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19. März 2014

1 Thessalonicher 5,18

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„Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ Nach einem stündigen oder anderthalbstündigen Konzert sind wir Musiker froh, wenn wir mit Applaus bedacht werden. Der Applaus ist ein Zeichen dafür, dass das Publikum unsere Leistung schätzt. Und es tut gut, anschliessend Leute zu treffen, die ihre Dankbarkeit für das, was wir ihnen geboten haben, auch noch persönlich äussern.

Ebenso wichtig wie Dankbarkeit empfangen ist aber Dankbarkeit zu bekunden. Die Bibel legt uns ans Herz, dankbar zu sein: „Sei dankbar“ (Kolosser 3,15) und „Seid dankbar in allen Dingen.“ (1.Thess. 5,18) – dies sind nur zwei Beispiele für Stellen im Neuen Testament, in denen die Gläubigen aufgerufen werden, ihrer Dankbarkeit Gott und den Mitmenschen gegenüber Ausdruck zu verleihen.

Wie wir von Natur aus dazu neigen, die guten Dinge zu vergessen, die uns wiederfahren – und uns umgekehrt sehr genau daran erinnern, wenn uns jemand etwas schuldig geblieben ist, so empfiehlt uns die Bibel das genaue Gegenteil: Wir tun besser daran, die Verfehlungen anderer schnell zu vergessen und Gutes sehr wohl im Gedächtnis zu behalten.

Es ist offenkundig, dass der Gemütszustand der Dankbarkeit in der Musik wenig vorkommt. Allerdings: Dankbarkeit Gott gegenüber ist ein kirchenmusikalisches Thema, zum Beispiel in “Gratias agimus tibi” in Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe (Hohe Messe, BWV 232), dem der Eröffnungschor der Kantate “Wir danken dir, Gott” (BWV 29) zugrunde liegt.

Die vielleicht schönste musikalische Umsetzung finden wir in Beethovens Symphonie “Pastorale”: In “Hirtensang. Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm”, wo Gott für die Bewahrung in Gefahr gedankt wird. Nach einer Krankheitsphase komponierte derselbe Beethoven den “Heiligen Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit”, in der lydischen Tonart, (Streichquartett Nr. 15), obwohl sich die Dankbarkeit hier nicht ausschliesslich an Gott richtet.

Wenn der Dichter Franz von Schober in Schuberts bekanntem “Lied An die Musik” beschreibt, welchen Einfluss die Musik in schweren Zeiten auf uns hat, dann ruft er in der Schlusszeile aus: “Du holde Kunst, ich danke dir dafür”, und Schuberts Musik setzt in bewegender Weise eben jene Gefühle um, die jeder Musiker bestens kennt.

Überraschenderweise hat der sich selbst wiederholt als “Antichrist” bezeichnende Richard Strauss der Dankbarkeit in seinen Werken Ausdruck verliehen wie kaum ein anderer Komponist. In seinem Lied “Zueignung” (op.10, no.1, 1885) schliessen alle 3 Strophen mit den Worten “habe Dank”.

Eine Entsprechung zu Beethovens Symphonie Pastorale stellt die Alpensymphonie (1915) dar, ein Werk das ursprünglich den Titel “Der Antichrist” tragen sollte. Es endet mit einem “Ausklang”, in dem eine tiefe Dankbarkeit anklingt, eine Gemütsbewegung, die der Schönheit der bayerischen Alpenwelt gilt. Gegen Ende seines langen, arbeitsreichen Lebens schrieb Strauss die Sonatine für 16 Blasinstrumente (AV 143; 1943-45), die er unter den Titel stellte “Den Manen des göttlichen Mozart am Ende eines dankerfüllten Lebens”.

Dankbarkeit ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Wer es sich zur Gewohnheit macht, seine Dankbarkeit für das Gute immer wieder zum Ausdruck zu bringen und wer sich sehr wohl an all das Gute erinnern kann , was ihm andere getan haben – und was ihm Gott getan hat – der wird staunen, was sich dadurch verändert, in seinem Leben und im Leben anderer.

1. Wem bist du in deinem Leben besonders dankbar? Weshalb?

2. Was ist in der vergangenen Woche geschehen, für das du dankbar sein kannst? Hast du deine Dankbarkeit dafür gezeigt?

3. Achte in der nächsten Woche darauf, was um dich herum geschieht und wofür du dankbar sein kannst: für die wunderschönen Soli deiner Kollegen, für die gute Arbeitsatmosphäre, für die Hilfsbereitschaft deiner Dozenten, für Zeichen der Ermutigung von Familienmitgliedern und Freunden usw.

4. Welche Musik drückt für dich am besten Dankbarkeit aus?

Tune In 64 vom 19. März 2014 | Text: Dr. Marcel Zwitser (Musikwissenschafter, Niederlande) | Übersetzung aus dem Holländischen: Beat Rink, Präsident von ARTS+ | Musik: Ludwig van Beethoven – Symphony No.6 op. 68 in F major Pastorale; Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Claudio Abbado (ab 32’44”) Weitere TUNE INs findest Du hier

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