiert 2.Korinther 8,9: „Denn ihr wisset die Gnade unsers HERRN Jesu Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armut reich würdet.“

Kunst ist in vielerlei Hinsicht ein Spiegel der Kreativität Gottes. Sie wird von gewissen Leuten (auch in den Kirchen) als Luxus betrachtet. Warum investiert ein Künstler so viel Zeit in etwas, was keinen „Nutzen“ bringt?

Als wir am 17.Mai 2013 über 75 Veranstaltungen in einer einzigen „Nacht des Glaubens. Festival für Kunst & Kirche“ durchführten (mit 300 professionellen Künstlern, die vor insgesamt 15’000 Menschen in Basler Kirchen, Kulturhäusern und auf Plätzen auftraten), hörten wir da und dort die Reaktion: „Dieses Feuerwerk an Darbietungen ist verschwenderisch.“ – „Dieser riesige Aufwand für nur ein paar Stunden ist übertrieben!“ Aber die vielen guten Echos und die Aufmerksamkeit, die der Anlass selbst in den nationalen Medien fand, rechtfertigten den Aufwand. Vor allem staunte man darüber, dass Christen (und rund 50 Kirchen) der Stadt ein Luxus-Kunst-Geschenk machten.

Eigentlich ist verschwenderische Luxus-Kunst beste christliche Tradition; man betrete nur einmal eine jener gewaltigen gotischen Kathedralen, die sich in einem Dorf über ein paar niedrige Häuser erheben. Lassen wir uns gerade als christliche Künstler von der Grosszügigkeit unseres „verschwenderischen Gottes“ anstecken!

Tune In 58 vom 4. Februar 2014 | Text: Beat Rink, Präsident von ARTS+ |
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